[Unterwegs] Okinawa-Spezial: Schneeweiße Strände und smaragdenes Wasser

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Hier war es die letzten Wochen ruhig. Kei und ich flogen zum ersten Mal in unserem Leben nach Okinawa und hatten mit Vorbereitung und Dasein und Nachbereitung neben Arbeit alle Hände voll zu tun. Aber es war ein Urlaub, den ich lange nicht vergessen werde :3

Okinawa ist Japans südlichste Präfektur und setzt sich aus mehreren großen und kleinen Inseln zusammen. Sie gehörten nicht immer zu Japan. Bevor sich die japanischen Truppen auf den Inseln breitmachten, war das heutige Okinawa ein eigenständiges Königreich namens Ryūkyū mit eigenständiger Sprache und Kultur. An Sehenswürdigkeiten wie der Burg Shuri 首里城, in der früher die Herrscher Ryūkyūs residierten, lässt sich das auch noch erkennen.

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Am Ende des Zweiten Weltkrieges dann lieferten sich japanische und amerikanische Truppen auf Okinawa erbitterte Schlachten, die auch unter den Zivilisten viele Opfer forderten. Eine Vielzahl an Museen und Gedenkstätten erinnern an diese traurige Geschichte. Wir besuchten z.B. das Himeyuri-Friedensmuseum ひめゆり平和祈念資料館, in dem es um das Schicksal der Schülerinnen einer staatlichen Mädchen-Oberschule geht, die sich plötzlich als Sanitätstrupp im 2. Weltkrieg wiederfanden.

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Gerade das Innere des Museums ist durch die detaillierte Darstellung ein Stimmungsdämpfer, das gebe ich zu, aber die Ausstellung ist sehr interessant und ich kann sie nur empfehlen. Als ich mit meinem europäischen Gesicht umringt von Japanern vor einer Wand von Bildern der 134 getöteten Schülerinnen und Lehrer stand, hab ich mir allerdings gewünscht, ich hätte ein T-Shirt mit der Aufschrift „Nicht Amerikaner!“ an orz Man kann es drehen und wenden, wie man will, auf Okinawa denken die meisten beim Anblick eines westlichen Gesichts erst einmal „Amerikaner!“, und das kommt nicht von ungefähr. Japan zog im 2. Weltkrieg den Kürzeren, verlor Okinawa für die folgenden 25 Jahre an die amerikanische Besatzungsmacht, und auch heute noch, lange nach der Rückgabe Okinawas an Japan, sind immer noch 20% der Präfektur amerikanisches Militärgebiet, und dementsprechend viele Amerikaner laufen hier auch rum. Und auch wenn vermutlich kaum jemand auf den Inseln etwas gegen amerikanische Besucher hat, so sind die Militarbasen auf Okinawa ein ständiger Streitpunkt, denn es sind nicht nur 20% Gebiet, das von den Einwohnern nicht betreten werden darf, sondern vor allem all die Unannehmlichkeiten, die so eine Militärbasis mit sich bringt, wie Flugzeuglärm – und der ist nicht ohne, kann ich euch sagen, denn wir wohnen auch in der Nähe so einer amerikanischen Militärbasis und wissen daher, was die Leute in Okinawa tagtäglich ertragen.

Was mir von unserem Urlaub auf Okinawa jedoch am meisten im Gedächtnis geblieben sind, sind weder Ryūkyū noch die 2. WK-Geschichte und auch keine Amerikaner, sondern die atemberaubend schönen Strände und das tiefblaue Wasser. Viel hatte ich davon schon gehört und auf Bildern gesehen, aber es so mit eigenen Augen zu sehen ist doch noch mal was anderes. Gerade das Wasser war wirklich SO schön, es lässt sich kaum in Worte fassen.

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Bereits am ersten Tag fanden wir einen Strand, an den es uns über die Zeit unseres Aufenthalts mehrmals zog: den Emerald Beach エメラルドビーチ in Motobu 本部町. Der hatte nämlich nicht nur – wie der Name verspricht – smaragdgrünes Wasser, sondern auch schneeweißen Sand UND kaum Menschen auf ihm!

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Der Strand befindet sich nämlich im *lufthol* „Okinawa Commemorative National Government Park Ocean Expo Park“, und das Ziel der meisten Leuten, die hier herkommen, ist nicht der Strand, sondern das Okinawa-Churaumi-Aquarium. Und obwohl wir letzteres auch besuchten …

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… hinterließ der Strand doch einen deutlich bleibenderen Eindruck bei mir (Das Aquarium war, bis auf ein riesiges Becken, auch gar nicht so groß, wie ich erwartet hatte …) XD Man konnte Sonnenbetten und -schirme mieten, die Duschen waren umsonst, Schließfächer gab es für 100 Yen – was will man mehr? 😉 Als wir auf einem der umliegenden Parkplätze zum ersten Mal die 500 Yen berappten, eröffnete uns der freundliche Parkplatzwärter von seiner Sonnenliege aus, dass es kostenlos zu unserem Parkplatz zwei Leihfahrräder geben würde. Als wir erwähnten, dass wir die gar nicht brauchen würden, grinste er nur, sagte „Nehmt erst mal und dankt mehr später!“, und führte uns dann zu einem Weg, der uns quer durch einen wunderschönen Baumpfad und später vorbei am Meer führte. Eine ganz tolle Route, die auch auf den alten Klapperdingern ohne Gangschaltung viel Spaß machte XD

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Am dritten Tag in Okinawa entschieden wir uns, eine der kleineren abgelegenen Inseln zu besuchen, die man noch mit dem Auto erreichen kann. Wenn man schon rent-a-car hat, was auf Okinawa übrigens spottbillig ist, sollte man es auch ausnutzen 😉 Wir besuchten die Insel Ko’uri 古宇利島, die für eine ihrer Felsformationen berühmt ist.

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Da der linke Fels wie ein Herz aussieht, wird das Gebiet „Heart Rock Beach“ genannt. Für mich sahen beide übrigens aus wie Walflossen 😛

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Ich habe keine Ahnung, wie Kei dieser menschenleere Schnappschuss gelungen ist, aber Gott, wäre es echt mal so menschenleer gewesen, dieser Strand wäre ein wahr gewordener Traum gewesen XD

Da dieser Strand und jeder andere auf der Insel jedoch vor Touristen nur so explodierte und es zudem wirklich unerträglich heiß war, hielt es uns nicht wirklich lange auf der Insel und wir flüchteten zurück an den Emerald Beach XD

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Ich glaube, kulturell habe ich aus dem Urlaub nicht viel mitgenommen – es war aber auch absolut nicht das Wetter dafür. Es war so unerträglich heiß und schwül, man hat es teilweise wirklich nur im Wasser ausgehalten. Während ich mich am Strand und im Wasser in Okinawa verliebte, setzte mir die Hitze überall sonst wahnsinnig zu. Der Schweiß lief uns nur so in Bächen herunter und oft suchten wir ganz schnell wieder Schutz in unserem klimatisiertem Auto. Okinawa kulturell zu erkunden würde ich eher in einer anderen Saison empfehlen. Obwohl es dieses Jahr für einen Oktober wohl auch ganz ungewöhnlich heiß gewesen sein soll. Na juhu, dass wir dabei sein durften orz Obwohl zählen Shisa シーサー zur Kultur? Dann habe ich ORDENTLICH kulturell was mitgenommen:

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Shisa sind Wächterstatuen, die neben den Hauseingang oder auf das Dach gestellt werden, um Unglück abzuwenden. Von der Funktion her sind sie also wie komainu 狛犬, nur nicht auf Schreine beschränkt. Ha, und da behaupte ich hier doch glatt, ich hätte mich kulturell nicht gebildet in Okinawa 😛

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8 Antworten zu [Unterwegs] Okinawa-Spezial: Schneeweiße Strände und smaragdenes Wasser

  1. Kumo schreibt:

    Schöner Artikel! Wir fliegen über Neujahr nach Naha (nachdem wir bereits auf Iriomote und Ishigaki waren, wo es wirklich einige Menschenleere Orte gab). Wart ihr auch in Naha und könnt da vielleicht was empfehlen? 😊

    • nagarazoku schreibt:

      Unser Hotel war zwar in Naha, aber beflügelt durch das rent-a-car haben wir uns in Naha kaum was angeguckt XD Die Burg Shuri ist auf jeden Fall einen Besuch wert und über Neujahr solltet ihr dort im Garten auch nicht wegschmelzen XD Und der Naminoue-Schrein hat mir sonst auch noch gefallen: https://en.wikipedia.org/wiki/Naminoue_Shrine Auf dem Bild sieht der Strand etwas schöner aus, als er war 😛

  2. Tara schreibt:

    Oh man, absolutes Traum-Reiseziel, echt! Jetzt bin ich durch die Fotos richtig in Reiselaune gekommen, aaaaah 😁
    Danke für den schönen Artikel! Besonders der Strand mit dem tollen Wasser hat es mir total angetan… Hab auch gleich mal ein bisschen gegoogelt nebenbei.

    Habt ihr für den gesamten Urlaub sehr viel ausgegeben? Ich würde so gern nächstes Jahr mit meinem Freund mal runter fahren, aber das liebe Geld… 😅

    • nagarazoku schreibt:

      In Okinawa selbst war alles recht billig! Hotel war jetzt kein Luxus, aber war wie eine kleine Wohnung und hatte alles über Bad bis Kühlschrank, und war rund 5000¥ pro Nacht. Für beide! Bei airbnb findet man einiges. Der Leihwagen war 14.000¥ für die gesamten vier Tage inklusive Versicherung, also auch echt billig. Durch den Kühlschrank im Zimmer mussten wir nicht ständig außerhalb essen, aber selbst das war ein Schnäppchen im Vergleich zu Restaurants in Tokyo. Was richtig reingehauen hat, waren die Flüge. Sicher auch, weil es ein langes Wochenende im beliebten Monat Oktober war, aber zu zweit haben wir hin und zurück über 1000€ bezahlt, das war echt krass O_o Aber man sagte mir, dass es an “normalen” Wochenenden off-season sehr viel billigere Flüge gibt. Wir waren wegen einer Hochzeit da, deshalb waren wir beim Wochenende nicht flexibel, aber für den nächsten Besuch würde ich auf jeden Fall an einem billigeren Wochenende fliegen XD

      • Tara schreibt:

        Der Flug ist natürlich preislich ein ganz schöner Hammer 😰
        Aber von solchen Preisen habe ich auch schon gehört, darum war ich etwas abgeschreckt bisher, haha. Aber die alltäglichen Kosten haben sich dann ja wenigstens in Grenzen gehalten, das ist beruhigend zu hören 🙂
        Danke für die vielen Infos! 😘

  3. Tabea schreibt:

    Wenn ich mir deine geilen Fotos so angucke, frage ich mich, ob wir echt auf der gleichen Insel waren an dem Wochenende. Total schön! ^-^

    Und die ganzen Shisa – ich dachte, ich fotographiere auch mal einfach alle, an denen wir so vorbeikommen, hab aber dann irgendwann aufgegeben. Das sind echt zu viele.

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, ich musste irgendwann auch aufgeben XD Und Okinawa sieht echt je nachdem wo man hinfährt auch noch mal so krass anders aus! Als ich Ai-chans Bilder gesehen habe, dachte ich auch “Moment? DAS ist Okinawa?!” XD

  4. Pingback: Noch einmal ins Paradies. | 8900 km. Berlin ⇔ 東京

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