[Unterwegs] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (2)

(Teil 1)

Ich hatte erwähnt, dass sich recht und links ab vom Philosophenweg viele Tempel und Schreine finden, ja? Man kann sie auf seinem Weg zum Silber-Pavillon natürlich alle mitnehmen, aber bei einigen lohnt es sich mehr und bei anderen dann doch etwas weniger.

Wir fanden zum Beispiel eher durch Zufall einen relativ kleinen Schrein, der mich vor allem dadurch bezauberte, dass er eine Krähe als Motiv verwendet.

Etwas versteckt verkaufte ein gemütlicher Opa Glücksbringer und omikuji おみくじ, Orakelzettel. Die omikuji sind dabei in so einem kleinem Raben versteckt :3 Meins war eher solala, also habe ich es am Schrein gelassen, damit die Götter sich drum kümmern können 😛 Der Opa bemühte sich ganz eifrig darum, mit mir Englisch zu sprechen, während er mir ein shuin 朱印 stempelte. Als Kei ihn darauf hinwies, dass er sich ruhig auf Japanisch mit unterhalten könne, fiel der Opa fast aus seinen Socken, entschuldigte sich und meinte, er könne bei den ganzen Touristen überhaupt gar nicht unterscheiden, wer Japanisch sprechen könne und wer nicht. Ich beruhigte ihn aber, dass ich das sehr gut nachvollziehen könne und er sich auf keinen Fall entschuldigen müsse XD Nein, ganz ehrlich, in so einem Touristenmagneten wie Kyōto würde ich als Verkäufer auch immer erst mal annehmen, dass die Person mir gegenüber kein Japanisch versteht.

Ein anderer Schrein, den ich ziemlich interessant fand, war der taihō jinja 大豊神社. Aber weniger das Schreingebäude an sich, sondern die Statuen der Schreinwächter. Normalerweise sind das ja zwei komainu 狛犬, hunde-/löwenähnliche Geschöpfe, die ursprünglich aus der chinesischen Mythologie stammen. Die gab es am taihō jinja auch, und es waren die glücklichsten komainu, die ich jemals an einem Schrein zu sehen bekam XD

Es gibt diese Wächter jedoch nicht nur in der Gestalt der komainu. An Schreinen, die der inari-Gottheit gewidmet sind, bewachen meist zwei Füchse das Tor. Und beim taihō jinja waren es an einem Nebenschrein nun zwei kleine komanezumi 狛鼠, zwei Wächterratten.

Solche Statuen habe ich persönlich nun auch zum ersten Mal gesehen, und laut Recherche im Internet kann man sie auch nur noch an einem einzigen anderen Schrein in Japan finden. Genau zwei Paar komanezumi in ganz Japan (ich bitte um Aufklärung, falls dem nicht so sein sollte). Im Jahr der Ratte muss hier die Hölle los sein, an diesem Tag allerdings hatten wir den Schrein ganz für uns 😉

Erklimmt man die kleine Treppe und nähert sich dem Tor, sieht man auf der rechten Seite die männliche Ratte, die eine Schriftrolle trägt, und links das Weibchen mit … einer Nuss? Einem Wassertropfen? Einem Sakefass? Hier scheint man sich online auch nicht ganz so sicher zu sein. Aber während das Männchen für die Wissenschaft und die Gelehrsamkeit steht, repräsentiert das Weibchen Gesundheit rundherum.

Wie kam man aber überhaupt darauf, hier zwei Ratten hinzustellen? Die beiden Statuen gibt es erst seit 1969, so heißt es, errichtet im Gedenken an Ōkunushi no Mikoto, einer Gottheit, der die Flucht vor einem wütenden Buschfeuer wohl nur gelang, weil (zwei?) Ratten sie zu einer Höhle führten. Ja, da kann man schon mal dankbar sein 😛

Ein weiteres interessantes Wächterpaar an einem anderen Nebenschrein waren ein Affe und ein … Adler … ein Falke … ein Milan? (Der Schrein selbst hat den geneigten Besucher nicht gerade mit vielen Informationen versorgt.)

Zu dieser Kombination hab ich jedoch noch weniger Informationen gefunden als zu den beiden Ratten, und am Schrein selbst war leider niemand anwesend, den ich hätte fragen können. Ich habe jedoch Fotos von shuin 朱印 des taihō jinja gesehen, also ab und an ist schon jemand da … nur an dem Tag nicht … *shuinchō fest umklammer* T^T

Ein Schrein, mit dem ich persönlich jetzt nicht so viel anfangen konnte, war der hō’nen’in 法然院. Das mag an der Masse an Touristen gelegen haben, die ein Bus gleich hinter uns ausgespuckt hat, oder einfach wirklich nur daran, dass es in diesem Schrein absolut nichts Sehenswertes gab – für mich zumindest. Er war alt, und das war auch das einzige, was der Touriguide der Touristengruppe immer wieder erzählt hat. „Guckt, das Tor! So alt! Und hier, die Statue, so alt!“ Ich meine, das ist schon okay, nicht jeder Schrein hat was Spannendes zu bieten – das Spannendste, die heiligen Gegenstände, shintai 神体, die in den Schreinen aufbewahrt und angeblich von der jeweiligen Gottheit bewohnt werden, bekommt man ja eh nie zu sehen. Aber warum so etwas dann auf dem Plan so vieler Reiseveranstalter steht …?

Aber damit legten wir dann unseren Endspurt auf dem Philosophenweg ein. Hatte ich übrigens erwähnt, dass es dort vor Katzen wimmelt? Nein? Dann hier ein paar Fotos zur Unterhaltung:

 

Im nächsten Beitrag sind wir dann endlich am Silber-Pavillon 😉

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5 Antworten zu [Unterwegs] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (2)

  1. Kitty schreibt:

    haha, die komainu haben ja gute laune ❤

  2. Pingback: [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Schrein- und Tempel-Overload? | Ein Nagarazoku in Japan

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