[Unterwegs in Japan] Lang ist’s her, Asakusa!

Kei und ich waren schon lange nicht mehr einfach so in Tōkyō. Das liegt vor allem daran, dass das 5 mal die Woche mein Arbeitsweg ist und sich am Wochenende in mir alles sträubt, mich auch an diesem Tag in die Odakyū Richtung Shinjuku zu setzen. Vor zwei Wochen habe ich allerdings meinen Schweinehund einfach mal überwunden und bin mit Kei nach Asakusa 浅草 gefahren. Unser Ziel war die kappabashi 合羽橋, die berühmte Einkaufsstraße für Restaurant- und Küchenbedarf. Davor machten wir aber noch einen Abstecher zum sensōji 浅草寺, zum Schrein in Asakusa mit dem bekannten Donnertor, dem kaminarimon 雷門. Das letzte Mal war ich vor 7 Jahren (!!!) am sensōji, aber viel hat sich nicht geändert. Es schienen nur NOCH MEHR Touristen vor Ort zu sein, aber das kann auch nur Einbildung gewesen sein XD

Massen von Touristen, von denen die Hälfte auch noch wie wild mit Selfie-Sticks um sich schlug O_o

An gewissen Stellen, wie direkt vor dem Tor, aber auch rund um den Schrein selbst, kam man nur im Tippelschritt voran. Mich persönlich strengte das furchtbar an -.-

Ich wollte mir eigentlich auch wieder einen shuin 朱印 besorgen, aber die Schlange war so lang, dass wir da eine ganze Weile angestanden hätten. So wollte ich unseren Sonntag dann auch nicht verbringen ^^; Also auf in Richtung kappabashi! Unterwegs stießen wir auf einen Katzenschrein O_o

Hier sieht man es noch nicht so, aber überall standen Katzenfiguren herum O_o

Diese zwei Katzen hier verrieten es: Der Schrein ist enmusubi 縁結び gewidmet – ein Begriff, der die Verbindung zwischen zwei Menschen meint und meistens für Pärchen und Ehepaare verwand wird. Wer für eine glückliche Beziehung, aber auch eine schicksalhafte Begegnung beten will, sucht einen solchen Schrein auf.   Entsprechend fielen auch die Wünsche auf den ema 絵馬, den kleinen Holztäfelchen aus: “Ich möchte heiraten bevor ich 30 werde!”, “Ich möchte einen netten Mann kennenlernen!”, “Auf dass ich meine zukünftige Frau innerhalb dieses Jahres treffe!” Vereinzelt fand man auch ema, auf denen sich dafür bedankt wurde, dass ein solcher Wunsch erfüllt wurde: “Ich habe endlich geheiratet! Von nun an wollen wir immer zusammen sein! Vielen Dank für alles!” Ich fand das sehr niedlich :D

An dem Schrein konnte ich mir dann auch einen shuin holen – shuinchō doch nicht umsonst mitgeschleppt ( ̄▽ ̄) Die miko 巫女 stempelte und pinselte fröhlich vor sich hin, da fragte sie mich plötzlich: “Wo kommen Sie denn her?” Das Nagarazoku, inzwischen vollkommen in Japan angekommen, zögert nicht und antwortet: “Machida.” Für eine Sekunde war Japan mein Zuhause und ich lebte hier, war keine Ausländerin, sondern eine Machidaranerin auf Sightseeing. Die miko pustete mich von der Wolke schnell wieder runter, als sie mich darauf hinwies, dass sie mein Land meinte. Meine lieben hāfu, wie haltet ihr das nur immer wieder aus?

Eeegal, weiter! Jetzt aber wirklich zur kappabashi! Und was soll ich sagen? Es war ENTTÄUSCHEND! Hätte mich nicht mal einer vorwarnen können, dass man sich die kappabashi am Sonntag schenken kann??? Über die Hälfte aller Geschäfte hatte geschlossen! T^T Was für eine Enttäuschung!

SEHT IHR DAS??? ALLES ZU!!!

Die berühmten Essensreplikas, die man vor fast jedem japanischen Restaurant findet, bekamen wir zum Glück trotzdem zu sehen, und sie waren schon sehr beeindruckend:

Die Sachen sahen zum Anbeißen echt aus! Die Preise hatten es allerdings hier und da doch ordentlich in sich, also blieb es beim Angucken. Mit dem richtigen Timing kann man übrigens einen Kurs mitmachen und einen Kohlkopf selbst herstellen, aber wir hatten den Beginn der Stunde gerade verpasst. Falls wir noch mal zur kappabashi fahren sollten, müssen wir das ein wenig besser abpassen :P Wir entdeckten dann in einer Seitenstraße noch diesen Geschirrladen, dessen simples und zeitgleich farbenfrohes Design uns ganz besonders gut gefiel:

So durften wir also doch noch ein wenig Geld da lassen :P Tja, nun steht also die Frage im Raum: Lohnt sich die kappabashi an einem Samstag, z.B., mehr? Ich nehme an, dass man wohl am besten an einem Wochentag gehen sollte, denn das sind wahrscheinlich die Tage, an denen die Restaurant-Besitzer und co. dort einkaufen gehen, aber, haha, da muss ich eben leider auch arbeiten -.- Ach Mann …

Auf dem Rückweg versuchte ich mein Glück noch mal an der shuin-Schlange am sensōji und hatte Glück: Sie war kürzer und wir warteten keine 10 Minuten :D Aufgrund des Andrangs arbeiteten 5 Leute am Schalter und die Stempel wurden mit einem Föhn getrocknet O_o So etwas modernes wie ein Föhn wirkt in einem Schrein dann doch immer recht fehl am Platz, aber alles, was recht ist XD

Ja, ich bin ein Nimmersatt und habe beide verfügbaren shuin genommen :P

Um den sensōji herum gibt es übrigens viele Seitenstraßen, in denen man viele traditionelle Sachen kaufen, als auch essen kann. Wir sahen uns noch in einem Laden für japanisches Papier satt und futterten taiyaki 鯛焼き – mit süßem Bohnenmus gefüllte Waffeln in Fischform – bevor es den weiten Weg bis nach Hause ging ;)

Veröffentlicht unter Unterwegs in Japan | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ich war in Ōsaka und habe kaum etwas davon gesehen

Leser, die meinen Blog etwas länger verfolgen, erinnern sich vielleicht an das Wochenende, an dem ich in Itō war, aber kaum etwas davon zu sehen bekam, weil der Tag rigoros mit Aktivitäten verplant war, die man alle auch gut in Tōkyō hätte machen können. Und was soll ich sagen? Ich habe es wieder geschafft! Ich war in einer japanischen Stadt, dieses Mal Ōsaka 大阪, und habe wirklich kaum etwas von ihr zu sehen bekommen. Es gibt einfach diese Leute, mit denen Sightseeing nicht geht …

Aber beginnen wir doch mal am Anfang: Zum Abschluss von größeren Projekten schmeißt meine Firma für alle, die an diesem Projekt beteiligt waren, eine Abschlussfeier, eine sogenannte uchiage 打ち上げ, die wir offiziell, damit es nicht nur nach Spaß klingt als hanseikai 反省会, also Selbstkritiksfeier, bezeichnen :P Um das ganze Team an einen Ort zu kriegen, wurde beschlossen, die Feier in Ōsaka abzuhalten. Meine Firma kam für Transport und Unterkunft auf. Nun fand ich den Gedanken, ausschließlich für so eine Feier die fast 3 Stunden nach Ōsaka fahren, nicht sehr prickelnd, konnte mir aber den auf die Feier folgenden Tag leider nicht freinehmen, weil ich in meinem neuen Projekt bereits sehr beschäftigt bin und nicht zwei Tage in Folge fehlen konnte. Für den Tag der Feier waren wir komplett entschuldigt, obwohl diese erst ab 18 Uhr stattfinden sollte – Was für ein perfekter Zufall. Wir bekamen die Shinkansen-Ticktes zwar mit Datum und Uhrzeit, aber die kann man ohne Probleme und ohne Aufschlag umbuchen. Ich entschied, am Tag der Feier recht früh in Ōsaka anzukommen, mein Gepäck im Hotel abzustellen und bis abends dann Sightseeing zu machen. Dann zur Feier, Nachfeier, ins Hotelzimmer, kurz schlafen, aufstehen, zum Shinkansen und in diesem dann weiterschlafen. Klingt nach ‘nem Plan, nicht? Wenn denn mal alles so laufen würde, wie man es plant …

Do, 5:20. Warum hatte ich mir das nur angetan? Ach ja, Sightseeing in Ōsaka. Also raus aus dem Bett! Der Rucksack stand zum Glück schon gepackt bereit. Und dann ab nach Tōkyō, um den Shinkansen zu kriegen. Die Fahrt verlief unspektakulär, bis auf einen Ami, der den gesamten Wagon mit seinem Handygespräch unterhalten musste. Zum Glück “nur” 45 Minuten, da hatte ich doch glatt noch Gelegenheit, zu schlafen.

Reisen im Shinkansen finde ich persönlich sehr angenehm. Die Sitze sind schön breit, meistens ist es ruhig und inzwischen hat man wohl auch W-Lan an Bord, obwohl ich es leider nicht geschafft habe, es zum Laufen zu kriegen. Sitzt man am Fenster hat man sogar eine Steckdose :D

Gegen 11 Uhr kam ich in Shin-Ōsaka an. Das Wetter war nicht zu berauschend, aber noch keine Spur vom Regen, der für den nächsten Tag angesagt war. Ich fuhr erst einmal in mein Hotel, um mein Gepäck abzugeben (einchecken konnte ich noch nicht, aber die meisten Hotels bieten an, dass man sein Gepäck bis zum Check in bei ihnen abstellen kann). Dann machte ich mich auf den Weg zu den mir angepeilten Sehenswürdigkeiten. Unterwegs lief ich an einem Tempel vorbei, an dem ich der einzige Besucher war, das fing doch schon mal gut an :3

Das ganze hatte unglaublich Atmosphäre und ich war doch sehr auf Sightseeing eingestellt … Und dann lief ich doch einfach meinen Kollegen über den Weg. Klar, im großen Ōsaka, neben einem etwas abgelegenem Tempel, da passiert so was bestimmt ständig. Aber gut, in der Gruppe macht Sightseeing ja auch Spaß, dachte ich, und eine Einladung zum Mittagessen werde ich wohl kaum ausschlagen. Im Nachhinein hätte ich wohl einfach sagen sollen, ich würde mich mit einer Freundin zum Mittag treffen oder so was, aber wer konnte denn ahnen, dass mein Sightseeing damit sein viel zu frühzeitiges Ende gefunden hatte?

Also ging es in der Gruppe weiter. Doch anstatt Sightseeing-Spots, wollte uns einer der Herren erst einmal unser Büro in Ōsaka zeigen. Klingt spannend? War es kein Stück -.- Wir wurden einmal rumgeführt, allen dort eine Runde vorgestellt – wir zwei Ausländer in der Gruppe natürlich wieder nur mit unseren Vornamen *grummel* – aber eigentlich konnte dort kaum einer was mit uns anfangen. Das Ōsaka-Büro hat mit uns Localizern doch eben nur wenig zu tun. Im Anschluss machten wir uns endlich auf die Suche nach einem Restaurant für unser Mittagessen.

Einer unserer Herren hatte ein Restaurant im Umeda Sky Building 梅田スカイビル empfohlen bekommen, also nahmen wir den doch etwas weiteren Fußweg auf uns. Leider hatte das Restaurant geschlossen. Und anstatt nun dort, in dieser schick gestalteten Passage nach einem anderen Restaurant zu suchen …

 

… und im Anschluss z.B. den Floating Garden im Umeda Skybuilding selbst zu besuchen, …

… NEIN, stattdessen mussten wir natürlich GANZ woanders weitersuchen. Es war gegen 14.00, wenn ich mich recht erinnere, als wir uns endlich für ein Restaurant entschieden, und ich glaube, das zum Großteil auch nur, weil ich anfing, keinen Hehl mehr daraus zu machen, wie sehr mir dieser Affentanz gerade auf den Sack ging. Wer sucht denn bitte fast 2 Stunden nach einem verdammten Platz zum Mittagessen? Vor allem, wenn man stattdessen Sightseeing machen könnte? Als könnte man sich nicht auch im konbini eindecken und dann im Laufen futtern! Wir hatten doch abends eh die verdammte Feier mit freiem Essen, da muss man sich doch zum Mittag nicht vollfressen! Boah, war ich bedient!

Als wir dann endlich aus dem Restaurant kamen, war es auch schon fast Zeit, den Shuttlebus in Richtung des Hotels, in der die Feier stattfinden sollte, zu nehmen. Ein wenig Zeit war noch, aber nichts, wirklich absolut gar nichts Sehenswertes in der Umgebung und zu den Orten, die ich sehen wollte, hätte ich es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Splendid! Resigniert stieg ich also mit meinen Kollegen in den Bus ein und ließ mich zum Hotel fahren. Es gibt einfach Leute, mit denen Sightseeing nicht klappt -.-‘

Die Feier selbst hat meine Laune dann wieder aufgebessert. Der gebuchte Raum war sehr schön, das Essen gut und reichlich, zudem hatten wir eine offene Bar und für Unterhaltung war auch gesorgt :D Nach der Feier ging es zur nijikai 二次会, zur Feier nach der Feier. Keine Party in Japan ohne nijikai! Nur brauchten wir auch dieses Mal wieder ewig, um uns für ein Restaurant, oder besser gesagt für ein izakaya 居酒屋, eine japanische Kneipe, wenn man denn so will, zu entschieden. Liegt das an meinen Kollegen oder ist das die Luft in Ōsaka??? O_o 1 1/2 Stunden vergingen zwischen der Ansage, man würde sich jetzt auf zur nijikai machen, und dem tatsächlichen Betreten des izakayas! Somit war es natürlich auch unglaublich spät, als die nijikai zu Ende ging, was meistens übrigens eher dadurch passiert, dass man von den Kellnern nach 2 Stunden freundlich, aber bestimmt aus dem izakaya geworfen wird.

Die letzte Bahn hatte sich schon mindestens eine Stunde vorher aus dem Staub gemacht, und so blieb uns allen nur das Taxi. Und hier zeigte sich erst, wie wunderbar umsichtig unsere Projektmanagerin die Hotels gebucht hatte. Alle Damen unserer Gruppe waren nämlich im gleichen Business Hotel untergebracht, während die Männer halbwegs verstreut auf andere Hotels aufgeteilt waren. Was ich zu Anfang noch etwas schade fand, weil man ja so gar keine sanjikai 三次会, die Feier nach der Feier nach der Feier :P, auf einem der Zimmer machen konnte, aber es gab so keinem der inzwischen doch sehr stark angetrunkenen Männer unserer Feier eine Ausrede, sich mit einer von uns Damen in ein Taxi zu schummeln. Ich erinnere mich da an die Story einer Freundin, in der sich ein Typ, der sich schon den ganzen Abend an sie rangemacht hatte, obwohl sie mehrmals ihren Ehemann erwähnte, sich dann in ein Taxi mit ihr warf und versuchte, sie beim Aussteigen zu küssen O_o Dem hatte unsere Projektmanagerin gleich einen fetten Riegel vorgeschoben – “Alles Erfahrung”, bestätigte sie mit einem Augenrollen meine Vermutung – und es ging in rein weiblicher Begleitung in unser Hotel :D

Unser Business Hotel hatte übrigens eine reine Frauenetage! Man musste seinen Zimmerschlüssel an ein Lesegerät im Fahrstuhl halten, damit dieser in der betreffenden Etage überhaupt hielt! Manchmal frage ich mich ja echt, was es da für Vorfälle gegeben haben muss, dass so eine Einrichtung für notwendig empfunden wird …

Für eine Nacht war das Zimmer ganz fantastisch! Es hatte ein bequemes Bett und sogar eine Couch, roch nicht wie die Zimmer der Business Hotels, die ich sonst gewohnt bin, und hatte sogar einen richtig guten Föhn! Bisher hatte ich immer ganz, ganz schreckliche Föhne, bei denen ich das Gefühl hatte, ich würde meine Haare schneller trocken kriegen, wenn ich selbst pusten würde.

Ich hatte gerade meine Sachen abgestellt, da klopfte es an der Tür. Es war unsere Projektmanagerin, mit der ich mir das Taxi zum Hotel geteilt hatte. In den Händen hielt sie ein fettes Päckchen. Man hatte ihr wohl am Anschluss an die Feier nicht nur die Reste des köstlichen Kuchens, den man dort für uns bereitgestellt hatte, sondern die noch viel köstlichere Schokodeko des Kuchens mitgegeben. Verständlicherweise wollte sie den Kuchen den nächsten Tag nicht mit sich rumschleppen müssen, also dachte sie sich, wir könnte eine sanjikai im kleinen Rahmen mit Kuchen und Bier in einem unserer Zimmer machen. Perfekt! Wir holten noch die dritte Dame, die sich mit uns das Taxi geteilt hatte, dazu – wir hätten auch noch mehr Damen geholt, aber da diese teilweise schon nach der Feier oder recht früh von der nijikai gegangen sind, wussten wir nicht, ob sie noch wach sind – ich zog jedem von uns aus dem Getränkeautomaten auf unserer Etage – ja, so was gibt es meistens in Hotels in Japan – ein Bier und wir futterten Kuchen, bis wir in ein Zuckerkoma fielen. Was für ein perfekter Abschluss :D

Am nächsten Tag ging es früh und vollkommen verpennt zum Shinkansen, denn einige von uns musste ins Büro in Tōkyō und arbeiten … Ich auch -.- Zum Glück kann man im Shinkansen gut schlafen. So hab ich also von Ōsaka wirklich kaum etwas zu sehen bekommen, aber meine Kollegin fasste den Tag ganz treffend als 「気分転換になった」, kibuntenkan ni natta, als nette Abwechslung zum Arbeitsalltag zusammen. Und da stimme ich ihr zu :D Trotzdem muss ich dann irgendwann doch noch einmal zum Sightseeing nach Ōsaka. So geht das doch einfach nicht! XD

Veröffentlicht unter Leben in Japan, Mein Job in Japan, Unterwegs in Japan | 8 Kommentare

[Unterwegs in Japan] Im yakushiike-Park

In der Nähe des Eichhörnchenparks in Machida gibt es einen Park namens 薬師池公園 yakushi ike kōen, den wir im Anschluss auch gleich besuchten. Das Wetter war weniger bombig als noch am Morgen, aber der Park von der Landschaft her einfach so schön, dass uns das nicht groß gestört hat. Ich war 2008 schon einmal dort, hab aber eine Weile gebraucht, um mitzubekommen, dass es der gleiche Park ist :P

Der Park hat schöne, weitläufige Flächen, die nicht zu eng bepflanzt sind, und einen riesengroßen, sehr sauber wirkenden See genau im Zentrum.

Über das gesamte Gelände verteilt findet man Nachbauten alter Häuser, die einem zeigen, wie das Leben sich im 16. Jahrhundert so abgespielt hat. Man darf überall Photos machen und fast alles anfassen :D

Natürlich tummeln sich wie in jedem guten Park auch hier Vögel, Karpfen und Katzen, wobei ich mit einer sich hinter einem Stein wahnsinnig gut versteckt glaubenden Katze besonders viel Spaß hatte XD

Nimmt man einen etwas anstrengenden Aufstieg auf sich, kann man sogar einen Schrein besuchen. Allerdings hatte an dem Tag alles geschlossen, und ich konnte weder Glücksbringer kaufen, noch mir ein shūin stempeln lassen T^T

Für japanische Zwischenmahlzeiten war dank eines winzigen, schrulligen Restaurants auch gesorgt.

Ich hatte mich nach unserem Besuch im Spätwinter so sehr darauf gefreut, dem Park im Frühling einen weiteren Besuch abstatten zu können, aber bisher hat mir das Wetter jedes Mal einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Wochen haben wir in der Woche halbwegs ordentliches Wetter hier, nur damit es am Wochenende wie aus Kübeln gießt. So habe ich die Kirschblüte im yakushi ike kōen wohl verpasst, was mich schon ein wenig traurig macht. Hoffen wir für die nächsten Wochen auf besseres Wetter!

Veröffentlicht unter Unterwegs in Japan | 2 Kommentare

Warum nehmen eigentlich nur so wenige Japanerinnen die Pille?

Rund 3% der Japanerinnen lassen sich laut einer Statistik aus dem Jahr 2009 regelmäßig die Pille verschreiben. Rund 30% von ihnen tun das zur Schwangerschaftsverhütung. Der Rest nimmt die Pille aus medizinischen Gründen, wie zur Aknebekämpfung oder auch zur Linderung von Menstruationsbeschwerden. 3% ist eine erschreckend niedrige Zahl. Sucht man nach Ursachen für diese geringe Akzeptanz der Pille, stößt man auf Unsicherheiten durch mangelnde Aufklärung, Sorgen um die Gesundheit und unwillige Ärzte. Meine letzte Arztrechnung zeigt aber auch eine andere mögliche Ursache dafür auf:

Was Sie hier sehen, meine Damen und Herren, ist eine Arztrechnung über 8190 Yen für drei Monate Pille. Das sind umgerechnet 63 Euro. 63 Euro! Die Hälfte in etwa habe ich für eine Halbjahrespackung Pille in Deutschland bezahlt. Inklusive Untersuchung, die die Krankenkasse ja übernimmt. Für ein halbes Jahr Pille sind wir hier schon bei 126 Euro. Ohne Untersuchung. Das ist der Preis nur für das Verhütungsmittel. Ich hatte mir damals 2008 ja schon einmal die Pille in Japan verschreiben lassen und hatte sie auch noch recht teuer im Hinterkopf, aber dass sich daran seit nun fast genau 7 Jahren nichts geändert hat, erstaunt mich dann doch sehr. Hält die niedrige Akzeptanzrate die Pille so teuer oder der teure Preis die Akzeptanz so niedrig? Das Huhn und das Ei … Aber bei dem Preis kann ich schon verstehen, wenn vielleicht gerade jüngere Japanerinnen sich die Pille nicht leisten können, selbst wenn sie wollten.

Und ja, ihr habt richtig gelesen: die Pille gibt es in Rationen von bis zu drei Monaten. Mehr dürfen die Ärzte nicht herausgeben. Alle drei Monate zum Frauenarzt also. Als hätte mich der halbjährliche Besuch in Deutschland nicht schon genug genervt. Das ist alles hier dann doch noch mal etwas umständlicher und könnte ein weiterer Grund sein, warum man in Japan lieber auf andere Weise verhütet … *husthust* coitus interruptus *hust*

Veröffentlicht unter Alltag in Japan, Über Japan, Zu Gast bei Japans Ärtzen | 14 Kommentare

Der Eichhörnchenpark in Machida

An einem Samstag Morgen im Februar packte Kei und mich die Lust, etwas bei uns in der Umgebung zu unternehmen. Ich befragte Google nach Tourispots und Empfehlungen und stieß auf den Eichhörnchenpark in Machida, den 町田リス園 machida risuen,  einen Park, der einem erlaubt, seine Eichhörnchen zu füttern. Wie hätte ich dazu Nein sagen können?

Der Eichhörnchenpark ist nicht sehr groß, das Gelände für die Eichhörnchen jedoch ausladend. Die Tiere, bei denen es sich übrigens nicht um unsere roten Eichhörnchen, Sciurus vulgaris, sondern um seine grauen Verwandten, auf Englisch so genannte Pallas’s squirrel (Callosciurus erythraeus), handelt, laufen frei herum und lassen sich mit Sonnenblumenkernen zu 100 Yen das Tütchen anlocken. Etwa 200 von ihnen sollen auf dem Gelände leben, das ich persönlich mit all den Kletter- und auch Versteckmöglichkeiten sehr schön eingerichtet finde.

Dennoch frage ich mich, ob 200 Eichhörnchen nicht  etwas zu viel für eine einzige Anlage sind. Ich kenne mich mit den Tieren nicht großartig aus, aber Territorialstreitigkeiten waren schon zu beobachten. Die anwesenden Besucher haben die Tiere weniger gestresst, als sie sich hier und dort gegenseitig. Satte Eichhörnchen verkochen sich, hungrige klettern an einem hoch und rissen einem auch schon mal das ganze Tütchen mit Sonnenblumenkernen aus der Hand XD

Es gibt wohl auch drei Streifenhörnchen auf dem Gelände, die haben wir jedoch nicht zu sehen bekommen. Außerdem eine riesengroße Schildkröte, bei deren Fütterung wir zugucken durften. Die Eichhörnchen waren sehr gut darin, der Schildkröte ihr Obst und Gemüse zu mopsen O_o

Der Rest des Parks hat bei mir leider absolut keine Begeisterung ausgelöst. Von den Zuständen bei den Meerschweinchen war ich so geschockt, dass ich nicht mal Photos gemacht habe. Da waren ungelogen mindestens 100 Tiere in einem keine 4qm kleinen Käfig untergebracht, der Boden harter Stein. Man konnte Gemüse kaufen, um die Schweinis zu füttern. Damit diese besser ans Futter kommen, hatte man Plastikkübel als Erhöhungen in den Käfig gestellt. Was passierte, war, dass sich auf jeder Erhöhung rund 30 Meerschweinchen drängte, die unbedingt ans Futter wollten, und sich gegenseitig von den Kübeln schubsten. Und die waren bestimmt 30 – 50 cm hoch – für ein Meerschweinchen lebensgefährlich! Ich möchte nicht wissen, wie viele von den Tieren sich da tagtäglich verletzten. Das Ganze ist einfach mal unter aller Sau! Die restlichen Meerschweinchen waren in noch kleineren Käfigen zusammengepfercht und man konnte sie sich zum Kuscheln rausgeben lassen. Den Hasen ging es nicht besser. Im zu kleinem Gehege mit Verletzungsgefahr oder in kleinen Käfigen als Kuscheltiere gehalten. Eigentlich muss ich sagen, dass alle Tiere bis auf die Eichhörnchen in katastrophalen Bedingungen untergebracht waren. Die Papageien und Kakadus konnten gerade so ihre Flügel ausstrecken, an fliegen war jedoch nicht zu denken. Die Erdmännchen hatten keine tiefe Erde zum Buddeln … Ich bereute schnell die 400 Yen, die jeder von uns für den Eintritt bezahlt hatte … Aber Hauptsache der Souvenir-Shop hat schön viel Platz, nicht?

Rechts vorne seht ihr das Hasen”gehege”, da hinter ist das Meerschwein”gehege” mit den bunten Kübeln.

Eigentlich sollte ich es inzwischen aber auch wissen. Die japanische Heim- und Zootierhaltung war schon immer etwas, was mich abgrundtief schocken konnte. Für das Eichhorngelände kann ich den Park empfehlen, aber mit den Zuständen, die die anderen Tiere dort zu ertragen haben, könnte ich niemals wieder guten Gewissens dort Geld ausgeben -.-‘

Veröffentlicht unter Unterwegs in Japan | Hinterlasse einen Kommentar

Das Nagarazoku und die Klimaanlagen

Klimaanlagen in Japan – Segen und Fluch zugleich. Segen, weil man sowohl im Sommer als auch im Winter ohne sie dank fehlender Isolierung Außentemperaturen in geschlossenen Räumen ertragen müsste, und Fluch, weil man in japanischen Büros fälschlicherweise davon ausgeht, die Regulierung selbiger seinen Angestellten überlassen zu können.

Meine Firma macht da keine Ausnahme, und seit vor rund drei Wochen ein paar Platzwechsel stattgefunden haben, befinde ich mich mit einer mir bisher noch nicht bekannten Person im eakon gassen エアコン合戦, in einem ausgewachsenen Krieg um die Klimaanlage. Es geht dabei sowohl um die Temperatur – 19 Grad kalt im Winter??? – als auch um den Winkel, in dem die Luft aus der Klimaanlage gepustet wird – wenn es nach mir geht, parallel zur Decke, wenn es nach dem Störenfried geht, im 90 Grad Winkel nach unten direkt auf meinen Schreibtisch, und zwar mit Karacho. Ja, ich sitze DIREKT UNTER einer unserer Klimaanlagen. Ich bin daher ja der Meinung, ich sollte über die Klimaanlage verfügen dürfen, da ich immer die direkte Leidtragender  bin -.- Teilweise war die Klimaanlage so stark eingestellt, dass sie mir zu bearbeitende Unterlagen vom Schreibtisch geblasen hat, wenn ich mich nicht blitzschnell auf sie geworfen habe! Und ich konnte bisher einfach nicht rausfinden, wer der Irrwisch ist, um mal ein ernstes Gespräch mit dieser Person zu führen – vielleicht hat sie ja einen guten Grund dafür … Jedenfalls hoffe ich das für sie!!! Aber in einem Großraumbüro mit so vielen Angestellten lässt sich das natürlich schwer nachvollziehen.

Letzte Woche Montag jedoch schien die Person plötzlich aufgegeben zu haben. Die Temperatur blieb auf erträglich und der Austrittswinkel parallel zur Decke. Erleichterung. Zumindest für 3 Tage. Am Mittwoch nämlich hatte ich eine ausgewachsene WINTERneurodermitis (im FRÜHLING) auf den Wangen und eine Entzündung im linken Auge entwickelt. Wo kam das denn auf einmal her? Auf den Hinweis einer Kollegin kontrollierte ich die Einstellung der Klimaanlage. Trocken! TROCKEN! TROOOCKEN!!! Bei derzeit sowieso nur 30% Luftfeuchte hat dieser Vollidiot die Luftfeuchte um meinen Schreibtisch herum auf Wüstenniveau herabgesenkt. Ich weiß sowieso nicht, warum Klimaanlagen diese Einstellungen haben, denn im Sommer nutzt sie keiner, weil sie nicht richtig kühlt, und im Winter braucht sie niemand … nun ja, niemand mit Verstand! Ich komme nicht darüber hinweg, dass wir im Büro jemanden haben, der glaubt, “trocken” wäre das perfekte Klima für unser Büro dieser Tage. Inzwischen habe ich meine Haut mit teurer Neurodermitiscreme und meine Augenentzündung mit Augentropfen wieder in den Griff gekriegt, aber ich glaube, der Klimaanlagencheck muss, bis ich die betreffende Person ausfindig gemacht habe, ab jetzt in aller Regelmäßigkeit stattfinden. Und eigentlich hätte ich auch gerne das Geld für den ganzen Kram, den ich durch die Dummheit einer anderen Person für meine Wehwehchen kaufen musste, zurück *ärger*

Mann, Mann, freue ich mich schon wieder auf den Sommer, wenn die Leute in meinem Büro es für legitim halten, den Raum auf 17 Grad runterzukühlen. Denn 17 Grad sind genau die Anzahl an Grad, die man braucht, wenn man in leichten Sommerklamotten zur Arbeit kommt. *rant zu Ende*

Veröffentlicht unter Alltag in Japan, Ich-muss-mich-mal-auskotzen-Anfall | 8 Kommentare

Man soll ja immer mal wieder was dazulernen

Baseball ist eine der beliebtesten Sportarten in Japan und gleichzeitig die Sportart, mit der ich mich wahrscheinlich am wenigsten auskenne. Wie auch? Soweit ich weiß, hat damals kein Baseball-Anime seinen Weg in mein Kinderzimmer gefunden, um mich über die Feinheiten dieses Sports aufzuklären :P

Nun hatte ich aber Dank der guten Tabea und ihrem niemals enden wollendem Vorrat an Freikarten zu allen möglichen Veranstaltungen die Gelegenheit, mir ein Baseballspiel aus der Nähe anzusehen. Und zwar wirklich aus der Nähe, denn wir saßen in einer der ersten Reihen dicht am Spielfeldrand :D

Was die drei Stunden richtig fantastisch gemacht hat, war die Begleitung, in der ich mich befand. Bis auf den Herren in unserer Gruppe kannte sich sonst niemand von uns mit Baseball aus, und wir hatten unglaublich Spaß, herauszufinden, was für Regeln da gerade angewandt wurden. Ich glaube, ich kenne jetzt Dank den geduldigen Erklärungen unseres Herren, Google und scharfer Beobachtungsgabe rund 70% der Regeln, der Rest wollte sich uns einfach nicht erschließen. Aber hey, jetzt weiß ich über Baseball mehr als z.B. übers Golfen :P

Es standen sich übrigens Japan und Europa gegenüber. Ja, Europa. Ein wenig hat uns das schon überrascht, auch, dass wir eine Europahymne haben O_o Wieder was gelernt! Japan hat uns am Ende der letzten Runde leider ordentlich den Hosenboden versohlt, nachdem wir zwei Runden lang eigentlich ziemlich stark waren, aber das Rückspiel am nächsten Abend hat Europa wohl gewonnen ;)

Der Tokyo Dome ist übrigens nicht nur überdacht, was die ganze Veranstaltung bei den Außentemperaturen wahnsinnig erträglich machte, sondern man durfte auch sein eigenes Essen mitbringen. Wir hatten so viel dabei, dass wir am Ende die Treppen hochkullern mussten XD Bier war mit 800 Yen nicht billig, aber eins haben Tabea und ich uns gegönnt, auch um einen Schnappschuss von einer der “Bierdamen” machen zu können. Diese Damen rennen da für 2 1/2 Stunden ohne Pause die Treppen hoch und wieder runter und wieder hoch, mit einem kiloschwerem Rücksack Bier auf dem Rücken. Respekt vor so viel Durchhaltevermögen! Das Lächeln perfekt, Beine aus Stahl, der Job ist nichts für Weicheier, so viel steht fest!

Ach ja, könnte ihr euch noch an dieses Photos hier erinnern, die für eine Weile durch die sozialen Medien schwirrte? Und dann wurde das wieder auf alle Japaner ausgeweitet und auch die Japaner selbst machten da fleißig mit? „Bei uns zu Hause ist es normal, dass wir die Stadien aufräumen!“ und so. Ach ja??? Dann erklärt mir das hier mal bitte:

Japaner räumen nach einem Baseballspiel ihren eigenen Müll nicht weg, obwohl sie gewonnen haben :P

Wir hingegen haben unseren Müll ganz anständig mitgenommen :P

Veröffentlicht unter Über Japan, Unterwegs in Japan | 4 Kommentare