[Unterwegs] Kōbe-Spezial: Himejijō und eine Handvoll Schreine

Eigentlich dürfte das Himeji-Schloss, 姫路城 himejijō, ja gar nicht in dieser Reihe auftauchen, denn es steht nicht in Kōbe, sondern in der Stadt Himeji. Aber man kann von Kōbe aus so schnell und einfach dort hinfahren, dass ich darüber einfach mal hinwegsehe😛

Viele Touristenmagnete in Japan sind irgendwann in ihrer Geschichte einmal vollständig abgebrannt und mussten neu errichtet werden. Das Himejijō gehört nicht dazu. Seit dem 13. Jahrhundert thront es auf seiner Anhöhe und überstand sogar einen Bombenabwurf im 2. WK fast ohne einen Kratzer abzukriegen.

Das Faszinierendste an dem Schloss ist sicher seine Farbe. Schneeweiß ist es und trägt daher den Beinahmen shirasagijō 白鷺城 – „Schloss des weißen Reihers“. Die strahlende Farbe auf dem Bild oben ist allerdings das Ergebnis einer 5-jährigen Renovationsphase, in der u.a. die Dächer und Wände gereinigt wurden, die sich durch Verschmutzungen und Ablagerungen bereits grau gefärbt hatten. Ganz schön viel Arbeit, so ein weißes Schloss.

Das Himejijō gehört übrigens zu den UNESCO Weltkulturerben und zieht so viele Besucher an wie kein anderes Schloss in Japan. Gleich nach unserer Ankunft auf dem Gelände vernahmen wir auch schon die Durchsage: „Holt euch eure Wartetickets (整理券 seirikenn). Ohne Ticket kein Reinkommen ins Schloss!“ Wagemutig bezahlten wir die 1080 Yen pro Person für ein Kombi-Ticket, schnappten und so ein Warteticket (es gibt wohl Tage, da kommt man an und es gibt keine mehr …) und schoben uns durchs Gelände. Doch weit kamen wir nicht.

Nach wenigen Metern schon stießen wir aufs Ende der Schlange an Touristen, die auf Eintritt ins Schloss warteten. Auch mit Wartetickets dauerte es ab hier rund 1.5. Stunden. Nur bis zur Eingangstür. Wer mich kennt, weiß, dass ich nichts mehr hasse als meine Zeit in einer Schlange zu vergeuden. Was ich in der Zeit noch alles besichtigen kann! Ich googelte schnell, was das Himejijō denn an Ausstellungsstücken im Inneren zu bieten hatte und fand nicht viel. Also beschlossen wir, uns mit dem Gelände und den Anblick des Schlosses selbst zufrieden zu geben.



Ob sich dafür jetzt 1000 Yen Eintritt lohnen, lass ich mal dahingestellt, aber wenn man 80 Yen auf das normale Ticket draufbezahlt, kann man ein Kombi-Ticket erhalten und noch den kōkoen 好古園, einen neben dem Schlossgelände gelegenen Garten, mitnehmen. Und der war für einen Spaziergang wirklich sehr schön, ich kann es also nur empfehlen.



Wir waren nach dem Schlossgelände und dem Garten eigentlich ziemlich Knülle, aber nahmen an umliegenden Schreinen noch mit, was ging. Ein shuinchō 朱印帳 füllt sich schließlich nicht von selbst😛

Zum einen haben wir den Himeji-Schrein, 姫路神社 himeji jinja, noch auf dem Gelände des Himejijō besucht. Er lag etwas versteckt abseits, wirkte sehr alt und man musste ans Fenster klopfen, um die miko aus dem Hinterzimmer hervorzurufen. Offensichtlich verirren sich nicht viele Touristen hier her. Auf dem Gelände schlich zur Freude von Kei eine irgendwie fuchsähnliche Katze mit zwei verschiedenen Augenfarben herum. Der Stempel, den ich nach wenigen Minuten erhielt, ist einer der simpleren meiner Sammlung, aber ich mag das Blumenmuster sehr.


 

Ein Schrein auf dem Weg zurück zum Bahnhof ist der Gokoku-Schrein, 護国神社 gokoku jinja. Wer die Kanji lesen kann, weiß, um was für einen Schrein es sich dabei handelt. Alle anderen müssen kurz warten😛

Wir schienen in die Nachwehen einer Veranstaltung geraten zu sein. Über das gesamte Schreingelände waren weiße Tücher gespannt und Stühle in der Mitte aufgereiht. Ich schnappte mir wieder eine miko und ließ mir mein shuin stempeln. Und wie ich mich beim Warten so umblickte, fiel mein Blick auf eine Reihe von Postern mit Sprüchen wie „Zum Glück bin ich Japaner“ und „Die japanische Flagge wieder mit Stolz hochhalten. Sieh an, sieh an. Hätte ich mir den Namen des Schreins mal angesehen, bevor ich ihn betreten hätte, hätte ich wohl vorher gewusst, dass wir in einem „Schrein zum Schutze des Vaterlandes“ gelandet waren. Wer weiß, was da eben noch für eine grenzwertig rechte Veranstaltung stattgefunden hat …

Der letzte Schrein, den wir an diesem Tag aufsuchten, war der Itatehyōzu-Schrein, 射楯兵主神社 itatehyōzu jinja, dessen Namen ich mir wahrscheinlich nie merken werde. Er zog meine Aufmerksamkeit durch seine Schreinwächter auf sich: Eulen!

In einem meiner Beiträge zu Kyōto letztes Jahr hatte ich schon mal geschrieben, dass es traditionell die so genannten komainu 狛犬, Löwenhunde, sind, die den Eingang eines Schreines bewachen, aber es hier und da doch recht außergewöhnliche Wächter zu sehen gibt.

Die Wächter-Eulen hatten im Bezug auf den shuin natürlich große Erwartungen in mir geweckt, und siehe da: Eine Eule! :3 Mission accomplished!

Auf dem Rückweg zum Bahnhof Himeji gelangt man durch eine Einkaufpassage mit vielen gemütlichen Cafés. In einem von ihnen ließen wir den Tag bei Kaffee und Kuchen ausklingen.

[To be continued …]

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11 Fragen – 11 Antworten

Claudia von 8900km. Berlin ⇔ 東京 hat meinen Blog für den „Liebster Blog“-Award nominiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde der Award ins Leben gerufen, um Blogger zu vernetzen und bisher vielleicht eher unbekannte Blog ein wenig bekannter zu machen. Die vielen Fragen und Antworten, die ich bisher gesehen habe, fand ich sehr interessant, und auch beim Beantworten der Fragen, die Claudia mir gestellt hat, hatte ich viel Spaß😉

1. Warum bist du in dem Land, in dem du gerade bist?
Natürlich war der Wunsch, endlich mit meinem Mann zusammenzuleben, der Hauptgrund für mich, nach Japan zu ziehen. Aber ich kann nicht ausschließen, dass mich die besseren Jobaussichten in meinem Berufsfeld hier nicht auch so vielleicht irgendwann irgendwie nach Japan getrieben hätten. Japanische Firmen haben einfach weniger Vorurteile gegen „frisch von der Uni“.

2. Kannst du dir vorstellen wieder in dein Heimatland zurückzukehren?
Derzeit geht es mir sehr gut hier. Ich habe ein schönes Leben und arbeite gerne in meinem Job. Aber natürlich denke ich ab und zu darüber nach, wie es wäre zurückzuziehen und schließe es keineswegs aus.

3. Welches Ziel verfolgst du mit deinem Blog?
Zu Anfang war dieser Blog, wie so viele seiner Art, dazu gedacht, meine Familie und Freunde darüber auf dem Laufenden zu halten, was ich hier in meinem Austauschjahr an der Tōkai-Universität so erlebe. Dabei habe ich gemerkt, was für eine tolle Erinnerungsstütze so ein Blog für einen ist. An einige Dinge erinnere ich mich tatsächlich erst beim Lesen des entsprechenden Eintrages wieder, aber durch den Text weiß ich dann wieder ganz genau, wie ich mich damals gefühlt habe. Ich weiß nicht, wie viel von meiner anfänglichen Leserschaft noch so übrig ist, aber in der Hinsicht ist der Blog eigentlich in erster Linie für mich selbst da😉

4. Welche Dinge über dein neues Land verstehen Deutsche irgendwie immer falsch?
Dass wir hier nicht morgens, mittags und abends immer nur Sushi essen -.-‚ Nicht alle Deutschen natürlich, aber zu viele. Viel zu viele.

5. Was sind drei Orte in deinem Land, an die du Touristen mitnehmen würdest?

  1. Enoshima, weil ich einfach keinen Ort in Japan mehr liebe.
  2. Das Disney Resort, denn das dort sollte jeder einmal in seinem Leben besucht haben.
  3. Kyōto, denn noch japanischer geht es meiner Meinung nach nicht, Und irgendwo dort auch gleich noch in ein onsen😉

6. Auf was in deinem neuen Land könntest du gar nicht mehr verzichten?
Die Post. Selbst bestimmen, wann mir mein Päckchen erneut geliefert wird, ist ein Luxus, der mir in Deutschland wirklich fehlen würde.

7. Was kochst du zuhause?
In letzter Zeit durch Arbeit bedingt wenig, aber wenn dann bunt gemischt alles und am liebsten nach Rezepten von Cooking with Dog.

8. Was war für dich der schwierigste Teil der Auswanderung?
Meine Familie und Freunde zurückzulassen und die Zweifel, ob es die richtige Entscheidung war. Bisher war es das😉

9. Was würdest du Leuten, die in dein Land auswandern wollen, sagen?
Nach Deutschland? Stellt euch drauf ein, dass euch niemand helfen will (was ich damals mit Kei erlebt habe, und er war nur für ein Studienjahr da, war schon echt krass …).
Nach Japan? Je besser ihr die Sprache könnt, umso einfacher wird es euch gemacht und umso weniger abhängig werdet ihr euch fühlen.

10. Ohne welches Essen könntest du gar nicht mehr leben?
Alles mit Custard-Füllung!

11. Was ist das Beste daran zu wohnen, wo du wohnst?
Es ist wie Großstadt ohne eine Großstadt zu sein. Wir haben alles und es ist superpraktisch, aber es ist weniger beengt mit weniger Leuten.

Eigentlich besagen die Regeln, dass ich mir nach dem Beantworten der 11 Fragen 11 neue ausdenken und diese 2 bis 11 anderen Blog stellen soll, allerdings sind alle Blogs, die ich nominieren wollte, bereits nominiert wordenO_o So belasse ich es also beim Beantworten der Fragen und hoffe, das ist in Ordnung😉

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[Unterwegs] Kōbe-Spezial: Wagyū und Capybaras

Für Kei und mich ging es dieses Jahr zur Golden Week also für 3 Tage nach Kōbe. Auslandsreisen sind in der Zeit der GW immer sehr teuer, aber wenn man in Japan bleibt und auf den Shinkansen zurückgreift, dann unterscheiden sich die Preise kaum von denen an anderen Wochenenden. Wenn man sich dann auch noch eine Stadt wie Kōbe aussucht, die in Japan nicht unbedingt als Touristenstadt bekannt ist, kann man sogar halbwegs den Menschenmassen entkommen, die sich in der Zeit durchs Land wälzen😉

Da ich unsere Tickets ja kurzfristig einmal canceln und neu ausstellen lassen musste, mussten wir uns am Freitag mit einem etwas späteren Shinkansen zufriedengeben. Unsere Abfahrt verschob sich vom frühen Morgen auf 14 Uhr. Der Vorteil war, dass ich am Donnerstag nach Arbeit nicht noch ganz schnell und gestresst meine Sachen packen musste, sondern das einfach am nächsten Morgen ganz in Ruhe nach dem Aufstehen machen konnte. So relaxt bin ich wohl noch nie abgefahren (*^.^*) Dafür kamen wir allerdings auch erst um 17 Uhr in Kōbe an, und so gab es für uns an diesem Tag nur noch zwei Dinge zu tun: bis zum Abendbrot auf dem Hotelzimmer rumgammeln und dann fett Kōbe-Rind essen gehen!

Viele kennen sicher den Begriff wagyū 和牛. Kōbe-Rind gehört in die Kategorie wagyū, aber nicht jedes wagyū ist gleich Kōbe-Rind, denn diesen Titel darf nur das Fleisch der Rinder tragen, die in der Region Kōbe „geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet wurden“, sagt Wikipedia. Die Besonderheit ist das in feiner Marmorierung gleichmäßig verteilte Fett, was das Fleisch beim Braten unglaublich weich macht. Es schmilzt beim Essen quasi auf der Zunge. Für Europäer ein eher unbekanntes Geschmackserlebnis, würde ich mal behaupten, das vielleicht auch nicht jedem zusagt. Die dünnen Fleischstreifen ganz hinten auf dem Teller waren auch mir persönlich ein kleines bisschen zu fettig. Aber köstlich! Und gar nicht mal so teuer, wie ich zuerst befürchtet habe! Das da oben ist ein Pärchen-Teller, von dem man gut satt wird und insgesamt 8000 Yen, also rund 65 Euro, gekostet hat. Kein Schnäppchen, aber für 2 Leute geht das, finde ich.

Am nächsten Tag ging es für uns früh raus, denn wir hatten viel vor. Zum einem stand das „Königreich der Tiere“, 神戸どうぶつ王国 kōbe dōbutsu ōkoku, auf dem Plan – ein Zoo mit ganz, ganz vielen Streichelgelegenheiten. Nachdem mir ein Kollege erzählt hat, man könne dort Capybaras füttern und streicheln, musste ich natürlich unbedingt hin.

Hach, sind sie nicht knuffig? Trotz Golden Week war es überraschend leer, was uns natürlich sehr freute. Es gab noch viele andere Tiere zu streicheln und noch viel mehr zum Angucken. Die Anlage hat mich sehr an den Vogelpark in Kakegawa erinnert, den wir vor 2 Jahren mit Schwiegereltern besucht haben, nur lag der Fokus nicht auf Vögeln, sondern das „Angebot“ war weitgestreut.

Die meisten Tiere durften sich frei durchs Gelände bewegen, was ich sehr schön fand. Es gab auch viele Plätze für eine Pause, in der man sich an den vielen schönen Blumen, die überall auf dem Gelände angepflanzt sind, erfreuen konnte. Zudem gab es über den Tag verteilt mehrere Shows zu sehen – Greifvogel-Vorführungen, Kunststückchen mir Affen, schafehütende Hunde usw. -, aber die Capybara waren schon am besten😛

Wir sind vom Bahnhof Sannomiya 三宮 aus mit dem Port-Linier ポートライナー bis zum Bahnhof Kei-Computer mae 京コンピュータ前 gefahren. Die Fahrt fand ich sehr schön, weil sie fast die gesamte Zeit am Wasser entlang ging (*^^*)

Der Sannomiya-Bahnhof hat mich allerdings die 3 Tage über absolut in den Wahnsinn getrieben. Ich habe noch nie einen so kompakten und doch unübersichtlichen Bahnhof erlebt! Es fahren mehrere Linien dort, und jede scheint ihren eigenen Bahnhof zu haben, die untereinander aber verdammt schlecht ausgeschildert sind, alle irgendwie 2 Milliarden Etagen haben und in ihrem Aufbau absolut jegliche Logik entbehren. Und Google Maps mochte uns so auch gar nicht weiterhelfen. Hätten wir vorher gewusst, wie einfach das Vorankommen in Kōbe mit Fahrrad ist, hätten wir uns für den Tag vielleicht schon welche ausgeliehen, aber dazu kommen wir im nächsten Beitrag😉

[To be continued …]

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Odyssee am Ticketschalter

Die Golden Week ist wieder da – eine Aneinanderreihung von so vielen Feiertagen, dass man mit nur ein paar Urlaubstagen für die Brückentage eine richtig lange Pause von der Arbeit einlegen kann. Wenn man denn darf. Letztes Jahr fiel die Golden Week für mich ja ins Wasser, aber dieses Jahr haben Kei und ich BEIDE freibekommen! 10 Tage am Stück ( ̄▽ ̄) Und so eine Gelegenheit will man natürlich nicht ungenutzt lassen, also haben wir eine kurze Reise nach Kobe 神戸 gebucht. Und genau hier beginnt unsere heutige Geschichte.

Da sich in der Gaming-Branche Pläne oft sehr kurzfristig ändern, wusste ich lange nicht, ob ich mir wirklich freinehmen kann oder doch wieder die GW reinkommen muss. Die Damen und Herren Planer kästen sich mit ihrer Entscheidung auch lange nicht aus, und so fiel das finale Urteil erst vor knapp 1 1/2 Wochen. Da in der GW ganz Japan unterwegs ist, kann man es schon fast als Wunder bezeichnen, dass Kei noch am selben Abend, an dem ich ihm die freudige Nachricht überbrachte, ein halbwegs günstiges Hotelzimmer ergattern konnte. Fehlten nur noch die Tickets für den Shinkansen, die wir auch schnell online buchten. Nicht bei JR direkt, dafür sind die nicht modern genug. Die Homepage, auf der wir bestellten, sagte uns aber, wir könnten die Tickets in Shinjuku abholen. Da bin ich eh jeden Morgen, also sehr praktisch für uns. Und hier ging also meine Passierschein-A-38-Odyssee dann los.

Am ersten Schalter, den ich gleich am Tag nach der Bestellung aufsuchte, wollte man nur Tickets für den selben Tag verkaufen, schickte mich aber zu einem anderen Schalte eine Etage weiter hoch. Dort würde ich meine Tickets bekommen. Der Schalter war auch gleich drei Mal so voll, aber nach einer halben Stunde war ich endlich an der Reihe. Doch die Dame dort behauptete, sie könne mir meine Tickets nicht geben. „Und wo kann ich die Tickets dann bitte abholen?“, fragte ich etwas verwirrt. „Das kommt auf das Gebiet an, in das Sie fahren.“ – „Ich will nach Kobe.“ – „Kobe … Westjapan also“, murmelte sie. „Also die gibt es hier nicht.“ – „Und wo dann?“ – „Das weiß ich leider nicht. Gucken Sie doch mal auf die Homepage! Tschüß!“, fertigte sie mich abO_o Für eine Dame im japanischen Service war sie reichlich unhöflich, muss ich sagen. Aber gut, dann muss Kei sich verlesen haben und es war doch nicht Shinjuku. Ich machte mich erst mal auf den Weg zur Arbeit.

Abends guckten wir dann zusammen noch mal auf die Homepage und da stand es: Shinjuku, Ticketschalter am Südausgang. Aha. Ich hatte den am Westausgang aufgesucht. Na geil, gibt es jetzt hier für jedes Ticket einen eigenen Schalter? Der Bahnhof Shinjuku ist zudem riesig und der Südausgang vom Westausgang unglaublich weit entfernt. Aber gut, es hilft ja alles nichts. Am nächsten Tag versuchte ich mein Glück erneut.

Reichlich verwirrt schob ich mich durch die Passagen des Bahnhofs Shinjuku, in die es mich normalerweise eher nicht treibt. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich endlich da. Dachte ich. Es stand zwar Südausgang an der Ticketkontrollschranke in der Nähe, aber der Ticketverkauf war wohl der vom Südostausgang oder so. Natürlich hatte ich wieder rund eine halbe Stunde anstehen müssen, um das in Erfahrung zu bringen. „Warum können Sie mir die Tickets nicht einfach hier ausdrucken? Ist doch dasselbe System.“ – „Weil es auf das Gebiet ankommt, in das sie wollen.“ Na ja, es war einen Versuch wert😛

Nach weiteren 10 Minuten Irrweg war ich endlich, endlich, endlich am Ticketschalter am Südausgang. Ganz wie zu erwarten war es auch dort voll. Es verging eine weitere halbe Stunde, bevor ich dem Herrn am Schalter schon leicht entnervt bitten konnte, mir meine Tickets zu geben. „Oh, aber Tickets nach Kobe können Sie hier nicht abholen.“ Ich musste drei Mal tief Luft holen, bevor ich durch zusammengebissene Zähne zischen konnte „Und wo kann ich die bitte abholen???“ Ich muss dem Herrn etwas Angst gemacht haben, denn er stotterte „D-Das mü-müsste auf der Homepage stehen.“ – „DA STAND ‚JR-TICKETSCHALTER SÜDAUSGANG‘!!!“, fauchte ich. Ich weiß, ich weiß, die Leute im Service können nichts dafür, aber ich kam mir an der Stelle einfach nur noch so verarscht vor. Der Herr entschuldigte sich daraufhin erst mal kurz, huschte nach hinten, kam nach rund 5 Minuten zurück und erklärte mir mit ernster Miene: „Tickets nach Westjapan können Sie nur an einem Bahnhof in Westjapan abholen.“

Ich musste kurz innehalten und verarbeiten, was man mir da gerade gesagt hatte, und fasste noch mal zusammen: „Wollen Sie mir sagen, ich muss nach Westjapan fahren, um meine Tickets nach Westjapan abzuholen?“ Genau das wollte er mir damit sagen. Wartet, es kommt noch besser. Meine nächste Frage lautete: „Was ist denn der nächste Bahnhof in Westjapan, an dem ich meine Tickets bekommen könnte?“ – „Kobe!“, antwortete er frei heraus, scheinbar ohne sich der Absurdität der Situation auch nur im Geringsten bewusst zu sein. „Sie wollen jetzt also, dass ich nach Kobe fahre, um meine Shinkansen-Tickets nach Kobe abzuholen?“, fragte ich weiter. Da schien ihm zum ersten Mal aufzufallen, wie bekloppt das Ganze gerade war. Aber lasst euch nicht täuschen. Der Herr hat in der Tat keinen Fehler gemacht. Es mag bekloppt sein, aber anscheinend kann man Tickets nach Westjapan, die man auf der besagten Homepage bestellt, wirklich nur in Westjapan abholen. Es gibt auch Tickets, die man in Shinjuku am Südausgang abholen kann, aber Tickets nach Westjapan gehören nicht dazu. Ich habe absolut keine Ahnung, wer sich diesen Schwachsinn ausgedacht hat, doch so blieb mir nichts anderes übrig, als an Ort und Stelle neue Tickets zu kaufen – war ich froh, dass sie noch welche hatten – und zu hoffen, dass man die Onlinetickets noch canceln konnte. Konnte man. Durch einen überaus erbosten Anrufen von Kei auch gebührenfrei ^^;

Und somit stand unserer Reise nichts mehr im Weg, aber wenn ich aus diese Odyssee eins mitgenommen habe, dann das: Kauft euch eure Tickets lieber gleich direkt am JR-Schalter orz

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[Unterwegs] Auf den Shōtōsan

Flo war wieder in Japan, und wie immer haben wir unser Ritual eingehalten: Während sie da ist zusammen einen Berg besteigen. Unsere Wahl fiel auf den 生藤山 shōtōsan, denn er versprach nicht nur eine fantastische Aussicht auf den Fuji-san, sondern auch eine von Kirschblüten gesäumte Allee auf dem Weg nach oben – für die Kirschblütenzeit natürlich PERFEKT! Doch leider, leider, leider hatten wir kein Glück mit dem Wetter am Wochenende unserer Wahl – wobei das Wochenende an sich keine große Rolle spielte, denn ich kann mich ehrlich gesagt in letzter Zeit an kein Wochenende erinnern, das nicht irgendwie verregnet war. Es nieselte und es war erschreckend kalt. Ich hatte mir zu meinen sommerlich kurzen Bergsteigehosen zum Glück noch ein paar Thermoleggings besorgt, ich wäre ansonsten erfroren. Aber von Anfang an.

Vom Sagamiko 相模湖, einem See hier in Sagamihara 相模原 aus, kann man sich auf den Weg zu einer Vielzahl unterschiedlicher Bergspitzen machen. Für den Shōtōsan fährt man bis zum Bahnhof Fujino 藤野 und lässt sich von dort aus mit dem – wie immer sehr selten fahrenden – Bus bis zum Eingang des Berges an der Busstation Kamazawa 鎌沢入口 bringen. Dort erwartete und erst einmal eine DurchgangssperreO_o Die Brücke sei instabil, obwohl sie doch ganz stabil wirkte. Überzeugt, dass die Sperre nur für Autos gedacht war, gingen wir einfach trotzdem über die Brücke und brachen nicht ein😛 Das fehlt mir noch, dass ich mich nach fast 2 Stunden Fahrt von so einem doofen Schild vom Ziel abhalte!

Im Anschluss ging es durch das tiefe, tiefe inaka 田舎 – japanisch für ländliches Gebiet, aber irgendwie drückt das Wort inaka einfach so viel mehr aus. Über Landflucht hört man in Japan viel. Laut der Statistik ist Tōkyō die einzige Stadt, die eine konstante Zunahme an Bewohnern verzeichnen kann. Auf dem Land will kaum einer mehr leben. Kein Wunder, denn hier gibt es kaum Jobs. Welche Ausmaße das inzwischen erreicht hat, das merkt man allerdings wirklich erst, wenn man sich durch eben so ein verlassenes und dadurch auch heruntergekommenes inaka schlägt. Der Großteil der Häuser steht leer, um viele Felder kümmert sich niemand mehr. Wir sind auf unserem langen Fußweg bis zum Fuß des Berges nicht einem einzigen Anwohner begegnet.


Am Fuß des Berges gab es wie immer einen kleinen Schrein, der im vernebelten Nieselregen überaus gespenstisch wirkte.

Generell verlieh der Nebel all meinen Bildern eine Ghibli-artige Atmosphäre, was mich sehr freute. Photos im Sonnenschein, das kann ja jeder ( ̄▽ ̄)


Die Kirschblütenalle war leider ein kompletter Reinfall.

Ich rede hier nicht nur vom Nebel. Wo bitte sind die Kirschblüten? Hallo?O_o Ein Stückchen weiter unten hat es noch welche gegeben.

Aber auf der Kirschblütenpromenade herrschte auf einmal Leere. Es war hier wahrscheinlich doch einfach noch zu kalt für die zarten Blüten. Ich kann es ihnen nicht verübeln, hatte ich doch bereits meinen Schal fest um mich geschlungen und meine Handschuhe ausgepackt.

Unser Wanderbuch führt den Shōtōsan wieder als Anfängerberg und veranschlagt für die Route rund 4.5 Stunden. Schlagen wir rund 2 Stunden drauf und wir sind bei dem, was wir ungefähr gebraucht haben. Diese Wanderbücher müssen echt anfangen, ein paar Pausen mit einzurechnen! Von allen Bergen, die wir bisher gemeistert haben, war dieser auch mit der anstrengendste. Anfängerberg, okay, gut, aber Kraft braucht man, besonders für den Abstieg, denn dort ging es wahnsinnig steil runter und der Muskelkater bildete sich schon noch beim Runterklettern. Auf der Route, die wir genommen haben, erklimmt man insgesamt zwei Gipfel und ist beim Höchsten, dem Kayamaru 茅丸, auf 1019 Metern. Da kann es im April schon noch kalt sein und ich war froh über jede Extralage an Klamotten, die ich eingepackt habe ^^; Auf der Spitze legten wir dann eine etwas längere Essenspause ein, und tja … hier hätten sie eventuell den Fuji sehen können:

Dann eben nicht😛 Und hey, ich will mich nicht beschweren: Immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Und wie oft hat man schon die Gelegenheit, so atmosphärische Photos wie diese hier zu schießen:



Im Nachhinein betrachtet kommen die zwei Extrastunden, die wir für den Aufstieg gebracht haben, vermutlich von den vielen Photopausen, die ich eingelegt habe😛 Aber ich bin meinen beiden Klettergefährten sehr dankbar, dass ich mir nicht ein einziges Wort der Beschwerde anhören musste😉

90% des Abstieges sahen dann so aus:

Ging das auf die Oberschenkel! Die restlichen 10% hing man an Bäumen und Steinen und hoffte, dass die Wanderschuhe so rutschfest sind, wie es einem versprochen wurde. Der Abstieg hat wirklich mit am meisten Kraft gekostet und es gab nur wenige Stellen, an denen man sich ausruhen konnte, ohne seitlich weiterzurollen😛 Aber irgendwann hatten wir es geschafft und hatten wieder feste Straße unter den Füßen. Und immerhin: keine Blutegel-Attacke!

Der Straße folgend stießen wir bald auf den schicksten Rastplatz, den ich je am Fuß eines Berges gesehen habe. Warum habe ich nur kein Photo gemacht?O_o Aber es gab viele Bänke, einen riesigen Tisch, Toiletten mit BEHEIZTEN Klobrillen und ein Schild mit der Telefonnummer eines Taxiunternehmens. Wir wollten noch wie immer ins onsen und hatten nun die Wahl, rund 40 Minuten bis zum Bus zu laufen, zum Fujino-Bahnhof zurückzufahren und von dort einen anderen Bus bis zum onsen zu nehmen, oder uns ein Taxi zu rufen und uns direkt zum onsen fahren zu lassen. Erschöpft entschieden wir uns für die zweite Variante. Das Taxi kostete uns dann allerdings rund 5000 Yen (etwa 40 Euro) ^^; Durch drei geteilt schmerzte das Fahrtgeld nicht mehr ganz so doll.

Wir hatten zwei onsen zur Auswahl und entschieden uns aufgrund der besseren Bewertungen für das Higashi Otaru no Yu 東尾垂の湯 – ich kann es wärmstens empfehlen. Aber wie fast immer im inaka: Eure Tattoos müssen leider draußen auf euch warten😛

Leider konnte das onsen dieses Mal einem ausgewachsenen Muskelkater, mit dem ich mich ganze drei Tage herumschleppte, nicht vorbeugen. Na gut, wer weiß, wie schlimm er ohne onsen gewesen wäre … Aber das war wirklich ein Abstieg, der sich gewaschen hatte. Man könnte natürlich am Gipfel Shōtōsan einfach umdrehen und den Weg zurückgehen, den man gekommen ist – alles in allem kam er mir weniger steil vor. Persönlich finde ich das aber immer etwas langweilig, weil man den Weg ja schon gesehen hat, und ich bevorzuge daher die Rundtrips. Allerdings muss man dann eventuell eben mit drei Tagen Muskelkater leben ^^;

Unsere Route

 

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Wenn die Kirschblüten wie Schnee von den Bäumen fallen

So plötzlich, wie sie da war, neigte sie sich auch schon wieder dem Ende zu: die Kirschblütenzeit in Japan. Im März noch als „früheste Kirschblüte seit Jahren“ angekündigt, ließ sie sich mit ihren Blüten ordentlich Zeit, und mehrere Anläufe für ein schönes hanami 花見 – Blütenschau – endeten damit, dass wir eher unter Knospen denn wirklichen Kirschblüten saßen. Na ja, solange der Alkohol stimmt …😛

Doch nicht nur die Blüten selbst, das Wetter wollte auch nicht so richtig mitspielen. Eigentlich ist japanischer Frühling doch gar nicht so verregnet, aber dieses Jahr fielen viele meiner hanami schlichtweg und wortwörtlich ins Wasser.

Mittwoch letzte Woche unternahm ich in der Mittagspause mit meinem Kollegen dann doch noch mal einen Versuch, ein richtiges hanami im Shinjuku Gyoen zu haben, und siehe da: Kirschblüten so weit das Auge reichte. Vier Kartons Pizza und ein Platz in der Sonne – die Mittagspause hätte gar nicht besser werden können.

 

Was wir allerdings auch schon beobachten konnten: sakura fubuki 桜吹雪, wie Schnee von den Bäumen fallende Kirschblütenblätter. Die hanami-Saison bewegt sich auf ihr Ende zu, und auch das hat seinen ganz eigenen Reiz.


Was schließt sich an die hanami-Saison an? Voraussichtlich ein von den Temperaturen her noch sehr erträglicher Mai mit einer Golden Week, die dieses Jahr 1o Tage (!) dauert, kann man sich den Montag und Freitag der entsprechenden Woche zusätzlich freinehmen. Im Juni wird die Regenzeit einhalten und diese furchtbare Luftfeuchte mit sich bringen, die einen hier im Sommer für Monate „erfreut“. So richtig erträglich wird es dann wohl erst wieder im September/Oktober werden. Was ich damit eigentlich nur sagen will: Genießt das derzeit wirklich angenehme Wetter, so lange ihr könnt!!!

Und wer sich jetzt fragt „Wie habt ihr es bitte zur Mittagszeit in den Shinjuku Gyoen geschafft?!?!“: „Seiteneingang“ heißt das Zauberwort. Am Haupteingang hätten wir sicher eine gute Stunde angestanden – durch Taschenkontrolle und Ticketkauf hatte es sich dort bei unserer Ankunft schon wahnsinnig gestaut -, aber an den anderen Eingängen ging es trotz gleichem Prozedere ruckzuck voran!

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Wir wagen einen neuen Anlauf

Zwei Jahre ist es nun bald her, dass der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass das Design des deutschen Reisepasses geändert werden muss, um der Geb-Verwirrung im Ausland ein Ende zu machen. Seitdem hat sich jedoch nichts getan …

Nun wollen wir einen weiteren Anlauf starten, dieses Mal auf japanischer Seite. Denn an der ganzen Geb-Wurst (Genaueres HIER) sind ja nicht nur die deutschen Behörden schuld. Eine nach ihrer Eheschließung nun auch mit dem Geb gestrafte Dame hat einen Termin mit einem japanischen Politiker organisieren können, so dass wir die Chance erhalten, uns mal an anderer Stelle als nur der Immigrationsbehörde, unseren Rathäusern und dem zuständigen Ministerium Gehör zu verschaffen. Unter anderem wollen wir auch beweisen, dass Interesse an dem Problem da ist, und das macht man am besten mit einer Petition. Wer uns unterstützen will, bitte einmal unterschreiben: KLICK

Wer kein Japanisch kann: Rechts ins erste Feld nichts eintragen, ins zweite den Namen. Bei メール bitte eine E-Mail-Adresse eintragen. 国 fragt nach eurem Land. Sucht nach ドイツ für Deutschland (ist ungefähr in der Mitte), 日本 für Japan, スイス für die Schweiz, オーストラリア für Österreich … öh … ja, wer weiß, wo ihr euch alle rumtreibt😛 Wer noch ein anderes Land braucht, bitte in den Kommentaren verewigen😉 Daneben packt ihr eure Postleitzahl und darunter dann eure Stadt, schon seid ihr fertig. Unterschreiben können natürlich nicht nur Betroffene, sondern alle, die dies als Missstand ansehen, der geändert werden sollte😉 Am 12.04., also nächste Woche schon, wollen wir dem Politiker die Unterschriften dann vorlegen. Ob es was bringt? Wir werden es erleben. Aber es kann zumindest nicht schaden, den Leuten begreiflich zu machen, dass es sich hier tatsächlich um ein Problem handelt, und nicht um eine eigensinnige Nörgelei.

Für mehr Infos:

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