[Restaurant] Das Kirby-Café in Tōkyō

So, wo waren wir stehen geblieben? Umzug, richtig! Vor einem halben Jahr! Gut, ich habe einiges an Blogposts nachzuholen, also fangen wir an!

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IMG_1667Das Kirby Café in Tōkyō! Seit seiner Eröffnung wollte ich mit Kei hin, aber bis heute bleibt es besonders am Wochenende ein Kunststück, eine Reservierung zu bekommen. Immer am Monatsende um Schlag 18 Uhr werden die Slots für ZWEI MONATE später freigegeben und sind jedes Mal so schnell weg, dass ich irgendwann frustriert aufgab. Ja, auch die an Wochentagen zu seltsamen Uhrzeiten. Was beliebt in Tōkyō ist, bekommt man eben nicht ohne Kampf. Oder doch? Anstatt sich mit allen anderen um die neuen Slots zu prügeln, gibt es, wenn man etwas flexibel sein kann, einen einfacheren Weg: Regelmäßig auf der Seite nachgucken, ob jemand kurzfristig gecancelt hat, spontan sein und sich den Slot dann schnappen. So haben wir es zumindest gemacht und so ging es also im Mai – also sogar noch vor unserem Umzug, wenn ich mich recht erinnere – bei bestem Wetter nach Solamachi unter dem Sky Tree.

Mit seiner Reservierung – auf der komplett auch in Englisch verfügbaren Seite, will ich hier mal hinzufügen – bekommt man ein Zeitfenster zugeteilt, in dem man das Café betreten darf. Es ist so beliebt und mit den Reservierungen muss wohl einiges an Geld gemacht worden sein, so dass man bei Betreten nun einen Ausweis vorzeigen muss. Heiliger … Für ein Café!! Aber gut, einmal drin bekommt man seinen Tisch zugewiesen und kann anfangen zu bestellen. Die Inneneinrichtung ist nichts Spektakuläres – es sieht aus wie in einem normalen Café, nur an der Wand hängen Kirby-Bilder, hier und da waren ein paar Mini-Figuren aufgestellt und alles war vom Kirby-Soundtrack untermalt – den man natürlich später im Café-Shop auch erwerben kann 😉

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Aber eventuell wollte man ja nur nicht, dass wir vom Essen abgelenkt werden, und das war in der Tat ein Anblick. Wir waren zum Mittagessen da und gaben uns das volle Programm!

*Das Menü ändert sich regelmäßig und einige der Dinge, die ich hier zeige, gibt es nicht mehr, aber auf der Homepage gibt es immer ein aktuelles Menü des Cafés: klick*

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Kirby-Burger und Kirby-Hotdog

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Getränke. Latte Art ist überall inzwischen so krass detailliert 😮 Die Kaffeetasse gab es im Anschluss – natürlich sauber – zum Mitnehmen, aber die war bei 20 Euro für den Kaffee natürlich auch von Anfang im Preis mit angedacht 😉

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Nachtisch!! Absolut keine Ahnung mehr, was das genau war, aber ich erinnere mich, dass beides fantastisch schmeckte!

Generell war das Essen für ein Themenrestaurant ausgesprochen gut, bei den Preisen zahlt man aber definitiv für das niedliche Design drauf. Fast 100 Euro haben wir bezahlt, waren am Ende aber auch pappsatt, zufrieden, und um eine Tasse und einen Teller mit Kirby-Motiv reicher. Auf dem Weg zum Bezahlen wird man noch gekonnt durch den Kirby-Café-Shop geschleust, in dem man u.a. fast alles an Geschirr erwerben kann, von dem man eben noch gegessen hat – ja, auch den Hot-Dog einsaugenden Kirby! In Solamachi selbst gibt es auch noch mal einen Kirby-Shop für all die, die Shoppen wollen, ohne das Café besuchen zu müssen bzw. – in Anbetracht der immer ausgebuchten Seite – zu können.

Das Café war anfangs wohl als zeitlich begrenzt gedacht, hält sich aber durch die nicht abreißende Popularität seit Monaten und Monaten. Ich kann’s nachvollziehen – ich hatte sehr viel Spaß und man kann im Anschluss in Solamachi unglaublich schön shoppen gehen 😉

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Jahreswechsel in Japan

Ich lebe noch. Knapp, aber doch. Die Jahresendflaute kennt man hier auf dem Blog ja schon, 3.5 Monate sind dann aber doch eine längere Pause als ich sie sonst mache. Wir können es vollkommen und absolut auf die Arbeit schieben. Projekte der Größenordnung, mit der ich das gesamte letzte Jahr konfrontiert war, lassen sich ohne Opfer im Privatleben anscheinend nicht heben. Und obwohl ich auf Arbeit gerne mal 150% gebe, war das auch für mich zu viel und 2020 darf daher ganz im Sinne von nachzuholendem Urlaub und mehr als verdienter Erholung stehen. Ich musste selbst über Weihnachten und Neujahr arbeiten und konnte daher zum ersten Mal seit meinem Umzug nach Japan 2014 die Feiertage nicht mit meinen Eltern verbringen. Für Weihnachtsstimmung sorgte ich zu Hause dann mal schnell selbst:
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2019-12-22 18.15.12 Ich weiß ehrlich gesagt auch nich, wo ich die plötzliche Energie dafür her hatte XD Vermutlich eine Mischung aus Nostalgie und Heimweh, die mich schon immer überfallen hat, wenn ich Weihnachten in Japan verbracht habe.

Neujahr verbrachten wir seit dem Jahreswechsel 2011/2012 zum ersten Mal wieder mit Keis Eltern. Wir hievten uns sogar am 01.01. früh um 4 Uhr aus dem Bett, um gemeinsam mit der ganzen Familie den ersten Sonnaufgang des Jahres zu erleben, den uns das Wetter aber leider ordentlich vermieste XD Zum Glück bin ich nicht abergläubisch! 2020-01-01 07.04.49

Na ja, ein schöner Spaziergang war es trotzdem. Ansonsten stehen die Feiertage auch in Japan ganz im Zeichen des hemmungslosen Futterns und Faulenzens 😉

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Natsu faulenzt stellvertretend für alle

Am 02.01. absolvierten wir dann – bevor ich wieder zur Arbeit musste, juhu – unseren ersten Schreinbesuch des Jahres, was ansonsten für uns ja immer 2, 3 Wochen später als für alle anderen in Japan passiert – bis wir halt aus Deutschland zurück sind, der Jetlag halbwegs überstanden ist und wir ein wenig Zeit dafür gefunden haben. Gleich ganz kurz nach dem Jahrswechsel ist so ein Schreinbesuch dann aber doch noch mal was anderes.

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Sind abends auf dem Rückweg für ein wenig mehr Atmosphäre sogar extra noch mal am Schrein vorbeigelaufen 😉

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Wir wären sogar schon am 01.01. gegangen, aber die Masse an Menschen vor unserem Schrein war uns dann doch zu groß. Ich würde jetzt gerne sagen „Willkommen in Tokyo!“, aber leider sah das in Hiratsuka mit Wartezeiten von bis zu 2 Stunden nicht anders aus XD

Mein Januar steht leider noch im Zeichen des Monsterprojekts, auch wenn es sich langsam endlich eeetwas beruhigt hat und meine Tage aus 14-Stunden-Schicht + Wochenendarbeit endlich vorbei sind. Wie ich das überlebt hab? Keine Ahnung! Ich kann kaum glauben, dass es Berufe gibt, die einem diesen Einsatz fast immer abverlangen O_o

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Die Odakyū und ich – Ein Drama in drei Akten

Akt 1: Die Verblendung

Blog_17368199845_1dd07516ed_bIm Jahr 2007 kam ich als Austauschstudentin der überaus ländlich gelegenen Tōkai-Universität nach Japan. Der Bahnhof, der der Uni am nächsten war, war der so treffend benannte Tōkaidaigaku-mae-eki 東海大学前駅, der „Bahnhof vor der Tōkai-Universität“, bedient von der Odakyū-Linie, die Odawara mit Shinjuku verbindet. Er war mit fast 30 Minuten zu Fuß von unserem Wohnheim aus nicht gerade um die Ecke, und der Unterricht an der Tōkai hielt uns besonders im ersten Halbjahr so beschäftigt, dass wir uns nur selten in Richtung Tōkyō begaben. Wenn wir uns aber doch mal auf den langen Weg machten, zeigte sich die Odakyū uns eigentlich immer als verlässliches Transportmittel. Und da wir quasi am Arsch der Welt zustiegen, bekamen wie auch fast immer einen Sitzplatz für die über einstündige Fahrt nach Shinjuku. In meiner überaus begrenzten Erfahrung mit der Odakyū in diesem einem Jahr blieb sie mir daher positiv im Gedächtnis. Ganz im Gegensatz zur Tōkaidō-Linie 東海道線, die mich im Jahr 2011 ab und an zur Keiō-Uni, im Jahr 2013 jeden Tag zu meinem Praktikumsplatz und ab 2014 für einen Monat jeden Morgen zu meinem ersten festen Job brachte. Nicht nur dauerte die Fahrt von unserer Wohnung in Hiratsuka nach Shinjuku 2.5 Stunden, sondern es war auch ständig was auf der Tōkaidō. Wenn ich pro Fahrt mit nur 10 Minuten Verspätung davon kam, war ich schon froh. Da die Linie auf ihrer Fahrt mehrere Brücken überquert, hält sie oft schon bei stärkerem Wind, Regen, Schnee sowieso … Da sie sich ihre Gleise mit anderen Linien teilt, ist sie auch immer betroffen, wenn irgendwas auf einer der anderen Linie passiert. Und da Mietpreise in Kanagawa im Vergleich zu Tōkyō sehr viel günstiger sind, pendeln viele Leute auf der Tōkaidō-Linie bis nach Tōkyō rein – die Sitzplatzgarantie tendiert daher zu fast allen Zeiten gen Null. Mit Sehnsucht dachte ich oft an die Odakyū-Linie zurück, während meine Fahrt eingequetscht zwischen anderen genervten Pendlern mal wieder doppelt so lange dauern würde als sie sollte.

Akt 2: Das böse Erwachen

Blog_48439030377_c1c39f6b28_bIm Mai 2014 zogen wir von Hiratsuka nach Sagamiōno 相模大野. 5 Stunden Bahnfahrt am Tag – das macht man eben nicht lange mit und schon nach einem Monat hatte ich meine Grenze erreicht. Kei arbeitete damals noch in Hiratsuka und Sagamiōno lag quasi auf der Mitte. Während Kei sich nun also mit der Tōkaidō-Linie rumschlagen musste, stieg ich auf die Odakyū um. Und schnell fiel ich von meiner Traumwolke aus meiner Uni-Zeit: Viel nahmen sich die Odakyū- und die Tōkaidō-Linie nämlich leider nicht. Auch auf der Odakyū kam es in aller Regelmäßigkeit zu Verspätungen aus mannigfaltigen Gründen. In richtig schlimmen Wochen gab es eine Durchsage, wenn wir es mal PÜNKTLICH nach Shinjuku schafften. Auch in Sagamiōno sind die Mietpreise vergleichen mit Tōkyō noch sehr günstig, und da man es in 35 bis 45 nach Shinjuku schaffen kann also für Leute, die in Tōkyō arbeiten, ebenfalls überaus attraktiv. Erneut stand ich, trotz vom japanischen Standard ordentlich abweichenden Arbeitszeiten, eingequetscht zwischen anderen genervten Pendlern und kam bereits fix und fertig morgens auf Arbeit an. Ach ja, der Schleier der Nostalgie. Wenigstens brauchte ich von Tür zu Tür „nur“ noch 1.5 Stunden. Immer positiv bleiben!

Akt 3: Das Schlupfloch

Im September desselben Jahres schickte mich meine Firma auf die Tōkyō Game Show. Viel sah ich von ihr nicht, da ich gleich bei betreten des Gebäudes von hinten angerempelt wurde, die Treppe nach unten runterbretterte und mir den Fuß ziemlich heftig verletzte. Den Rest des Tages verbrachte ich auf der Krankenstation und dann damit irgendwie nach Hause zu kommen. Ich war noch nicht einmal ein halbes Jahr in meiner neuen Firma, hatte kaum Urlaubstage und war auch nur auf Vertrag angestellt – wer will sich da schon lange freinehmen, auch wenn man sich die Bänder überdehnt hatte und den Fuß eigentlich ruhigstellen sollte? Aber wie sollte ich jetzt stolperfrei zur Arbeit kommen? Die priority seats konnte ich vergessen – meine Verletzung sah man von außen nicht wirklich, und nicht mal Leute, die auf Krücken einsteigen, bekommen am Morgen dort einen Platz. Zu viele Salarymen, die zu tief auf den ihnen nicht zustehenden Sitzen eingenickt sind. Klar hätte ich da jeden Morgen einen von denen aufwecken und um den Sitzplatz bitten können, aber glaubt mir, davon hat man schnell die Schnauze voll. Meine Rettung kam in Form des so genannten romance cars ロマンスカー, einer Linie von Sonderzügen auf der Odakyū, die beliebte Ausflugsziele wie Hakone und Enoshima mit Shinjuku verbinden.

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Blog_48650742951_4183f7b418_bZusätzlich zum normalen Fahrtpreis bezahlt man von Sagamiōno aus 410 Yen (3,40 Euro) extra und bekommt einen Sitzplatz. Und so begann meine heiße Affäre mit dem romance car. Denn für nur 160 Euro mehr im Monat musste ich nun nicht mehr stehen, nicht mehr einquetscht zwischen anderen Pendlern schwitzen, nicht mehr vollkommen erschöpft auf Arbeit ankommen und schon am Morgen durch sein mit dem Tag und den Nerven – und reduzierte meine Fahrtzeit nach Shinjuku sogar auf 30 Minuten. Selbst Verspätungen machen einem weniger aus, wenn man gemütlich sitzt und in sein Buch vertieft ist. Für einige mögen diese 160 Euro auf diese Weise dekadent investiert sein, aber für mich habe ich mir damit – und das klingt so abgelutscht, aber trotzdem – Lebensqualität gekauft. Und nachdem mein Fuß verheilt war, ich für eine Weile wieder auf den normalen Zug umstieg, die Odakyū dann aber ihre Fahrpläne umstellte und meine Bahn am Morgen NOCH voller war als vorher schon, stieg ich einfach komplett auf das romance car um. Wir haben oft darüber nachgedacht, ob wir nicht näher nach Shinjuku ziehen sollten, aber dort sind die Mieten so teuer, dass uns das romance car am Ende billiger kam. Und so blieben wir vorerst in Sagaminōno und ich schloss nicht nur meinen Frieden mit der Odakyū, ich wurde ihr Fan XD

Epilog

Nach unserem Umzug im Juni nach Tōkyō rein wohnen wir nun nicht mehr auf der Odakyū-Linie. Nach seinem Jobwechsel wäre sonst nämlich Kei derjenige gewesen, der alleine jeden Morgen 2.5 Stunden von Tür zu Tür zu seiner neuen Firma gebraucht hätte. Eingequetscht in der Rush Hour. Ich erinnerte mich daran, wie sehr das damals vor 5 Jahren an mir gezerrt hat. Der einzige Nachteil am romance car ist nämlich, dass sie in der Rush Hour zwischen 7 und 9 Uhr nicht eingesetzt werden und Kei damit kein Schlupfloch boten. Und auch wenn er seine Arbeitszeit vielleicht irgendwie hätte verschieben und später hätte anfangen können: Auch wenn man vielleicht für 160 Euro oben drauf keine vergleichbare Wohnung in Tōkyō findet, mit 320 Euro sieht die Sache schon wieder ganz anders aus und damit stand fest, dass wir umziehen würden 😉 Wir wohnen nun auf der Tōbu Tōjō-Linie und sind in weniger als 15 Minuten in Ikebukuro und beide in jeweils einer halben Stunde auf Arbeit. Kei muss sich für genau zwei Stationen in einen vollgestopften Rush-Hour-Zug quetschen, erträgt es aber jeden Morgen und jeden Abend ohne Murren. Ich kann durch meine flexiblen Arbeitszeiten der Rush Hour komplett entgehen und meine anfängliche Sorge, ob ich jemals wieder Pendeln ohne romance car ertragen würden, waren unbegründet. Nicht, dass mir mein kleiner Luxus nicht doch manchmal fehlen würde, aber eine um 2/3 verkürzte Pendelzeit macht vieles wett 😉

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Die Umzugsfirma

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bisher haben wir alle unsere Umzüge mit einem geliehenen Umzugswagen und ein paar Freiwilligen durchgezogen und uns mit Pizza, Snacks und ordentlich vielen Getränken erkenntlich gezeigt. Und natürlich damit, selbst kräftig mit anzupacken, wenn umgekehrt ein Umzug anstand. Dieses Mal hatte besonders ich jedoch das Gefühl, den Umzug neben der Arbeit einfach nicht bewältigen zu können. Wir hatten gerade an Möbeln sehr viel mehr zu transportieren als bei unserem letzten Umzug in 2014, und vor allem das IKEA-Bett wollte ich nicht noch einmal zu zweit ab- und wieder aufbauen müssen. Wir taten dieses Mal also das, was in Japan eigentlich fast Standard ist: Wir organisierten eine Umzugsfirma.

Natürlich wollten wir nicht die erste nehmen, die bei der Suche in Google auftauchte, sondern Preise und Service vergleichen, also machten wir Termine mit drei verschiedenen Umzugsfirmen aus. Jede von ihnen schickt einen Angestellten, der unsere Wohnung und die Menge an Dingen, die transportiert werden mussten, unter die Lupe nahm und dann einen Kostenplan erstellte. Der Service reicht dabei in mehreren Abstufungen von „Hands on“ – man packt alles selbst und die Firma transportiert nur – bis hin zu „Hands off“ – die Umzugsfirma übernimmt das Einpacken, den Transport und bis zu einem gewissen Grad auch das Auspacken. Nach drei solcher „Interviews“ kann ich sagen: Eigentlich bekommt man bei allen Firmen den gleichen Service für fast den gleichen Preis. Es gab wirklich nur minimale Unterschiede. Wir entscheiden uns für 引越のサカイ hikkoshi no sakai, weil das die einzige Firma war, die bemerkte, dass unser Bett von IKEA ist und uns darauf hinwies, dass IKEA-Möbel zwar transportiert werden, aber wenn sie auseinander- und wieder zusammengebaut werden müssen, man das selbst übernehmen muss. Denn IKEA-Möbel sind fragil und die Umzugsfirmen wollen einfach die Verantwortung nicht dafür übernehmen, wenn die beim Zusammenbauen nicht mehr so aussehen wie vorher. Das gilt leider inzwischen für alle Umzugsfirmen, doch zwei der drei teilten uns den Fakt erst auf Nachfrage am Telefon mit. Stellt euch das mal am Umzugstag vor, wenn man denkt, man hat alle erledigt und dann kommen die Umzugshelfer und weisen einen darauf hin, dass man jetzt ganz schnell das Bett auseinanderbauen müsse. „Ups, sorry, vorher nicht gesehen.“ Gefreut hat mich diese Tatsache natürlich nicht, denn das IKEA-Bett war beim letzten Aufbau ein ALBTRAUM gewesen – ans Abbauen wollte ich gar nicht denken -, aber es blieb uns sonst nur wegschmeißen und neu kaufen und so verschwenderisch bin ich nun wirklich nicht XD

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Das Markenzeichen von hikkoshi no sakai: Der Pandabär

Der Herr von hikkoshi no sakai hatte gleich die exakt benötigte Anzahl an Umzugskartons im Kofferraum. Und ich meine die EXAKT benötigte Menge. Wir hätten nicht eine Kiste mehr, aber auch nicht eine Kiste weniger gebraucht. Profis! Und da er sie noch am Tag der Vertragsunterzeichnung bei uns ließ, hatten wir einen ganzen Monat, um sie vollzustopfen. Und glaubt mir, den hatten wir auch gebraucht. Ich konnte nur am Wochenende packen. Kei hatte war zwischen seinem alten und seinem neuen Job einen ganzen Monat frei, war aber in der Woche viel mit den anderen Dingen beschäftigt, die man für so einen Umzug erledigen muss – Ummeldung beim Rathaus, Gas- und Elektrofima anrufen, Internet bestellen … Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie wir das alles geschafft hätten, hätte Kei nicht frei gehabt. Selbst das Bett hat er im Alleingang auseinandergebaut. So viele Dinge, um die ich mich nicht Sorgen musste :3

2019-05-31 21.19.20Am Tag des Umzuges waren wir dann SO früh mit allen Dingen fertig, dass wir sogar noch mal runter nach Machida konnten, um uns in bester Hobbit-Manier ein zweites Frühstück zu gönnen. Kein Vergleich zu unserem letzten Umzug, wo wir den gesamten Morgen noch hektisch Dinge in irgendeine offene Kiste geworfen haben XD

Die Umzugshelfer kamen mit zwei kleinen Umzugswagen, ließen sich in der Wohnung kurz alles zeigen und dann ging es auch schon los. Zu allererst gab man uns diese unglaublich praktischen Kisten, in die wir unsere Klamotten hängten:

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Unsere Kleiderschrankschubladen wurden so wie sie waren mit allen Kleidungsstücken transportiert, und auch für unsere Schuhe brachte man extra Kisten mit. So waren unsere Klamotten in der neuen Wohnung sofort griffbereit, ohne dass wir groß in anderen Kisten nach ihnen Suchen mussten – extrem praktisch, wenn man gleich nach dem Umzug wieder in den Alltag starten muss.

Während wir also damit beschäftigt waren, unsere Klamotten umzuhängen, sicherten die Umzugshelfer die Wände und Böden unserer alten Wohnung gegen Kratzer und Stöße.

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Die Umzugshelfer haben nämlich nicht nur die Verantwortung dafür, dass alle unsere Sachen und Möbelstücke heil bleiben, sondern auch, dass sie der alten sowie der neuen Wohnung keinen Schaden zufügen, denn das ginge ja auf Kosten unserer Kaution. Ja, sie zogen auch jedes Mal, wenn sie die Wohnung betraten, brav ihre Schuhe aus 😉

Nachdem wir unsere Klamotten verstaut hatten, gab es für uns auch wirklich gar nichts mehr zu tun. Wir verkrümelten uns – bis sie dann auch herausgetragen wurden – auf die Couch, um nicht im Weg zu stehen und standen eigentlich nur noch für Fragen zur Verfügung. So werkelten und trugen und schoben die Umzugshelfer zwei Stunden lang vor sich hin. Alle Möbel wurden mit einem Schutzjäckchen versehen und so in einem Stück transportiert, die Kisten gewissenhaft auf ihr Gewicht überprüft und maximal effektiv gestapelt.

Als die Umzugshelfer fertig waren und noch einmal Adresse und Uhrzeit für die Lieferung all unserer Sachen am nächsten Tag überprüft und abgesegnet hatten, zogen sie so schnell von dannen, wie sie gekommen waren. Ja, ihr habt richtig gelesen: Lieferung am nächsten Tag. Umzugsfirmen sind in Japan oft schwärzer als die schwarzen Schafe, was Überstunden angeht, und nachdem die japanische Regierung immer stärker – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – gegen Überstunden vorgeht, mussten viele ihr Businessmodel überdenken und verteilen Umzüge, bei denen es in eine andere Präfektur geht, nun auf zwei Tage verteilt. Bei uns holten sie alles am Samstag ab und lieferten es am Sonntag. Um in unserer neuen Wohnung nicht auf dem nackten Boden schlafen zu müssen, packten wir also alles, was man so für eine Nacht braucht, in unsere Handgepäckskoffer und mieteten uns in ein Hotel in Ikebukuro ein. Was mit tollem Ausblick am Abend und leckerem Buffet zum Frühstück. Wenn schon denn schon 😉

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Am nächsten Morgen standen die Umzugshelfer um Punkt 9 Uhr auf der Matte und brauchten wieder ungefähr zwei Stunden, um die Wohnung stoßsicher zu machen …

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… und dann alles halbwegs an seinen Platz zu bringen. Auf den Kisten konnte man beim Einpacken doch recht detailliert markieren, wo was in der neuen Wohnung hingehört und sie hielten sich exakt an alle Vorgaben.

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Nicht erst, als sie schnaufend Kühlschrank und Waschmaschine die enge Treppe in unserer Wohnung hoch schleppten, war ich froh, dass wir uns dieses Mal für eine Umzugsfirma entschieden hatten. Wir saßen erneut die gesamte Zeit über auf der Couch, um nicht im Weg zu stehen, und beantworteten Fragen XD Selbst die Lampen brachte man uns an!

Für uns gab es erst wieder etwas zu tun, nachdem die Umzugsfirma abgezogen war. Kisten auspacken. Das meiste schafften wir noch am selben Tag. Auch das Bett ließ sich dieses Mal irgendwie einfacher zusammenbauen, als ich es in Erinnerung hatte. Nachdem wir alles ausgepackt hatten, konnten wir die Umzugsfirma anrufen und sie kam, um die Kisten einzusammeln, was es uns ersparte, jeden Dienstag eine Handvoll von ihnen auf den Müllplatz vor unserer neuen Wohnung zu schmuggeln 😉

Bezahlt haben wir für alles 110.000 Yen, rund 850 Euro. Will man noch eine Klimaanlage abgebaut und wieder angebracht haben oder die alte Wohnung geputzt bekommen, selbst nicht mal die Kisten packen müssen oder im März oder April umziehen, sind den Kosten nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Mit 850 Euro konnten wir leben, aber auch das war ein Faktor, der zu meiner Sturköpfigkeit bei der Wohnungssuche beigetragen hat: Wir hatten insgesamt bereits rund 5.750 Euro in diese Wohnung investiert (Mehr, wenn ich das Hotel mit reinrechne, das wir ja brauchten, weil man unsere Möbel nicht am gleichen Tag lieferte) und würden jetzt erst anfangen in ihr zu wohnen. Bei solchen Kosten kenne ich keine Kompromisse XD

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Die Wohnung, die es dann nach ewigem Hin und Her wurde

Richtig entspannt kamen wir aus unserem Urlaub in Nagano zurück. 10 Tage frei – diese Golden Week hatten wir alle gebraucht. Und die Wohnungssuche würde nun auch zu einem Ende kommen. Am Wochenende nach der Golden Week hatten wir schon den Besichtungstermin. Dachten wir zumindest.

Am Mittwoch erhielt Kei plötzlich einen Anruf: Das Paar, das noch in der Wohnung wohnte, musste seinen Auszug verschieben. Wir könnten die Wohnung aber am 18.05. angucken gehen. Hmpf, na gut. Eigentlich hatten wir gehofft, an dem Wochenende schon umziehen zu können, aber da kann man wohl nichts machen. Zum Glück sind Umzugsfirmen hier flexibel. Unsere ließ uns die Buchung unentgeltlich auf das erste Wochenende im Juni verschieben. Etwas knapp, da Kei am 03.06. schon in seiner neuen Firma anfangen sollte, aber hier konnte man ja nichts anderes machen.

Zum Hintergrund der schon gebuchten Umzugsfirma: Ihr erinnert euch an die Wohnung „Doch kein Haustier“? Die hätten wir ja tatsächlich fast genommen. Und da wir uns die guten Umzugszeiten nicht wegschnappen lassen wollten, hatten wir, kaum dass wir die Zusage hatten, eine Umzugsfirma beauftragt. Und dann kamen all die wunderbaren Nachrichten von doch kein Haustier, Schreibtisch bleibt usw. Da wir im gleichen Bezirk nach einer neuen Wohnung suchten, war es zum Glück kein Problem, die Adresse für den Umzug im Nachhinein zu ändern.

So, Besichtigungstermin stand fest, neues Umzugsdatum auch! Oder? Am Mittwoch erhielt Kei wieder einen Anruf. „Der Auszug verschiebt sich leider noch mal. Es tut uns wirklich leid, aber am 20. sollten Sie die Wohnung auf jeden Fall sehen können.“ Bei mir machte sich langsam Unmut breit.

Ich weiß ja nicht, was bei den Vormietern los war, das den Auszug wieder und wieder verschob, aber wir wollten langsam unsere Wohnung kündigen, Internet bestellen, einen Postnachsendeauftrag aufgeben etc. pp. Es gibt ja genug zu tun. Aber okay, zwei Wochen sollten doch reichen, oder? Oder?

Und dann erhielten wie am Wochenende einen erneuten Anruf und mir platzte fast die Hutschnur. „Am 25.05. auf jeden Fall! Versprochen!!!“ WAS ZUM??? Dass wir nun bis zum 25. warten mussten, bedeutete, dass wir unsere alte Wohnung in Sagamihara für einen weiteren Monat bezahlen mussten – um das zu vermeiden hätten wir bis zum 20. kündigen müssen. Mit dem Besichtungstermin am 20.05. hätten wir es also gerade so geschafft, mit dem am 25. nun nicht mehr. Als wir das dem Makler mitteilten, fiel er aus allen Wolken. „Ach, ich dachte, Sie hätten die Wohnung gleich gekündigt, als Sie die Zusage für diese Wohnung erhalten haben?“ Ja aber wohl NUR IN DEINEN TRÄUMEN???

Als Hintergrund: Bei der sogenannten 審査 shinsa wird man als potentieller Mieter durchleuchtet. Einkommen, Arbeitsplatz, zieht man als Paar ein oder Mitbewohner etc. Kommt man durch die shinsa, bekommt man eine Zusage und darf also die Wohnung mieten, hat damit aber noch keinen Vertrag unterschrieben. Und ich hatte ja vorher gesagt, wir unterzeichnen selbigen erst, nachdem wir die Wohnung gesehen haben. Sollte heißen: Die Wohnung wollte uns zwar als Mieter haben, aber wir wussten ja noch gar nicht, ob wir die Wohnung haben wollten. Der Makler schien jedoch gedacht zu haben, wir wären SO happy und auch SO blauäugig, dass wir gleich nach bestandener shinsa unsere alte Wohnung gekündigt hätten. In dem Fall hätten wir aber in die neue Wohnung nehmen müssen, egal, ob sie uns gefällt oder nicht, einfach nur um nicht auf der Straße zu landen. Nee, SO blöd sind wir nicht. Aber nun standen wir da. Mit doppelter Miete für den Juni. Zum Glück gab es den Monat davor für uns beide jeweils eine Gehaltserhöhung …

Nun stand ich natürlich dezent auf Kriegsfuß mit der Wohnung, obwohl die selbst für das ganze Dilemma ja gar nichts konnte. Kei machte sich vielleicht nicht ganz unberechtigt Sorgen, dass ich die Wohnung jetzt noch viel akribischer unter die Lupe nehmen würde. Wenigstens mussten wir den Umzugstermin nicht noch einmal verschieben. Falls es denn beim 25. bleiben sollte. Ich hatte zwar ehrlich gesagt mit noch einem Anruf gerechnet, aber er kam nicht. Und so konnten wir am 25.05., laut Makler keine 20 Minuten, nachdem der Umzugswagen der Vormieter abzogen war, ENDLICH die Wohnung in Augenschein nehmen. Hatte sich das Warten gelohnt und die Wohnung meinem nun noch akribischerem Blick standgehalten? Da die Wohnung den Namen „Die Wohnung, die es dann wurde“ trägt, natürlich 😉

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Gebäude noch mal von außen. Die Baustelle links im Bild ist zum Glück inzwischen abgeschlossen.

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Die Living-Dining-Kitchen. Statt eines Esstisches haben wir aber lieber unsere Bücherregale hier 😉

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Schimmelfrei! 😛

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Walk-in-closet und eine Treppe, die nicht ein Viertel der wertvollen Quadratmeter klaut. Und SO VIEL PLATZ FÜR SCHUHE!

So, und was haben wir nun bezahlt, nur um in die Wohnung einziehen zu dürfen? Setzen Sie sich lieber hin, meine Damen und Herren, denn hier wird es teuer:

– 1 Monatsmiete Miete – Okay, ja klar. Passt.
– 1 Monatsmieten Maklergebühren
– 1 Monatsmiete Dankensgeld, 礼金 reikin, an den Vermieter. Da kamen wir dieses Mal nicht drum herum. Für den Mieter ist es die Toilette runtergespültes Geld, weil es einfach wirklich nur eine „Ich erkaufe mir hiermit Ihr Wohlwollen“-Geste ist und einem nichts bringt. Für den Vermieter ist es ein schöner Anreiz, die Fluktuation an Vermietern hochzuhalten, denn mit jedem neuen Mieter gibt es einen neuen Batzen Dankensgeld. Das erklärt vielleicht, warum der Vermieter unserer Wohnung in Sagamihara uns so gar nicht mit dem Lautstärkeproblem unserer Nachbarn über uns helfen wollte. Im besten Fall geben wir auf und halten die Klappe, und im allerbesten Fall ziehen wir aus und jemand neues kommt und bringt Dankensgeld mit. In Tokyo und Umgebung sind Wohnungen so beliebt, dass man bei diesem Poker als Vermieter nur gewinnen kann.
– 1 Monatsmiete Kaution. Würden wir ein Haustier halten, müssten wir noch mal eine Monatsmiete Kaution zusätzlich bezahlen.
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Dafür gibt’s draußen lustige Sachen wie eine Fußdusche für Hunde für nach dem Spaziergang XD
– 23.760 Yen (rund 200 Euro) für den Austausch aller Schlösser. Als Sicherheitsmaßnahme, falls der Vormieter einfach Schlüssel behalten hat. Warum man das dann nicht den Vormieter bezahlen lässt …?
– aufgerundet 30.000 Yen (rund 250 Euro) für verschiedene Versicherungen und Eintritt in die Wohngemeinschaft

Bei unserer Miete kommt man damit auf eine Gesamtsumme von 588,770 Yen oder 4.900 Euro. Da ist der Umzug an sich noch gar nicht mit drin. Je höher die Miete, desto höher die Erstkosten beim Einzug. Und von dem Geld kriegt man bei Auszug höchstens die Kaution, also bestenfalls gerade mal ein Viertel zurück.

Und DAS, Ladies and Gentlemen, ist der Grund, warum ich bei der Wohnungssuche hier einen so wahnsinnigen Dickschädel entwickelt habe. Wenn ich so viel Geld nur für den Erhalt des Schlüssels hinblättern muss, muss die Wohnung schon von vorne bis hinten stimmen, denn „Ach, mal einziehen und gucken und falls es nicht passt, zieh ich wieder um“ ist bei den Preisen ein Traum für Leute mit sehr viel mehr Geld als wir. Aber an einen zügigen Auszug müssen wir bei der Wohnung jetzt zum Glück nicht denken. Wir sind sehr zufrieden!

Da wir von einer 1LDK auf eine 2LDK gewechselt haben – 2 Zimmer und eine Living-Dining-Kitchen, also offene Küche und Wohn- und Esszimmer in einem – haben wir endlich ein Zimmer, aus dem wir eine Art Büro machen konnten, was wahnsinnig praktisch ist, wenn ich Home Office mache. Wir wohnen jetzt auch der obersten von zwei Etagen und ich habe im Juni nach fast einem Jahr endlich mal wieder bis weit in die Mittagsstunden schlafen können. Ohne Scheiß: Alleine dafür hat sich der Umzug gelohnt. Selbiger war übrigens ein Abenteuer für sich, denn es war für uns auch das erste Mal, dass wir eine Umzugsfirma beauftragt haben – dazu noch mal ein extra Beitrag 😉

Ich bin bisher auch zufrieden mit unserer neuen Wohngegend, auch wenn ich leider noch nicht so viel von ihr gesehen habe, wie ich gerne hätte. Die anhaltende Regenzeit vermiest einem das Erkunden der Nachbarschaft wo sie kann. Über ein Monat und kein Ende in Sicht. Seit drei Wochen habe ich die Sonne nicht gesehen. Vom Gefühl her ist das die längste Regenzeit, die ich bisher mitgemacht habe und ich weiß, ich wiederhole mich, aber es schlägt aufs Gemüt.

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Noch mal Edo in Nagano – Unnojuku

Dieser Beitrag sollte vor Tagen schon online gehen, und ich habe das Gefühl, dass ich diesen Satz in letzter Zeit immer öfters schreiben muss, aber Flickr ließ mich nicht. Was war es dieses Mal? Wüsste ich auch gerne. Zum Glück war der Kundenservice sehr hilfsbereit und konnte das Problem am Ende beheben, aber als ZAHLENDER Kunde sollte ich das auf der anderen Seite auch erwarten dürfen. So, Gemecker zu Ende, weiter in der Geschichte.

In Realzeit sind wir gerade mitten in der Regenzeit und es passiert nichts Spannendes. Anders als letztes Jahr scheint die Regenzeit dieses Mal die 1.5 Monate komplett durchziehen zu wollen und das schlägt mir ordentlich auf die Stimmung T_T In Blogzeit sind wir allerdings noch in der Golden Week im Mai, und nach ein paar verregneten, mit Wohnungssuche vollgestopften Tagen gingen Kei und ich also endlich mit einer vielversprechenden Wohnung in Aussicht in unseren wohlverdienten Urlaub in Nagano, wo die Sonne strahlte und die Kirschbäume noch blühten. Tjahaha, wir mussten ewig darauf warten die Wohnung, die es dann wurde, von innen zu sehen, also müsst ihr das jetzt auch 😛

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Nun waren wir natürlich schon so oft in Tateshina und Umgebung, dass es für uns nur noch wenig Neues zu entdecken und wir mich daher auf dem Blog zu berichten gibt. Sollte man meinen. Tatsächlich habe ich erst vor kurzem die Nakasendō 中山道, wortwörtlich die „mittlere Bergroute“, für mich entdeckt; eine der fünf Routen, die in der Edo-Zeit die Hauptstadt Edo (heute Tōkyō) und Kyōto miteinander verband und sich durch die Präfekturen Saitama, Gunma, Nagano, Gifu und Shiga streckt. Und was gibt auf dieser Strecke so besonderes? Städte, die noch immer so erhalten sind wie damals zur Edo-Zeit. Das mir zu überlaufene Kawagoe 川越 zum Beispiel. Oder Naraijuku 奈良井宿, das Kei und ich letztes Jahr besuchten und das wir uns ob seiner Abgeschiedenheit mit nur ein paar wenigen anderen Touristen teilen mussten. Und wenn man NOCH weniger andere Touristen vor Ort haben will, so kann ich ab diesem Jahr Unnojuku 海野宿 nur wärmsten empfehlen, das wir uns mit vielleicht gerade einmal einer handvoll anderer Touristen teilten.

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Wie in Naraijuku 奈良井宿 sind auch hier die Häuser noch so erhalten wie damals zur Edo-Zeit (von 1603 bis 1868), als dieser Ort eine wichtige Zwischenstation für den Goldhandel, aber auch für Pilger auf dem Weg zum Zenkōji war. Heute ist es so ruhig und menschenleer hier, dass man fast das Gefühl hat, in einer Geisterstadt unterwegs zu sein.

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Ein kleiner Fluss plätschert die Straße entlang und trägt zur Idylle bei.

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Unnojuku ist vor allem eines: richtig fotogen!

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Wer stundenlang nicht vorwärts kommen will, weil er so beschäftigt ist, Fotos zu schießen, der kommt hier vollkommen auf seine Kosten.

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Auch mal ein Kontrastprogramm zum stundenlangen Nichtvorwärtskommen wegen Touristenmassen 😛

Aber viel anderes gibt es in Unnojuku auch nicht zu tun. Es gibt kaum Läden, nur wenige Restaurants oder Cafés. Aber kaum heißt nicht keine, man muss nur etwas suchen 😉 Die wenigen Läden bieten vor allem traditionelles Handwerk, das aber zu einem gewissen Preis.

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Es gab auch ein paar klitzekleine Museen und Ausstellungen, aber das Wetter war zu schön, um es drinnen zu verbringen.

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So eine sonnige und vor allem warme Golden Week habe ich in Nagano noch nicht verbracht. Jetzt zur Regenzeit lassen die Bilder mit nostalgisch aufseufzen. Ich will warm – nicht heiß! -, ich will Sonne, ich will blauen Himmel!! T_T

Wir fanden ein kleines, charmant schrulliges Café mit Fensterplätzen, an denen wir bei Kaffee (und in Keis Fall Bananenshake 😉 ) und Snacks die wenigen Passanten beobachten, die sich in dem Örtchen fanden.

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Ich weiß nicht, ob wir einfach nur Glück oder gutes Timing hatten, Unnojuku so leer vorzufinden. Ende November gibt es ein Festival in der Stadt, zu der es wohl voller wird und vermutlich das einzige Hotel, das wir im ganzen Ort gefunden haben, ausgebucht sein wird.

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An dem Tag war es wie alles andere auch wie leergefegt. Aber wer in Tōkyō lebt und arbeitet, weiß das im Urlaub mehr als zu schätzen 😉

 

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Die Qual der Wahl an Wohnungen

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Oder auch nicht. Denn wirklich infrage kam nur die Wohnung, für die wir uns letztendlich auch entschieden haben. Aber gehen wir doch der Reihe nach vor.

Wohnung „Doch kein Haustier“:

Die erste Wohnung, die wir im Auge hatten, hatte Kei sich angeguckt, als ich noch auf Dienstreise war. Sie hatte die perfekte Größe, war in verschmerzbarer Nähe zu zwei Bahnhöfen (15 Minuten zum einen, 18 Minuten zum anderen), oberste Etage und erlaubte Haustiere. Auf Anhieb gleich ein Volltreffer? Ich schaute mir die Wohnung nach meiner Rückkehr ebenfalls einmal an – was in Japan ein ziemlicher Luxus ist, denn Wohnungsbesichtigungen gibt es nur, wenn die Vormieter nicht nur raus, sondern der Vertrag mit ihnen auch ausgelaufen ist -, und bis auf einen vorinstallierten Schreibtisch im Schlafzimmer war ich halbwegs zufrieden. DSC04267 Dieser stellte jedoch ein etwas größeres Problem dar, denn der verstellte nun die Wand, an die eigentlich das Bett gehört. Nun konnten wir uns also entscheiden, ob wir den Schreibtisch selbst, den Kleiderschrank oder die halbe Tür mit unserem Bett verstellen. Wie auch immer würden hier entweder mein eigener Schreibtisch oder meine Klavier nicht wie geplant hereinpassen. „Was machen denn alle anderen Vermieter damit?“, fragte ich den Makler. „Die haben kleinere Betten.“ Wir haben Queensize. Na gut, für Japan vielleicht ungewöhnlich. Nun war ich gewillt, mich damit irgendwie zu arrangieren und wir bewarben uns auf die Wohnung. Dabei gibt man Namen des Hauptmieters und geplanter Mitbewohner, sowie deren Arbeitsplatz und Gehalt an. „Eventuell rufen wir bei Ihrem Arbeitgeber an, um die Daten zu bestätigen“, wird einem immer gesagt. Passiert ist es uns bisher nicht. Eine Woche später teilte man uns mit, dass wir die Wohnungen haben könnten. Man hatte jedoch noch eine zusätzliche, nicht ganz so erfreuliche Nachricht für uns: Der Vermieter hätte nach einigen Vorfällen seine Meinung geändert und Haustiere wären nun doch nicht erlaubt. Na toll! Ich habe kein Problem damit, ein paar Abstriche zu machen, aber wenn ich auf ein potentielles Haustier verzichten muss, muss die Wohnung schon an anderer Stelle ordentlich überzeugen. Und nun war ich doch nicht mehr so gewillt, mich mit dem Schreibtisch im Schlafzimmer abzufinden, den uns der Vermieter auch auf GAR KEINEN FALL abbauen lassen wollte, weil er ihn so vorsorglich IN DIE WAND GESCHRAUBT hatte. WER MACHT DENN SO WAS??? Haben Leute, die hier sonst so einziehen, keine eigenen Möbel??? So ließ mir nicht nur die „Plötzlich doch kein Haustier erlaubt“-Geschichte den Vermieter dezent sturköpfig und vor allem launisch erscheinen. Wir entschlossen, uns mit unserer Antwort etwas Zeit zu lassen und gingen das erste Wochenende der Golden Week auf weitere Wohnungssuche. Und wir waren an beiden Tagen so lang unterwegs, dass wir am Montag kaum mehr aus unserem Bett aufstehen konnten …

Wohnung „Fast so wie das Maisonette …?“:

Wir hatten uns bei dem Makler, der uns die schöne Maisonette-Wohnung gezeigt hatte, die uns dann leider von einem anderem Makler mit einem anderen Mieter vor der Nase weggeschnappt wurde, gut aufgehoben gefühlt und steuerten mit ein paar auf Suumo herausgesuchten Wohnungen im Gepäck diesen also noch einmal an. Die meisten waren bei unserer Ankunft im Maklerbüro bereits weg. Man hätte allerdings etwas anderes für uns, das TOTAL unseren Wünschen entsprechen würde. Wir erinnern uns: Wir waren davor TOTAL auf eine keine 10 Jahre alte Maisonette-Wohnung in Laufnähe vom Bahnhof mit Wänden in weiß und Böden aus hellem Holz abgefahren. Die für uns zuständige Maklerin packte uns in ihr Auto und steuerte die erste Immobilie an, die sie für uns rausgesucht hatte: Eine 30 Jahre alte Wohnung auf mittlerer Etage mit dunklen Wänden und Böden und extra Schimmel im Bad. Sie tickte also mehrere Boxen nicht. Das Gebäude lag als Sahnehäubchen neben einem Friedhof, was Kei unglaublich sauer aufstieß. Japaner und ihr Aberglaube 😛 Aber mich brauchte er nicht überzeugen: Beim Schimmel im Bad war für mich schon Schluss. Ich war so unbegeistert von der Wohnung, ich machte nicht einmal Fotos. Die Maklerin merkte schnell, dass sie dieses Ding nicht an uns loswerden würde und zog mit uns weiter. Vielleicht war ihr jetzt bewusst, dass ich tatsächlich nur so begeistert war, weil die Maisonette-Wohnung richtig toll gewesen ist, und nicht, weil ich einfach so unglaublich schnell zu begeistern bin 😛

Wohnung „Und wo stellen die Leute all ihr Zeug hin?“:

Unsere nächste Anlaufstelle war ein im Juni beziehbarer Neubau. Also eigentlich ein wenig zu spät für uns, aber das könnten wir irgendwie koordinieren. Als wir ankamen, liefen die letzten Arbeiten. Die Treppe war noch mit Folie verkleidet und es roch nach frischer Farbe. „Bitte nicht die Wände anfassen!“, wurde uns mitgegeben. Die Wohnung war eine 1LDK – also eine Living-Dining-Kitchen mit einem extra Zimmer, so wie wir sie in Sagamihara hatten. Nur unpraktischer geschnitten. Das Bett würde reinpassen ins Schlafzimmer, aber sonst nichts. Beide Schreibtische ins Wohnzimmer? Nicht genug Platz. Das Bücherregal müsste auch gehen. Und dann wieder mittlere Etage. Die obersten Etagen waren bereits vermietet. Ich ging auf den Balkon und sah fast direkt am Geländer eine Gebäudewand kleben. Tōkyō und seine wunderschön „kompakte“ Bauweise. Sonne würden wir hier keine kriegen. Und dann das Möbelproblem. Nachdenklich legte ich den Kopf nach links und rechts. Kei hätte sich mit allem arrangieren können, aber ich wollte noch weitersuchen.

Es war inzwischen 18 Uhr und draußen wurde es dunkel. Leider gingen der Maklerin hier schon die Immobilien in der von uns festgelegten Gegend aus. „Wie wäre es denn mit Kichijōji?“, fragte sie. Plötzlich wurde ich hellhörig. Kichijōji? DAS Kichijōji?? Die begehrteste Wohngegend Tōkyōs??? GUT WÄRE ES DAMIT! Sie packte uns also wieder in ihr Auto und fuhr uns dorthin.

Die Kichijōji-Wohnung:

Wie soll man Kichijōji 吉祥寺 beschreiben? Ein Wohnbezirk in Tōkyō, der viele Künstler und andere Kreative anzieht und dessen Straßen gefüllt sind mit kleinen, unglaublich interessanten Läden. Jeder will in Kichijōji wohnen. Die Mieten sind entsprechend hoch. Für die 45qm, die man uns zeigte, wollte man 20 Minuten entfernt vom Bahnhof noch stolze 16.5000 Yen, rund 1350 Euro, haben. Exakt doppelt so viel, wie wir für die gleiche Anzahl an Quadratmetern in Sagamihara keine 15 Minuten vom Bahnhof entfernt bezahlen. Das war schon ein ordentlicher Batzen. Aber oh, wie das Wohnviertel und das Schickimicki der Wohnung mich blendeten. Maisonette, zwei Balkone, sogar einen Geschirrspüler hatte sie.

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Alleine an der Anzahl der Fotos erkennt man wohl, WIE angetan ich war ^^;

Es gab neben der Miete nur ein weiteres Problem: der Schnitt. Je länger wir uns die Wohnung ansahen, desto mehr realisierten wir, dass hier gar nicht unsere ganzen Möbel reinpassen würden.

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Wie in der Wohnung „Und wo stellen die Leute all ihr Zeug hin?“ hätte in das Schlafzimmer das Bett gepasst. Eventuell mit viel Gequetsche ein Schreibtisch. In das Wohnzimmer die Couch, der Tisch, der Fernseher. Und der andere Schreibtisch? Und das Bücherregal? Und mein Klavier? Und …? Wir kamen zu dem Schluss, dass NEUN Möbelstücke gehen müssten – ÜBER DIE HÄLFTE UNSERER MÖBEL – damit wir hier einziehen könnten. Wie konnte das sein? Wie konnte diese Wohnung exakt so viele Quadratmeter haben wie unsere Wohnung in Sagamihara und nicht einmal die Hälfte aller Möbel fassen? Guckt noch mal oben auf den Grundriss der Wohnung. Die Treppe. In Japan zählt wirklich ALLES in die Quadratmeter einer Wohnung rein, und diese Treppe nahm uns nun also wertvollen Lebensraum weg. Die rund 15 qm dort in der LDK sind für Wohnzimmer UND Esszimmer UND Küche. Das Schlafzimmer, das in unserer Sagamihara-Wohnung Platz für meinen Schreibtisch und einen nicht gerade kleinen Beistelltisch hat, hat auch nur 10 qm. „Satz mit x war wohl nix.“ Sage ich jetzt so leicht. In Wirklichkeit war ich von der Wohngegend so begeistert, dass ich nicht so einfach aufgeben wollte. Es musste doch einen Weg geben. Vielleicht einen Schreibtisch raus und dann ein kleines Bücherregal auf die Treppe und na ja, dann eben kein Klavier … Irgendwann setzte zum Glück wieder die Vernunft ein XD So viel Miete für eine so kleine Wohnung für die so viele Möbelstücke gehen müssten und aus der wir vermutlich wegen Platzmangel eh in 1, 2 Jahren wieder ausziehen würden, war der ganze Aufwand einfach nicht wert. Sie war für reiche Singles mit kleinem Haushalt gedacht, und das sind wir nun einmal nicht. Und so einen richtig kurzen Weg zur Arbeit hätten wir von Kichijōji aus auch nicht. So gar nicht. Eher Hardcore-zerquetscht-werden, und das war ja nun überhaupt nicht der Sinn dieses ganzen Umzugs. Und damit entschieden wir uns auch gegen diese Wohnung.

Da war es dann auch schon 21 Uhr und wir und die Maklerin fix und fertig. Etwas enttäuscht machten wir uns auf den Weg nach Hause. Während der Bahnfahrt zurück nach Sagamihara recherchierte ich eifrig weitere günstige Streckennetze für unseren Weg zur Arbeit, damit wir uns von einem Makler nicht noch einmal in eine fancy Wohngegend mit eigentlich schlechtem Anschluss zu unseren Arbeitsplätzen fahren ließen. Zu Hause fielen wir tot ins Bett, nur um wenige Stunden später wieder Richtung Tōkyō zu düsen – dieses Mal mit neuen Wohnungen im Gepäck und daher zu einem neuen Makler, denn wie vorher erwähnt: Nicht jeder Makler kann einem jede Wohnung vermitteln.

Die Wohnung in Wakōshi

Wenn es um halbwegs leere Züge auf dem Weg nach Shinjuku ging, fiel mir immer wieder Wakōshi ins Auge. Wakōshi liegt in Saitama und ist der erste Bahnhof auf der Fukutoshin-Linie, womit beinahe Sitzplatzgarantie herrscht. Dachte ich mir zumindest so. Die Wohnung, die man uns dort zeigte, war trotz ihres Baujahres vor 20 Jahren auch gar nicht so schlecht, aber etwas dunkel und mir vor allem persönlich zu groß – 80 qm auf drei Etagen -, was seltsam klingen mag, denn wer will nicht mehr Platz? Aber bei der Vorstellung, diese drei Etagen im Sommer irgendwie kühl und im Winter irgendwie warm zu halten, wurde mir ganz anders. Auf zarten 45 qm erreichte unsere Stromrechnung gerade im Winter ja manchmal schon nicht mehr feierliche Ausmaße. Argwöhnisch nahm ich die eingebauten Klimaanlagen in Augenschein. So alt wie die Wohnung auch. Das würde die Stromrechnung definitiv nicht billiger machen. „Wir haben eine sehr neue Klimaanlage, die wir gerne aus unserer alten Wohnung mitbringen und einbauen …“, setzte ich an, doch der Makler ließ mich nicht mal zu Ende sprechen. „Die Klimaanlagen gehören zur Inneneinrichtung und werden nur ausgetauscht, wenn sie kaputt gehen.“ Ich sah mich vor meinem geistigen Auge schon mit einer Brechstange auf die Dinger losgehen O_o Und dann war die Wohnung zu Fuß auch noch 30 Minuten vom Bahnhof entfernt. Das ist natürlich ein ordentliches Stück, wenn man bedenkt, dass man die JEDEN Morgen und JEDEN Abend bei Wind und Wetter zurücklegen muss. Wir liefen die Strecke einmal zur Probe ab und es ging über Stock und Stein und mehrere doch recht steile Hügel lagen auf dem Weg – ohne E-Bike würden wir wahrscheinlich jeden Tag mit einem dezenten Eau de Schweiß am Arbeitsplatz sitzen, gerade im Sommer bei im Schnitt 38 Grad und tausend Prozent Luftfeuchte. Vielleicht sogar mit. „Andere Wohnungen näher am Bahnhof haben sie nicht? Vielleicht etwas kleinere?“ Es war die einzige Wohnung in Wakōshi, die man derzeit im Angebot hatte. Wir behielten sie im Hinterkopf und machten uns auf den Weg zu einem anderen Makler und mit einer anderen Suumo-Immobilie im Gepäck.

Die Wohnung, die es dann wurde:

Die letzte Wohnung, die wir uns ansahen und auf die wir uns am Ende auch bewarben, hatte alles, was wir wollten: Eine 2LDK – 2 Zimmer und eine Living-Dining-Kitchen – auf 60 qm keine 10 Minuten vom Bahnhof entfernt und für beide eine Fahrzeit von nicht mehr als 30 Minuten zur Arbeit, das Gebäude nicht einmal 10 Jahre alt, oberste Etage, Haustiere erlaubt – entweder ein kleiner Hund oder eine Katze. Sie hatte nur einen nicht zu unterschätzenden Haken: Sie war noch bewohnt und wir konnten sie daher nicht besichtigen. Irgendwas is immer, wa? Der Makler hatte allerdings überaus viele Bilder der Wohnung da, was ich so zum ersten Mal erlebt habe. Mast Home, die Makleragentur, bei der wir da saßen, hat sich vor allem auf Wohnungen des Bauunternehmen Sekisui House 積水ハウス spezialisiert und hatte vielleicht deshalb so viele Fotos, die man uns zeigen konnte. Selbige sahen vielversprechend aus. Wir konnten uns das Gebäude auch einmal von draußen angucken.2019-07-21 20.07.15 Auch schön. Und wir liefen die Gegend ab. Mehrere konbinis und Supermärkte in Laufnähe. Für ausgiebiges Shopping müsste man nach Ikebukuro, daher keine so praktische Wohngegend wie Sagamiono/Machida, wo es an beiden Bahnhöfen jeweils mehrere Shopping-Center gibt, aber dafür ruhig. Wir bewarben uns also auf die Wohnung, bestanden aber darauf, dass wir den Vertrag erst unterzeichnen, nachdem wir sie auch von innen gesehen hatten. In zwei Wochen sollte das möglich sein. Der Makler hatte nichts dagegen. Und daran merkte man, dass wir nicht in der Hauptsaison nach Wohnungen gesucht haben. Damals in Sagamihara, als wir im April suchten, mussten wir den Vertrag unterzeichnen, bevor wir die Wohnung sehen konnten, einfach weil sie uns sonst wie so viele andere vor ihr durch die Lappen gegangen wäre. In Japan scheinen erstaunlich viele Leute kein Problem damit zu haben, in eine Wohnung einzuziehen, die sie vorher nicht angesehen haben O_o

Mit einer vielversprechenden Wohnung in Aussicht, die alle Punkte auf meiner Wunschliste zu erfüllen schien, fuhren wir nach Hause und klatschten erschöpft aufs Bett. Wir waren an beiden Tagen so viel gelaufen – die Wohnungen selbst, aber auch die Wohngegenden wollten ja unter Augenschein genommen werden -, dass wir die nächsten zwei Tage quasi im Koma verbrachten und unser Haus gar nicht verließen. Die Freuden der Golden Week. Es regnete eh draußen. Unsere Fahrt nach Nagano war für das Ende der 10 freien Tage angesetzt, und so konnten wir mal alle Viere von uns strecken. Und natürlich hofften wir, dass wir nach unserem Kurzurlaub die Zusage zur Wohnung und einen festen Besichtigungstermin haben würden. Hach, sind sie nicht jung und naiv, die beiden? Mehr dazu im nächsten Post zur Wohnungssuche und zum Umzug 😉

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