Ich bin jetzt Undercoveragentin

Denn ich habe nun ein Alias. Gut, eigentlich nicht wirklich, denn es ist schon mein richtiger Name, nur in Katakana und Kanji, zwei der drei Schriftsysteme für Japanisch, geschrieben. Und ohne das Geb! Aber das war nicht der ausschlaggebende Grund für mich, mein Alias zu registrieren.

Als ich damals zum allerersten Mal als Austauschstudentin nach Japan kam, war die Registrierung für uns Ausländer weniger copy-paste und faszinierenderweise weniger steif als es heute ist. Man ging ins Rathaus seiner Stadt, füllte ein paar Unterlagen aus und konnte eine Woche später seine Alien Registration Card abholen. Zweitnamen weglassen? Sicher! Geb und Geburtsname nicht mit auf die Alien-Karte? Aber kein Problem! Damals nahm man das alles wahnsinnig locker. Und irgendwie dachten wir zu der Zeit auch, jeder von uns hätte ganz natürlich einen Namen auf Katakana. Was heißt einen Namen? Unsere Namen! Es waren ja keine anderen Namen, nur mit anderen Zeichen geschrieben! Wie falsch wir doch lagen. Doch damals hat uns niemand darauf hingewiesen. Es gab nie irgendwelche Probleme, wenn wir unsere Namen irgendwo auf Katakana hinschrieben. An unserer Austauschuni wurde das sogar mehr als begrüßt.

Und damit im Hinterkopf habe ich mich vor 1 1/2 Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber beworben. Mit meinem Katakana-Kanji-Namen. Vornehmlich, weil mich die japanischen Unterlagen, die ich für die Bewerbung ausfüllte, irgendwie dazu animierten ^.^; Meinen Vertrag unterschrieb ich natürlich mit dem Geb-Monster, und auch mein Konto musste ich natürlich mit dem Bandwurmnamen angeben. Ansonsten bin ich Frau Kanji Katakana in meiner Firma: im System, auf meinem Firmenausweis, auf meinen Visitenkarten und – und bis hierher hätte das ja alles absolut keine rechtlichen Auswirkungen gehabt – auf meiner Versicherungskarte. Dass ich mich damit auf den Popo setzen könnte, fiel mir siedend heiß das erste Mal auf, als ich auf Keis Schulter gestützt mit meinem verstauchten Knöchel zum Arzt humpelte. Was, wenn sie zu meiner Versichertenkarte auch meinen Ausweis sehen wollen??? Ich hatte ja keinerlei Beweis, dass ich wirklich Frau Kanji Katakana bin. Zum Glück brauchten sie keinen Nachweis, aber das hat mich dann doch grübeln lassen, und ich habe angefangen, mich mehr über “Rufnamen”, 通称 tsūshō, in Japan zu informieren.

Mit einem Rufnamen ist mein Problem nicht zu 100% gelöst, denn Rufnamen erscheinen nicht auf der zairyū-Karte. Ich brauche eine Meldebescheinigung, ein 住民票 jūminhyō, um ihn nachzuweisen. Und die Dinger laufen jeweils nach 3 Monaten ab. Jippie! Aber es gibt mir zumindest eine Möglichkeit legal Frau Kanji Kawamata zu sein und es auch nachzuweisen.

Wie habe ich mein Alias nun bekommen? Also erstmal habe ich vergessen, wie viel einfacher es ist, Kei vorzuschicken. Das hat nichts mit meinen Japanischkenntnissen oder sonstigen Fähigkeiten zu tun, man macht es Ausländern hier manchmal einfach aus Prinzip schwerer.

Da jedes Rathaus bei den Rufnamen seinen eigenen Brei zu kochen scheint, erkundigte ich mich bei unserem, was für Unterlagen ich so brauchen würde. Einmal das Formular, das es natürlich nur vor Ort gibt, und dann Nachweise darüber, dass ich den Namen auch wirklich im Alltag benutze. Aha. Na, das ist ja mal supereinfach, wenn man das legal ja eigentlich nicht unbedingt darf. Ich also: “Meine Visitenkarten mit dem Namen drauf?” Antwort: “Ja, aber Ihr Antrag kann abgelehnt werden, wenn sich die Nutzung des Namens auf nur einen Bereich ihres Lebens bezieht.” Ähm … WELCHEN BEREICH AUßER ARBEIT HAT MAN DENN IN JAPAN ALS ARBEITENDER MENSCH BITTE SONST NOCH??? Ich habe zum Glück ein paar point cards auf Frau Kanji Katakana registriert und erhalte auch ein wenig halbwegs unrelevante Post auf den Namen – das sollte doch reichen, oder? Ich sammelte also die letzten Tage erst einmal zusammen, was ich so finden konnte.

Letzten Samstag ging Kei ganz früh am Morgen ins Rathaus, um eine Meldebescheinigung für anderen Papierkram zu besorgen. Ich nüchterte mich nach der Abschiedsfeier eines Kollegen am Vorabend aus *husthust*, lallte Kei aber wohl noch hinterher, er möge mir bitte so ein Alias-Formular zum Ausfüllen mitbringen. Was ich von Kei bekam, war nicht das Formular, sondern gleich das ganze Alias O_o OHNE. JEGLICHEN. NACHWEIS hat man ihn MEIN Alias registrieren lassen!!!

Also, nicht, dass ich mich beschwere, dass ich es jetzt habe, aber da tauche ich als betroffene Person im Rathaus auf und man sagt mir, mein Firmenausweis sei nicht genug, aber eine Person, die nicht mal ich ist, braucht nicht mal den??? Der Grund war dann aber wohl der folgende: Kei ist der Vorstand unseres Haushaltes, der setai nushi 世帯主 – ja, so was gibt es hier in Japan – und der kriegt also nicht nur meine Post vom Rathaus, sondern darf mir auch einfach neue Namen geben :P Der Opa am Schalter hätte wohl gemurmelt, es sei besser, wenn die betreffende Person dabei sei, aber das schien ja dann am Ende egal gewesen zu sein. Jedem, der über ein Alias nachdenkt, kann ich also nur raten, seine bessere Hälfte vorzuschicken – selbst mitgehen kann aber zumindest nicht schaden … glaube ich :P

So, nun habe ich also meinen Rufnamen und fühle mich etwas sicherer, wenn ich meine Versichertenkarte beim Arzt auf den Tisch haue. Dass auch immer alles so kompliziert sein muss -.-‘

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[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (1)

Die tetsugaku no michi 哲学の道, der Philosophenweg, ist besonders im Frühling eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Kyōto und erstreckt sich zwischen dem nanzenji 南禅寺 im Süden und dem ginkakuji 銀閣寺 im Norden. Er wird wohl so genannt, weil der Philosoph Nishida Kitarō 西田幾多郎 hier häufig meditative Spaziergänge machte … oder so XD

Der Weg führt einen kleinen Fluss entlang und ist rechts und links von vielen, vielen Kirschblüten gesäumt. Wenn diese im April in voller Blüte stehen kann man sich dort vor Touristen kaum noch retten. Entlang des Weges führen immer mal wieder Abzweigungen nach links und rechts, auf denen man zu diversen Tempeln und Schreinen gelangen kann. Wir haben uns den eikandō zenrinji 永観堂 禅林寺, den taihō jinja 大豊神社, den hōnen-in 法然院 und am Ende natürlich den Silberpavillon, den ginkakuji 銀閣寺 angeguckt.

Der eikandō zenrinji 永観堂 禅林寺

Dieser Tempel befindet sich nur ein kleines Stück vom nanzenji entfernt und hat einen ebenso beeindruckenden Garten wie dieser. Ich habe Photos der Anlage im Herbst mit dem wunderschön gefärbten Laub an den Bäumen gesehen – was für ein Anblick! Aber auch so im Sommer mit viel Grün war es das zweite Highlight unserer Tour – bestimmt auch, weil hier die Touristen ebenso dünn gesät waren wie am nanzenji :P

Ohne Frage ist natürlich auch dieser dem Buddhismus geweiht und ist Hauptsitz einer Zweiglehre des jōdoshu 浄土宗 – und mehr weiß ich über Buddhismus leider nicht XD Die Gebäude wurden in privater Ambition im Jahr 853 errichtet, und da man damals noch keine privaten Tempel bauen durfte, erst 10 Jahre später als Tempel anerkannt.

Auf dem Gelände finden sich mehrere Gebäude, die durch Holzkorridore miteinander verbunden sind. Man muss daher beim Betreten seine Schuhe ausziehen, aber da fast alles überdacht ist, macht der Besuch so selbst bei Regen Spaß.

Als ein Highlight wird die garyūrō 臥龍廊, die Drachenpassage, angepriesen – ein Holzkorridor, der sich in die Höhe schlängelt und einem das Gefühl verleihen soll, durch einen Drachen hindurchzulaufen. Das kann ich jetzt nicht ganz bestätigen, aber sich im Gang quer durchs Grün zu schlängeln war trotzdem ein interessantes und irgendwie beruhigendes Erlebnis :D

Sehr interessant fand ich auch einige Zeichnungen am Tempel, die bunter waren, als ich es von religiösen Einrichtungen wie diesen gewohnt bin.

Ein Großteil der Anlage bestand wieder aus einem traditionellen und sehr schön hergerichteten Garten mit einem großen Teich im Zentrum.

Auf den Photos lässt sich erahnen, wie beeindruckend der Anblick im goldenen Herbst sein muss.

Zudem gab es ein paar kleine Schreine auf der Tempelanlage, die unterschiedlichen Gottheiten gewidmet waren – in Japan übrigens nichts seltenes, auch wenn Schreine und Tempel heute zu jeweils anderen Religionen gehören.

Der Tempel ist wohl zudem auch berühmt für seine Amida-Statue, die anders als sonstige Amida-Statuen verstohlen über ihre Schulter blickt – der Rest guckt wohl einfach nur geradeaus. Ich Kulturbanause wusste natürlich nicht, was für ein besonderes Exemplar ich da vor mir stehen habe und habe überhaupt gar kein Photo gemacht :P Persönlich finde ich die Gärten spannender XD

Natürlich kam ich nicht umhin mir in mein neues shuinchō 朱印帳, das ich mir hier am eikandō besorgt habe, gleich noch einen shuin stempeln zu lassen. Ich wollte mir erst eins am nanzenji holen, die Designs dort haben mir jedoch nicht gefallen. Dort gab es die shuin allerdings sowieso nur als Sticker zum Mitnehmen und Einkleben. In mancherlei Hinsicht haben sich einige shuin echt in etwas abstruse Richtungen entwickelt, aber für diesen Tag hat es mir persönlich sehr in den Kram gepasst XD

Da frisch gestempelte shuin abfärben, wird einem häufig ein Stück Pergamentpapier zwischen die Seiten gelegt. Normalerweise ist es einfach nur weiß, aber dieses hatte das Bild der Amida, für die der eikandō so bekannt ist, aufgedruckt.

Und damit komme ich für diesen Beitrag mal zum Ende. Teil 2 folgt … demnächst irgendwann :P

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Rest in peace, Tama – Japan’s stationmaster cat passes away at 16, company funeral to be held

nagarazoku:

Also das macht mich jetzt echt wahnsinnig traurig T^T

Ursprünglich veröffentlicht auf RocketNews24:

ST 1

It wasn’t long ago that we were wishing a happy birthday to Tama, the adorable feline that was given the title of Ultra Stationmaster by Wakayama Electric Railway. Having just turned 16 in April, Tama, who lived at Kishi Station in Wakayama Prefecture and delighted travelers on a daily basis, was incredibly young for a stationmaster.

16 is a fairly advanced age for a cat, though, and the sad news has just come that Stationmaster Tama has passed away.

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[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Der Nanzenji

Keine Sekunde nachdem wir in Kyōto ankamen, fiel mir auf, dass ich Schusselvieh vergessen hatte, mein shuinshō 朱印帳 mitzubringen. Hab ich mich geärgert! Aber gut, es nützt ja alles nichts, ich MUSSTE mir also ein neues zulegen :P Und das hat nach Kyōto inzwischen mehr Stempel als das shuinchō, das ich im Januar angefangen habe O_o

Kei und haben vor inzwischen 7 Jahren (Boah, wie die Zeit rennt!!! Kinkakuji hier, Rest hier) schon einmal Urlaub in Kyōto gemacht und wollten uns für diesen Besuch also vorwiegend Sehenswürdigkeiten anschauen, zu denen wir es das letzte Mal nicht geschafft hatten. Als erstes stand der nanzenji 南禅寺 auf dem Plan.

Durch das sanmon 三門, eine bedeutende Art von Tor in zen-buddhistischen Tempeln, betritt man die Anlage

Ursprünglich ein Rückzugsort, den sich der damalige Kaiser Kameyama im Jahr 1291 errichten ließ, ist der nanzenji heute einer der bekanntesten Tempel des rinzai-shū 臨済宗, einer Lehrtradition des Zen-Buddhismus und die zweitgrößte der drei Zen-Schulen Japans. Kyōto war schon immer eines der Hauptzentren, in denen sich der Zen-Buddhismus verbreitete, und die Ästhetik des Zen hat hier überall ihre Spuren hinterlassen. Tempel im Zeichen des rinzai-shū sind wohl besonders für ihre Gartenkunst bekannt und verstehen sich zudem in der Kunst der Teezeremonie, dem sadō 茶道. Beides lässt sich zumindest für den nanzenji bestätigen.

Leider, leider, leider hat an diesem Tag keine einzige Teezeremonie stattgefunden T^T Was hätte ich dafür gegeben, mit Blick auf diesen Garten eine richtige Teezeremonie mitmachen zu dürfen *heul* *zeter* *schnaub*

Beim nächsten Mal dann … *schnief*

Im hōjō 方丈, den Gemächern des Oberpriesters, wenn man es denn so bezeichnen will, gab es eine Vielzahl an Räumen, die reinste Ruhe ausgestrahlt haben. Hier würde ich gerne mal für ein paar Wochen Urlaub machen. Aber ohne die Touristen bitte!

Die Gärten des hōjō haben bei uns am meisten Eindruck hinterlassen. Der Steingarten der Anlage wird wohl als eines der Vorzeigebeispiele der japanischen Steingartenkunst gehandhabt.

Aber ich war generell von jedem Bereich hin und weg!

Es war überall so wahnsinnig idyllisch, ich wollte gar nicht mehr gehen :3

Der Rest des Geländes bietet übrigens auch einiges zu sehen. Es gibt neben dem Haupt- eine Vielzahl an Nebentempeln zu sehen, und dazwischen erstreckt sich flächenweise sattgrünes Moos um Relikten aus alten Zeiten, was dem ganzen eine Hayao Miyazaki-artige Atmosphäre verleiht :3

Weiterhin gibt es ein altes Aquädukt aus dem Jahr 1890 zu sehen, das wohl immer noch Wasser vom biwa-ko 琵琶湖, dem Biwa-See, nach Kyōto führt!

Mit der beliebteste Ort für Gruppenfotos und Selfies an diesem Tag ;)

Vom Gelände des nanzenji aus ist es übrigens nur ein kurzer Spaziergang bis zum südlichsten Punkt des Philosophenwegs, der tetsugaku no michi 哲学の道. Von dort aus kann man eine wunderschöne Strecke einen kleinen Kanal entlang vorbei an Boutiquen und Restaurants laufen, links und rechts immer wieder mal kleine Abstecher zu interessanten Schreinen und Tempel machen, und kommt am Ende im Norden beim Silber-Tempel, dem ginkakuji 銀閣寺, an. Zu dieser Tour dann mehr im nächsten Eintrag ;)

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Ein Besuch im ryokan

Wer nach Japan kommt, sollte unbedingt wenigstens eine Nacht in einem ryokan 旅館, einem traditionell japanisch eingerichtetem Hotel, verbringen. Das ist oft nicht nur eine wunderbare Gelegenheit, ein wenig traditionelle japanische Kultur zu erleben, sondern vor allem wahnsinnig entspannend ( ̄▽ ̄)

Für unser Wochenende in Kyōto hat sich Kei ebenfalls für ein ryokan entscheiden. Und zwar für eines der schicksten, in denen ich bisher übernachtet habe. Es lag etwas außerhalb der Stadt und wir mussten uns daher nach dem Sightseeing zu einem Bahnhof durchschlagen, an dem uns der ryokan-eigene Shuttlebus aufsammeln konnte. Dafür war es aber auch unglaublich ruhig in der Umgebung. Um uns herum nur Reisfelder und Berge :3

Eingang zu unserem ryokan

Betritt man das ryokan, heißt es raus aus den eigenen Schuhen und rein in die bereitgestellten Hausschuhe. Diese sind zum Glück meistens unisex und ich hatte daher noch nie Probleme mit den Schuhgrößen ;) Dann wird man in sein Zimmer geführt. Die Zimmer sind meist sehr geräumig und haben einen großen Tisch im Zentrum, an dem bei teureren ryokan abends dann das Essen gereicht wird. Bei günstigeren ryokan gibt es das Essen meist im Hotelrestaurant. Im Anschluss wird der Tisch zur Seite geräumt und weicht einem Set futon 布団 zum Reinkuscheln. Unser Zimmer hatte dieses Mal auch einen kotatsu, einen beheizten Tisch mit Decke, doch leider waren wir außerhalb der Saison da und wir konnten ihn daher nicht benutzen T.T Das schreit nach einem erneuten Aufenthalt im Winter!!!

Im Zimmer kann man dann auch in einen bequemen yukata 浴衣 wechseln. Die kommen ebenfalls meist in unisex und ich hatte daher auch hier noch nie Probleme mit der Größe. Der yukata verleiht dem ganzen noch mal das Ticken extra an Atmosphäre, finde ich ( ̄▽ ̄) Übrigens: Linke Seite ÜBER der rechten, bitte, andersherum tragen es nur Verstorbene. Es lässt sich ganz einfach merken, wenn man daran denkt, dass Japaner früher ihre Wertgegenstände zwischen ihrem kimono und ihrem Untergewand eingeklemmt an ihrer Brust versteckten und es (zumindest für die Rechtshänder) einfacher ist, die Wertgegenstände zu verstauen, wenn der kimono links über rechts gefalten ist. In den Ärmeln des yukata lassen sich übrigens auch wunderbar kleine Geldbörsen und Zimmerschlüsseln aufbewahren XD Das weibliche Hotelpersonal vollführt übrigens fast alle Arbeiten im kimono gekleidet, ohne dass dieser sie behindern würde oder er verrutscht. Faszinierend!

Schon kurz nach unserer Ankunft gab es auch gleich das Abendessen. In den meisten ryokan ist Frühstück und Abendbrot immer inklusive, dafür sind die Preise dann auch etwas höher im Vergleich zu Hotels im westlichen Stil. Wir bekamen das Essen in unserem Zimmer und schön ruhiger Atmosphäre serviert. Jeder Gang war wunderschön präsentiert, an sich zwar recht klein, da wir aber fast 10 Gänge hatten, war man am Ende trotzdem pappensatt. Die Speisen sind natürlich alle japanische Küche und ändern sich im ryokan oft mit den Jahreszeiten.

Eine kleine Auswahl der Speisen, die wir bekamen. Leider ertrage ich den Anblick von ganzen Fischen überhaupt nicht und bin immer froh, wenn Kei dabei ist und kein Problem mit einem Nachschlag Fisch hat ^^;

Und wenn man denn möchte, dann arrangiert das ryokan auch einen Geburtstagskuchen für das Geburtstagskind *.* Mit dem hatte mich Kei echt aus heiterem Himmel überrascht. Ich muss gestrahlt haben, wie ein Honigkuchenpferd, als man den Kuchen im Anschluss an das Abendessen in das Zimmer brachte ( ̄▽ ̄) Den halben Kuchen haben wir noch am selben Abend verschlungen, die andere Hälfte gab es nach dem Frühstück am nächsten Morgen – für mich immer eine kleine Rettung, da ich traditionelles japanisches Frühstück vom Magen her nicht allzu gut vertrage und daher immer nur sehr, sehr wenig davon esse.

Einen riesengroßen Bereich mit onsen 温泉 hatte unser ryokan selbstverständlich auch.

Das rotenburo – hier hätten locker 10 Leute Platz gehabt! via tremii.com

Wie immer war der onsen-Bereich nach Geschlechtern getrennt – will man als Paar hinein, muss man sich ein Bad reservieren; kashikiri 貸し切り nennt man das. Das taten wir dann auch. Als wir zur uns genannten Zeit an der Rezeption erschienen, um unsere 45 Minuten im onsen zu starten, drückte man uns einen Korb in die Hand, der neben einer Uhr auch eine Taschenlampe und eine Karte enthielt O__o Der Weg bis zum Privat-onsen war etwas weiter und dunkler, als wir erwartet hatten, und abends war er  auch gar nicht so einfach zu finden XD Für das rotenburo 露天風呂, wie diese “Außen”-onsen genannte werden, hat es sich aber auch gelohnt. Juni ist, finde ich, genau die richtige Zeit, um diese Art von onsen, die sich vollständig, also auch inklusive den Duschen, draußen befinden, zu genießen. Es ist weder zu heiß, um überhaupt ins onsen zu gehen, noch zu kalt, um beim Duschen vorher zu erfrieren. Es schwirren auch noch nicht allzu viele Insekten herum. Zur Zikaden-Zeit im Juli/August stelle ich mir das onsen mit all den Bäumen, die es umgaben, weitaus weniger entspannend vor O___o

Das Wasser in onsen enthält übrigens immer gesundheitsfördernde Zusätze. Was auch immer in unserem war, vom Muskelkater, den ich nach der Tour, die wir da am Samstag hingelegt haben, hätte spüren müssen, war nichts übrig. Den gleichen Effekt habe ich mit einem heißen Bad bei uns Zuhause leider nicht erzielen können und am Montag bitterböse unter dem Muskelkater vom Sonntag gelitten T^T

Nach einem onsen-Besuch kann man dann meistens nichts anderes mehr, als todmüde ins Bett fallen ^^; Das haben wir dann aber auch mit Freuden getan! Die futons waren kuschelweich und von den anderen Gästen hörte man in unserem Zimmer nicht den kleinsten Mucks – gerade in Hotels ist das in Japan durch die typischen dünnen Wände nicht immer gegeben …

Es gab übrigens kein Internet direkt auf den Zimmern, und auch mein Handy wollte sich in der Abgeschiedenheit nicht so richtig mit seinem Internet verbinden ^^; Allerdings gab es kostenloses Internet im Aufenthaltsraum, in den ich mich total gemütlich bei einer Tasse Tee oder Kaffee zurückziehen konnte, um alle Geburtstagsglückwünsche zu beantworten ;)

Einfach an alles gedacht!

Das ryokan war keines der billigen Sorte, und man hat es an allen Enden und Ecken gemerkt ^^; Ich war von unserem Besuch dort sehr begeistert und würde es in jedem Fall weiterempfehlen. Bei Interesse: すみや亀峰菴. Es gibt auch Zimmer mit eigenem rotenburo, sowie Angebote für Leute, die ausschließlich das onsen nutzen wollen ;)

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Die letzten Wochen

Die letzten Wochen musste ich projektbedingt für wenigstens je einen Tag am Wochenende im Büro erscheinen und meine 8 Stunden abarbeiten. Nicht etwa, weil es Dinge zu tun gab, die man nur am Wochenende erledigen kann, sondern schlicht und einfach, weil die Projektplanung geschlampert hat. Ich mag mich aber kaum beschweren, denn für die Deutschübersetzer war es nur ein Tag am Wochenende, während die Englisch- und Französischübersetzer seit nun einem Monat schon durchgängig ohne einen freien Tag ranklotzen mussten. Warum wir nur einen Tag? Da hat das deutsche Team wohl einfach etwas effizienter gearbeitet :P

Das Projekt neigt sich nun langsam dem Ende zu, und ich werde meine angesammelten so genannten furikae 振替、verschobene Sams-, Sonn- oder Feiertage, in einen schönen einwöchigen Urlaub umwandeln, an dem ich so viel rumliegen und nichts tun werde wie möglich :P Einen Kurzurlaub habe ich mir zusammen mit Kei jetzt über das Wochenende schon gegönnt, denn in meiner Firma wurde für Wartungsarbeiten der Strom abgeschaltet und wir quasi in den “Zwangsurlaub” geschickt :P Wie praktisch, dass ich am Samstag auch Geburtstag hatte – die Chance konnten wir einfach nicht ungenutzt lassen. Wir besuchten nach 7 Jahren mal wieder Kyōto, und es war ein ganz, ganz tolles Wochenende, über das ich in der nächsten Zeit hier noch schreiben werde. Ich weiß noch nicht genau in welcher Form, aber es werden sicher mehrere Einträge werden, da geneigte Leser ansonsten von der Fülle an Informationen erschlagen werden ^^; Ich habe knapp 400 Photos an dem Wochenende geschossen und habe dementsprechend viel zu erzählen!

So anstrengend das  Projekt jetzt auch war und so viel es mir abverlangt hat, es ist eines der größten und interessantesten in meiner Firma und ich habe vieles gelernt, was mir in meinem nächsten Projekt, an dem ich bereits Leadtranslator sein soll, hoffentlich helfen wird. Und dennoch freue ich mich erst einmal auf ein paar ruhigere Wochen mit 2tägigen Wochenenden, an denen ich Wäsche waschen UND relaxen kann :P

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Warum heißen ema eigentlich ema?

Ema kennt wahrscheinlich jeder, der schon einmal in Japan war. Es handelt sich dabei um die kleinen Holztäfelchen, die man an fast jedem Schrein kaufen und mit seiner Bitte an die Götter versehen kann. Der Begriff setzt sich im Japanischen aus den kanji  für “Bild” 絵 und “Pferd” 馬 zusammen. Wortwörtlich “Pferdebild”. Aber warum eigentlich, wo doch in den meisten Fällen überhaupt gar keine Pferde auf den ema abgebildet sind?

Persönlich habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie eines dieser Pferdebildchen mit einem Pferd verziert gesehen …

Die Bezeichnung ema 絵馬 geht auf einen Brauch zurück, den man bereits in der Nara-Zeit (710 – 794) finden kann. Nach diesem Brauch kann man sich das Wohlwollen der Götter sichern, indem man dem Schrein seiner Wahl ein Pferd darbietet. Shinme 神馬 heißen diese Tiere, “göttliches Pferd”, und sind als Reittiere für die Götter gedacht – niemand sonst darf sich in ihren Sattel setzen. Es gibt wohl auch Bestimmungen darüber, welche Farbe das Fell des Pferdes für welchen Gesuch an die Götter haben soll. So sind, z.B. schwarze Pferde gefragt, wann man sich Regen wünscht.

Ein Perd darbringen durfte damals eigentlich jeder, vom normalen Bürger bis hin zum tennō natürlich. Nun sind Pferde aber nicht gerade billig in der Anschaffung, und so blieb dieses Privileg meist den wohlhabenden Bürgern vorbehalten. Was ist neben der Anschaffung noch teuer, wenn es um Pferde geht? Ja, die Haltung. Gerade für kleinere Schreine können shinme schnell zu einer großen finanziellen Belastung werden.

Man ging daher langsam dazu über, den Göttern statt einem echten Pferd das Bild eines Pferdes auf einem Stück Holz oder auch Papier dazubringen. Ema, wortwörtliche Pferdebilder. Und seit der Heian-Zeit (794 – 1185) gibt es die ema als die Holztäfelchen fast schon so, wie wir sie heute kennen. Damals jedoch noch ausschließlich mit dem Bild eines Pferdes versehen.

Ein wenig später jedoch, zur Muromachi-Zeit (etwa 1336–1573), kamen auch andere Bilder hinzu. Und heute kann man sogar ema mit Hello Kitty oder Rilakkuma drauf kaufen – so ändern sich die Zeiten :P Meisten sind es jedoch die Bilder der Gottheit des Schreins oder auch des chinesischen Tierkreiszeichens, das im entsprechenden Jahr regiert.

Man beachte die Rilakkuma-ema im Hintergrund :P

2013-06-08 10.49.05Shinme gibt es in einigen Schreinen immer noch. Eines habe ich z.B. vor 2 Jahren im Tōshōgū 東照宮 in Nikkō zu Gesicht bekommen. Ein wunderschöner Schimmel* mit einem rigiden Stundenplan in einem ziemlich keinen Stall T^T Und auch der Isejungū 伊勢神宮, der vielleicht bedeutendste Schrein in Japan, lässt es sich natürlich nicht nehmen, shinme zu halten – vielleicht sogar mehrere? Ich war ja noch nie da ^^;

Ja, liebe Kinder, und deshalb heißen ema also ema XD

* Mit einem Schimmel wünscht man sich Sonnenschein, so heißt es ;)

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