Und ab jetzt nur noch Sushi?

Das war und ist eine der häufigsten Fragen, die mir vor und nach meinem Umzug nach Japan gestellt wurde bzw. immer noch gestellt wird. Es fasziniert mich immer wieder für wie unglaublich eintönig die japanische Küche oft gehalten wird – aber auch meistens nur von den Leuten, die auch der Meinung sind, alle Japaner würden sich ein und denselben Charakter teilen. Und dabei kann man in Japan so vielfältig essen, wie überall anders auf der Welt auch. Allein ein Blick auf meine Mittagsteller verrät, dass ich weit davon entfernt bin, jeden Tag nur Sushi zu essen.

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Aber versteht mich nicht falsch: Ich liebe Sushi und es kommt regelmäßig bei uns auf den Tisch.

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Aber nur noch? Liebe Leute, Japaner sind nicht so anders, wie man es uns in den Medien immer weismachen will: Auch ihnen hängt ein Essen zur Nase und zu den Ohren raus, wenn sie es nur noch vorgesetzt bekommen.

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[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: In Arashiyama

Wo sind wir denn das letzte Mal stehengeblieben? Ach ja: Wir haben uns einen Schrein- und Tempel-Overload geholt und sind dann erst mal in unser ryokan 旅館 gefahren, über das ich ja schon einen eigenen Eintrag verfasst habe, und haben uns einen ruhigen Abend mit köstlichen Essen, Geburtstagskuchen und onsen gemacht.

Und nein, wir hatten auch am nächsten Tag noch nicht genug von religiösen Einrichtungen :P Auf unserem Plan stand die Gegend um Saga Arashiyama 嵯峨嵐山 und dort im Detail der Babmus-Wald zum tenryūji 天龍寺, einem Tempel, und dann der Affenpark Arashiyama hinter der togetsu-Brücke 渡月橋. Damit hatten wir uns die beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Gegend rausgesucht und sollten das an der Menge der Touristen auch gleich zu spüren bekommen.

Eigentlich wollte ich uns am Bahnhof Fahrräder mieten, aber Kei wies mich zurecht darauf hin, dass wir bei den ganzen Touristen zu Fuß wahrscheinlich schneller wären und das Zurückbringen am Ende stressig wird. Er sollte Recht behalten. Die Wege sind auf jeden Fall für Fahrräder ausgelegt, aber wenn selbige mit Touristen zugestopft sind, wird es nervig. Wer aber mal an einem Wochentag in der Gegend ist, kann ruhig mit den Fahrrädern liebäugeln.

Wenn man im Internet etwas über den Bambuswald in Arashiyama liest, dann erzählen die Autoren davon, dass es sich anfühle, als wäre man in einer anderen Welt. Diese Ruhe. Nur das Knarren des Bambusses … Ihr seid alle an einem Dienstag dort gewesen, oder? Denn ich war ganz weit entfernt davon mich in einer anderen Welt zu fühlen mit all den nach einander rufenden, im Weg stehenden und rumrempelnden Touristen. Wie das hier zur Hochsaison im April und im Herbst erst zugehen muss, will ich mir gar nicht erst vorstellen. Ich war etwas gestresst und hab vom Bambuswald nur genau ein Bild gemacht mit dem ich wieder jeder vormachen könnte, wie ruhig und spirituell es in der Gegend doch ist:

Kamerawinkel sind schon was Feines :P

Hat man sich “durch” den Bambuswald gekämpft (man läuft auf einem abgezäunten Weg, in den Wald darf man gar nicht rein), erreicht man den tenryūji 天龍寺, den “Tempel des Himmelsdrachens”. Er wurde im Jahr 1339 errichtet und ist, wie der nanzenji 南禅寺 auch, einer der Haupttempel der rinzai-Schule des Buddhismus. Man merkt, wie viel Einfluss der Buddhismus seinerzeit in Kyōto ausgeübt hat. Heute ist er als UNESCO-Weltkulturerbe registriert.

Meine Kamera behauptet, dass mir der zugehörige Garten wieder am meisten zugesagt hat, aber er war auch ein echtes Schmuckstück ^^;

Der Garten bietet eine Art Promenade entlang des sōgen-Sees 曹源池 und schließt ihn sogar, wenn ich mich nicht ganz täusche, auf der anderen Seite ein, aber als Tourist hat man leider nur zu einer Seite Zutritt. Schade. Auf der anderen Seite hätte ich mich so schön vor den Touristen verstecken können :P

Wir schlugen uns danach zur togetsu-Brücke durch. Der Weg dorthin war wahnsinnig touristisch ausgelegt, mit vielen kleinen Läden, die Essen, Mitbringsel und vielen mehr oder weniger traditionellen Krimskrams verkauften. Auf der Brücke ließen die Touristenmassen plötzlich nach O_o Yay!!!

In kurzer Zeit waren wir am Eingang zum Affenpark in denen mir viele, viele nihonzaru, Japanmakaken, versprochen wurden. Ich hatte mich online informiert, ob das auch ja so ein Park ist, in dem die Affen frei durch die Gegend laufen können, und ja, hieß es, die Affen würde das gesamte Gebiet dort bevölkern und im Prinzip machen, was sie wollen. Dass man, um die Affen sehen zu können, eine Bergtour hinter sich bringen muss, hat mir allerdings niemand gesagt O_o Am Eingang lachte ich noch über das “Wenn sie auf Klo müssen, dann hier! Es gibt erst oben wieder eine Toilette”-Schild, weil ich dachte, wir wären doch eh in 5 – 10 Minuten da. Hahaha, nein. Über eine halbe Stunde dauerte der Anstieg, war steil und an einigen Stellen ordentlich voll mit Modder, und ich wirklich gar nicht passend dafür angezogen. Besonders meine Schuhe litten und ich musste sie danach in die Tonne kloppen – allerdings waren sie auch davor schon sehr durchgelatscht.

Oben angekommen befindet man sich dann auf einer Plattform mit Bänken, einer Fütterstation und vielen, vielen Affen.

Die Fütterstation funktioniert so, dass man Futter kauft, sich dann in einen Käfig begibt und aus diesem Käfig heraus die Affen füttert.

Mir persönlich war das etwas zu affig (haha, Schenkelklopfer :P ) und ich hatte sehr viel mehr Spaß daran, die Affen zu beobachten, die in den Bäumen um die Plattform herum nicht einen Affenfurz auf die Touristen gaben und sich einfach ganz natürlich verhielten ;)

Am Eingang, auf dem Weg und oben auch wird man übrigens mehrmals darauf hingewiesen, wie man sich den Affen gegenüber verhalten soll.

Keine Plastiktüten, nicht anstarren, nicht anfassen, nicht außerhalb des Käfigs füttern und am besten einfach in Ruhe lassen. Wie viele Leute sich an so einfache Regeln nicht halten können/wollen, erstaunt mich doch immer wieder. Bei nihonzaru bezahlt man so einen Regelverstoß dann aber schnell mal mit einem zerdeppertem Kameraobjektiv oder einer Apfelhälfte, die man an den Kopf geworfen bekommt. Verdient, würde ich sagen :P

Man hat von oben aus übrigens eine tolle Sicht auf Kyōto – noch toller, wenn man besseres Wetter hat als wir – und kann etwas erstaunt feststellen, wie unglaublich niedrig all die Gebäude dort besonders im Vergleich zu Tōkyō sind. Auf dem Photo hier sieht man den Kyōto Tower, der sich in der Nähe vom Hauptbahnhof befindet. Schaut, wie schon fast flach alles drumherum ist!

Und damit hatten wir noch ein Ziel auf unserer Sightseeingliste: den Fushumi Inari-Schrein 伏見稲荷大社 in Fushimi. Dazu dann mehr im nächsten Beitrag ;)

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Im Kampf gegen den Schimmel

Klimaanlagen können schimmeln. Das wusste ich bisher auch nicht. Aber man lernt ja immer wieder was dazu. Obwohl ich auf diese Lektion hätte verzichten können. Wer weiß, wie lange der Schimmel schon in unserer Anlage war und uns über Nacht die Lungen verätzt hat! O_o

Wir haben die Klimaanlage mit einem Reinigungsspray gründlich geputzt. Mehrmals. Aber selbst mit Spray kommt man nicht an alle Stellen in einer Klimaanlage ran. Der süßliche Schimmelgeruch bereitete sich so jedes Mal in unserem Schlafzimmer aus, wenn wir sie in Betrieb nahmen. Im Elektrofachhandel gibt es professionelle Reinigungssets für rund 300 € zu kaufen. 300 €, und gleich auf der Packung stand noch, dass danach trotzdem noch Schimmel in der Anlage sein könnte. Dafür gebe ich ja wohl keine 300 € aus!

Wir diskutierten rund 2 Wochen über das Für und Wider und entschieden uns letztendlich, eine neue Klimaanlage zu kaufen. Es nützt ja nichts, wenn wir jetzt geizig sind und dann irgendwann mit Lungenschäden leben müssen. Warum wir zu Anfang trotzdem gezögert haben? Klimaanlagen sind teuer. Mit im Schnitt 80.000 bis 100.000 Yen, also rund 500 bis 750 € muss man rechnen für eine vernünftige Klimaanlage, die 6 畳 (, Maßeinheit für Räume, die auf die Größe von tatami-Matten zurückgeht; in ein Zimmer von 6 畳 passen also sechs tatami-Matten) abdecken kann. Die ist dann aber wenigstens wirklich schimmelfrei und nicht fast schimmelfrei wie nach dem Gebrauch von diesem überteuertem Reinigungszeug. Man kann ordentlich Geld sparen, wenn man gebrauchte Klimaanlagen kauft oder sich in den Sommerschlussverkauf stürzt. Ja, auch Klimaanlagen werden dann billiger. Und ja, Sommerschlussverkauf passiert in Japan wahnsinnig früh – so noch richtig mitten im Sommer.

Wir entschieden uns für ein Modell von Daikin, über das Kei viele gute Rezensionen gelesen hat. Es soll vor allem stark gegen Schimmel sein – genau das, was wir brauchen. Japanische Elektrofachgeschäfte bieten zu einem Aufpreis an, dass sie, falls vorhanden, die alte Klimaanlage abbauen und entsorgen, und die neue Klimaanlage anbringen. Das muss man bei gebrauchten Klimaanlagen wahrscheinlich selbst organisieren. Im Sommerschlussverkauf war das für uns alles kostenlos *.*

Und so kam der Herr von Bic Camera dann heute Morgen um 9 Uhr und verbrachte geschlagene 1.5 Stunden mit dem Ab- und Anmontieren von Klimaanlagen. Ich liebe (die meisten) japanischen Handwerker. Sie kommen, ziehen die Schuhe aus, sagen dir genau, was sie brauchen und arbeiten dann den Rest der Zeit leise vor sich her (Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, wir hatten auch schon zwei ganz furchtbare Handwerker hier …). Ich brachte dem Herrn ein kaltes Glas Wasser, las im Nebenzimmer dann mein Buch zu Ende, um ihn nicht zu stören, und wäre im Anschluss auf der Couch fast eingepennt, so ruhig gingen die Arbeiten im Schlafzimmer vonstatten XD

Und nun haben wir also eine neue Klimaanlage und der Schimmelgeruch hat sich endlich, endlich, endlich aus unserem Schlafzimmer verkrümelt.

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Na, schick, was? :P Nee, sieht genauso aus wie jede andere Klimaanlage hier in Japan XD Viel wichtiger sind ja auch die Funktionen, die man mit ihr bekommt:

2015-08-16 14.21.12-1Unsere Klimaanlage hat eine Funktion, bei der sie automatisch vermeidet, Menschen anzupusten. Mann, wenn unsere Klimaanlagen auf Arbeit mal so was hätten!

Wir haben einen Schlafmodus, bei der sie dann besonders leise pustet – obwohl derzeit kein Geräusch gegen die Zikaden vor unserem Fenster ankommt – und eine Funktion für sparsames Kühlen, wenn man nicht Zuhause ist. 内部クリーン naibu kurīn hilft, das Innere von Schimmel freizuhalten. Die Klimaanlage soll sich wohl nach dem Abschalten auch automatisch “entwässern”, was ebenfalls Schimmel vorbeugen soll.

Und dann natürlich einen Timer, mit dem wir die Klimaanlage quasi vorbestellen können. Das machen wir aber meistens nie, dafür geht die Klimaanlage nämlich in Standby und frisst schön weiter Strom.

So, ich hoffe, mit all dem Schnickschnack, den wir für unsere 70,000 Yen dazubekommen haben (ja, das war der reduzierte Preis), hoffe ich mal, dass wir nicht wieder nach 5 Jahren eine neue Klimaanlage kaufen müssen, weil uns die alte angeschimmelt ist. Aber bei dieser scheiß Luftfeuchte hier weiß man leider nie, immerhin hatten wir auch letztens Schimmel an einem Tischbein O_o

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[Unterwegs in Japan] Sommerfeuerwerk in Yokohama

Ich entschuldige mich, wenn ich hier nun die Reihenfolge der Geschehnisse so überhaupt gar nicht einhalte, aber anderenfalls komme ich erst im Herbst dazu, über meinen Sommerurlaub zu schreiben und irgendwie wäre das der Stimmung abträglich. Obwohl wir heute morgen fast herbstliche Temperaturen draußen ha… 26 Grad und ich rede von herbstlichen Temperaturen. Ich glaube, ich brauche Hilfe :P Aber erst noch ein Blogpost:

Normalerweise würde ich niemandem raten, Japan im Sommer einen Besuch abzustatten. Es ist heiß, schwül, stickig, habe ich heiß erwähnt? Die Sonne knallt von oben, man wabert in Eigenschweiß durch die Gegend und überall wimmelt es von viel zu großen Insekten – klingt nicht nach einer Zeit in der man Sightseeing machen will, oder? Es gibt jedoch eine Attraktion, die Japan im Sommer zu bieten hat, für die ich eine Ausnahme machen würde: Sommerfeuerwerk.

Feuerwerk, 花火 hanabi, gehört in Japan zum Sommer dazu wie bei uns zu Silvester. Und dennoch schaffe ich es immer viel zu selten mir eins anzuschauen. Das letzte Mal war 2013 in Tōkyō, davor 2008 in Enoshima, denn dazwischen war ich zur entsprechenden Zeit nicht in Japan. Letztes Jahr konnte ich aufgrund meiner Fußverletzung leider nicht, daher stand ein Sommerfeuerwerk dieses Jahr ganz weit oben auf der Liste meiner Prioritäten. Nachdem wir einen Ausflug, an dessen Ende es ein Feuerwerk geben sollte, leider abbrechen mussten, weil mir die Hitze zu sehr zugesetzt hat (Beitrag folgt) suchte Kei uns ein Feuerwerk relativ in der Nähe an einem Wochentag heraus. Ziel: Yokohama!

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß wie sehr ich Yokohama liebe. Die Nähe zum Meer versprach kühle Luft und dass wir an einem Wochentag gingen nicht ganz so viele Besucher. Es waren dennoch mehr als genug ^^; Aber derzeit haben die Schüler hier ja auch Sommerferien. So schlängelten wir uns mit vielen, vielen Oberschülern vom Bahnhof Richtung Minatormirai みなとみらい und dann entlang am Hafen Richtung Ōsanbashi 大桟橋 auf der Suche nach einer Sitzmöglichkeit. Übrigens findet in Yokohama bis zum 16.08. noch ein Pokémon-Event statt, bei dem ich letztes Jahr mit Kei war ;)

Es war so voll, ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es an einem Wochenende gewesen wäre O_o Allerdings hab es viele schöne yukata 浴衣 zu bestaunen (*^^*) Eine Sekunde habe auch ich mit dem Gedanken gespielt, im yukata hinzugehen, da mir die Hitze aber zwei Tage davor in normalen Klamotten schon so sehr zugesetzt hat, habe ich es gelassen. Im yukata kann es einem doch recht warm werden. Im Nachhinein betrachtet war das wohl auch eine gute Entscheidung …

In Minatomirai waren die Sitzmöglichkeiten bereits rar gesät, aber nach ein paar Minuten entlang der Promenade fanden wir einen vielversprechend wirkenden Platz, wo wir die restliche Stunde bis zum Feuerwerk abwarten konnten. Kurz vor knapp kommen hätte wahrscheinlich in Sitzplatzlosigkeit resultiert, am besten geht man also früher hin und bring sich eine bequeme Decke mit Aluschicht und ein leckeres bentō und ein wenig Bier mit. Unterwegs kaufen ist nicht so einfach, denn überall haben alle die gleiche Idee und man kann nicht nur mit ewig langen Anstehzeiten rechnen, sondern das Objekt der Begierde ist am Ende mit großer Wahrscheinlichkeit auch ausverkauft.

Es ist übrigens absolut in Ordnung sich morgens mit Decke und Klebestreifen schon einen Sitzplatz zu reservieren und erst abends wiederzukommen ^^;

Das Feuerwerk zog sich über eine gesamte Stunde hinweg, da lohnt sich selbst eine länge Anfahrt :D Und da sich Feuerwerk immer besser zeigen als beschreiben lässt, hier ein paar Bilder und ein Video vom Finale ;)

 

In Japan konnte mich bisher noch kein Feuerwerk enttäuschen :D Und wir hatten wirklich gute Sitzplätze! Sommer-Feuerwerk wird in Japan übrigens im Sitzen genossen, und wer es wagen sollte zwischendurch aufzustehen und durch die Gegend zu laufen, wird schnell von links und rechts angerüffelt und setzt sich wieder auf seine vier Buchstaben ;) (Nein, nicht ich, ich weiß wie man sich benimmt! :P ) So lässt sich so ein Feuerwerk ganz entspannt genießen. Durch die Nähe zum Meer kühlte es sich nach Sonnenuntergang auch angenehm ab und wir kamen nicht mal ins Schwitzen – das kann man über einen draußen verbrachten Tag im japanischen Sommer nun wirklich nicht oft sagen!

Yokohama ist abends auch eine sehr schöne Stadt und bietet sich für einen Spaziergang an.

Da wir hörten, dass es Probleme auf der JR-Linie gab, entschieden wir uns erst einmal nach China Town zu laufen und dort zu Abend zu essen, bevor wir uns auf den Weg nach Hause machten. Bis dahin würde sich das Bahnchaos schon wieder eingekriegt haben … dachten wir …

Völkerwanderung zu anderen Bahnhöfen nach der Durchsage, dass die Bahnen auf der JR-Line derzeit nicht fahren würden

Aber erst mal nach Chinatown! Abends an einem Wochentag ist da erstaunlich wenig los trotz Feuerwerk in der Nähe. So fanden wir in einem der Restaurants schnell einen Platz und konnten unsere Mägen füllen.

In den Seitenstraßen kosten die Restaurants übrigens nur einen Bruchteil von dem, was sie auf der Hauptstraße kosten ;)

Das Bahnchaos wurde natürlich nicht aufgelöst bis wir nach Hause fuhren. Irgendwo in Sakuragichō 桜木町 hatte es wohl einen Stromausfall gegeben und eine Bahn stand dort ohne Strom zwischen zwei Bahnhöfe. Ohne Strom = ohne Klimaanlage. Scheiße haben mir die Leute leid getan O_o Die Bahn muss übervoll gewesen sein, immerhin waren fast alle Passagiere auf dem Weg zum Feuerwerk. So viel Pech muss man mal haben. Wir mussten dann ganz umständlich auf Metro und Co. umsteigen, um nach Hause zu kommen, und brauchten so statt der üblichen 45 Minuten rund 2.5 Stunden, in denen wir schlimmer gequetscht waren als zur Rush-Hour. Bahnen sind ja immer schon voll genug, wenn es irgendwo ein Feuerwerk gibt, aber wenn dann zusätzlich noch ein komplettes Netz ausfällt UND Feierabend-Rush hinzukommt … In dem Augenblick war ich recht froh, nicht im yukata gekommen zu sein. Ich wäre gestorben! Zuhause fielen wir einfach nur noch tot ins Bett. Und trotz allem kann ich sagen: Für so ein Feuerwerk immer wieder gern :D

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Wie kommt man in Japan an deutsche Bücher heran?

Auf Blogs und in Artikeln berichten Leute oft davon, wie sie nach einer Weile im Ausland anfingen ihre Muttersprache zu verlernen. Mir ist das Phänomen nicht unbekannt. Mein Mann spricht zwar Deutsch, aber da wir unsere Beziehung damals auf Japanisch begonnen haben, ist das bis heute unsere Sprache untereinander. Nach 8 Jahren kann ich mir nicht vorstellen, diese zu wechseln. Wenn dann noch ein Arbeitsumfeld hinzukommt, in dem die Muttersprache nicht dominant ist, und der Freundeskreis vielleicht auch eher Englisch oder Japanisch geprägt ist, dann, ja dann ist es schwierig die Muttersprache irgendwo im Alltag unterzubringen. So geht es mir derzeit. Da ich aber als Übersetzer arbeite und es mir daher nicht leisten kann, in meiner Muttersprache abzusacken, müssen Gegenmaßnahmen her ^.^; Und Lesen hat mir bisher noch bei jeder Sprache geholfen. Doch wie kommt man in Japan bitte an deutschsprachige Bücher ran?

Bücher aus Deutschland mitbringen
Das ist sicher das offensichtlichste, aber etwas, das wohl nur die wenigstens tun. Mich eingeschlossen. Denn Bücher können verdammt viel wiegen und sind meist das erste, was zugunsten von Klamotten, Mitbringseln, Fresskram und Co. wieder aus dem Gepäck genommen werden. Letztes Jahr in Dezember, als wir meine Familie über Weihnachten besuchten und dank ANA insgesamt vier Gepäckstücke haben durften, da habe ich tatsächlich ein paar Bücher mit zurück nach Japan genommen. Aber auch nicht so viele, wie ich ursprünglich wollte. Zwei Winterjacken, guter Kaffee und ein Glas Nutella standen auf der Prioritätenliste weiter oben ^^;

Sich Bücher aus Deutschland schicken lassen
Euer Geburtstag steht an? Oder Weihnachten? Und jemand will euch ein Geschenk schicken? Perfekt! Allerdings sollte man nicht vergessen, dass der Versand nach Japan recht teuer werden kann …

E-Book-Reader
Ich kenne mich nur mit dem Kindle aus, daher kann ich auch nur diesen als Beispiel nehmen: Mit einem im deutschen Amazon-Store angemeldeten Kindle hat man es am leichtesten an die Bücher, auf die man es abgesehen hat, heranzukommen. Problem: Man braucht dafür zumindest ein deutsches Konto, auf dem sich dann auch etwas Geld befindet, denn von irgendwas müssen die Bücher ja bezahlt werden.* Doch beim derzeitigen Wechselkurs von Yen zu Euro kann es einem, wenn man dafür dann Geld von hier auf sein deutsches Konto schicken muss, schnell mal vergehen. Auf einmal wirkt selbst ein 1 €-Buch doch etwas teuer …

*Danke an Claudia für den Hinweis: Man braucht entweder ein deutsches Konto bzw. eine deutsche Kreditkarte, von welcher der Betrag für die Bücher abgezogen werden kann, oder man koppelt seine japanische Kreditkarte mit dem deutschen Store. Möglich für Visa/Electron, MasterCard/EuroCard und American Express. Bleibt noch das Problem des derzeit nicht sehr günstigen Wechselkurses ^^;

Der japanische Kindle-Store bietet allerdings auch ein paar deutsche Bücher an! Einige wenige … Und meist auch nur die üblichen Verdächtigen – ich finde z.B. fast überall ohne Probleme “Die unendliche Geschichte”, “Die Blechtrommel” und deutsche Übersetzungen zu “Sherlock Holmes” – zu nicht unbedingt günstigen. Klassiker wie “Winnetou” gibt es allerdings umsonst zum Download. Praktisch, falls man die noch nicht gelesen hat ;)

Man muss sich übrigens nicht zwingend zwei Kindle kaufen, um einen im deutschen und den anderen im japanischen Store angemeldet zu haben. Man kann mit einem Kindle zwischen zwei Konten hin- und herwechseln. ALLERDINGS schmeißt das jedes Mal jegliche Ordnung, die man mit Ordnern und Co. auf seinem Kindle fabriziert hat, durcheinander. Nach drei Malen hatte ich wirklich keine Lust mehr. Bei 10 E-Books mag sich der Aufwand nach dem Kontowechsel ja noch in Grenzen halten, aber was mach ich bei 100 E-Books? Ich habe zwischendurch wirklich überlegt, mit einen extra Kindle für den deutschen Store zuzulegen, doch der Geiz (mein Mann nannte es Vernunft :P ) hat am Ende gesiegt.

Bücher in Bücherläden erstehen
Ich habe bisher nicht viele Bücherläden gesehen, die deutsche Bücher im Regal hatten. Einen in Tōkyō und, wenn ich mich recht erinnere, einen in Yokohama. Allerdings waren es auch bei den Romanen Bücher für Deutschlernende. Also wieder die üblichen Verdächtigen oder Übersetzungen englischer Werke, was okay ist, aber ich lese Bücher gerne in ihrer Ausgangssprache, wenn ich kann. Außerdem sind diese Bücher meist nicht sehr  günstig und, wie gesagt, sind solche Bücherladen wirklich sehr, sehr rar gesät.

Bücher aus der Bibliothek ausleihen
Ja, es gibt sie: die japanischen Bibliotheken, in denen man sich deutsche Bücher S__6692867ausleihen kann. Die Bibliothek bei uns in der Gegend hat exakt 20 deutsche Romane, von denen 7 die “Harry Potter”-Reihe ausmachen. Auch der Rest sind erneut die üblichen Werke wie “Die Blechtrommel” und “Momo” – gut, dass ich die beiden letzteren bisher noch nicht gelesen habe :P Die restlichen deutschen Bücher vor Ort waren Übersetzungen japanischer Werke, deutsche Bücher über Japan oder Bücher zum Deutschlernen. Allerdings hatten sie auch ein paar Zeitschriften dort, wie den Spiegel, sogar mit der allerneusten Ausgabe!

Gleichgesinnte finden und Bücher untereinander austauschen
Bei uns auf Arbeit läuft ein reges “Geschäft” mit Büchern XD Das ist nicht nur die billigste Variante, sie schont auch Keis Nerven, weil ich nicht ständig Bücher kaufe, für die wir in unserer kleinen Wohnung eigentlich gar keinen Platz haben :P Außerdem liest man so auch mal Bücher, denen man sonst keine Beachtung geschenkt hätte. Aber auch eine “Kollegen-Bibliothek” erschöpft sich irgendwann, und derzeit haben alle nur noch englische oder japanische Bücher für mich, die sie mir leihen könnten … und die ich mir natürlich auch leihen werde :P

Ihr seht, dass es nicht allzu einfach ist in Japan an deutsche Bücher heranzukommen. Besonders, wenn man nicht unbedingt eine Übersetzung lesen will, sondern Bücher, die auf Deutsch verfasst wurden. Obwohl mir das manchmal, bei einer langen Durststrecke, dann doch oft auch schon wieder egal ist :P Aber ansonsten ist es kein Wunder, dass 90% der Bücher, die ich auf dem Weg zur Arbeit auf meinem Kindle lese auf Englisch oder Japanisch sind – an die komm ich innerhalb von wenigen Sekunden über mein Kindle ran.

Habt ihr noch irgendwelche Geheimtipps, wie man in Japan an deutsche Bücher herankommen kann?

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[Alltag in Japan] Vom Angestarrtwerden

Als ich mich damals im Jahr 2008 kurz vor meinem Rückflug nach Deutschland mit einer Kommilitonin traf und einmal Dampf darüber abließ, wie sehr es mich ankotzt, hier in Japan ständig und überall angestarrt zu werden, versicherte sie mir: “Wenn du erst einmal zurück in Deutschland bist, wird es dir fehlen.” Das passierte nie.

In Deutschland kann ich meinen Teil “angestarrt werden” auch haben – vornehmlich, wenn ich mich mit Kei auf der Straße auf Japanisch unterhalte. Trotz all der Internationalität in Berlin ist das eine Sprache, deren Laut man nun doch nicht allzu oft zu hören bekommt. In Japan werde ich allerdings auch angestarrt, wenn ich Japanisch spreche. Und dann, wenn ich Englisch, Deutsch oder jede andere europäische Sprache auspacke. Ich werde angestarrt egal ob ich aufgehübscht bin oder in Schlabberklamotten den Müll vor die Tür stelle, ob ich zu Fuß oder auf dem Fahrrad einkaufen fahre, ob ich in der Bahn lese, Musik höre oder zocke, ob ich Sonnenbrille trage oder nicht.

Ja, ich gebe zu, ich mag für viele Japaner ein Hingucker sein. Ich habe zwar keine aufregenden blonden Haare und keine exotischen blauen Augen, aber ich bin rund 20 cm größer als die Durchschnittsjapanerin und immer noch rund 3 cm größer als der Durchschnittsjapaner. Darf man den Japanern Glauben schenken, so hat mein Gesicht eine andere Größe als das der Japaner (dazu komme ich in einem eigenen Blogpost noch mal) und meine Nase sowieso. Ich bin also Bill Murray in einem Hotelfahrstuhl in Tōkyō (Ja, Bill! Nicht mal Scarlet!). Ich steche hervor und daher werde ich ständig angestarrt.

Diese Erkenntnis ist natürlich keine neue für mich, allerdings ist das Angestarrt werden eines der Dinge, an die ich mich absolut nicht gewöhnen kann. Denn was macht das Wissen, ständig den Blick anderer Leute auf einem zu haben, weil man anders aussieht, mit einem? Man wird “overly self-conscious”, wie es sich auf Englisch so schön ausdrücken lässt. Die eine Haarsträhne, die da heute Morgen seltsam aus dem Pferdeschwanz gehangen hat, der kleine Soßenfleck auf der Hose, das Shirt, das vielleicht doch etwas eng geworden ist … Halte ich mein Buch vernünftig? Mach bloß keine seltsamen Gesichter beim Zocken! Laufe ich heute irgendwie komisch? Na, interessiert euch, was die Ausländerin so für Lebensmittel kauft? DIE GLEICHEN WIE IHR!!! Es ist einfach wahnsinnig anstrengend. An Tagen, an denen man sich aus irgendeinem Grund eh schon nicht besonders toll fühlt, kann es richtig belastend werden. Und es erinnert einen immer wieder daran, dass man Ausländer ist hier in Japan. Egal, wie lange man hier wohnt. Und ich wohne noch nicht so lange hier. Aber Leuten, die seit 30 Jahren hier im Land leben, geht es ja nicht anders. Dabei haben viele von ihnen mehr als die Hälfte ihres Lebens in Japan verbracht, doch ein Blick reicht, um sie zu erinnern, dass sie “anders” sind. Nicht Japanisch. Das weiß man hier nämlich auf einen Blick. Und diesen Blick halten einige Japaner sehr gerne sehr lange. Nicht selten fahren Leute mit Fahrrad oder Auto an mir vorbei und drehen ihren Kopf in der Fahrt, so dass sie mich schön lange im Blick haben. Das gleiche auf Rolltreppen.

Natürlich merke ich es nicht immer, wenn ich angestarrt werde – ich habe sogar Tage, an denen es mir so egal ist, dass ich es kaum mitbekomme – aber ich merke es doch meistens. Ich räume allerdings ein, dass es Unterschiede gibt, wo wie intensiv und oft gestarrt wird. Auf dem Land am meisten, in großen Städten wie Kyōto und Tōkyō, in denen man nicht nur eher an den Anblick von Ausländern gewöhnt ist, sondern die Leute – wie in allen Großstädten – mehr mit sich selbst beschäftigt sind, weniger. Aber doch nie nie. Und manchmal sind die Leute in den Großstädten die aufdringlichsten, weil sie sich von der Anonymität der Großstadt “geschützt” fühlen.

Und was kann man nun dagegen tun? Sich ein so dickes Fell wachsen lassen, dass es einem egal ist, angestarrt zu werden. Ich bin gerade dabei. Doch der Pelz ist noch etwas fleckig. Auf meiner festen Route morgens zur Arbeit kann ich alles ausblenden, am Wochenende beim Shopping nur bedingt. Bis der Pelz gewachsen ist, kann man das Starren nur knallhart ignorieren oder ebenso aufdringlich zurückstarren. Oft bringt Letzteres die Starrer dazu, ihren Blick abzuwenden. Das war es schon aus meinem Repertoire der Kiste “non violent” … Vielleicht sollte ich doch den Buchumschlag, den eine Freundin mir damals ausgedruckt hat und der schändlicherweise nie zum Einsatz kam, endlich mal mit mir in die Bahn bringen. Aber ich hab doch jetzt einen Kindle …

via http://arnikristjansson.com
“Warum starren Japaner Ausländer an?”

Was sind eure Erfahrungen mit dem Angestarrtwerden in Japan?
Tipps, wie man am besten damit umgeht?
Oder stört es euch vielleicht überhaupt gar nicht (ihr beneidenswerten Glückspilze)?

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[Über Japan] Sommer-Gimmicks: Getränkesöckchen

Habt ihr in Japan schon einmal diese lustigen Söckchen zu Gesicht bekommen und euch gefragt, welchen Sinn und Zweck sie erfüllen?

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Ich nennen sie “Getränkesöckchen”. Auf japanisch heißen sie ganz langweilig ペットボトルカバー pettoboteru kabā – “Plastikflaschenüberzug”. Und genau das sind sie: Überzüge für kleine Plastikflaschen. Im Sommer gibt es sie als Gimmick beim Kauf einer Vielzahl von Getränken dazu, derzeit z.B. bei Oi-ocha お〜いお茶. Und was macht man nun mit ihnen? Seine Plastikflasche anziehen natürlich :P

DSC03031Kauft man sich in Japan unterwegs an einem Getränkeautomaten oder in einem konbini eine gekühlte Flasche seines Lieblingsgetränks, dann fängt diese an der heißen Luft draußen sofort an zu schwitzen. Und zwar wie wahnsinnig. Das ist natürlich überaus praktisch, wenn man die Flasche eigentlich gerne in seiner Handtasche verstauen möchte – so neben Smartphone, Kindle und anderem Kram. Und da kommen die Söckchen ins Spiel. Einfach drübergezogen und das von der Plastikflasche ausgeschwitzt Wasser landet in dem Stoff, nicht in der Tasche. Seit ich die Getränkesöckchen für mich entdeckt habe, habe ich immer eins dabei ( ̄▽ ̄)  Es ist übrigens reiner Zufall, dass alle meine Getränkesöckchen von “Rilakkuma” sind, ich bin kein verrückt gewordener Rilakkuma-Fan XD

Was sich auch gut als Überzug für gekühlte Plastikflaschen eignet: 手ぬぐい tenugui. Aber ich glaube, dazu komme ich mal in einem eigenen Post ;)

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