[Unterwegs] Klein-Edo in Kawagoe

So, weiter geht es mit unserem Sommerurlaub. Wir hatten immer noch das Auto von meinem Schwager, allerdings wurde uns überaus durchwachsenes Wetter vorhergesagt. Wie eigentlich unseren gesamten Urlaub hindurch :S Wir beschlossen, uns davon nicht abhalten zu lassen, und steuerten ein Ziel an, das wir schon lange auf unserer Liste hatten: Klein-Edo in Kawagoe 小江戸川越.

Kawagoe befindet sich mit Bahn etwa 30 Minuten vom Stadtzentrum Tōkyōs entfernt. Mit Auto braucht man gerne mal etwas länger. Die Hauptattraktion ist eine Straße, die beidseitig mit Lager- und Warenhäusern in traditioneller Bauweise gesäumt ist. Dort soll man sich angeblich in die Edo-Zeit zurückversetzt fühlen.

Und doch, ja, ein wenig Atmosphäre kommt schon auf. Wenn ich von „traditioneller Bauweise“ schreibe, meine ich übrigens nicht die typische Holzbauweise, die hier vielerorts noch gang und gäbe ist, nein, nein. Diese Häuser sind stabil aus Ziegeln und Lehm errichtet worden, um sie feuersicher zu machen.

In den Gebäuden haben sich natürlich inzwischen lauter Souvenirläden und Restaurants breitgemacht, und der Hauptfokus liegt auf Tourismus und Dingen, die der geneigte Tourist kauft. Was mich zu Anfang ein wenig enttäuscht hat, hat dann doch sehr viel Spaß gemacht. Die Läden haben alle wahnsinnig unterschiedliche Sachen im Angebot, und auch wenn viel Touristenkitsch dabei war, konnte man doch hier und da ein paar echte Schätze entdecken. Außerdem waren die Läden gut klimatisiert, was uns an diesem Tag mehr als willkommen war, denn es war heiß, so wahnsinnig heiß, und der Schweiß lief uns nur so in Bächen die Haut herunter …

Ein Glockenturm, die 時の鐘 toki no kane, Glocke der Zeit, den ein Feudalherr im 17. Jahrhundert errichten ließ, damit der Turm die Zeit läuten könne, gilt als ein Wahrzeichen Kawagoes. Angeblich ist er schon mehrmals renoviert bzw. wiederaufgebaut worden, und sieh nur an, auch wir bekamen nur einen eingepackten Glockenturm zu Gesicht. Sehr schade!

So interessant ich die Hauptstraße auch fand, sie war doch sehr anstrengend. Der Weg war sehr schmal und man konnte irgendwie nirgendwo stehenbleiben, ohne gleich ein riesiges Hindernis für andere zu sein. Ich kaufte mir ein wahnsinnig leckeres Eis aus zwei verschiedenen Arten Süßkartoffeln und mit extra Süßkartoffelpulver als Topping oben drauf, aber ich konnte nicht mal ein Photo davon machen, weil echt nirgendwo mal für 5 Sekunden ruhig stehen konnte. Und das an einem Wochentag! Aber das Eis war fantastisch, so viel kann ich sagen😛

Zum shuin-Sammeln war die Straße allerdings fantastisch, mit vielen kleinen und großen Schreinen und Tempeln rechts und links in Seitenstraßen versteckt. Über den Raben freue ich mich besonders – ich stehe doch so auf Raben :3

Eine weitere Sehenswürdigkeit ein paar Gehminuten von der Hauptstraße schafften wir noch, bevor der angekündigte Regen auf uns niederprasselte: den Hikawa-Schrein 氷川神社. Bekannt ist er für seine Windglöckchen und für seine Fisch-Orakel, die man sich angeln kann.

Das Angeln war gar nicht mal so einfach, hat aber viel Spaß gemacht!

Es gibt sicher noch viele andere Sehenswürdigkeiten in Kawagoe, die wir dieses Mal wetterbedingt auslassen … nun gut, nicht mussten, aber wer will schon draußen im strömenden Regen herumrennen?😉 Ich war für den Tag zufrieden und die Rückfahrt würde noch lange genug dauern, also machten wir uns langsam auf den Heimweg.

Veröffentlicht unter Unterwegs | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Angriff der Klimaanlagen

„Hm, das ist lang“, murmelte der Arzt leicht besorgt, nachdem ich ihm meinen Husten in allen Details schilderte und hinzufügte, dass dieser nun schon seit 6 Wochen anhielt. Angefangen hatte es mit einer unangenehmen Erkältung, aber auch nachdem diese sich schon lange verkrümelt hatte, wollte der Husten einfach nicht gehen. Ich war zwischendurch immer wieder beim Allgemeinarzt, der mir einen Haufen Medikamente verschrieb – so zwischen 6 bis 7 verschiedene Pillen, von denen immer 1 bis 2 dafür zuständig waren, die unangenehmsten Nebenwirkungen der anderen Pillen auszucanceln -, die alle irgendwie kurzfristig halfen, aber der Husten blieb trotzdem. Zeit, mich beim Lungenarzt durchchecken zu lassen. Der Verdacht: AsthmaO_o

Asthma war es dann zum Glück nicht, aber der Schuldige war trotzdem schnell gefunden. „Zuhause geht es immer? In der Bahn ist es schlimm? Und auf Arbeit? Abends im eigenen Bett gibt es keine Probleme? Aber in Kaufhäusern? Restaurants? BESONDERS im Büro?“ Na? Genau: Die verdammte Klimaanlage ist schuld. Durch die Erkältung wurde mein Hals ordentlich in Mitleidenschaft gezogen, und die ständige Reizung durch Wind und die wirklich krassen Temperaturunterschiede von bis zu 10 Grad durch die Klimaanlage sorgen jetzt dafür, dass mein Hals ständig aufs Neue gereizt wird. Denn der Klimaanlagenkampf auf Arbeit geht ununterbrochen weiter. Inzwischen weiß ich zwar, wer der Schuldige ist, aber das hat nicht dazu beigetragen, dass sich die Situation irgendwie gebessert hat – wer bin ich auch, dem Herrn und Gebieter über unsere Klimaanlagen Vorschriften zu machen, was? orz

Was macht man in Japan in so einem Fall? Noch mehr Medikamente verschreiben und hoffen, dass sich der Hals über eines der längeren Wochenenden mal so weit erholen kann, dass er sich nicht wieder von jedem kalten Windstoß reizen lässt. Anderenfalls sitze ich hier nächstes Jahr noch mit dem gleichen Husten. Nachdem mich der Arzt quasi mit der Nase draufgestoßen hat, ist der Unterschied auch wirklich nicht wegzudiskutieren: Während ich gestern auf Arbeit wieder ordentlich vor mich hinhustete und immer einen Hustenbonbon in greifbarer Nähe hatte, hat sich heute hier Zuhause mit Buch am offenen Fenster sitzend mein Husten noch nicht ein Mal gemeldet. Jetzt bräuchte es nur verständnisvolle Kollegen, was? -.-‚

Veröffentlicht unter Alltag in Japan | Verschlagwortet mit , , | 9 Kommentare

[Unterwegs] Eine Spazierfahrt durch Hakone

Kei und ich haben kein Auto und derzeit auch nicht wirklich vor, uns eins zuzulegen. Die wenigen Male, in denen wir uns ein Auto gewünscht haben, ging es am Ende doch irgendwie ohne oder wir konnten uns eines ausleihen – Rent-a-car oder Rent-from-family😛 Und da die Firma meines Schwagers für seinen Sommerurlaub weitaus weniger freizügig war als Keis und meine – einen ganzen Tag Sommerurlaub hat der arme Kerl bekommen – konnten wir uns für unsere eine Woche sein Auto leihen. Ein sogenanntes 軽自動車 keijidōsha – Leichtkraftfahrzeug. War für mich ehrlich gesagt das erste Mal in so einem Auto! Wendig, von der Geschwindigkeit weniger gedrosselt als befürchtet, und der Bezinverbrauch ist ein Traum! Aber überall, wo es ein wenig bergauf ging, hat das arme Ding ganz schön geschnaubt. Na ja, ist eben doch eher für die Stadt gedacht.

Unser erstes Ausflugsziel war Hakone 箱根, wo wir relativ spät ankamen, denn wir mussten ja erst unseren Affentanz mit dem Klimaanlagenhandwerker absolvieren.

Hakone ist wettertechnisch für mich immer so ein halber Reinfall. Bei meinem ersten Ausflug dorthin im Jahr 2008 im Rahmen meines Austauschjahres wurden wir von den Wassermassen, die da vom Himmel kamen, fast weggespült (und ich glaube, ich lag im Anschluss eine Woche mit Erkältung im Bett …). Eine Fuji-Jagd im Gebiet brachte mir zum Großteil vollkommen wolkenverhangene Photos vom Fuji ein, auch wenn ein paar schöne dabei rausgekommen sind. Aber so der Fuji vorm blauen Himmel, das wäre es schon irgendwie gewesen. Bei meinem ersten Ausflug mit Schwiegereltern nach Hakone 2008 war das Wetter sehr viel besser – zumindest zu Beginn -, aber der Fuji NOCH verhangener als beim Ausflug mit weniger gutem Wetter. Verstehe einer diesen Berg … Getoppt wurde das nur noch von einem Ausflug zu Keis Geburtstag 2012, wo wir extra ein Hotelzimmer mit großartiger Aussicht gebucht haben. Großartige Aussicht my ass …

Und auch dieses Mal ließ uns das Wetter im Stich, aber a) galt das irgendwie fast für die ganze Woche, und b) habe ich gelernt, damit zu leben und das Beste aus den möglichen Photos zu machen. Nebelphotos haben z.B. mal richtig viel Atmosphäre!

 

Wir waren auch zum ersten Mal an der riesigen Grasfläche der Sengoku-Ebene, 仙石原 sengokuhara, die als Touri-Spot ausgeschildert ist, weil sie irgendwann mal ein Checkpoint war. Jetzt ist sie nur noch eine riesige grasbewachsene Fläche, die mich wahnsinnig stark an die Stille Ebene aus Final Fantasy 10 erinnerte, und ein paar Minuten entfernt davon gibt es noch ein paar für mich persönlich eher weniger spannende Museen. Das interessanteste an der Ebene ist vermutlich, dass sie mal ein riesiger See gewesen sein soll. Vor 4 Millionen Jahren oder so. Und dann kam ein Vulkanausbruch dazwischen. Das Übliche also.

Im Herbst soll sie ein sehr viel beeindruckender Anblick sein. Wir blieben trotzdem sehr lange an der Ebene. Es gab nichts Spannendes zu sehen, aber das weite Grün hatte eine unglaublich beruhigende Wirkung. Es war auch sonst niemand dort, das dürfte geholfen haben😛 Als wir im Anschluss zurück zum Bahnhof Hakone Yūmoto fuhren, um dort in einem der Restaurants zu Abend zu essen, hatten fast alle Läden schon geschlossen. Um kurz nach 19 Uhr. Na gut, dann eben nicht. Ich will mich nicht beschweren, wo wir zwischendurch was Niedliches zu kuscheln ganz für uns alleine hatten, weil alle Touris schon nach Hause gefahren sind😛

 

Veröffentlicht unter Unterwegs | 7 Kommentare

Ein etwas ominöser Handwerker

So lange, wie ich gefühlt auf ihn gewartet habe, so schnell war er auch schon wieder vorbei: mein Sommerurlaub. Eine Woche ist einfach nicht genug, und doch ist man hier in Japan ja fast schon ausverschämt, wenn man sich die komplette Woche auch tatsächlich am Stück nimmt. Nun gut, man muss mit dem arbeiten, was man hat, und wir haben versucht, das meiste aus dieser Woche in punkto Erholung rauszuholen – von irgendwas muss man den Rest des Jahres ja zehren können.

Dabei war der Beginn der Woche erst einmal gar nicht so schön. Seit Samstag regnete es fast ohne Unterlass, und am Montag traf uns dann auch noch ein Taifun und machte das Chaos perfekt. Drei Tage, in denen wir unsere vier Wände kaum verließen. Wie mich das ärgerte, war ich doch gerade erst mehr als eine Woche Zuhause quasi „eingesperrt“, weil mich eine hartnäckige Erkältung niedergerafft hat. Am Montag zumindest war es jedoch absolutes Glück, dass wir das Haus nicht verließen, denn ganz plötzlich tröpfelte Wasser aus unserer Klimaanlage die Wand herunter. Regenwasser. Unsere Klimaanlage war irgendwo durchlässig und beförderte den Regen direkt in unser Schlafzimmer. Das Wasser lief die Wand herunter schön in die beiden Steckdosen direkt unter der Klimaanlage hinein. Wie gesagt: Gut, dass wir da waren, denn wer weiß, was passiert wäre, wenn wir nicht sofort den Strom im Schlafzimmer ausgeschalten hätten.

Nun standen wir da, mit Handtüchern bewaffnet, die nach wenigen Minuten schon klatschnass waren – so viel kam da aus der Wand gesuppt. Dass an diesem Tag während eines Taifuns jemand kommt und den Schaden behebt, würde nicht passieren, das wussten wir. Also raus mit uns in den Sturm und das Leck gesucht. Der Außenschlauch war ein Stück eingerissen, da musste das Wasser herkommen. Wir holten unsere stärksten Verbündeten – Plastiktüten und Klebeband – und bekamen das Problem fürs Erste in den Griff. Nun galt es, jemanden zu finden, der das professionell macht, am besten noch vor dem nächsten Taifun, der ja monströse Ausmaße haben soll. Kei googelte ein wenig und fand dann einen Reparatur-Service in der Nähe – je näher, desto höher die Chance, dass sie schnell kommen können, dachten wir uns.

Der Herr am Telefon versprach dann auch, am nächsten Morgen früh zwischen 8 und 12 Uhr vor unserer Tür zu stehen – er würde uns morgen noch mal die ganz genaue Uhrzeit durchgeben. Wunderbar, wir waren beruhigt. Wir hatten zwar für den nächsten Tag einen Ausflug geplant und waren dafür auch bei den Schwiegereltern angekündigt, aber dann musste alles eben ein wenig nach hinten verschoben werden.

Am nächsten Morgen warteten wir dann auf den Anruf. Und warteten. Und warteten. Gegen 11 Uhr wurde es Kei zu bunt und er rief selbst bei dem Herrn an, der uns daraufhin mitteilte, es wäre ein Kunde mit absolutem Notfall dazwischengekommen, er würde es erst am Abend zu uns schaffen. Wie reizend. Nicht nur, dass der Herr es offensichtlich nicht für nötig gehalten hat, uns Bescheid zu sagen, sind wir mit unserem Loch, das Regenwasser in die Steckdosen tröpfeln lässt, bitte kein Notfall??? Wir waren zuerst da!!! Kei erklärte, dass es abends nicht gehen würde, denn wir sind nicht Zuhause – wir haben unseren Ausflug nun schon auf später verschoben, keine Chance, dass ich den absage in der Hoffnung, der Herr kommt dann wirklich am Abend und es kommt nicht wieder ein anderer Kunde dazwischen. Der Herr meinte jedoch, dass er die Reparatur auch in unserer Abwesenheit durchführen könne, denn es sei ja ein Außenschaden. Super, das wäre natürlich perfekt. Als Kei jedoch fragte, wie die Bezahlung dann geregelt werden würde – bar vorbeibringen oder Überweisung – bat uns der Herr am Telefon doch allen Ernstes um Folgendes:

„Auf Google Maps habe ich gesehen, dass Sie einen Außenbriefkasten haben. Packen Sie das Geld in einen Umschlag, versiegeln Sie den gut und befestigen Sie dann eine Schnur an den Umschlag. Den Umschlag packen Sie dann in Ihren Briefkasten und lassen die Schnur ein Stückchen herausbaumeln. Dann kann ich das Geld rausziehen, sobald ich fertig bin.“

Ich war sicher, mich verhört zu haben, aber nein, Keis Gesichtsausdruck bestätigte, dass ich richtig gehört hatte. Hallo??? Wir wollten keinen Drogendeal abwickeln, sondern unsere Klimaanlage repariert haben! Gibt’s denn so was? Das kam natürlich auf keinen Fall infrage! Der Herr wollte aber partout nicht, dass wir das Geld vorbeibringen oder überweisen – wegen der Gebühren und so, sagte er – also zogen wir uns erst mal zur Beratung zurück. Als wir erneut anriefen, um den Auftrag zu canceln – wir würden uns einfach einen anderen Handwerker suchen, für den ich nicht Geld in meinem Briefkasten verstecken muss -, konnten wir den Herrn aber einfach nicht mehr erreichen.

Wir beschlossen, endlich unseren Ausflug für den Tag anzutreten. Es war bereits spät und wir hatten mit dem Mist genug Zeit vergeudet. Der Herr wird uns schon zurückrufen, wenn er unsere Anrufe sieht. Ohne Zeit und Art der Bezahlung ausgemacht zu haben, wird er ja nicht plötzlich hier auftauchen und einfach so unsere Klimaanlage reparieren, oder? Oder?

Als wir gegen 17 Uhr einen Anruf erhielten, war genau das passiert. Allerdings hatte er sich nun doch dazu bereit erklärt, uns die Bezahlung per Überweisung entrichten zu lassen. Die Details seien im Briefkasten. Wir wussten beide zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr, was wir zu der ganzen Geschichte noch sagen sollten. Gut, dass wir erst mal keinen neuen Handwerker rausgesucht hatten.

Als wir Zuhause ankommen, war alles wie angekündigt: Klimaanlage repariert und Überweisungsdetails im Briefkasten. Schnell gab Kei die Überweisung in Auftrag, aber bis jetzt werden wir das Gefühl nicht los, damit irgendeinen seltsamen Mafia-Deal eingegangen zu sein …

Veröffentlicht unter Alltag in Japan | 5 Kommentare

Wenn der Postmann dreimal klingelt?

Postsendungen in Deutschland erhalten fühlte sich für mich immer an wie ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Postboten. „Lieferung in 3 – 5 Tagen“ hieß es in der Bestellbestätigung meist, und besagter Postbote kam natürlich immer genau dann, wenn bei uns niemand Zuhause war. Warum auch nicht. An ein verpasstes Päckchen schloss sich dann immer eins von vier Szenarien an:

a) Das Päckchen wurde beim Nachbarn abgegeben.*
b) Das Päckchen wurde in eine Packstation gebracht, die, aus welchem Grund auch immer, irgendwo in der Pampa stationiert ist.
c) Das Päckchen wurde wieder mitgekommen und der Postbote kommt an einem anderen Tag wenn keiner Zuhause ist noch mal vorbei. Maximal 3x, dann geht die Sendung wieder zurück. Aber nur keinen Stress!
d) Die XBox One wird bei Regen einfach vor die Tür gestellt – der Gartenzaun reicht bestimmt, um neugierige Leute abzuhalten – oder der 768-Seiten-Band von Harry Potter in die Öffnung des Briefkastens gekloppt, so dass sie sich verbiegt. Nein, ich denke mir das gerade nicht aus.

*In meinem letzten halben Jahr vor meinem Umzug nach Japan war ich selbst beliebte Postlagerungsstelle in unserem Wohnviertel, da ich an meiner Masterarbeit schreibend fast immer Zuhause war … nur für meine eigenen Päckchen natürlich so gut wie nie.

Ich war eigentlich mit keiner der mir angebotenen Lösungen jemals so richtig zufrieden.

Ich Japan bestellen wir natürlich auch öfters was und sind sogar noch viel weniger Zuhause als ich und meine Familie in Deutschland. Eigentlich verpasse ich fast jedes Päckchen, das mir geliefert wird, wenn ich nicht vorher schon das Lieferdatum festlegen konnte. In Japan schließt sich jedoch nur ein mögliches Szenario an ein verpasstes Päckchen an, und mit dem kann ich ganz wunderbar arbeiten:

Man erhält einen solchen Zettel, ruft entweder die angegebene Nummer an oder geht online, um einen Termin auszumachen, zu dem das Päckchen erneut vorbeigebracht werden soll. Und wir reden hier nicht von „irgendwann nächste Woche zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends“, nein, nein. Ein festes Datum, und der Zeitraum lässt sich auf einen von zwei bis drei Stunden festlegen. Vormittags, 12 – 14, 14 – 17, 17 – 19 und 19 – 21 Uhr, meine Damen und Herren. Lieferung natürlich auch Samstags und Sonntags, und die Postboten sind zuverlässig! Hat man gebucht, kommen sie, und wenn ihnen ein Taifun im Nacken sitzt.

Und was wenn man einen Tag und eine Uhrzeit festgelegt hat und wider Erwarten doch außer Haus war? Dann kriegt man noch mal einen Zettel und kann einen neuen Termin festlegen. Vorbei die Zeiten, an denen ich versuchen musste, den Nachbarn abzufangen, um endlich an mein Päckchen zu kommen! Vorbei die langen Spaziergänge in irgendwelche zwielichtigen Ecken, um die Packstation zu finden. Für die Postboten, da bin ich mir sicher, kein Zuckerschlecken (immerhin müssen die auch um 21 Uhr noch liefern), aber für mich als Päckchenempfänger geht es einfach nicht praktischer.

Und als kleines Extra obendrauf gibt es Spaß mit der Absenderzeile auf dem Zettel. Der wird nämlich immer von den Postboten ausgefüllt, und was ich da schon für Schreibweisen von Namen gesehen habe! Das „Pet ro“ da oben soll meine Mama „Petra“ sein – so close! Ich hatte da auch schon mal einfach 海外 kaigai – Ausland – stehen – da bleibt es spannend😛

Veröffentlicht unter Alltag in Japan | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Ganz allein fang ich sie mir?

Vorletzten Freitag kam das Mobilespiel „Pokémon Go“ auch in Japan endlich auf die Handys und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Seitdem scheint hier alles im Pokémon Go-Fieber zu sein, auch wenn die anfängliche Begeisterung hier und da schon leicht abgeebbt hat. LEICHT!

Spielen tun hier vor allem Leute über 20 und nur sehr wenige Kinder. Das begrüße ich irgendwie, denn das Spiel ist ja nun mal für teure Smartphones gemacht, damit müssen Kinder nicht unbedingt durch die Gegend rennen. Manchmal sehe ich eine Eltern-Kind-Kombi mit dem Smartphone von Mama oder Papa auf Pokémon-Jagd – eine schöne Familienaktivität, muss ich sagen😉

Natürlich hab ich mich auch gleich mal vom Fieber anstecken lassen, und mit mir fast alle meine Kollegen – berufsbedingt wäre alles andere aber auch eine Schande😛 Am meisten spiele ich dabei auf dem Weg zur Arbeit oder mit Kollegen zusammen in der Mittagspause. Bei mir Zuhause in der Gegend sieht es nämlich leider mau aus mit Pokéstops und Pokémon-Arenen. Wer hingegen in Tōkyō wohnt, der braucht sich teilweise nicht mal aus seiner Wohnung zu bewegen, um konstanten Zugriff auf einen Pokéstop zu haben.

Vergleich Tōkyo und nicht-Tōkyō. Ob diese Imbalance dem Spiel auf Dauer gut tut, wird sich zeigen. Ich gehöre jetzt eher nicht zu den Leuten, die extra zum Pokémon Go-Spielen irgendwo hinfahren, und spiele daher doch weniger als ich zu Anfang gedacht habe. In meiner Gegend scheine ich zudem auch nur Dodus fangen zu können:

Das wird natürlich schnell langweilig, auch wenn ich dadurch inzwischen ein wahnsinnig starkes Dodri habe😛

Ein Pikachu habe ich bisher noch nicht fangen können, aber auf  meinem Arbeitsweg und in meinen Mittagspausen habe mir inzwischen schon die gesamte Erstausstattung von Team Rocket zusammengefangen. Da ich mich bei Arenakämpfen genauso anstelle wie ein Team Rocket, ist das nur passend😛

Der großen Serverüberlastungen, die in Amerika und Europa passiert sind, scheinen bisher entweder ausgeblieben zu sein oder ich habe sie nicht mitbekommen. Die größte Belastung müssen bisher meine Batterien ertragen, denn die sind in der Tat in Nullkommanichts runter, wenn man etwas länger spielt. Und eine Tauschfunktion hat das Spiel bisher auch nicht – darauf warten wir alle im Büro gespannt (und darauf spielt auch der Blogtitel an :P)

 

Veröffentlicht unter Über Japan | Verschlagwortet mit | 13 Kommentare

Vom Löwen gebissen

Ich will mich über den Sommer dieses Jahr gar nicht beschweren, doch er lässt einen irgendwie erstaunt zurück. Viel Regen bringt er, und Temperaturen, die man oft als wirklich angenehm bezeichnen kann. Gestern hatten wir zwischendurch gerade einmal 23 Grad hier, und die sind auch mit der hohen Luftfeuchte ganz wunderbar zu ertragen. Für japanische Verhältnisse also eigentlich gar kein richtiger Sommer. Und ja, ich gebe es zu, das Übermaß an Regen nervt. Aber wisst ihr, was diese Tage ganz viel Spaß macht? Sommerfeste! Denn während man sich sonst immer in einen schwitzigen Schweißblop verwandelt, wenn man sich die Straßen an den Fressbuden entlangschiebt, kann man so ein Fest derzeit richtig genießen. Nur die Eisverkäufer, die dürften das ganze gar nicht so toll finden😛

Gestern nutzten wir also die Gelegenheit und besuchten ein lokales Sommerfestival, das sich als viel größer herausstellte, als wir zu Anfang angenommen haben. Ich würde es als größer als das tanabata-Festival in Hiratsuka einschätzen, und das wird eigentlich immer als eines der Größten bezeichnet. Ich rede vom kamimizo-Festival 上溝祭り in Sagamihara.

Es handelt sich um ein Fest mit langer Tradition, das seit der Edo-Zeit Bestand hat. Highlight sind der Umzug der geschmückten Festwagen, dashi 山車, und der mikoshi 御輿.

Aber MEIN persönliches Highlight waren die Löwentänze, shishmai 獅子舞, die aufgeführt wurden, denn ich hatte schon viel davon gehört, aber noch nie einen gesehen.

Die Löwen bewegen sich zur Musik aus Flöten und Trommeln, und wenn sie sich den Zuschauern nähern, dann schnell den Kopf hinhalten, denn der Biss eines Löwen soll Unglück vertreiben. Viele ließen sich selbst „beißen“, noch mehr Leute hoben ihre Kinder dem Löwen entgegen, und eine Person wollte auch seinen Hund segnen lassen, aber das arme Tier war von der gruseligen Maske so gar nicht begeistert und biss dem Löwen in die Nase ^^;

Shishimai sieht man oft, aber nicht ausschließlich auf Festen zum Jahreswechsel. Ihren Ursprung sollen sie in China haben. Die Gestaltung der Masken, der Tanz und die Begleiter der Löwen (bei uns zum Beispiel ein Fuchs, sehr viel öfters aber nur ein oder mehrere Löwen allein) variieren nicht nur von Region zu Region, sondern auch je nach Schule – Wikipedia schreibt etwas von 9000 Variationen dieses Tanzes! Da muss ich mir dieses Jahr doch glatt noch ein paar weitere anschauen gehen :3

Ich bin wirklich froh, dass wir uns gestern zu diesem Fest aufgemacht haben. Es war wolkig, dafür aber von der Temperatur her wahnsinnig angenehm – das muss das erste Sommerfest gewesen haben, bei dem ich nicht geschwitzt habe! Das Fest hatte trotz seiner Größe eine tolle Lokalatmosphäre, und matsuri-Essen ist eh ungeschlagen auf meiner Liste ganz weit oben. Definitiv mein erstes Highlight dieses Sommers :3

Veröffentlicht unter Über Japan, Unterwegs | Verschlagwortet mit , , , , | 3 Kommentare