Die Wohnung, die es dann nach ewigem Hin und Her wurde

Richtig entspannt kamen wir aus unserem Urlaub in Nagano zurück. 10 Tage frei – diese Golden Week hatten wir alle gebraucht. Und die Wohnungssuche würde nun auch zu einem Ende kommen. Am Wochenende nach der Golden Week hatten wir schon den Besichtungstermin. Dachten wir zumindest.

Am Mittwoch erhielt Kei plötzlich einen Anruf: Das Paar, das noch in der Wohnung wohnte, musste seinen Auszug verschieben. Wir könnten die Wohnung aber am 18.05. angucken gehen. Hmpf, na gut. Eigentlich hatten wir gehofft, an dem Wochenende schon umziehen zu können, aber da kann man wohl nichts machen. Zum Glück sind Umzugsfirmen hier flexibel. Unsere ließ uns die Buchung unentgeltlich auf das erste Wochenende im Juni verschieben. Etwas knapp, da Kei am 03.06. schon in seiner neuen Firma anfangen sollte, aber hier konnte man ja nichts anderes machen.

Zum Hintergrund der schon gebuchten Umzugsfirma: Ihr erinnert euch an die Wohnung „Doch kein Haustier“? Die hätten wir ja tatsächlich fast genommen. Und da wir uns die guten Umzugszeiten nicht wegschnappen lassen wollten, hatten wir, kaum dass wir die Zusage hatten, eine Umzugsfirma beauftragt. Und dann kamen all die wunderbaren Nachrichten von doch kein Haustier, Schreibtisch bleibt usw. Da wir im gleichen Bezirk nach einer neuen Wohnung suchten, war es zum Glück kein Problem, die Adresse für den Umzug im Nachhinein zu ändern.

So, Besichtigungstermin stand fest, neues Umzugsdatum auch! Oder? Am Mittwoch erhielt Kei wieder einen Anruf. „Der Auszug verschiebt sich leider noch mal. Es tut uns wirklich leid, aber am 20. sollten Sie die Wohnung auf jeden Fall sehen können.“ Bei mir machte sich langsam Unmut breit.

Ich weiß ja nicht, was bei den Vormietern los war, das den Auszug wieder und wieder verschob, aber wir wollten langsam unsere Wohnung kündigen, Internet bestellen, einen Postnachsendeauftrag aufgeben etc. pp. Es gibt ja genug zu tun. Aber okay, zwei Wochen sollten doch reichen, oder? Oder?

Und dann erhielten wie am Wochenende einen erneuten Anruf und mir platzte fast die Hutschnur. „Am 25.05. auf jeden Fall! Versprochen!!!“ WAS ZUM??? Dass wir nun bis zum 25. warten mussten, bedeutete, dass wir unsere alte Wohnung in Sagamihara für einen weiteren Monat bezahlen mussten – um das zu vermeiden hätten wir bis zum 20. kündigen müssen. Mit dem Besichtungstermin am 20.05. hätten wir es also gerade so geschafft, mit dem am 25. nun nicht mehr. Als wir das dem Makler mitteilten, fiel er aus allen Wolken. „Ach, ich dachte, Sie hätten die Wohnung gleich gekündigt, als Sie die Zusage für diese Wohnung erhalten haben?“ Ja aber wohl NUR IN DEINEN TRÄUMEN???

Als Hintergrund: Bei der sogenannten 審査 shinsa wird man als potentieller Mieter durchleuchtet. Einkommen, Arbeitsplatz, zieht man als Paar ein oder Mitbewohner etc. Kommt man durch die shinsa, bekommt man eine Zusage und darf also die Wohnung mieten, hat damit aber noch keinen Vertrag unterschrieben. Und ich hatte ja vorher gesagt, wir unterzeichnen selbigen erst, nachdem wir die Wohnung gesehen haben. Sollte heißen: Die Wohnung wollte uns zwar als Mieter haben, aber wir wussten ja noch gar nicht, ob wir die Wohnung haben wollten. Der Makler schien jedoch gedacht zu haben, wir wären SO happy und auch SO blauäugig, dass wir gleich nach bestandener shinsa unsere alte Wohnung gekündigt hätten. In dem Fall hätten wir aber in die neue Wohnung nehmen müssen, egal, ob sie uns gefällt oder nicht, einfach nur um nicht auf der Straße zu landen. Nee, SO blöd sind wir nicht. Aber nun standen wir da. Mit doppelter Miete für den Juni. Zum Glück gab es den Monat davor für uns beide jeweils eine Gehaltserhöhung …

Nun stand ich natürlich dezent auf Kriegsfuß mit der Wohnung, obwohl die selbst für das ganze Dilemma ja gar nichts konnte. Kei machte sich vielleicht nicht ganz unberechtigt Sorgen, dass ich die Wohnung jetzt noch viel akribischer unter die Lupe nehmen würde. Wenigstens mussten wir den Umzugstermin nicht noch einmal verschieben. Falls es denn beim 25. bleiben sollte. Ich hatte zwar ehrlich gesagt mit noch einem Anruf gerechnet, aber er kam nicht. Und so konnten wir am 25.05., laut Makler keine 20 Minuten, nachdem der Umzugswagen der Vormieter abzogen war, ENDLICH die Wohnung in Augenschein nehmen. Hatte sich das Warten gelohnt und die Wohnung meinem nun noch akribischerem Blick standgehalten? Da die Wohnung den Namen „Die Wohnung, die es dann wurde“ trägt, natürlich 😉

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Gebäude noch mal von außen. Die Baustelle links im Bild ist zum Glück inzwischen abgeschlossen.

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Die Living-Dining-Kitchen. Statt eines Esstisches haben wir aber lieber unsere Bücherregale hier 😉

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Schimmelfrei! 😛

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Walk-in-closet und eine Treppe, die nicht ein Viertel der wertvollen Quadratmeter klaut. Und SO VIEL PLATZ FÜR SCHUHE!

So, und was haben wir nun bezahlt, nur um in die Wohnung einziehen zu dürfen? Setzen Sie sich lieber hin, meine Damen und Herren, denn hier wird es teuer:

– 1 Monatsmiete Miete – Okay, ja klar. Passt.
– 1 Monatsmieten Maklergebühren
– 1 Monatsmiete Dankensgeld, 礼金 reikin, an den Vermieter. Da kamen wir dieses Mal nicht drum herum. Für den Mieter ist es die Toilette runtergespültes Geld, weil es einfach wirklich nur eine „Ich erkaufe mir hiermit Ihr Wohlwollen“-Geste ist und einem nichts bringt. Für den Vermieter ist es ein schöner Anreiz, die Fluktuation an Vermietern hochzuhalten, denn mit jedem neuen Mieter gibt es einen neuen Batzen Dankensgeld. Das erklärt vielleicht, warum der Vermieter unserer Wohnung in Sagamihara uns so gar nicht mit dem Lautstärkeproblem unserer Nachbarn über uns helfen wollte. Im besten Fall geben wir auf und halten die Klappe, und im allerbesten Fall ziehen wir aus und jemand neues kommt und bringt Dankensgeld mit. In Tokyo und Umgebung sind Wohnungen so beliebt, dass man bei diesem Poker als Vermieter nur gewinnen kann.
– 1 Monatsmiete Kaution. Würden wir ein Haustier halten, müssten wir noch mal eine Monatsmiete Kaution zusätzlich bezahlen.
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Dafür gibt’s draußen lustige Sachen wie eine Fußdusche für Hunde für nach dem Spaziergang XD
– 23.760 Yen (rund 200 Euro) für den Austausch aller Schlösser. Als Sicherheitsmaßnahme, falls der Vormieter einfach Schlüssel behalten hat. Warum man das dann nicht den Vormieter bezahlen lässt …?
– aufgerundet 30.000 Yen (rund 250 Euro) für verschiedene Versicherungen und Eintritt in die Wohngemeinschaft

Bei unserer Miete kommt man damit auf eine Gesamtsumme von 588,770 Yen oder 4.900 Euro. Da ist der Umzug an sich noch gar nicht mit drin. Und von dem Geld kriegt man bei Auszug höchstens die Kaution, also bestenfalls gerade mal ein Viertel zurück.

Und DAS, Ladies and Gentlemen, ist der Grund, warum ich bei der Wohnungssuche hier einen so wahnsinnigen Dickschädel entwickelt habe. Wenn ich so viel Geld nur für den Erhalt des Schlüssels hinblättern muss, muss die Wohnung schon von vorne bis hinten stimmen, denn „Ach, mal einziehen und gucken und falls es nicht passt, zieh ich wieder um“ ist bei den Preisen ein Traum für Leute mit sehr viel mehr Geld als wir. Aber an einen zügigen Auszug müssen wir bei der Wohnung jetzt zum Glück nicht denken. Wir sind sehr zufrieden!

Da wir von einer 1LDK auf eine 2LDK gewechselt haben – 2 Zimmer und eine Living-Dining-Kitchen, also offene Küche und Wohn- und Esszimmer in einem – haben wir endlich ein Zimmer, aus dem wir eine Art Büro machen konnten, was wahnsinnig praktisch ist, wenn ich Home Office mache. Wir wohnen jetzt auch der obersten von zwei Etagen und ich habe im Juni nach fast einem Jahr endlich mal wieder bis weit in die Mittagsstunden schlafen können. Ohne Scheiß: Alleine dafür hat sich der Umzug gelohnt. Selbiger war übrigens ein Abenteuer für sich, denn es war für uns auch das erste Mal, dass wir eine Umzugsfirma beauftragt haben – dazu noch mal ein extra Beitrag 😉

Ich bin bisher auch zufrieden mit unserer neuen Wohngegend, auch wenn ich leider noch nicht so viel von ihr gesehen habe, wie ich gerne hätte. Die anhaltende Regenzeit vermiest einem das Erkunden der Nachbarschaft wo sie kann. Über ein Monat und kein Ende in Sicht. Seit drei Wochen habe ich die Sonne nicht gesehen. Vom Gefühl her ist das die längste Regenzeit, die ich bisher mitgemacht habe und ich weiß, ich wiederhole mich, aber es schlägt aufs Gemüt.

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Noch mal Edo in Nagano – Unnojuku

Dieser Beitrag sollte vor Tagen schon online gehen, und ich habe das Gefühl, dass ich diesen Satz in letzter Zeit immer öfters schreiben muss, aber Flickr ließ mich nicht. Was war es dieses Mal? Wüsste ich auch gerne. Zum Glück war der Kundenservice sehr hilfsbereit und konnte das Problem am Ende beheben, aber als ZAHLENDER Kunde sollte ich das auf der anderen Seite auch erwarten dürfen. So, Gemecker zu Ende, weiter in der Geschichte.

In Realzeit sind wir gerade mitten in der Regenzeit und es passiert nichts Spannendes. Anders als letztes Jahr scheint die Regenzeit dieses Mal die 1.5 Monate komplett durchziehen zu wollen und das schlägt mir ordentlich auf die Stimmung T_T In Blogzeit sind wir allerdings noch in der Golden Week im Mai, und nach ein paar verregneten, mit Wohnungssuche vollgestopften Tagen gingen Kei und ich also endlich mit einer vielversprechenden Wohnung in Aussicht in unseren wohlverdienten Urlaub in Nagano, wo die Sonne strahlte und die Kirschbäume noch blühten. Tjahaha, wir mussten ewig darauf warten die Wohnung, die es dann wurde, von innen zu sehen, also müsst ihr das jetzt auch 😛

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Nun waren wir natürlich schon so oft in Tateshina und Umgebung, dass es für uns nur noch wenig Neues zu entdecken und wir mich daher auf dem Blog zu berichten gibt. Sollte man meinen. Tatsächlich habe ich erst vor kurzem die Nakasendō 中山道, wortwörtlich die „mittlere Bergroute“, für mich entdeckt; eine der fünf Routen, die in der Edo-Zeit die Hauptstadt Edo (heute Tōkyō) und Kyōto miteinander verband und sich durch die Präfekturen Saitama, Gunma, Nagano, Gifu und Shiga streckt. Und was gibt auf dieser Strecke so besonderes? Städte, die noch immer so erhalten sind wie damals zur Edo-Zeit. Das mir zu überlaufene Kawagoe 川越 zum Beispiel. Oder Naraijuku 奈良井宿, das Kei und ich letztes Jahr besuchten und das wir uns ob seiner Abgeschiedenheit mit nur ein paar wenigen anderen Touristen teilen mussten. Und wenn man NOCH weniger andere Touristen vor Ort haben will, so kann ich ab diesem Jahr Unnojuku 海野宿 nur wärmsten empfehlen, das wir uns mit vielleicht gerade einmal einer handvoll anderer Touristen teilten.

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Wie in Naraijuku 奈良井宿 sind auch hier die Häuser noch so erhalten wie damals zur Edo-Zeit (von 1603 bis 1868), als dieser Ort eine wichtige Zwischenstation für den Goldhandel, aber auch für Pilger auf dem Weg zum Zenkōji war. Heute ist es so ruhig und menschenleer hier, dass man fast das Gefühl hat, in einer Geisterstadt unterwegs zu sein.

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Ein kleiner Fluss plätschert die Straße entlang und trägt zur Idylle bei.

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Unnojuku ist vor allem eines: richtig fotogen!

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Wer stundenlang nicht vorwärts kommen will, weil er so beschäftigt ist, Fotos zu schießen, der kommt hier vollkommen auf seine Kosten.

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Auch mal ein Kontrastprogramm zum stundenlangen Nichtvorwärtskommen wegen Touristenmassen 😛

Aber viel anderes gibt es in Unnojuku auch nicht zu tun. Es gibt kaum Läden, nur wenige Restaurants oder Cafés. Aber kaum heißt nicht keine, man muss nur etwas suchen 😉 Die wenigen Läden bieten vor allem traditionelles Handwerk, das aber zu einem gewissen Preis.

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Es gab auch ein paar klitzekleine Museen und Ausstellungen, aber das Wetter war zu schön, um es drinnen zu verbringen.

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So eine sonnige und vor allem warme Golden Week habe ich in Nagano noch nicht verbracht. Jetzt zur Regenzeit lassen die Bilder mit nostalgisch aufseufzen. Ich will warm – nicht heiß! -, ich will Sonne, ich will blauen Himmel!! T_T

Wir fanden ein kleines, charmant schrulliges Café mit Fensterplätzen, an denen wir bei Kaffee (und in Keis Fall Bananenshake 😉 ) und Snacks die wenigen Passanten beobachten, die sich in dem Örtchen fanden.

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Ich weiß nicht, ob wir einfach nur Glück oder gutes Timing hatten, Unnojuku so leer vorzufinden. Ende November gibt es ein Festival in der Stadt, zu der es wohl voller wird und vermutlich das einzige Hotel, das wir im ganzen Ort gefunden haben, ausgebucht sein wird.

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An dem Tag war es wie alles andere auch wie leergefegt. Aber wer in Tōkyō lebt und arbeitet, weiß das im Urlaub mehr als zu schätzen 😉

 

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Die Qual der Wahl an Wohnungen

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Oder auch nicht. Denn wirklich infrage kam nur die Wohnung, für die wir uns letztendlich auch entschieden haben. Aber gehen wir doch der Reihe nach vor.

Wohnung „Doch kein Haustier“:

Die erste Wohnung, die wir im Auge hatten, hatte Kei sich angeguckt, als ich noch auf Dienstreise war. Sie hatte die perfekte Größe, war in verschmerzbarer Nähe zu zwei Bahnhöfen (15 Minuten zum einen, 18 Minuten zum anderen), oberste Etage und erlaubte Haustiere. Auf Anhieb gleich ein Volltreffer? Ich schaute mir die Wohnung nach meiner Rückkehr ebenfalls einmal an – was in Japan ein ziemlicher Luxus ist, denn Wohnungsbesichtigungen gibt es nur, wenn die Vormieter nicht nur raus, sondern der Vertrag mit ihnen auch ausgelaufen ist -, und bis auf einen vorinstallierten Schreibtisch im Schlafzimmer war ich halbwegs zufrieden. DSC04267 Dieser stellte jedoch ein etwas größeres Problem dar, denn der verstellte nun die Wand, an die eigentlich das Bett gehört. Nun konnten wir uns also entscheiden, ob wir den Schreibtisch selbst, den Kleiderschrank oder die halbe Tür mit unserem Bett verstellen. Wie auch immer würden hier entweder mein eigener Schreibtisch oder meine Klavier nicht wie geplant hereinpassen. „Was machen denn alle anderen Vermieter damit?“, fragte ich den Makler. „Die haben kleinere Betten.“ Wir haben Queensize. Na gut, für Japan vielleicht ungewöhnlich. Nun war ich gewillt, mich damit irgendwie zu arrangieren und wir bewarben uns auf die Wohnung. Dabei gibt man Namen des Hauptmieters und geplanter Mitbewohner, sowie deren Arbeitsplatz und Gehalt an. „Eventuell rufen wir bei Ihrem Arbeitgeber an, um die Daten zu bestätigen“, wird einem immer gesagt. Passiert ist es uns bisher nicht. Eine Woche später teilte man uns mit, dass wir die Wohnungen haben könnten. Man hatte jedoch noch eine zusätzliche, nicht ganz so erfreuliche Nachricht für uns: Der Vermieter hätte nach einigen Vorfällen seine Meinung geändert und Haustiere wären nun doch nicht erlaubt. Na toll! Ich habe kein Problem damit, ein paar Abstriche zu machen, aber wenn ich auf ein potentielles Haustier verzichten muss, muss die Wohnung schon an anderer Stelle ordentlich überzeugen. Und nun war ich doch nicht mehr so gewillt, mich mit dem Schreibtisch im Schlafzimmer abzufinden, den uns der Vermieter auch auf GAR KEINEN FALL abbauen lassen wollte, weil er ihn so vorsorglich IN DIE WAND GESCHRAUBT hatte. WER MACHT DENN SO WAS??? Haben Leute, die hier sonst so einziehen, keine eigenen Möbel??? So ließ mir nicht nur die „Plötzlich doch kein Haustier erlaubt“-Geschichte den Vermieter dezent sturköpfig und vor allem launisch erscheinen. Wir entschlossen, uns mit unserer Antwort etwas Zeit zu lassen und gingen das erste Wochenende der Golden Week auf weitere Wohnungssuche. Und wir waren an beiden Tagen so lang unterwegs, dass wir am Montag kaum mehr aus unserem Bett aufstehen konnten …

Wohnung „Fast so wie das Maisonette …?“:

Wir hatten uns bei dem Makler, der uns die schöne Maisonette-Wohnung gezeigt hatte, die uns dann leider von einem anderem Makler mit einem anderen Mieter vor der Nase weggeschnappt wurde, gut aufgehoben gefühlt und steuerten mit ein paar auf Suumo herausgesuchten Wohnungen im Gepäck diesen also noch einmal an. Die meisten waren bei unserer Ankunft im Maklerbüro bereits weg. Man hätte allerdings etwas anderes für uns, das TOTAL unseren Wünschen entsprechen würde. Wir erinnern uns: Wir waren davor TOTAL auf eine keine 10 Jahre alte Maisonette-Wohnung in Laufnähe vom Bahnhof mit Wänden in weiß und Böden aus hellem Holz abgefahren. Die für uns zuständige Maklerin packte uns in ihr Auto und steuerte die erste Immobilie an, die sie für uns rausgesucht hatte: Eine 30 Jahre alte Wohnung auf mittlerer Etage mit dunklen Wänden und Böden und extra Schimmel im Bad. Sie tickte also mehrere Boxen nicht. Das Gebäude lag als Sahnehäubchen neben einem Friedhof, was Kei unglaublich sauer aufstieß. Japaner und ihr Aberglaube 😛 Aber mich brauchte er nicht überzeugen: Beim Schimmel im Bad war für mich schon Schluss. Ich war so unbegeistert von der Wohnung, ich machte nicht einmal Fotos. Die Maklerin merkte schnell, dass sie dieses Ding nicht an uns loswerden würde und zog mit uns weiter. Vielleicht war ihr jetzt bewusst, dass ich tatsächlich nur so begeistert war, weil die Maisonette-Wohnung richtig toll gewesen ist, und nicht, weil ich einfach so unglaublich schnell zu begeistern bin 😛

Wohnung „Und wo stellen die Leute all ihr Zeug hin?“:

Unsere nächste Anlaufstelle war ein im Juni beziehbarer Neubau. Also eigentlich ein wenig zu spät für uns, aber das könnten wir irgendwie koordinieren. Als wir ankamen, liefen die letzten Arbeiten. Die Treppe war noch mit Folie verkleidet und es roch nach frischer Farbe. „Bitte nicht die Wände anfassen!“, wurde uns mitgegeben. Die Wohnung war eine 1LDK – also eine Living-Dining-Kitchen mit einem extra Zimmer, so wie wir sie in Sagamihara hatten. Nur unpraktischer geschnitten. Das Bett würde reinpassen ins Schlafzimmer, aber sonst nichts. Beide Schreibtische ins Wohnzimmer? Nicht genug Platz. Das Bücherregal müsste auch gehen. Und dann wieder mittlere Etage. Die obersten Etagen waren bereits vermietet. Ich ging auf den Balkon und sah fast direkt am Geländer eine Gebäudewand kleben. Tōkyō und seine wunderschön „kompakte“ Bauweise. Sonne würden wir hier keine kriegen. Und dann das Möbelproblem. Nachdenklich legte ich den Kopf nach links und rechts. Kei hätte sich mit allem arrangieren können, aber ich wollte noch weitersuchen.

Es war inzwischen 18 Uhr und draußen wurde es dunkel. Leider gingen der Maklerin hier schon die Immobilien in der von uns festgelegten Gegend aus. „Wie wäre es denn mit Kichijōji?“, fragte sie. Plötzlich wurde ich hellhörig. Kichijōji? DAS Kichijōji?? Die begehrteste Wohngegend Tōkyōs??? GUT WÄRE ES DAMIT! Sie packte uns also wieder in ihr Auto und fuhr uns dorthin.

Die Kichijōji-Wohnung:

Wie soll man Kichijōji 吉祥寺 beschreiben? Ein Wohnbezirk in Tōkyō, der viele Künstler und andere Kreative anzieht und dessen Straßen gefüllt sind mit kleinen, unglaublich interessanten Läden. Jeder will in Kichijōji wohnen. Die Mieten sind entsprechend hoch. Für die 45qm, die man uns zeigte, wollte man 20 Minuten entfernt vom Bahnhof noch stolze 16.5000 Yen, rund 1350 Euro, haben. Exakt doppelt so viel, wie wir für die gleiche Anzahl an Quadratmetern in Sagamihara keine 15 Minuten vom Bahnhof entfernt bezahlen. Das war schon ein ordentlicher Batzen. Aber oh, wie das Wohnviertel und das Schickimicki der Wohnung mich blendeten. Maisonette, zwei Balkone, sogar einen Geschirrspüler hatte sie.

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Alleine an der Anzahl der Fotos erkennt man wohl, WIE angetan ich war ^^;

Es gab neben der Miete nur ein weiteres Problem: der Schnitt. Je länger wir uns die Wohnung ansahen, desto mehr realisierten wir, dass hier gar nicht unsere ganzen Möbel reinpassen würden.

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Wie in der Wohnung „Und wo stellen die Leute all ihr Zeug hin?“ hätte in das Schlafzimmer das Bett gepasst. Eventuell mit viel Gequetsche ein Schreibtisch. In das Wohnzimmer die Couch, der Tisch, der Fernseher. Und der andere Schreibtisch? Und das Bücherregal? Und mein Klavier? Und …? Wir kamen zu dem Schluss, dass NEUN Möbelstücke gehen müssten – ÜBER DIE HÄLFTE UNSERER MÖBEL – damit wir hier einziehen könnten. Wie konnte das sein? Wie konnte diese Wohnung exakt so viele Quadratmeter haben wie unsere Wohnung in Sagamihara und nicht einmal die Hälfte aller Möbel fassen? Guckt noch mal oben auf den Grundriss der Wohnung. Die Treppe. In Japan zählt wirklich ALLES in die Quadratmeter einer Wohnung rein, und diese Treppe nahm uns nun also wertvollen Lebensraum weg. Die rund 15 qm dort in der LDK sind für Wohnzimmer UND Esszimmer UND Küche. Das Schlafzimmer, das in unserer Sagamihara-Wohnung Platz für meinen Schreibtisch und einen nicht gerade kleinen Beistelltisch hat, hat auch nur 10 qm. „Satz mit x war wohl nix.“ Sage ich jetzt so leicht. In Wirklichkeit war ich von der Wohngegend so begeistert, dass ich nicht so einfach aufgeben wollte. Es musste doch einen Weg geben. Vielleicht einen Schreibtisch raus und dann ein kleines Bücherregal auf die Treppe und na ja, dann eben kein Klavier … Irgendwann setzte zum Glück wieder die Vernunft ein XD So viel Miete für eine so kleine Wohnung für die so viele Möbelstücke gehen müssten und aus der wir vermutlich wegen Platzmangel eh in 1, 2 Jahren wieder ausziehen würden, war der ganze Aufwand einfach nicht wert. Sie war für reiche Singles mit kleinem Haushalt gedacht, und das sind wir nun einmal nicht. Und so einen richtig kurzen Weg zur Arbeit hätten wir von Kichijōji aus auch nicht. So gar nicht. Eher Hardcore-zerquetscht-werden, und das war ja nun überhaupt nicht der Sinn dieses ganzen Umzugs. Und damit entschieden wir uns auch gegen diese Wohnung.

Da war es dann auch schon 21 Uhr und wir und die Maklerin fix und fertig. Etwas enttäuscht machten wir uns auf den Weg nach Hause. Während der Bahnfahrt zurück nach Sagamihara recherchierte ich eifrig weitere günstige Streckennetze für unseren Weg zur Arbeit, damit wir uns von einem Makler nicht noch einmal in eine fancy Wohngegend mit eigentlich schlechtem Anschluss zu unseren Arbeitsplätzen fahren ließen. Zu Hause fielen wir tot ins Bett, nur um wenige Stunden später wieder Richtung Tōkyō zu düsen – dieses Mal mit neuen Wohnungen im Gepäck und daher zu einem neuen Makler, denn wie vorher erwähnt: Nicht jeder Makler kann einem jede Wohnung vermitteln.

Die Wohnung in Wakōshi

Wenn es um halbwegs leere Züge auf dem Weg nach Shinjuku ging, fiel mir immer wieder Wakōshi ins Auge. Wakōshi liegt in Saitama und ist der erste Bahnhof auf der Fukutoshin-Linie, womit beinahe Sitzplatzgarantie herrscht. Dachte ich mir zumindest so. Die Wohnung, die man uns dort zeigte, war trotz ihres Baujahres vor 20 Jahren auch gar nicht so schlecht, aber etwas dunkel und mir vor allem persönlich zu groß – 80 qm auf drei Etagen -, was seltsam klingen mag, denn wer will nicht mehr Platz? Aber bei der Vorstellung, diese drei Etagen im Sommer irgendwie kühl und im Winter irgendwie warm zu halten, wurde mir ganz anders. Auf zarten 45 qm erreichte unsere Stromrechnung gerade im Winter ja manchmal schon nicht mehr feierliche Ausmaße. Argwöhnisch nahm ich die eingebauten Klimaanlagen in Augenschein. So alt wie die Wohnung auch. Das würde die Stromrechnung definitiv nicht billiger machen. „Wir haben eine sehr neue Klimaanlage, die wir gerne aus unserer alten Wohnung mitbringen und einbauen …“, setzte ich an, doch der Makler ließ mich nicht mal zu Ende sprechen. „Die Klimaanlagen gehören zur Inneneinrichtung und werden nur ausgetauscht, wenn sie kaputt gehen.“ Ich sah mich vor meinem geistigen Auge schon mit einer Brechstange auf die Dinger losgehen O_o Und dann war die Wohnung zu Fuß auch noch 30 Minuten vom Bahnhof entfernt. Das ist natürlich ein ordentliches Stück, wenn man bedenkt, dass man die JEDEN Morgen und JEDEN Abend bei Wind und Wetter zurücklegen muss. Wir liefen die Strecke einmal zur Probe ab und es ging über Stock und Stein und mehrere doch recht steile Hügel lagen auf dem Weg – ohne E-Bike würden wir wahrscheinlich jeden Tag mit einem dezenten Eau de Schweiß am Arbeitsplatz sitzen, gerade im Sommer bei im Schnitt 38 Grad und tausend Prozent Luftfeuchte. Vielleicht sogar mit. „Andere Wohnungen näher am Bahnhof haben sie nicht? Vielleicht etwas kleinere?“ Es war die einzige Wohnung in Wakōshi, die man derzeit im Angebot hatte. Wir behielten sie im Hinterkopf und machten uns auf den Weg zu einem anderen Makler und mit einer anderen Suumo-Immobilie im Gepäck.

Die Wohnung, die es dann wurde:

Die letzte Wohnung, die wir uns ansahen und auf die wir uns am Ende auch bewarben, hatte alles, was wir wollten: Eine 2LDK – 2 Zimmer und eine Living-Dining-Kitchen – auf 60 qm keine 10 Minuten vom Bahnhof entfernt und für beide eine Fahrzeit von nicht mehr als 30 Minuten zur Arbeit, das Gebäude nicht einmal 10 Jahre alt, oberste Etage, Haustiere erlaubt – entweder ein kleiner Hund oder eine Katze. Sie hatte nur einen nicht zu unterschätzenden Haken: Sie war noch bewohnt und wir konnten sie daher nicht besichtigen. Irgendwas is immer, wa? Der Makler hatte allerdings überaus viele Bilder der Wohnung da, was ich so zum ersten Mal erlebt habe. Mast Home, die Makleragentur, bei der wir da saßen, hat sich vor allem auf Wohnungen des Bauunternehmen Sekisui House 積水ハウス spezialisiert und hatte vielleicht deshalb so viele Fotos, die man uns zeigen konnte. Selbige sahen vielversprechend aus. Wir konnten uns das Gebäude auch einmal von draußen angucken.2019-07-21 20.07.15 Auch schön. Und wir liefen die Gegend ab. Mehrere konbinis und Supermärkte in Laufnähe. Für ausgiebiges Shopping müsste man nach Ikebukuro, daher keine so praktische Wohngegend wie Sagamiono/Machida, wo es an beiden Bahnhöfen jeweils mehrere Shopping-Center gibt, aber dafür ruhig. Wir bewarben uns also auf die Wohnung, bestanden aber darauf, dass wir den Vertrag erst unterzeichnen, nachdem wir sie auch von innen gesehen hatten. In zwei Wochen sollte das möglich sein. Der Makler hatte nichts dagegen. Und daran merkte man, dass wir nicht in der Hauptsaison nach Wohnungen gesucht haben. Damals in Sagamihara, als wir im April suchten, mussten wir den Vertrag unterzeichnen, bevor wir die Wohnung sehen konnten, einfach weil sie uns sonst wie so viele andere vor ihr durch die Lappen gegangen wäre. In Japan scheinen erstaunlich viele Leute kein Problem damit zu haben, in eine Wohnung einzuziehen, die sie vorher nicht angesehen haben O_o

Mit einer vielversprechenden Wohnung in Aussicht, die alle Punkte auf meiner Wunschliste zu erfüllen schien, fuhren wir nach Hause und klatschten erschöpft aufs Bett. Wir waren an beiden Tagen so viel gelaufen – die Wohnungen selbst, aber auch die Wohngegenden wollten ja unter Augenschein genommen werden -, dass wir die nächsten zwei Tage quasi im Koma verbrachten und unser Haus gar nicht verließen. Die Freuden der Golden Week. Es regnete eh draußen. Unsere Fahrt nach Nagano war für das Ende der 10 freien Tage angesetzt, und so konnten wir mal alle Viere von uns strecken. Und natürlich hofften wir, dass wir nach unserem Kurzurlaub die Zusage zur Wohnung und einen festen Besichtigungstermin haben würden. Hach, sind sie nicht jung und naiv, die beiden? Mehr dazu im nächsten Post zur Wohnungssuche und zum Umzug 😉

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In Tōkyō eine Wohnung suchen …

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… steht seit dieser Golden Week auf meiner Not-To-Do-Liste ganz weit oben. Wohnungssuche in Japan ist schon kein Fest, wenn man in noch nicht ganz so krass besiedelten Gegenden wie Kanagawa guckt, und wird nicht besser, wenn man seinen Blick nach Tōkyō schwenkt, wo Wohnungen rar gesät und heiß begehrt sind. Besonders nicht, wenn man ein paar Ansprüche mitbringt.

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Das romance car wird mir ganz sicher fehlen nach dem Umzug …

Grund für unseren Umzug ist Keis Jobwechsel. Da er nun auch in Tōkyō arbeitet, gibt es nicht viel Grund für uns beide, von Sagamihara aus zu pendeln, zumal mich die Odakyū-Linie letztes Jahr mit ihrem Umbau und der reduzierten Anzahl an Zügen zu meiner Fahrtzeit vollkommen in die Knie gezwungen hat und ich den weiten Weg nach Shinjuku ausschließlich im sogenannten romance car – einem kostenpflichtigen Sonderzug, der mich in 30 Minuten ans Ziel bringt – bestritten habe, was mich rund 160 Euro im Monat extra gekostet hat. Wenn man bedenkt, dass wir für das Geld zusätzlich keine zu unserer jetzigen Wohnung vergleichbare Wohnung in Tōkyō gefunden hätten, habe ich das gern bezahlt. Nun könnten wir natürlich einfach beide mit dem romance car fahren und uns den Umzugsstress sparen, allerdings operiert es nicht in der Haupt-Rushhour, und genau zu der müsste Kei in die Stadt rein. Anderthalb Stunden von Tür zu Tür wäre er unterwegs, wenn er denn morgens den kaisoku 快速, den besonders schnellen Zug auf der Strecke, erwischt, und dann auch gequetscht wie eine Sardine, während ich eine Stunde später auf meinem gebuchten romance car Sitzplatz in Ruhe ein Buch lese. Das kann ich mit meinem Gewissen einfach nicht vereinbaren XD

Damit begann also unsere Wohnungssuche. Darüber, wie das in Japan abläuft, habe ich hier und hier schon mal geschrieben. Wie auch beim letzten Mal suchten wir uns also ein paar interessante Wohnungen im Internet, meist auf der in Japan sehr beliebten Seite Suumo, heraus und liefen dann die jeweiligen Makler ab. Denn nicht jeder Makler kann einem jede Wohnung vermitteln, das wäre ja zu einfach! Dieses Mal suchten wir außerhalb der japanischen Hauptumzugszeit, die da März und April umfasst, in der alle Makler in ihrem Büro quasi leben und in der es zwar unglaublich viele Wohnungen auf dem Markt gibt, aber auch viel Konkurrenz. Weniger Konkurrenz in den anderen Monaten bedeutet aber leider auch nicht, dass man nicht doch schnell sein muss. Eine wunderschöne Maisonette-Wohnung mit 60qm und einem Balkon auf jeder Etage, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt hatte, hatte leider schon einen anderen Interessenten, der ein kleines bisschen schneller war als wir und die Wohnung am Ende auch bekam. Ach verdammt! So ging die Suche also weiter.

Bei unserem ersten Umzug vor 5 Jahren hatten wir kaum Ansprüche. Nahe am Bahnhof wäre schön, aber wir haben ja auch ein Fahrrad. Nicht zu alt, da dann noch schlechter isoliert als sowieso. Ich glaube, das war es. Dieses Mal war die Liste etwas länger, unter anderem auch, weil unsere aktuelle Wohnung uns einfach mal verdammt verwöhnt hat.

Auf unserer Wunschliste standen vor allem:

– Zwischen 45 und 65qm. Nicht zu groß und nicht zu klein. Wir brauchen Platz für unsere Möbel, wollen aber nicht unsere Stromrechnung in die Höhe treiben, um qm zu kühlen oder zu heizen, die wir weder brauchen noch nutzen.

– Nicht älter als 15 Jahre. Ich stehe weder auf das Design vieler Wohnungen davor, noch bringen sie praktische Dinge wie eine Wäschetrockenfunktion im Bad, die in der Regenzeit LEBEN RETTET, mit sich. Außerdem stammen die eingebauten Klimaanlagen auch meist immer noch aus dem Baujahr und werden selten ausgetauscht. Ist die Wohnung 30 Jahre als, sind es die Klimaanlagen häufig auch. Alte Klimaanlagen sind nicht nur richtige Stromfresser, sondern kühlen einem oft den Raum auch unerträglich doll runter. Und Schimmel versteckt sich in ihnen vielleicht auch noch. Und Schimmel versteckt sich in ihnen vielleicht auch noch. Aber viele Vermieter verbieten einem oft, auf ein neueres Modell umzusteigen. Warum? Darum!

– In Laufnähe zum Bahnhof. Fahrrad ist toll. Ich fahre gerne mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Aber was, wenn es regnet, stürmt oder schneit? Während ich jetzt in 15 Minuten zu Fuß beim Bahnhof bin, war unsere alte Wohnung in Hiratsuka 40 Minuten vom nächsten Bahnhof entfernt. „Ach, dann nehm ich einfach den Bus!“ Viel Spaß beim Warten im strömenden Regen, der auch den Bus bis zu einer halben Stunde verspäten lässt. Brauch ich wirklich nicht noch mal.

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Bettie – mein erstes Fahrrad in Japan. Bei Donki Hōte gekauft, haben wir zusammen viele Fahrten zum Bahnhof durchgestanden. Bis mir irgendwann ihre Bremsen um die Ohren flogen …

– Für beide praktisch für die Fahrt zu Arbeit. Dafür ziehen wir ja extra um.

– Haustiere erlaubt. Wir haben uns noch nicht festgelegt, was es werden soll und wann es passieren soll, aber wir wollen ein Haustier. Unsere derzeitige Wohnung erlaubt keine. Das tun die wenigsten auf dem japanischen Markt. Hat man seine Präferenzen bei Suumo ausgewählt und erhält eine Liste von 237 Wohnungen, braucht man nur auf „Haustiere erlaubt“ klicken, um diese auf 6 Wohnungen schrumpfen zu lassen.

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Die meisten Wohnungen in Tōkyō, die Haustiere erlauben, sind alt und weit vom Bahnhof entfernt, was sich mit Punkt 2 und 3 auf meiner Wunschliste beißt. Ich habe mir von Anfang an keine Illusionen gemacht, dass diese Suche einfach werden würde. Aber ich wollte jetzt auch nicht 7000 bis 10.000 Euro in diesen Umzug stecken (Ich ubertreibe nicht. Mehr dazu später), nur um dann, wenn wir uns endlich ein Haustier holen, wieder umziehen zu müssen. Ich wollte das ganze Paket! Und 6 Wohnungen, die meinen Ansprüchen genügen, sind 6 Wohnungen, die ich mir angucken gehen kann 😉

– Maisonette oder oberste Etage. Als wäre diese Liste nicht schon schwierig genug zu erfüllen, oder? Aber dieses Mal will ICH der Mieter sein, der anderen auf der Decke rumpoltert! MUAHAHA! Na ja, jetzt, wo ich das so lange ertragen musste, verspreche ich, ganz leise zu laufen 😉

Mit (zumindest nach den Angaben und Fotos auf Suumo) unseren Vorstellungen entsprechenden Wohnungen im Gepäck, stiefelten wir also zu verschiedenen Maklern, um uns selbige und noch ein paar andere zeigen zu lassen. Aber weil dieser Post schon so lang ist, erfahrt ihr im nächsten, wie das gelaufen ist 😉

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[Unterwegs] Kirschblüten zur Golden Week

(Dieser Blogpost sollte schon vor Tagen online sein, aber irgendwie wollte Flickr nicht so wie ich …)

Die Golden Week – für viele in Japan im Jahr der längste Zeitraum, den sie der Arbeit offiziell fernbleiben und ihre Freizeit genießen dürfen. Und dieses Jahr sollte die durch die Abdankung des Heisei-Kaisers und der Amteinführung des neuen Kaisers mit 10 TAGEN am Stück so lang werden wie sonst keine GW vor und vermutlich auch keine lange Zeit nach ihr. Für mich stand jedoch lange in den Sternen, ob ich mir diese 10 Tage gönnen würden dürfte oder ob ich wenigstens ein paar Tage reinzukommen hätte, um an meinem Projekt zu arbeiten. Von Anfang an stand fest, dass ich erst am Freitag um 19 Uhr abends, also den Abend vor Beginn der GW, wissen würde, was jetzt Sache ist. Arbeiten in einer japanischen Firma, meine Damen und Herren. So ließ sich natürlich auch kein vernünftiger Urlaub buchen, denn da ja gesamt Japan frei hatte, waren nicht nur Flugtickets bereits im Januar zum Großteil ausverkauft. Und wenn ich den Morgen vor der GW noch nicht weiß, ob ich freinehmen kann, fragt mich nicht, wie das im Januar aussah.

Nun verließ ich dann aber am Freitag um 19 Uhr das Büro und es stand fest: Ich musste nicht reinkommen. Hallelujah!! „Schon schade, dass wir nichts gebucht haben …“, textete ich auf dem Weg nach Hause an Kei. „Soll ich mal bei unserer Pension anfragen?“, war seine Antwort. „Ach, die sind doch in der GW immer total ausgebucht. Das wird dieses Jahr doch nur noch schlimmer sein …“ Kei fragte trotzdem nach. Und siehe an: Die Hauptreisezeit konzentrierte sich wohl für viele vor allem auf die erste Hälfe der episch langen GW. In der zweiten Hälfte hatte unsere Lieblingspension in unserer Lieblingspräfektur tatsächlich ein Zimmer für uns. Ein spontanes verlängertes Wochenende in Nagano stand uns bevor und ich strahlte wie ein Honigkuchenpferd :3

Am Samstag ganz früh ging es dann los. Und da Kei wusste, dass ich doch etwas traurig gewesen bin, dieses Jahr durch meine Dienstreise die Kirschblüte verpasst zu haben, war unser erstes Ziel der Chikumagawa Park 千曲川河川公園. Denn durch die kälteren Temperaturen in Nagano kommt die Kirschblüte dort auch später an als hier in Kanagawa und Tokyo und stand nun genau an dem Wochenende, an dem wir dort waren, in voller Blüte.

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Und zwar die niedliche, runde Yaezakura 八重桜.

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Reihen um Reihen von Kirschbäumen und fast keine anderen Menschen.

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Keine verdammten blue sheets überall mit betrunkenen Büroangestellten, die später am Tag in die Büsche kotzen. Nagano, ich liebe dich!

Die ebenfalls in voller Blüte stehenden Rapsblüten, 菜の花 nanohana, unter den  Koifahnen, 鯉のぼり koinobori, für den Kindertag an diesem Wochenende waren auch ein fantastischer Anblick.

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Wenn man auf dem ersten Foto das Auto bemerkt, kann man auch erahnen, WIE groß diese Fahnen sind.

Während es in der ersten Hälfte des GW zudem fast ausschließlich geregnet hat, hatten wir nun blauen Himmel, Sonnenschein und nach dem Wochenende einen fantastischen Sommerteint 😛 Das war damit auch die wärmste GW, die ich je in nagano verbracht habe – vor 3 Jahren hatten wir dort zur gleichen Jahreszeit noch Schnee! So spazierten wir die Kirschblütenallee entlang, machten viele zu viele Fotos und freuten uns über die sommerlichen Temperaturen. ANGENEHM sommerlichen Temperaturen und strahlend blauen Himmel.

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Wir hatten wirklich ein fantastisches Timing dieses Mal. Ein Paar Tage später und der Kirschblütenregen, 桜吹雪 sakurafubuki, hätte eingesetzt, obwohl das natürlich auch seinen ganz eigenen Reiz hat 😉

Ein Besuch in dem Park lohnt sich wohl fast das ganze Jahr über, weil immer etwas anderes dort blüht, und die Kirschblütenzeit kann ich schon mal ganz uneingeschränkt empfehlen. Ich war auf jeden Fall glückselig :3

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Applaus und Buhrufe: Deutschland-Edition!

Applaus gibt es für …

Deutschen Frühling: As per my last post.

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Essen: Bei meinem ersten Austausch war mir Essen ziemlich egal. Jetzt gehöre ich zu den Leuten, die vor Ort unbedingt irgendwas essen müssen, wofür die Region bekannt ist, und in Deutschland dann vor allem, was ich in Japan nicht haben kann. Merkt man daran, dass man zu den „adults“ gehört? 😛

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1) Geiles Eis – Zitrone und Honigmelone – am Mainufer war geil.
2) Veganer Burger mit einem Patty aus verschiedenen Bohnen und BBQ-Soße. Ultralecker, aber meine Güte war ich nächsten Tag aufgebläht XD
3) Oreo-Tiramisu hat nach dem Burger eigentlich nicht mehr reingepasst, aber darauf konnte ich keine Rücksicht nehmen 😛

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4) Deutsches Frühstück kann nur von deutschem Frühstück auf einer sonnigen Terrasse getoppt werden :3
5) KOTLETT mit SPARGEL!!! Meine Mutter hat so viel tolles Essen für mich gekocht, ich wurde ja so verwöhnt. Die meiste Zeit war mein Hunger leider überwältigender als der Gedanke, das Essen zu fotografieren, aber wer kann es mir verübeln? 😛

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6 + 7) Was wäre ein Besuch in Deutschland ohne kerndeutsches Essen? Obwohl ich Obatzda vorher noch nie hatte XD

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8 – 13) Bouletten als Vorspeise, Zigeunerschnitzel und Blutwurst als Hauptgericht, Apfelstrudel zum Dessert und die geilste Milchkanne zum Kaffee in charmantester Begleitung! Die Blutwurst hatte so überhaupt gar nichts mit dem Schulfraß zu tun, den ich mit ihr assoziierte. Jetzt muss ich mein gesamtes Bild von ihr revidieren!

Blog_2019-04-11 10.16.59Bücherläden: Japanische Bücherläden sind praktisch. Sie sind da und sie verkaufen Bücher. Fast ausschließlich im sogenannten tankobon-Format 単行本, was eigentlich nur „einzelnes Buch“ heißt, aber Paperbacks meint, mit, sorry, aber es ist wahr, immer den gleichen Covern. Bücher sind keine Sammlerstücke, dafür ist in japanischen Haushalten einfach kein Platz. Sie werden gelesen und dann meist gleich wieder an den BookOff verkauft, nur ganz wenige werden behalten. Hardcover sucht man meist vergeblich – nehmen ja eigentlich auch viel zu viel Platz weg in einer japanischen Wohnung. Nun durfte meine Ästhetik aber 28 Jahre lang in Deutschland wachsen und gedeihen und reifen, und verfällt daher allem, was da so in deutschen Bücherläden aufgebahrt liegt.

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Kleine japanische Wohnung papperlapp, kommt her, meine Schätze! KOMMT ZU MAMA!
Taxifahrer: „Was haben Sie denn da in Ihrem Koffer? Steine?“ Fast …

2019-05-02 21.34.10Das Leben mit Hund: Ich glaube, ich wiederhole mich, aber mit Hund ist einfach alles besser! Aufwachen und ganz verschlafen die Arbeitsmails checken, denn offiziell ist man ja im Dienst, hat gleich eine ganz andere Atmosphäre, wenn da was Kuscheliges am Bettende noch ganz verträumt schnarcht :3 Und wie viel gesünder mit den ganzen Spaziergängen über den Tag verteilt! Aska fehlt mir in Japan sehr, aber außerhalb des ländlichen Japans hätten so große Hunde hier auch einfach keinen Spaß. Für unseren anstehenden Umzug (mehr dazu in einem späteren Post 😉 ) bestehe ich aber dieses Mal auf eine Wohnung, in der Haustiere erlaubt sind, und wenn ich dafür aufs Land ziehen muss! Vermutlich nicht sofort, aber ich will einfach die Option haben, mir was kleines Kuscheliges in Haus zu holen, wenn ich es möchte!

Buhrufe hingegen gibt es für:

Mein Hotel: Ich meine, ein wenig hat meine Firma ja auch schuld, denn wer wartet auch bitte bis zur Woche vor dem Abflug, um ein Hotel zu finden, das ein Zimmer für zwei Wochen am Stück zur Verfügung hat? Nun rühmte sich das gefundene Hotel allerdings mit vier Sternen und es gab keine Bedenken, doch jetzt muss ich mich fragen, was man als Hotel in Deutschland eigentlich tun muss, um 4 Sterne zu erhalten. Einfach nur existieren? Denn von 4-Sterne-Hotels bin ich sonst anderes gewohnt. Und ich rede noch nicht mal von der Rezeption, die im ersten Stock war, und der Aufzug, der erst ab dem ersten Stock losging, was bedeutete, dass ich sowohl am Tag meiner Ankunft als auch meiner Abfahrt erst mal mein gesamtes Gepäck eine Etage schleppen musste. Der Teppich im Zimmer hatte definitiv schon bessere Zeiten gesehen, das Fenster zeigte auf eine viel befahrene Straße, das Zimmer hatte jedoch zeitgleich keine Klimaanlage, was in der ersten Woche bedeutete, dass ich mit offenem Fenster schlafen musste, was bei dem Straßenlärm draußen ganz fantastisch war. Schnell stellte ich zudem fest, dass vermutlich die gesamte Stadt, aber zumindest mein Hotel unter der Einflugschneise zum Frankfurter Flughafen lagen. Geile Wurst. Der Lautstärkepegel war auch mit Ohrstöpseln kaum runterzuschrauben. Ich habe zwei Wochen lang nicht länger als bis 5 Uhr morgens geschlafen, denn ab dann dürfen die Flugzeuge loslegen. Gut, für die Flugschneise kann das Hotel vielleicht nichts, für das Badezimmer hingegen schon. Ablüftung und Licht waren miteinander verbunden. Schaltete ich das Licht aus, dann schaltete ich auch die Ablüftung aus und lief die Ablüftung nicht, begann das Bad in SEKUNDEN zu stinken. Also Dauerlicht. Außer nachts, denn dafür war die Lüftung zu laut. Oder nachdem das Servicepersonal mein Zimmer geputzt hat. Die haben die Lüftung nämlich auch immer ausgestellt. Ich will euch gar nicht beschreiben, wie das dann im Anschluss im Bad gerochen hat … Der Fernseher war so angebracht, dass der maximal im Nebenzimmer zu hören gewesen sein musste. Der Föhn war auch aus einem vergessenen Jahrhundert, Zimmerservice gab es nicht und das Frühstück kam 10 Euro pro Tag für etwas, das ich mir im Supermarkt selbst sehr viel billiger zusammenkaufen konnte. Was ich dann auch tat. Nachdem ich mir zusätzlich Pappteller und Plastikmesser gekauft habe, denn nicht mal Geschirr hatte ich und mit irgendwas musste ich mir ja meine Stulle (ich hatte nicht mal einen Wasserkocher oder so, mehr als Stulle war daher nicht drin) morgens schmieren. Sorry Umwelt, beschwer dich beim Hotel. Hätte selbiges jetzt nur 3 Sterne oder so gehabt, hätte ich gar keinen großen Service erwartet. Aber wie erwähnt: VIER.

Die Deutsche Bahn: Bei meinem ersten, von Anfang an geplanten Abstecher nach Berlin hatte ich nur das Wochenende und damit begrenzt frei und entschied mich daher mit der Lufthansa nach Berlin zu fliegen. 250 Euro für Hin – und Rückflug inklusive Sitzplatzreservierung fand ich zu verkraften. Mein zweiter, ungeplanter Besuch hatte zeitlich etwas mehr Luft nach vorne und hinten und ich dachte, spar ich doch ein wenig Geld und fahre mit der Bahn. Hahaha. Guter Witz. 380 Euro für Hin- und Rückfahrt und 5 Stunden pro Fahrt. 180 Euro mehr für 2x 4 Stunden länger??? Danke, aber nein danke. Der Flixbus dauerte mir mit seinen 9 Stunden für eine Strecke schon wieder zu lange, und so wurde es doch wieder ein Flieger. Die Bahn braucht sich bei so was wirklich nicht wundern, dass sie immer mehr Gäste verliert O_o

Blog_2019-04-10 13.30.57Der Taxistreik: Kaum in Berlin auf meinem zweiten Besuch gelandet, erhielten wir Passagiere die Nachricht, dass man heute von Tegel nur zu Fuß wegkäme. Die Berliner Taxifahrer würden streiken und die Busse daran hindern, den Flughafen zu erreichen. Na, ganz geile Wurst. Mal davon abgesehen, dass Flughäfen, die nur mit einer Art öffentlichem Verkehrsmittel erreicht werden können, verboten gehören, wieso müssen die Taxifahrer bitte so streiken, dass gesamt Tegel abgeschnitten ist??? Jeder hat sein Recht auf Streik, aber wirklich so???

Am Infostand des Flughafen erhielt man nach Ankunft vom wenig euphorischen Personal eine wirklich vollkommen nutzlose Karte – Da stand ja nicht mal, welchen Ausgang man nehmen musste! – und folgte daher eher Google Maps und den anderen Gestrandeten auf dem Weg zum nächsten Transportmittel. Ich hatte bei der ganzen Sache noch Glück: Ich hatte nur Handgepäck dabei und konnte ohne großen Zeitdruck die 30 Minuten bis zur nächsten U-Bahn-Haltstelle laufen. Aber um mich herum waren Leute mit Kind und Kegel und Koffer und Handgepäck beladen, denen der Weg schon schwerer fiel. Wir liefen vorbei an Massen an Taxis und anderen Autos. Die Stimmung war mehr als aufgeladen. Alles brüllte sich an. Piloten und Flugbegleiter kamen uns aus der anderen Richtung entgegen. Natürlich! Wenn die Straßen aus dem Flughafen raus blockiert sind, sind es auch die in den Flughafen rein. Ich will nicht wissen, wie viele Leute an diesem Tag ihre Flieger verpasst haben oder wie viele Flieger gar nicht erst starten konnten, weil das Personal nicht an den Flughafen herankam. Viele Sympathiepunkte haben die Taxfahrer an dem Tag wahrlich nicht gesammelt. Ich war jedenfalls nur froh, dass ich bereits in der Stadt war, in die ich wollte. Wenig später hatte meine Mama mich auch aufgesammelt und wir gönnten uns erst mal ein deftiges Mittagessen, wie es sich nach so einem Start in den Tag gehört 😉

So, ich glaube, das war eine gute Zusammenfassung meiner zwei Wochen in Deutschland. Im nächsten Beitrag sind wir dann wieder in Japan!

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Frühlingsstimmung in Deutschland

Dieses Jahr gibt es keinen Kirschblüten-Blogpost von mir, denn ich musste mal wieder auf Dienstreise. Nach Deutschland dieses Mal. Hessen, um genau zu sein. Und diese jene Dienstreise fiel nun mit ihren zwei Wochen exakt, wirklich ganz EXAKT in die Zeit, in der in Japan die Kirschblüten zu explodieren begannen. Begeistert war ich davon nicht, denn die Kirschblütenzeit gehört zu meiner liebsten Jahreszeit hier, aber was will man machen? Mit zwei Wochen hatte diese Dienstreise wenigstens Mal eine Zeitspanne, in der mir nicht nur erlaubt war, meinen Jetlag auszukurieren, bevor es wieder zurückging, sondern ich hatte auch Zeit, zwei Kurztrips nach Berlin zu unternehmen und Familie und Freunden zu treffen. Auch mal was! Und zumindest in der ersten Woche zeigte sich mir Deutschland  von einer Seite, die ich lange nicht mehr gesehen hatte: warmer, sonniger Frühling. Ich war BEGEISTERT. Gleich am Sonntag nach meiner Ankunft fuhr ich nach Frankfurt rein, denn wie toll das Main-Ufer an sonnigen Tagen sein soll, davon hatte ich öfters schon gehört. Und ich wurde nicht enttäuscht:

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Sogar hanami war drin!

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Ganz ohne blaue Plastikdecken und besoffene Salaryman wohlgemerkt 😛

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Einfach nur Frühling, Sonne und Blumen.

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Ich machte auch einen kurzen Abstecher in die Stadt …

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… eilte aber schnell wieder an das Mainufer zurück, wo es weniger voll und einfach viel schöner war.

Blog_2019-03-31 15.05.23Ich zog meine Jacke aus, gönnte mir ein Eis und setzte mich an den Rand des Flusses, die Füße über das Wasser baumeln lassend, neben eine der vielen schlafenden Gänse dort. Es war bald 17 Uhr und trotzdem stand die Sonne noch hoch oben am Himmel. Tage, an denen die Sonne länger scheint als bis 18 Uhr – wie mir das in Japan fehlt! „Warum geht die Sonne hier um 4 Uhr morgens auf und dafür schon um SPÄTESTENS 18 Uhr unter??? Keiner braucht Sonne im 4 Uhr morgens!!!“, dachte ich später erzürnt zurück in Japan. Doch in diesem Moment am Mainufer war ich ganz entspannt und ließ mir die Sonne aufs Haupt scheinen. Sonnengebräunt aus Deutschland zurückkommen – damit hatte ich ja auch nicht gerechnet! So dürfen gerne alle meine Dienstreisen anfangen 😛

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Nach einer Woche angefüllt mit Meetings ging es am Samstag ganz, ganz früh am Morgen mit der Lufthansa nach Berlin. Keine zwei Stunden später saß ich bei meinen Eltern auf der Terrasse und genoß ein entspanntes Frühstück bei 20 Grad und strahlend blauem Himmel.

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Das gesamte Wochenende verbrachten wir so im Garten meiner Eltern, jede Sekunde Sonne auskostend.

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Für mich war es der erste Frühling zurück in Deutschland seit 2014. Seitdem habe ich es jedes Jahr nur im Winter geschafft, meine Familie zu besuchen, obwohl ich mir immer wieder fest vorgenommen hatte, auch einmal zu einer anderen Jahreszeit rüberzufliegen. Aber das ist mit einem Job in einer japanischen Firma gar nicht mal so einfach. Und so hatte sich in den letzten Jahren mein Bild Deutschlands zu dem eines kalten, grauen, regnerischen Landes gewandelt. Was es häufig auch ist. Das erkennt man gut daran, wie alles gleich nach draußen stürmt, wenn es mal gutes Wetter gibt XD Aber dieses gute Wetter gibt es eben auch und es hat mir so gefehlt. Der Garten meiner Eltern war auch sehr bemüht, mir die verpasste Kirschenblüten-Zeit in Japan wettzumachen 😉

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Sonntag Abend ging es dann schon zurück für die nächste Runde an Meetings, die allerdings bereits früh in der Woche zu einem Ende kamen. Und nachdem ich sonst nichts mehr zu tun hatte und mir die Stadt, in der ich war, auch nicht viel Unterhaltung bot, buchte ich noch einmal einen Flug nach Berlin und verbrachte den Rest der Woche dort. Das Wetter hatte leider umgeschlagen – nass, kalt und regnerisch – und ich musste mir warme Klamotten von meiner Mutter leihen, aber ich verbrachte die Zeit einfach shoppend und futternd 😛

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Obwohl ich auf Dienstreise und insgesamt „nur“ 4.5 Tage in Berlin gewesen bin, wage ich zu behaupten, seit meinem Umzug nach Japan nie einen so entspannten Aufenthalt in meiner Heimatstadt gehabt zu haben. Der Mangel an Weihnachts- und Neujahrsstress hat den Unterschied gemacht, davon bin ich überzeugt. Alle um mich herum waren entspannter als sonst, die Läden nicht so voll, keine überspannte Erwartungshaltung. Ich glaube, ich habe mehr in den 4.5 Tagen hier gemacht als sonst in 14 Tagen. So gerne ich Weihnachten und Neujahr mit der Familie verbringe, so ein arschentspannter Urlaub ist einfach auch mal was 😉

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