[Unterwegs] Nagano-Spezial: Von Toyota gesegnet

Während wir unseren Golden-Week-Trip nach Kobe letztes Jahr durch eine verpatzte Shinkansen-Reservierung erst antreten konnten, als der Tag bereits halb vorbei war, brachen wir dieses Jahr schon beinahe unmenschlich früh zu unserer Nagano-Reise auf. Um 4 Uhr morgens quälten wir uns aus dem Bett, um kurz vor 5 im Auto zu sitzen – der einzige Weg, um die obligatorischen Golden-Week-Staus auf allen Straßen (im Prinzip so was wie die Osterstaus in Deutschland) zu umgehen. Wie Kei das überlebt hat, weiß ich nicht. Ich hatte ja den Tag vor Abfahrt schon frei und konnte in Ruhe meine Sachen packen, aber Kei musste nicht nur noch den vollen Tag arbeiten, im Anschluss nach Hiratsuka fahren, um das Auto von Schwiegereltern abzuholen, und vor dem Schlafen schnell Sachen packen, sondern er musste uns dann ja auch noch sicher nach Nagano bringen, während ich im Auto zumindest das Hirn ausschalten konnte – aus Solidarität bin ich während der gesamten Fahrt aber eisern wach geblieben 😛

Durch das frühe Aufstehen (und mit ein wenig Hilfe von Google Maps) entkamen wir so allerdings auch wirklich allen Staus und waren in Nullkommanichts in Nagano. Um 8 Uhr morgens, um genau zu sein. Ups 😄

Wir hatten uns zwar einiges vorgenommen für unsere drei Tage, aber so früh am Morgen ist in Japan eigentlich nirgendwo so richtig was los. Aber egal! Unbeirrt steuerten wir unser erstes Ziel an: den shōkōji 聖光寺, den Tempel des reinen Lichtes.

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Was? Einen Tempel? Wo ich doch Nagano gerade dafür gelobt habe, dass es so europäisch sei? Na ja, Tempel und Schreine gibt es natürlich trotzdem, und mein Stempel-Buch fühlt sich ja nun auch nicht von alleine 😛 Und interessant ist der Tempel obendrein, denn er ist der Verkehrssicherheit gewidmet und jetzt ratet mal, wer die Anlage im Jahr 1970 in Auftrag gegeben hat. Ein Autohersteller! Toyota, um genau zu sein. Und da wollte ich doch mal gucken gehen, wie sich so eine Verbindung in einem Tempel so ausdrückt.

Letztendlich gar nicht 😄 Hätte ich es nicht vorher gewusst oder später im Flyer, den man mir zusammen mit meinem Stempel überreichte, gelesen, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass an diesem Tempel in irgendeiner Art und Weise ein multinationaler Autohersteller beteiligt war. (Oder sogar immer noch ist?)

Als wir den Tempel um 8 Uhr morgens ansteuerten, waren wir die einzigen Besucher. Zeit, um ein paar Bilder vom und auf dem leergefegten Tempelgelände zu machen.

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Auch der mehr als großzügige Parkplatz war bis auf unser Auto leer.

Genau die Ruhe, die wir uns für unsere Golden Week erhofft hatten. Die ganze Sache hatte allerdings einen Haken: Es war deshalb so leer, weil auch der Tempel noch geschlossen war. Man konnte die Anlage zwar betreten und besichtigen, aber für Glücksbringer, Stempel, Segnungen und anderes war es einfach noch zu früh.

Wir beschlossen, einfach später noch mal vorbeizufahren. Das Bild, das sich uns dann bot, hätte nicht krasser im Vergleich zu dem am Morgen sein können:IMG_0223 Auf dem (ich kann es nur noch mal betonen) wirklich großzügig angelegtem Parkplatz bekamen wir zwar trotzdem noch problemlos einen Platz, aber er war zu 90% ausgelastet, und das Tempelgelände sowie die angrenzende Wiese waren voll mit Besuchern O_o  Einige kamen, um ihre Autos segnen zu lassen, andere wollten Kirschblütenschau betreiben – Tateshina 蓼科, die Stadt, in der wir die meiste Zeit unseres Urlaub verbrachten, liegt so hoch, dass die Kirschblüte hier einen guten Monat später als in Tokyo ankommt, auch wenn Nagano selbst nur knapp 3 Autostunden entfernt liegt -, andere wollten wie ich einen Stempel kaufen. Auf den musste ich zum Glück nicht lange warten.

Ein wenig hatte ich ja gehofft, wenigstens hier würde sich Toyota mal zeigen, aber Pustekuchen 😛 Eigentlich schön, dass sie sich nicht schleichwerbemäßig aufdrängen, andererseits wäre so ein Stempel mit Toyota-Markenzeichen auch mal lustig gewesen 😄

Uns waren dann aber doch ein wenig zu viele Menschen am Tempel – auch wenn es kein Vergleich zu dem war, was man hier in Tokyo manchmal an Menschenmassen ertragen muss 😄 Aber wir wollten ja Ruhe und Menschenleere und überhaupt, also Stempel-Buch wieder eingepackt und auf ging es zum nächsten Ziel 😉

[To be continued …]

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[Unterwegs] Nagano-Spezial: Wo es in der Golden Week noch leer ist

Die Präfektur Nagano hat es letztes Jahr im September in 3 Tagen geschafft, mein Herz im Sturm zu erobern. Dabei präsentierte sich das Nagano dort in einem ganz anderem Licht als zu unserem Besuch im Jahr 2014 in der Stadt Matsumoto. Europäischer.

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Unsere Pension :3

Ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl, nicht mehr in Japan zu sein. Und sucht man sich Erholung im Urlaub nicht gerne dort, wo es anders ist, als zu Hause? Mir geht es zumindest so, und so verbrachten wir unsere Golden Week dieses Jahr in Nagano. Gleiche Präfektur, gleiche Stadt, gleiche Gegend, gleiche Pension 😄 Was zufriedengestellt hat, muss man ja nicht extra ändern, oder? 😉

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So mag ich meine Wälder: menschenleer 😛

Dabei stellte sich ziemlich schnell heraus, dass zumindest die höher gelegenen Gebiete in Nagano ein idealer Rückzugsort sind, will man seine Golden Week vor allem ohne Menschenmassen verbringen. Das ist in Japan nämlich gar nicht mal so einfach, wie mir Photos und Nachrichten von Freunden aus allen Ecken und Winkeln Japans bestätigen und auch eigene Erfahrungen aus früheren Jahren immer wieder gezeigt haben. Ein ganzes Land ist auf Reisen, und so sieht es dann auch überall aus. Nun ja, fast überall, denn die Seen und Berge und Parks in und rund um die Stadt tateshina 蓼科 z.B. waren menschenleer.

2017-05-04 11.16.29Das liegt nicht daran, dass die Gebiete in den hohen Lagen Naganos generell ein unbeliebtes Reiseziel sind. Im Hochsommer, wenn die Menschen vor der Hitze fliehen wollen, und im Winter zum Skifahren ziehen sie die Touristen an wie das Licht die Motten. Jedoch muss ich zugeben, dass dieselben Gebiete im Mai dem einem oder anderen eventuell wenig zu bieten haben – je nachdem, wonach man in seinem Urlaub sucht. Durch die hohe Lage hängt man von den Temperaturen her noch so zwischen Winter und Frühling, und das spiegelt sich in der Natur wieder. Alles wirkt noch sehr verschlafen und kahl. Selbst Schneefall ist keine Seltenheit. Hat man in Tokyo gerade erst seine Frühlingsgarderobe aus dem Winterquartier geholt, muss man sich in tateshina besonders abends noch ordentlich dick einpacken. Meine Freunde schwitzten in Tokyo und Kyoto und Osaka und Fukuoka um die Wette, während ich drei Jacken übereinander trug 😄

Wofür soll man dann also im Mai nach Nagano, fragt ihr? Zum Wandern, für die Natur, die gute Luft und vor allem: für das Minimum an anderen Menschen um einen herum 😛

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In meinen nächsten Blogposts werde ich ein wenig mehr über die Orte schreiben, die wir in unseren 3 Tagen so besucht haben. Dieser Post hier ist … nun ja … eine Art vorgeschobene Liebeserklärung an die Präfektur, bei der ich mich dieser Umfrage hier nur anschließen kann: Hätte ich die freie Wahl, hier würde ich gerne herziehen :3

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[Unterwegs] Kamera-Test am Strand von Hayama und Zushi

Nach dem Ende der Kirschblüte hier in Kantō zeigte sich das Wetter schnell wieder gnädiger als noch während der Blütenschausaison, und Kei und ich nutzen eines der sonnigen Wochenenden im April für einen Ausflug an den Strand. Hauptziel: meine neue Kamera ausprobieren. Dafür ging es nach Hayama 葉山 und Zushi 逗子, die beide nur einen Spaziergang entfernt voneinander liegen.

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Als Insel hat Japan natürlich viele Strände, von denen aber leider nur die wenigstens mit weißen Sand bedeckt sind. Doch wir wollen mal nicht nörgeln 😛 Ein Spaziergang am Strand ist immer toll, egal welche Farbe der Sand hat 😉 Will man sich hier allerdings hinsetzen, braucht man unbedingt eine Stranddecke mit Aluminiumschicht, sonst verbrennt man sich nach ein paar Minuten den Hintern. Ja, auch durch die Hose.

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Auf dem Wasser herrschte genauso reges Treiben wie am Strand. Es ist schon faszinierend, dass Japan es hinkriegt, überall, wirklich ÜBERALL voll zu sein 😄 Nicht mal auf dem Wasser kann man den Menschenmassen entkommen 😛

Faszinierendes „Fundstück“:

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Ein Schrein-Tor auf einer kleinen Felseninsel mitten im Meer, erreichbar nur per Boot. Wir sahen einige Leute, die sich der Insel auf SUP-Boards näherten. Vielleicht machen wir das in Zukunft auch mal :3

Wie kamen wir eigentlich auf Hayama und Zushi? Immerhin ist ja der Shōnan-Strand bei Enoshima viel näher an uns dran. Ich weiß gar nicht mehr, wer genau, aber eine Freundin hatte mir vor einer Weile eine Homepage mit einer Liste von Restaurants geschickt, in denen man auf einer Terrasse mit Blick aufs Meer sitzen kann. Wer mal länger in Japan war, weiß, dass „draußen essen“ hier nicht viele Restaurants bieten. Als wir dann jedoch vor dem auserkorenem Laden standen, verging uns beim Anblick der Preise ganz schnell der Appetit O_o Aber wozu braucht man ein Restaurant mit Blick auf Strand und Meer, wenn man sich auch einfach zum Essen an den Strand selbst setzen kann? Solange man ein wenig nach gierigen Vögeln Ausschau hält, alles kein Problem 😉

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Und wie machte sich die neue Kamera nun so im ersten Test? Fantastisch! Einfach fantastisch! Ich bin überaus zufrieden mit der Kamera, doch fraglich ist, ob die Kamera auch so zufrieden mit mir ist, denn noch habe ich nicht alles an Funktionen und Co. gefunden und durchschaut 😛 Aber das wird schon 😉

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Das Geb ist weg!

Dass ich diesen Satz in naher Zukunft von mir geben dürfte, hätte ich Anfang dieses Jahres nicht für möglich gehalten, denn beim Geb-Problem herrschte Stillstand und keine Seite, weder die japanische noch die deutsche, schien so richtig in Bewegung kommen zu wollen. Der Ball lag im deutschen Spielfeld, denn der europäische Gerichtshof hatte entschieden, dass der deutsche Reisepass im internationalen Kontext unverständlich sei und das Kürzel „Geb“ verschwinden müsse. Doch es war für uns nicht abzusehen, wann das Bundesministerium dieses Urteil umsetzen würde, denn auch auf direkte Anfragen per Mail bekam man keine richtige Antwort.

Doch Ende Februar war es dann ganz plötzlich so weit! Mir fiel fast das Frühstücksbrot aus der Hand, als der Nachrichtensprecher der Tagesschau (Ja, ich gucke morgens beim Frühstück DEUTSCHE Nachrichten :P) verkündete, das BMI hätte das neue Passdesign bekanntgegeben, und so solle es aussehen:

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Das Feld 1 ist nun in zwei Abschnitte unterteilt:
(a) Nachname
(b) Geburtsname

Jetzt sollte es doch keine Verwirrung mehr geben, oder? Oder???

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität trug ich alle benötigten Unterlagen zusammen und beantragte bei der Deutschen Botschaft den neuen Reisepass. Fast 100 Euro musste ich dafür hinblättern, aber die Aussicht, endlich wieder meinen RICHTIGEN Namen führen zu dürfen, ließ mich nicht zögern. Knapp 5 Wochen nach der Beantragung durfte ich den neuen Reisepass abholen … und dann kam auch schon der erste Dämpfer: Eine ebenfalls Geb-geplagte Freundin hatte bereits eine Woche vor mir versucht, mit dem neuen Pass die zairyū-Karte ohne Geb zu bekommen, doch man sagte ihr, das Geb dürfe verschwinden, der Geburtsname müsse aber auch bei dem neuen Design bleiben. Also „Nachname Geburtsname Vorname“. Wir waren super enttäuscht, denn dieser Ausweis sollte endlich die Lösung des Problems sein, und nun stellten sich die japanischen Behörden trotz eindeutiger Kennzeichnung des Geburtsnamen dämlicher an, als ich es mir jemals hätte ausmalen können. In Japan ist der Geburtsname doch auch nicht teil des Nachnamens, warum geht das in deren Schädel nicht rein?

Es sollte auch nicht bei dieser einen Betroffenen bleiben, aber zumindest hatte das zur Folge, dass der Fall bis ans Justizministerium weitergeleitet wurde. Dieses sollten nun darüber entscheiden. Wir wussten, dass das Justizministerium von der deutschen Botschaft über den neuen Pass informiert wurde und eine Erklärung zum Namensfeld erhalten hatte, und gaben daher die Hoffnung nicht auf. Und am Mittwoch erhielt dann eine der Betroffenen einen Anruf aus ihrer Immigrationsbehörde mit der freudigen Nachricht: Der Geburtsname muss nicht auf die zairyū-Karte! Halleluja!

In Überschallgeschwindigkeit trug ich alle meine Unterlagen zur Beantragung der Namensänderung zusammen (in meinem Fall waren das Formular auf dieser Seite, obwohl andere Immigrationsbehörden anscheinend ein andere Formular haben wollen, ein Photo, den alten und den neuen Reisepass, sowie 1300 Yen in Steuermarken), um noch am nächsten Morgen in die Immigrationsbehörde in Kawasaki stolzieren zu können.

Es lief nicht vollkommen glatt ab bei mir. Obwohl man meinen Antrag mit der Änderung von „Nachname Geb Geburtsname Vorname“ zu „Nachname Vorname“ ohne meckern annahm, hatte meine neu ausgestellte zairyū-Karte meinen Geburtsnamen noch mit drin. Da man meine alte zairyū-Karte bereits ungültig gemacht hatte, fing ich nun an, zu diskutieren. Ich wusste genau: Würde ich diese Karte jetzt so akzeptieren, würde es in naher Zukunft schwierig für mich werden, das noch mal korrigieren zu lassen. Mein Bearbeiter ging irgendwann nach hinten, besprach sich mit jemandem und kehrte zurück mit den Worten „Wir werden den Fehler beheben!“ Mir fiel ein SO fetter Stein vom Herzen.

Keine 5 Minuten später hielt ich zum ersten Mal seit meiner Eheschließung meine zairyū-Karte mit meinem richtigen Namen in der Hand. Ich kann es irgendwie immer noch nicht so richtig glauben, dass es nach 3 Jahren Kampf nun doch endlich geklappt hat.

In den 3 Jahren haben sich viele Verträge und anderes auf meinem falschen Namen angesammelt, die ich nun alle mühsam umtragen lassen muss. Aber endlich wieder unter meinem richtigen Namen leben zu können, das ist es mir wert. Und zum Glück haben wir ja jetzt die Golden Week vor uns, da kann ich ein paar Botengänge erledigen, ohne mir extra freinehmen zu müssen ;)Ich hoffe für alle, die ihr „Geb“ derzeit noch mit sich rumschleppen müssen, dass ihnen der neue Pass da auch endlich hilft. Die Neuigkeiten sollten sich nun langsam auch in den letzten Winkel der Immigrationsbehörden rumgesprochen haben!

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Meine neue Kamera

Man mag es mir heute bei der Flut an Fotos, die ich so jeden Tag produziere, kaum glauben, aber meine allererste Kamera besaß ich erst mit 22. Ich kaufte sie mir in Japan, um alles, was ich während meines Austauschjahres dort erlebte, für Familie und Freunde festzuhalten. Davor sah ich nie so richtig, wofür ich Fotos machen sollte. Ja, die Denkweise kann ich inzwischen auch nicht mehr nachvollziehen 😄

Ich weiß gar nicht mehr, was das für eine Kamera war – da ich mich mit Kameras überhaupt nicht auskannte, habe ich jemanden mit Ahnung wählen lassen -, aber ich habe sie geliebt. Und seit ihr bin ich begeisterte Hobbyknipserin mit latentem Speicherplatzmangel 😄 Irgendwann kam mir die Kamera abhanden – verloren, geklaut, ich weiß es nicht.  Seitdem bin ich durch einige digitale Kameras gegangen, mit denen ich nicht so zufrieden war, bis ich dann 2013 an der Sony Cyber-shot DSC-RX100 hängen blieb. So ein kompaktes Ding mit so vielen Funktionen und so schönen Photos! Fast alle Photos, die ich auf diesem Blog verwende, sind mit meiner Sony geschossen. Der Rest stammt aus meinem iPhone – welche das sind, das merkt man an der Qualität bestimmt ganz schnell 😛 Egal, wie gut die Handykameras werden, mit so „richtigen“ Kamera können sie irgendwie einfach doch nicht mithalten 😉

So war ich mit meiner kleinen Sony eigentlich zufrieden, doch eine Sache kann sie nicht: Sich mit der Qualität der Bilder messen, die mein Papa so macht. Gut, mein Papa fotografiert auch mit einer Spiegelreflexkamera. Und das seit ich denken kann. Stelle ich mir meinen Papa vor, dann hat er eigentlich immer eine Kamera um den Hals hängen oder vor dem Auge kleben 😄 Da spielt also viel Übung mit rein. Aber dass Spiegelreflexkameras einfach mal mehr draufhaben, ist ja nun auch kein Geheimnis. Und so habe ich mir nach vielem Hin und Her und Überlege und Abgewäge ein neues „Spielzeug“ ins Haus geholt:

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Die allerneuste Canon, die EOS Kissx9i. Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, hatte ich das Gefühl, von einem Trabi auf einen Ferrari umgestiegen zu sein O_o Es ist nicht so, dass ich überhaupt keine Erfahrung mit digitalen Spiegelreflexkameras habe, aber die, die ich bisher ganz selten mal benutzt habe, ist eine abgelegte Kamera meines Papas, die nun auch schon 10 Jahre auf dem Buckel hat. Übrigens auch eine Canon, weshalb ich mich ebenfalls für ein Modell dieser Marke entschied, denn so kann ich die Objektive benutzen, die mir mein Papa ab und an vermacht 😛

Und? Hat sich der Kauf gelohnt? Machen wir doch mal einen ganz stümperhaften Qualitätsvergleich mit den allerersten Photos, die ich mit meiner neuen Kamera gemacht habe. Es waren natürlich Hamsterbilder 😛

iPhone-Kamera: Das Bild wird leider etwas unscharf durch das Herangezoome. Auch innerhalb des geschossenen Fotos kann man nicht zu sehr zoomen bevor Tama nur noch aus Pixeln besteht. Die Farben sind ganz schön verblasst und die arme Tama ist verschwommen. Meine iPhone-Kamera ist allerdings die einzige Kamera, die ich wirklich immer dabeihabe, in Rente wird sie also vorerst nicht gehen 😉

Sony-Kamera: Die Farben sind strahlender und alles wirkt viel klarer. Man sieht irgendwie sofort, warum ich meine Sony so mag, oder? Leider ist die Kamera im Zoom nicht ganz so gut und hat sich mehr auf den Fressnapf als auf den Hamster konzentriert. Das hat mir leider schon viele Makro-Aufnahmen versaut 😦 Näher heranzoomen ging auch nicht, da wurde aus Tama leider ein verschwommener Klecks. Das ist so mit das größte Manko an meiner eigentlich wirklich guten Sony.

Canon: Hamster scharf, Fressnapf unscharf – so gehört es sich! 😛

Und der Hamster bleibt auch scharf, egal, wie nah ich heranzoome. Selbst im fertigen Bild muss ich schon extrem Zoomen, um ein paar Pixel rund um Tamas Po zu erkennen 😛 Während ich zudem mit der Sony fast in den Käfig klettern musste, um so nah an Tama ranzukommen, konnte ich mit der Canon und ihrem tollen Objektiv entspannt aus der Ferne knipsen ohne es dem Hamster halb in die Fresse drücken zu müssen 😛 Dass die beiden Bilder hier von weiter weg fotografiert wurden als das Bild mit der Sony-Kamera macht die Qualität für mich nur noch beeindruckender 😮

Aber das sind natürlich bisher nur Spielereien 😉 Die Kamera hat so viele Funktionen, ich weiß gar nicht, wann ich die alle ausprobieren soll. Außerdem hatte ich leider noch nicht so wirklich eine Möglichkeiten, die Kamera mal draußen durch einen ersten Funktionstest zu jagen. Aber für Golden Week sind ein paar Ausflüge geplant, wo ich das ganz schnell ändern werde – und bis dahin muss ich halt weiter am Hamster üben 😛

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Die Jagd nach der vollen Blüte

Zwischen Ende März und Anfang April gibt es in Japan kein wichtigeres Thema als die Kirschblüte. Der Wetterbericht informiert täglich über den Stand der Blüten, Starbucks und Co. bringen einen mit Sakura Latte und zartrosafarbenen Flaschenüberziehern schon mal in die richtige Stimmung, …

 

… im Freundeskreis werden die ersten Saufparties unterm Kirschbaum geplant und die Fotografen unter uns machen sich bereit, ihre Feeds mit Bildern der Kirschblüte zu überschwemmen 😉

Dabei ist es manchmal gar nicht so einfach, die Blüte in ihrer vollen Pracht zu erwischen. Je nach Wetterlage liegt NHKs Voraussage manchmal um Tage daneben, regionale Unterschiede gibt es ja auch, und manchmal fällt die Kirschblüte wie die letzten zwei Tage einfach mal sprichwörtlich ins Wasser.

Auch letztes Wochenende hatten Kei und ich nicht wirklich Glück bei unserem hanami-Versuch (hanami 花見, Blütenschau). Nicht nur das Wetter wollte nicht mitspielen, nein, auch die Kirschblüten waren einfach mal noch gar nicht bereit und die meisten Bäume standen gerade mal in der Knospe. Geschickt geknipst kann man das natürlich ein wenig anders aussehen lassen 😛

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„Aber was soll’s? Wir haben ja noch das nächste Wochenende“, dachten wir uns hoffnungsfroh, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, dass selbiges Wochenende komplett verregnet sein würde. Dabei hätten wir es wissen müssen, denn Kirschblüten scheinen die magische Fähigkeit zu haben, das Wetter um sich herum zu versauen 😛

Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, und wenn ich kein hanami bei schönem Wetter am Wochenende haben kann, dann eben in der Woche im Shinjuku gyoen 新宿御苑 zusammen mit Kollegen. Pizza, Decke, Seiteneingang und das hanami-Lunch kann starten 😉

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Schön, oder? Tja, so hätten wir es alle gern und so kann man es auf Photos schnell mal darstellen. Die Realität sieht meist jedoch so aus:

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Ein Baum in Blüte und Milliarden von Leuten darunter. Aber was will ja niemand wirklich sehen 😛

DSC07065 So schnell, wie die Kirschblütensaison begonnen hat, neigt sie sich auch schon wieder dem Ende zu. Viele Regionen befinden sich bereits in der sakura fubuki-Phase (桜吹雪 Kirschblütenregen, auch 花吹雪 hanafubuki genannt), in der die Blütenblätter wie Schnee von den Bäumen regnen. Ein wundeschönes Ereignis mit seinem eigenem, verdammt schwer mit der Kamera einzufangenden Reiz, über den ich letztes Jahr zwar auch schon kurz geschrieben hab, aber über den ich bei Zoomingjapan einen viel ausführlicheren Beitrag mit vielen wunderschönen Bildern gefunden habe 😉

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[Unterwegs] Auf den Kōbōyama

Kei und ich haben ein Hobby, das wir leider immer wieder sträflich vernachlässigen. Die Rede ist vom Bergsteigen. Wann immer meine Freundin Flo in Japan ist, schaffen wir es auf wenigstens einen Berg während ihres Aufenthalts. Manchmal auch zwei. Ist sie nicht da, lassen wir das trotz aller guten Vorsätze doch arg schleifen. Man merkt, wer die Zugkraft hinter unterem Hobby ist, was? 😉 Dabei haben wir bei den Bergtouren trotz der Anstrengung doch immer irrsinnig viel Spaß. Wie kriegen uns nur einfach selbst nur nicht so richtig motiviert 😄

Doch nun haben wir … vielleicht … ganz eventuell … diese Hürde zum ersten Mal geknackt und haben uns, ganz aus Versehen, zu unserer ersten Wanderung nur zu zweit aufgemacht. Ihr habt richtig gelesen: aus Versehen. Denn als wir den Kōbōyama 弘法山 ins Auge fassten, da gingen wir davon aus, dass es wieder so ein lauer Spaziergang mit anschließendem Picknick im Park auf der Berg“spitze“ werden würde, wie wir ihn auf dem Azumayama im Januar hatten. Tja, wer Beschreibungen lesen kann, ist klar im Vorteil 😄

DSC06997Den Kōbōyama kann man von verschiedenen Bahnhöfen in Kanagawa aus besteigen. Wir entschieden uns für die Route vom Bahnhof Hadano 秦野 aus. Von dort ging es erst einmal wieder quer durchs verschlafene  inaka 田舎, stark ländliches Gebiet, wie eigentlich bei jeder Bergtour. Und dann standen wir am Fuß des Berges und Gott war ich froh, dass ich geistesgegenwärtig meine Wanderschuhe angezogen hatte, auch wenn ich nicht wirklich erwartet hatte, diese zu brauchen. Doch der Weg hier hatte es an einigen Stellen schon gut in sich und war uneben genug, um mit weniger geeigneten Schuhen sicher ein paar Probleme darzustellen. Die Hälfte des Weges Waldboden durchs Gestrüpp, die andere Hälfte Treppen, die uns gut ins Schwitzen brachten. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir das erste Plateau. Nicht die Spitze des Kōbōyamas, wie wir zu Anfang fälschlich angenommen hatten, nein, eine große Grasfläche namens Asamayama 浅間山, wortwörtlich „seichter Zwischenberg“, und genau das war er auch 😄 Hier konnte man sich gemütlich ins Gras fallen lassen und sich für den weiteren Aufstieg stärken mit all den Köstlichkeiten, die man sich geistesgegenwärtig unten im konbini gekauft hat 😛

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Eigentlich ist dieser Abschnitt auch ein fantastischer Aussichtspunkt für den Fuji-san (behauptet der Stein auf dem Photo). Eigentlich, weil das mit mir im Schlepptau immer bedeutet, dass sich der Fuji halb hinter einer Wolke versteckt oder, wie in diesem Fall, gleich gar nicht zeigt.

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Dieser Berg und ich … Diese Story ist eigentlich mal einen eigenen Blogpost wert.

Nach unserem Mittag und der Feststellung, dass wir uns ja noch gar nicht auf der Spitze vom Kōbōyama befanden, packte uns der Ehrgeiz und wir stiefelten zusammen mit einem Haufen rüstiger und sehr viel besser ausgerüsteten Damen und Herren den ausgeschriebenen Wanderpfad entlang. Wir entschieden uns, die Strecke bis zum Bahnhof Tsurumakionsen 鶴巻温泉 zu laufen, denn auf der kommt man auf insgesamt drei Bergspitzen, von der die vom Kōbōyama die höchste ist. Wenn schon, denn schon! Unterwegs gibt es auch einiges zu sehen: Schreine, seltsame Brunnen, Hunde, niedliche ältere Herrschaften, die ihre Ernte am Bergpfadrand verkaufen – ja, wir haben zugeschlagen! Kürbismarmelade kriegt man nicht überall 😄

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Es war echt schön, mal wieder so in der Natur unterwegs zu sein.

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Auch wenn man dafür auf keinen Fall so gut ausgerüstet sein muss, wie einige der anderen Damen und Herren. Ein gutes Paar Wanderschuhe ist ausreichend für diesen Berg!

Kei und ich haben beim Bergsteigen eigentlich immer so viel Spaß, dass ich hoffe, dass dieser Ausflug für uns jetzt quasi so der Durchbruch war, uns dann doch mal öfters auch nur zu zweit aufzuraffen, ohne dass uns Flo in den Arsch treten muss 😛

DSC07009Wie der Name verrät, kommt man beim Bahnhof Tsurumakionsen an einem onsen 温泉, einer heißen Thermalquelle vorbei. Da wir nicht mit einer ausgewachsenen Bergtour gerechnet haben, waren wir für das onsen leider gar nicht vorbereitet. Aber selbst wenn, weiß ich nicht, ob ich diesen Schritt ohne andere weibliche Begleitung schon gehen mag 😛

Übrigens soll der Kōbōyama ein guter Ort für die Kirschblüte sein. Wir waren natürlich viel zu früh da und hatten gar keine Kirschblüten erwartet, aber siehe da, ganz verschüchtert zeigten sich doch ein paar einzelne 😉

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