[Feiertage] ひな祭り, das Puppenfest

Heute wird wie jedes Jahr am 03.03. in Japan das hina matsuri ひな祭り, das “Puppenfest” gefeiert. Dabei dreht sich alles um die jungen Töchter der Familie, für deren Gesundheit und Wachstum an diesem Tag gebetet wird.

Bereits im Februar kann die Familie schon mit der Aufstellung der hina-ningyō 雛人形, dem Satz Puppen, den jede Familie für die Tochter bzw. Töchter zu Hause hat, beginnen. (Bildquelle)

Sie werden in festgelegter Reihenfolge auf einer Plattform mit mehreren Stufen aufgereiht, wobei das Kaiserpaar, das natürlich die oberste Stufe einnimmt, die wichtigsten Puppen darstellen und so auch oft als Dekoration für z.B. hina matsuri Kuchen Verwendung finden. (Bildquelle Bild links)

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Je mehr Stufen mit Puppen bestückt werden, desto teurer ist der spaß natürlich, aber ich nehme mal an, desto mehr Gesundheit kann man für seine Tochter dann erwarten XD Die Puppen müssen jedoch bereits am Abend des 03.03. weggeräumt werden, denn ansonsten resultiert das nach einem Aberglauben in einer späten Hochzeit für die Tochter, und das will hier nun wirklich niemand :P

Wie so oft gibt es auch für hina matsuri typisches Essen. Sushi und weißer Sake, shiro zake 白酒, gehören wohl auf jeden Fall dazu, obwohl ich nicht herausfinden konnte, ob es den Alkohol nur für die Erwachsenen oder einen kleinen Schluck auch für die Töchter gibt. In Keis Familie gibt es nur zwei Söhne, da konnte ich also auch nichts näheres herausfinden. Weitere typische Dinge sind:

hina arare 雛霰、die mir wadoku als “geröstete Reiskuchen” übersetzt (Ich hatte noch nie welche, obwohl mich die schönen Farben ja doch sehr neugierig machen. man bekommt sie bereits um Februar herum in jedem Supermarkt und kann sie durch das viele Pink eigentlich kaum übersehen :P ) (Bildquelle),

hishi mochi 菱餅, dreifarbiges mochi (Reiskuchen) in Rhombenform (Je nach Herstellung können mochi eine recht unterschiedliche Konsistenz entwickeln. Ich hatte noch nie ein hishi mochi, aber vom Foto her würde ich es in die klebrigere, süße Ecke packen. Traditionell sind die farben wie auf dem Foto, aber je nach Region kann es wohl Unterschiede geben.) (Bildquelle),

sowie verschieden Fisch- und Muschelgerichte.  Hier gibt es natürlich je nach Region und Familie auch wieder Unterschiede.

Hina matsuri ist kein gesetzlicher Feiertag und besteht daher am 03.03. häufig nur aus dem gemeinsamem Abendessen in der Familie. Ein Schreinbesuch wird dann meist am Wochenende vor hina matsuri vollzogen, aber auch hier hatte ich noch nie das Glück, mal Mäuschen spielen zu können T^T Dabei scheint es, wie das rechte Bild zeigt (Bildquelle) an einigen Orten ordentlich was zu sehen zu geben. Ach ja, vielleicht eines Tages mal …

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Das Problem mit den Straßenkatzen

In unserer Nachbarschaft wohnt eine ältere Dame, die sich um die Straßenkatzen in unserer Gegend kümmert. Wann immer man an ihrem Haus vorbeigeht, liegen mehrere Katzen vor oder in ihrem Garten in der Sonne, manchmal schon satt gefressen, manchmal gerade auf ihr Futter wartend. Einige Katzen sehen ordentlich zerrupft aus, aber auch um die Wunden scheint sich die Dame zu kümmern. Es zaubert mir immer ein Lächeln aufs Gesicht die Katzen so friedlich und zutraulich um ihr Haus herum liegen zu sehen.

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Anderen scheint das nicht so zu gehen. Wenn ich von der liIMG_0542eben Katzendame bei uns in der Nachbarschaft erzähle, werden oft die Nasen gerümpft. “Sie sollte die Katzen nicht füttern! Das macht das Problem nur schlimmer!”, “Das ist doch eklig! Die Katzen übertragen Krankheiten!” oder auch “Das Katzenfutter lockt doch alle möglichen Viecher an!”

Wirklich? Das mit den Krankheiten mag stimmen, aber ist es wirklich sie, die das Straßenkatzenproblem bei uns in der Nachbarschaft verschlimmert? Weil sie sich um verstoßene Haustiere kümmert? Sind es nicht eher die Leute, die diese Katzen aussetzen, die das Problem mit den Straßenkatzen verschlimmern?

Ich erlebe diese Art der Argumentation hier sehr häufig. Zu viele Straßenkatzen, die Frau 316367_2483641691291_995809628_nda füttert sie, sie ist schuld! Als würden die Leute, die Katzen füttern, für noch mehr Katzen auf der Straße sorgen. Das Problem sind doch die Leute, die sich im Überschwung der Niedlichkeit, die ihnen da im Tierladen entgegenmiaut, eine Katze zulegen, Zuhause dann merken, dass ihnen zerkratzte Sofas nur egal sind, wenn es nicht ihre eigenen sind, und die Tiere dann aussetzen oder in Einrichtungen des Umweltministeriums bringen, wenn sie nicht mehr niedlich genug sind, um den ganzen Ärger zu tolerieren.

Laut der Homepage des Umweltministeriums wurden im Jahr 2013 rund 60.000 Hunde und fast doppelt so viele Katzen in ihren Einrichtungen abgegeben. Für rund die Hälfte der Hunde, aber für nur weniger als 1/4 der Katzen konnte ein neues Zuhause gefunden werden. (Quelle) Was passiert mit dem Rest? Der wird eingeschläfert. Meist in großer Anzahl auf einmal mit Gas. Einrichtungen, die die Tiere so lange unterbringen, bis sich ein neuer Besitzer gefunden hat, die wir in Deutschland also als “Tierheim” kennen, sind nicht nur rar gesät, weil sie auf Spenden angewiesen sind und vom Staat nicht unterstützt werden, sondern vollkommen überlaufen.

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“Wir haben ein Katzenproblem! Bitte halten Sie Ihre Katzen drinnen und sorgen Sie dafür, dass sie kastriert sind.”

Dagegen erscheint das Aussetzen ja fast schon die Variante mit Herz zu sein. Katzen kommen schon klar, oder? Ich habe leider keine Zahlen darüber gefunden, wie viele Hunde und Katzen pro Jahr ausgesetzt werden. Das lässt sich wahrscheinlich schwer nachvollziehen. Aber gerade die Katzen vermehren sich, wenn sie nicht kastriert sind, natürlich ohne Zurückhaltung weiter.

Kann man es einer alten Dame verübeln, wenn sie einen zerrupften Vierbeiner vor ihrer Tür findet und ihm jeden Tag eine Dose Katzenfutter hinstellt? Würde sie ihn eingefangen und in eine Einrichtung des Ministeriums für Umwelt bringen, würde auch ihm schon nach wenigen Wochen die Einschläferung drohen. Die meisten Katzen sind nicht gechipt, den Besitzer findet man da nur, wenn er gefunden werden will.

Die Leute, die Straßenkatzen füttern, für deren große Anzahl schuldig zu machen, packt das Problem am falschen Ende an. Mit Hinweisen wie “Bitte die Katzen nicht füttern!”, will man hier besonders in Parkanlagen meist nicht mehr erreichen, als dass die Katzen sich einen anderen Platz zum Leben suchen. Und ein Problem, das man nicht sieht, existiert nicht, oder? Es reicht also, die Katzen aus der Nachbarschaft zu vertreiben.

Vielleicht sollte man eher etwas gegen diese Mentalität hier unternehmen, die Menschen Katzen wie selbstverständlich aussetzen lässt, wenn sie sie nicht mehr haben wollen oder können. Richtige Tierheime, also Orte, an denen Tiere untergebracht werden, ohne dass sie nach ein paar Wochen “von ihrem Leiden zu erlöst werden”, wären ein Weg. Oder es auch Menschen schwerer machen, sich Tiere, die wie Hunde und Katzen mit großer und vor allem jahrelanger Verantwortung kommen, im Impuls zu kaufen wie man es hier in den unsäglichen Pet Shops tun kann. Denn würde niemand Katzen aussetzen, dann hätte die Dame bei uns in der Nachbarschaft auch keinen Grund, Katzenfutter vor die Tür zu stellen, oder?

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[Unterwegs in Japan] Am Isehara Daijingū

Eines meiner Ziele für das Jahr 2015 ist, die shuin 朱印 der Schreine in mein shuinchō 朱印 zu sammeln, die ich in all meinen Aufenthalten hier in Japan bereits besucht habe, aber noch nicht um ein shuin bitten konnte, weil ich damals noch nichts von shuinchō wusste.

Einer der Schreine auf meiner Liste war der isehara daijingū 伊勢原大神宮. Ich kann mich noch ganz genau an meinen Besuch an diesem Schrein erinnern. Es war ein unglaublich verregneter Samstag zu einer unmenschlich frühen Uhrzeit. Kei und ich waren von der Mutter des Mädchens, dem ich Deutschunterricht gab, zu einer Teezeremonie eingeladen. Wie so oft damals fand ich erst beim Stampfen durch die Pfützen, die der heftig auf uns niederprasselnde Regen verursachte, auf der Suche nach dem Veranstaltungsort heraus, dass meine Schuhe nicht wasserfest waren. Ich hatte natürlich keine Wechselsocken dabei und Isehara ist ein Dorf, da gab es keinen Laden, in den ich mal schnell hätte reinhuschen und welche kaufen können. Fantastisch! In nassen Socken zu einer Teezeremonie! Von selbiger weiß ich nur noch, wie unwohl ich mich gefühlt habe. Ich fror und mir war es unglaublich unangenehm, da mit nassen Füßen auf den tatami rumzulaufen. Ich wollte einfach nur, dass die ganze Veranstaltung so schnell wie möglich vorbei ist.

Als wir, ich immer noch in nassen Socken – diese scheiß Dinger sind einfach nicht getrocknet – wieder ins Freie gingen, hatte der Regen aufgehört. Und als ich im Uniqlo am Bahnhof ein neues Paar Socken erstand, ging es mit meiner Laune auch wieder bergauf. Dann entdeckte ich das Tor zum daijingū, und weil es irgendwie Verschwendung von Fahrtgeld gewesen wäre, nur für die Zeremonie bis nach Isehara zu fahren, zerrte ich Kei dorthin.

Dank des Regens waren wir damals die einzigen an dem Tempel. Ich war sehr beeindruckt von dem Gelände, schoss einige Photos und erstand einen Glücksbringer.

 

Dieses Mal war uns das Wetter gewogener. Ich traf mich mit Kei in Isehara, nachdem er an einem Samstag früh noch mal in die Firma musste, um liegen gebliebenen Kram zu erledigen.

Der Schrein hinterlässt bei Sonnenschrein natürlich einen viel freundlicheren Eindruck und ich hatte sehr viel mehr Lust, mich auf dem gesamten Gelände umzuschauen, während man mir mein shuin einstempelte. Außerdem hab ich wirklich lange keinen Glücksbringer mehr gekauft und es wurde langsam mal wieder Zeit.

Das Symbol des daijingū sind übrigens zwei eierförmige Kreise. Auf der Homepage steht “Kreise”, ich finde, sie sehen aus wie Eier. Sie symbolisieren das Innere und das Äußere des Schreins, sowie den Menschen und die Natur. “Beides statt nur einem”,  「ひとりよりふたり」「ひとつよりふたつ」, das Motto für ein friedliches Zusammenleben. Sehr poetisch … glaube ich :P

Und das hier ist übrigens der shuin:

Gott, wie ich auf die Designs stehe!

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Im Winter warm bleiben

Wenn ich mich beim Skypen mit Familie und Freunden über den japanischen Winter beschwere und die derzeitige Außentemperatur erwähne, ernte ich meist nur etwas belächelnde Kommentare. Füge ich hinzu, dass wir im Badezimmer nur zwei Grad mehr als die Außentemperatur erreichen, ist die Häme immer sehr schnell wieder verschwunden :P

Im Schlaf- und Wohnzimmer haben wir jeweils eine Klimaanlage mit Heizfunktion, aber da pusten eben 23 Grad warme Luft gegen 10 Grad Außentemperatur (noch kälter ohne Sonne) an und treffen sich irgendwo in der Mitte. Ohne Wärmflasche, Kuscheldecke und Tee sind einige Abende hier kaum zu ertragen.

S__3416097Eine Möglichkeit sich hier warm zu halten, die mir inzwischen sehr lieb geworden ist, ist nabe 鍋, japanischer Eintopf, und zwar am liebsten auf einem Campingkocher am Wohnzimmertisch. In der Winterzeit führt jeder Supermarkt oft in einer speziell dafür eingerichteten Ecke alles, was man für nabe braucht und haben wollen könnte: Brühe, Gemüse, Fleisch, Tofu, mochi, udon, soba …

S__3416094Man kann nabe in einem ganz normalen Topf kochen, aber da sie nicht teuer sind und durch ihre breitere Fläche und geringere Höhe etwas gleichmäßiger erwärmen, würde ich den Kauf eines nabe-Topfes empfehlen. Die gibt es im Winter überall, sogar in Supermärkten. Nitori hat sowieso immer bezahlbare Töpfe im Angebot, und sie kommen, wenn man denn darauf steht, in unglaublich niedlichen Designs.

Brühe in den Topf, erwärmen, dann Gemüse und Fleisch (hartes Gemüse und Fleisch, das etwas länger braucht, zuerst), mochi gut im Auge behalten, die brauchen nicht lange, und dann fröhlich in die eigene Schüssel löffeln, was man essen will. Und immer wieder nachlegen.

Nabe wärmt nicht nur köstlich von innen, sondern dadurch, dass man den Campingkocher bei sich stehen hat, auch das Zimmer noch mal um ein paar Grad hoch. Die letzten paar Wochenenden haben wir fast ausschließlich von nabe gelebt, denn durch die verschiedenen Brühen und möglichen Kombinationen an Zutaten hat man immer wieder ein anderes köstliches Essen :3

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Unverhofft kommt oft?

Eigentlich wollte ich hier etwas über den japanischen Valentinstag schreiben, merkte dann aber, dass ich ja schon einen Blogpost zu dem Thema habe (nach 8 Jahren bloggen, was für ein Wunder :P ), und man muss ja nicht über dasselbe Thema zwei Mal das Gleiche schreiben ;)

Stattdessen widme ich mich einem anderem Thema, das auch gut in die Kategorie “Liebe ” passt :D Und zwar las ich heute einen Artikel in der Asahi Shinbun 朝日新聞, dessen Inhalt sich inzwischen wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet hat. Laut diesem Artikel plant der Verwaltungsbereich Shibuya 渋谷 ein Dokument einzuführen, das Partnern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen bescheinigt, sich in einem eheähnlichen Verhältnis zu befinden (結婚相当l証明書 kekkon sōtō shōmeisho). Bisher handelt es sich dabei jedoch nur einen Entwurf, der im März erst verabschiedet werden muss, und wir wissen ja, wie stark die konversativen Kräfte in Japan schalten und walten. Doch wer sich einmal ein wenig mit dem Status von LGBTs in Japan beschäftigt, wird zustimmen, dass es sich hierbei um einen fast schon revolutionären Schritt für Japan handelt. Denn Abseits von shinjuku ni-chōme 新宿二丁目, in dem sich viele einschlägige Bars für die LBGT-Gemeinde befinden, und den sich immer noch fantastisch verkaufenden Mangagenres shōnen-ai 少年愛 (Liebe zwischen Männern) und yuri 百合 (Liebe zwischen Frauen), sind homosexuelle Pärchen eine bisher ignorierte Gemeinde – wenn man ihre Existenz nicht gleich ganz abstreitet. Nicht nur ein Mal habe ich den Satz “Homosexuelle? Mann, bei euch in Deutschland ist es ja bunt! So was gibt es hier in Japan nicht …” zu hören bekommen O_o In dieser Hinsicht ist der Entwurf zwar sicher stark ausbaufähig, aber ein Schritt in die richtige Richtung!

Was können Paare mit solch einem Nachweis nun anfangen? Zum einem soll es ihnen einfacher gemacht werden zusammen eine Wohnung mieten zu können. Denn wenn Vermieter zwei stramme Kerle vor sich sehen, dann denken sie meist an Studenten-WG und verbinden das mit dreckigen Mietern, lauten Parties und vielen Übernachtungsgästen, und wollen demnach nicht vermieten. Zudem haben homosexuelle Pärchen oft das Problem, das ihnen das Besuchsrecht im Krankenhaus verwehrt wird, wenn ihr Partner eingeliefert wird, da sie offiziell nicht zur Familie gehören (können). Auch Fragen um gesetzliche Vormundschaft könnten so in einem anderen Licht erscheinen.

ABER: Das Ganze ist nicht nur nur ein Entwurf, der erst noch verabschiedet werden muss, sondern der Nachweis kein rechtlich bindendes Dokument. Es ist lediglich eine Art Richtlinie, eine Bitte an Unternehmen, Vermieter und Co., das vor ihnen stehende Paar gleichberechtigt zu heterosexuellen Pärchen zu behandeln. Und wie ich Japan kenne, wird es keine Strafe für diejenigen geben, die sich daran nicht halten. Der Wortlaut ist 「区は区民や事業者に、証明書を持つ同性カップルを夫婦と同等に扱うよう協力を求める方針だ。」Es ist also mehr ein Vorschlag. Der Nachweis könnte auch wieder andere Probleme mit sich bringen, denn gegen LGBT bestehen in Japan nicht nur viele Vorurteile, sondern besonders durch die ältere Bevölkerung Ablehung und ein “Ich vermiete nicht an Studenten!” eines Vermieters könnte plötzlich ein “Homosexuelle? Das ist ja noch schlimmer!” werden! Sich outen tut man in Japan durch das Stigma, das LGBT hier mit sich rumtragen müssen, doch nur sehr selten.

Und dennoch möchte ich diese Entwicklung positiv sehen, denn der Entwurf IST ein erster Schritt in Richtung einer größeren Akzeptanz von homosexuellen Pärchen, wenn auch ein kleiner, im Vergleich zu anderen Ländern später und auch erstmal nur in Shibuya gewagter Schritt.

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Von versteckten Kosten

Es gibt da eine Sache, die ich gestehen muss: Ich arbeite in Shinjuku, ich gehe dort in der Gegend jeden Tag irgendwo zum Lunch mit meinen Kollegen, ich treffe mich ab und zu mit Freunden zum Abendessen dort,  aber wenn mich jemand um eine Restaurantempfehlung bittet, ist mein Kopf absolut blank. Ich kann mich an kein einziges Restaurant erinnern, in dem ich mal gewesen bin, und wenn doch, weiß ich weder Name noch Ort, so dass es auf das Gleiche hinausläuft XD

Will ich mich also mit Freunden zum Abendessen treffen und übernehme die Wahl des Restaurant, dann bleiben mir nur Recherche auf Tabelog und Orientierung per Google Maps. So stolperte ich auch über das LIME in Shinjuku (Es war zu dunkel im Restaurant, um selbst vorzeigbare Photos zu machen -.-).

(Quelle)

Schick, nicht? Die Homepage versprach gehobene Atmosphäre, die Kundenreviews auf Tabelog und Co. waren durchweg positiv, warum also nicht? Und versteht mich nicht falsch, das Restaurant hat was! Die Atmosphäre war wirklich etwas Besonderes und der Service bis auf eine kleine Verwechslung in der Bestellung, die aber schnell behoben war, sehr zuvorkommend. Auch das Essen war lecker. Sehr viel frisches Gemüse, viele Meeresfrüchte und wenig Fett, sehr さっぱりした, wie man in Japan so sagt. Mein Highlight war unser Eimer voll Gemüse (Bildquelle), der übrigens die verwechselte Bestellung war XD

Alles nicht billig, die Portionen auch nicht riesig, aber damit hatten wir gerechnet. Die Cocktails waren sehr lecker und man hatte eine große Auswahl an interessanten Fruchtcocktails mit z.B. Kiwi, auf die ich total stand. Am Ende waren wir angenehm satt, nicht zum Bersten gefüllt, ein Eis oder so hätte noch gepasst. Vielleicht also genau richtig.

Was uns dann am Ende jedoch ein wenig aufstieß, waren zwei Posten auf unserer Rechnung: チャーム chāmu und アクアリウムチャージ akuarium chāji.

Kommen wir zum ersten Posten, チャーム. Ich weiß, dass es Gang und Gäbe in den beliebten Vierteln Tōkyōs ist, dass man zum Abend hin eine Art Sitzgebühr bezahlt. Sie kommt in Form eines kleinen Salates oder anderen Snacks vor dem bestellten Essen. Ich weiß es, aber ich hasse es! Was soll der Scheiß? Ihr verdient an so einem Abend mehr als genug an mir, muss das da echt noch sein? 540 Yen pro Person dazu auch noch in diesem Restaurant! Das sind 4 € pro Person, nur um sich hinsetzen und einen Minisalat essen zu dürfen, den man gar nicht haben will!

Der zweite Posten, アクアリウムチャージ, schmiss mich dann aber fast aus meinen Latschen. Zuerst schauten wir nicht richtig hin und sahen nur das アクア, die japanische Umschrift für Aqua. Mussten wir etwa unser Leitungswasser bezahlen? Davon habe ich ja in Japan noch nie was gehört, und doch schien es gerade für Shinjuku im Bereich des Möglichen zu liegen. Wir schauten genauer hin. Nein, wir mussten nicht für unser Leitungswasser bezahlen. Der Posten war eine Aquariumsgebühr. Ja, ihr lest richtig, eine AQUARIUMSgebühr in einem AQUARIUMSrestaurant. 200 Yen. Das sind umgerechnet zwar nur etwa 1 € pro Person, aber zusammen mit der ersten Gebühr sind wir schon bei 10 € für zwei Personen, nur um das Restaurant betreten und Platz nehmen zu dürfen! O_o Dafür kann ich in anderen Restaurants schon ein ganzes Essen bezahlen! Das finde ich doch dann sehr krass! In einem Aquariumsrestaurant sollten die Aquarien und auch die Sitzplätze keine Extras sein, die ich bezahlen muss. Zumal wir nicht mal neben einem Aquarium saßen! Meine Begleiterin hatte ein Aquarium im Rücken und den ganzen Abend gar nichts davon!

So hatte dieser Besuch einen wirklich faden Nachgeschmack. Und das ist doch so schade! Hätte dieser Hinweis irgendwo auf der Homepage gestanden oder hätte man uns das wenigstens beim Überreichen der Speisekarten mitgeteilt, dann hätten wir uns wahrscheinlich weniger abgezockt gefühlt. Versteckte Kosten machen einem immer irgendwie ein schlechtes Gefühl. Ist man auf diese zusätzlichen Kosten vorbereitet, kann man da mit einer ganz anderen Einstellung rangehen. Man hatte die Chance, sich zu entscheiden, ob man mit diesen Kosten leben kann oder nicht. Doch wir konnten so nur noch diskutieren, mussten am Ende trotzdem zahlen und ein schöner Abend war irgendwie versaut … Wirklich, wirklich schade!

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“Joa, dann sind Sie wieder gesund”, …

… erklärte mir mein Arzt, nachdem er mich einmal beide Füße nach oben ziehen und nach unten strecken ließ. Na, wenn das der Herr Doktor so mit einem Mal schräg hingucken entscheiden kann, ohne auch nur daran zu denken, mich selbst zu fragen, ob ich noch Schmerzen habe, dann wird er doch recht haben, oder etwa nicht? Wo er doch auch schon seit Wochen den Verdacht hat, ich würde mir die Schmerzen nur noch einbilden.

Aber das ist schon in Ordnung so. Ich habe jeden einzelnen Termin bei ihm gehasst. Zur Reha bin ich gern gegangen, denn die Krankenschwestern waren immer sehr nett und die Therapie hat auch jeweils nur rund 10 Minuten gedauert. Dennoch werde ich sie nicht vermissen, denn es hat mich jeden Tag eine dreiviertel Stunde mehr zur Arbeit gekostet, wenn ich vorher noch zur Reha gegangen bin, was natürlich in spätere Heimfahrten resultierte. Ich habe hin und wieder immer noch Schmerzen, besonders, wenn es kalt ist, aber den Großteil des Tages bin ich schmerzfrei. Mein Doktor meinte, ich sollte jetzt sogar ohne Probleme joggen können, aber ich glaube, ich versuche es erst mal wieder mit Yoga. Wir wollen ja nicht gleich übertreiben, und der treffsicherste mit seinen Diagnosen war er ja eh nie.

Aber Sport, ja, den habe ich bitter nötig, denn nach knapp 5 Monaten fast vollkommener Bewegungslosigkeit ist meine Konstitution derbst im Arsch. Dabei war ich vor dem Unfall gerade in so einem schönen Rhythmus mit meinen Yoga-Einheiten drin T^T

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