Odyssee am Ticketschalter

Die Golden Week ist wieder da – eine Aneinanderreihung von so vielen Feiertagen, dass man mit nur ein paar Urlaubstagen für die Brückentage eine richtig lange Pause von der Arbeit einlegen kann. Wenn man denn darf. Letztes Jahr fiel die Golden Week für mich ja ins Wasser, aber dieses Jahr haben Kei und ich BEIDE freibekommen! 10 Tage am Stück ( ̄▽ ̄) Und so eine Gelegenheit will man natürlich nicht ungenutzt lassen, also haben wir eine kurze Reise nach Kobe 神戸 gebucht. Und genau hier beginnt unsere heutige Geschichte.

Da sich in der Gaming-Branche Pläne oft sehr kurzfristig ändern, wusste ich lange nicht, ob ich mir wirklich freinehmen kann oder doch wieder die GW reinkommen muss. Die Damen und Herren Planer kästen sich mit ihrer Entscheidung auch lange nicht aus, und so fiel das finale Urteil erst vor knapp 1 1/2 Wochen. Da in der GW ganz Japan unterwegs ist, kann man es schon fast als Wunder bezeichnen, dass Kei noch am selben Abend, an dem ich ihm die freudige Nachricht überbrachte, ein halbwegs günstiges Hotelzimmer ergattern konnte. Fehlten nur noch die Tickets für den Shinkansen, die wir auch schnell online buchten. Nicht bei JR direkt, dafür sind die nicht modern genug. Die Homepage, auf der wir bestellten, sagte uns aber, wir könnten die Tickets in Shinjuku abholen. Da bin ich eh jeden Morgen, also sehr praktisch für uns. Und hier ging also meine Passierschein-A-38-Odyssee dann los.

Am ersten Schalter, den ich gleich am Tag nach der Bestellung aufsuchte, wollte man nur Tickets für den selben Tag verkaufen, schickte mich aber zu einem anderen Schalte eine Etage weiter hoch. Dort würde ich meine Tickets bekommen. Der Schalter war auch gleich drei Mal so voll, aber nach einer halben Stunde war ich endlich an der Reihe. Doch die Dame dort behauptete, sie könne mir meine Tickets nicht geben. „Und wo kann ich die Tickets dann bitte abholen?“, fragte ich etwas verwirrt. „Das kommt auf das Gebiet an, in das Sie fahren.“ – „Ich will nach Kobe.“ – „Kobe … Westjapan also“, murmelte sie. „Also die gibt es hier nicht.“ – „Und wo dann?“ – „Das weiß ich leider nicht. Gucken Sie doch mal auf die Homepage! Tschüß!“, fertigte sie mich abO_o Für eine Dame im japanischen Service war sie reichlich unhöflich, muss ich sagen. Aber gut, dann muss Kei sich verlesen haben und es war doch nicht Shinjuku. Ich machte mich erst mal auf den Weg zur Arbeit.

Abends guckten wir dann zusammen noch mal auf die Homepage und da stand es: Shinjuku, Ticketschalter am Südausgang. Aha. Ich hatte den am Westausgang aufgesucht. Na geil, gibt es jetzt hier für jedes Ticket einen eigenen Schalter? Der Bahnhof Shinjuku ist zudem riesig und der Südausgang vom Westausgang unglaublich weit entfernt. Aber gut, es hilft ja alles nichts. Am nächsten Tag versuchte ich mein Glück erneut.

Reichlich verwirrt schob ich mich durch die Passagen des Bahnhofs Shinjuku, in die es mich normalerweise eher nicht treibt. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich endlich da. Dachte ich. Es stand zwar Südausgang an der Ticketkontrollschranke in der Nähe, aber der Ticketverkauf war wohl der vom Südostausgang oder so. Natürlich hatte ich wieder rund eine halbe Stunde anstehen müssen, um das in Erfahrung zu bringen. „Warum können Sie mir die Tickets nicht einfach hier ausdrucken? Ist doch dasselbe System.“ – „Weil es auf das Gebiet ankommt, in das sie wollen.“ Na ja, es war einen Versuch wert😛

Nach weiteren 10 Minuten Irrweg war ich endlich, endlich, endlich am Ticketschalter am Südausgang. Ganz wie zu erwarten war es auch dort voll. Es verging eine weitere halbe Stunde, bevor ich dem Herrn am Schalter schon leicht entnervt bitten konnte, mir meine Tickets zu geben. „Oh, aber Tickets nach Kobe können Sie hier nicht abholen.“ Ich musste drei Mal tief Luft holen, bevor ich durch zusammengebissene Zähne zischen konnte „Und wo kann ich die bitte abholen???“ Ich muss dem Herrn etwas Angst gemacht haben, denn er stotterte „D-Das mü-müsste auf der Homepage stehen.“ – „DA STAND ‚JR-TICKETSCHALTER SÜDAUSGANG‘!!!“, fauchte ich. Ich weiß, ich weiß, die Leute im Service können nichts dafür, aber ich kam mir an der Stelle einfach nur noch so verarscht vor. Der Herr entschuldigte sich daraufhin erst mal kurz, huschte nach hinten, kam nach rund 5 Minuten zurück und erklärte mir mit ernster Miene: „Tickets nach Westjapan können Sie nur an einem Bahnhof in Westjapan abholen.“

Ich musste kurz innehalten und verarbeiten, was man mir da gerade gesagt hatte, und fasste noch mal zusammen: „Wollen Sie mir sagen, ich muss nach Westjapan fahren, um meine Tickets nach Westjapan abzuholen?“ Genau das wollte er mir damit sagen. Wartet, es kommt noch besser. Meine nächste Frage lautete: „Was ist denn der nächste Bahnhof in Westjapan, an dem ich meine Tickets bekommen könnte?“ – „Kobe!“, antwortete er frei heraus, scheinbar ohne sich der Absurdität der Situation auch nur im Geringsten bewusst zu sein. „Sie wollen jetzt also, dass ich nach Kobe fahre, um meine Shinkansen-Tickets nach Kobe abzuholen?“, fragte ich weiter. Da schien ihm zum ersten Mal aufzufallen, wie bekloppt das Ganze gerade war. Aber lasst euch nicht täuschen. Der Herr hat in der Tat keinen Fehler gemacht. Es mag bekloppt sein, aber anscheinend kann man Tickets nach Westjapan, die man auf der besagten Homepage bestellt, wirklich nur in Westjapan abholen. Es gibt auch Tickets, die man in Shinjuku am Südausgang abholen kann, aber Tickets nach Westjapan gehören nicht dazu. Ich habe absolut keine Ahnung, wer sich diesen Schwachsinn ausgedacht hat, doch so blieb mir nichts anderes übrig, als an Ort und Stelle neue Tickets zu kaufen – war ich froh, dass sie noch welche hatten – und zu hoffen, dass man die Onlinetickets noch canceln konnte. Konnte man. Durch einen überaus erbosten Anrufen von Kei auch gebührenfrei ^^;

Und somit stand unserer Reise nichts mehr im Weg, aber wenn ich aus diese Odyssee eins mitgenommen habe, dann das: Kauft euch eure Tickets lieber gleich direkt am JR-Schalter orz

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[Unterwegs] Auf den Shōtōsan

Flo war wieder in Japan, und wie immer haben wir unser Ritual eingehalten: Während sie da ist zusammen einen Berg besteigen. Unsere Wahl fiel auf den 生藤山 shōtōsan, denn er versprach nicht nur eine fantastische Aussicht auf den Fuji-san, sondern auch eine von Kirschblüten gesäumte Allee auf dem Weg nach oben – für die Kirschblütenzeit natürlich PERFEKT! Doch leider, leider, leider hatten wir kein Glück mit dem Wetter am Wochenende unserer Wahl – wobei das Wochenende an sich keine große Rolle spielte, denn ich kann mich ehrlich gesagt in letzter Zeit an kein Wochenende erinnern, das nicht irgendwie verregnet war. Es nieselte und es war erschreckend kalt. Ich hatte mir zu meinen sommerlich kurzen Bergsteigehosen zum Glück noch ein paar Thermoleggings besorgt, ich wäre ansonsten erfroren. Aber von Anfang an.

Vom Sagamiko 相模湖, einem See hier in Sagamihara 相模原 aus, kann man sich auf den Weg zu einer Vielzahl unterschiedlicher Bergspitzen machen. Für den Shōtōsan fährt man bis zum Bahnhof Fujino 藤野 und lässt sich von dort aus mit dem – wie immer sehr selten fahrenden – Bus bis zum Eingang des Berges an der Busstation Kamazawa 鎌沢入口 bringen. Dort erwartete und erst einmal eine DurchgangssperreO_o Die Brücke sei instabil, obwohl sie doch ganz stabil wirkte. Überzeugt, dass die Sperre nur für Autos gedacht war, gingen wir einfach trotzdem über die Brücke und brachen nicht ein😛 Das fehlt mir noch, dass ich mich nach fast 2 Stunden Fahrt von so einem doofen Schild vom Ziel abhalte!

Im Anschluss ging es durch das tiefe, tiefe inaka 田舎 – japanisch für ländliches Gebiet, aber irgendwie drückt das Wort inaka einfach so viel mehr aus. Über Landflucht hört man in Japan viel. Laut der Statistik ist Tōkyō die einzige Stadt, die eine konstante Zunahme an Bewohnern verzeichnen kann. Auf dem Land will kaum einer mehr leben. Kein Wunder, denn hier gibt es kaum Jobs. Welche Ausmaße das inzwischen erreicht hat, das merkt man allerdings wirklich erst, wenn man sich durch eben so ein verlassenes und dadurch auch heruntergekommenes inaka schlägt. Der Großteil der Häuser steht leer, um viele Felder kümmert sich niemand mehr. Wir sind auf unserem langen Fußweg bis zum Fuß des Berges nicht einem einzigen Anwohner begegnet.


Am Fuß des Berges gab es wie immer einen kleinen Schrein, der im vernebelten Nieselregen überaus gespenstisch wirkte.

Generell verlieh der Nebel all meinen Bildern eine Ghibli-artige Atmosphäre, was mich sehr freute. Photos im Sonnenschein, das kann ja jeder ( ̄▽ ̄)


Die Kirschblütenalle war leider ein kompletter Reinfall.

Ich rede hier nicht nur vom Nebel. Wo bitte sind die Kirschblüten? Hallo?O_o Ein Stückchen weiter unten hat es noch welche gegeben.

Aber auf der Kirschblütenpromenade herrschte auf einmal Leere. Es war hier wahrscheinlich doch einfach noch zu kalt für die zarten Blüten. Ich kann es ihnen nicht verübeln, hatte ich doch bereits meinen Schal fest um mich geschlungen und meine Handschuhe ausgepackt.

Unser Wanderbuch führt den Shōtōsan wieder als Anfängerberg und veranschlagt für die Route rund 4.5 Stunden. Schlagen wir rund 2 Stunden drauf und wir sind bei dem, was wir ungefähr gebraucht haben. Diese Wanderbücher müssen echt anfangen, ein paar Pausen mit einzurechnen! Von allen Bergen, die wir bisher gemeistert haben, war dieser auch mit der anstrengendste. Anfängerberg, okay, gut, aber Kraft braucht man, besonders für den Abstieg, denn dort ging es wahnsinnig steil runter und der Muskelkater bildete sich schon noch beim Runterklettern. Auf der Route, die wir genommen haben, erklimmt man insgesamt zwei Gipfel und ist beim Höchsten, dem Kayamaru 茅丸, auf 1019 Metern. Da kann es im April schon noch kalt sein und ich war froh über jede Extralage an Klamotten, die ich eingepackt habe ^^; Auf der Spitze legten wir dann eine etwas längere Essenspause ein, und tja … hier hätten sie eventuell den Fuji sehen können:

Dann eben nicht😛 Und hey, ich will mich nicht beschweren: Immerhin hatte es aufgehört zu regnen. Und wie oft hat man schon die Gelegenheit, so atmosphärische Photos wie diese hier zu schießen:



Im Nachhinein betrachtet kommen die zwei Extrastunden, die wir für den Aufstieg gebracht haben, vermutlich von den vielen Photopausen, die ich eingelegt habe😛 Aber ich bin meinen beiden Klettergefährten sehr dankbar, dass ich mir nicht ein einziges Wort der Beschwerde anhören musste😉

90% des Abstieges sahen dann so aus:

Ging das auf die Oberschenkel! Die restlichen 10% hing man an Bäumen und Steinen und hoffte, dass die Wanderschuhe so rutschfest sind, wie es einem versprochen wurde. Der Abstieg hat wirklich mit am meisten Kraft gekostet und es gab nur wenige Stellen, an denen man sich ausruhen konnte, ohne seitlich weiterzurollen😛 Aber irgendwann hatten wir es geschafft und hatten wieder feste Straße unter den Füßen. Und immerhin: keine Blutegel-Attacke!

Der Straße folgend stießen wir bald auf den schicksten Rastplatz, den ich je am Fuß eines Berges gesehen habe. Warum habe ich nur kein Photo gemacht?O_o Aber es gab viele Bänke, einen riesigen Tisch, Toiletten mit BEHEIZTEN Klobrillen und ein Schild mit der Telefonnummer eines Taxiunternehmens. Wir wollten noch wie immer ins onsen und hatten nun die Wahl, rund 40 Minuten bis zum Bus zu laufen, zum Fujino-Bahnhof zurückzufahren und von dort einen anderen Bus bis zum onsen zu nehmen, oder uns ein Taxi zu rufen und uns direkt zum onsen fahren zu lassen. Erschöpft entschieden wir uns für die zweite Variante. Das Taxi kostete uns dann allerdings rund 5000 Yen (etwa 40 Euro) ^^; Durch drei geteilt schmerzte das Fahrtgeld nicht mehr ganz so doll.

Wir hatten zwei onsen zur Auswahl und entschieden uns aufgrund der besseren Bewertungen für das Higashi Otaru no Yu 東尾垂の湯 – ich kann es wärmstens empfehlen. Aber wie fast immer im inaka: Eure Tattoos müssen leider draußen auf euch warten😛

Leider konnte das onsen dieses Mal einem ausgewachsenen Muskelkater, mit dem ich mich ganze drei Tage herumschleppte, nicht vorbeugen. Na gut, wer weiß, wie schlimm er ohne onsen gewesen wäre … Aber das war wirklich ein Abstieg, der sich gewaschen hatte. Man könnte natürlich am Gipfel Shōtōsan einfach umdrehen und den Weg zurückgehen, den man gekommen ist – alles in allem kam er mir weniger steil vor. Persönlich finde ich das aber immer etwas langweilig, weil man den Weg ja schon gesehen hat, und ich bevorzuge daher die Rundtrips. Allerdings muss man dann eventuell eben mit drei Tagen Muskelkater leben ^^;

Unsere Route

 

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Wenn die Kirschblüten wie Schnee von den Bäumen fallen

So plötzlich, wie sie da war, neigte sie sich auch schon wieder dem Ende zu: die Kirschblütenzeit in Japan. Im März noch als „früheste Kirschblüte seit Jahren“ angekündigt, ließ sie sich mit ihren Blüten ordentlich Zeit, und mehrere Anläufe für ein schönes hanami 花見 – Blütenschau – endeten damit, dass wir eher unter Knospen denn wirklichen Kirschblüten saßen. Na ja, solange der Alkohol stimmt …😛

Doch nicht nur die Blüten selbst, das Wetter wollte auch nicht so richtig mitspielen. Eigentlich ist japanischer Frühling doch gar nicht so verregnet, aber dieses Jahr fielen viele meiner hanami schlichtweg und wortwörtlich ins Wasser.

Mittwoch letzte Woche unternahm ich in der Mittagspause mit meinem Kollegen dann doch noch mal einen Versuch, ein richtiges hanami im Shinjuku Gyoen zu haben, und siehe da: Kirschblüten so weit das Auge reichte. Vier Kartons Pizza und ein Platz in der Sonne – die Mittagspause hätte gar nicht besser werden können.

 

Was wir allerdings auch schon beobachten konnten: sakura fubuki 桜吹雪, wie Schnee von den Bäumen fallende Kirschblütenblätter. Die hanami-Saison bewegt sich auf ihr Ende zu, und auch das hat seinen ganz eigenen Reiz.


Was schließt sich an die hanami-Saison an? Voraussichtlich ein von den Temperaturen her noch sehr erträglicher Mai mit einer Golden Week, die dieses Jahr 1o Tage (!) dauert, kann man sich den Montag und Freitag der entsprechenden Woche zusätzlich freinehmen. Im Juni wird die Regenzeit einhalten und diese furchtbare Luftfeuchte mit sich bringen, die einen hier im Sommer für Monate „erfreut“. So richtig erträglich wird es dann wohl erst wieder im September/Oktober werden. Was ich damit eigentlich nur sagen will: Genießt das derzeit wirklich angenehme Wetter, so lange ihr könnt!!!

Und wer sich jetzt fragt „Wie habt ihr es bitte zur Mittagszeit in den Shinjuku Gyoen geschafft?!?!“: „Seiteneingang“ heißt das Zauberwort. Am Haupteingang hätten wir sicher eine gute Stunde angestanden – durch Taschenkontrolle und Ticketkauf hatte es sich dort bei unserer Ankunft schon wahnsinnig gestaut -, aber an den anderen Eingängen ging es trotz gleichem Prozedere ruckzuck voran!

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Wir wagen einen neuen Anlauf

Zwei Jahre ist es nun bald her, dass der Europäische Gerichtshof entschieden hat, dass das Design des deutschen Reisepasses geändert werden muss, um der Geb-Verwirrung im Ausland ein Ende zu machen. Seitdem hat sich jedoch nichts getan …

Nun wollen wir einen weiteren Anlauf starten, dieses Mal auf japanischer Seite. Denn an der ganzen Geb-Wurst (Genaueres HIER) sind ja nicht nur die deutschen Behörden schuld. Eine nach ihrer Eheschließung nun auch mit dem Geb gestrafte Dame hat einen Termin mit einem japanischen Politiker organisieren können, so dass wir die Chance erhalten, uns mal an anderer Stelle als nur der Immigrationsbehörde, unseren Rathäusern und dem zuständigen Ministerium Gehör zu verschaffen. Unter anderem wollen wir auch beweisen, dass Interesse an dem Problem da ist, und das macht man am besten mit einer Petition. Wer uns unterstützen will, bitte einmal unterschreiben: KLICK

Wer kein Japanisch kann: Rechts ins erste Feld nichts eintragen, ins zweite den Namen. Bei メール bitte eine E-Mail-Adresse eintragen. 国 fragt nach eurem Land. Sucht nach ドイツ für Deutschland (ist ungefähr in der Mitte), 日本 für Japan, スイス für die Schweiz, オーストラリア für Österreich … öh … ja, wer weiß, wo ihr euch alle rumtreibt😛 Wer noch ein anderes Land braucht, bitte in den Kommentaren verewigen😉 Daneben packt ihr eure Postleitzahl und darunter dann eure Stadt, schon seid ihr fertig. Unterschreiben können natürlich nicht nur Betroffene, sondern alle, die dies als Missstand ansehen, der geändert werden sollte😉 Am 12.04., also nächste Woche schon, wollen wir dem Politiker die Unterschriften dann vorlegen. Ob es was bringt? Wir werden es erleben. Aber es kann zumindest nicht schaden, den Leuten begreiflich zu machen, dass es sich hier tatsächlich um ein Problem handelt, und nicht um eine eigensinnige Nörgelei.

Für mehr Infos:

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春が来た? – Ist denn schon Frühling?

Gestern feierte Japan 春分の日 shunbun no hi, den Tag der Frühlings-Tagundnachtgleich und damit den Beginn des Frühlings. Was macht man an dem Tag? Sich freuen, dass er als Feiertag in die Nachkriegszeit gerettet wurde und ihn genießen😛 Was macht man, wenn der Tag auf einen Sonntag fällt? Sich freuen, dass es in Japan furikae kyūjitsu 振替休日 gibt, der einen freien Tag garantiert, sollte ein Feiertag auf einen Sonntag fallen😉

So richtig mag das Wetter beim Frühling aber noch nicht mitspielen. Ist es an einigen Tagen schon sehr warm, fallen die Temperaturen kurze Zeit später in den einstelligen Bereich zurück. Begleitet wird das von einem Regen, der sich irgendwie immer das Wochenende auszusuchen scheint -.- So hatte auch dieses Wochenende eher wenig begeisterndes Wetter. Und heute war es sogar so kalt, dass ich meine in offensichtlich geistiger Umnachtung schon weggepackte Winterjacke wieder rauskramen musste *grummel* Die Kirschblüte hält das allerdings nicht davon ab, dieses Jahr so früh zu blühen wie seit Langem nicht: in Tokyo ab heute nämlich. So habe ich dann auch schnell ein Lunch-hanami – Blütengucken zur Mittagszeit – mit meinen Kollegen im Shinjuku Gyoen 新宿御苑 ausgemacht für morgen, den einzigen Tag, an dem es nächste Woche irgendwie ordentlich Sonne geben soll. Wehe es blüht noch nichts😛


Die Kirschblütenfront, wie sie sich von Süden nach Norden zieht und auch verzieht. Bei uns soll es schon Ende März vorbei sein.

Wie auch immer ich es geschafft habe, aber von der Übermacht des sakura-Kommerzes bin ich dieses Jahr irgendwie verschont geblieben. Das fiel mir auch erst auf, als ich mir heute einen oi-ocha aus dem Automaten zog. Hat die Flut an sakura-Produkten tatsächlich abgenommen oder bin ich die letzte Zeit nur mit Scheuklappen durch die Gegend gelaufen?😛

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[Unterwegs] Auf Odaiba

An seinem Geburtstag musste Kei leider arbeiten, dafür hatten wir aber für den nächsten Tag einen Tagesausflug geplant, und zwar nach Odaiba お台場. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie auf Odaiba war – einmal war ich dort auf der Geburtstagsfeier eines Kollegen, aber da habe ich nichts von der Umgebung gesehen, das zählt also nicht.

Odaiba ist eine künstlich angelegte Insel in der Bucht von Tokyo und beliebtes Ausflugsgebiet für alle, denen der Sinn nach Unterhaltung und/oder Shopping steht. Und Attraktionen gibt es wirklich mehr als genug – ich glaube nicht, dass man alles an einem Tag schaffen kann. Spielhallen, Museen, mehrere Einkaufstraßen- und zentren, Parks, ein Strand und vieles mehr.

Zu allererst muss man sich aber mit der yurikamome-Linie ゆりかもめ線 bis ins Standzentrum bringen lassen. Von dort aus kann man dann entweder zu Fuß oder wieder mit der Bahn alle Attraktionen ansteuern.


Blick aus der Bahn von der Rainbow Bridge aus

Quasi zufällig stolperten wir in das Megaweb, einer Ausstellungshalle des Autoherstellers Toyota, die sich in der Palette Town befindet. Persönlich kann ich mit Autos jetzt nicht so viel anfangen, aber es war ja Keis Geburtstag und der war ganz hin und weg😛
 

Es gab viele Autos zum Angucken und auch einen ganzen Haufen zum Probesitzen. Zudem viele Testfahrten, die man machen kann. In diesem Simulator hier ging es z.B. um Fahrtsicherheit, die alle Fahrer ignoriert und in ihrem Geschwindigkeitsrausch links und rechts alles umfuhren😛 Wenn man entweder sehr früh kommt oder vorher online bucht, kann sich sogar ein richtiges Toyota-Auto zu einer Probefahrt ausleihen. Allerdings nur auf einer festen Strecke und nicht quer durch Odaibai. Buuuh!

In der Palette Town befindet sich zudem die Venus Fort, ein Einkaufszentrum, das an Venedig erinnern soll. So eine japanische Vorstellung von Venedig. Die Deckenbemalungen fand ich zwar sehr schön, aber damit sie richtig hervortreten, war das ganze Einkaufzentrum ziemlich dunkel gehalten und ich dadurch die ganze Zeit irgendwie müde ^^;


Aber es gab ein paar interessante Läden und das Wichtigste: Kei fand etwas, das ich ihm zum Geburtstag schenken durfte😛

Im Anschluss setzten wir uns noch ins daikanransha, einem der größten Riesenräder der Welt. Eigentlich wollten wir ja auf den Sonnenuntergang warten, allerdings war es noch so früh, dass es bis dahin noch ein paar Stunden war und wir hatten eigentlich noch ein paar andere Anlaufstellen. Dann eben Sicht von oben auf Odaiba im Tageslicht!



Die Fahrt mit dem Riesenrad muss ich als leicht nervenaufreibend einstufen. Als wir dort waren, war es wahnsinnig windig und unsere Gondel schaukelte bedrohlich hin und her – am höchsten Punkt auf immerhin 115 Metern. Ich war doch recht froh, als wir wieder unten waren.

Wir nahmen dann die Bahn zum Odaiba Seaside Park, um dort einen Spaziergang am Strand zu machen. Das Wetter war toll und es waren viele Leute unterwegs, die Strand und Meer bevölkerten. Trotzdem kam es mir überhaupt nicht überfüllt vor, und das ist für ein beliebtes Ausflugsgebiet in Tokyo nun wirklich was Besonderes.

Im Hintergrund seht ihr die Rainbow Bridge. Für mich ist ja mit einem Trip zum Strand schon jeder Ausflug ein gelungener😉 Schwimmen ist hier aber wohl verboten, an dem Tag war es allerdings eh viel zu kalt. Es war aber warm genug für ein paar früh blühende Kirschblüten.

Langsam hing uns der Magen in den Kniekehlen, aber wir konnten den Spaziergang natürlich nicht abschließen, ohne wenigstens einen Blick auf die Nachbildung der Freiheitsstatue geworfen zu haben.

Zum Glück befand sich dort gleich hinter uns schon das nächste Einkaufszentrum mit einer ganzen Etage an Restaurants. Ich überließ Kei die Wahl und wir landeten im wohl kitschigsten Themen-Restaurant, in dem ich je war: bei King of the Pirates. Kitschige Deko und Kellner in offensichtlich billigen Kostümen? Das kann nur klasse werden! Und für den Großteil unseres Besuches war es das eigentlich auch.

Das Essen war leicht überteuert, aber das bin ich von Themenrestaurants hier gewohnt. Es war allerdings auch lecker und die Cocktails für Japan ungewohnt stark. Da hatte einer nicht am Alkohol gespart. An warmen Tagen kann man sich auch draußen auf die Terrasse setzen und die Blick über Odaiba genießen, aber dafür war es an dem Tag einfach zu kalt.

Bei Ankunft wies man uns, wie in den meisten Restaurants, darauf hin, dass wir den Tisch nur für 2 Stunden haben könnten. Kein Problem, kennt man ja. Schon begannen wir, fröhlich und ohne große Zurückhaltung die Karte hoch und runter zu bestellen. Für ein Geburtstagsessen kann man das mal machen. Nach einer Stunde, wir hatten gerade aufgegessen und überlegten uns, ob wir uns noch ein Dessert bestellen wollten, kam der Kellner und wies uns darauf hin, dass wir bald unsere letzte Bestellung abgeben müssten. Verdutzt blickte ich auf meine Uhr. Hatte er nicht was von 2 Stunden gesagt? Gut, wahrscheinlich stehen die Leute draußen schon wie wahnsinnig Schlange, eine halbe Stunde werden wir ja wohl noch haben. Ich bat den Kellner daher, uns noch mal die Getränkekarte zu bringen, damit wir Nachtisch und Getränk in einem Abwasch bestellten konnten. Der Kellner sog scharf Luft ein, blickte auf seine Uhr, legte den Kopf zur Seite und meinte „Ich glaube nicht, dass noch Zeit für ein letztes Getränk ist.“ … Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Der Kellner machte auch wirklich absolut keine Anstalten, uns die Karte noch mal zu bringen und warf uns damit allen Ernstes nach nur einer Stunde aus dem Laden! Kei und ich schauten uns baff an, schauten baff den Kellner an, schauten wieder baff uns an. Kei ließ dann die Rechnung kommen – natürlich hätten wir diskutieren und auf unsere 2 Stunden bestehen können, aber wer will an so einem Ort noch mehr Geld ausgeben, als er bereits hat? Wir waren immerhin schon bei einer Rechnung von 10.000 Yen – rund 80 Euro für zwei Personen! Und an dieser Stelle bereute ich jeden Yen, den wir dort ausgegeben hatten. Service ist eben auch in Japan nicht überall bombig. Wenn ihr also in Odaiba seid und nach einem guten Restaurant sucht: das hier gehört nicht dazu. Was für ein enttäuschender Abend für einen so tollen Tag. Aber natürlich ließen wir uns davon nicht die Laune verderben und kauften einfach für den Rückweg von Shinjuku aus leckeren Kuchen, den wir im romance car verspeisten😛 Tja, lieber „King of Pirates„-Staff, das Geld hätte auch noch in eure Kassen wandern können, aber jetzt bin ich froh, dass es das nicht getan hat!

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Mit Absicht?

Seit Kurzem gibt es eine interessante Kollaboration in den japanischen conbini und Supermärkten zu erstehen: Die „Zitrone der Liebe“-Kollektion, 恋のレモン koi no lemon. Eine Packung Pocky midi Zitrone und den neuen „Teagurt“ von 午後の紅茶 gogo no kōcha, und man kann aus beiden Produkten eine niedliche Liebesszene erstellen:

Okay, das ist jetzt süß, aber so richtig interessant eher nicht, oder? Aber schaut mal, was mit den Produkten auch möglich ist.

Gleichgeschlechtliche Paare! Und das ist für ein Land wie Japan, in dem die LGBT-Community doch noch stark unterrepräsentiert ist, doch schon fast revolutionär. Aber war das Ganze auch so beabsichtigt oder hat einfach jemand in der Marketing-Abteilung nicht aufgepasst? Ein Blick auf die Produkt-Homepage verrät mehr:

Von den 12 dort vorgestellten Paaren sind doch tatsächlich 5 gleichgeschlechtlich. Doch bevor wir hier in Euphorie ausbrechen, schauen wir doch mal, welchen Titel diese Pärchen tragen:

– 友達の彼氏 – „Reden wir über den Freund einer Freundin“
– キミが好き – „Ich mag dich“
– あっちむいてホイ!- Ein beliebtes japanisches Kinderspiel
– 先輩の助言 – „Rat von Sempai“
– だれのケーキ – „Für wen ist der Kuchen?“
– 友達はライバル – „Rivalitäten zwischen Freunden“

Einer aus fünf. Die Titel der gleichgeschlechtlichen Paare haben andererseits fast alle etwas mit Liebe zu tun. Und auch das „Ich mag dich“-Pärchen büßt leider etwas ein, wenn man runter zu den Charakterbeschreibungen scrollt, denn dort steht, die beiden seien „nur“ 仲良し nakayoshi, „gute Freunde“.

Aber egal, ob beabsichtigt oder nicht, Twitter verrät mir, dass sich viele in Japan über all die Kombinationsmöglichkeiten freuen😀 Man muss es den Firmen auch zugute halten, dass sie nicht einfach ein Produkt nur mit den Männer und das andere nur mit den Frauen bedruckt haben. Vielleicht steckt doch mehr Absicht dahinter, als es scheint😉

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