[Über Japan] Sommer-Gimmicks: Getränkesöckchen

Habt ihr in Japan schon einmal diese lustigen Söckchen zu Gesicht bekommen und euch gefragt, welchen Sinn und Zweck sie erfüllen?

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Ich nennen sie “Getränkesöckchen”. Auf japanisch heißen sie ganz langweilig ペットボトルカバー pettoboteru kabā – “Plastikflaschenüberzug”. Und genau das sind sie: Überzüge für kleine Plastikflaschen. Im Sommer gibt es sie als Gimmick beim Kauf einer Vielzahl von Getränken dazu, derzeit z.B. bei Oi-ocha お〜いお茶. Und was macht man nun mit ihnen? Seine Plastikflasche anziehen natürlich :P

DSC03031Kauft man sich in Japan unterwegs an einem Getränkeautomaten oder in einem konbini eine gekühlte Flasche seines Lieblingsgetränks, dann fängt diese an der heißen Luft draußen sofort an zu schwitzen. Und zwar wie wahnsinnig. Das ist natürlich überaus praktisch, wenn man die Flasche eigentlich gerne in seiner Handtasche verstauen möchte – so neben Smartphone, Kindle und anderem Kram. Und da kommen die Söckchen ins Spiel. Einfach drübergezogen und das von der Plastikflasche ausgeschwitzt Wasser landet in dem Stoff, nicht in der Tasche. Seit ich die Getränkesöckchen für mich entdeckt habe, habe ich immer eins dabei ( ̄▽ ̄)  Es ist übrigens reiner Zufall, dass alle meine Getränkesöckchen von “Rilakkuma” sind, ich bin kein verrückt gewordener Rilakkuma-Fan XD

Was sich auch gut als Überzug für gekühlte Plastikflaschen eignet: 手ぬぐい tenugui. Aber ich glaube, dazu komme ich mal in einem eigenen Post ;)

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[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Schrein- und Tempel-Overload?

(Den Philosophenweg entlang Teil 1 und Teil 2)

Am anderen Ende des Philosophenweges erwartet einen der Silber-Pavillon. Eigentlich heißt er jishōji 慈照寺, aber so richtig kennen ihn alle nur als den ginkakuji 銀閣寺. Ist auch viel einfacher auszusprechen :P

Anders als beim Goldenen Pavillon erschließt sich beim ersten Anblick jedoch nicht unbedingt, wo das “Silber” im Namen herkommt.

Oder bin ich farbenblind? Aber nein, Wikipedia weiß Rat: Der Goldene Pavillon wurde errichtet vom Großvater des shōgun, der für den Silber-Pavillon verantwortlich ist, und der Name damit eine Hommage an das Andenken seines Großvaters. Beide Tempel wurden damals als Ruhesitz errichtet und gehören heute zur rinzaishū 臨済宗 des Zen-Buddhismus. Das kennen wir doch irgendwo her?

Der ginkakuji steht natürlich auf der Liste beinahe aller Touristen, die nach Kyōto kommen. Dementsprechend voll war es hier dann auch. Nachdem wir den Philosophenpfad fast komplett für uns hatten, gefiel uns das nicht unbedingt ^^; Trotzdem wusste der Garten des Tempels erneut zu beeindrucken. Bekannt ist er einmal für den gishadan 銀沙灘, den “See des Silbersandes”, …

… sowie für die kōgetsudai 向月台, die “Mondschauplattform” …

… welche beide einen sehr schönen Kontrast zum dunklen Pavillon bilden. Durch den Garten hindurch zieht sich ein Weg, auf dem man einmal das gesamte Gelände abspazieren kann.

Blick auf das Gelände

Hier sogar mal mit Erklärung, wo was auf dem shuin steht

Natürlich gab es auch wieder einen shuin 朱印 für meine stetig wachsende Sammlung ( ̄▽ ̄) Ich bat den Herren im allerhöflichsten Japanisch um den Stempel, beantwortete alle seine auf japanische gestellten Fragen auf Japanisch, warf noch ein 「よろしくお願いいたします」 – ein sehr höfliches “pretty please” – hinterher und bekam dann auf English gesagt “You go now look at temple and come back here, then stamp done!” Ich … verstehe dieses Volk manchmal nicht.

Hatten wir danach genug von Schreinen und Tempel? Ein wenig schon. Es war auch bereits nach 17 Uhr – die Sonne verabschiedete sich langsam und wir wollten ja ein wenig was von unserem ryokan haben. Also machten wir uns auf den Rückweg.

Unser ryokan lag etwas außerhalb und wir mussten uns mit einem Bummelzug zu einer Station durchschlagen, an der uns dann der Hotelbus aufsammeln konnte. Der Bummelzug fuhr nur einmal die Stunde und wir hatten ihn gerade verpasst. Was machten wir also, um die Zeit bis zum nächsten Zug zu überbrücken? Richtig, noch einen Schrein angucken :P Hatten wir wohl doch noch nicht genug XD

Es ging zum kitano tenmangū 北野天満宮. Bei den Bäumen auf dem Gelände handelt es sich zum Großteil um Pflaumenbäume, und wenn deren Blüten Ende Februar in voller Pracht stehen, wird hier ein Pflaumenblütenfest veranstaltet zu dem geiko und maiko den Gästen Tee servieren. Im Juni hingegen war auf dem Gelände kaum etwas los, es selbst aber einen Blick wert – auch wenn ich natürlich lieber geiko und maiko gesehen hätte T^T


Der Schrein soll beliebt bei Studenten sein, die hier für Erfolg in ihren Prüfungen beten, denn die Gottheit, der der Schrein gewidmet ist, soll damals in ihrem menschlichem Leben ein Gelehrter gewesen sein.

Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, was mit den ema passiert, die man an einem Schrein hinterlässt? Logisch erscheint mir, dass sie nach einer Weile von den miko abgenommen und in einer Zeremonie verbrannt werden. Ansonsten hätte man ja irgendwann keinen Platz mehr, welche aufzuhängen. Am tenmangū bot sich uns allerdings folgender Anblick:

Massen, wirklich Massen an ema an verschiedenen Gestellen in mehreren Lagen übereinander gehangen. Hätte ich ein neues anbringen wollen, ich hätte gar nicht gewusst wo. Man könnte nun also sagen, dass der tenmangū die ema gerne einfach ganz besonders lange hängen lässt, oder dass hier so viele verzweifelte Studenten um die Hilfe der Götter bitten, dass der Schrein mit dem Aufräumen nicht hinterherkommt XD In jedem Fall ein faszinierender Anblick!

Danach waren wir aber wirklich durch und fix und fertig und todmüde und überhaupt. Im Bummelzug konnten wir zum Glück sitzen und der Bus zum ryokan ließ uns auch nicht lange warten.

Ach ja, einen shuin gab es am tenmangū auch – den wohl einfachsten shuin, den ich bisher gestempelt bekomme habe XD

Na ja, können ja nicht nur Pinselvirtuosen unter den Mönchen sein :P

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[Über Japan] Zikadentheater

Kurz den Müll nach draußen gebracht und da dröhnte es an mein Ohr: das Geräusch meiner ersten Zikade für diesen Sommer.

Zikaden, auf Japanisch semi 蝉 genannt, gehören zum japanischen Sommer dazu wie Hitzschlag und viel zu hohe Luftfeuchte. Auf alle drei Dinge kann ich wahnsinnig gut verzichten. Wenn ich Zikaden höre, fühlt sich der Sommer gleich dreimal so heiß an. Außerdem fallen sie in mein Schema besonders ekliger Insekten – nur Kakerlaken hasse ich noch mehr. Dabei hat bisher noch keine Kakerlake versucht, mir in den Ausschnitt zu fliegen, eine saudumme Zikade aber schon. Ich bin also berechtigt vorgeschädigt. Und dann sind Zikaden auch noch wahnsinnig laut. Wirklich, wirklich laut. So laut, dass ich damals im Sommer 2007 ganz sicher war, einen Hörsturz zu kriegen, als ich mich auch am dritten Tag nach meiner Ankunft noch nicht an das Dauerkonzert vor unserem Zimmerfenster gewöhnt hatte. Hörprobe gefällig?

Den gesamten verdammten Tag und auch die gesamte verdammte Nacht. Nicht umsonst sind diese semi auf Deutsch auch als “Singzikaden” bekannt. Obwohl diese Lärmbelästigung mit singen eigentlich nicht viel gemein hat. Den Krach veranstalten übrigens nur die männlichen Zikaden. Natürlich um eine Partnerin zur Paarung zu finden. Nach rund 5 Jahren unter der Erde kann man es ihnen eigentlich kaum verübeln. Und sie haben ja auch nur einen Monat Zeit dafür, bevor sie tot vom Baum fallen. Im September ist das besonders toll, wenn fragile Zikaden auf heftige Taifune treffen und man sich am nächsten Tag seinen Weg zum Bahnhof über die Kadaver Tausender toter Zikaden bahnen muss *ekel*

Noch hört man die Zikaden nur vereinzelt. Die Frühblüher sozusagen. Aber sie verkünden, dass ich mir bald wieder für ein paar Nächte Ohrstöpsel bereitlegen muss, bis ich mich dann endlich an die Geräuschkulisse gewöhnt habe und sie überhaupt nicht mehr wahrnehme. Sommer ist wahrlich nicht meine liebste Jahreszeit hier -.-‘

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Rentenkassenwirrwarr

Stellt euch vor ihr wollt euch bei der Rentenkasse für die Nachzahlung nicht gezahlter Beiträge anmelden, müsst dafür nachweisen, dass ihr zu einer bestimmten Zeit in Japan wart, seit für den Zeitraum aber nicht im System registriert, weil die Anmeldung für die Rentenkasse damals noch freiwillig für Ausländer war, und habt aber auch euren alten Reisepass nicht mehr. Klingt weit hergeholt? Ist mir genau so passiert.

Ich habe nicht viel Ahnung vom deutschen Rentensystem, also kann ich keine Vergleiche ziehen. In Japan muss jeder, der das 20. Lebensjahr erreicht hat, in die Rentenkasse einzahlen. Kann man das aus finanziellen Gründen nicht, stellt man einen Antrag und wird von der Zahlungspflicht befreit oder darf einen reduzierten Beitrag bezahlen. Für die Nachzahlung nicht gezahlter Beiträge der letzten 10 Jahre kann man sich nun noch bis zum September dieses Jahres anmelden. Und das wollte ich nun tun. Warum? Als Masterabsolventin habe ich erst sehr spät angefangen, in die Rentenkasse einzuzahlen. Also erst letztes Jahr. Davor hätte ich es mir auch gar nicht leisten können – als Student ist man meistens zu arm dafür. Um später den vollen Betrag an Rente ausbezahlt zu bekommen, muss man aber eine bestimmte Anzahl an Jahren in die Rentenkasse eingezahlt haben. 45, um genau zu sein. Viel, wenn man bedenkt, dass die meisten deutschen Studenten damit nicht vor dem 25., aber wohl meist erst Ende ihrer 20iger anfangen. Für mich würde das bedeuten, dass ich erst mit 74 Jahren in Rente gehen könnte ohne Abschläge in Kauf nehmen zu müssen. Das ist 9 Jahre über dem Renteneintrittsalter O_o Nachdem ich diesen Schock verdaut hatte, ging es für mich darum, Wege zu finden, das auf mindestens 70 zu senken. Wenn ich mir die Situation hier so angucke, bin ich sowieso fest der Überzeugung, dass das Renteneintrittsalter bald schon auf 70 angehoben wird, und dann wäre ich wenigstens im Durchschnitt :P Lange Rede, kurzer Sinn: Die Möglichkeit der Nachzahlung kam mir sehr gelegen, denn damit kann ich genau das tun.

Gibt es Zeiträume, die man in Japan verbracht hat, für die man von der Beitragspflicht befreit war, in denen man aber im Rentensystem angemeldet war, geht man einfach zum Rentenbüro seines Bezirks, zum 年金事務所 nenkinjimusho, und beantragt die Nachzahlung. Man kann den ausstehenden Betrag in einem Batzen oder Monat für Monat bezahlen. Der Betrag richtet sich nach dem aktuellen Rentenkassenbeitrag. Ja, hier bezahlt man nicht nach Prozenten, hier bezahlt man einen festen Betrag. Ich glaube, damit schießt sich Japan selbst ins Bein, aber okay.

Gibt es Zeiträume, die man in Japan verbracht hat, für die man von der Beitragspflicht befreit war und in denen man auch nicht im Rentensystem angemeldet war, muss man nachweisen, dass man zum entsprechenden Zeitpunkt in Japan war. Das geht ganz einfach, wenn man zwischendurch nie seinen Reisepass gewechselt hat oder zumindest seinen alten Reisepass noch besitzt. Und das tat ich nun nicht mehr. Dabei war ich mir ganz sicher, ihn noch zu haben, aber er war nirgends auffindbar. Gut, mit all den Umzügen, die ich die letzten Jahre zwischen Deutschland und Japan mitgemacht habe, kann schon mal was verloren gehen, aber das passte nun so gar nicht. Ich musste also einen anderen Weg finden, um nachzuweisen, dass ich von 2007 – 2008 in Japan war.

Recherche im Internet brachte mich nicht weiter. Die meisten Leute hatten eben gut auf ihre alten Reisepässe aufgepasst -.-‘ Meine erste Anlaufstelle war also erst einmal die Immigrationsbehörde, 入国管理局 nyūkoku kanrikyoku. Klingt logisch, oder? Besonders, wenn man bedenkt, dass Japan ja bereits nach Landung von uns Ausländern schon alles an Infos sammelt, was man so sammeln kann. Aber nein, dort konnte man mir nicht weiterhelfen. Man war sogar überaus überrascht ob meiner Frage. So was würde es nicht geben. Könne man sich gar nicht vorstellen. Warum sollte jemand so was brauchen? Nun war ich armer Tor nach einer Stunde Immigrationsbüro so schlau als wie zuvor -.-‘

Was macht man, wenn man in einem Laden beim Verkäufer nicht weiterkommt? Den Manager rufen. (Hab ich persönlich nie gemacht, aber in allen Serien und Filmen läuft es doch immer so, nicht? :P ) Der Manager der Immigrationsbehörde ist das Ministry of Justice, das hōmushō 法務省. Und so nahm ich mir also einen Abend und klickte mich durch deren Homepage. Und da fand ich das hier:

http://www.moj.go.jp/hisho/bunsho/disclose_disclose05-05.html

Einen Antrag zur Offenlegung persönlicher Informationen. Und für Ausländer in Japan bedeutet das immer auch Ankunfts- und Abflugsdatum, sowie Visastatus. Dingdingding! Genau das, was ich brauchte! Mitgeschickt hab ich eine Meldebescheinigung, 住民票 jūminhyō , und einen Auszug aus unserem Familienregister, 戸籍謄本 kosekitōhon – erhält man beides beim Rathaus, 市役所 shiuakusho bzw. 区役所 kuyakusho, seine Bezirks. Und zwei Wochen nach Absenden des Antrages erhielt ich gestern per Post alle notwendigen Unterlagen, um nächste Woche ins Rentenbüro zu gehen und ihnen mit einem lauten “HA!” den Antrag für 2007 – 2008 auf den Tisch zu klatschen! Mann, so viel Aufriss für eine Leistung, die ich freiwillig erbringen will!!! Aber jetzt wisst ihr, wo ihr gucken müsst, falls ihr mal nachweisen müsst, dass ihr in Japan ward ;)

Glaube ich wirklich, dass sich dieser ganze Aufwand gelohnt hat, weil ich dann später ab 70 ordentlich Rente kassieren werde? Keine Ahnung. So wie es derzeit aussieht eher nicht, was? Aber was ist der worst case, wenn ich jetzt das Geld bezahle und später keine Rente kriege? Ich habe umsonst eingezahlt und stehe ohne Rente da. Bezahle ich jetzt und es gibt später doch Rente: Yay, volle Rente! Bezahle ich jetzt nicht nach und es gibt später noch Rente, dann beiße ich mir später in den Arsch. Bezahle ich nicht und es gibt auch keine Rente, dann habe ich nichts umsonst bezahlt, kann mir davon aber auch nichts kaufen außer einen “Haha, ich hab damals 2015 kein Geld für die Nachzahlung verschwendet!” Was ich damit sagen will: Die Vorteile des best-case-scenarios, wenn ich nachzahlen, überwiegen den jetzigen Aufwand und deshalb ziehe ich das jetzt einfach durch. Und selbst, wenn wir irgendwann mal nach Deutschland zurückkehren, waren die Einzahlung durch das schöne Rentenabkommen, das Japan und Deutschland miteinander haben, nicht umsonst. Um das worst-case-scenario abzuwenden – nix, nada, gar nichts mit 70 – werden Kei und ich uns demnächst mal nach privaten Rentenversicherungen umschauen. Mann, erwachsen sein ist ganz schön schwierig -.-‘

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Ein viel zu heißer Tag des Meeres

Heute ist umi no hi 海の日, Tag des Meeres, in Japan. Und was macht man in Japan an solch einem Tag? Wahrscheinlich ans Meer fahren. Denn der Feiertag wurde 1995 eingeführt, um die Marine und das Meer zu würdigen – und um die feiertagslose Zeit zwischen Mai und September ein wenig erträglicher zu gestalten :P Aber wie das in Japan so ist: Wenn man macht, was man an solch einem Tag tun sollte, dann tut man es mit Milliarden von anderen Leuten zusammen. Und darauf hatte ich heute keinen Bock. Hinzu kommen die unerträgliche Hitze (35 Grad bei bestimmt rund 70% Luftfeuchte) und jegliche Aktivitäten draußen kamen für heute einfach nicht infrage. Ach ja, ich werde alt. 2008 hat mir die Hitze zwar nicht weniger ausgemacht, aber ich habe öfters die Zähne zusammengebissen und mich trotzdem nach draußen gewagt :P

S__6094851Stattdessen sind Kei und ich heute zum yakiniku 焼き肉 gegangen. Yakiniku bedeutet übersetzt eigentlich nicht mehr als “gegrilltes Fleisch”. Ursprünglich von koreanischen Einwanderern nach Japan gebracht (so heiß es), wurde der Geschmack über die Zeit an den japanischen angepasst und hat sicher nicht mehr viel mit dem ursprünglichen koreanischen gemein – letzteren Stelle ich mir recht scharf vor ^^;

Beim yakiniku hat man entweder tabehōdai 食べ放題, “iss so viel du willst”, bei der man Fleischportion um Fleischportion bestellen kann bis man platzt, ein festes Menü oder man bestellt einzelne Fleischteller. Gegrillt wird auf dem im Tisch eingelassenen Grill von jedem Kunden selbst.

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Yakiniku ist meist einer der teureren Restaurantspäße, die man sich in Japan geben kann, aber auch einer der für mich persönlich leckersten. Neben verschiedensten Sorten Fleisch gibt es auch immer Gemüse und oft auch Muscheln zum Grillen. Rein in die leckere Soße, falls vorhanden noch in ein Salatblatt einwickeln, und am besten schon die nächsten drei Teller Fleisch nachbestellen :P

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Und mit Muscheln hab ich dann ja auch irgendwie die Verknüpfung zum Tag des Meeres wieder hergestellt, nicht wahr? XD (Die Photos stammen übrigens alle von verschiedenen Besuchen beim yakiniku, das haben wir nicht alles heute gegessen ;) )

Wie man bei diesem Wetter yakiniku ertragen kann? Keine Sorge, in Japan übertreibt man es mit den Klimaanlagen sehr gerne. Unser Restaurant heute war auch so kalt, dass ich froh war, als uns der Kellner endlich den Grill anzündete und mich das Feuer wieder etwa enteiste *seufz*

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[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (2)

(Teil 1)

Ich hatte erwähnt, dass sich recht und links ab vom Philosophenweg viele Tempel und Schreine finden, ja? Man kann sie auf seinem Weg zum Silber-Pavillon natürlich alle mitnehmen, aber bei einigen lohnt es sich mehr und bei anderen dann doch etwas weniger.

Wir fanden zum Beispiel eher durch Zufall einen relativ kleinen Schrein, der mich vor allem dadurch bezauberte, dass er eine Krähe als Motiv verwendet.

Etwas versteckt verkaufte ein gemütlicher Opa Glücksbringer und omikuji おみくじ, Orakelzettel. Die omikuji sind dabei in so einem kleinem Raben versteckt :3 Meins war eher solala, also habe ich es am Schrein gelassen, damit die Götter sich drum kümmern können :P Der Opa bemühte sich ganz eifrig darum, mit mir Englisch zu sprechen, während er mir ein shuin 朱印 stempelte. Als Kei ihn darauf hinwies, dass er sich ruhig auf Japanisch mit unterhalten könne, fiel der Opa S__6029314fast aus seinen Socken, entschuldigte sich und meinte, er könne bei den ganzen Touristen überhaupt gar nicht unterscheiden, wer Japanisch sprechen könne und wer nicht. Ich beruhigte ihn aber, dass ich das sehr gut nachvollziehen könne und er sich auf keinen Fall entschuldigen müsse XD Nein, ganz ehrlich, in so einem Touristenmagneten wie Kyōto würde ich als Verkäufer auch immer erstmal annehmen, dass die Person mir gegenüber kein Japanisch versteht.

Ein anderer Schrein, den ich ziemlich interessant fand, war der taihō jinja 大豊神社. Aber weniger das Schreingebäude an sich, sondern die Statuen der Schreinwächter. Normalerweise sind das ja zwei komainu 狛犬, hunde-/löwenähnliche Geschöpfe, die ursprünglich aus der chinesischen Mythologie stammen. Die gab es am taihō jinja auch, und es waren die glücklichsten komainu, die ich jemals an einem Schrein zu sehen bekam XD

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Es gibt diese Wächter jedoch nicht nur in der Gestalt der komainu. An inari-Schreinen, also Schreinen, die einer Fuchsgottheit gewidmet sind, bewachen meist zwei Füchse das Tor. Und beim taihō jinja waren es an einem Nebenschrein nun zwei kleine komanezumi 狛鼠, zwei Wächterratten.


Solche Statuen hatte ich persönlich nun auch zum ersten Mal gesehen. Und laut Recherche im Internet kann man sie auch nur noch an einem einzigen anderen Schrein in Japan finden. Genau zwei Paar komanezumi in ganz Japan (ich bitte um Aufklärung, falls dem nicht so sein sollte). Im Jahr der Ratte muss hier die Hölle los sein, an diesem Tag allerdings hatten wir den Schrein ganz für uns ;)

Erklimmt man die kleine Treppe und nähert sich dem Tor, sieht man auf der rechten Seite die männliche Ratte, die eine Schriftrolle trägt, und links das Weibchen mit … einer Nuss? Einem Wassertropfen? Einem Sakefass? Hier scheint man sich online auch nicht ganz so sicher zu sein … Aber während das Männchen für die Wissenschaft und die Gelehrsamkeit steht, repräsentiert das Weibchen Gesundheit rundherum.

Wie kam man aber überhaupt darauf, hier zwei Ratten hinzustellen? Die beiden Statuen gibt es erst seit 1969, so heißt es, errichtet im Gedenken an Ōkunushi no Mikoto, einer Gottheit, der die Flucht vor einem wütenden Buschfeuer wohl nur gelang, weil (zwei?) Ratten sie zu einer Höhle führten. Ja, da kann man schon mal dankbar sein :P

Ein weiteres interessantes Wächterpaar an einem anderen Nebenschrein waren ein Affe und ein … Adler … ein Falke … ein Milan? (Der Schrein selbst hat den geneigten Besucher nicht gerade mit vielen Informationen versorgt.)

Zu dieser Kombination hab ich jedoch noch weniger Informationen gefunden als zu den beiden Ratten, und am Schrein selbst war leider niemand anwesend, den ich hätte fragen können. Ich habe jedoch Photos von shuin 朱印 des taihō jinja gesehen, also ab und an ist schon jemand da … nur an dem Tag nicht … *shuinchō fest umklammer* T^T

DSC02688Ein Schrein, mit dem ich persönlich jetzt nicht so viel anfangen konnte, war der hō’nen’in 法然院. Das mag an der Masse an Touristen gelegen haben, die ein Bus gleich hinter uns ausgespuckt hat, oder einfach wirklich nur daran, dass es an diesem Schrein absolut nichts Sehenswertes gab – für mich zumindest. Er war alt, und das war auch das einzige, was der Touriguide der Touristengruppe immer wieder erzählt hat. “Guckt, das Tor! So alt! Und hier, die Statue, so alt!” Ich meine, das ist schon okay, nicht jeder Schrein hat was Spannendes zu bieten – das Spannendste, die heiligen Gegenstände, shintai 神体, die in den Schreinen aufbewahrt und angeblich von der jeweiligen Gottheit bewohnt werden, bekommt man ja eh nie zu sehen. Aber warum so etwas dann auf dem Plan so vieler Reiseveranstalter steht …?

Aber damit legten wir dann unseren Endspurt auf dem Philosophenweg ein. Hatte ich übrigens erwähnt, dass es dort vor Katzen wimmelt? Nein? Dann hier ein paar Photos zur Unterhaltung:


Im nächsten Beitrag sind wir dann endlich am Silber-Pavillon ;)

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[Andere Länder, andere Sitten] Von Eiskaffee und Eiskaffee

An einen meiner allerersten Kulturschocks hier in Japan kann ich mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Unsere Dozentin lud uns zum Abschied ihres Aufenthalts in Japan und damit dem Ende der Unterstützung, die sie uns beim Eingewöhnen in den ersten 2 Wochen hat zukommen lassen, auf einen Kaffee ein. Recht angespannt saßen wir in dem kleinen Café in unserer Runde da und suchten die Karte nach etwas Bekanntem ab.

Da sprang mir das Wort 「アイスコーヒー」(aisu kōhī) – “Eiskaffee” ins Auge. Und auch noch so billig! Keine 300 Yen (damals weniger als 2 €), wenn ich mich recht erinnere. Toll! Denn auch – oder vielleicht sogar ganz besonders – wenn die Dozentin bezahlt, muss man es finanziell ja nicht übertreiben. Was für ein Schnäppchen! Was ich erwartete hatte, war natürlich das, was ihr hier auf dem linken Bild sehen könnt: Einen zumindest mit Vanilleeis und einer fetten Haube Schlagsahne aufgepeppten Kaffee. Gerne noch einen Schuss Rum oder ein wenig Karamellsirup rein!

Was ich jedoch keine 10 Minuten später vorgesetzt bekam, war das, was ihr hier auf dem rechten Bild sehen könnt: Einen normalen Kaffee mit einem Haufen Eiswürfel drin. Mehr Eiswürfel als Kaffee, hatte ich das Gefühl. Und so lecker wie hier auf dem Bild sah der damals auf gar keinem Fall aus. Ich war nicht die einzige am Tisch, die sich von diesem “Eiskaffee” überrascht zeigte. Unsere Dozentin hingegen war schon ein alter Japanfuchs und ihr schien an dem Getränk nichts merkwürdig vorzukommen. Ich traute mich dann auch nicht, etwas zu sagen, und schlürfte leise meinen “Eiskaffe” vor mich hin. Ich hasste jeden Schluck.

Später am Abend befragte ich Google und nein, die Bedienung hatte meine Bestellung nicht versaubeutelt. Japanischer Eiskaffee ist tatsächlich wortwörtlich Kaffee mit Eis drin. Allerdings kein Vanilleeis, sondern Eiswürfel. Und Google brachte auch zutage, dass dieser Unsinn ( :P ) aus den USA stammt. Allerdings heißt der dort wohl “Iced Coffee”. Verwirrt mich nur weiter -.-‘

Dass es in Japan eine Art Äquivalent zu dem Eiskaffee gibt, den ich aus Deutschland kenne, lernte ich erst später. コーヒーフロート kōhī furōto heißt dieses Getränk, wobei das “furōto” vom englischen “to float” kommt. Wortwörtlich also “ein Kaffee mit was Schwimmendem drin”. Das Schwimmende ist eine Kugel Vanilleeis. Der Rest ist japanischer Eiskaffee, also kalter Kaffee mit Eiswürfeln drin. Ich kann mich auch für dieses Getränk nur bedingt begeistern (weshalb ich selbst auch keinerlei Photos von beiden Getränken habe, denn nach jeweils einem Fehlschlag habe ich keines von beiden jemals wieder bestellt ^^; ).

Viel lieber als japanischen Eiskaffee, der, wenn man ihn nicht schnell genug trinkt, zu einem eiskalten Kaffee mit viel zu viel Wasser verkommt, oder den Float-Kaffee habe ich den einfach nur gekühlten Kaffee, den man in Japan an allen Getränkeautomaten bekommt, sobald im Juni die heißen Getränkte durch gekühlte ersetzt werden. Diese Art von Kaffee enthält nämlich keine Eiswürfel, sondern ist einfach ein normaler Kaffee, der auf  im Sommer sehr angenehme Temperatur runtergekühlt wird.

S__5644290Diese Art von gekühltem Kaffee war allerdings auch etwas, an das ich mich erst gewöhnen musste, und Familie und Freunde in Deutschland verziehen oft angewidert das Näschen, wenn ich ihnen von diesem eiskalten Kaffee vorschwärme. Dabei gibt es, gerade wenn man draußen unterwegs ist, kaum etwas Besseres, um sich zu erfrischen UND sich einen Koffeinschub zuzuführen :3

Also, fassen wir zusammen:

アイスコーヒー aisu kōhī: Kalter Kaffee mit Eiswürfeln drin. Kann mit Zucker und Milch aufgepeppt werden. Schnell trinken, sonst kippt das Verhältnis von Wasser und Kaffee ins eklige.

コーヒーフロート kōhī furōto: Kalter Kaffee mit Eiswürfeln und einer Kugel Vanilleeis. Manchmal mit Schlagsahne getoppt. Muss meist nicht mehr gesüßt werden durch das Eis, aber auch hier schnell trinken, sonst hat man wieder mehr Wasser als Kaffee.

冷たいコーヒー tsumetai kōhī: Gekühlter Kaffee aus dem Getränkeautomaten. Findet man auch in jedem konbini. Enthält keine Eiswürfel, sondern wird einfach runtergekühlt. Oft schon gesüßt und mit Milch versetzt. Verhältnis von Wasser und Kaffee bleibt immer ideal :3

Und damit hätten wir für heute genug First World Problems gelöst :P

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