Und plötzlich war es Winter

Lief ich am Sonntag beim Tokyo Metro Escape Game noch in dünner Herbstklamotte herum, zwang mich ein plötzlicher Kälteeinbruch vorgestern Abend meine Wintergarderobe aus ihrer Sommerresidenz holen, um mich auf den ersten November-Schnee in dieser Region seit 54 Jahren vorzubereiten.

Und wie jedes Mal, wenn es hier schneit, gab es ein ausgewachsenes Bahnchaos kostenlos dazu. 2 Stunden hielt mich die Odakyū in einer ihrer Bahnen gefangen für eine Strecke, die sonst nur 40 Minuten dauert. Zum Glück gilt Flextime bei uns auf Arbeit -.-

Und auf dem Weg zum Bahnhof bot der Schnee einen wirklich schönen Anblick, auch wenn er an vielen Stellen recht schnell wieder schmolz, denn es handelte sich am Ende bei +2 Grad dann doch eher um Schneeregen als wirklich fluffigen Schnee.

Und auf einmal war ich komplett in Weihnachtsstimmung. Zeit, die Weihnachtsdeko rauszuholen und das erste Blech Plätzchen zu backen – der Dezember steht ja nun auch schon quasi vor der Tür😉

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Das Tokyo Metro Escape Game

Letzten Samstag traf ich mich früh am Morgen mit zwei meiner Kolleginnen in Shinjuku, um mich mit ihnen dem Tokyo Metro Escape Game, 東京メトロ地下謎, zu stellen, das seit 2014 ein Mal im Jahr veranstaltet wird. Und wir hatten einen Heidenspaß!

In dem Spiel geht es darum, einen Haufen Rätsel zu lösen und sich von Tokyo-Metro-Bahnhof zu Tokyo-Metro-Bahnhof durchzuschlagen. Zwischendurch wird man auch mal zur einen oder anderen Sehenswürdigkeit geschickt. Perfekt also für Touristen. Praktischerweise gibt es das Spiel daher auch auf Englisch, aber da man das dafür benötigte Set nur in Ueno kaufen kann, wir uns aber in Shinjuku treffen wollten, und wir uns zudem nicht sicher über die Qualität der Lokalisierung des Spieles waren, entschieden wir uns für die japanische Variante. Die Spieler um uns herum, die das Spiel auf Englisch spielten, schienen allerdings genauso viel Spaß zu haben wie wir, die Lokalisierung scheint also absolut in Ordnung zu sein😉

Zuerst holten wir uns also das notwendige Set in Shinjuku für 2160 Yen (rund 18 Euro).

Es enthält alles, was man zum Lösen der Rätsel benötigt, sowie einen 24h-Stunden-Pass für das komplette Tokyo Metro-Bahnnetz. So betrachtet also gar nicht mal so teuer. Und dann ging es los! (Da das Spiel noch läuft, werde ich hier nichts spoilern😉 )

Einige Rätsel ließen sich in wenigen Sekunden lösen, für andere mussten wir uns ganz schön die Köpfe zerbrechen. Wir waren teilweise wirklich Baff über den Einfallsreichtum, den die Entwickler an den Tag gelegt hatten! Die offizielle Homepage (Englisch, Japanisch) setzt zwischen 2 bis 7 Stunden für das Spiel an. Die 2 Stunden halte ich allerdings für sehr unrealistisch, denn alleine mit dem Fahren von Bahnhof zu Bahnhof verbringt man einiges an Zeit. Vermutlich ist damit nur das Lösen eines Teils der Aufgaben gemeint. Wir haben insgesamt 7 Stunden für alles inklusive der superschweren Zusatzaufgabe gebraucht, die wir in nicht mal 10 Minuten gelöst hatten😛 Man kann das Lösen der Rätsel auch auf mehrere Tage und Touren verteilen, aber dann muss man sich erneut ein Tagestickets kaufen, würde ich also nicht unbedingt empfehlen.

Wir trafen auf viele andere Gruppen, die sich am Escape Game versuchten. Trotzdem hatten wir nie das Gefühl, es wäre irgendwo supervoll, was in Tokyo schon recht selten ist. Das Event findet aber auch immerhin über 3 Monate statt und ist zeitlich so flexibel, dass sich die Teilnehmer gut über die Tage und Orte verteilen.

Am Ende waren wir ausgelaugt und platt. 15km zeigte mein Schrittzähler an. Was für eine Tour! Und was für ein Spaß! Ich kann das Event nur jedem empfehlen – so viel Genugtuung wie beim Anblick des Abspanns nach erfolgreicher Auflösung aller Rätsel hab ich schon lange nicht mehr empfunden😉

Zum Abschluss zogen wir uns ins LaQua – einem Einkaufszentrum mit angeschlossenem Vergnügungspark – zurück, um Energie für die Heimfahrt zu tanken. Und dort kam dann sogar ein wenig Weihnachtsstimmung bei uns auf :3

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Der goldene Herbst ist hier

Nach einem vollkommen verregneten Sommer und einem ebenso verregnetem Herbstanfang – und laut den Nachrichten im Fernsehen, nach denen dieses Jahr die Obst- und Gemüseernte durch den andauernden Regen in Japan besonders schlecht ausgefallen sind, bilde ich mir das auch nicht ein – zeigt sich das japanische Wetter endlich von seiner Schokoladenseite: goldener, warmer Herbst. Die letzten vier Tage, die dank eines Feiertages und, wenn man ihn denn nehmen konnte, eines Brückentages frei waren, hatten so wunderbares Wetter wie ich es gefühlt seit Monaten nicht mehr erlebt habe. Und so trieb es Kei und mich natürlich nach draußen. Wie jedes Jahr um diese Zeit statteten wir meiner Austauschuni von 2007/2008 einen Besuch zum Unigründungsfest ab. Der Campus hatte schon ein paar prächtige Herbstfarben zu bieten auf die ich seit Anfang Oktober nur so gewartet habe :3

Wenig ändert sich in meinem kleinen inaka, das mir in dem einem Jahr damals so ans Herz gewachsen ist, dass ich doch immer mal wieder vorbeischauen muss. Wenig, jedoch nicht gar nichts. So wird z.B. die Treppe des Todes, die meine Kommilitonen und ich uns für ein Jahr jedes Mal auf dem Rückweg vom Bahnhofe hochquälen mussten, durch eine schnieke Rolltreppe ersetzt. Eine Rolltreppe. Mitten im inaka! Draußen im Freien! Die Studenten müssen wirklich wahnsinnig genervt von der Treppe gewesen sein😄

Nächstes Jahr bin ich so wieder an der Tōkai-Uni, um die Rolltreppe mit eigenen Augen anzusehen!

So hier sah die Treppe übrigens vor ihrem Abriss aus. 90 Grad Steigung, Kinders, ich scherze nicht! … Okay, vielleicht „nur“ 80 Grad. Aber schleppt da mal euren Wocheneinkauf hoch. Oder euch selbst nach einem Tag in Tōkyō.

Gestern sind wir dann – auch wie jedes Jahr eigentlich😛 – nach Enoshima gefahren.

Sonne bei der Kaffeepause auf der Terrasse tanken, …


(Das Bild zeigt natürlich kein Stück, wie windig es war. Ich musste mir meine Haare mit meinem Schal an den Hals binden, da ich sie sonst mit dem Eis hätte essen müssen.)

… auf Katzensuche gehen, …

… und einfach den Blick aufs glitzernde Meer genießen.

Nach so viel Erholung fühl ich mich endlich mal wieder gewappnet für was auch immer die nächste Arbeitswoche für mich bereithält😉

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Zum permanenten Residenten

In meinem letzten Blogpost zum Thema Visum habe ich zwar gesagt, dass ich jetzt eigentlich mal eine Pause von den ganzen Anträgen gebrauchen könnten, ich habe mich dann dieses Jahr aber doch noch aufgerafft und mich für das permanent residence visum, das so genannte 永住権 eijūken, beworben. Und auch bekommen😀 Der Antrag Unterschied sich dabei wenig von der letzten Visumsverlängerung und war sogar einfacher als mein Antrag zum ersten Ehegattenvisum, für das ich noch lauter private Sachen wie Liebesbriefe und Pärchenphotos einreichen sollteO_o

Ein PRV ist keine Staatsbürgerschaft, sondern einfach nur ein permanentes Visum. Der Status „Ehepartner/in eines Japaners/einer Japanerin“ (日本人の配偶者等 nihonjin no haigūsha nado) ist dem neuen Status permanenter Resident (永住者 eijūsha) gewichen, und ein Visumsablaufdatum gibt es nicht mehr. Muahaha😛

Was bringt mir das jetzt?

  1. Ich muss mich nicht mehr alle 1, 3 oder 5 Jahre für ein neues Visum bewerben, sondern nur noch alle 7 Jahre meine residence card erneuern lassen. Weniger Papierkram, weniger Zeitaufwand und Geld spare ich auch noch, denn jede Visumserneuern hat mich 4.000 Yen (rund 35 €) gekostet. Das PRV schlug zwar nun auch mit 8.000 Yen (rund 70 €) zu buche, aber nur einmalig.
  2. Kredite und Kreditkarten werden mir jetzt quasi hinterher geworfen. So heißt es zumindest😛 Allerdings habe ich gerade erst auch ohne PRV eine Kreditkarte abstauben können, unmöglich ist es davor also auch nicht😉
  3. Ich darf mich am Flughafen bei der Rückreise nun bei den PRV-Besitzern anstellen und muss mich nicht mehr in der langen Touristen-Einreiseschlange einreihen. Ob es da aber wirklich einen großen Unterschied gibt, werde ich bei meiner nächsten Rückreise dann feststellen dürfen😉

Das war es auch schon, glaube ich. Was ich mit dem Visum nicht kann: Wählen und mich als Beamter vereidigen lassen. Bestimmt noch ein paar andere Sachen. Dafür bräuchte man die japanische Staatsbürgerschaft. Aber solange das bedeutet, meine deutsche Staatsbürgerschaft abgeben zu müssen, steht das für mich vorerst noch auf keiner Prioritätenliste😉

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Spinnentheater

Heute Morgen saß sie frech gleich neben der Eingangstür bei uns im Flur: eine widerliche, fette huntsman-Spinne. Noch nicht ausgewachsen, aber eklig genug. Ich war gerade auf dem Weg zur Arbeit, wortwörtlich auf meinen letzten Schritten aus der Tür raus, da entdeckte ich sie. Und begrüßte sie erst einmal mit einem lauten Schrei. Insekten kann ich nicht ab, gegen Spinnen habe ich quasi eine Phobie. Und dann auch noch eines von diesen flinken Biestern! Es wollte und wollte mir nicht gelingen, sie auf die andere Seite der Haustür zu befördern. Die Tür stand sperrangelweit offen, aber das Spinnenbiest wollte nicht in die Richtung, in die ich es scheuchte. Gut, mit 5 Metern Abstand scheucht es sich auch nicht gerade besonders präzise -.-

Eine halbe Stunde verging ohne Erfolg. Inzwischen hatte sie schon einmal in den Schuhen gesessen, die ich heute anziehen wollte, und sich unter unseren Mänteln verkrochen. Ich hatte auf die Spinne eingebrüllt, sie angebettelt und dann wieder angeschrien. Sie wollte nicht. Dann musste ich langsam zur Arbeit. Ich verließ das Haus nur ungern, da ich die Spinne ja so aus den Augen lassen musste. Wer weiß, wohin sie sich in meiner Abwesenheit verkriechen würde?

Als ich die Wohnungstür hinter mir ins Schloss zog, entdeckte ich unsere Nachbarin, die sich auf der Treppe vor ihrer Haustür gleich neben uns in der Sonne aalte. Da ich den Spinnenkampf mit offener Tür veranstaltet hatte, dürfte sie alles gehört haben. Beschämt begrüßte ich sie, aber sie lächelte mir freundlich zu wie immer und wünschte mir einen guten Tag. Wahrscheinlich hat sie so ein Theater nicht zum ersten Mal gehört😛

Als Kei nach Hause kam, war die Spinne nicht mehr im Flur. Ich hatte alle Türen zugemacht und die Ritzen mit Decken zugestopft, trotzdem hat sie es irgendwie geschafft, sich ins Wohnzimmer vorzukämpfen. Dort ist sie immer noch. Hoffen wir. Nach 2 Stunden Kampf haben wir sie aus den Augen verloren. Schlimmer als eine Spinne an der Wand ist nur noch eine Spinne im Haus mit unbekanntem Aufenthaltsort.

Es ist spät und langsam müssen wir ins Bett. Ich weiß genau, wovon ich heute Nacht träumen werde … Japan, deine Insekten liegen mir wirklich nicht!

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In Sachen Müll

Letzte Woche hat man uns hier im unserem Wohnbezirk etwas ganz Furchtbares angetan: Man hat die Abholzeiten für unseren Müll verändert. Skandal! Und so treffe ich seit Tagen morgens Nachbarn mit einer anderen Art von Müll unterm Arm als den, den ich trage, und ein verschämter Blick auf den Zettel mit den neuen Abholzeiten auf dem Müllcontainer schickt einen von uns beschämt zurück nach Hause. Oder auch beide. Inzwischen bin ich aber sogar mal auf die Idee gekommen, das Schild abzufotografieren, damit mir das erspart bleibt😛

Denn in Japan ist es mit dem Müll so eine Sache: Er wird nicht nur in nicht immer wirklich verständliche Kategorien eingeteilt, sondern man darf ihn frühestens am Abend vor dem Tag, an dem genau dieser Müll abgeholt wird, zur Müllsammelstelle bringen. Solange wird er irgendwo in der Wohnung gesammelt. Das hat einen ganz praktischen Grund. Viele Müllsammelplätze sind genau einfach nur das: ein freier Platz irgendwo an der Straße oder an einer Häuserwand, auf den alle zugeteilten Anwohner ihren Müll stellen, damit dieser zur entsprechenden Zeit abgeholt wird.

Japan hat jedoch ein großes Problem mit streunenden Katzen und auch frechen Raben, denen natürlich nichts Besseres passieren kann, als dass jemand seinen Haushaltsmüll mit den Resten des Abendessens rausstellt. Die Tüten werden in Nullkommanichts aufgerissen und ihr Inhalt über die Straßen verteilt. Die meisten Müllsammelstellen haben Netze, die über die Mülltüten gezogen werden, damit die Tiere diese nicht erreichen können, aber leider sind zum einem viele Anwohner einfach mal zu faul, genau das zu tun, und zum anderen sind Raben und Katzen auch zu schlau, um sich lange von den Netzen abhalten zu lassen. Nicht nur einmal habe ich ein diabolisches Katzen-Raben-Gespann dabei beobachten dürfen, wie es sich zusammenschloss, um eine Mülltüte nach der anderen unter einem Netz hervorzuholen. Und daher die Regel, den Müll frühestens am Abend vorher rauszustellen, um den Schlawinern so wenig Zeit wie möglich zu geben.

Unsere Müllsammelstelle ist übrigens ein stabiler Container mit Deckel und allem. So, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin. Wir haben zwar nicht einen Container pro Müllart – dafür hätten wir hier einfach kein Platz – und dürfen daher unseren Müll auch erst am Abend vor dem Abholtag rausstellen, aber unser Müll wird dadurch nie quer über die Straße verteilt. Trotzdem sehe ich solche Container nur selten. Vermutlich ein Platzproblem, doch so richtig einleuchten tut es mir nicht …

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[Unterwegs] Ein Kurzurlaub in Nagano

In ganz Japan ist Nagano die Präfektur, in die die meisten Leute ziehen würden, wenn sie die freie Wahl hätten. Die Menschen in Nagano haben die höchste Lebenserwartung und schätzen sich selbst am glücklichsten ein. Ob das an dem vielen guten Gemüse liegt? Oder an der Natur, von der man in Nagano umgeben ist?*

*Diese Aussagen sind sogar statistisch belegt: klick

Nagano zieht jährlich viele, viele Touristen an, besonders, aber nicht ausschließlich in den Wintermonaten. Als ausländischer Tourist leuchtet das einem bis auf die Region um das Schloss Matsumoto vielleicht nicht unbedingt ein, aber es kommt ganz darauf an, worauf man es in seinem Urlaub abgesehen hat. Als europäischer Tourist, vielleicht sogar zum ersten Mal in Japan, sucht man natürlich nicht nach europäisch wirkenden Häusern und Natur – das hat man doch Zuhause! Aber als in Tōkyō lebender Japaner? Und vielleicht auch als Deutsche, die schon arg lange in Japan ist und ewig keine europäische Natur mehr zu Gesicht bekommen hat? Ja, da leuchtet einem der Reiz eines Urlaubs in den Höhen Naganos vollkommen ein.

Und unser Kurzurlaub dort war so entspannend und wohltuend, ich war richtig traurig, als wir nach zwei Tagen abfahren mussten. Viel dazu beigetragen hat die Pension, in der wir übernachtet haben. Sie war nicht nur wunderschön und wahnsinnig gemütlich eingerichtet, …


 

… servierte nicht nur absolut fantastisches Essen sowohl zum Frühstück als auch zum Abendbrot, …

… lag nicht nur genau am wunderschönen See Megamiko 女神湖, um den wir viele erholsame Spaziergänge machten, …


… sondern hatte den kuscheligsten, liebsten, schönsten, tollsten Hund der ganzen Umgebung und ICH durfte SO VIEL mit der kleinen Adele spielen, wie ich wollte, und damit war das der beste Urlaub überhaupt und ich bin immer noch ganz aufgeregt😛 Und ja, ich gebe zu, dass das Photo von Adele auf der Homepage der Pension einer der Gründe war, warum wir uns für sie entschieden – wir bereuen nichts😛

Das Ehepaar, das die Pension führt, war so unglaublich freundlich, wir haben uns sofort richtig wohlgefühlt. Der Mann erzählte uns am zweiten Tag beim Frühstück, dass er ja früher mit seiner Frau in Tōkyō gelebt habe, daraufhin entwickelte sich folgendes Gespräch:

Ich: „Oh, und was hat Sie dann nach Nagano verschlagen?“
Mann: „Die Odakyū*. Ich wollte so weit weg von ihr wie möglich.“
Ich: „Oh … Mit der fahre ich jeden Morgen, hahaha …“
Mann: „Oh … haha …*
Betretendes Schweigen …

Ja, meine Bahnlinie ist wirklich kein Zuckerschlecken …

*Eine zu vielen Verspätungen neigende, fast immer vollgestopfte Bahnlinie.

In Nagano hingegen ist es nicht so weit mit den Öffentlichen, daher sollte man ein Auto haben, besonders, wenn man sich in die Gegend Naganos wagt, in der wir waren. Denn am Megamiko ist nicht mal der konbini fußläufig zu erreichen, vom Rest gar nicht erst zu sprechen.

Und was kann man dort so machen? Einiges, besonders bei gutem Wetter! Wir sind z.B. in die Berge gefahren.

Das Wetter war nicht schlecht, aber leider nicht gut genug, um wirklich weit gucken zu können. Aber die Luft war herrlich! Ich habe mich wahnsinnig an Sommerurlaube mit meiner Familie in Norwegen erinnert gefühlt – und dann bekam ich ganz schrecklich Heimweh und dann mussten wir ganz schnell wieder zurück, damit mir Adele über das Heimweh hinweghelfen konnte😛

Nagano hat viele hohe Berge, die man besteigen kann, das wurde uns dort erst bewusst. Mit einem Tag mehr hätten wir vielleicht eine kleine Bergtour in Angriff genommen – das haben wir für das nächste Mal auf jeden Fall vor. Es gibt neben dem Megamiko auch noch viele andere Seen, an denen man sich entspannen oder auch eins dieser schrulligen Schwanentretboote ausleihen kann😛

Es gibt zudem viele Bauernhöfe in der Gegend, die man besuchen kann, allerdings ist das meist etwas anders, als man es vielleicht aus Deutschland gewohnt ist. Steriler, „geordneter“. Vorgeschriebene Wege und angeleinte Tiere. Hier bei der Heuernte ungesichert auf dem Heuwagen rumturnen, das ginge sicher nicht.

So richtig interessant fand ich den Bauernhof, den wir besuchten, den Nagato-Bauernhof 長門牧場, daher nicht wirklich. Einer der vielen Bauernmärkte löste da bei mir schon mehr Begeisterung aus.

Alles frisch vom Feld, zu den vielleicht günstigsten Preisen, die ich in Japan für Obst und Gemüse bisher gesehen habe, und, wie ich später feststellen durfte, alles richtig köstlich! Ohne Zurückhaltung wanderten Weintrauben, Pflaumen, Tomaten (die bekommt man zwar hier im Supermarkt, sie schmecken aber meist sehr wässrig) und sogar ein Bund Rhabarber in unsere Tasche.

Ach ja, ich hatte ja noch mehr europäisches Flair versprochen😛

Wenn man sich mit dem Auto von der Gegend um den Megamiko bergab entfernt, kann man es mit Schreinen und Tempeln auch wieder ganz japanisch haben. Aber da das hier jetzt so gar nicht zum Flair des Eintrages passt, hebe ich mir das für ein anderes Mal auf😉

Unser Lieblingsplatz für dieses Wochenende war sowieso dieser hier:

Die kuschelige Leseecke im Gemeinschaftsraum unserer Pension. Leider war es zu warm, um den Kamin anzuzünden, aber das heißt ja nur, dass wir unbedingt noch mal im Winter zur Ski-Saison wiederkommen müssen😉

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