[Kurz eingeschoben] Bottle Keep

Um das Wochenende einzuläuten, gehen Kei und ich fast jeden Freitag Abend nach Arbeit zusammen was Essen. So einmal die Woche kann man das schon machen. Gestern war uns nach Okinawa-Style und wir landeten in einem entsprechenden izakaya af zwei Sitzen direkt an der Bar, die mit Flaschen voll Alkohol zugestellt war. Und an einigen dieser Flaschen hing etwas Interessantes:

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Visitenkarten! Richtige echte Visitenkarten von Firmenangestellte! (Zur Wahrung der Privatsphäre dieser Leute habe ich die Aufdrucke der Karten mal verpixelt 😉 ) Was ich zuerst für im Suff liegen gelassene Gegenstände hielt, ist in Japan laut Kei ein Weg, um Alkoholflaschen zu markieren, die von jemandem bei einem Besuch gekauft, aber nicht geleert wurden, und die dann einfach beim nächsten Besuch weitergetrunken werden. ボテルキープ boteru kīpu heißt das Ganze auf Japanisch – zusammengebastelt aus den englischen Worten für „Flasche und „behalten“. Visitenkarten sind dabei nicht die einzige Möglichkeit, verkaufte Flaschen zu kennzeichnen. Wie auf dem Bild oben zu sehen, kann man auch einfach ganz groß den Namen des Gastes mit einem Stift auf die Flasche selbst schreiben.

Und warum macht man so etwas? Nun, für den Kunden ist in Flaschen gekaufter Alkohol nach einer gewissen Anzahl Gläser günstiger, als wenn er jedes Glas einzeln bezahlen würde, und er kann sich sicher sein, dass die Kneipe am entsprechenden Abend seinen bevorzugten Alkohol vorrätig hat. Für den Laden bedeutet eine verkaufte Flasche schneller Gewinn, es stärkt die Kundenbindung an den Laden, denn der Kunde hat ja nun ein gesteigertes Interesse daran, wieder und wieder zu kommen (und natürlich auch Freunde und Kollegen mitzuschleppen), und es dient zudem ein wenig als Werbung – „Herr xx von der prestigeträchtigen Firma xx kehrt hier also regelmäßig ein? Interessant!“. Und immerhin wird Alkohol ja auch nicht schlecht, oder? Dass das dabei so öffentlich mit Visitenkarten mit vollem Namen und Firmennamen und Firmen- und Mailadresse und Telefonnummer zugeht, hat mich dabei dann doch überrascht. Es kann ja wirklich jeder in dem Laden die Visitenkarten lesen. Aber gut, sich mal so an einem Abend eine ganze 50 bis 100 Euro teure Flasche Whiskey leisten zu können, macht ja auch irgendwie Eindruck 😛

Und so gibt es also auch nach so vielen Jahren in diesem Land immer noch Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört habe und ganz fasziniert entdeckt. Ich dachte, ich lasse meine Leser mal dran teilhaben 😉

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[Unterwegs] In den Kamakura-Alpen

Draußen nähert sich uns gerade der Taifun Sansan – in Japan nur als Nummer 13 betitelt, was immer den schönen Nebeneffekt hat, dass nach einer verheerenden Katastrophe bestimmte Namen nicht ständig mit ihr assoziiert werden – und bringt uns zwar hohe Luftfeuchte, aber mal wieder verträgliche Temperaturen. Heute bin ich doch glatt in langer Hose unterwegs gewesen. Im August! Unglaublich! Wie immer an so einem Tag bin ich früher von Arbeit nach Hause, um dem zu erwartenden Chaos auf den Bahnlinien zu entgehen, und hatte endlich einmal wieder Zeit, meine Fotos zu sortieren, die sich seit Mai auf meiner Festplatte angestaut haben. Zeit, ein paar längst überfällige Beiträge nachzuholen, oder? 😉

Dann gehen wir mal zurück, weit zurück in den Monat Mai, als die Temperaturen noch erträglich und die Luftfeuchte noch annehmbar waren. Der heiße Sommer war seit langem angekündigt und wir wussten, dass – so mit der Regenzeit quasi auch schon vor unserer Türschwelle – Wandertouren bald erst mal für eine ganze Weile nicht mir zu unseren Wochenendaktivitäten gehören würde.

2018-05-27 12.40.01In Japan muss man ja selten einen weiten Weg auf sich nehmen, um eine schöne Tour zum Wandern zu finden, und auch dieses Mal blieben wir mit unserer Wahl in unserer Präfektur Kanagawa. Die Gegend Kamakura hatten wir in dieser Hinsicht nämlich bisher kaum erforscht, und wie es sich für Kamakura gehört, kann man hier das Wandern tatsächlich mit dem Besuch von mehreren Tempeln und Schreinen verbinden. Wir entschieden uns für dieses Mal für den Ten-en Wanderweg, 天園ハイキングコース, der unten am Zuisen-Tempel 瑞泉寺 beginnt und über einen Rundweg über die Spitze vom Berg Ōhirayama 大平山 vorbei an mehreren Tempeln wieder zurück zum Ausgangstempel führt. Der Zuisen-Tempel alleine ist auf jeden Fall einen Besuch wert, auch wenn man sich danach nicht auf die Wandertour begibt.

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Für die gesamte Strecke veranschlagte unser Reiseführer etwa 3 Stunden – schießt man viele Fotos und macht an den einzelnen Tempeln halt, braucht man etwas länger. Der Weg ist nicht anstrengend und dadurch (leider) bei vielen Wanderern beliebt, allerdings ist die Strecke so weitläufig, dass man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt oder es Stau gibt. Die berühmt-berüchtigten Wander-Omas und -Opas sind natürlich auch mit vom Start und immer schneller als man selbst. Mein Highlight war eine ältere Dame, die sich darüber echauffierte, dass sie für die Hochzeit ihres Enkelkindes bis nach Aomori fahren müssen, das wäre doch so weit, was man so von alten Leuten erwarten würde – alles, während sie sich vor uns mit ihrer Freundin behände den Berghang hochzog. Prioritäten 😛

Am Kenchō-Tempel 建長寺 kurz vor der Bergspitze gibt es eine Plattform, von der aus man den Fuji sehen sollen kann. Da wir uns bereits auf den Sommer zu und damit in Richtung diesiges Wetter bewegten, bekamen wir ihn natürlich nicht zu Gesicht. Herbst und Winter sind definitiv die besseren Jahreszeiten dafür.

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Von der Bergspitze selbst aus hat man lustigerweise keinen wirklich dollen Ausblick auf irgendetwas, aber wir waren ja zugegebenermaßen vornehmlich für die Tempel da, denn ich hatte ja immer noch ein Ziel zu erfüllen, dass ich mir im Jahr 2015 gesetzt und nun endlich erreicht habe. Soll heißen: Mein erstes Schreinstempelbuch ist endlich voll! Yay! 3.5 Jahre hat es gedauert, und inzwischen habe ich drei weitere, die auf Stempel warten, denn ich hatte mein Stempelbuch nicht immer dabei, wenn ich irgendwo mal wieder ganz unerwartet in einen Schrein oder Tempel gestolpert bin. Gut, je mehr Reisepässe ins Jenseits desto besser, richtig? 😛

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Ein paar Buchempfehlungen

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Die letzten Wochen hat das Wetter erst durch Regen, dann durch eine brutale Hitze nicht unbedingt zum Rausgehen animiert, und so mehren sich die Wochenenden, die Kei und ich in unserer gut klimatisierten Wohnung auf unserer Couch verbringen – ich meist mit einem Buch vor der Nase. Dadurch, dass ich ziemlich lange bis zur Arbeit pendle, lese ich eh sehr viel, und in letzter Zeit habe ich versucht, neben Büchern auf Englisch und Deutsch auch mehr auf Japanisch zu lesen. Das ist nicht immer ganz einfach. Nicht wegen der Sprache, die ich beherrsche ich ja ganz gut, aber da ich nicht japanische Literatur, sondern Politik und Sozialwissenschaften studiert habe, und japanische Schriftsteller in Deutschland eher selten Berühmtheit erlangen, weiß ich im Bücherladen meist nicht, wonach ich eigentlich suchen soll. Ach ja, und dann gibt es noch Autoren wie Murakami Haruki und Higashino Keigo, die ich natürlich kenne und die eine große Auswahl an Werken haben, deren Frauenbild mich aber mit jedem Roman, den ich mir antue, SO auf die Palme treibt, dass ich inzwischen einen großen Bogen um sie mache 😛

Oft greife ich im Bücherladen einfach nach Büchern, deren Cover mir gefallen, und wenn mir dann auch noch der Klappentext gefällt, darf das Buch mit. Mit dieser Methode ist natürlich nicht jedes Buch ein Treffer, aber ich lerne so mehr und mehr japanische Autoren kennen. Und da ich Bücher, die mir gefallen, gerne mit anderen teile, mache ich das doch hier einfach mal mit den japanischen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe und die mir gefallen haben. Ganz untypisch für mich sind die meisten Bücher sogenannte 人間ドラマ ningen dorama, ein Genre, in dem es typischerweise sehr dramatisch zugeht und in dem es meist doch um ganz alltägliche Geschichten um Liebe, Freundschaft, aber auch Krankheiten und anderes geht. Da Japaner ihre ningen dorama LIEBEN, ist es auch schwer, einen Bogen um dieses Genre zu machen, und während mir einige Bücher viel zu kitschig und dramatisch sind, setzen andere diese Thematik doch mit ganz viel Fingerspitzengefühl um.

 

「コンビニ人間」 村田沙耶香 – erschienen auf Deutsch als „Die Ladenhüterin“ von Sayaka Murata

Klappentext:Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sich versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.“

Ein Buch, in dem es um die Frage geht, was „normal“ ist, wer eigentlich bestimmt, wer und was in diese Kategorie gehört, und wie es Menschen zusetzen kann, die nicht dazugehören. Der Hauptcharakter war mir erstaunlich sympathisch und trotz des ernsten Themas und einigen bedrückenden Szenen hat es doch einen sehr positiven Ton. Ganz besonders gefallen haben mir die detaillierten Beschreibungen der Abläufe im konbini. Das hatte was ghibliartiges. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf das Buch gekommen bin. Es war einfach irgendwie in meiner to-read-Liste XD

 

「旅猫リポート」有川浩 – erschienen auf Deutsch als „Satoru und das Geheimnis des Glücks“ von Hiro Arikawa

Klappentext: „Satoru und sein alter Kater Nana machen sich auf den Weg. Auf ihrer Reise quer durch Japan besuchen sie alle Menschen, die Satoru auf seinem bisherigen Lebensweg begleitet, ihn geformt und geprägt, geliebt und geachtet, aber auch beneidet und kritisch beäugt haben. Doch am Ende schließen alle ihren Frieden: mit ihrem Freund und Wegbegleiter Satoru genauso wie mit sich selbst. Und Nana? Betrachtet alles aus der ihm eigenen Katzenperspektive. Er blickt den Menschen ins Innerste, bis in die tiefsten Tiefen ihrer Seele.“

Ein Buch, das ich gekauft habe, als ich mein Kindle zu Hause vergessen hatte. Ich ertrage  die lange Bahnfahrt ohne Buch einfach nicht. Der japanische Klappentext geht die Story übrigens ein wenig anders an: „Seit 5 Jahren lebt der ehemalige Straßenkater Nana bei Satoru, einem Mann, der ihn vor dem Verhungern gerettet hat. Doch nun muss Satoru sich leider von Nana trennen. ‚Darf ich euch meinen Kater anvertrauen?‘ Zusammen begeben sie sich auf ihre ‚letzte Reise‘ und treffen auf Menschen und Geheimnisse aus Satorus Vergangenheit.“ Nach dem lesen des deutschen Klappentextes hätte ich das Buch vermutlich nicht mitgenommen – der japanische sagt mir da eher zu XD Ein Mann, ein Kater, ein Roadtrip und die Frage: Warum muss sich Satoru von Nana trennen? Die Geschichte ist aus der Perspektive des Katers geschrieben, und zwar so, wie ich mir vorstellen würde, wie ein Kater von einer Beziehung mit einem Menschen berichten würde: kurz, zynisch und in tiefster Verleugnung darüber, dass er seinen Menschen doch eigentlich über alles liebt. Die Geschichte beginnt lustig und rührt einem am Ende dann zu Tränen ohne übermäßig dramatisch zu werden.

Ich lese übrigens eine Menge Bücher auf Japanisch mit Katzen auf dem Cover. Einerseits natürlich, weil ich Katzen mag, andererseits aber auch, weil Bücher über Hunde meistens mit dem Krebstod besagten Hundes beginnen oder enden. Da war ich einmal live dabei, das brauch ich nicht noch mal in Buchform T_T Bücher über Katzen hingegen tendieren dazu, einen eher unbeschwerten, fröhlichen Ton zu haben.

 

「吾輩は猫である」夏目漱石 – erschienen auf Deutsch als „Ich der Kater“ von Soseki Natsume

Klappentext: „‚Gestatten, ich bin ein Kater!‘ – Mit scharfem Blick und spitzer Zunge schildert ein namenloser Kater sein Leben im Haus des Gymnasialprofessors Schneutz.

Behauptet Goodreads. Amazon hat gleich mal gar keinen Klappentext gelistet, und meine deutsche Kopie steht leider zu Hause bei meinen Eltern in Berlin. Ein weiteres Buch aus der Perspektive einer Katze, und ein Klassiker noch dazu. Und ja, irgendwie so lässt sich das Buch dann doch zusammenfassen. Ein erstaunlich gebildeter und bewanderter Kater, der im Hause des Professor Schneutz mehr oder weniger geduldet wird, berichtet von den Alltäglichkeiten, denen er begegnet – mit viel Hohn und Spott für die Menschen um ihn herum, und mit Humor. Die ersten beiden Sätze des Buches – 「吾輩は猫である。名前はまだ無い。」- „Gestatten, ich bin ein Kater! Unbenamst bislang.“ – sind in Japan übrigens so bekannt wie der erste Satz aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ anderswo. Der Kater basiert laut Wikipedia auf einem echten Kater, den Soseki Natsume bei sich aufnahm, und er selbst soll das Vorbild für den Professor gewesen sein. Ich hoffe dann aber doch, dass der Autor mit seinem eigenen Kater liebevoller umgegangen ist. Dieses Buch wurde mir im Übersetzungsunterricht als Beispiel einer überaus gelungenen Übersetzung eines japanischen Romans ins Deutsche von meinem Dozenten ans Herz gelegt. Er lobte vor allem die Übertragung der Bedeutung der Namen, was oft ja schiefgehen kann und mit Namen wie „Herr Mittelfeld“ dann eher an einen Herr-der-Ringe-Roman erinnert, hier aber sehr passend umgesetzt wurde. Ich las das Buch zuerst auf Deutsch, und dann vor kurzem auf Japanisch, um endlich einmal vergleichen zu können. Bei Übersetzungen scheiden sich ja immer die Geister, aber ich finde sie sehr gelungen. Dadurch, dass der Roman schon über 100 Jahre alt sind, versteht der moderne Leser (auch in der Übersetzung und auch mit den vom Übersetzer hinterlassenen Anmerkungen) vermutlich nicht alle Anspielungen und Witze, und trotzdem weiß das Buch immer noch zu unterhalten!

Die nächsten beiden Bücher sind (leider bisher) noch nicht auf Deutsch erschienen, aber vom Stil her sind die nicht allzu schwierig geschrieben, wer sich also dran versuchen mag … 😉

 

「あずかりやさん」大山淳子 – „Der Aufbewahrer“ von Junko Ōyama

Klappentext (aus dem Japanischen): „Vom Luxusfahrrad über Testamente, Briefumschläge mit unbekanntem Inhalt, Büchern usw. bewahrt der Aufbewahrer für nur 100 Yen pro Tag alles in seinem Laden auf und stellt keine Fragen. Hinter jedem anvertrauten Gegenstand steckt eine Geschichte, und Schicksale, die in keiner Beziehung zueinander zu stehen scheinen, beginnen, sich zu kreuzen …“

Ein Buch voller Kurzgeschichten, die sich alle um den Aufbewahrer Tōru Kishirima drehen. Die Geschichten werden dabei in jedem Kapitel von einem anderen Erzähler erzählt – mal vom Vorhang, der im Eingang des Ladens hängt, mal von einem abgegebenen Fahrrad. Man erfährt Stück für Stück mehr über die Beweggründe, aus denen die Leute Dinge beim Aufbewahrer abgeben, und auch mehr über den Aufbewahrer selbst. Eine Katze kommt auch drin vor – was will man mehr? 😛

 

「この闇と光」服部まゆみ –  „Von Licht und Schatten“ von Mayumi Hattori

Klappentext (aus dem Japanischen): „Das blinde Mädchen Leia wächst versteckt in einem magischen Wald, umgeben von Blumen, schönen Kleidern und der Liebe ihres Vaters, dem König des Landes. Oder nicht? Eines Tages scheint Leia alles, woran sie bisher geglaubt hat, entrissen zu werden …“

Ein Mystery-Thriller mit mehreren Plottwists, die ich so nicht kommen sah – mehr will ich gar nicht verraten. Dieses Buch hat mich auch wieder über das Cover angezogen. Mystery-Thriller lese ich selten, obwohl das auch wieder so ein Genre ist, in dem viel auf Japanisch publiziert wird. Das und Detektiv-Geschichten.

So, ich glaube, fünf Bücher reichen fürs Erste. Falls ich noch mehr Bücher finde, die mir gefallen, mach ich vielleicht eine Serie aus diesem Post 😉 Habt ihr irgendwelche der hier vorgestellten Bücher gelesen? Haben sie euch gefallen? Buchempfehlungen sind zudem auch immer willkommen 😉

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So ein sauberes Völkchen!

Japan verzaubert die Welt in der WM! Nicht mit seiner fußballerischen Leistung – Japan ist zwar weiter gekommen als Deutschland, aber inzwischen leider auch raus -, sondern mit dem Drang seines Volkes, seinen Müll in Stadien einzusammeln und mitzunehmen.

S__72908803Nun haben auch noch die Samurai Blue höchstpersönlich ihre Kabine vor ihrem Rückflug sauber gemacht und ein Dankeschön-Schild hinterlassen. „Japaner putzen sogar ihre Kabine“ titeln da die deutschen Nachrichten. Ich frage mich ja eher, was da sonst so für Schweine in den Kabinen und Stadien unterwegs sind, dass es einen Artikel in den Nachrichten wert ist, wenn sich mal jemand anständig benimmt O_o Das ist ja traurig! „In Japan ist es normal, dass wir Plätze sauberer hinterlassen, als wir sie betreten haben“, packt da der Trainer von Samurai Blue, Yoshida Maya, noch schön eins obendrauf.

Wirklich? Räumen Japaner immer ihren Müll auf? Meistens. Ja, doch. Die Großstädte sind an normalerweise sauberer, als man es vielleicht von Großstädten in anderen Ländern gewohnt ist. Und das, obwohl es kaum öffentliche Mülleimer gibt, was jedoch dazu geführt hat, dass es für die meisten Leute hier normal ist, dass sie ihren Müll mit sich rumschleppen, bis sie ihn zu Hause entsorgen können. Für die MEISTEN Leute, aber nicht für alle. Natürlich gibt es auch hier wie in jedem anderen Land Leute, die ihren Dreck dort fallen lassen, wo sie ihn produziert haben, und es ist noch gar nicht so lange her, da war ich mit Freunden bei einem Baseballspiel, und trotz eindeutiger Überzahl japanischer Fans auf den Sitzplätzen sah das Stadion am Ende dort aus:

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Und lasst mich gar nicht erst von den Sommerfestivals hier anfangen – und da gibt es oft sogar Mülleimer! SAUBERER als zuvor? Das sind dann doch eher die Ausnahmen.

Mich persönlich amüsiert die Begeisterung in Übersee über so ein, entschuldigung, Mindestmaß an Anstand wahnsinnig. Irgendwie sagt das ja mehr über die darüber mit so viel Faszination berichtenden Länder aus als über Japan selbst XD

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[Unterwegs] Hoch oben auf dem Berg, tief in der Höhle und mitten im Wald

Ich musste nicht mal einen teruteru bōzu 照る照る坊主 aufhängen, um die Regenzeit so schnell loszuwerden, wie ich es mir im letzten Beitrag gewünscht habe. Eine so kurze Regenzeit ist dann allerdings doch etwas gruslig und sicher kein Spaß für all die Reisbauern, die auf den Regen angewiesen sind. Zumal der Regen einer unerträglichen Hitze gewichen ist, in der man sich eigentlich nur vor die Tür trauen kann, wenn die Sonne bereits am Untergehen ist. Sommer in Japan ist und bleibt hardcore, und so kann ich nur mit Sehnsucht an unseren letzten Tag in Nagano zurückdenken, als Kei und ich uns bei Minustemperaturen von einer Seilbahn auf den Berg yatsugatake 八ヶ岳 befördern ließen. Für eine richtige Bergwanderung reichte unsere Zeit nämlich leider nicht, denn wir mussten am selben Tag ja noch den Rückweg nach Hause antreten.

Der Yatsugatake ist ein vulkanreiches Bergmassiv in Japan, das sich über die Präfektur Nagano und Yamanashi streckt – sagt Wikipedia. Ich kenne es vor allem als beeindruckende Bergkette, die man von fast überall in Nagano aus sehen kann.

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Der Yatsugatake vom hana pāku fiōre kobuchizawa 花パークフィオーレ小淵沢 aus gesehen.

IMG_9398Die Seilbahn ist mit 1900 Yen pro Person (rund 15 Euro) nicht ganz günstig, aber Parkplätze sind umsonst und in Hülle und Fülle vorhanden. Man kann die ganze Strecke auch zu Fuß bestreiten – was einige Leute getan haben, wie wir aus der Gondel beeindruckt feststellen -, aber dann dauert der Aufstieg sicher ein paar Stunden anstatt ein paar Minuten. Auf welchem Weg auch immer, oben angekommen befindet man sich auf  2237 Metern Höhe bei – in unserem Fall – minus 1 Grad. IMG_9404

Vom Ankunftsort aus kann man dann einen Rundgang ablaufen oder einen der vielen Wanderwege einschlagen – letzteres natürlich nur, wenn man ordentlich Zeit. Wir liefen also den Rundgang ab, und wieder einmal rettete mir nur Keis Winterjacke das Leben XD War das kalt! Nächstes Mal bin ich auf jeden Fall besser vorbereitet!

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2018-05-05 11.33.29Leider war es ziemlich bewölkt und man konnte nicht wirklich weit gucken, aber auf dem Rückweg hatten wir aus der Gondel heraus einen prächtigen Blick auf den tateshina-san 蓼科山, den wir uns inzwischen für unseren nächsten Ausflug nach Nagano vorgenommen haben. Man kann ja nicht ständig in Tateshina übernachten und nie auf den nahegelegenen Berg klettern 😉 Auf den Rückweg runter machten wir uns dann auch ein wenig eher, als wir geplant hatten, denn draußen war es, wie erwähnt, bitterkalt und beide Cafés oben waren hoffnungslos überlaufen. Zu schade. Aber das Problem „zu viele Menschen“ hat man auf Bergen, auf deren Spitze man mit einer Seilbahn fahren kann, ja leider immer orz

Unten angekommen wurde man ganz geschickt durch den riesigen Mitbringselbereich geführt, in dem man irgendwie versuchte, die Schweiz zu sein.

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Warum man das bei einer Bergkette tut, die doch selbst so alt und so voller Geschichte ist, ist mir ein Rätsel.

Auf dem Heimweg lassen wir uns ja gerne Zeit und fahren noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit ab. Dieses Mal hatte ich mir eine Höhle ausgeguckt, die mir auf unserem Ausflug zum Fuji Shibazakura-Festival 富士芝桜祭り in Yamanashi aufgefallen ist: eine Eishöhle! In Yamanashi war es auch warm genug, dass diese für ein wenig angenehme Abkühlung sorgen würde. So der Plan. Allerdings hatten nicht nur wir diese fantastische Idee. Auf dem Weg zur Eishöhle gerieten wir in einen Stau, aus dem es kein Entkommen zu geben schien und der sich am Ende als Schlange hin zum Parkplatz der Eishöhle herausstellte. Äh, ja, vielleicht dann doch lieber nicht. Wir nutzen einen günstigen Augenblick, entkamen dem Stau und entdeckten, während wir ein wenig unschlüssig, was wir jetzt hier unternehmen könnten, in der Gegend herumfuhren, eine andere Höhle: die Fledermaushöhle. Das klang doch auch ziemlich cool!

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2018-05-05 15.39.27Und dort gab es auch freie Parkplätze! Für je 300 Yen (rund 2,50 Euro) erstanden wir Eintrittskarten und wurden mit jeweils einem Helm ausgerüstet. Machte ich mich zu Anfang darüber noch halb lustig, musste ich innerhalb der Höhle schnell feststellen, dass diese absolut nötig waren. Je tiefer man in die Gänge hervordrang, desto niedriger wurden nämlich die Decken, und auch wenn man sich nur hockend fortbewegte, stieß man links und rechts und oben und schräg und überall an. Meinen Rucksack musste ich irgendwann abnehmen und wie eine Affenmama ihr Affenbaby fest an den Bauch gedrückt tragen. Auf so abenteuerliche Wege bin ich dann doch nicht vorbereitet gewesen und hätte mir im Nachhinein gewünscht, ich hätte meine Wanderschuhe statt meiner Turnschuhe getragen. Wenn ihr geht: Seid schlauer als ich! Fledermäuse haben wir übrigens nicht eine gesehen, was mich bei den ganzen Leuten, die sich jedes Mal, wenn sie mit dem Kopf irgendwo anstießen, laut erschreckten, nicht wirklich überraschte.

Kei war nach all der Fahrerei der letzten Tage ziemlich fertig und beschloss, auf dem nicht wirklich gefüllten Parkplatz der Fledermaushöhle im Auto eine Stunde zu schlafen bevor es zurück nach Kanagawa ging. Ich wollte eigentlich lesen, doch schnell wurde mir langweilig und ich beschloss, den Wald, neben dem wir geparkt hatten, ein wenig näher unter die Lupe zu nehmen. Ich hinterließ Kei eine Nachricht auf dem Handy und huschte in den Wald. Und was für ein Wald das war! Die Bäume standen hoch und ließen doch sanftes Sonnenlicht durch. Der Boden war weich und man gab beim Laufen kaum ein Geräusch von sich. Ich hörte das Zwitschern der Vögel, aber sonst kein anderes Geräusch. Keine Menschen, keine Autos, keine Flugzeuge. Es war fast therapeutisch.

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Unterwegs entdeckte ich noch einen Wegweiser zu einem Vogeldorf – und damit hätten wir unser Ziel für einen weiteren Ausflug nach Yamanashi 😉

Ich kam am Auto an als Keis Alarm gerade losging. Verwundert sah er mir an.

Kei: „Wo kommst du denn her?“
Ich: „Aus dem Wald! Der ist so schön, ich wär am liebsten dort geblieben!“
Kei: „Du bist in DEN Wald dort rein?“

Kei sah ungläubig in die Richtung, aus der ich gerade gekommen war. Dann klärte er mich darüber auf, dass ich soeben in den Aoikigahara-Wald 青木ヶ原 gelatscht bin, der auch als „Selbstmordwald“ bekannt ist O_o Der Spitzname kommt nicht von ungefähr. Jedes Jahr werden in dem Wald erschreckend viele Leichen von Selbstmördern geborgen, was laut Internet auf zwei Romane des japanischen Schriftstellers Matsumoto Seichō zurückzuführen ist. Quasi „Die Leiden des jungen Werthers“ der japanischen Literatur. So kam der Wald auch außerhalb Japans zu eher trauriger Berühmtheit und wird immer wieder in den verschiedensten Medien aufgegriffen. Was dann wieder nur seine Beliebtheit als Ort zum Suizid fördert. Solange man sich auf den ausgeschriebenen Wegen bewegt, läuft man natürlich eher nicht Gefahr, auf eine Leiche zu treffen, aber allein bei der Vorstellung wurde mir doch anders … aber nur ein kleines bisschen. Zum Wildvogelpark will ich trotzdem irgendwann noch! Aber zumindest für diesen Tag war ich dann doch bereit für die Heimfahrt – nach einer kurzen Stärkung mit Rhabarberkuchen 😉 Hach, Nagano und Yamanashi verwöhnen mich :3

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[Unterwegs] Ein ruhiger Tag in Nagano

Die Regenzeit hat wieder einmal Einzug gehalten. Zwei Tage früher als sonst und damit pünktlich zu meinem Geburtstag, der vollkommen verregnet war. Diese fünfte Jahreszeit, wie man sie in Japan gerne bezeichnet, zieht mich immer sehr runter. Es regnet natürlich nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche lang, aber allein der Mangel an Sonne drückt aufs Gemüt. Ich habe die Sonne bestimmt seit (nur) einer Woche nicht mehr gesehen, aber es fühlt sich länger an. Die Regenzeit kann sich übrigens mit ganz viel Pech bis Ende Juli hinziehen. Ich hoffe natürlich auf ein so baldiges Ende wie letztes Jahr, wo sich der Regen schon Anfang Juli verkrümelte. Vielleicht sollte ich einen teruteru bōzu 照る照る坊主 ins Fenster hängen 😛

Und so denke ich viel lieber an unsere Ausflüge im letzten Monat zurück, wo es so schön sonnig und warm war. In Nagano zum Beispiel – oder war es sogar schon ganz knapp über der Grenze nach Yamanashi? – fanden Kei und ich einen Blumenpark, den hana pāku fiōre kobuchizawa 花パークフィオーレ小淵沢, der zuerst ganz unscheinbar wirkte und wo wir uns nach einer längeren Fahrt eigentlich nur kurz die Beine vertreten wollten, und von dem aus man dann doch tatsächlich den Fuji-san sehen konnte!

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In letzter Zeit hat der Berg es wirklich gut mit mir gemeint. Wollte mich wohl für all die Jahre entschädigen, in denen er Verstecken mit mir gespielt hat! Entschuldigung angenommen 😛

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Der Park ist ausladender, als es auf den ersten Blick wirkt und eignet sich für einen gemütlichen Spaziergang und das Ausprobieren eines lichtstarken Objektivs mit fester Brennweite an den vielen wunderschönen Blumen 😉

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Ja, das bin ich da ganz klein in dem Häuschen!

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Trotz Golden Week war der Park fast leer – so liebe ich mein Nagano!

Was hatte uns eigentlich hier in diese Gegend verschlagen? Wie ich in meinem vorhergegangenen Eintrag erwähnt habe, war es kalt in Nagano. So unglaublich kalt. Wir hatten uns daher von unseren Pensionsbesitzern ein paar Tipps geben lassen, wo wir uns ein wenig vor der Kälte verkrümeln konnten, und ein Vorschlag war das hoshi no risōto 星野リゾート, das Sternen-Resort, ein Einkaufszentrum mit vielen kleinen Läden, die organische Lebensmittel oder Handgemachtes anboten.

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Das Gelände war wirklich schön und ganz europäisch aufgemacht. Leider war alles dort recht teuer, aber wir entdeckten einen Bücherladen mit integriertem Café, oder war es ein Café mit Bücherladen? Auf jeden Fall konnte man dort sitzen, Kaffee trinken und alle Bücher lesen, die dort auch zum Kauf standen.

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IMG_9279Viele Bücher drehten sich um Minimalismus, veganisches Kochen, zero waste und ähnliches. Eine andere Kategorie waren Reisen und die Kultur anderer Länder, es gab aber auch viele japanische Klassiker. Es müsste viel mehr Bücherläden dieser Art geben. Ich meine, ich verlasse Bücherläden eh selten ohne ein neues Buch, aber Bücher vorher anlesen zu können, hat eine noch mal ganz neue Überzeugungskraft 😛 Japanische Klassiker sind oft schwer zu lesen, da sie häufig in einem älteren Japanisch geschrieben sind, und ich hatte endlich mal die Zeit, mir einen Klassiker rauszusuchen, dessen Japanisch mich nicht gleich in die Knie zwingen würde.

Das war eindeutig einer der wenig wirklich relaxten Tage, die wir uns sonst in Nagano so gönnen. Hatte auch mal was für sich. Trotzdem fielen wir abends wieder todmüde ins Bett. Das gute Essen macht’s. Und die frische Luft. Und zumindest für den nächsten Tag hatten wir auch wieder eine Wanderung geplant 😉

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Ein neuer Blickwinkel

Wenn es auf Arbeit viel zu tun gibt, wird es auf meinem Blog immer etwas ruhiger. Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass mir die Lust auf Schreiben vergeht, wenn ich auf Arbeit Massen an Texten produzieren muss, sondern daran, dass genau diese Massen an Texten meine Handgelenke belasten und ich aufpassen muss, keine Sehnenscheidenentzündung zu bekommen. Ja, kreatives Arbeiten rockt manchmal total orz So, dann also mein Eintrag über unsere Golden Week jetzt erst im Juni.

Ihr kennt die ganze Prozedur ja eigentlich schon: gleiche Pension in der gleichen Stadt in der gleichen Präfektur. Wird das nicht langweilig? Bisher nicht. Möchte ich nicht auch mal andere Präfekturen besuchen? Doch, klar, aber nicht zur Hauptreisezeit. Denn in der Golden Week platzt Japan eigentlich fast überall aus allen Nähten, nur eben in Nagano in Tateshina nicht. Das mag an den Temperaturen liegen. Auch ich hatte sie dieses Mal etwas unterschätzt, und hätte Kei mir nicht aufopferungsbereit seine Daunenjacke gegeben und sich danach selbst in alle drei Jacken, die er geistesgegenwärtig noch eingepackt hatte, gekuschelt, wären wir erfroren. Aber so ging es 😉

Da ich schon so oft über Nagano geschrieben habe, will ich hier heute den Fokus mal auf etwas anderes lenken. Letztes Jahr habe ich mir eine neue Spiegelreflex-Kamera zugelegt. Eine Canon mit ihrem Standardobjektiv, das ich seitdem ausgiebig genutzt habe. Es kann verdammt gut zoomen und schwächelt auch im Makro nicht, ist also perfekt als Reiseobjektiv. Nun habe ich mich aber auch im letzten Jahr immer mehr in die Feinheiten der Fotografie eingelesen – nicht, dass ich sie dadurch beherrschen würde, ich bin ehrlich gesagt mit der Infoflut manchmal ein wenig überfordert -, hatte für eine Weile mein Auge auf ein lichtstarkes Objektiv mit fester Brennweite geworfen und es mir vor dem Urlaub dann gegönnt. Was kann so ein lichtstarkes Objektiv mit fester Brennweite? Auch bei schwachen Lichtverhältnissen ganz wunderbar belichtete Bilder machen, sowie das Hauptmotiv scharf und den Hintergrund (oder auch Vordergrund oder auch beides) mit, wie Canon es so schön formuliert, „attraktiver Unschärfe“ darstellen. Wie sieht das dann aus?

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Natürlich lässt sich diese Unschärfe, die unter Fotografen übrigens auch als Boke-Effekt bekannt ist (vom Japanischen ぼけ – verschwommen, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass japanische Hersteller auch heute noch führend in der Fotografie sind), auch mit normalen Objektiven erreichen, aber mit einer Blende von 1.8 ist es sehr viel einfacher. Und wie man auf den ersten drei Fotos erkennen kann, hatten wir am ersten Tag Regen und damit dunklen Himmel, wodurch sich die Lichtstärke des Objektivs noch mal besonders bewährte.

Was so ein Objektiv nicht kann, ist – logisch durch die feste Brennweite – zoomen. Das war sehr interessant für mich, denn von meinem anderen Objektiv bin ich es gewohnt, von genau dort, wo ich stehe, alles, was ich fotografieren will, so nah heranholen zu können, wie ich es will. Mit dem lichtstarken Objektiv bin ich es jetzt, die sich bewegen, näher rangehen oder sich weiter entfernen muss. Im Makro kam ich mit dieser Art des Fotografierens schon mal sehr gut klar, auch für Porträts ist das Objektiv gut geeignet, aber der verschwommene Hintergrund bei Landschaftsaufnahmen mit einem Hauptobjekt wie einem Wegweiser in der Mitte wollte mir noch nicht ganz so gelingen. Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Und so konnte ich dank neuem Objektiv und neuer Fotografierweise auch Nagano mal wieder auf neue Weise entdecken – zumeist irgendwo auf dem Boden im Makromodus 😛

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