[Unterwegs] Nagano-Spezial: Mit einem Klaps näher am Himmel

Es geht weiter mit unserem Sommerurlaub in Nagano:

Nachdem wir uns am Morgen schon zum Togakushi-Schrein vorgekämpft hatten, blieben wir dem Motto des Tages treu und besuchten den Zenkō-Tempel 善光寺, den Tempel des guten Lichts, in der Stadt Nagano. Er befindet sich in einer großen Tempelanlage, in der man versuchte, mich mit Tempelstempeln in den Ruin zu treiben 😛

Um zur Haupthalle zu gelangen, läuft man vom Parkplatz aus zuerst eine lange Straße im Tempelbezirk entlang, die rechts und links gesäumt ist mit Läden, die mal mehr, mal weniger traditionelle Dinge verkaufen.

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IMG_7457Das ganz untraditionelle Apfeleis hatte bei der Hitze einen ganz besonders starken Reiz, auch wenn der Herr auf dem Foto oben mit seiner Jacke gerne vorgaukeln möchte, es wäre angenehm kühl gewesen. Das war es leider nicht.

Am Wochenende soll die Straße übrigens richtig überfüllt sein, aber an dem Freitag Nachmittag, an dem wir da waren, waren zwar auch viele Touristen unterwegs, aber für einen Tourispot in Japan konnte man die Gegend als wirklich leer bezeichnen.

Geht man also nun eisfutternd die Straße entlang, durchschreitet man irgendwann das Haupttor des Tempels und steht dann vor der Haupthalle.

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Nein, das sind keine Hakenkreuze 😛

Sie soll eine der größten Tempelhaupthallen Japans sein und wirkte in der Tat gigantisch. Im Prinzip war alles in dieser Anlage irgendwie gigantisch. Rechts vor der Haupthalle befand sich ein Haus so groß wie ein konbini, in dem man von Glücksbringern über Stempel bis hin zu Statuen alles kaufen konnte, was das Touriherz begehrt.

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Ich war brav und habe mir von den 10 (!) in der Haupthalle erhältlichen Stempeln nur einen geholt. Den Sommer-Sonderstempel oder so was. Zusätzlich zu diesem Überangebot in der Haupthalle gab es noch extra Stempel in den Nebentempeln auf dem Weg zum Tempel. Leute, ey! Wollt ihr mich in den Ruin treiben???

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Ich muss mich ja quasi selbst dafür loben, dass ich mich bei der Auswahl so zurückhalten konnte, dass es am Ende dann nur drei neue Stempel in meinem Buch wurden 😛

Wie es sich für einen buddhistischen Tempel gehört, gab es natürlich auch viele Buddhastatuen.

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Eine versteckte soll es auch geben, aber, na ja, wie der Name schon sagt, wenn es die gibt, ist sie versteckt.

IMG_7450Eine Statue, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die einer Bodhisattva umringt von Kindern. Im Buddhismus gibt es viele Tempel, die dem Schutz verstorbener Kinder gewidmet sind (z.B. der Hase-Tempel in Kamakura), und zwar nicht nur totgeborenen oder nach der Geburt verstorbenen, sondern auch abgetriebenen Kindern, und ich finde es schön, dass man hier den Eltern einen Ort zum Trauern und auch ein wenig der Hoffnung einräumt, denn die Kinder stehen ja nun unter dem Schutz dieser Bodhisattva.

Auf unserem Weg zurück zum Haupttempel durften wir dann noch einer Zeremonie beiwohnen, wegen der wohl viele Leute überhaupt zum Zenkō-Tempel pilgern, und von der wir aber (mal wieder :P) überhaupt nichts wussten. Plötzlich kamen von links und rechts Sicherheitsleute und es hieß „Die Hohepriesterin kommt! Runter an die Linie oder aus dem Weg!“ Kei und ich setzten uns also im Seiza an die Linie und alle um uns herum machten mit. Dann kam die Hohepriesterin – sie befand sich auf ihrem Weg zur Haupthalle – und verpasste jedem im Vorbeigehen einen kleinen Klaps auf den Kopf. Und damit hatten wir ohne es zu wissen an einem Segnungsritual teilgenommen und sind nun beide einem Schritt näher am Himmel XD Hier auf einem Bild auf Wikipedia zum Zenkō-Tempel sieht man, wie das aus der nicht teilnehmenden Perspektive aussieht: klick. Man erkennt, dass der Klaps mit der Gebetskette, der juzu 数珠 in der Hand des Priesters bzw. der Priesterin erfolgt, weshalb das Ritual als お数珠頂戴 ojuzu chōdai – die Gebetskette empfangen – bekannt ist.

In der Stadt Nagano war es fast genauso heiß wie Zuhause in Kanagawa, und ich hatte mich von der verführerischen Kühle Tateshinas blenden lassen und war viel zu warm angezogen im schwarzen T-Shirt und langer Hose. Als ich mich für das Ritual aber auf den heißen Asphalt setzen musste, war ich mehr als dankbar für meine bedeckten Beine XD Allerdings konnte ich es auch kaum abwarten, bis wir endlich im kühlen Tateshina waren. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag 😉

Zugabe:

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„Für Glück bitte einmal sanft am Kopf streicheln“

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Spinnentheater: Reloaded (keine Fotos!)

Ich hasse Spinnen so sehr, ich wäre gar nicht in der Lage, hier Fotos von ihnen zu posten …

Einige Leser werden sich an mein Spinnentheater vom letzten Oktober erinnern. Was damals der pure Horror für mich war, wird nun ein wenig von dem in den Schatten gestellt, was wir hier derzeit mit Spinnen zu kämpfen haben.

Alles fing Anfang Mai an, als mir neben unserer Eingangstür ein riesiges Spinnennetz auffiel. Während ich dafür war, dass wir (= Kei) dieses Netz sofort entfernen, sprach Kei sich dafür aus, es zu behalten, denn es hätte doch seine Vorteile, so einen kleinen, persönlichen Mückenfänger neben der Tür sitzen zu haben. Ja, er sagt klein, und zu dem Zeitpunkt war das die Spinne auch noch. Wir ließen sie also vorerst dort sitzen und ich hielt beim Kommen und Gehen einen mehr als gebührenden Abstand.

Kei fing langsam an, die Spinne ziemlich zu mögen und taufte sie „Bibi“. Es heißt ja, man verliert seinen Ekel vor Spinnen und ähnlichem, wenn man ihnen einen Namen gibt. Bei mir funktionier der Trick leider nicht.

Anfang Juni dann plötzlich sahen wir Bibi für eine ganze Weile gar nicht mehr. Das Netz war noch da, verschiedenste Insekten sorgfältig darin eingewickelt, aber das Spinnentier war nirgends zu sehen. Ich war voller Hoffnung, dass sie sich einen anderen Hauseingang zum Rumschmarotzen gesucht hat.

… Leider nein. Als ich Bibi nach ein paar Wochen Abwesenheit wieder zur Gesicht bekam, war sie ungefähr drei Mal so groß wie damals, als ihr Anblick mich zum ersten Mal in Schockstarre versetzte. Ich glaube, wenn man noch nie in Japan war, kann man sich schlecht vorstellen, wie groß die Viecher hier werden, aber sie erreichte gut die Ausmaße meiner Handfläche. Google verriet mir, dass wir es hier mit einer sogenannten onigumo 鬼蜘蛛, Dämonenspinne, zu tun haben. Hat hier irgendwer Inuyasha geguckt? Dann dürfte euch dieser Begriff was sagen. Nur sind echte Onigumo nicht hinter dem Juwel der vier Seelen her, aber sie sind einfach mal verdammt groß und eklig. Aber Kei setzte sich weiter für ihren Verbleib ein. Bis, tja, bis …

… ich am Morgen unserer Abfahrt nach Nagano die Tür öffnete und dann feststellen musste, dass Bibi ihr verdammtes Netz einmal quer über selbige ausgeweitet hatte. Dass ich nicht direkt reingelaufen bin, war reines Glück, denn nur durch die für mich ungewöhnlich frühe Uhrzeit stand die Sonne so, dass ich das Netz überhaupt gesehen habe! An jedem anderen Morgen hätte ich mit dekorativ im Haar verteiltem Spinnennetz zur Arbeit gemusst O_o

Damit hatte Bibi sich leider die fristlose Kündigung ihres Mietvertrages eingehandelt, und mutig stapfte Kei mit Schirm und Zeitungspapier bewaffnet nach draußen, um sich des Problems anzunehmen. Was dann folgte, kann ich nur aus Keis Bericht nacherzählen, denn als professionelle Spinnenphobikerin versteckte ich mich natürlich in der Wohnung. Anscheinend fand Bibi es gar nicht so toll, dass Kei sich an ihrem Netz zu schaffen machte und sprang ihn an. Er fing sie mit dem noch geschlossenen Schirm ab, und als sie anfing, auf ihn zuzukrabbeln, ließ er den Schirm aufschnellen und beförderte sie im Freiflug über eine kleine Mauer auf den Parkplatz nebenan. Und so ward Bibi nicht mehr gesehen …

Auf dem Weg nach Nagano scherzten wir, dass Bibi aus Rache bis zu unserer Rückkehr sicher das ganze Haus mit ihrem Netz umwickelt hätte. Das ganze Haus wurde es nicht, aber auf dem Balkon, genau dort, wo ich die Wäsche zum Trocknen hinhängen muss, wartete ein prächtiges Spinnennetz auf uns. Dieses Netz erwartet uns seitdem jedes Wochenende, egal wie oft wir es entfernen. Jedes Wäscheaufhängen beginnt seit nun fast 2 Monaten mit einer umfangreichen Spinnennetzentfernung. Wir wissen nicht, ob es Bibi ist, aber die Vermutung liegt nah. Bibi selbst oder eine ihrer Gefolgsspinnen. Am Ende hätten wir wohl einfach aus dem Fenster in unseren Urlaub klettern sollen, bevor wir den Zorn einer Dämonenspinne auf uns ziehen. Na ja, hinterher ist man immer schlauer 😛

Auf Arbeit meinte ich letzte Woche zu einer Kollegin „Ich kann es kaum erwarten, bis es draußen zu kalt für Spinnen ist!“, woraufhin sie entgegnete „Kommen die dann nicht in die Wohnung?“ … Es bleibt also eventuell … ähm … spannend …

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[Unterwegs] Nagano-Spezial: Ein versteckter Schrein

Seit 19 Tagen regnet es nun schon. Nicht 24 Stunden am Tag, aber doch jeden Tag. Laut Nachrichten steuern wir damit auf einen Rekord zu, über den sich wohl wirklich niemand freut. Heute zog eine ganz besonders heftige Regenfront über uns hinweg, mit Blitz und Donner und Sturzbächen. Vielen Leuten hat der Regen die schöne obon-Ferienwoche versaut, und die extreme Luftfeuchte sowohl draußen als auch drinnen ist ebenfalls alles andere als angenehm. Und so waren Kei und ich im Nachhinein mehr als froh, dass wir unseren Sommerurlaub immer halbwegs frei festlegen können und ihn dieses Jahr auf die zweite Juliwoche gelegt hatten. Zwar hatten wir einen Tag auch Regen, aber das war nichts im Vergleich zu dem, was die Leute, die jetzt ihren Urlaub haben, ertragen müssen O_o

Und so habe ich dann auch den Bogen zum heutigen Thema gespannt: Unserem Sommerurlaub, den wir, wie ich es in einem anderen Blogpost schon angekündigt hatte, ja wieder in Nagano verbracht haben, denn dort wurden uns Ruhe und kühle Luft versprochen, und genau das bekamen wir die meiste Zeit auch. Ich verstehe immer mehr, warum sich viele Menschen im Sommer so gerne in diese Präfektur zurückziehen. Unser Pensionsbesitzer riet uns aber nachdrücklich davon ab, zur obon-Zeit zu kommen, denn dann wäre Tatenshina vollkommen überlaufen. Zur Kenntnis genommen und für alle weiteren Urlaubsplanungen abgespeichert!

Als wir im Mai beim Abendessen in der Pension fragten, welches Ausflugsziel man uns denn so empfehlen könne, erzählte man uns vom Togakushi-Schrein 戸隠神社, einem Schrein in den Bergen in der Stadt Togakushi, der als sogenannter Powerspot bekannt ist. Während das mein Interesse eher nicht wecken konnte, tat es der folgende Satz schon eher: „Und ein total beliebter Ort für Fotografen!“ Na also 😛 Und weil wir im Mai leider keine Zeit mehr hatten, zum Schrein zu fahren – er ist recht weit von Tateshina entfernt -, stand er dieses Mal gleich als erstes auf unserer Liste.

Der Name des Schreins beinhaltet das Kanji für „verstecken“, und genau das kann man über den Schrein behaupten: Er versteckt sich ziemlich gut. Am äußersten Zipfel Naganos liegt er, und die abenteuerlichste Straße muss man sich mit Auto oder Bus entlang schlängeln, um zu ihm zu gelangen. Angekommen und das Auto geparkt, hat man es mitnichten geschafft, denn so erreicht man nur den Hōkōsha 宝光社 , den niederen Schrein, und den Chūsha 中社, den mittlerer Schrein.

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Tor vor der Treppe hoch zum Hōkōsha


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Der Hōkōsha

Für die Hauptattraktion, den Okusha 奥社, den oberen Schrein, muss man eine Wandertour auf sich nehmen, die es an diesem Tag durch die krass hohe Luftfeuchte wirklich in sich hatte. Ich glaube, bei angenehmem Wetter ist der Weg gar nicht mal so anstrengend, aber bei 30 Grad und 100% Luftfeuchte schwitzten und keuchten und schnaubten wir die 2 Kilometer bis zum Okusha entlang. Nein, das frische Klima von Tateshina hat Togakushi in der Tat nicht zu bieten. Doch der Weg zum Okusha ist ein wunderschöner, link und rechts gesäumt von Natur, und es gibt viel zu sehen. Das Wächtertor zum Beispiel, das zuishinmon 随神門, mit dem riesigen Moosdach.

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Und gleich dahinter gigantische Zedern, die den Weg zum oberen Schrein säumen und denen nachgesagt wird, dass sie im 17. Jahrhundert gepflanzt wurden.

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Ist man nach 40 – 60 Minuten endlich am oberen Schrein angekommen, bekommt man dort durch die fehlenden Sitzmöglichkeiten leider nicht die Pause, die man sich den ganzen Weg dorthin wünscht. Aber man darf beten, sich Schreinstempel und Glücksbringer kaufen, und viele, viele Photos machen. Die Bergkette im Hintergrund verstärkte das Gefühl, dass man sich hier an einen ganz abgelegenen Ort vorgeschlagen hat.

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IMG_7427Es war an dem Tag übrigens so luftfeucht, dass das Objekt meiner Kamera beschlug, sobald ich den Objektivdeckel schloss, weil sich wirklich überall das Wasser sammelte. So was hab ich bisher hier auch noch nicht erlebt O_o Dann halt mit ständig offenem Objektiv, es gab es immer was zu knipsen 😛

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Auf dem Rückweg machten wir bei einem soba-Laden Halt, der genau auf der Strecke zurück zum Parkplatz lag, und gönnten uns die köstlichen soba-Nudeln, für die die Region bekannt ist.

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Um gerade einmal 12 Uhr waren wir bereits fix und fertig, aber wir hatten noch weitere Pläne für diesen Tag. Wir freuten uns aber da schon mal wahnsinnig auf die kühle Luft und die niedrige Luftfeuchte, die Tateshina uns für den Abend versprach 😛

[To be continued …]

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Die Freuden des japanischen Sommers

Viele sind es für mich nicht, daraus mache ich auf diesem Blog sicher keinen Hehl XD Die hohen Temperaturen gepaart mit der unerträglichen Luftfeuchte und der stechenden Sonne nehmen mir einfach mal schnell die Lust auf alles. Doch wenn irgendwo ein Sommerfestival oder aber auch ein Sommerfeuerwerk rufen, kann ich meinen Schweinehund dann meist doch überwinden und mich vor die Tür bewegen 😉

So haben wir es dieses Jahr dann doch wieder auf das Kamimozo-Festival 上溝祭り in Sagamihara 相模原市 geschafft, das mich letztes Jahr schon durch die vielen Festwagen und bunten Kostüme begeistert hat.

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Während wir uns unseren Weg von Fressbude zu Fressbude durchs Festival bahnten – Ja, „bahnten“! Nicht „kämpften“ wie auf dem Tanabata-Festival Anfang Juli in Hiratsuka! – konnten wir uns an vielen traditionellen Tänzen auf oder vor den Festwagen erfreuen und hatten sogar Platz genug, um unsere Kameras hervorzuholen 😉

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Highlight für viele wie immer war, ihrem Kind von einem der Löwen in den Kopf beißen zu lassen, denn das soll Glück bringen und die Kinder klüger machen.

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2017-07-22 19.13.38Mein Highlight? Ich würfelte am Schokobananen-Stand einen Pasch und erhielt statt einer gleich VIER Schokobananen! Ausgleichende Gerechtigkeit, weil ich beim Tanabata-Festival keine gekriegt habe!!! Drei davon musste ich allerdings selbst essen, weil Kei sich an den anderen Ständen schon so vollgefressen hatte. Na ja, auch kein Problem 😛

Von den Temperaturen her war es dieses Jahr auf dem Kamimizo-Festival übrigens genauso angenehm wie letztes Jahr. Der richtig mörderische Sommer kommt meist eben doch erst im August … also jetzt … orz

Trotzdem hat uns das nicht davon abgehalten, uns gestern Abend das Feuerwerk am Ende des Atsugi Ayu-Festivals あつぎ鮎まつり anzugucken. Auf dem Festival selbst waren wir nicht, denn das fand in Atsugi 厚木 statt, wir wollten uns das Feuerwerk aber von einem Park in Ebina 海老名 aus angucken. War das letztes Jahr noch quasi ein nicht ganz so überlaufener Geheimtipp dafür, fühlte er sich dieses Jahr wahnsinnig voll an. Dadurch, dass es sich nicht um einen offiziellen Platz zum Feuerwerk-Gucken handelt, gab es keine Ordner, weshalb viele Leute aufstanden, umherrannten, sonst wie im Sichtfeld standen und es alles ziemlich unruhig wirkte – eigentlich ein Frevel in Japan! Das Feuerwerk war trotzdem sehr schön und wir hatten uns auch ein tolles Picknick eingepackt, aber nächstes Mal wandern vielleicht ein paar faule Tomaten mit in die Tasche, damit ich meinen Frust wenigstens richtig rauslassen kann, wenn jemand entscheidet, im Sichtfeld der anderen zu stehen wäre doch auch mal eine tolle Idee *grrr*

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[Unterwegs] Auf Tempel- und Schreintour in Kamakura

Kaum verkündete NHK das Ende der Regenzeit, scheint sich das Wetter vorgenommen zu haben, die Massen an Regen, die eigentlich in der Regenzeit fallen sollten und zumindest hier doch nicht fielen, einfach jetzt nachzuholen. So schwankt das Wetter bereits das ganze Wochenende zwischen Nieselregen und Sturzbächen – und durch letzteren musste ich mich gestern nach dem Einkaufen nach Hause schleppen. Seitdem verbarrikadiere ich mich im Trockenen und komme nun endlich mal dazu über einen Ausflug zu schreiben, den Kei und ich bereits im Mai unternommen haben. Als es draußen noch angenehm warm war statt brütend heiß und luftfeucht. Und zwar hatten wir beschlossen, uns in Kamakura mal ein paar der Tempel und Schreine anzugucken, die wir bisher sträflich vernachlässigt hatten, denn auch für uns ging es dort meist doch nur zu den allseits bekannten Touristenattraktionen: dem Daibutsu, dem Tsurugaoka Hachiman-Schrein, dem Genjiyama-Park und dem Hase-Tempel.

Dieses Mal hingegen standen auf der Liste: der Hōkoku-Tempel 報国寺 und sein Bambuswald, der Sugimoto-Tempel 杉本寺 und der Egara Tenjin-Schrein 荏柄天神社 – ich natürlich mit meinem Stempelbuch im Anschlag 😉 Die Orte liegen alle etwas entfernt vom Kamakura-Bahnhof, und hin sind wir mit einem Bus gefahren. Den Rückweg haben wir allerdings zu Fuß bestritten, weil uns der Bus einfach zu voll war, und das war auch ohne Probleme zu schaffen.

Der Hōkoku-Tempel war unsere erste Anlaufstelle und etwas überlaufener, als wir es erwartet hatten. Am Eingang kauft man seine Eintrittkarte – 200 Yen pro Person glaube ich -, gibt sein Stempelbuch ab und erwirbt – wenn man denn lesen kann und das kann ich offensichtlich nicht – Tickets für das Teehaus. Im Nachhinein sehr ärgerlich, dass wir das übersehen haben, denn ich hätte mich wirklich gerne ins Teehaus gesetzt, aber dort konnte man im Nachhinein leider keine Tickets mehr erwerben 😦

Es macht dem Besuch allerdings auch keinen Abbruch, wenn man nicht ins Teehaus kann, der Bambuswald bietet nämlich einen wirklich beeindruckenden Anblick – und wegen dem waren wir ja letztendlich hier 😉

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IMG_0602Persönlich fand ich ihn sogar beeindruckender als den Bambuswald in Kyōto – vermutlich, weil man dem mit der fetten Schneise, die man da für die Touristen durchgeschlagen hat, und mit die hohen Zäune an beiden Seiten einfach mal so jegliche Atmosphäre genommen hat. Hier am Hōkoku-Tempel hat man wirklich das Gefühl mitten im Wald zu stehen. Groß ist er allerdings nicht, man ist auch mit ausgiebigem Fotografieren relativ schnell durch. Wir gingen die Runde also einfach ein zweites Mal 😛

Das Gelände scheint ein beliebter Ort für Yukata-Fotos zu sein, und so trafen wir auch mehrere Gruppen, die dort Yukata-Fotoshootings veranstalteten … und allen anderen damit irgendwie im Weg standen -.-‚ Um so ein menschenleeres Bild vom Bambuswald wie dieses hier zu bekommen, muss man jedenfalls eine Weile sturköpfig warten, bis sich alle Touris und Yukata-Schönheiten verkrümelt haben. In der Hinsicht habe ich mich sehr an den Fushimi Inari-Schrein erinnert gefühlt 😛

Ach ja, am Ende natürlich nicht vergessen, sein Stempelbuch am Eingang wieder abzuholen 😉

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Der Sugimoto-Tempel ist quasi nebenan, aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, er wäre leicht zu finden. Ausgeschildert ist er nämlich erst da, wo man bereits vor ihm steht. Der Hōkoku-Tempel war auch nicht wirklich ausgeschildert, aber durch die Massen an Leuten, die es dorthin zog, wusste man, in welche Richtung man vom Bus aus gehen muss 😛 Für den Sugimoto-Tempel geht man zurück zur Straße, an der man vom Bus abgesetzt wurde, und läuft dann kurz den Weg zurück, den man mit dem Bus gekommen ist, schon sieht man ihn … also die Treppe, die man bis nach oben nehmen muss 😛 Eintritt bezahlt – wieder 200 Yen pro Person, wenn ich mich nicht irre – und hoch geht es!

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Gegründet im Jahr 734 ist der Sugimoto-Tempel einer der ältesten Tempel in Kamakura, und das sieht man ihm an vielen Stellen auch an. Und das meine ich durchaus positiv, denn so hat der Tempel wirklich ordentlich Atmosphäre 😉

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IMG_0631Bis zur Haupthalle muss man sich mehrere Treppen hochkämpfen, die alle geschlängelt um das Gelände herumführen. Der Grund dafür ist, dass es bereits eine Treppe gibt, die von unten geradewegs auf die Haupthalle zuführt. Diese ist allerdings so alt und so mit Moos bewachsen, dass man sie einfach nicht mehr gefahrlos benutzen kann.

In der Haupthalle kann man beten, sich die drei Kannon-Statue des Tempels ansehen und sich einen Stempel für sein Buch abholen. Hier schwingt noch ein einzelner Herr ohne Föhn und andere Hilfsmittel den Pinsel 😉 Während er meinen Stempel vervollständigte, erzählte er mir, dass die drei Kannon-Statuen einmal das Einzige waren, das bei einem großen Feuer hier in der Haupthalle gerettet werden konnten. Die drei Statuen wurden unter einer japanischen Zeder, einer sugi 杉 in Sicherheit gebracht, und seitdem hieße der Tempel „Sugimoto“ = „Unter der Zeder“.

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Der Egara Tenjin-Schrein im Anschluss war dann der Grund, warum wir die ganze Strecke zurück bis zum Bahnhof gelaufen sind. Denn dieser Schrein war zu Fuß einfach besser zu erreichen als mit Bus, und vom Schrein aus selbst war es dann wirklich nicht mehr weit bis zum Tsurugaoka Hachimangu und damit zum Bahnhof.

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Wikipedia zufolge – ich weiß, meine Quellen sind so extravagant – stehen alle Tenjin-Schreine im Zeichen eines unrecht behandelten Gelehrten, dessen wütender Geist mit der Errichtung dieser Schreine besänftigt werden sollte. Der Egara Tenjin-Schrein ist dementsprechend auch allen Dingen, die sich um Wissen und Wissenserwerb drehen, geweiht und wird vor allem von Schülern und Studenten, die sich auf ihre Prüfungen vorbereiten, aufgesucht.

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IMG_0638Der Schrein soll bereits seit dem Jahr 1104 existieren, wirkt aber ausgesprochen neu. Tatsächlich ist die letzte Komplettsanierung allerdings schon über ein gutes Jahrhundert her. Der Schrein muss ja seitdem außerordentlich gut gepflegt werden XD

Die interessanteste Sehenswürdigkeit für mich auf dem Gelände ist übrigens die Statue eines Pinsel, auf der zum jetzigen Zeitpunkt 154 Manga-Zeichner ein Bild eines kappas – einem japanischen Fabelwesen, das leicht an eine Mischung aus Frosch und Schildkröte erinnert – zusammen mit ihrer Signatur hinterlassen haben. Jeder kappa wurde im spezifischen Stil des jeweiligen Zeichners angefertigt, so dass man einige auf den ersten Blick erkennt, selbst wenn man ihre Signatur nicht entziffern kann.

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Den Zeichner dieser kleinen Kappa-„Katze“ ohne Ohren z.B. erkennt eigentlich fast jeder sofort 😉

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Der Hintergrund dieser Statue ist übrigens, dass viele Manga-Zeichner hierher an diesen Schrein kommen, um ihre Zeichenpinsel quasi in die Rente zu schicken. Laut Internetrecherche passiert das jedes Jahr am 25. Januar. In einer Zeremonie werden die Pinsel verbrannt, während die Zeichner die Götter um die Segnung ihrer Werke und Arbeit bitten. Auf jeden Fall eine weitaus schönere Geste, als alte Pinsel einfach in den Müll zu werfen 😉

Einen Stempel hab ich mir natürlich auch geholt:

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Wie weit bin ich eigentlich mit meinem Stempelbuch? Hätte ich alle meine Stempel zusammen in einem Buch, wäre dieses bereits voll. Da ich es aber leider zwei Mal im Urlaub vergessen und mir dort jeweils ein neues gekauft habe, sind meine Stempel auf drei Bücher aufgeteilt. Im Buch mit den meisten Stempeln fehlen mir allerdings trotzdem nur noch vier, bis ich es voll habe. Das wird doch wohl noch in diesem Jahr zu schaffen sein! Und dann geht es fröhlich weiter mit dem nächsten Buch 😉

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Der Postbär und die schwarze Katze

Die Lieferdienste in Japan entdecken Line für sich – bestimmt schon seit einer 2017-07-23 20.49.32ganzen Weile, aber ich bin erst jetzt über die japanische Post so richtig darauf aufmerksam geworden. Hier hatte ich ja schon einmal einen Lobgesang auf den Service nach einer verpassten Sendung angestimmt. Nun entdeckte ich letztens auf so einem Zettel der Post diesen kleinen Bärenstempel und daneben den Text „Wenn du dich auf Line mit mir anfreundest, kannst du dich ganz einfach für eine Neuzustellung anmelden ♪“ Warum eigentlich nicht? In wenigen Minuten hatte ich alle notwendigen Informationen eingetragen und war nun also mit ポスクマ, dem Postbären, auf Line befreundet. Verpasse ich jetzt ein Päckchen von der japanischen Post, schicke ich dem Postbären auf Line einfach ein Bild vom QR-Code auf dem Zettel, den man mir hinterlässt, wähle Tag und Uhrzeit aus und habe in nicht mal einer Minute einen Termin für die Neuzustellung ausgemacht.

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Das geht sogar schneller als vorher über die Homepage der Post. Der Service ist dadurch nicht nur extrem niedlich – ich chatte hier immerhin mit einem Postbärchen! -, sondern auch wahnsinnig praktisch.

Dass so viel Service oft auf Kosten der armen Lieferanten geht, ist allerdings kein Geheimnis. Der Kurierdienst Yamato Transport, aufgrund des Logos einer schwarzen Katze meist einfach nur Kuroneko genannt, musste einsehen, dass seine Lieferanten vollkommen überarbeitet sind, was zum Großteil daran liegt, dass auch die schwarze Katze einen Wiederzustellungsservice wie die japanische Post anbietet. Selten können die Lieferanten ein Päckchen beim ersten Besuch überreichen. Ein Zettel wird hinterlassen, aber macht die betreffende Person nicht noch am gleichen Tag einen für sie passenden Liefertermin aus, stehen die armen Leute von Kuroneko am nächsten Tag einfach wieder vor der – vermutlich erneut verschlossenen – Tür. Oft habe ich mir gewünscht, dass ich mir schon bei Bestellung einen Liefertermin aussuchen könnte – einige Onlineshops wie Amazon, Locondo (der japanische Zalando) und The Body Shop bieten das inzwischen sogar an – oder dass mir Kuroneko wenigstens Bescheid gibt, wann sie zu liefern gedenken, und mir die Möglichkeit gibt zu sagen „HALT! Samstag ist besser!“ Letzteres geht inzwischen, wenn man sich einen Account bei Kuroneko anlegt und den dann mit Line oder seiner Mail verbindet. Ich habe ihn mit meiner Mail gekoppelt und erhalte nun Benachrichtigungen von Kuroneko, sobald sie ein Päckchen für mich haben und wann es an mich geliefert wird. Leider nicht immer, aber doch meistens kann ich dann auf einen Link klicken und einen mir besser passenden Termin aussuchen. Dass das auch nicht immer reibungslos klappt, musste ich letzte Woche feststellen, als da zur unpassendsten Uhrzeit des ganzen Tages der Yamato-Herr mit meiner Klamottenbestellung vor der Tür stand und mich dann einfach mal im Bademantel bedienen musste. Tjaha, einem von uns beiden war die Sache megapeinlich, und diese Person war nicht ich 😛

Aber bis auf solche wirklich kaum vorkommenden Ausrutscher bleibe ich bei meinem Loblied: Zulieferdienste hier sind dufte!

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Und plötzlich war es Sommer

Mit über 30 Grad Außentemperatur seit Tagen kann man das schon mal so behaupten. Auch wenn NHK darauf besteht, dass wir noch mitten in der Regenzeit stecken. Die war für eine Jahreszeit, die das Wort „Regen“ im Namen trägt, dann doch erstaunlich trocken – zumindest hier in Kantō.

Ich bin kein großer Fan des japanischen Sommers, denn er setzt mir immer ordentlich zu. Vermutlich liegt das auch an der Kombi mit den für mich immer zu kalt eingestellten Klimaanlagen überall. Erstickungstod draußen, Frostbeulen drin. Man ist irgendwie nie richtig angezogen. Versteht mich nicht falsch, ich weiß Klimaanlagen schon zu schätzen. Ohne sie würde ich hier Zuhause elendig zugrunde gehen. Aber ob sie dafür eiskalte 19 Grad auspusten müssen, darüber lässt sich streiten …

Gerade jetzt befinde ich mich in meinem Sommerurlaub und muss das Haus zum Glück nur für ein paar Besorgungen verlassen. Ansonsten kann ich mich mit einem Buch bewaffnet auf der Couch lümmeln in einem Raum, dessen Klimaanlagentemperatur ICH festgelegt habe 😛 Und noch die Woche sagen Kei und ich für ein paar Tage der Hitze in Tōkyō gleich ganz auf Wiedersehen und verkrümeln uns wieder in die Höhen Naganos 😉 Wenn wir mal im Lotto gewinnen, sollten wir vielleicht wirklich über ein Sommerhäuschen dort nachdenken! Wie, um im Lotto zu gewinnen muss man Lotto spielen? 😛

Übrigens gibt es zwei Dinge im Sommer für die ich die Hitze wohlwollend in Kauf nehme: Sommerfestivals und Sommerfeuerwerke. Manchmal fällt beides sogar zusammen 😉 Die Sommerfestival-Zeit läuteten wir letztes Wochenende ein, als wir nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zum Tanabata-Fest 七夕祭り in Hiratsuka 平塚 gingen.

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Als wir dort noch gewohnt haben, waren wir fast jedes Jahr dort. Ich hatte jedoch vergessen, WIE voll es auf dem Tanabata-Fest so wird, und ich habe nur schändlich wenige Fotos gemacht, weil ich teilweise keinen Platz hatte, um meine Kamera aus der Tasche zu holen.

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Schon allein weil es eben nicht so krass voll war, aber auch, weil man ein paar schöne traditionelle Dinge wie den Löwen-Tanz zu sehen bekommen hat, fand ich das Kamimizo-Festival 上溝祭り, auf dem wir letztes Jahr waren, irgendwie schöner als das Tanabata-Festival. Mal sehen, vielleicht können wir es dieses Jahr wieder einrichten. Eine Liste von Festivals und Feuerwerken, die ich über die Sommerzeit besuchen möchte, habe ich zu Beginn des Sommers immer fertig, aber man kennt es ja mit Plänen: erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt 😉

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