Der Postbär und die schwarze Katze

Die Lieferdienste in Japan entdecken Line für sich – bestimmt schon seit einer 2017-07-23 20.49.32ganzen Weile, aber ich bin erst jetzt über die japanische Post so richtig darauf aufmerksam geworden. Hier hatte ich ja schon einmal einen Lobgesang auf den Service nach einer verpassten Sendung angestimmt. Nun entdeckte ich letztens auf so einem Zettel der Post diesen kleinen Bärenstempel und daneben den Text „Wenn du dich auf Line mit mir anfreundest, kannst du dich ganz einfach für eine Neuzustellung anmelden♪“. Warum eigentlich nicht? In wenigen Minuten hatte ich alle notwendigen Informationen eingetragen und war nun also mit ポスクマ, dem Postbären, auf Line befreundet. Verpasse ich nun ein Päckchen von der japanischen Post, schicke ich dem Postbären auf Line einfach ein Bild vom QR-Code auf dem Zettel, den man mir hinterlässt, wähle Tag und Uhrzeit aus und habe in nicht mal einer Minute einen Termin für die Neuzustellung ausgemacht.

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Das geht sogar schneller als vorher über die Homepage der Post. Der Service ist dadurch nicht nur extrem niedlich – ich chatte hier immerhin mit einem Postbärchen! -, sondern auch wahnsinnig praktisch.

Dass so viel Service oft auf Kosten der armen Lieferanten geht, ist allerdings kein Geheimnis. Der Kurierdienst Yamato Transport, aufgrund des Logos einer schwarzen Katze meist einfach nur Kuroneko genannt, musste nun eingestehen, dass seine Lieferanten vollkommen überarbeitet sind, was zum Großteil daran liegt, dass auch die schwarze Katze einen Wiederzustellungsservice wie die japanische Post anbietet. Selten können die Lieferanten ein Päckchen beim ersten Besuch überreichen. Ein Zettel wird hinterlassen, aber macht die betreffende Person nicht noch am gleichen Tag einen für sie passenden Liefertermin aus, stehen die armen Leute von Kuroneko am nächsten Tag einfach wieder vor der – vermutlich erneut verschlossenen – Tür. Oft habe ich mir gewünscht, dass ich mir schon bei Bestellung einen Liefertermin aussuchen könnte – einige Onlineshops wie Amazon, Locondo (der japanische Zalando) und The Body Shop bieten das inzwischen sogar an – oder dass mir Kuroneko wenigstens Bescheid gibt, wann sie zu liefern gedenken, und mir die Möglichkeit gibt zu sagen „HALT! Samstag ist besser!“ Letzteres geht inzwischen, wenn man sich einen Account bei Kuroneko anlegt und den dann mit Line oder seiner Mail verbindet. Ich habe ihn mit meiner Mail gekoppelt und erhalte nun Benachrichtigungen von Kuroneko, sobald sie ein Päckchen für mich haben und wann es an mich geliefert wird. Leider nicht immer, aber doch meistens kann ich dann auf einen Link klicken und einen mir besser passenden Termin aussuchen. Dass das nicht immer reibungslos klappt, musste ich letzte Woche feststellen, als da zur unpassendsten Uhrzeit des ganzen Tages der Yamato-Herr mit meiner Klamottenbestellung vor der Tür stand und mich dann einfach mal im Bademantel bedienen musste. Tjaha, einem von uns beiden war die Sache megapeinlich und diese Person war nicht ich 😛

Aber bis auf solche wirklich kaum vorkommenden Ausrutscher bleibe ich bei meinem Loblied: Zulieferdienste hier sind dufte!

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Und plötzlich war es Sommer

Mit über 30 Grad Außentemperatur seit Tagen kann man das schon mal so behaupten. Auch wenn NHK darauf besteht, dass wir noch mitten in der Regenzeit stecken. Die war für eine Jahreszeit, die das Wort „Regen“ im Namen trägt, dann doch erstaunlich trocken – zumindest hier in Kantō.

Ich bin kein großer Fan des japanischen Sommers, denn er setzt mir immer ordentlich zu. Vermutlich liegt das auch an der Kombi mit den für mich immer zu kalt eingestellten Klimaanlagen überall. Erstickungstod draußen, Frostbeulen drin. Man ist irgendwie nie richtig angezogen. Versteht mich nicht falsch, ich weiß Klimaanlagen schon zu schätzen. Ohne sie würde ich hier Zuhause elendig zugrunde gehen. Aber ob sie dafür eiskalte 19 Grad auspusten müssen, darüber lässt sich streiten …

Gerade jetzt befinde ich mich in meinem Sommerurlaub und muss das Haus zum Glück nur für ein paar Besorgungen verlassen. Ansonsten kann ich mich mit einem Buch bewaffnet auf der Couch lümmeln in einem Raum, dessen Klimaanlagentemperatur ICH festgelegt habe 😛 Und noch die Woche sagen Kei und ich für ein paar Tage der Hitze in Tōkyō gleich ganz auf Wiedersehen und verkrümeln uns wieder in die Höhen Naganos 😉 Wenn wir mal im Lotto gewinnen, sollten wir vielleicht wirklich über ein Sommerhäuschen dort nachdenken! Wie, um im Lotto zu gewinnen muss man Lotto spielen? 😛

Übrigens gibt es zwei Dinge im Sommer für die ich die Hitze wohlwollend in Kauf nehme: Sommerfestivals und Sommerfeuerwerke. Manchmal fällt beides sogar zusammen 😉 Die Sommerfestival-Zeit läuteten wir letztes Wochenende ein, als wir nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zum Tanabata-Fest 七夕祭り in Hiratsuka 平塚 gingen.

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Als wir dort noch gewohnt haben, waren wir fast jedes Jahr dort. Ich hatte jedoch vergessen, WIE voll es auf dem Tanabata-Fest so wird, und ich habe nur schändlich wenige Fotos gemacht, weil ich teilweise keinen Platz hatte, um meine Kamera aus der Tasche zu holen.

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Schon allein weil es eben nicht so krass voll war, aber auch, weil man ein paar schöne traditionelle Dinge wie den Löwen-Tanz zu sehen bekommen hat, fand ich das Kamimizo-Festival 上溝祭り, auf dem wir letztes Jahr waren, irgendwie schöner als das Tanabata-Festival. Mal sehen, vielleicht können wir es dieses Jahr wieder einrichten. Eine Liste von Festivals und Feuerwerken, die ich über die Sommerzeit besuchen möchte, habe ich zu Beginn des Sommers immer fertig, aber man kennt es ja mit Plänen: erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt 😉

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[Unterwegs] Am Kawaguchi-See den Fuji bestaunen

Der Fuji-san und ich haben einen Beziehungsstatus, den man als kompliziert bezeichnen könnte. Wir spielen ein verzwicktes Versteckspiel miteinander, bei dem sich der Fuji mir ganz besonders dann nicht zeigt, wenn ich mich extra nur für ihn irgendwohin auf den Weg gemacht habe.

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Ausflug mit den Schwiegereltern nach Hakone, um den Fuji zu sehen, bevor ich zurück nach Deutschland fliege (2008)

Besonders dann, wenn ich extra für den Fuji-san irgendwo draufgeklettert bin.

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„Blick“ auf den Fuji vom Shōtō-san nach 3-stündiger Klettertour (2016)

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„Blick“ auf den Fuji vom Kōbō-san nach 2-stündiger Klettertour (2017)

Natürlich habe ich den Berg nicht noch nie gesehen. Ganz unerwartet und ohne, dass ich ihn irgendwie im Sinn hatte, zeigte er sich mir ein paar Mal … nicht selten mit wenigstens einer Wolke bedeckt, mit der er versuchte, sich in letzter Sekunde doch noch vor mir zu verstecken 😛

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Großzügig lässt sich der Fuji von mir erahnen nach einer zugegebenermaßen nicht ganz so langen Klettertour hoch zum Azuyama-Park (2017)

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A wild Fuji appears in Enoshima (2011) – Hätte er nicht seine typische Form, ich hätte ihn ohne die Schneekappe nicht mal erkannt XD

Aber diesen richtigen tollen Blick auf den schneebedeckten Fuji-san vor blauem Himmel hatte ich bisher nicht. BISHER! Denn irgendwie habe ich es geschafft, den Fuji-Versteckspielfluch, den eine gemeine Hexe nach meiner Geburt auf mich legte, zu brechen, so dass wir in der Präfektur Yamanashi 山梨県 am Kawaguchi-See 河口湖, an dem wir auf unserer Rückfahrt von Nagano einen Zwischenstopp einlegten, doch tatsächlich den Fuji-san so zu sehen bekamen, wie ich ihn schon immer mal sehen wollte:

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(Seht ihr auch die Wolke da links, die noch ganz schnell versucht, sich vor den Fuji ins Bild zu schieben? :P)

Am Kawaguchi-See gibt es mehrere Orte, von denen aus man einen mehr oder weniger guten Blick auf den Fuji-san hat. Wir sind eine Weile um den See gefahren und dann einfach irgendwo auf einen Parkplatz rauf, auf dem wir gerade noch so einen Platz ergattern konnten – ja, der Kawaguchi-See war von Touristen nur so überrannt, was sich auf den Fotos glücklicherweise fantastisch ausblenden ließ 😛

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Aber irgendwie verständlich, so schön, wie sich der Berg an dem Tag zeigte 😉

2017-05-05 16.58.25An einem der für den Standort gar nicht mal so überteuerten Läden kauften wir uns ein Eis und warteten auf den Sonnenuntergang. Leider ging die Sonne nicht direkt hinter dem Fuji unter, so dass wir keinen „Diamant-Fuji“ zu sehen bekamen – ein Spektakel, das man von hier aus, glaube ich, sowieso nicht sehen kann und das selbst da, wo es zu sehen ist, gar nicht mal so häufig passiert XD

Dort, wo wir waren, gab es zusätzlich zum Fuji eine Blumenausstellung und man hatte auch den Fuji und den Kawaguchi-See mit Blumen nachgebaut. Leider standen die meisten aber noch überhaupt nicht in der Blüte, so dass der Effekt etwas verloren ging ^.^;

„Und?“, fragte mich Kei, als wir etwas später weiter Richtung Heimat fuhren. „Hat sich das Warten gelohnt?“ Und ob es das hat! Wer mal richtig vom Anblick des Fujis begeistert sein will, dem kann ich einen Trip zum Kawaguchi-See nur empfehlen. Aber guckt vorher mal in den Wetterbericht, damit ihr nicht so dasteht wie ich in der ersten Hälfte dieses Blog-Posts 😛

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[Unterwegs] Viele, viele bunte Schreine

Unsere Zeit in Nagano war mal wieder schneller vorbei, als es uns lieb war, aber wenigstens mussten wir das Auto dieses Mal nicht noch am Abend unserer Rückfahrt bei Schwiegereltern vorbeibringen, sondern konnten ganz gemütlich und mit mehreren Umwegen und Zwischenstopps zurückfahren.

Einer unserer Zwischenstopps war ein Schrein, bei dem wir letztes Jahr auch schon waren, und über den ich letztes Jahr auch schon schreiben wollte, aber wie es manchmal so ist 😛 Es handelt sich um den Suwa-Schrein 諏訪大社, in der Stadt Suwa 諏訪 in der Nähe des Suwa-Sees 諏訪湖 – das nenne ich mal eine konsistente Namensgebung 😛 Er soll einer der ältesten Schreine in der Geschichte Japans sein und ist zudem Hauptschrein aller quer über das Land verteilten Suwa-Schreine – so rund 10.000 sollen es sein.

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Die Priesterschaft des Schreins ist erblich und die Priester sollen direkte Nachkommen der hiesigen Göttlichkeiten sein, die da sind Takeminakata no Mikoto 建御名方命 und dessen Ehefrau Yasakatome no Mikoto 八坂刀売命. Weder von dem einen noch von der anderen haben Kei und ich jemals was gehört. Laut Wikipedia ist Takeminakata u.a. Gott des Windes, des Wasser, der Landwirtschaft und der Patron der Jäger und des Krieges. Seine Frau Yasakatome ist, tja, anscheinend einfach nur seine Frau XD

DSC07292_zps9qfnm2geAber wer mich kennt, weiß, dass ich einen Schrein nicht für bestimmte Götter besuche, sondern um Schreinstempel abzugreifen. Und da Nagarazoku-Dumpfbacke bei ihrem ersten Besuch hier natürlich ihr Schreinbuch vergessen hatte, musste sie sich vor Ort ein neues kaufen und wählte diesen scharfen Flitzer in schwarz. Wenn mir das noch öfters passiert, krieg ich nie ein Buch ganz voll…

Ein Schrein, an dem wir nur letztes Jahr kurz hielten, ist der Misogi-Schrein 身曾岐神社. Dieser liegt bereits in der Präfektur Yamanashi 山梨県, und während der Suwa-Schrein bei beiden unserer Besuche gut gefüllt war, waren wir hier fast die einzigen Besucher.

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Der Schrein soll allerdings wahnsinnig beliebt für Hochzeiten sein, da man seine Zeremonie auf einer überdachten Bühne mitten im Schreinsee durchführen kann, und das hat schon ordentlich Atmosphäre!

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Der See ist natürlich voller Koi, für die man für 100 Yen die Tüte Futter kaufen kann. Und ja, die schönste Farbe hatte er auch nicht an dem Tag, aber das haben wenige Gewässer im japanischen Hochsommer ^^;

Einen Stempel habe ich mir hier natürlich auch geholt. Was ich an dem Schrein aber besonders schön fand, waren die Designs für die Glücksbringer und die Holztäfelchen.

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Der Glücksbringer soll Wünsche in Erfüllung gehen lassen. Was Yuzu ゆず, japanische Zitronen, mit Wunscherfüllung zu tun haben, weiß ich nicht, aber dieses Design macht mir jedes Mal wieder gute Laune, wenn ich den Glücksbringer angucke XD

Der letzte Schrein, an dem wir dieses Jahr einen Zwischenstopp einlegten, war der Fuji Omuro Sengen-Schrein 富士御室浅間神社, wieder in der Präfektur Yamanashi, dieses Mal in der Nähe des Kawaguchi-Sees 河口湖. Wer sich ein wenig auskennt, weiß, dass man vom Kawaguchi-See aus den Fuji-san sehen kann. Ein Schrein in der Nähe des Kawaguchi-Sees mit dem „Fuji“ im Namen müsste doch erst recht ein toller Ort sein, um den Fuji-san zu sehen, oder? Leider nein XD Der Schrein war einfach zu sehr von Bäumen umringt, um überhaupt irgendwas sehen zu können. Daher machten wir nur einen kurzen Spaziergang übers Gelände, …

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… ich holte mir meine letzten Stempel für den Tag und erweiterte meine Sammlung niedlicher Gullideckel, …

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… und dann fuhren wir weiter an einen Ort, von dem aus man den Fuji tatsächlich sehen konnte. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag 😉

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[Unterwegs] Nagano-Spezial: Unsere Unterkunft

Erwähnt habe ich die Pension, in der wir zwei unserer drei Nagano-Besuche bisher verbracht haben, schon häufiger, aber ihr noch nie einen richtigen Beitrag auf diesem Blog gegönnt. Und weil sie das aber mehr als verdient hat, hier der lang überfällige Blogpost zur besten Pension wo gibt: „Annie Hills“.

„Annie Hills“ liegt, wie viele Pensionen ihrer Art, am Megami-See 女神湖 in der Stadt Tateshina 蓼科. Wenn ich sage, dass es mir die Gegend aufgrund ihres europäischen Flairs wahnsinnig angetan hat, dann spielt „Annie Hills“ da keine unbedeutende Rolle. Während die Pension sich selbst als „Blockhaus im frühamerikanischen Baustil“ beschreibt, erinnert sie mich vor allem an eins: Sommerurlaub in Skandinavien mit meinen Eltern. Gut, das eine schließt das andere ja nicht aus 😉

(Die Bilder sind von Besuchen aus zwei verschiedenen Jahreszeiten, also nicht über die schwankende Begrünung der Bäume wundern :P)

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Vermutlich machen die Birken die Gegend so europäisch für mich 😉

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Oder die Veranda mit Wiesengarten dran, die wir so in dieser Form in fast allen unserer gemieteten Urlaubshäuser in Skandinavien hatten. Hier in Kantō haben die meisten Häuser keinen Platz für einen Garten, doch selbst wenn sie einen haben, passiert es häufig, dass er entweder komplett zugepflanzt, zugemüllt oder gleich zubetoniert wird. So riesige Wiesenflächen an einem Haus sehe ich hier wirklich nur selten.

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Blick aus dem Fenster vom Bett aus :3

Kommen wir zum Innendrin. Irgendwie habe ich bei beiden Besuchen verplant, ein Foto unseres Zimmers zu machen, aber das könnt ihr euch ja einfach auf der Homepage der Pension angucken: klick 😛 Wir nehmen immer den Deluxe Double Room. Die Einrichtung ist spartanisch und doch irgendwie gemütlich. Am meisten gefällt mir, dass wir bei geöffnetem Fenster schlafen können, denn das Zimmer ist 1. nicht parterre wie unsere Wohnung, und 2. ist es abends in der Gegend so ruhig, dass man sich keine Sorgen machen muss, von einem über die Straße rumpelnden LKW mit Taylor Swift auf voller Lautstärke aus dem Schlaf gerissen zu werden. Jupp, alles schon passiert. Japaner schlafen ja generell eher ungern bei geöffneten Fenster, aber hier in Nagano lässt mir Kei die kleine Macke mal durchgehen 😛

NACHTRAG: Während unserer Urlaubs im Sommer habe ich es endlich mal geschafft, ein Foto vom Zimmer zu machen:

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Hach, ich krieg schon nur beim Angucken Fernweh 😛 Nachtrag Ende!

Am meisten verliebt habe ich mich jedoch in den Gemeinschaftsraum unten, in dem auch das köstliche Frühstück und Abendbrot serviert wird, zu denen ich gleich noch komme. Guckt euch diese tollen Details an:

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Unser Lieblingsplatz? Das Sofa vor dem Ofen, den ich irgendwann unbedingt man in Aktion erleben muss!

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Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das hier quasi der exakt gleiche Stil ist, in dem meine Mama unser Haus in Berlin eingerichtet hat. Und so, meine Damen und Herren, macht man sich Heimweh im Urlaub ^^;

Was spricht sonst noch für Annie Hills? Die Besitzer und das köstliche Essen, das sie zaubern. Das Ehepaar, das die Pension betreibt, lebte und arbeitete früher in Tōkyō, hatte irgendwann von dem Leben aus immer nur Arbeit und nie wirklich Freizeit aber die Schnauze voll, packte die Koffer, zog nach Nagano und eröffnete dort „Annie Hills“. Sicher ist das Leben als Pensionsbesitzer auch kein Zuckerschlecken – jeder, der mal im Service gearbeitet hat, weiß, wie ätzend Kunden sein können  -, aber die beiden können sich den Luxus leisten, die Pension einfach mal für ein paar Wochen zu schließen und quer durch Europa zu reisen. Für eine Fahrradtour durch Frankreich zum Beispiel. Hört man solche Geschichten, kommt man selbst auch ziemlich ins Träumen … Beide sind weitgereist und haben viel zu erzählen, und man kann sich mit ihnen auf eine wirklich zwanglose Art und Weise unterhalten, die ich hier selten treffe. Woher die Dame des Hauses jedoch ihre vozüglichen Kochkünste hat, das habe ich bisher noch nicht herausgefunden, denn Chefköchin war sie in ihrem Job in Tōkyō nicht. Doch Frühstück und Abendessen sind in der Pension so köstlich, dass ich zu Anfang einfach davon ausgegangen bin. Da muss ich beim nächsten Besuch doch mal genauer nachhaken …

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Allein schon in das frischgebackene Brot könnte ich mich so was von reinlegen. Nach jedem Essen dort müssen Kei und ich immer verstohlen einen Hosenknopf öffnen 😛 Und dabei stehe ich eigentlich gar nicht so auf herzhaftes Frühstück!

Und wer mir auf Instagram folgt oder meinen Blogpost aus dem letzten Jahr gelesen hat, der weiß, was jetzt kommt. Das Aushängeschild der Pension, das uns überhaupt erst auf selbige gebracht hat: Adele XD

2017-05-04 07.46.30-2Ein schon etwas in die Jahre gekommener, gemütlicher, kugelrunder Golden Retriever :3 Und während wir letztes Jahr mit Adele nur (zugegeben sehr häufig) im Garten gekuschelt haben, durften wir ihn dieses Jahr sogar Gassi führen! Morgens und abends! Alle Tage! Und ja, Adele ist ein Männchen! Das hat uns auch überrascht, denn vom Namen her geht man jetzt wirklich nicht davon aus, aber das Gassigehen hat Licht ins Dunkel gebracht XD Auf die Frage nach dem Hintergrund des Namens antwortete man uns, Adele wäre einfach so zart wie ein Mädchen gewesen, da dachte man, der Name passt. Aha XD

Mit Adele im Gepäck liefen wir viele, viele Runden um den angrenzenden Megami-See, der selbst auch definitiv einen Besuch wert ist.

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So, irgendwas in meiner Lobeshymne auf „Annie Hills“ vergessen? Draußen, drinnen, Essen, Hund, See, alles dabei! Während ich diesen Beitrag schreibe, bucht Kei schon unseren nächsten Urlaub dort XD Dieses Mal für den Hochsommer. Die Ruhe und Menschenleere haben es ihm ganz besonders angetan. Ich wäre auch gerne mal wo hingefahren, wo wir noch nicht waren, aber Nein sage ich sicher nicht, wenn es in meine Lieblingspension mit Hund geht 😉 Es gibt auch kaum einen besseren Ort in unserer Nähe, um sich vor der Hochsommerhitze in Sicherheit zu bringen, als Nagano. Und vielleicht kriegen wir ja dieses Mal den Ryōsen-Wasserfall im vollen Glanz und den Wald um den Shirakoma-See tatsächlich mit Moos bedeckt zu sehen 😛

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[Unterwegs] Nagano-Spezial: Auf den Spuren von Prinzessin Mononke am Shirakoma-See … ?

Am nächsten Morgen erwachte ich mit krassem Muskelkater in beiden Beinen. Ja, nur ich. Kei hatte die Mördertreppe vom Vortag weitaus besser weggesteckt. Ach ja, die Jugend 😛 Und auch wenn ich bereits wusste, dass uns eine anstrengende Wanderung bevorstand, die den Muskelkater nur noch verschlimmern würde, unser Plan stand fest: Auf zum Shirakoma-See 白駒の池!

IMG_0353 Der Shirakoma-See liegt in der Nähe der Stadt Koumi 小海町 auf rund 2000 Metern über dem Meeresspiegel. Als wir vor unserer Reise im Internet recherchierten, was wir in Nagano denn so besichtigen und machen könnten, fiel uns der See gleich als erstes ins Auge, denn angeblich soll der Wald um den See herum durch seine Moosbedeckung aussehen wie die Wälder im Ghibli-Film „Prinzessin Mononoke“. So was kann man sich natürlich nicht entgehen lassen! Das Moos hier auf dem Photo sollte aber das einzige sein, das wir an dem Tag zu sehen bekamen. Was war passiert? Es hatte geschneit …

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Und zwar ausgiebig.

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Und durch die hohe Lage des Gebietes ist der Schnee dann auch erst einmal nicht mehr geschmolzen, obwohl es doch ein paar Plusgrade um uns herum hatte. IMG_0325Aber ich will mich nicht beschweren: So viel Schnee auf einem Haufen habe ich in Japan noch nie gesehen und ich stampfte richtig aufgeregt durch die Gegend. Doch ein wenig Sorgen hatten wir: Der Weg hin zum See war einfach und es waren einige Leute auf ihm unterwegs, auch in eher unpassendem Schuhwerk. Aber wir wollten noch bis auf eine Aussichtsplattform hoch, von der man den See und den umliegenden Wald von oben sehen konnte. Doch ob das in dem ganzen Schnee so klappen würde, wie wir es uns vorgestellt hatten? Aber da langes Rumgrübeln meist auch keine Antworten bringt, machten wir uns einfach mal auf den Weg 😛

2017-05-04 11.16.29 Der Weg war auf keinen Fall einfach, doch wir kamen gut voran. Passendes Schuhwerk war allerdings ein Muss. Wir trugen normale Wanderschuhe, einige andere Wanderer hatten Ketten an den Schuhen, mit denen sie es etwas leichter hatten als wir. Ein Pärchen behauptete, der Weg nach oben sei durch den Schnee viel einfacher als sonst mit all dem Geröll. Wäre ich nicht ständig mit einem Bein knietief in den Schnee gesunken, hätte ich ihnen vielleicht sogar geglaubt 😛 Ein trotzdem ganz fantastischer Aufstieg durch einen verschneiten Winterwald, der mich sehr an die russischen Märchen aus meiner Kindheit erinnert hat. Da hatte ich überhaupt keine Zeit, um das Moos zu vermissen 😉

Die letzten Meter hoch bis zur Aussichtsplattform kann ich indes nur als abenteuerlich bezeichnen.

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Dieses Foto ist keine Übertreibung. Man musste sich wirklich von Stein zu Stein hangeln und nach oben zerren, und die lustigen aufgemalten Kreise waren mal mehr, mal weniger gute Wegweiser dafür. Aber als wir dann endlich oben ankamen, hatte sich der Aufstieg schon auf den ersten Blick umher gelohnt. Die Aussicht war fantastisch :3

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Ja, der weiße Fleck da rechts ist der Shirakoma-See. Von oben sieht man gar nicht, wie eingeschneit der ganze Wald eigentlich ist.

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IMG_0339Begeistert packten wir unser super gesundes Mittagessen aus (Ja, ja, konbini sind in dieser Gegend rar und oft schon leergekauft :P), setzten uns auf einen der Steine und genossen die Aussicht. Wir mussten uns den Platz mit nicht sehr vielen anderen Leuten teilen. Eine Gruppe hatte einen Campingkocher mitgebracht und kochte sich eine köstliche Suppe und grillte Würstchen. Das will ich nächstes Mal auch machen!

Da wir bei Bergtouren ungern den gleichen Weg zurücklaufen, den wir gekommen sind, wählten wir eine andere Route für den Rückweg, die uns insgesamt seichter vorkam. Vielleicht war das auch nur so, weil es bergab ging 😉

Wie eindrucksvoll Wald und See sein müssen, wenn man das Moos sehen kann, können wir uns jetzt natürlich nur vorstellen.

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Durch den Schnee hatte beides seinen ganz eigenen Charme. Aber trotzdem steht fest: Den Shirakoma-See besuchen wir auf jeden Fall noch mal, wenn es nicht geschneit hat 😉

[To be continued …]

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[Unterwegs] Nagano-Spezial: Wanderung zum Ryōsen-Wasserfall und Gassibeauftragte auf Zeit

Ein weiteres fest eingeplantes Ziel für unseren ersten Tag in Nagano hatten wir nach unserem Stopp am Toyota-Tempel noch auf dem Plan: den gosensui-Naturpark, 御泉水自然園, denn dort sollte es einen schönen Pfad zu einem Wasserfall geben und wir wollten ja unser neu/wiederentdecktes Hobby „Wandern“ nicht gleich wieder einschlafen lassen 😉

Der Naturpark ist ziemlich ausladend und man kann sich bestimmt einen halben Tag in ihm aufhalten, … wenn man nicht ankommt, nachdem es gerade wieder geschneit hat. Aber dazu später.

Vom Parkplatz aus hat man zwei Möglichkeiten: nach rechts zum Besucherzentrum, um dort Eintritt für den gemütlicheren Teil des Parks zu bezahlen, oder nach links runter zum 蓼仙の滝, dem ryōsen-Wasserfall. Wir entschieden uns erst einmal für den gemütlichen Teil, der zwar Eintritt kostet, aber die 300 Yen (rund 2,50 €) Person schmerzen dann nicht wirklich –  immerhin ist der Parkplatz umsonst 😉

Im gemütlichen Teil des Naturparks läuft man vorwiegend auf niedrigen Plankenwegen durch einen wunderschön ruhigen Wald. Bedingt durch die Jahreszeit trafen wir kaum auf andere Besucher und konnten einfach nur die Ruhe und das Vogelgezwitscher genießen.

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Zwischendurch habe ich mich echt nach Mittelerde versetzt gefühlt.

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Echter Balsam für die von der Großstadt geschundene Seele T___T

Ja, die Bäume waren noch recht kahl, aber das hat der Atmosphäre keinen Abbruch getan 😉

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2017-09-14 23 08 12Im Anschluss ging es zum Wasserfall, denn für den waren wir ja eigentlich da. Als wir an der Kasse, an der wir vorher unsere Tickets gekauft hatten, vorbeiliefen, um über den Parkplatz auf die andere Seite des Naturparks zu gelangen (der übrigens keinen Eintritt kostet), rief uns die Dame hinter dem Schalter zurück. „Sie wollen doch sicher zum Wasserfall?“ Wir bejahten, und flugs markierte sie uns auf unserer Karte die Wege, die wir wegen Schnee meiden sollten: fast alle O_o Dann zeichnete sie auch die Wege nach, die wir sicher benutzen konnten: ganze ZWEI XD Damit schrumpfte der Park für uns auf weniger als die Hälfte zusammen, aber vielleicht war das nach dieser Wanderung gar nicht so verkehrt. „Der Weg ist ziemlich anstregend!“, warnte die Dame uns nämlich noch, und sie behielt recht.

Für den Hinweg wählten wir den kürzeren der beiden Wege, der sich als fortwährende, nach unten führende Holztreppe herausstellte. Was zu Anfang gar nicht so schwierig wirkte, ging schon nach kurzer Zeit ordentlich auf die Oberschenkel und Knie. Warum sind diese Treppen immer so gebaut, dass man die nie eine halbwegs normale Schrittlänge erreicht??? Zwischendurch fragte ich mich mehrmals, ob der Weg nicht einfacher gewesen wäre, wenn man hier einfach mal keine Treppe hingebaut hätte … Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass das ältere Pärchen, das sich beinahe zeitgleich mit uns auf den Weg machte, uns schon nach kurzer Zeit überholte und nie wieder gesehen ward 😛

Nach rund einer halben Stunde kamen wir beide ziemlich aus der Puste am Wasserfall an. Selbiger führte dann – ich vermute auch bedingt durch die Jahreszeit – nicht so viel Wasser, wie wir es vorher auf Fotos ausgesehen hatte …

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Öhm … hust, hust XD Der Wasserfall mag jetzt nicht so beeindruckend gewesen sein, wie erhofft, aber einfach dieses Sein in der Natur hat uns irgendwie total zufrieden gestellt. Auf dem Rückweg nahmen wir den etwas längeren Weg, der nur an einigen Stellen mit Holztreppen ausgestattet war und der uns dadurch gleich etwas weniger zusetzte. Anstrengend war es immer noch, denn den Weg, den wir vorher runtergeklettert sind, mussten wir ja jetzt wieder hoch. Für eine kurze Pause setzten wir uns an einer Stelle einfach auf eine Treppenstufe und lauschten in die Umgebung.

In Tokyo ist man eigentlich ständig von einer Geräuschkulisse aus Stimmen, Autos (und bei uns auch noch Kampffliegern von der nahegelegenen amerikanischen Base), Werbung und anderen Durchsagen, piepsenden Ampeln und ähnlichem umgeben. Selten finde ich mal einen Ort, an dem meine Ohren Ruhe haben. Wenn es um mich herum so richtig still ist wie hier an dem Wasserfall und man nichts hört außer dem Rauschen des Windes in den Blättern und Vogelgezwitscher, wird mir das immer wieder richtig bewusst. Wer wirklich mal eine Pause von der Großstadt braucht: Ich kann Nagano nicht oft genug empfehlen!

Im Auto kündigte sich bei mir dann auch schon ein leichter Muskelkater an orz Mein sexy Bürobody ist so viel Bewegung einfach nicht gewohnt 😛 Bis wir in unsere Pension einchecken konnten, fuhren wir daher einfach ein wenig in der Gegend umher und genossen die Aussicht.

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In der Pension selbst wartete dann allerdings das Highlight des Tages auf uns: Als wir uns nach dem Pensionshund Adele erkundigten, – ja, ich schäme mich nicht zuzugeben, dass dieses Fellknäuel ein ausschlaggebender Faktor für die Wahl unserer Pension war 😛 – bot man uns an, den Kleinen (Ja, Adele ist ein Männchen) Gassi zu führen, wenn wir denn wollen würden. ABERNATÜRLICHWOLLENWÜRDENWIR!!!!!!!!!!!

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Als man bei unserer Rückkehr unsere strahlenden Gesichter sah, fragte man uns sogar, ob wir dann für die Zeit unseres Urlaubs nicht generell die Morgen- und Abendrunden mit Adele gehen wollen würden – man hätte durch die vielen Gäste eh so viel zu tun, dass man gar keine richtige Zeit für ausgedehnte Gassirunden hätte. BESTER URLAUB WO GIBT, sag ich euch! Für die nächsten Tage war unser Tagesablauf also geregelt: Aufstehen, Gassi, Frühstück, Gegend erkunden, zurück und Abendgassi, Abendbrot, tot ins Bett. Und wie ich mich bereits darauf freute! :3

[To be continued …]

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