Die Umzugsfirma

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber bisher haben wir alle unsere Umzüge mit einem geliehenen Umzugswagen und ein paar Freiwilligen durchgezogen und uns mit Pizza, Snacks und ordentlich vielen Getränken erkenntlich gezeigt. Und natürlich damit, selbst kräftig mit anzupacken, wenn umgekehrt ein Umzug anstand. Dieses Mal hatte besonders ich jedoch das Gefühl, den Umzug neben der Arbeit einfach nicht bewältigen zu können. Wir hatten gerade an Möbeln sehr viel mehr zu transportieren als bei unserem letzten Umzug in 2014, und vor allem das IKEA-Bett wollte ich nicht noch einmal zu zweit ab- und wieder aufbauen müssen. Wir taten dieses Mal also das, was in Japan eigentlich fast Standard ist: Wir organisierten eine Umzugsfirma.

Natürlich wollten wir nicht die erste nehmen, die bei der Suche in Google auftauchte, sondern Preise und Service vergleichen, also machten wir Termine mit drei verschiedenen Umzugsfirmen aus. Jede von ihnen schickt einen Angestellten, der unsere Wohnung und die Menge an Dingen, die transportiert werden mussten, unter die Lupe nahm und dann einen Kostenplan erstellte. Der Service reicht dabei in mehreren Abstufungen von „Hands on“ – man packt alles selbst und die Firma transportiert nur – bis hin zu „Hands off“ – die Umzugsfirma übernimmt das Einpacken, den Transport und bis zu einem gewissen Grad auch das Auspacken. Nach drei solcher „Interviews“ kann ich sagen: Eigentlich bekommt man bei allen Firmen den gleichen Service für fast den gleichen Preis. Es gab wirklich nur minimale Unterschiede. Wir entscheiden uns für 引越のサカイ hikkoshi no sakai, weil das die einzige Firma war, die bemerkte, dass unser Bett von IKEA ist und uns darauf hinwies, dass IKEA-Möbel zwar transportiert werden, aber wenn sie auseinander- und wieder zusammengebaut werden müssen, man das selbst übernehmen muss. Denn IKEA-Möbel sind fragil und die Umzugsfirmen wollen einfach die Verantwortung nicht dafür übernehmen, wenn die beim Zusammenbauen nicht mehr so aussehen wie vorher. Das gilt leider inzwischen für alle Umzugsfirmen, doch zwei der drei teilten uns den Fakt erst auf Nachfrage am Telefon mit. Stellt euch das mal am Umzugstag vor, wenn man denkt, man hat alle erledigt und dann kommen die Umzugshelfer und weisen einen darauf hin, dass man jetzt ganz schnell das Bett auseinanderbauen müsse. „Ups, sorry, vorher nicht gesehen.“ Gefreut hat mich diese Tatsache natürlich nicht, denn das IKEA-Bett war beim letzten Aufbau ein ALBTRAUM gewesen – ans Abbauen wollte ich gar nicht denken -, aber es blieb uns sonst nur wegschmeißen und neu kaufen und so verschwenderisch bin ich nun wirklich nicht XD

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Das Markenzeichen von hikkoshi no sakai: Der Pandabär

Der Herr von hikkoshi no sakai hatte gleich die exakt benötigte Anzahl an Umzugskartons im Kofferraum. Und ich meine die EXAKT benötigte Menge. Wir hätten nicht eine Kiste mehr, aber auch nicht eine Kiste weniger gebraucht. Profis! Und da er sie noch am Tag der Vertragsunterzeichnung bei uns ließ, hatten wir einen ganzen Monat, um sie vollzustopfen. Und glaubt mir, den hatten wir auch gebraucht. Ich konnte nur am Wochenende packen. Kei hatte war zwischen seinem alten und seinem neuen Job einen ganzen Monat frei, war aber in der Woche viel mit den anderen Dingen beschäftigt, die man für so einen Umzug erledigen muss – Ummeldung beim Rathaus, Gas- und Elektrofima anrufen, Internet bestellen … Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie wir das alles geschafft hätten, hätte Kei nicht frei gehabt. Selbst das Bett hat er im Alleingang auseinandergebaut. So viele Dinge, um die ich mich nicht Sorgen musste :3

2019-05-31 21.19.20Am Tag des Umzuges waren wir dann SO früh mit allen Dingen fertig, dass wir sogar noch mal runter nach Machida konnten, um uns in bester Hobbit-Manier ein zweites Frühstück zu gönnen. Kein Vergleich zu unserem letzten Umzug, wo wir den gesamten Morgen noch hektisch Dinge in irgendeine offene Kiste geworfen haben XD

Die Umzugshelfer kamen mit zwei kleinen Umzugswagen, ließen sich in der Wohnung kurz alles zeigen und dann ging es auch schon los. Zu allererst gab man uns diese unglaublich praktischen Kisten, in die wir unsere Klamotten hängten:

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Unsere Kleiderschrankschubladen wurden so wie sie waren mit allen Kleidungsstücken transportiert, und auch für unsere Schuhe brachte man extra Kisten mit. So waren unsere Klamotten in der neuen Wohnung sofort griffbereit, ohne dass wir groß in anderen Kisten nach ihnen Suchen mussten – extrem praktisch, wenn man gleich nach dem Umzug wieder in den Alltag starten muss.

Während wir also damit beschäftigt waren, unsere Klamotten umzuhängen, sicherten die Umzugshelfer die Wände und Böden unserer alten Wohnung gegen Kratzer und Stöße.

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Die Umzugshelfer haben nämlich nicht nur die Verantwortung dafür, dass alle unsere Sachen und Möbelstücke heil bleiben, sondern auch, dass sie der alten sowie der neuen Wohnung keinen Schaden zufügen, denn das ginge ja auf Kosten unserer Kaution. Ja, sie zogen auch jedes Mal, wenn sie die Wohnung betraten, brav ihre Schuhe aus 😉

Nachdem wir unsere Klamotten verstaut hatten, gab es für uns auch wirklich gar nichts mehr zu tun. Wir verkrümelten uns – bis sie dann auch herausgetragen wurden – auf die Couch, um nicht im Weg zu stehen und standen eigentlich nur noch für Fragen zur Verfügung. So werkelten und trugen und schoben die Umzugshelfer zwei Stunden lang vor sich hin. Alle Möbel wurden mit einem Schutzjäckchen versehen und so in einem Stück transportiert, die Kisten gewissenhaft auf ihr Gewicht überprüft und maximal effektiv gestapelt.

Als die Umzugshelfer fertig waren und noch einmal Adresse und Uhrzeit für die Lieferung all unserer Sachen am nächsten Tag überprüft und abgesegnet hatten, zogen sie so schnell von dannen, wie sie gekommen waren. Ja, ihr habt richtig gelesen: Lieferung am nächsten Tag. Umzugsfirmen sind in Japan oft schwärzer als die schwarzen Schafe, was Überstunden angeht, und nachdem die japanische Regierung immer stärker – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg – gegen Überstunden vorgeht, mussten viele ihr Businessmodel überdenken und verteilen Umzüge, bei denen es in eine andere Präfektur geht, nun auf zwei Tage verteilt. Bei uns holten sie alles am Samstag ab und lieferten es am Sonntag. Um in unserer neuen Wohnung nicht auf dem nackten Boden schlafen zu müssen, packten wir also alles, was man so für eine Nacht braucht, in unsere Handgepäckskoffer und mieteten uns in ein Hotel in Ikebukuro ein. Was mit tollem Ausblick am Abend und leckerem Buffet zum Frühstück. Wenn schon denn schon 😉

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Am nächsten Morgen standen die Umzugshelfer um Punkt 9 Uhr auf der Matte und brauchten wieder ungefähr zwei Stunden, um die Wohnung stoßsicher zu machen …

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… und dann alles halbwegs an seinen Platz zu bringen. Auf den Kisten konnte man beim Einpacken doch recht detailliert markieren, wo was in der neuen Wohnung hingehört und sie hielten sich exakt an alle Vorgaben.

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Nicht erst, als sie schnaufend Kühlschrank und Waschmaschine die enge Treppe in unserer Wohnung hoch schleppten, war ich froh, dass wir uns dieses Mal für eine Umzugsfirma entschieden hatten. Wir saßen erneut die gesamte Zeit über auf der Couch, um nicht im Weg zu stehen, und beantworteten Fragen XD Selbst die Lampen brachte man uns an!

Für uns gab es erst wieder etwas zu tun, nachdem die Umzugsfirma abgezogen war. Kisten auspacken. Das meiste schafften wir noch am selben Tag. Auch das Bett ließ sich dieses Mal irgendwie einfacher zusammenbauen, als ich es in Erinnerung hatte. Nachdem wir alles ausgepackt hatten, konnten wir die Umzugsfirma anrufen und sie kam, um die Kisten einzusammeln, was es uns ersparte, jeden Dienstag eine Handvoll von ihnen auf den Müllplatz vor unserer neuen Wohnung zu schmuggeln 😉

Bezahlt haben wir für alles 110.000 Yen, rund 850 Euro. Will man noch eine Klimaanlage abgebaut und wieder angebracht haben oder die alte Wohnung geputzt bekommen, selbst nicht mal die Kisten packen müssen oder im März oder April umziehen, sind den Kosten nach oben hin keine Grenzen gesetzt. Mit 850 Euro konnten wir leben, aber auch das war ein Faktor, der zu meiner Sturköpfigkeit bei der Wohnungssuche beigetragen hat: Wir hatten insgesamt bereits rund 5.750 Euro in diese Wohnung investiert (Mehr, wenn ich das Hotel mit reinrechne, das wir ja brauchten, weil man unsere Möbel nicht am gleichen Tag lieferte) und würden jetzt erst anfangen in ihr zu wohnen. Bei solchen Kosten kenne ich keine Kompromisse XD

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7 Antworten zu Die Umzugsfirma

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Wir sind auch mit hikkoshi no sakai umgezogen. Wir waren damals auch sehr zufrieden.

    • nagarazoku schreibt:

      Würde mich ja mal sehr interessieren, on der Service von Umzugsunternehmen in Deutschland vergleichbar ist, kenne in der Tat aber niemanden, der mal eines beauftragt hat.

      • Rotbuchenbaum schreibt:

        Ja, der Service von japanischen Firmen ist sehr gut.

        Ich bin innerhalb Wiens einmal umgezogen, aber ohne Möbel. Ich habe damals keine Umzugsfirma beauftragt. Wir haben die paar Sachen im eigenen Auto transportiert, d. h. es war das Auto der Eltern.

        Der Umzug mit hikkoshi no sakai war innerhalb Saitamas.

  2. vlp600 schreibt:

    Nur 850€!? Wow. Wieso hattest du dann von 7.000 bis 10.000 Euro geschrieben vor einigen Wochen?

    • nagarazoku schreibt:

      850€ sind nur die Kosten für die Umzugsfirma. Im Gesamtbetrag, den ich meinte, sind auch Schlüsselgeld, Dankensgeld, Kaution und Co. mit drin. Das steht aber im letzten Absatz drin 😉

      • vlp600 schreibt:

        Das wiederum ist dann natürlich schon sehr heftig. Dahingegen nehmen sich 850€ sehr gering aus.
        Wieviel davon erhaltet ihr zurück?

      • nagarazoku schreibt:

        Höchstens die Kaution, also rund 1000€, aber auch nur, wenn sie keine großen Mängel finden oder die Wohnung eh für Renovierung dran ist. Bei unserem vorletzten Umzug haben wir gar nichts wiederbekommen, bei diesem zumindest die Kaution, weil die alte Wohnung renoviert werden musste und man dann nur höchstens 25% übernehmen muss.

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