In Tōkyō eine Wohnung suchen …

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… steht seit dieser Golden Week auf meiner Not-To-Do-Liste ganz weit oben. Wohnungssuche in Japan ist schon kein Fest, wenn man in noch nicht ganz so krass besiedelten Gegenden wie Kanagawa guckt, und wird nicht besser, wenn man seinen Blick nach Tōkyō schwenkt, wo Wohnungen rar gesät und heiß begehrt sind. Besonders nicht, wenn man ein paar Ansprüche mitbringt.

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Das romance car wird mir ganz sicher fehlen nach dem Umzug …

Grund für unseren Umzug ist Keis Jobwechsel. Da er nun auch in Tōkyō arbeitet, gibt es nicht viel Grund für uns beide, von Sagamihara aus zu pendeln, zumal mich die Odakyū-Linie letztes Jahr mit ihrem Umbau und der reduzierten Anzahl an Zügen zu meiner Fahrtzeit vollkommen in die Knie gezwungen hat und ich den weiten Weg nach Shinjuku ausschließlich im sogenannten romance car – einem kostenpflichtigen Sonderzug, der mich in 30 Minuten ans Ziel bringt – bestritten habe, was mich rund 160 Euro im Monat extra gekostet hat. Wenn man bedenkt, dass wir für das Geld zusätzlich keine zu unserer jetzigen Wohnung vergleichbare Wohnung in Tōkyō gefunden hätten, habe ich das gern bezahlt. Nun könnten wir natürlich einfach beide mit dem romance car fahren und uns den Umzugsstress sparen, allerdings operiert es nicht in der Haupt-Rushhour, und genau zu der müsste Kei in die Stadt rein. Anderthalb Stunden von Tür zu Tür wäre er unterwegs, wenn er denn morgens den kaisoku 快速, den besonders schnellen Zug auf der Strecke, erwischt, und dann auch gequetscht wie eine Sardine, während ich eine Stunde später auf meinem gebuchten romance car Sitzplatz in Ruhe ein Buch lese. Das kann ich mit meinem Gewissen einfach nicht vereinbaren XD

Damit begann also unsere Wohnungssuche. Darüber, wie das in Japan abläuft, habe ich hier und hier schon mal geschrieben. Wie auch beim letzten Mal suchten wir uns also ein paar interessante Wohnungen im Internet, meist auf der in Japan sehr beliebten Seite Suumo, heraus und liefen dann die jeweiligen Makler ab. Denn nicht jeder Makler kann einem jede Wohnung vermitteln, das wäre ja zu einfach! Dieses Mal suchten wir außerhalb der japanischen Hauptumzugszeit, die da März und April umfasst, in der alle Makler in ihrem Büro quasi leben und in der es zwar unglaublich viele Wohnungen auf dem Markt gibt, aber auch viel Konkurrenz. Weniger Konkurrenz in den anderen Monaten bedeutet aber leider auch nicht, dass man nicht doch schnell sein muss. Eine wunderschöne Maisonette-Wohnung mit 60qm und einem Balkon auf jeder Etage, in die ich mich auf den ersten Blick verliebt hatte, hatte leider schon einen anderen Interessenten, der ein kleines bisschen schneller war als wir und die Wohnung am Ende auch bekam. Ach verdammt! So ging die Suche also weiter.

Bei unserem ersten Umzug vor 5 Jahren hatten wir kaum Ansprüche. Nahe am Bahnhof wäre schön, aber wir haben ja auch ein Fahrrad. Nicht zu alt, da dann noch schlechter isoliert als sowieso. Ich glaube, das war es. Dieses Mal war die Liste etwas länger, unter anderem auch, weil unsere aktuelle Wohnung uns einfach mal verdammt verwöhnt hat.

Auf unserer Wunschliste standen vor allem:

– Zwischen 45 und 65qm. Nicht zu groß und nicht zu klein. Wir brauchen Platz für unsere Möbel, wollen aber nicht unsere Stromrechnung in die Höhe treiben, um qm zu kühlen oder zu heizen, die wir weder brauchen noch nutzen.

– Nicht älter als 15 Jahre. Ich stehe weder auf das Design vieler Wohnungen davor, noch bringen sie praktische Dinge wie eine Wäschetrockenfunktion im Bad, die in der Regenzeit LEBEN RETTET, mit sich. Außerdem stammen die eingebauten Klimaanlagen auch meist immer noch aus dem Baujahr und werden selten ausgetauscht. Ist die Wohnung 30 Jahre als, sind es die Klimaanlagen häufig auch. Alte Klimaanlagen sind nicht nur richtige Stromfresser, sondern kühlen einem oft den Raum auch unerträglich doll runter. Und Schimmel versteckt sich in ihnen vielleicht auch noch. Und Schimmel versteckt sich in ihnen vielleicht auch noch. Aber viele Vermieter verbieten einem oft, auf ein neueres Modell umzusteigen. Warum? Darum!

– In Laufnähe zum Bahnhof. Fahrrad ist toll. Ich fahre gerne mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Aber was, wenn es regnet, stürmt oder schneit? Während ich jetzt in 15 Minuten zu Fuß beim Bahnhof bin, war unsere alte Wohnung in Hiratsuka 40 Minuten vom nächsten Bahnhof entfernt. „Ach, dann nehm ich einfach den Bus!“ Viel Spaß beim Warten im strömenden Regen, der auch den Bus bis zu einer halben Stunde verspäten lässt. Brauch ich wirklich nicht noch mal.

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Bettie – mein erstes Fahrrad in Japan. Bei Donki Hōte gekauft, haben wir zusammen viele Fahrten zum Bahnhof durchgestanden. Bis mir irgendwann ihre Bremsen um die Ohren flogen …

– Für beide praktisch für die Fahrt zu Arbeit. Dafür ziehen wir ja extra um.

– Haustiere erlaubt. Wir haben uns noch nicht festgelegt, was es werden soll und wann es passieren soll, aber wir wollen ein Haustier. Unsere derzeitige Wohnung erlaubt keine. Das tun die wenigsten auf dem japanischen Markt. Hat man seine Präferenzen bei Suumo ausgewählt und erhält eine Liste von 237 Wohnungen, braucht man nur auf „Haustiere erlaubt“ klicken, um diese auf 6 Wohnungen schrumpfen zu lassen.

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Die meisten Wohnungen in Tōkyō, die Haustiere erlauben, sind alt und weit vom Bahnhof entfernt, was sich mit Punkt 2 und 3 auf meiner Wunschliste beißt. Ich habe mir von Anfang an keine Illusionen gemacht, dass diese Suche einfach werden würde. Aber ich wollte jetzt auch nicht 7.000 bis 10.000 Euro in diesen Umzug stecken (Ich übertreibe nicht. Mehr dazu später), nur um dann, wenn wir uns endlich ein Haustier holen, wieder umziehen zu müssen. Ich wollte das ganze Paket! Und 6 Wohnungen, die meinen Ansprüchen genügen, sind 6 Wohnungen, die ich mir angucken gehen kann 😉

– Maisonette oder oberste Etage. Als wäre diese Liste nicht schon schwierig genug zu erfüllen, oder? Aber dieses Mal will ICH der Mieter sein, der anderen auf der Decke rumpoltert! MUAHAHA! Na ja, jetzt, wo ich das so lange ertragen musste, verspreche ich, ganz leise zu laufen 😉

Mit (zumindest nach den Angaben und Fotos auf Suumo) unseren Vorstellungen entsprechenden Wohnungen im Gepäck, stiefelten wir also zu verschiedenen Maklern, um uns selbige und noch ein paar andere zeigen zu lassen. Aber weil dieser Post schon so lang ist, erfahrt ihr im nächsten, wie das gelaufen ist 😉

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13 Antworten zu In Tōkyō eine Wohnung suchen …

  1. Anika schreibt:

    Ich habe spaßesgalber letztes Jahr mal meine Wunschliste eingegeben.
    Gleicher Bezirk, Kinderzimmer, Wäsche Trocknerfunktion im Badezimmer und keine Tatami.
    Alles brauchbare ging beim doppelten Mietpreis unserer jetzigen Wohnung los, aber die meisten Angebote lagen im dreifachen xD
    Und das im belächelsten Bezirk in Tokyos Westen…
    Wohnungssuche ist kacke!

    • nagarazoku schreibt:

      Wir sind jetzt zum Glück „nur“ bei 4man mehr, aber bei einigen Preisen sind mir fast echt die Augen aus dem Kopf gefallen!

      • Anika schreibt:

        Ja, ist schlimm… Mit Tatami und ohne Wäschefunktion bekommt man ein Zimmer mehr auch schon viel günstiger… Aber ohne Verbesserung bleibe ich doch lieber in meiner Bude 😉

      • nagarazoku schreibt:

        Ja, mein Anspruch (Kei ist etwas pflegeleichter als ich :P) war auch, dass ich meinen gewohnten Standard nicht runterschrauben muss. Ich will mich in meiner Wohnung einfach wohlfühlen. Nachdem man uns nach unserem Auszug aus der Wohnung in Hiratsuka für den Austausch der Tatami-Matten extra Geld abnehmen wollte und das nur nicht passiert ist, weil ich einen riesigen Aufriss gemacht habe – im ernst, die sahen aus wie neu und selbst wenn, wofür haben wir Kaution bezahlt??? – bin ich ein gebranntes Kind, was Tatami angeht ^^;
        Auf die Wäschefunktion kann ich kann nicht mehr verzichten im Bad. Was macht man denn ohne in der Regenzeit? O___o

      • Anika schreibt:

        Im Wohnzimmer mit so nem Luftpüster drunter…

      • nagarazoku schreibt:

        Hab ich damals in unserer Wohnung in Hiratsuka versucht. Da hat dann immer die ganze Wohnung nach Luftfeuchte “geduftet” XD

      • Anika schreibt:

        Im Sommer „duftet“ unsere Wohnung noch nach ganz anderen Dingen…

  2. vlp600 schreibt:

    Oh je, wie in München.
    Zum einen würde ich (ungefragt) ja dazu raten, von der einen oder anderen Präferenz abzurücken. Immerhin wisst ihr schon, dass ihr am Ende MEHR ZAHLEN werdet, dafür aber Zeit gewinnt.
    1. Stockwerk: man muss doch sicherlich Pech haben, um in Japan jemanden als Nachbarn zu bekommen, der rumpoltert, oder? Vielleicht ja ein richt nettes altes Pärchen, das ganz leise ist. Ist das nicht eher die Regel als die Ausnahme?
    2. Fahrrad fahren: in München bin ich bei jeder Jahreszeit Rad gefahren. In Japan hat mir das auch Spaß gemacht. Für wenig Geld kriegt man gute Schutzklamotten – wenn ich dafür eine schönere oder günstigere Wohnung bekomme, mache ich das doch gern.

    Auf der anderen Seite bin ich voll bei euch, wenn ihr sagt, ihr wollt euch wohlfühlen. Wenn man weiß, dass man irgendwo länger bleibt, und/oder schon ein paarmal umgezogen ist, dann will man lieber kein Geld sparen, sondern jedes Mal ein tolles Gefühl haben, wenn man nach Hause kommt.

    Ist am Ende eine ganz individuelle Entscheidung. Ich glaube, ich würde lieber auf ein Haustier verzichten, als in meiner Wohnung ständig etwas auzusetzen zu haben (A/C, alt, ranzig…). Vielleicht kann man ja erst einmal einziehen und dann nach einem halben Jahr mit dem Vermieter reden?

    Den Verlust der Maisonette-Wohnung verschmerzt man natürlich nicht so leicht. Das kennt fast jeder.
    60m² fanden wir zu zweit in München auch sehr passend. Besser nicht an zu viel gewöhnen…

    • nagarazoku schreibt:

      In einem anderen Beitrag mehr dazu, aber wir haben am Ende tatsächlich eine Wohnung gefunden, die alle Punkte erfüllt hat 😉
      Das mit den Nachbarn, tja, wir hatten in unserer derzeitigen Wohnung 4 Jahre lang Glück und seit letztem Jahr dann haben wir Nachbarn über uns, die den gesamten Tag rumpoltern. Ich habe nicht mal mehr am Wochenende länger als 7 Uhr schlafen können und mit ihnen reden hat leider auch nichts gebracht. Das Klischee des immer zurückhaltenden und umsichtigen Japaners ist am Ende halt auch wirklich nur ein Klischee, Da ich jobbedingt manchmal vor 3, 4 Uhr nicht ins Bett komme, war die Situation wirklich nicht ideal, und daher stand dieser Punkt auf der Prioritätenliste ganz oben. Deshalb bin ich froh, dass ich am Ende meinen Dickkopf duchsetzen und ALLES kriegen konnte 😉

      • vlp600 schreibt:

        Oh je, das ist ja heftig!
        Dann gibt es wohl bald einen (oder mehrere) Umzugs-Blogeinträge?
        Die Kosten kann ich mir wirklich nicht vorstellen. 6000-10.000€!? Unser Umzug von Deutschland nach Indien mit Abbau, Verpackung, Transport von Haustür zu Haustür im Container und Aufbau hat unter 7.000€ gekostet.

      • nagarazoku schreibt:

        Ja, ich habe ein paar Blogeinträge in der Reihe geplant! Auch mit den Kosten! Die Erstkosten für so eine Wohnung mit Dankensgeld und Co. hauen in Japan wirklich rein. Unter 7.000 Euro und dann bis in ein anderes Land, davon kann ich hier nur träumen XD

  3. Ich bin so froh, diesen Zirkus nicht mehr mitmachen zu müssen. Aber eine Wohnung in Tokyo zu kaufen macht auch keinen Spaß, zumal die auch absolut keine Wertanlage darstellen. Bin schon auf deine Kostenaufstellung gespannt, davon kann ich dann wahrscheinlich ein paar Nächte nicht mehr ruhig schlafen. 😉

    • nagarazoku schreibt:

      Wie oft ich in der Zeit dachte „Wie verstehe jetzt, warum Leute lieber Häuser bauen!“ Von meinen Eltern weiß ich natürlich, dass das eigentlich noch viel stressiger ist, aber zwischendurch erschien wie eine so viel bessere Option XD

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