So ein wenig Alltagsgelaber

„Eigentlich wollte ich in diesem Jahr meinen Blog wieder regelmäßiger updaten. Einmal in der Woche war das Ziel. Irgendwas. Ein Bericht über einen Ausflug, eine kurze Alltagsstory, oder auch nur ein Foto der Woche. Doch irgendwie fällt mir die Themenfindung mit jedem Jahr, das ich hier lebe, schwerer und schwerer. Eigentlich auch kein Wunder. Japan ist mein Alltag. Während mir in meinem ersten Jahr hier jeder Einkauf, Arztbesuch oder Ausflug noch einen Blogpost wert war, ist das meiste für mich doch inzwischen Normalität geworden. Wäre nach 5 Jahren im Land auch eher traurig, wenn dem nicht so wäre. Und damals in Deutschland, nun, da habe ich über meinen Alltag auch eher wenig zu erzählen gehabt. Wer will schon meine Storys aus dem Supermarkt lesen?“, dachte ich eines Tages ganz in Gedanken versunken, als ich in genau so einem Supermarkt darauf wartete, dass Kei sich sein Abendessen aussuchte.

Als 共働きカップル – ein Pärchen, in dem beide Vollzeit angestellt sind – kochen wir eigentlich nur am Wochenende und greifen in der Woche gerne auf Supermarkt-Bentō – fertige Gerichte, die nur noch aufgewärmt werden müssen – zurück. Also Kei. Und nicht selten fällt mir da immer wieder auf, wie praktisch das Ganze in Japan ist. Viele Supermärkte hier haben bis mindestens 22 Uhr geöffnet und bieten bis zu ihrer Schließzeit Bentō an. Die Auswahl reicht da von sehr viel mehr bis sehr viel weniger gesund, aber sie sind fast alle lecker und vor allem: am Tag ihres Verkaufs hergestellt.

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Sie haben also mit dem Fertigessen, das ich aus deutschen Kühltruhen gewohnt bin, nur wenig gemein. Die meisten Supermärkte haben auch so viel Auswahl, dass man fast jeden Tag ein anderes Bentō essen kann: heute Sushi, morgen Fisch mit Gemüse und Reis, übermorgen Omuraisu. Oft kosten die Dinger nicht mal über 500 Yen (rund 4 Euro), und wer kurz vor Schließzeit geht, kriegt sie auch noch mal extra günstig.

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Wer es etwas fancier mag, kann sich auch in den Food Courts in den Untergeschossen der Shopping Center eindecken, wo die Bentō dezent teurer aber auch qualitativ besser sind. Alles in allem aber Beträge, die wir gerne bezahlen, wenn das bedeutet, dass sich nicht einer von uns abends in der Woche auch noch in die Küche stellen muss 😛

So, nun meinte ich, Kei wäre vor allem derjenige, der auf Bentō zurückgreift. Was mache ich? Nun, manchmal kaufe ich mir auch eins. Und manchmal, also eigentlich sehr oft, kommt die Deutsche in mir durch und mein Abendbrot sieht folgendermaßen aus:

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Ich bereue NICHTS! Wo ich hier vernünftiges Brot herbekomme? Das auf dem Bild ist von einem Pop-Up-Store einer in Tokyo ansässigen deutschen Bäckerei, wo ich sonst eher nicht hinkomme. Daher helfen meist Amazon und Päckchen aus der Heimat. Wie viel das kostet? Fragt nicht! Ich sollte vielleicht noch mal einen Anlauf mit dem Selbstbacken wagen. Aber irgendwie mag mich Hefe hier nicht …

Der Blogpost war jetzt irgendwie sehr ungeordnet, aber nehmen wir zwei Wahrheiten aus ihm mit: Themen für Posts finden sich manchmal an Orten, an denen man sie nicht unbedingt erwartet, und 28 Jahre mit Brot zum Abendessen aufgewachsen hinterlässt dauerhafte, in Japan finanziell nicht zu unterschätzende Spuren 😛

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6 Antworten zu So ein wenig Alltagsgelaber

  1. vlp600 schreibt:

    Alltag ist meinst das Faszinierendste. Mir geht es mit Indien genauso, weshalb ich mittlerweile meistens über Reisen/Ausflüge berichte. Ich versuche aber hin und wieder, einen der vielen Aspekte des Alltags herauszugreifen und auszuführen. Z.B. Fernsehen, Nachrichten, Müllprobleme. Ich werde auch mehr Politisches und Soziales schreiben, da man Reiseberichte überall findet, aber eben Politik und Alltag auf Deutsch aus dem Ausland eher selten.
    Mich würde z.B: interessieren, wie es mit Handwerkern in Japan aussieht. In Indien sind sie eine Katastrophe. Kommen nie pünktlich, verbauen schlechte Teile, geben unverbindliche Aussagen. Sind aber flexibel, arbeiten hart und sind günstig.

    Danke für die Bilder. Ist dir eigentlich selbst bewusst, wieviel Plastikmüll ihr verursacht und was für ein riesiges Problem das ist? Für mich eines der schockierendsten und abschreckendsten Erfahrungen in Japan. Gute Müllabfuhr und hohe Recyclingrate helfen da nicht, schließlich wird mehr Müll als in jedem anderen Land der Erde ins Ausland verschifft, wo es
    – nicht recyclet wird
    – nicht sachgerecht entsorgt werden kann
    – Erde kontaminiert
    – Flüsse füllt und vergiftet
    – letztendlich Tier- und Pflanzenwelt schadet
    Der meiste japanische Exportmüll landet in China und 2 der 5 Hauptbeiträger zu Plastik in Ozeanen sind die beiden größten chinesischen Flüsse.
    Zwei der anderen drei sind indische Flüsse – und da hier Müll ein riesiges Problem darstellt, versuchen wir, so gut es geht aus Plastik zu verzichten und so oft selbst zu kochen, wie wir können.
    Der Umwelt zuliebe.
    Und weil Fertigessen oft unhygienisch, scharf und ölig ist.
    Fest steht: Japan ist ein miserables Vorbild für die ganze Welt was Müll betrifft.
    Ich sollte (und werde) selbst einen Blogeintrag darüber verfassen 😀

    • nagarazoku schreibt:

      Das ist uns absolut bewusst, aber wenn du mal siehst, wie frisches Gemüse und Fleisch daherkommt, siehst du, dass sich das mit selbstkochen leider nicht reduzieren lässt. Es ist vielleicht am Ende sogar noch schlimmer, weil jede Gurke, jede handvoll Tomaten, einfach alles extra in Plastik verpackt ist – da kommt man mit einer Bento-Box fast mit weniger Plastik weg. Selbst Eier gibt es nur GANZ SELTEN mal in einer Pappverpackung – Plastik beherrscht hier einfach alles. Ich finde das auch ganz furchtbar und versuche schon zu reduzieren, wo ich kann – brav nein zu extra Plastiktüten, Obst und Gemüse unverpackt kaufen, wo es geht (nicht oft) – aber Japan gibt einem wirklich nicht viele Möglichkeiten 😦

      • vlp600 schreibt:

        Stimmt, daran hatte ich gar nicht mehr gedacht 😀
        Die Äpfel kommen sogar einzeln in Plastiknetzen :-/
        Da die Anti-Plastik-Bewegung ja mittlerweile global ist: gibt es da ein Umdenken bei den Lieferanten? Verpackungsfreie Läden?
        Nach „Druck von der Bevölkerung“ frage ich erst gar nicht 😉
        Das steht ganz schön im Gegensatz zu den Traditionen von eingelegtem Gemüse, hausgemachter Dashi usw. Da sieht man im Fernsehen ausschließlich Holz- und Stahlgeräte zum Einsatz kommen, meist von alten Frauen betrieben.

      • nagarazoku schreibt:

        Und das ist so schade, oder? Verpackungsfreie Läden habe ich hier noch nie gesehen. Draußen auf dem Land kommt man oft mit weniger Plastik aus, vor allem, wenn man frisch und direkt vom Bauern kauft. Aber sobald man in die Städte geht und das nicht kann … Und es ist auch wirklich kaum ein Bewusstsein dafür da. Einzelpersonen sicher ja, aber nichts im Vergleich zu anderen Ländern. Von Zero Waste sind wir hier auf jeden Fall noch ganz weit entfernt. Wie ist die Situation da in Indien?

  2. Rotbuchenbaum schreibt:

    Zum Plastikmüll: Ich bin gerade in Österreich und habe zu Hause eine Packung Kekse bekommen, deren Verpackung vollkommen aus Papier war; also sowohl die Schale, in der die Kekse drin sind, als auch das Papier drum herum. Das hat mich sehr gefreut. Ob das auch mit warmen oder fettigen Speisen möglich ist, weiß ich nicht, aber das Umdenken beginnt; zumindest hier in Österreich.

    Der österreichische Bundeskanzler Kurz ist stark dahinter, dem Plastikmüll den Kampf anzusagen. Ich hörte das in den Radionachrichten.

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