Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

Wer mich kennt, weiß, dass ich ohne meinen Kindle im Normalfall nicht das Haus verlasse. Dabei war ich damals, als das erste Modell rauskam, noch ein ganz überzeugter E-Book-Gegner. Nur echte Bücher sind das Wahre und so! Nun mag ich „echte“ Bücher immer noch, habe aber in einer japanischen Standardwohnung mit Standardplatz schnell die Vorteile einer digitalen Büchersammlung erkannt. Besonders für Leute wie mich, die gerne Bücher hamstern – es gibt sogar einen japanischen Begriff dafür: tsundoku 積ん読. Lesen tue ich die Bücher irgendwann alle, nur eben nicht sofort 😛

Als sich mein Kindle am Mittwoch dann plötzlich weigerte, sich mit dem Internet zu verbinden und mein neuestes Buch zu laden, war guter Rat teuer. Mehrmaliges Neustarten des Kindles brachte nichts, und obwohl alle meine anderen Geräte problemlose mit dem Internet verbunden waren und es daher eigentlich gar nicht die Schuld unseres WLANs sein konnte, startete ich auch selbiges neu. Ebenfalls mehrmals. Nichts. Die Amazon-Supportseite hatte noch ein paar weitere Tipps, die ich alle probierte, u.a. einen Reset des Kindles, der alle meine Bücher und Sammlungen von selbigem löschte, die Internetverbindung aber nicht wiederherstellte. Nun stand ich also da, mit einem komplett leeren Kindle. Und keiner WLAN-Verbindung, um meine Bücher wieder runterzuladen. Toll.

Zum Glück kann man sein Kindle auch über die USB-Verbindung seines Computers wieder mit Büchern vollpacken. Es ist eine Heidenarbeit, will man alle haben, denn alle auf einmal auswählen und schicken geht wieder nur über eine Internetverbindung. Über USB muss man jedes Buch einzeln aus seinem Amazon-Account auf den Kindle runterladen. Und in meinem Fall kamen die alle ohne Cover an. Aber nein, das macht mir gar nichts aus. Unsortierte, coverlose Bücher haben ich am liebsten … T__T Aber gut, wenigstens hatte ich Bücher für die Fahrt zur Arbeit.

Als ich am Abend nach Hause kam, schnappte sich Kei meinen Laptop und setzte sich per Chat mit dem Amazon-Kundenservice in Verbindung. Ein Herr Rin ließ uns noch mal alle Schritte der Amazon-Supportseite ausführen, die ich am Morgen schon mehrmals durchgegangen war und die mich am Ende wieder mit einem komplett leeren Kindle sitzen ließen. Herr Rin entschuldigte sich, unser Problem würde seinen Aufgabenbereich überschreiten und er würde uns daher weiterleiten. An Herrn Miyamoto. Der ließ uns noch mal alle Schritte der Amazon-Supportseite ausführen und kam dann, als das – Überraschung! – nichts brachte, schnell zu dem Urteil: „Da kann man nichts machen. Sie werden sich einen neuen Kindle besorgen müssen. Wir geben Ihnen auch 15% Rabatt.“ Ach, na vielen lieben Dank. Wie reizend aber auch.

Ich hatte nach diesem doch enttäuschenden Erlebnis mit dem Kundensupport nicht wirklich Lust, mir gleich einen neuen Kindle zu kaufen. Pah, was fällt denen eigentlich ein?! Als wäre der Kindle der einzige E-Reader auf dem Markt! Wer sagt mir denn, dass sich mein nächster Kindle nicht auch nach 4 Jahren ganz mysteriös aufhängt und die Lösung des Problems nur wieder der Kauf eines neuen Kindles ist? Der Gutschein hat laut Herrn Miyamoto kein Verfalldatum, und mein Kindle lässt sich ja über meinen Computer mit Büchern bestücken … ohne Cover … *grrr* …

„Du könntest natürlich auch meinen Kindle benutzen“, schlug Kei plötzlich vor. „Ich benutz den doch eh nicht.“ Hach, dieser gute Mann! Womit habe ich ihn nur verdient? Großzügig wollte mir Kei also seinen Kindle überlassen und ging ins Menü, um sich von  seinem Konto abzumelden. „Seltsam. Klappt nicht. Ich starte mal neu.“ Was nach dem Neustart geschah, wird euch schockieren! Jepp, wir hatten nun doch tatsächlich ZWEI Kindle, die sich weigerten, sich mit dem Internet zu verbinden. FANTASTISCH. Wir fühlten uns ein wenig wie in einer Komödie, aber so richtig zum Lachen war es nicht.

Da es beide Kindle betraf, konnte es tatsächlich doch irgendwie am Internet liegen, dachten wir. Oder an einem Update. Wir googelten und fanden andere Betroffene, aber das Phänomen verteilte sich irgendwie nicht nur auf verschiedene Monate, sondern ganze Jahre. Hmpf. Kei probierte ein wenig mit den Interneteinstellungen rum, aber es half nichts. Nächster Plan: Am Wochenende irgendwo einen Starbucks finden und gucken, wie es den Kindles dort mit dem WLAN gefällt.

Soweit kam es aber gar nicht erst.

Am Freitag – Dank dem „Tag der Arbeit“ hatten wir frei – saß ich gemütlich unter unserem kotatsu. Im Bad lief die Heizung zum Wäschetrocknen – fancy, ich weiß – und im Fernsehen irgendwas auf Netflix. Der Luftbefeuchter lief auch. Und plötzlich bekam ich Durst und setze Teewasser auf. Das war dem Stromkasten schon zu viel und die Sicherung flog raus. Im Winter passiert uns das vergleichsweise häufig, gerade wenn wir an richtig kalten Tagen auch noch die Klimaanlage laufen lassen. An Wochentagen kann ich mir z.B. erst die Haare föhnen, wenn Kei sein Toast fertig getoastet hat. Ansonsten fliegt wieder die Sicherung raus.

Nachdem wir nach diesem kurzen Stromausfall wieder alles Minus dem Luftbefeuchter aufgesetzt hatten, scherzte Kei kurz, dass es irgendwie lustig wäre, wenn unsere Kindle sich jetzt wieder mit dem Internet verbinden würden. Es wäre lustig. Und das ist genau, was passiert ist. Ich habe keine Ahnung, welche Auswirkungen die rausgesprungene Sicherung auf den Router hatte, die meine 10 Reboots mit mindestens 3x komplett Stecker ziehen nicht hatten, aber ich hinterfrage die Sache mal nicht, sondern freue mich, dass ich nun doch keinen neuen Kindle kaufen muss. Auch wenn ich 15% Rabatt gekriegt hätte 😛

Also, was lernen wir aus der Sache? Bevor ihr ein defektes Gerät ersetzt, immer erst mal den Stromkreis überlasten – Anwendung auf eigene Gefahr 😛

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8 Antworten zu Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Sachen gibt’s!

    Meine Frau und ich gehen auf die 60 zu. Sie hat schon einmal vergessen, das Gas abzudrehen. Ich wollte deswegen statt dem Gasherd einen elektrischen Herd mit Abschaltautomatik haben. Da hätten wir aber das ‚Volumen‘ des Sicherungskastens vergrößern lassen müssen. Das ist offensichtlich eine teure Angelegenheit. Darum haben wir es bleiben lassen. Außerdem will meine Frau nicht mit elektrischer Kochplatte kochen. So hat sich meine Frau umgesehen und einen Gasherd mit Abschaltautomatik gekauft.

    • nagarazoku schreibt:

      Wir hatten auch schon mal nachgefragt, ob wir nicht mehr Watt oder wasauchimmer haben können, damit die Sicherung nicht ständig rausspringt, aber ja, leider zu teuer ….

      Abschaltautomatik ist natürlich toll! Sollte ich mich auch mal drüber informieren!

  2. Lennart schreibt:

    Von den Kundendienstmitarbeitern ist keiner auf die Idee gekommen, euch zu raten, den Router neu zu starten?
    Ich meine, ich kann jetzt zwar auch nicht erklären, weshalb manche Geräte Probleme machen und andere sich munter weiter verbinden. Aber das man Router abund zu neu starten sollte, kennt man ja. Ich peile drei Mal (über Nacht) pro Woche an.
    Mit dem Starbucks hätte es vermutlich auch geklappt…

    • nagarazoku schreibt:

      Ich hatte den Router ja selbst mehrmals neu gestartet, weiß daher nicht, ob ein vom Kundendienst angeordneter Neustart geholfen hätte, aber es hätte zumindest unsere Verbindung zu ihnen getrennt XD Vielleicht hat der Neustart am nächsten Tag kombiniert mit Keis Änderungen einiger Einstellungen am Abend davor was gebracht, aber so genau werden wir das wohl nur herausfinden, falls wir das Problem noch mal haben.

  3. LadyAngeli schreibt:

    Herrlich! Das erste breite Lächeln des Tages. Wegen einem Kindle. Den ich noch nicht mal mag, da er ja nur mit Amazon läuft. Aber schön, dass Du keinen neuen kaufen musstest.

    • nagarazoku schreibt:

      Ich auch! Der Kindle war hier lange Zeit nahezu konkurrenzlos, deshalb hatte ich mich letztendlich für einen entschieden, obwohl ich die Exklusivität mit Amazon auch nicht mag, und auch jetzt noch gibt es nur einen einzigen E-Reader, den man wirklich als Konkurrenz bezeichnen kann, und der soll leider auch nicht ganz so Bombe sein orz

  4. Julia schreibt:

    Gott sei Dank! Ich liebe auch meinen Kindle, obwohl ich anfangs dagegen war (aber wir haben halt auch keinen Platz, ziehen ständig um, und so habe ich immer alle Lieblingsbücher dabei), aber es ist über sechs Jahre alt und ziemlich langsam geworden. Ich will aber auch keinen Neuen, weil die alle nicht mehr mit den schönen Blättertasten kommen (oder nur die ganz teuren.)

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