[Kurz eingeschoben] Bottle Keep

Um das Wochenende einzuläuten, gehen Kei und ich fast jeden Freitag Abend nach Arbeit zusammen was Essen. So einmal die Woche kann man das schon machen. Gestern war uns nach Okinawa-Style und wir landeten in einem entsprechenden izakaya af zwei Sitzen direkt an der Bar, die mit Flaschen voll Alkohol zugestellt war. Und an einigen dieser Flaschen hing etwas Interessantes:

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Visitenkarten! Richtige echte Visitenkarten von Firmenangestellte! (Zur Wahrung der Privatsphäre dieser Leute habe ich die Aufdrucke der Karten mal verpixelt 😉 ) Was ich zuerst für im Suff liegen gelassene Gegenstände hielt, ist in Japan laut Kei ein Weg, um Alkoholflaschen zu markieren, die von jemandem bei einem Besuch gekauft, aber nicht geleert wurden, und die dann einfach beim nächsten Besuch weitergetrunken werden. ボテルキープ boteru kīpu heißt das Ganze auf Japanisch – zusammengebastelt aus den englischen Worten für „Flasche und „behalten“. Visitenkarten sind dabei nicht die einzige Möglichkeit, verkaufte Flaschen zu kennzeichnen. Wie auf dem Bild oben zu sehen, kann man auch einfach ganz groß den Namen des Gastes mit einem Stift auf die Flasche selbst schreiben.

Und warum macht man so etwas? Nun, für den Kunden ist in Flaschen gekaufter Alkohol nach einer gewissen Anzahl Gläser günstiger, als wenn er jedes Glas einzeln bezahlen würde, und er kann sich sicher sein, dass die Kneipe am entsprechenden Abend seinen bevorzugten Alkohol vorrätig hat. Für den Laden bedeutet eine verkaufte Flasche schneller Gewinn, es stärkt die Kundenbindung an den Laden, denn der Kunde hat ja nun ein gesteigertes Interesse daran, wieder und wieder zu kommen (und natürlich auch Freunde und Kollegen mitzuschleppen), und es dient zudem ein wenig als Werbung – „Herr xx von der prestigeträchtigen Firma xx kehrt hier also regelmäßig ein? Interessant!“. Und immerhin wird Alkohol ja auch nicht schlecht, oder? Dass das dabei so öffentlich mit Visitenkarten mit vollem Namen und Firmennamen und Firmen- und Mailadresse und Telefonnummer zugeht, hat mich dabei dann doch überrascht. Es kann ja wirklich jeder in dem Laden die Visitenkarten lesen. Aber gut, sich mal so an einem Abend eine ganze 50 bis 100 Euro teure Flasche Whiskey leisten zu können, macht ja auch irgendwie Eindruck 😛

Und so gibt es also auch nach so vielen Jahren in diesem Land immer noch Dinge, von denen ich noch nie etwas gehört habe und ganz fasziniert entdeckt. Ich dachte, ich lasse meine Leser mal dran teilhaben 😉

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2 Antworten zu [Kurz eingeschoben] Bottle Keep

  1. Tara schreibt:

    Mega cool, davon habe ich bisher auch noch nie etwas gehört! 😀 Man lernt hier wirklich nie aus… 🙂

  2. Anika schreibt:

    Das kannte ich schon bevor ich nach Japan gekommen bin 🙂 Ich aube in dem Buch „Für eine Hand voll Yen“ tauchte das auf.
    Deshalb sind mir auch schon in einigen Bars die Flaschen aufgefallen. Was mir allerdings neu ist, sind die Visitenkarten. Das habe ich auch noch nie gesehen…

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