Ein paar Buchempfehlungen

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Die letzten Wochen hat das Wetter erst durch Regen, dann durch eine brutale Hitze nicht unbedingt zum Rausgehen animiert, und so mehren sich die Wochenenden, die Kei und ich in unserer gut klimatisierten Wohnung auf unserer Couch verbringen – ich meist mit einem Buch vor der Nase. Dadurch, dass ich ziemlich lange bis zur Arbeit pendle, lese ich eh sehr viel, und in letzter Zeit habe ich versucht, neben Büchern auf Englisch und Deutsch auch mehr auf Japanisch zu lesen. Das ist nicht immer ganz einfach. Nicht wegen der Sprache, die ich beherrsche ich ja ganz gut, aber da ich nicht japanische Literatur, sondern Politik und Sozialwissenschaften studiert habe, und japanische Schriftsteller in Deutschland eher selten Berühmtheit erlangen, weiß ich im Bücherladen meist nicht, wonach ich eigentlich suchen soll. Ach ja, und dann gibt es noch Autoren wie Murakami Haruki und Higashino Keigo, die ich natürlich kenne und die eine große Auswahl an Werken haben, deren Frauenbild mich aber mit jedem Roman, den ich mir antue, SO auf die Palme treibt, dass ich inzwischen einen großen Bogen um sie mache 😛

Oft greife ich im Bücherladen einfach nach Büchern, deren Cover mir gefallen, und wenn mir dann auch noch der Klappentext gefällt, darf das Buch mit. Mit dieser Methode ist natürlich nicht jedes Buch ein Treffer, aber ich lerne so mehr und mehr japanische Autoren kennen. Und da ich Bücher, die mir gefallen, gerne mit anderen teile, mache ich das doch hier einfach mal mit den japanischen Büchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe und die mir gefallen haben. Ganz untypisch für mich sind die meisten Bücher sogenannte 人間ドラマ ningen dorama, ein Genre, in dem es typischerweise sehr dramatisch zugeht und in dem es meist doch um ganz alltägliche Geschichten um Liebe, Freundschaft, aber auch Krankheiten und anderes geht. Da Japaner ihre ningen dorama LIEBEN, ist es auch schwer, einen Bogen um dieses Genre zu machen, und während mir einige Bücher viel zu kitschig und dramatisch sind, setzen andere diese Thematik doch mit ganz viel Fingerspitzengefühl um.

 

「コンビニ人間」 村田沙耶香 – erschienen auf Deutsch als „Die Ladenhüterin“ von Sayaka Murata

Klappentext:Keiko Furukura ist anders. Gefühle sind ihr fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Uni auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen. Man bringt ihr den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Keikos Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt. Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sich versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht.“

Ein Buch, in dem es um die Frage geht, was „normal“ ist, wer eigentlich bestimmt, wer und was in diese Kategorie gehört, und wie es Menschen zusetzen kann, die nicht dazugehören. Der Hauptcharakter war mir erstaunlich sympathisch und trotz des ernsten Themas und einigen bedrückenden Szenen hat es doch einen sehr positiven Ton. Ganz besonders gefallen haben mir die detaillierten Beschreibungen der Abläufe im konbini. Das hatte was ghibliartiges. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf das Buch gekommen bin. Es war einfach irgendwie in meiner to-read-Liste XD

 

「旅猫リポート」有川浩 – erschienen auf Deutsch als „Satoru und das Geheimnis des Glücks“ von Hiro Arikawa

Klappentext: „Satoru und sein alter Kater Nana machen sich auf den Weg. Auf ihrer Reise quer durch Japan besuchen sie alle Menschen, die Satoru auf seinem bisherigen Lebensweg begleitet, ihn geformt und geprägt, geliebt und geachtet, aber auch beneidet und kritisch beäugt haben. Doch am Ende schließen alle ihren Frieden: mit ihrem Freund und Wegbegleiter Satoru genauso wie mit sich selbst. Und Nana? Betrachtet alles aus der ihm eigenen Katzenperspektive. Er blickt den Menschen ins Innerste, bis in die tiefsten Tiefen ihrer Seele.“

Ein Buch, das ich gekauft habe, als ich mein Kindle zu Hause vergessen hatte. Ich ertrage  die lange Bahnfahrt ohne Buch einfach nicht. Der japanische Klappentext geht die Story übrigens ein wenig anders an: „Seit 5 Jahren lebt der ehemalige Straßenkater Nana bei Satoru, einem Mann, der ihn vor dem Verhungern gerettet hat. Doch nun muss Satoru sich leider von Nana trennen. ‚Darf ich euch meinen Kater anvertrauen?‘ Zusammen begeben sie sich auf ihre ‚letzte Reise‘ und treffen auf Menschen und Geheimnisse aus Satorus Vergangenheit.“ Nach dem lesen des deutschen Klappentextes hätte ich das Buch vermutlich nicht mitgenommen – der japanische sagt mir da eher zu XD Ein Mann, ein Kater, ein Roadtrip und die Frage: Warum muss sich Satoru von Nana trennen? Die Geschichte ist aus der Perspektive des Katers geschrieben, und zwar so, wie ich mir vorstellen würde, wie ein Kater von einer Beziehung mit einem Menschen berichten würde: kurz, zynisch und in tiefster Verleugnung darüber, dass er seinen Menschen doch eigentlich über alles liebt. Die Geschichte beginnt lustig und rührt einem am Ende dann zu Tränen ohne übermäßig dramatisch zu werden.

Ich lese übrigens eine Menge Bücher auf Japanisch mit Katzen auf dem Cover. Einerseits natürlich, weil ich Katzen mag, andererseits aber auch, weil Bücher über Hunde meistens mit dem Krebstod besagten Hundes beginnen oder enden. Da war ich einmal live dabei, das brauch ich nicht noch mal in Buchform T_T Bücher über Katzen hingegen tendieren dazu, einen eher unbeschwerten, fröhlichen Ton zu haben.

 

「吾輩は猫である」夏目漱石 – erschienen auf Deutsch als „Ich der Kater“ von Soseki Natsume

Klappentext: „‚Gestatten, ich bin ein Kater!‘ – Mit scharfem Blick und spitzer Zunge schildert ein namenloser Kater sein Leben im Haus des Gymnasialprofessors Schneutz.

Behauptet Goodreads. Amazon hat gleich mal gar keinen Klappentext gelistet, und meine deutsche Kopie steht leider zu Hause bei meinen Eltern in Berlin. Ein weiteres Buch aus der Perspektive einer Katze, und ein Klassiker noch dazu. Und ja, irgendwie so lässt sich das Buch dann doch zusammenfassen. Ein erstaunlich gebildeter und bewanderter Kater, der im Hause des Professor Schneutz mehr oder weniger geduldet wird, berichtet von den Alltäglichkeiten, denen er begegnet – mit viel Hohn und Spott für die Menschen um ihn herum, und mit Humor. Die ersten beiden Sätze des Buches – 「吾輩は猫である。名前はまだ無い。」- „Gestatten, ich bin ein Kater! Unbenamst bislang.“ – sind in Japan übrigens so bekannt wie der erste Satz aus Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ anderswo. Der Kater basiert laut Wikipedia auf einem echten Kater, den Soseki Natsume bei sich aufnahm, und er selbst soll das Vorbild für den Professor gewesen sein. Ich hoffe dann aber doch, dass der Autor mit seinem eigenen Kater liebevoller umgegangen ist. Dieses Buch wurde mir im Übersetzungsunterricht als Beispiel einer überaus gelungenen Übersetzung eines japanischen Romans ins Deutsche von meinem Dozenten ans Herz gelegt. Er lobte vor allem die Übertragung der Bedeutung der Namen, was oft ja schiefgehen kann und mit Namen wie „Herr Mittelfeld“ dann eher an einen Herr-der-Ringe-Roman erinnert, hier aber sehr passend umgesetzt wurde. Ich las das Buch zuerst auf Deutsch, und dann vor kurzem auf Japanisch, um endlich einmal vergleichen zu können. Bei Übersetzungen scheiden sich ja immer die Geister, aber ich finde sie sehr gelungen. Dadurch, dass der Roman schon über 100 Jahre alt sind, versteht der moderne Leser (auch in der Übersetzung und auch mit den vom Übersetzer hinterlassenen Anmerkungen) vermutlich nicht alle Anspielungen und Witze, und trotzdem weiß das Buch immer noch zu unterhalten!

Die nächsten beiden Bücher sind (leider bisher) noch nicht auf Deutsch erschienen, aber vom Stil her sind die nicht allzu schwierig geschrieben, wer sich also dran versuchen mag … 😉

 

「あずかりやさん」大山淳子 – „Der Aufbewahrer“ von Junko Ōyama

Klappentext (aus dem Japanischen): „Vom Luxusfahrrad über Testamente, Briefumschläge mit unbekanntem Inhalt, Büchern usw. bewahrt der Aufbewahrer für nur 100 Yen pro Tag alles in seinem Laden auf und stellt keine Fragen. Hinter jedem anvertrauten Gegenstand steckt eine Geschichte, und Schicksale, die in keiner Beziehung zueinander zu stehen scheinen, beginnen, sich zu kreuzen …“

Ein Buch voller Kurzgeschichten, die sich alle um den Aufbewahrer Tōru Kishirima drehen. Die Geschichten werden dabei in jedem Kapitel von einem anderen Erzähler erzählt – mal vom Vorhang, der im Eingang des Ladens hängt, mal von einem abgegebenen Fahrrad. Man erfährt Stück für Stück mehr über die Beweggründe, aus denen die Leute Dinge beim Aufbewahrer abgeben, und auch mehr über den Aufbewahrer selbst. Eine Katze kommt auch drin vor – was will man mehr? 😛

 

「この闇と光」服部まゆみ –  „Von Licht und Schatten“ von Mayumi Hattori

Klappentext (aus dem Japanischen): „Das blinde Mädchen Leia wächst versteckt in einem magischen Wald, umgeben von Blumen, schönen Kleidern und der Liebe ihres Vaters, dem König des Landes. Oder nicht? Eines Tages scheint Leia alles, woran sie bisher geglaubt hat, entrissen zu werden …“

Ein Mystery-Thriller mit mehreren Plottwists, die ich so nicht kommen sah – mehr will ich gar nicht verraten. Dieses Buch hat mich auch wieder über das Cover angezogen. Mystery-Thriller lese ich selten, obwohl das auch wieder so ein Genre ist, in dem viel auf Japanisch publiziert wird. Das und Detektiv-Geschichten.

So, ich glaube, fünf Bücher reichen fürs Erste. Falls ich noch mehr Bücher finde, die mir gefallen, mach ich vielleicht eine Serie aus diesem Post 😉 Habt ihr irgendwelche der hier vorgestellten Bücher gelesen? Haben sie euch gefallen? Buchempfehlungen sind zudem auch immer willkommen 😉

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2 Antworten zu Ein paar Buchempfehlungen

  1. Bommel schreibt:

    Uh, das letzte klingt ja echt spannend. Ich gambatte mich weiter durch die Valkyrie, und so doof ich den Handlungsstrang der jüngsten Schwester finde, so absolut begeistert bin ich von der ältesten Schwester. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass die dauernd nackig durch die Gegend springt XD

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