[Unterwegs] Ein ruhiger Tag in Nagano

Die Regenzeit hat wieder einmal Einzug gehalten. Zwei Tage früher als sonst und damit pünktlich zu meinem Geburtstag, der vollkommen verregnet war. Diese fünfte Jahreszeit, wie man sie in Japan gerne bezeichnet, zieht mich immer sehr runter. Es regnet natürlich nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche lang, aber allein der Mangel an Sonne drückt aufs Gemüt. Ich habe die Sonne bestimmt seit (nur) einer Woche nicht mehr gesehen, aber es fühlt sich länger an. Die Regenzeit kann sich übrigens mit ganz viel Pech bis Ende Juli hinziehen. Ich hoffe natürlich auf ein so baldiges Ende wie letztes Jahr, wo sich der Regen schon Anfang Juli verkrümelte. Vielleicht sollte ich einen teruteru bōzu 照る照る坊主 ins Fenster hängen 😛

Und so denke ich viel lieber an unsere Ausflüge im letzten Monat zurück, wo es so schön sonnig und warm war. In Nagano zum Beispiel – oder war es sogar schon ganz knapp über der Grenze nach Yamanashi? – fanden Kei und ich einen Blumenpark, den hana pāku fiōre kobuchizawa 花パークフィオーレ小淵沢, der zuerst ganz unscheinbar wirkte und wo wir uns nach einer längeren Fahrt eigentlich nur kurz die Beine vertreten wollten, und von dem aus man dann doch tatsächlich den Fuji-san sehen konnte!

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In letzter Zeit hat der Berg es wirklich gut mit mir gemeint. Wollte mich wohl für all die Jahre entschädigen, in denen er Verstecken mit mir gespielt hat! Entschuldigung angenommen 😛

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Der Park ist ausladender, als es auf den ersten Blick wirkt und eignet sich für einen gemütlichen Spaziergang und das Ausprobieren eines lichtstarken Objektivs mit fester Brennweite an den vielen wunderschönen Blumen 😉

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Ja, das bin ich da ganz klein in dem Häuschen!

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Trotz Golden Week war der Park fast leer – so liebe ich mein Nagano!

Was hatte uns eigentlich hier in diese Gegend verschlagen? Wie ich in meinem vorhergegangenen Eintrag erwähnt habe, war es kalt in Nagano. So unglaublich kalt. Wir hatten uns daher von unseren Pensionsbesitzern ein paar Tipps geben lassen, wo wir uns ein wenig vor der Kälte verkrümeln konnten, und ein Vorschlag war das hoshi no risōto 星野リゾート, das Sternen-Resort, ein Einkaufszentrum mit vielen kleinen Läden, die organische Lebensmittel oder Handgemachtes anboten.

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Das Gelände war wirklich schön und ganz europäisch aufgemacht. Leider war alles dort recht teuer, aber wir entdeckten einen Bücherladen mit integriertem Café, oder war es ein Café mit Bücherladen? Auf jeden Fall konnte man dort sitzen, Kaffee trinken und alle Bücher lesen, die dort auch zum Kauf standen.

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IMG_9279Viele Bücher drehten sich um Minimalismus, veganisches Kochen, zero waste und ähnliches. Eine andere Kategorie waren Reisen und die Kultur anderer Länder, es gab aber auch viele japanische Klassiker. Es müsste viel mehr Bücherläden dieser Art geben. Ich meine, ich verlasse Bücherläden eh selten ohne ein neues Buch, aber Bücher vorher anlesen zu können, hat eine noch mal ganz neue Überzeugungskraft 😛 Japanische Klassiker sind oft schwer zu lesen, da sie häufig in einem älteren Japanisch geschrieben sind, und ich hatte endlich mal die Zeit, mir einen Klassiker rauszusuchen, dessen Japanisch mich nicht gleich in die Knie zwingen würde.

Das war eindeutig einer der wenig wirklich relaxten Tage, die wir uns sonst in Nagano so gönnen. Hatte auch mal was für sich. Trotzdem fielen wir abends wieder todmüde ins Bett. Das gute Essen macht’s. Und die frische Luft. Und zumindest für den nächsten Tag hatten wir auch wieder eine Wanderung geplant 😉

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4 Antworten zu [Unterwegs] Ein ruhiger Tag in Nagano

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Die Regenzeit … die ist ein Kapitel für sich. Mich stört besonders, dass die Wäsche nicht trocknet und dass es so kühl wird.

    Übrigens habe ich mir einen neuen Koffer gekauft. Er hat endlich Rollen, die ganz leicht fahren. Mein alter Koffer brauchte einen großen Kraftaufwand, um sich bewegen zu lassen. Damit ist jetzt Schluss.

    Die Idee mit dem Café, wo man Bücher über zero waste lesen kann, sind wichtig. Die Ozeane quillen über vor Plastik.

    • nagarazoku schreibt:

      Mein Leben hat sich auch so geändert, seit ich auf einen Koffer mit Rädern umgestiegen bin XD

      Leider ist zero waste in Japan gar nicht so einfach, und die meisten Bücher dort waren auch Übersetzungen englischer Bücher. Im Ausland gibt es viel mehr Möglichkeiten, Müll zu umgehen, aber in Japan wird man ja an allen Ecken und Enden mit Plastiktüten und Co. beworfen …

  2. Rotbuchenbaum schreibt:

    Mein alter Koffer war ein Samsonite, auch mit Rollen, aber die Rollen waren sehr schwergängig.

    Ja, der Verpackungswahnsinn in Japan! Aber es ist besser geworden. Unser Supermarkt in Toda gibt die Plastiksäcke nicht mehr gratis dazu. Man kann welche haben, aber man muss sie bezahlen.

    Danke für die schönen Fotos!

  3. Pingback: Hoch oben auf dem Berg, tief in der Höhle und mitten im Wald | Ein Nagarazoku in Japan

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