Rauchfrei bis 2020?

Derzeit setzt Japan alles daran, um sich für die Olympischen Spiele 2020 ins bestmögliche Licht zu rücken. Neben dem Ausbau vieler Bahnhöfe in Tokyo, um endlich Barrierefreiheit zu gewährleisten, gehört auch die Ausweitung des Nichtraucherschutzes dazu. Denn während in Japan auf den Straßen rauchen nur an gekennzeichneten Orten erlaubt ist (und da hält sich dann auch nicht wirklich jeder dran), darf in vielen Cafés und Restaurants – auch Family Restaurants – ohne Einschränkung geraucht werden. Raucher und Nichtraucher sind oft nur durch eine imaginäre Linie im Raum selbst getrennt, die natürlich gar nichts tut. Im Vergleich zu meinem ersten Austauschjahr in Japan von 2007 bis 2008 hat sich schon viel getan, das gebe ich zu. Einige Restaurants haben mit Türen abgetrennte Raucherbereiche eingeführt, andere das Rauchen gleich ganz verboten. Aber meiner Meinung nach herrscht immer noch Verbesserungsbedarf, denn zu oft muss ich mich hier als Nichtraucher trotzdem noch zuqualmen lassen. Und nun hat Marlboro da so ein kleines, praktisches Ding auf den japanischen Markt geschmissen, dass das Thema Rauchen für einige wieder in eine Grauzone verschiebt und Japans Bemühungen um Rauchfreiheit doch einen ordentlichen Schritt nach hinten versetzt. Die Rede ist von iQOS.

Bei iQOS handelt es sich um ein handgroßes Gerät, in der eine stiftähnliche Vorrichtung aufgeladen wird. In diesen Stift schiebt man hinten, ja, wer sagt es denn, kurze Zigaretten, und dann legt der Stift schon los und erhitzt diese. iQOS produziert weniger Rauch als eine normale Zigarette, aber auch wenn Marlboro es gerne als „gesunde Alternative zur Zigarette“ bezeichnet, gibt es keine wissenschaftlichen Nachweise, dass das auch so stimmt. Ganz ehrlich, ich bezweifle es. Und auch, wenn es weniger Rauch gibt, es gibt immer noch Rauch, nämlich das, was die lieben Raucher da nach dem Einsaugen wieder auspusten, und das ist nun auch gar nicht mal so wenig.

Doch die verringerte Rauchmenge scheint einige Raucher hier glauben zu lassen, man wäre nun vollkommen rauchfrei, und plötzlich scheint rauchen auf der Straße oder vor dem Eingang eines Geschäfts wieder vollkommen in Ordnung zu sein. Und die scheiß Dinger lassen sich auch noch so gut in der Hand verstecken, manchmal steht man an der Ampel inmitten einer Gruppe Menschen, riecht das verdammte iQOS-Ding und kann absolut nicht erkennen, wer das Arschloch ist! Oder auch im Aufzug. Klingt abgedreht, ist mir aber so auf Arbeit passiert. Da der Herr auf meine Beschwerde hin auch nichts als ein schelmisches Lächeln übrig hatte, habe ich ihn gleich mal bei der Gebäudeverwaltung angeschwärzt. Und während diese das im Aufzug zumindest gar nicht lustig fand, scheint sie iQOS nicht auf eine Stufe mit Zigaretten stellen zu wollen und hat für die iQOS-Raucher einen eigenen Raucherbereich eingerichtet. Ohne Wände. Ja, ihr lest richtig. Es ist ein freier, einfach nur mit Topfpflanzen abgetrennter Bereich, von dem aus sich der iQOS-Rauch mit seinem Gestank in der gesamten ersten Etage meines Bürogebäudes verteilt. Wir erinnern uns: In den iQOS-Stift wird eine ZIGARETTE geschoben, aber man ließ sich hier wohl einfach von der Werbung von Marlboro beeinflussen und dachte, die kann kaum so schädlich sein, wie normale Zigaretten. Und warum brauchen iQOS-Raucher einen eigenen Bereich? Weil auch die gerne glauben, dass ihre Variante des Rauchens weniger schädlich ist. Weniger, von mir aus, aber nicht unschädlich, und so flatterte der Gebäudeverwaltung eine Sammlung von Beschwerden einzelner Personen meiner Firma ins Haus. Hoffentlich werden die iQOS-Raucher bald wieder zu den anderen Rauchern gesteckt, oder kriegen einen eigenen Bereich mit verdammten Wänden und einem Dach!

Tja, wird das nun was mit rauchfrei bis 2020? Bisher scheint man iQOS bei den ganzen Bemühungen kaum auf dem Radar zu haben, aber ich hoffe, das ändert sich. Mir gefällt es an Japan immer sehr, dass rauchen auf der Straße weitgehend verboten ist, und auch wenn sich da auch nicht immer alle dran gehalten haben, habe ich das Gefühl, mit iQOS ist es schlimmer geworden und ich werde morgens auf dem Weg zur Arbeit und abends auf dem Weg nach Hause wieder viel häufiger vollgeraucht, als mir lieb wäre :/

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9 Antworten zu Rauchfrei bis 2020?

  1. Anika schreibt:

    Oh ja, da sprichst du mir aus der Seele! Ich hasse Zigaretten! Und diesen Pseudo-Scheiß hasse ich noch viel mehr!
    Ich finde sogar, dass die „normalen“ Raucher wieder schlimmer geworden sind. Ich sehe wieder viel mehr, die auf dem Weg zur Bahn oder nach Hause rauchen.
    Und leider wird die Straße zu meiner Firma auch noch ordentlich belagert… Trotz neuer Rauchverbotschilder an einem Gebäude.. Wird sich halt gegenüber hingestellt!
    Es ist echt eine Schande, dass die Japaner was Zigaretten angeht ihren Kopf nicht benutzen können. Genauso wie es eine Schande ist, dass diese Raucher egoistische Arschlöcher sind, denen es egal ist wenn sie anderen gesundheitlich schaden!

    • nagarazoku schreibt:

      Es herrscht aber echt auch so kaum ein Bewusstsein dafür, wie schädlich das ist. War letztens mit Kollegen in einem Izakaya für unsere Bonenkai, und am Nebentisch hatte eine Frau ihr Baby mitgebracht! Ihr Baby! In ein lautes, vollkommen zugequalmtes Izakaya! Ich weiß immer gar nicht, was ich zu so viel Ignoranz sagen soll!

  2. Rotbuchenbaum schreibt:

    Ich hoffe, dass irgendwann einmal Vernunft einkehren wird und die Menschen aufhören werden zu rauchen. Medizinisch ist ja mittlerweile bewiesen, dass es ungesund ist und man vom Raucherbein über Lungenkrebs etc. alle möglichen schlimmen Krankheiten bekommt.

    Leider sind viele Raucher nicht in der Lage, sich selbst als Süchtler zu erkennen.

    Dass diese iQOS anders behandelt werden, ist eine Schande.

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, ich verstehe es echt auch nicht. Dass man die Raucher selbst nicht zur Einsicht bringen kann, damit habe ich mich langsam abgefunden, aber dann will ich doch, dass wenigstens der Gesetzgeber und die Gebäudeverwaltung meines Büro mich als Nichtraucher vor denen beschützt!

  3. viktor643 schreibt:

    Darf man im U-Bahngebäude rauchen? Auch dieses neue Zeug? Weil wenn es eine normale Zigaratte ist, dann stellt es doch eine Gefahrenquelle dar. Offene Feuerquellen sind doch in Gebäuden verboten… naja, außer in der Großküche vielleicht.
    Übrigens: Ignoranz lässt sich in absehbarer seit nicht abschaffen. Oder hat jemand schon mal einem Schimpansen abgewöhnen können auf den Bäumen zu klettern? 😉
    Ich würde eher auf der Empathie-Ebene argumentieren. -> Beispiel Baby, so hohl kann man doch nicht sein…

    • nagarazoku schreibt:

      Generell darf man in Bahnhöfen in Japan nicht rauchen, und bisher habe ich auch noch niemanden gesehen, der es gewagt hat, das iQOS-Ding auszupacken. Mit offener Flamme kann man da leider aber nicht argumentieren, denn iQOS zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es keine offene Flamme mehr ist. Es geht wirklich vor allem um den Rauch …

  4. Carade schreibt:

    in deutschland steigen ja viele auf ezigaretten um und die richen eingentlich ganz angenehm. meine schwester hat gesagt am anfang hat sie liquide genommen in dem nikotion war, aber jetzt ist keins mehr drine und sie dampft dinge die sie auch essen mag. himbeeren, erdbeeren, blaubeeren. und es geht immer wieder druch die presse das die dinger nicht so schädlich sind. der nächste bericht erzählt dann das sie schädlich sind, aber ich hoffe einfach darauf, das sie nicht so schädlich wie die zigaretten sind, dann ist ja schon viel getan

    • nagarazoku schreibt:

      Ich glaube, dampfen und iQOS sind noch mal zwei verschiedene Dinge. Dampfen ist ja das auf Wasserbasis, das unglaublich viel Dampf produziert, aber wenn das ohne Nikotin ist, kann ich mir schon vorstellen, dass es weniger schädlich als Zigaretten ist. Allerdings kenne ich mich damit nicht wirklich aus. iQOS hingegen ist die normale Zigarette in anderem Gewand :/

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