[Unterwegs] Nagano-Spezial: Beim nächsten Mal dann

DSC07378Im Anschluss an den Zenkō-Tempel ging es endlich nach Tateshina in unsere Pension. Der Temperaturunterschied war nicht zu verachten, und nach einer erfrischenden Dusche gingen wir ganz pflichtbewusst unserer Lieblingsbeschäftigung nach: Adele rund um den Megami-See ausführen und uns dann am guten Pensionsessen vollfressen. So lassen sich Sommerferien aushalten 😉

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An diesem Donnerstag Abend vor dem langen Wochenende waren wir noch die einzigen Gäste in der Pension und hatten daher endlich mal wieder Zeit, uns ausgiebig mit den Pensionsbesitzern zu unterhalten. Es beeindruckt mich wahnsinnig, wie viel die beiden mit ihren Kindern zusammen schon in der Welt herumgereist sind. Klar, wenn man sein eigener Boss ist, kann man sich schon mal 2 Monate am Stück freinehmen. Hach, da fängt man an, von seiner eigenen Pension zu träumen. Und am nächsten Tag sieht man, mit was für Leuten man sich dann rumschlagen muss, und schon wirkt der eigene Bürojob ohne jeglichen Kundenkontakt doch gar nicht mehr so schlecht 😛

Für den Freitag hatten wir eigentlich eine Bergwandertour eingeplant, doch das Wetter wollte so gar nicht mitspielen. Es regnete immer wieder in Strömen. In der Hoffnung, es würde vielleicht doch noch irgendwann aufhören, stiefelten wir erst mal los, mussten uns aber schnell eingestehen, dass uns die Tour so auch einfach keinen Spaß machen würde, und drehten nach 20 Minuten wieder um. Was will man auch oben auf einem Berg, wenn man vor lauter Regenwolken nichts sehen kann? Beim nächsten Mal dann.

Unschlüssig, wie wir den Tag nun verbringen sollten, fuhren wir erst mal durch die Gegend und kamen an einem riesigen Feld orangefarbener Blüten vorbei. Nikkokisuge ニッコウキスゲ heißen diese und gehören zu den Lilien. Wir passten einen Augenblick ab, wo der Regen mal kurz aufhörte und gingen uns das Ganze aus der Nähe anschauen. Leider war der Regen einem dichten Nebel gewichen. Irgendwie passend, wo die Gegend, in der wir waren, kirigamine kōgen 霧ヶ峰高原, Hochebene des Nebelgipfels, heißt. Die Fotos, die ich dort gemacht, haben so zwar auch ihre ganz eigene Atmosphäre, aber wie schön muss das Feld bei Sonnenschein aussehen, dachte ich mir die ganze Zeit.

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Aber wozu nur träumen, wenn man noch einen ganzen Samstag vor sich hat, für den schönes Wetter vorhergesagt wurde? Wir suchten die Hochebene früh am Morgen des nächsten Tages also noch mal auf … und hätten uns im Anschluss selbst ohrfeigen können. Wo man am Tag davor noch kostenlos und ohne Probleme parken konnte, kostete der Parkplatz nun nicht nur plötzlich 1000 Yen (rund 8 Euro) für eine Stunde, sondern man musste sich auch mindestens 1.5 Stunden in einer Schlange anstellen und auf einen Parkplatz warten. Wie konnten wir ein langes Wochenende mit gutem Wetter nur so unterschützen? Natürlich würde es halb Japan in die Hochebene Naganos ziehen wie die Motten zum Licht. Auch hier galt also: Beim nächsten Mal dann.

Aber zurück zum Freitag: Auf unserem Weg zurück nach Tateshina kam dann doch noch einmal die Sonne hervor. Für unsere Wandertour war es nun schon zu spät, also was macht man mit so einem angebrochenen Tag? Wir besuchten den gosensui-Naturpark, 御泉水自然園, in dem wir im Mai schon waren. Den ryōsen-Wasserfall ließen wir dieses Mal aus Zeitgründen aus, obwohl er im Juli durch das Mehr an Wasser einen beeindruckenderen Anblick bieten soll als im Mai. Tja, hätte sich das Wetter mal früher entschieden 😛 Später zurück im Pensionszimmer fiel uns auf, dass wir ein paar schöne „Natur im Mai und Juli“-Vergleichsbilder zustande gebracht hatten, die vielleicht noch einmal besser erklären, warum ich in einem meiner letzten Einträge zu Tateshina sagte, dass die Gegend im Mai einigen Leuten vielleicht nicht unbedingt viel zu bieten habe.

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Für mich haben beide Jahreszeiten ihren Reiz. Natürlich ist die Gegend grüner sehr viel fotogener, im Mai hingegen bin ich ohne jeglichen Mückenstich und nächtliche Grashüpfer-Evakuierungsmanöver davongekommen.

Der Berg, den ihr auf den Bildern aus Tateshina ab und an im Hintergrund seht, ist übrigens der Berg Tateshina, 蓼科山 tateshinayama.

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Der Pensionsbesitzer erzählte uns beim Abendbrot, dass der Berg Tateshina weiblich sei, obwohl Berge in Japan immer männlich sind, denn er würde so aussehen wie eine Frau, die sich auf die Seite gelegt hat. Ja, genau wie bei Moana … äh, Vaiana! Und er ist einer der wenigen Berge, die ich kenne, bei denen man das Kanji 山 im Namen tatsächlich mal –yama statt –san liest! Bestiegen haben wir den Berg noch nicht, weil ihn unser Bergsteigebuch als „Fortgeschritten“ einstuft. Aber wenn ich mal so drüber nachdenke, kann er kaum anstrengender als der Berg am Shirakoma-See sein. Bleibt wohl nur zu sagen: Beim nächsten Mal dann 😛

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5 Antworten zu [Unterwegs] Nagano-Spezial: Beim nächsten Mal dann

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Die Gegend lädt wirklich zum Spazierengehen ein. Vielen Dank für die schönen Fotos. Die orangefarbenen Lilien sind wunderschön.

  2. Claudia schreibt:

    Die Vergleichsbilder sind wirklich gut geworden. 😀 Ich mag es grün lieber, aber so ganz Mückenstichfrei klingt natürlich auch verlockend.

  3. Pingback: [Unterwegs] Nagano-Spezial: Shopping, ein See und dann schon Rückfahrt | Ein Nagarazoku in Japan

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