[Unterwegs] Nagano-Spezial: Mit einem Klaps näher am Himmel

Es geht weiter mit unserem Sommerurlaub in Nagano:

Nachdem wir uns am Morgen schon zum Togakushi-Schrein vorgekämpft hatten, blieben wir dem Motto des Tages treu und besuchten den Zenkō-Tempel 善光寺, den Tempel des guten Lichts, in der Stadt Nagano. Er befindet sich in einer großen Tempelanlage, in der man versuchte, mich mit Tempelstempeln in den Ruin zu treiben 😛

Um zur Haupthalle zu gelangen, läuft man vom Parkplatz aus zuerst eine lange Straße im Tempelbezirk entlang, die rechts und links gesäumt ist mit Läden, die mal mehr, mal weniger traditionelle Dinge verkaufen.

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IMG_7457Das ganz untraditionelle Apfeleis hatte bei der Hitze einen ganz besonders starken Reiz, auch wenn der Herr auf dem Foto oben mit seiner Jacke gerne vorgaukeln möchte, es wäre angenehm kühl gewesen. Das war es leider nicht.

Am Wochenende soll die Straße übrigens richtig überfüllt sein, aber an dem Freitag Nachmittag, an dem wir da waren, waren zwar auch viele Touristen unterwegs, aber für einen Tourispot in Japan konnte man die Gegend als wirklich leer bezeichnen.

Geht man also nun eisfutternd die Straße entlang, durchschreitet man irgendwann das Haupttor des Tempels und steht dann vor der Haupthalle.

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Nein, das sind keine Hakenkreuze 😛

Sie soll eine der größten Tempelhaupthallen Japans sein und wirkte in der Tat gigantisch. Im Prinzip war alles in dieser Anlage irgendwie gigantisch. Rechts vor der Haupthalle befand sich ein Haus so groß wie ein Supermarkt, in dem man von Glücksbringern über Stempel bis hin zu Statuen alles kaufen konnte, was das Touriherz begehrt.

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Ich war brav und habe mir von den 10 (!) in der Haupthalle erhältlichen Stempeln nur einen geholt. Den Sommer-Sonderstempel oder so was. Zusätzlich zu diesem Überangebot in der Haupthalle gab es noch extra Stempel in den Nebentempeln auf dem Weg zum Tempel. Leute, ey! Wollt ihr mich in den Ruin treiben???

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Ich muss mich ja quasi selbst dafür loben, dass ich mich bei der Auswahl so zurückhalten konnte, dass es am Ende dann nur drei neue Stempel in meinem Buch wurden 😛

Wie es sich für einen buddhistischen Tempel gehört, gab es natürlich auch viele Buddhastatuen.

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Eine versteckte soll es auch geben, aber, na ja, wie der Name schon sagt, wenn es die gibt, ist sie versteckt.

IMG_7450Eine Statue, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die einer Bodhisattva umringt von Kindern. Im Buddhismus gibt es viele Tempel, die dem Schutz verstorbener Kinder gewidmet sind (z.B. der Hase-Tempel in Kamakura), und zwar nicht nur totgeborenen oder nach der Geburt verstorbenen, sondern auch abgetriebenen Kindern, und ich finde es schön, dass man hier den Eltern einen Ort zum Trauern und auch ein wenig der Hoffnung einräumt, denn die Kinder stehen ja nun unter dem Schutz dieser Bodhisattva.

Auf unserem Weg zurück zum Haupttempel durften wir dann noch einer Zeremonie beiwohnen, wegen der wohl viele Leute überhaupt zum Zenkō-Tempel pilgern, und von der wir aber (mal wieder :P) überhaupt nichts wussten. Plötzlich kamen von links und rechts Sicherheitsleute und es hieß „Die Hohepriesterin kommt! Runter an die Linie oder aus dem Weg!“ Kei und ich setzten uns also im Seiza an die Linie und alle um uns herum machten mit. Dann kam die Hohepriesterin – sie befand sich auf ihrem Weg zur Haupthalle – und verpasste jedem im Vorbeigehen einen kleinen Klaps auf den Kopf. Und damit hatten wir ohne es zu wissen an einem Segnungsritual teilgenommen und sind nun beide einem Schritt näher am Himmel XD Hier auf einem Bild auf Wikipedia zum Zenkō-Tempel sieht man, wie das aus der nicht teilnehmenden Perspektive aussieht: klick. Man erkennt, dass der Klaps mit der Gebetskette, der juzu 数珠 in der Hand des Priesters bzw. der Priesterin erfolgt, weshalb das Ritual als お数珠頂戴 ojuzu chōdai – die Gebetskette empfangen – bekannt ist.

In der Stadt Nagano war es fast genauso heiß wie zu Hause in Kanagawa, und ich hatte mich von der verführerischen Kühle Tateshinas blenden lassen und war viel zu warm angezogen im schwarzen T-Shirt und langer Hose. Als ich mich für das Ritual aber auf den heißen Asphalt setzen musste, war ich mehr als dankbar für meine bedeckten Beine XD Allerdings konnte ich es auch kaum abwarten, bis wir endlich im kühlen Tateshina waren. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag 😉

Zugabe:

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„Für Glück bitte einmal sanft am Kopf streicheln“

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4 Antworten zu [Unterwegs] Nagano-Spezial: Mit einem Klaps näher am Himmel

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Es ist schön zu wissen, dass sich Boddhisatvas um die verstorbenen Kinder annehmen.

    Die Hase Kannon habe ich mal gesehen. Sie ist mir mit ihrem gütigen Gesichtsausdruck in Erinnerung geblieben. Ich wusste aber nicht, dass sie sich der Kinder annimmt.

  2. Pingback: [Unterwegs] Nagano-Spezial: Beim nächsten Mal dann | Ein Nagarazoku in Japan

  3. Pingback: Noch mal Edo in Nagano – Unnojuku | Ein Nagarazoku in Japan

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