[Unterwegs] Nagano-Spezial: Ein versteckter Schrein

Seit 19 Tagen regnet es nun schon. Nicht 24 Stunden am Tag, aber doch jeden Tag. Laut Nachrichten steuern wir damit auf einen Rekord zu, über den sich wohl wirklich niemand freut. Heute zog eine ganz besonders heftige Regenfront über uns hinweg, mit Blitz und Donner und Sturzbächen. Vielen Leuten hat der Regen die schöne obon-Ferienwoche versaut, und die extreme Luftfeuchte sowohl draußen als auch drinnen ist ebenfalls alles andere als angenehm. Und so waren Kei und ich im Nachhinein mehr als froh, dass wir unseren Sommerurlaub immer halbwegs frei festlegen können und ihn dieses Jahr auf die zweite Juliwoche gelegt hatten. Zwar hatten wir einen Tag auch Regen, aber das war nichts im Vergleich zu dem, was die Leute, die jetzt ihren Urlaub haben, ertragen müssen O_o

Und so habe ich dann auch den Bogen zum heutigen Thema gespannt: Unserem Sommerurlaub, den wir, wie ich es in einem anderen Blogpost schon angekündigt hatte, ja wieder in Nagano verbracht haben, denn dort wurden uns Ruhe und kühle Luft versprochen, und genau das bekamen wir die meiste Zeit auch. Ich verstehe immer mehr, warum sich viele Menschen im Sommer so gerne in diese Präfektur zurückziehen. Unser Pensionsbesitzer riet uns aber nachdrücklich davon ab, zur obon-Zeit zu kommen, denn dann wäre Tatenshina vollkommen überlaufen. Zur Kenntnis genommen und für alle weiteren Urlaubsplanungen abgespeichert!

Als wir im Mai beim Abendessen in der Pension fragten, welches Ausflugsziel man uns denn so empfehlen könne, erzählte man uns vom Togakushi-Schrein 戸隠神社, einem Schrein in den Bergen in der Stadt Togakushi, der als sogenannter Powerspot bekannt ist. Während das mein Interesse eher nicht wecken konnte, tat es der folgende Satz schon eher: „Und ein total beliebter Ort für Fotografen!“ Na also 😛 Und weil wir im Mai leider keine Zeit mehr hatten, zum Schrein zu fahren – er ist recht weit von Tateshina entfernt -, stand er dieses Mal gleich als erstes auf unserer Liste.

Der Name des Schreins beinhaltet das Kanji für „verstecken“, und genau das kann man über den Schrein behaupten: Er versteckt sich ziemlich gut. Am äußersten Zipfel Naganos liegt er, und die abenteuerlichste Straße muss man sich mit Auto oder Bus entlang schlängeln, um zu ihm zu gelangen. Angekommen und das Auto geparkt, hat man es mitnichten geschafft, denn so erreicht man nur den Hōkōsha 宝光社 , den niederen Schrein, und den Chūsha 中社, den mittlerer Schrein.

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Tor vor der Treppe hoch zum Hōkōsha


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Der Hōkōsha

Für die Hauptattraktion, den Okusha 奥社, den oberen Schrein, muss man eine Wandertour auf sich nehmen, die es an diesem Tag durch die krass hohe Luftfeuchte wirklich in sich hatte. Ich glaube, bei angenehmem Wetter ist der Weg gar nicht mal so anstrengend, aber bei 30 Grad und 100% Luftfeuchte schwitzten und keuchten und schnaubten wir die 2 Kilometer bis zum Okusha entlang. Nein, das frische Klima von Tateshina hat Togakushi in der Tat nicht zu bieten. Doch der Weg zum Okusha ist ein wunderschöner, link und rechts gesäumt von Natur, und es gibt viel zu sehen. Das Wächtertor zum Beispiel, das zuishinmon 随神門, mit dem riesigen Moosdach.

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Und gleich dahinter gigantische Zedern, die den Weg zum oberen Schrein säumen und denen nachgesagt wird, dass sie im 17. Jahrhundert gepflanzt wurden.

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Ist man nach 40 – 60 Minuten endlich am oberen Schrein angekommen, bekommt man dort durch die fehlenden Sitzmöglichkeiten leider nicht die Pause, die man sich den ganzen Weg dorthin wünscht. Aber man darf beten, sich Schreinstempel und Glücksbringer kaufen, und viele, viele Photos machen. Die Bergkette im Hintergrund verstärkte das Gefühl, dass man sich hier an einen ganz abgelegenen Ort vorgeschlagen hat.

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IMG_7427Es war an dem Tag übrigens so luftfeucht, dass das Objekt meiner Kamera beschlug, sobald ich den Objektivdeckel schloss, weil sich wirklich überall das Wasser sammelte. So was hab ich bisher hier auch noch nicht erlebt O_o Dann halt mit ständig offenem Objektiv, es gab es immer was zu knipsen 😛

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Auf dem Rückweg machten wir bei einem soba-Laden Halt, der genau auf der Strecke zurück zum Parkplatz lag, und gönnten uns die köstlichen soba-Nudeln, für die die Region bekannt ist.

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Um gerade einmal 12 Uhr waren wir bereits fix und fertig, aber wir hatten noch weitere Pläne für diesen Tag. Wir freuten uns aber da schon mal wahnsinnig auf die kühle Luft und die niedrige Luftfeuchte, die Tateshina uns für den Abend versprach 😛

[To be continued …]

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3 Antworten zu [Unterwegs] Nagano-Spezial: Ein versteckter Schrein

  1. Bommel schreibt:

    Ist dir das schon mal aufgefallen? Es ist egal, wo genau man im japanischen Hinterland unterwegs ist – die Region ist garantiert für ihre Soba berühmt. #japanfacts

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, aber die sind doch überall totaaal anders! Ich meine, ein Bissen, und ich konnte mit absoluter Sicherheit sagen „So schmecken die nur hier in Tougakushi!“ #allsobamatter

  2. Pingback: [Unterwegs] Nagano-Spezial: Durch einen Klaps näher am Himmel | Ein Nagarazoku in Japan

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