[Unterwegs] Auf Tempel- und Schreintour in Kamakura

Kaum verkündete NHK das Ende der Regenzeit, scheint sich das Wetter vorgenommen zu haben, die Massen an Regen, die eigentlich in der Regenzeit fallen sollten und zumindest hier doch nicht fielen, einfach jetzt nachzuholen. So schwankt das Wetter bereits das ganze Wochenende zwischen Nieselregen und Sturzbächen – und durch letzteren musste ich mich gestern nach dem Einkaufen nach Hause schleppen. Seitdem verbarrikadiere ich mich im Trockenen und komme nun endlich mal dazu über einen Ausflug zu schreiben, den Kei und ich bereits im Mai unternommen haben. Als es draußen noch angenehm warm war statt brütend heiß und luftfeucht. Und zwar hatten wir beschlossen, uns in Kamakura mal ein paar der Tempel und Schreine anzugucken, die wir bisher sträflich vernachlässigt hatten, denn auch für uns ging es dort meist doch nur zu den allseits bekannten Touristenattraktionen: dem Daibutsu, dem Tsurugaoka Hachiman-Schrein, dem Genjiyama-Park und dem Hase-Tempel.

Dieses Mal hingegen standen auf der Liste: der Hōkoku-Tempel 報国寺 und sein Bambuswald, der Sugimoto-Tempel 杉本寺 und der Egara Tenjin-Schrein 荏柄天神社 – ich natürlich mit meinem Stempelbuch im Anschlag 😉 Die Orte liegen alle etwas entfernt vom Kamakura-Bahnhof, und hin sind wir mit einem Bus gefahren. Den Rückweg haben wir allerdings zu Fuß bestritten, weil uns der Bus einfach zu voll war, und das war auch ohne Probleme zu schaffen.

Der Hōkoku-Tempel war unsere erste Anlaufstelle und etwas überlaufener, als wir es erwartet hatten. Am Eingang kauft man seine Eintrittkarte – 200 Yen pro Person glaube ich -, gibt sein Stempelbuch ab und erwirbt – wenn man denn lesen kann und das kann ich offensichtlich nicht – Tickets für das Teehaus. Im Nachhinein sehr ärgerlich, dass wir das übersehen haben, denn ich hätte mich wirklich gerne ins Teehaus gesetzt, aber dort konnte man im Nachhinein leider keine Tickets mehr erwerben 😦

Es macht dem Besuch allerdings auch keinen Abbruch, wenn man nicht ins Teehaus kann, der Bambuswald bietet nämlich einen wirklich beeindruckenden Anblick – und wegen dem waren wir ja letztendlich hier 😉

IMG_0599 IMG_0614
IMG_0585 IMG_0596
IMG_0602Persönlich fand ich ihn sogar beeindruckender als den Bambuswald in Kyōto – vermutlich, weil man dem mit der fetten Schneise, die man da für die Touristen durchgeschlagen hat, und mit die hohen Zäune an beiden Seiten einfach mal so jegliche Atmosphäre genommen hat. Hier am Hōkoku-Tempel hat man wirklich das Gefühl mitten im Wald zu stehen. Groß ist er allerdings nicht, man ist auch mit ausgiebigem Fotografieren relativ schnell durch. Wir gingen die Runde also einfach ein zweites Mal 😛

Das Gelände scheint ein beliebter Ort für Yukata-Fotos zu sein, und so trafen wir auch mehrere Gruppen, die dort Yukata-Fotoshootings veranstalteten … und allen anderen damit irgendwie im Weg standen -.-‚ Um so ein menschenleeres Bild vom Bambuswald wie dieses hier zu bekommen, muss man jedenfalls eine Weile sturköpfig warten, bis sich alle Touris und Yukata-Schönheiten verkrümelt haben. In der Hinsicht habe ich mich sehr an den Fushimi Inari-Schrein erinnert gefühlt 😛

Ach ja, am Ende natürlich nicht vergessen, sein Stempelbuch am Eingang wieder abzuholen 😉

2017-07-30 16.17.24

Der Sugimoto-Tempel ist quasi nebenan, aber ich würde lügen, wenn ich behaupte, er wäre leicht zu finden. Ausgeschildert ist er nämlich erst da, wo man bereits vor ihm steht. Der Hōkoku-Tempel war auch nicht wirklich ausgeschildert, aber durch die Massen an Leuten, die es dorthin zog, wusste man, in welche Richtung man vom Bus aus gehen muss 😛 Für den Sugimoto-Tempel geht man zurück zur Straße, an der man vom Bus abgesetzt wurde, und läuft dann kurz den Weg zurück, den man mit dem Bus gekommen ist, schon sieht man ihn … also die Treppe, die man bis nach oben nehmen muss 😛 Eintritt bezahlt – wieder 200 Yen pro Person, wenn ich mich nicht irre – und hoch geht es!

IMG_0623

Gegründet im Jahr 734 ist der Sugimoto-Tempel einer der ältesten Tempel in Kamakura, und das sieht man ihm an vielen Stellen auch an. Und das meine ich durchaus positiv, denn so hat der Tempel wirklich ordentlich Atmosphäre 😉

IMG_0619

IMG_0630

IMG_0631Bis zur Haupthalle muss man sich mehrere Treppen hochkämpfen, die alle geschlängelt um das Gelände herumführen. Der Grund dafür ist, dass es bereits eine Treppe gibt, die von unten geradewegs auf die Haupthalle zuführt. Diese ist allerdings so alt und so mit Moos bewachsen, dass man sie einfach nicht mehr gefahrlos benutzen kann.

In der Haupthalle kann man beten, sich die drei Kannon-Statue des Tempels ansehen und sich einen Stempel für sein Buch abholen. Hier schwingt noch ein einzelner Herr ohne Föhn und andere Hilfsmittel den Pinsel 😉 Während er meinen Stempel vervollständigte, erzählte er mir, dass die drei Kannon-Statuen einmal das Einzige waren, das bei einem großen Feuer hier in der Haupthalle gerettet werden konnten. Die drei Statuen wurden unter einer japanischen Zeder, einer sugi 杉 in Sicherheit gebracht, und seitdem hieße der Tempel „Sugimoto“ = „Unter der Zeder“.

IMG_0622

2017-07-30 17.38.27

Der Egara Tenjin-Schrein im Anschluss war dann der Grund, warum wir die ganze Strecke zurück bis zum Bahnhof gelaufen sind. Denn dieser Schrein war zu Fuß einfach besser zu erreichen als mit Bus, und vom Schrein aus selbst war es dann wirklich nicht mehr weit bis zum Tsurugaoka Hachimangu und damit zum Bahnhof.

IMG_0633

Wikipedia zufolge – ich weiß, meine Quellen sind so extravagant – stehen alle Tenjin-Schreine im Zeichen eines unrecht behandelten Gelehrten, dessen wütender Geist mit der Errichtung dieser Schreine besänftigt werden sollte. Der Egara Tenjin-Schrein ist dementsprechend auch allen Dingen, die sich um Wissen und Wissenserwerb drehen, geweiht und wird vor allem von Schülern und Studenten, die sich auf ihre Prüfungen vorbereiten, aufgesucht.

IMG_0634

IMG_0638Der Schrein soll bereits seit dem Jahr 1104 existieren, wirkt aber ausgesprochen neu. Tatsächlich ist die letzte Komplettsanierung allerdings schon über ein gutes Jahrhundert her. Der Schrein muss ja seitdem außerordentlich gut gepflegt werden XD

Die interessanteste Sehenswürdigkeit für mich auf dem Gelände ist übrigens die Statue eines Pinsel, auf der zum jetzigen Zeitpunkt 154 Manga-Zeichner ein Bild eines kappas – einem japanischen Fabelwesen, das leicht an eine Mischung aus Frosch und Schildkröte erinnert – zusammen mit ihrer Signatur hinterlassen haben. Jeder kappa wurde im spezifischen Stil des jeweiligen Zeichners angefertigt, so dass man einige auf den ersten Blick erkennt, selbst wenn man ihre Signatur nicht entziffern kann.

IMG_0639

Den Zeichner dieser kleinen Kappa-„Katze“ ohne Ohren z.B. erkennt eigentlich fast jeder sofort 😉

IMG_0640

Der Hintergrund dieser Statue ist übrigens, dass viele Manga-Zeichner hierher an diesen Schrein kommen, um ihre Zeichenpinsel quasi in die Rente zu schicken. Laut Internetrecherche passiert das jedes Jahr am 25. Januar. In einer Zeremonie werden die Pinsel verbrannt, während die Zeichner die Götter um die Segnung ihrer Werke und Arbeit bitten. Auf jeden Fall eine weitaus schönere Geste, als alte Pinsel einfach in den Müll zu werfen 😉

Einen Stempel hab ich mir natürlich auch geholt:

2017-07-30 21.39.08

Wie weit bin ich eigentlich mit meinem Stempelbuch? Hätte ich alle meine Stempel zusammen in einem Buch, wäre dieses bereits voll. Da ich es aber leider zwei Mal im Urlaub vergessen und mir dort jeweils ein neues gekauft habe, sind meine Stempel auf drei Bücher aufgeteilt. Im Buch mit den meisten Stempeln fehlen mir allerdings trotzdem nur noch vier, bis ich es voll habe. Das wird doch wohl noch in diesem Jahr zu schaffen sein! Und dann geht es fröhlich weiter mit dem nächsten Buch 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Unterwegs abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu [Unterwegs] Auf Tempel- und Schreintour in Kamakura

  1. Bommel schreibt:

    Ich hatte keine Ahnung, dass ich so viele Kamakura-Schönheiten nicht kenne. Meine wichtigste Anlaufstelle ist jedesmal der Zeni-arai Benten, weil man da so schön sein Geld waschen und reich werden kann.
    Den Teil mit dem Geld waschen habe ich bisher jedesmal gewissenhaft ausgeführt und das mit dem Reichtum steht ja inzwischen quasi ganz kurz bevor. Ob ich langsam die lebensgroße Goldstatue, die all meine Schönheit für die Nachwelt festhalten soll, in Auftrag geben sollte?

    • nagarazoku schreibt:

      Wenn du jeden Schein, den du dort gewaschen hast, danach behalten hast, bist du dem Reichtum schon so nah, dass du besser schon mal Maß nehmen lässt für deine Statue!

      • Bommel schreibt:

        …..möglicherweise habe ich diesen Teil nicht ganz so gewissenhaft ausgeführt wie den Teil mit dem Waschen….
        Ich hab da jedesmal ein ganzes Bündel Zehntausender gewaschen! Wer kann denn so viel als Student ins Sparschwein tun?

      • nagarazoku schreibt:

        Hätteste mal weniger Avocado-Toast davon gekauft, du Millennial!

  2. viktor643 schreibt:

    Wäre es nicht besser, wenn die Studenten lieber lernen würden anstatt in einem Tempel für Glück in der Prüfung zu beten? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s