Das Geb ist weg!

Dass ich diesen Satz in naher Zukunft von mir geben dürfte, hätte ich Anfang dieses Jahres nicht für möglich gehalten, denn beim Geb-Problem herrschte Stillstand und keine Seite, weder die japanische noch die deutsche, schien so richtig in Bewegung kommen zu wollen. Der Ball lag im deutschen Spielfeld, denn der europäische Gerichtshof hatte entschieden, dass der deutsche Reisepass im internationalen Kontext unverständlich sei und das Kürzel „Geb“ verschwinden müsse. Doch es war für uns nicht abzusehen, wann das Bundesministerium dieses Urteil umsetzen würde, denn auch auf direkte Anfragen per Mail bekam man keine richtige Antwort.

Doch Ende Februar war es dann ganz plötzlich so weit! Mir fiel fast das Frühstücksbrot aus der Hand, als der Nachrichtensprecher der Tagesschau (Ja, ich gucke morgens beim Frühstück DEUTSCHE Nachrichten :P) verkündete, das BMI hätte das neue Passdesign bekanntgegeben, und so solle es aussehen:

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Das Feld 1 ist nun in zwei Abschnitte unterteilt:
(a) Nachname
(b) Geburtsname

Jetzt sollte es doch keine Verwirrung mehr geben, oder? Oder???

Mit einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität trug ich alle benötigten Unterlagen zusammen und beantragte bei der Deutschen Botschaft den neuen Reisepass. Fast 100 Euro musste ich dafür hinblättern, aber die Aussicht, endlich wieder meinen RICHTIGEN Namen führen zu dürfen, ließ mich nicht zögern. Knapp 5 Wochen nach der Beantragung durfte ich den neuen Reisepass abholen … und dann kam auch schon der erste Dämpfer: Eine ebenfalls Geb-geplagte Freundin hatte bereits eine Woche vor mir versucht, mit dem neuen Pass die zairyū-Karte ohne Geb zu bekommen, doch man sagte ihr, das Geb dürfe verschwinden, der Geburtsname müsse aber auch bei dem neuen Design bleiben. Also „Nachname Geburtsname Vorname“. Wir waren super enttäuscht, denn dieser Ausweis sollte endlich die Lösung des Problems sein, und nun stellten sich die japanischen Behörden trotz eindeutiger Kennzeichnung des Geburtsnamen dämlicher an, als ich es mir jemals hätte ausmalen können. In Japan ist der Geburtsname doch auch nicht teil des Nachnamens, warum geht das in deren Schädel nicht rein?

Es sollte auch nicht bei dieser einen Betroffenen bleiben, aber zumindest hatte das zur Folge, dass der Fall bis ans Justizministerium weitergeleitet wurde. Dieses sollten nun darüber entscheiden. Wir wussten, dass das Justizministerium von der deutschen Botschaft über den neuen Pass informiert wurde und eine Erklärung zum Namensfeld erhalten hatte, und gaben daher die Hoffnung nicht auf. Und am Mittwoch erhielt dann eine der Betroffenen einen Anruf aus ihrer Immigrationsbehörde mit der freudigen Nachricht: Der Geburtsname muss nicht auf die zairyū-Karte! Halleluja!

In Überschallgeschwindigkeit trug ich alle meine Unterlagen zur Beantragung der Namensänderung zusammen (in meinem Fall waren das Formular auf dieser Seite, obwohl andere Immigrationsbehörden anscheinend ein andere Formular haben wollen, ein Photo, den alten und den neuen Reisepass, sowie 1300 Yen in Steuermarken), um noch am nächsten Morgen in die Immigrationsbehörde in Kawasaki stolzieren zu können.

Es lief nicht vollkommen glatt ab bei mir. Obwohl man meinen Antrag mit der Änderung von „Nachname Geb Geburtsname Vorname“ zu „Nachname Vorname“ ohne meckern annahm, hatte meine neu ausgestellte zairyū-Karte meinen Geburtsnamen noch mit drin. Da man meine alte zairyū-Karte bereits ungültig gemacht hatte, fing ich nun an, zu diskutieren. Ich wusste genau: Würde ich diese Karte jetzt so akzeptieren, würde es in naher Zukunft schwierig für mich werden, das noch mal korrigieren zu lassen. Mein Bearbeiter ging irgendwann nach hinten, besprach sich mit jemandem und kehrte zurück mit den Worten „Wir werden den Fehler beheben!“ Mir fiel ein SO fetter Stein vom Herzen.

Keine 5 Minuten später hielt ich zum ersten Mal seit meiner Eheschließung meine zairyū-Karte mit meinem richtigen Namen in der Hand. Ich kann es irgendwie immer noch nicht so richtig glauben, dass es nach 3 Jahren Kampf nun doch endlich geklappt hat.

In den 3 Jahren haben sich viele Verträge und anderes auf meinem falschen Namen angesammelt, die ich nun alle mühsam umtragen lassen muss. Aber endlich wieder unter meinem richtigen Namen leben zu können, das ist es mir wert. Und zum Glück haben wir ja jetzt die Golden Week vor uns, da kann ich ein paar Botengänge erledigen, ohne mir extra freinehmen zu müssen ;)Ich hoffe für alle, die ihr „Geb“ derzeit noch mit sich rumschleppen müssen, dass ihnen der neue Pass da auch endlich hilft. Die Neuigkeiten sollten sich nun langsam auch in den letzten Winkel der Immigrationsbehörden rumgesprochen haben!

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12 Antworten zu Das Geb ist weg!

  1. Kumo schreibt:

    Oooh, sehr toll! Ich hab schon öfters von den Problemen des Geburtsnamen gelesen und ich freu mich, dass es jetzt endlich geklappt hat!

  2. viktor643 schreibt:

    Wenn ich jetzt noch wüsste was eine zairyū-Karte ist?

    • nagarazoku schreibt:

      Das ist der Ausweis, den in Japan lebenden Ausländer immer bei sich tragen müssen. Ohne den geht nichts: kein Konto, keine Wohnung, kein Handy …

      • viktor643 schreibt:

        Was ist, wenn man den eben nicht dabei hat und von der Polizei darauf angesprochen wird?

      • nagarazoku schreibt:

        Mir ist das bisher noch nicht passiert, aber es heißt, dass die Polizei einen dann mitnehmen darf. Deshalb als Tourist auch immer den Reisepass dabeihaben! Ob sie einen wirklich gleich mitnehmen mal dahingestellt, es kann natürlich auch bei einer Verwarnung bleiben, aber vom Gesetz her ist man verpflichet, sie dabeizuhaben.

  3. Rotbuchenbaum schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch!!

  4. Yossi schreibt:

    Obwohl ich ja durch LINE schon wusste, wie es ausgeht, las sich das hier wie ein Krimi!

    Glückwunsch zur Rülpslosigkeit!

    (Mein erster Kommentar zu deinem Blog! Tut mir leid, dass ich bisher immer nur im Schatten mitgelesen habe XD)

    • nagarazoku schreibt:

      Danke, danke! Von den vielen Sachen, die ich in meinem Leben so verloren habe, werde ich den Rülpser ganz sicher nicht vermissen 😛

  5. zoomingjapan schreibt:

    Juchuuu! Gratuliere!
    Das wurde aber auch Zeit. Wieso müssen die es auch immer komplizierter machen als es sein müsste? :/

    • nagarazoku schreibt:

      Wirklich! Vor 2012 war das System viel flexiber, dann plötzlich nur noch copy-paste. Copy-paste war noch nie die beste Lösung!!!

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