[Unterwegs] Auf den Kōbōyama

Kei und ich haben ein Hobby, das wir leider immer wieder sträflich vernachlässigen. Die Rede ist vom Bergsteigen. Wann immer meine Freundin Flo in Japan ist, schaffen wir es auf wenigstens einen Berg während ihres Aufenthalts. Manchmal auch zwei. Ist sie nicht da, lassen wir das trotz aller guten Vorsätze doch arg schleifen. Man merkt, wer die Zugkraft hinter unterem Hobby ist, was? 😉 Dabei haben wir bei den Bergtouren trotz der Anstrengung doch immer irrsinnig viel Spaß. Wie kriegen uns nur einfach selbst nur nicht so richtig motiviert 😄

Doch nun haben wir … vielleicht … ganz eventuell … diese Hürde zum ersten Mal geknackt und haben uns, ganz aus Versehen, zu unserer ersten Wanderung nur zu zweit aufgemacht. Ihr habt richtig gelesen: aus Versehen. Denn als wir den Kōbōyama 弘法山 ins Auge fassten, da gingen wir davon aus, dass es wieder so ein lauer Spaziergang mit anschließendem Picknick im Park auf der Berg“spitze“ werden würde, wie wir ihn auf dem Azumayama im Januar hatten. Tja, wer Beschreibungen lesen kann, ist klar im Vorteil 😄

DSC06997Den Kōbōyama kann man von verschiedenen Bahnhöfen in Kanagawa aus besteigen. Wir entschieden uns für die Route vom Bahnhof Hadano 秦野 aus. Von dort ging es erst einmal wieder quer durchs verschlafene  inaka 田舎, stark ländliches Gebiet, wie eigentlich bei jeder Bergtour. Und dann standen wir am Fuß des Berges und Gott war ich froh, dass ich geistesgegenwärtig meine Wanderschuhe angezogen hatte, auch wenn ich nicht wirklich erwartet hatte, diese zu brauchen. Doch der Weg hier hatte es an einigen Stellen schon gut in sich und war uneben genug, um mit weniger geeigneten Schuhen sicher ein paar Probleme darzustellen. Die Hälfte des Weges Waldboden durchs Gestrüpp, die andere Hälfte Treppen, die uns gut ins Schwitzen brachten. Nach gut einer halben Stunde erreichten wir das erste Plateau. Nicht die Spitze des Kōbōyamas, wie wir zu Anfang fälschlich angenommen hatten, nein, eine große Grasfläche namens Asamayama 浅間山, wortwörtlich „seichter Zwischenberg“, und genau das war er auch 😄 Hier konnte man sich gemütlich ins Gras fallen lassen und sich für den weiteren Aufstieg stärken mit all den Köstlichkeiten, die man sich geistesgegenwärtig unten im konbini gekauft hat 😛

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Eigentlich ist dieser Abschnitt auch ein fantastischer Aussichtspunkt für den Fuji-san (behauptet der Stein auf dem Photo). Eigentlich, weil das mit mir im Schlepptau immer bedeutet, dass sich der Fuji halb hinter einer Wolke versteckt oder, wie in diesem Fall, gleich gar nicht zeigt.

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Dieser Berg und ich … Diese Story ist eigentlich mal einen eigenen Blogpost wert.

Nach unserem Mittag und der Feststellung, dass wir uns ja noch gar nicht auf der Spitze vom Kōbōyama befanden, packte uns der Ehrgeiz und wir stiefelten zusammen mit einem Haufen rüstiger und sehr viel besser ausgerüsteten Damen und Herren den ausgeschriebenen Wanderpfad entlang. Wir entschieden uns, die Strecke bis zum Bahnhof Tsurumakionsen 鶴巻温泉 zu laufen, denn auf der kommt man auf insgesamt drei Bergspitzen, von der die vom Kōbōyama die höchste ist. Wenn schon, denn schon! Unterwegs gibt es auch einiges zu sehen: Schreine, seltsame Brunnen, Hunde, niedliche ältere Herrschaften, die ihre Ernte am Bergpfadrand verkaufen – ja, wir haben zugeschlagen! Kürbismarmelade kriegt man nicht überall 😄

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Es war echt schön, mal wieder so in der Natur unterwegs zu sein.

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Auch wenn man dafür auf keinen Fall so gut ausgerüstet sein muss, wie einige der anderen Damen und Herren. Ein gutes Paar Wanderschuhe ist ausreichend für diesen Berg!

Kei und ich haben beim Bergsteigen eigentlich immer so viel Spaß, dass ich hoffe, dass dieser Ausflug für uns jetzt quasi so der Durchbruch war, uns dann doch mal öfters auch nur zu zweit aufzuraffen, ohne dass uns Flo in den Arsch treten muss 😛

DSC07009Wie der Name verrät, kommt man beim Bahnhof Tsurumakionsen an einem onsen 温泉, einer heißen Thermalquelle vorbei. Da wir nicht mit einer ausgewachsenen Bergtour gerechnet haben, waren wir für das onsen leider gar nicht vorbereitet. Aber selbst wenn, weiß ich nicht, ob ich diesen Schritt ohne andere weibliche Begleitung schon gehen mag 😛

Übrigens soll der Kōbōyama ein guter Ort für die Kirschblüte sein. Wir waren natürlich viel zu früh da und hatten gar keine Kirschblüten erwartet, aber siehe da, ganz verschüchtert zeigten sich doch ein paar einzelne 😉

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10 Antworten zu [Unterwegs] Auf den Kōbōyama

  1. Anika schreibt:

    Ich würde ja gerne mit euch mit.. Ich liebe Bergtouren! Aber jetzt mit Zwerg ist mir das etwas gewagt 😦

    • nagarazoku schreibt:

      Meine Eltern haben sich meinen Bruder damals, als er so klein war, für die Wandertouren einfach auf den Rücken gespannt, aber natürlich gehen da leider nur kurze Touren, die man immer abbrechen kann, wenn die Lütten nicht mehr wollen. Aber fühl dich herzlich eingeladen, sobald du es dir mit ihm zutraust 😁

  2. Bommel schreibt:

    Da habe ich also wieder einen Punkt mehr auf meiner Liste „Hätte ich doch nur mehr gewusst von all den tollen leicht zu erreichenden Ausflugszielen ganz in der Nähe der Uni“.
    Das klingt ja so cool!
    Nicht, dass meine Tokyo-Touren nicht auch toll gewesen wären. Ich glaube, mein nächster Japantrip muss dringend einen Wandertag mit euch beinhalten. Ich bin ein guter Ausflugskumpel – gesegnet mit drei Supermägen und trotzdem noch Augen, die größer sind als der Mund, kaufe ich immer den halben Conbini leer und gebe dann gern von allem ab.

    • nagarazoku schreibt:

      Ich hab ja damals alle diese Ausflugsziele um uns herum auch nicht gedacht, aber ich hätte auch vermutlich jedem einem Vogel gezeigt, der in meinem ersten Jahr in Japan gesagt hätte „Lass mal Bergsteigen!“ 😄

      Oh ja! Das müssen wir unbedingt machen! Bergsteigen, futtern, und danach darfst du für mich Blindenhund im onsen spielen 😏

  3. Rotbuchenbaum schreibt:

    Sehr schöner Beitrag! Danke.

    Ich war mit meiner Familie einmal am Takao-san 高尾山. Das ist quasi der Hausberg von Tokio. Bei dem genügen aber wirklich Halbschuhe, wenn man mit der Kabelbahn bis auf die Hälfte hinauffährt, weil die Wege oben asphaltiert sind, und es überal Toiletten gibt. Sonst würde ich schon Wanderschuhe etc. empfehlen.

    Es gibt dort eine wunderschöne Tempelanlage mit Schnitzereien. Ich habe aber natürlich keine Kamera mitgenommen gehabt. Meine Tochter hat mit ihrem Handy ein paar Fotos gemacht, aber nur Familienfotos.

    Von oben hat man einen guten Blick über Tokio, aber es nieselte an dem Tag und ich konnte gar nichts sehen. Trotzdem war es eine schöne Wanderung. Es gibt unterwegs viele dicke Zedern 杉, die Schatten spenden. Aber wenn man ein Allergiker ist, ist das zur Zeit nicht empfehlenswert.

    Um zum Takao-san zu gelangen, lieh meine Frau ein Auto. Ich fahre nicht gerne. Ich weiß gar nicht, wie man mit dem Zug dorthin kommt.

    • nagarazoku schreibt:

      Der Takao-san war der zweite Berg hier in Japan, an den wir uns gewagt haben 😀 Und sogar den ganzen Weg von unten nach oben zu Fuß. Nur auf dem Rückweg haben wir den Lift benutzt. Da wir abgeschiedene Einöde erwartet hatten, waren wir von den Menschenmassen auf der Spitze nicht wirklich begeistert, aber der Schrein auf dem Weg war echt schön! Mit der Bahn kommt man sogar recht gut an den Takao-san ran. Vermutlich ist er deshalb so beliebt 😄 An viele andere Berge muss man sich ja erst umständlich mit einen Bus rankämpfen …

      • Rotbuchenbaum schreibt:

        Achja, die Menschenmassen. Gut zu wissen. An unserem Tag war es nicht so schlimm, weil das Wetter nicht gut war.

  4. Tara schreibt:

    Mal wieder super schöne Bilder! 🙂
    Haha, beim Bergsteigen in Japan finde ich die ganzen älteren Leute immer super niedlich. Die sind im Gegensatz zum Jungvolk wirklich perfekt ausgerüstet und rennen in einem Tempo die Steigungen hoch, das meinen Freund und mich immer ziemlich staunend zurückgelassen hat ^^
    Wir waren bisher nur auf dem Takao-san und auf ein paar seichteren Hügeln um Shizuoka herum unterwegs, aber ich hab dieses „Hobby“ auch super lieb gewonnen. Die Aussicht, die man im Bestfall bei gutem Wetter von oben hat, ist einfach total motivierend 🙂
    … und beim Gang ins Onsen wäre ich dabei!! ^^

    • nagarazoku schreibt:

      Mit den älteren Leuten hier kann ich echt auch nicht mithalten und werde regelmäßig von denen überholt 😄

      Eine tolle Aussicht hätte ich mal gerne! Bisher war immer alles verhangen, wenn ich auf der Spitze angekommen bin T_T Aber der Tag wird kommen, an dem ich das perfekte Wetter abgepasst habe! Ganz sicher 😛

      • Tara schreibt:

        Haha das kenne ich. Da flattern sie quasi mit einem fröhlichen „Konnichiwaaaa“ an einem vorbei, während man selbst am Keuchen und Krauchen ist 😀
        Ich drück dir die Daumen, dass du bald mal gutes Wetter erwischst! Als wir auf dem Takao-san waren, war es leider auch sehr verhangen …

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