In Sachen Müll

ファイル 2017-10-22 21 11 13Letzte Woche hat man uns hier im unserem Wohnbezirk etwas ganz Furchtbares angetan: Man hat die Abholzeiten für unseren Müll verändert. Skandal! Und so treffe ich seit Tagen morgens Nachbarn mit einer anderen Art von Müll unterm Arm als den, den ich trage, und ein verschämter Blick auf den Zettel mit den neuen Abholzeiten auf dem Müllcontainer schickt einen von uns beschämt zurück nach Hause. Oder auch beide. Inzwischen bin ich aber sogar mal auf die Idee gekommen, das Schild abzufotografieren, damit mir das erspart bleibt 😛

Denn in Japan ist es mit dem Müll so eine Sache: Er wird nicht nur in nicht immer wirklich verständliche Kategorien eingeteilt, sondern man darf ihn frühestens am Abend vor dem Tag, an dem genau dieser Müll abgeholt wird, zur Müllsammelstelle bringen. Solange wird er irgendwo in der Wohnung gesammelt. Das hat einen ganz praktischen Grund. Viele Müllsammelplätze sind genau einfach nur das: ein freier Platz irgendwo an der Straße oder an einer Häuserwand, auf den alle zugeteilten Anwohner ihren Müll stellen, damit dieser zur entsprechenden Zeit abgeholt wird.

Japan hat jedoch ein großes Problem mit streunenden Katzen und auch frechen Raben, denen natürlich nichts Besseres passieren kann, als dass jemand seinen Haushaltsmüll mit den Resten des Abendessens rausstellt. Die Tüten werden in Nullkommanichts aufgerissen und ihr Inhalt über die Straßen verteilt. Die meisten Müllsammelstellen haben Netze, die über die Mülltüten gezogen werden, damit die Tiere diese nicht erreichen können, aber leider sind zum einem viele Anwohner einfach mal zu faul, genau das zu tun, und zum anderen sind Raben und Katzen auch zu schlau, um sich lange von den Netzen abhalten zu lassen. Nicht nur einmal habe ich ein diabolisches Katzen-Raben-Gespann dabei beobachten dürfen, wie es sich zusammenschloss, um eine Mülltüte nach der anderen unter einem Netz hervorzuholen. Und daher die Regel, den Müll frühestens am Abend vorher rauszustellen, um den Schlawinern so wenig Zeit wie möglich zu geben.

Unsere Müllsammelstelle ist übrigens ein stabiler Container mit Deckel und allem. So, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin. Wir haben zwar nicht einen Container pro Müllart – dafür hätten wir hier einfach kein Platz – und dürfen daher unseren Müll auch erst am Abend vor dem Abholtag rausstellen, aber unser Müll wird dadurch nie quer über die Straße verteilt. Trotzdem sehe ich solche Container nur selten. Vermutlich ein Platzproblem, doch so richtig einleuchten tut es mir nicht …

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12 Antworten zu In Sachen Müll

  1. zoomingjapan schreibt:

    Wir hatten immer so einen Kalender. Hat ganz gut funktioniert. 🙂
    Bei meinem 1. Wohnort waren sie super strikt. Ich hatte sogar mal einen alten Herrn, der nach 22 Uhr an meiner Tür geklingelt hat mit meinem vorhin abgegebenen Müllsack in der Hand.
    Dann hat er den Müll vor meiner Nase ausgepackt und mir erklärt, was ich alles falsch gemacht hab.
    Zu dem Zeitpunkt war ich noch kein Jahr in Japan und es waren wirklich nur Kleinigkeiten, weil ich mich von vornherein eigentlich schon an die Regeln halten wollte. XD

    Bei meinem zweiten Standort waren die Regeln überhaupt nicht streng. Meine Nachbarn haben alles in einen Sack geschmissen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon so „wohlerzogen“, dass ich die strikte Trennung beibehalten hab. *g*

    • nagarazoku schreibt:

      Bisher gab es für uns auch einen Kalender online zum Ausdrucken, aber jetzt mit den neuen Müllzeiten seltsamerweise nicht mehr O_o

      Mir meinem Müll vor meiner Nase ausgepackt hat mir bisher zum Glück noch niemand, mir den Müll ohne weitere Erklärung zurück vor der Tür gestellt schon XD Weil ich damals nicht wusste, dass das ein dezenter Hinweis war, habe ich es für hundsgemeines Nachbarschaftsmobbing gehalten und den Müll genau so wie er war wieder zum Müllplatz zurückgeschafft XD Im Nachhinein wäre erklärend vor meiner Nase auspacken vielleicht doch nützlicher gewesen 😛

      Je nach Wohnort sollen sich die Regeln ja echt auch krass unterscheiden. Z.B. darf eine Kollegin von mir, die in Tokyo wohnt, nur vorgeschriebene Tüten benutzen, die sie kaufen muss. Da bin ich ja froh, dass ich das nicht muss, sondern meine Massen an Einkaufstüten dafür verwenden kann!

      • zoomingjapan schreibt:

        Spezielle Mülltüten, die man erst kaufen muss, hatte ich übrigens an beiden Wohnorten. Hätte auch lieber verwendet, was ich grad zur Hand hatte. ^^;

      • nagarazoku schreibt:

        Wozu sind denn dann die ganzen Plastiktüten, die man Zuhause sammelt, noch gut? XD

  2. Anika schreibt:

    Wir dürfen noch nicht mal abends rausstellen…
    Morgens bis 8h!
    Da wir aber wissen, dass die Müllabfuhr oft erst später kommt, stehen wir am Wochenende meist nicht so früh auf…
    Unser Müllplatz ist aber auch mit einem Netz an der Straße.. Stellt man da alles abends vorher schon mit Müll zu, ist es wahrscheinlich zu gefährlich..

    • nagarazoku schreibt:

      Ah ja, das macht Sinn. Ist aber natürlich trotzdem sehr umständlich. Warum sucht man dann nicht einfach einen praktischeren Platz? -.- 8 Uhr morgens, das würden wir in der Woche gerade so hinkriegen, aber am Wochenende? Uff! ich frage mich auch immer, wie das Leute erledigen, die Schichtdienst haben …

      • Anika schreibt:

        Kein Plan… Unser einer brennbarer Müll ist Samstag. Jetzt heißt es für meinen Mann immer aufstehen und anschließend wieder ins Bett..

  3. Claudia schreibt:

    Wir können erfreulicherweise unseren Müll rausstellen wann wir wollen. Mit nur vier Wohneinheiten stört das niemanden, und wir haben auch so eine große Müllkiste. Mal schauen wie das dann wird, wenn wir mit den Schwiegereltern zusammenwohnen…

    • nagarazoku schreibt:

      Die Müllkisten sind schon toll, oder? Das wäre jetzt tatsächlich etwas, worauf ich achten würde, sollten wir noch mal umziehen!

      • Claudia schreibt:

        Wir haben in der Nachbarschaft einen Müllabstellplatz, vor dem jeden Tag riesige mit Hand beschriebene Holztafeln stehen. „Die Müllsammlung ist für heute beendet!!“ Da will ich auch nicht wohnen.

      • nagarazoku schreibt:

        Oh Gott, und dann muss man den Müll eine weitere Woche in seiner Wohnung horten O_o Furchtbar!

  4. Pingback: Auf Englisch nennt man einen Schwarm Krähen „a murder“ … | Ein Nagarazoku in Japan

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