[Unterwegs] Ein Kurzurlaub in Nagano

In ganz Japan ist Nagano die Präfektur, in die die meisten Leute ziehen würden, wenn sie die freie Wahl hätten. Die Menschen in Nagano haben die höchste Lebenserwartung und schätzen sich selbst am glücklichsten ein. Ob das an dem vielen guten Gemüse liegt? Oder an der Natur, von der man in Nagano umgeben ist?*

*Diese Aussagen sind sogar statistisch belegt: klick

Nagano zieht jährlich viele, viele Touristen an, besonders, aber nicht ausschließlich in den Wintermonaten. Als ausländischer Tourist leuchtet das einem bis auf die Region um das Schloss Matsumoto vielleicht nicht unbedingt ein, aber es kommt ganz darauf an, worauf man es in seinem Urlaub abgesehen hat. Als europäischer Tourist, vielleicht sogar zum ersten Mal in Japan, sucht man natürlich nicht nach europäisch wirkenden Häusern und Natur – das hat man doch Zuhause! Aber als in Tōkyō lebender Japaner? Und vielleicht auch als Deutsche, die schon arg lange in Japan ist und ewig keine europäische Natur mehr zu Gesicht bekommen hat? Ja, da leuchtet einem der Reiz eines Urlaubs in den Höhen Naganos vollkommen ein.

Und unser Kurzurlaub dort war so entspannend und wohltuend, ich war richtig traurig, als wir nach zwei Tagen abfahren mussten. Viel dazu beigetragen hat die Pension, in der wir übernachtet haben. Sie war nicht nur wunderschön und wahnsinnig gemütlich eingerichtet, …


 

… servierte nicht nur absolut fantastisches Essen sowohl zum Frühstück als auch zum Abendbrot, …

2016-10-02%2018.08.41_zpsmamanr4i 2016-10-02%2018.11.59_zpspgwowv1a

… lag nicht nur genau am wunderschönen See Megamiko 女神湖, um den wir viele erholsame Spaziergänge machten, …


… sondern hatte den kuscheligsten, liebsten, schönsten, tollsten Hund der ganzen Umgebung und ICH durfte SO VIEL mit der kleinen Adele spielen, wie ich wollte, und damit war das der beste Urlaub überhaupt und ich bin immer noch ganz aufgeregt 😛 Und ja, ich gebe zu, dass das Photo von Adele auf der Homepage der Pension einer der Gründe war, warum wir uns für sie entschieden – wir bereuen nichts 😛

Das Ehepaar, das die Pension führt, war so unglaublich freundlich, wir haben uns sofort richtig wohlgefühlt. Der Mann erzählte uns am zweiten Tag beim Frühstück, dass er ja früher mit seiner Frau in Tōkyō gelebt habe, daraufhin entwickelte sich folgendes Gespräch:

Ich: „Oh, und was hat Sie dann nach Nagano verschlagen?“
Mann: „Die Odakyū-Bahnlinie. Ich wollte so weit weg von ihr wie möglich.“
Ich: „Oh … Mit der fahre ich jeden Morgen, hahaha …“
Mann: „Oh … haha …“
Betretendes Schweigen …

Ja, meine Bahnlinie ist wirklich kein Zuckerschlecken …

In Nagano hingegen ist es nicht so weit mit den Öffentlichen, daher sollte man ein Auto haben, besonders, wenn man sich in die Gegend Naganos wagt, in der wir waren. Denn am Megamiko ist nicht mal der konbini fußläufig zu erreichen, vom Rest gar nicht erst zu sprechen.

Und was kann man dort so machen? Einiges, besonders bei gutem Wetter! Wir sind z.B. in die Berge gefahren.

Das Wetter war nicht schlecht, aber leider nicht gut genug, um wirklich weit gucken zu können. Aber die Luft war herrlich! Ich habe mich wahnsinnig an Sommerurlaube mit meiner Familie in Norwegen erinnert gefühlt – und dann bekam ich ganz schrecklich Heimweh und dann mussten wir ganz schnell wieder zurück, damit mir Adele über das Heimweh hinweghelfen konnte 😛

Nagano hat viele hohe Berge, die man besteigen kann. Mit einem Tag mehr hätten wir vielleicht eine kleine Bergtour in Angriff genommen – das haben wir für das nächste Mal auf jeden Fall vor. Es gibt neben dem Megamiko auch noch viele andere Seen, an denen man sich entspannen oder auch eins dieser schrulligen Schwanentretboote ausleihen kann 😛

Es gibt zudem viele Bauernhöfe in der Gegend, die man besuchen kann, allerdings ist das meist etwas anders, als man es vielleicht aus Deutschland gewohnt ist. Steriler, „geordneter“. Vorgeschriebene Wege und angeleinte Tiere. Hier bei der Heuernte ungesichert auf dem Heuwagen rumturnen, das ginge sicher nicht.

So richtig interessant fand ich den Bauernhof, den wir besuchten, den Nagato-Bauernhof 長門牧場, daher nicht wirklich. Einer der vielen Bauernmärkte löste da bei mir schon mehr Begeisterung aus.

Alles frisch vom Feld, zu den vielleicht günstigsten Preisen, die ich in Japan für Obst und Gemüse bisher gesehen habe. Und, wie ich später feststellen durfte, alles richtig köstlich! Ohne Zurückhaltung wanderten Weintrauben, Pflaumen, Tomaten (die bekommt man zwar auch hier im Supermarkt, sie schmecken aber meist sehr wässrig) und sogar ein Bund Rhabarber in unsere Taschen.

Ach ja, ich hatte ja noch mehr europäisches Flair versprochen:

Wenn man sich mit dem Auto von der Gegend um den Megamiko bergab entfernt, kann man es mit Schreinen und Tempeln auch wieder ganz japanisch haben. Aber da das hier jetzt so gar nicht zum Flair des Eintrages passt, hebe ich mir das für ein anderes Mal auf 😉

Unser Lieblingsplatz für dieses Wochenende war sowieso dieser hier:

Die kuschelige Leseecke im Gemeinschaftsraum unserer Pension. Leider war es zu warm, um den Kamin anzuzünden, aber das heißt ja nur, dass wir unbedingt noch mal im Winter zur Ski-Saison wiederkommen müssen 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Unterwegs abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu [Unterwegs] Ein Kurzurlaub in Nagano

  1. Rotbuchenbaum schreibt:

    Danke für den schönen Beitrag. Heimweh, das ist bei mir anfangs auch ein schlimmes Problem gewesen. In Nagano war ich nur mal beruflich. Das ist schon ein paar Jahre her. Da sieht man nicht viel. Unlängst habe ich einen Beitrag im japanischen Fernsehen gesehen. Daraus erfuhr ich, dass Nagano die meisten Hormissen hat. Sie nisten gerne in den Dachräumen und man muss einen Spezialisten anrufen, um sie entfernen zu lassen. Das mit der Natur hat also seine Vor- und Nachteile.

    • nagarazoku schreibt:

      Oh Gott 😮 Und japanische Hornissen sind ja nicht nur besonders riesig, sondern auch noch besonders agressiv, da hat man im Sommer dann vermutlich wenig Freude damit ^^; Das behalte ich im Hinterkopf für den nächsten Urlaub in Nagano!

      Heimweh ist wirklich so eine Sache: im normalen Alltag habe ich es kaum, aber es kommt dann manchmal so schlagartig über mich und dann auch richtig heftig 😦 Aber so gar kein Heimweh würde mir auch seltsam vorkommen. Es ist ja irgendwo was Positives, dass man sein deutsches Zuhause vermisst 😉

      • Rotbuchenbaum schreibt:

        Danke für die Antwort. Du bringst es auf den Punkt, aber mein Heimweh war anfangs besonders schlimm. Jetzt ist es so gut wie vorbei.

  2. zoomingjapan schreibt:

    Was? In Nagano? Ich dachte immer, es wäre Okinawa. ^^;
    Sehr gut, ich hab Nagano und Gunma mal wieder auf meiner Liste für meinen nächsten Trip. War zwar schon öfter da, mag die Ecke aber ganz gern. Dort leben möchte ich aber nicht, bin eher für Westjapan. Wenn ich mir in Ostjapan was aussuchen müsste, dann wäre es allerdings Gujo-Hachiman. ^__^;

    Super schöne Fotos! :3

    Ich hatte in den 7 Jahren eigentlich nur dann Heimweh, wenn ich gerade frisch von einem Deutschlandaufenthalt zurückkam. Vielleicht bin ich ja nicht normal oder vielleicht hat es mir an Japan einfach an fast nichts gefehlt. ^^;
    Ich habe eher mit Fernweh zu kämpfen … oder darf ich das auch Heimweh nennen? Immerhin ist Japan ja mein 2. Zuhause. ^^;

    • nagarazoku schreibt:

      In Deutschland hatte ich auch immer schreckliches Fernweh .. Heimweh? … nach Japan, das kann ich sehr gut verstehen. Ja, lass es uns Heimweh nennen! Ein Land, in dem man so lange gelebt hat, ist einfach eine zweite Heimat 😀

  3. hanna schreibt:

    Meine Schwiegereltern in spe überlegen auch gerade, sich in Nagano ein kleines Häuschen zu kaufen, es muss also etwas dran sein an der Beliebtheit XD Ich finde Nagano auch total schön, aber zum Wohnen wäre Hokkaido dann doch meine erste Wahl…

    • nagarazoku schreibt:

      In Hokkaido war ich noch nie, das muss ich unbedingt nachholen! Ich habe gehört, dass es von dem Temperaturen und der Natur her so sein soll wie Deutschland 😮 Das muss ich mit eigenen Augen sehen!

      Nagano ist wahnsinnig beliebt für Zweithäuser! Es gab ganze Gebiete, die 別荘区 – Wochenendhaus-Bezirk – und ähnliches hießen XD

  4. viktor643 schreibt:

    Scheint ein Traumurlaub gewesen zu sein. 🙂 Kurz aber intensiv…. Es heißt ja das es nicht auf die Länge ankommt. 😆 Oder vielleicht doch in Japan? Ungelöste Rätsel…..

    Schafe an der Leine?? Gibt es da etwa keine Elektrozäune?

    • nagarazoku schreibt:

      Die gibt es, aber die Besucher sollten ein paar Tiere streicheln dürfen, und anstatt ein Streichelgehege anzulegen, haben sie einfach hier und da ein paar Tiere angebunden :/

  5. Pingback: [Unterwegs in Japan] Nagano-Spezial: Wo es in der Golden Week noch leer ist | Ein Nagarazoku in Japan

  6. Pingback: [Unterwegs] Nagano-Spezial: Unsere Unterkunft | Ein Nagarazoku in Japan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s