Wenn der Postmann dreimal klingelt?

Postsendungen in Deutschland erhalten fühlte sich für mich immer an wie ein Katz-und-Maus-Spiel mit dem Postboten. „Lieferung in 3 – 5 Tagen“ hieß es in der Bestellbestätigung meist, und besagter Postbote kam natürlich immer genau dann, wenn bei uns niemand Zuhause war. Warum auch nicht? An ein verpasstes Päckchen schloss sich dann immer eins von vier Szenarien an:

a) Das Päckchen wurde beim Nachbarn abgegeben.*
b) Das Päckchen wurde in eine Packstation gebracht, die, aus welchem Grund auch immer, irgendwo in der Pampa stationiert ist.
c) Das Päckchen wurde wieder mitgekommen und der Postbote kommt an einem anderen Tag wenn keiner Zuhause ist, noch mal vorbei. Maximal 3x, dann geht die Sendung wieder zurück. Aber nur keinen Stress!
d) Die XBox One wird bei Regen einfach vor die Tür gestellt – der Gartenzaun reicht bestimmt, um neugierige Leute abzuhalten – oder der 768-Seiten-Band von Harry Potter in die Öffnung des Briefkastens gekloppt, so dass diese sich verbiegt. Nein, ich denke mir das gerade nicht aus.

*In meinem letzten halben Jahr vor meinem Umzug nach Japan war ich selbst beliebte Postlagerungsstelle in unserem Wohnviertel, da ich an meiner Masterarbeit schreibend fast immer Zuhause war … nur für meine eigenen Päckchen natürlich so gut wie nie.

Ich war eigentlich mit keiner der mir angebotenen Lösungen jemals so richtig zufrieden.

Ich Japan bestellen wir natürlich auch öfters was und sind sogar noch viel weniger Zuhause als ich und meine Familie in Deutschland. Eigentlich verpasse ich fast jedes Päckchen, das mir geliefert wird, wenn ich nicht vorher schon das Lieferdatum festlegen konnte. In Japan schließt sich jedoch nur ein mögliches Szenario an ein verpasstes Päckchen an, und mit dem kann ich ganz wunderbar arbeiten:

2017-07-23 19 13 58

Man erhält einen solchen Zettel, ruft entweder die angegebene Nummer an oder geht online, um einen Termin auszumachen, zu dem das Päckchen erneut vorbeigebracht werden soll. Und wir reden hier nicht von „irgendwann nächste Woche zwischen 8 Uhr morgens und 6 Uhr abends“, nein, nein. Ein festes Datum, und der Zeitraum lässt sich auf einen von zwei bis drei Stunden festlegen. Vormittags, 12 – 14, 14 – 17, 17 – 19 und 19 – 21 Uhr, meine Damen und Herren. Lieferung natürlich auch Samstags und Sonntags, und die Postboten sind zuverlässig! Hat man gebucht, kommen sie, und wenn ihnen ein Taifun im Nacken sitzt.

Und was wenn man einen Tag und eine Uhrzeit festgelegt hat und wider Erwarten doch außer Haus war? Dann kriegt man noch mal einen Zettel und kann einen neuen Termin festlegen. Vorbei die Zeiten, an denen ich versuchen musste, den Nachbarn abzufangen, um endlich an mein Päckchen zu kommen! Vorbei die langen Spaziergänge in irgendwelche zwielichtigen Ecken, um die Packstation zu finden. Für die Postboten, da bin ich mir sicher, kein Zuckerschlecken (immerhin müssen die auch um 21 Uhr noch liefern), aber für mich als Päckchenempfänger geht es einfach nicht praktischer.

Und als kleines Extra obendrauf gibt es Spaß mit der Absenderzeile auf dem Zettel. Der wird nämlich immer von den Postboten ausgefüllt, und was ich da schon für Schreibweisen von Namen gesehen habe! Das „Pet ro“ da oben soll meine Mama „Petra“ sein – so close! Ich hatte da auch schon mal einfach 海外 kaigai – Ausland – stehen – da bleibt es spannend 😛

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4 Antworten zu Wenn der Postmann dreimal klingelt?

  1. Claudia schreibt:

    Ich finde nichts praktischer als die japanische Post. Habe Kuroneko im Line drin und einen Account mit denen – wenn etwas nicht zugestellt werden kann, bekomme ich eine Line-Nachricht und kann direkt eine neue Zeit ausmachen. Früher kam es öfter mal vor, dass ich erst um 7 den Zettel sah und somit die erneute Zustellung am gleichen Tag unmöglich gemacht wurde – nicht mehr!
    海外 steht bei mir auch super oft drauf. 😉

    • nagarazoku schreibt:

      Line-Nachrichten von Kuroneko? Das klingt aber praktisch, das sollte ich mir mal ankommen! Manchmal würde ich es nämlich zwar nach Hause schaffen, um zum spätestens Termin die Sendung zu kriegen, komme aber dann eben auch nicht pünktlich, um den Termin noch ausmachen zu können :S

      • Claudia schreibt:

        Dafür musst du dir einen Kuroneko-Account beschaffen und den dann mit deinem Line verbinden. 🙂 Ist suuuper praktisch eben wegen diesem Problem. Wenn man abends nach Hause kommt kann man sich die Sachen nicht mehr am selben Tag erneut liefern lassen. 😦

  2. Pingback: Der Postbär und die schwarze Katze | Ein Nagarazoku in Japan

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