Vom Löwen gebissen

Ich will mich über den Sommer dieses Jahr gar nicht beschweren, doch er lässt einen irgendwie erstaunt zurück. Viel Regen bringt er, und Temperaturen, die man oft als wirklich angenehm bezeichnen kann. Gestern hatten wir zwischendurch gerade einmal 23 Grad hier, und die sind auch mit der hohen Luftfeuchte ganz wunderbar zu ertragen. Für japanische Verhältnisse also eigentlich gar kein richtiger Sommer. Und ja, ich gebe es zu, das Übermaß an Regen nervt. Aber wisst ihr, was diese Tage ganz viel Spaß macht? Sommerfeste! Denn während man sich sonst immer in einen schwitzigen Schweißblob verwandelt, wenn man sich die Straßen an den Fressbuden entlangschiebt, kann man so ein Fest derzeit richtig genießen. Nur die Eisverkäufer, die dürften das ganze gar nicht so toll finden 😛

Gestern nutzten wir also die Gelegenheit und besuchten ein lokales Sommerfest, das sich als viel größer herausstellte, als wir zu Anfang angenommen haben. Ich würde es als größer als das Tanabata-Fest in Hiratsuka einschätzen, und das wird eigentlich immer als eines der größten Feste in der Gegend bezeichnet. Ich rede vom Kamimizo-Fest 上溝祭り in Sagamihara.

Es handelt sich um ein Fest mit langer Tradition, das seit der Edo-Zeit Bestand hat. Highlight sind der Umzug der geschmückten Festwagen, dashi 山車, und der mikoshi 御輿.

Aber MEIN persönliches Highlight waren die Löwentänze, shishmai 獅子舞, die aufgeführt wurden, denn ich hatte schon viel davon gehört, aber noch nie einen gesehen.

Die Löwen bewegen sich zur Musik aus Flöten und Trommeln, und wenn sie sich den Zuschauern nähern, dann schnell den Kopf hinhalten, denn der Biss eines Löwen soll Unglück vertreiben. Viele ließen sich selbst „beißen“, noch mehr Leute hoben ihre Kinder dem Löwen entgegen, und eine Person wollte auch seinen Hund segnen lassen, aber das arme Tier war von der gruseligen Maske so gar nicht begeistert und biss dem Löwen in die Nase ^^;

Shishimai sieht man oft, aber nicht ausschließlich auf Festen zum Jahreswechsel. Ihren Ursprung sollen sie in China haben. Die Gestaltung der Masken, der Tanz und die Begleiter der Löwen (bei uns zum Beispiel ein Fuchs, sehr viel öfters aber nur ein oder mehrere Löwen allein) variieren nicht nur von Region zu Region, sondern auch je nach Schule – Wikipedia schreibt etwas von 9000 Variationen dieses Tanzes! Da muss ich mir dieses Jahr doch glatt noch ein paar weitere anschauen gehen :3

Ich bin wirklich froh, dass wir uns gestern zu diesem Fest aufgemacht haben. Es war wolkig, dafür aber von der Temperatur her wahnsinnig angenehm – das muss das erste Sommerfest gewesen sein, bei dem ich nicht geschwitzt habe! Das Fest hatte trotz seiner Größe eine tolle Lokalatmosphäre, und matsuri-Essen ist eh ungeschlagen auf meiner Liste ganz weit oben. Definitiv mein erstes Highlight dieses Sommers :3

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4 Antworten zu Vom Löwen gebissen

  1. Bommel schreibt:

    Frollein! Du wirst doch wohl im Yukata gegangen sein?

  2. Pingback: Und plötzlich war es Sommer | Ein Nagarazoku in Japan

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