[Unterwegs] Kōbe-Spezial: Ans Meer UND in die Berge

„Jetzt sind wir extra nach Kōbe gefahren und haben aber noch kaum was von Kōbe gesehen!“, stellte ich nach unserem Ausflug zum Himejijō erschrocken fest. Und damit stand unsere Tagesplanung für den Sonntag: Einmal quer durch Kōbe!

Für dieses Vorhaben hatten wir einen ganz bestimmten Service im Auge: コベリン kobelin, einen Fahrradverleihservice in Kōbe. Viel wussten wir nicht außer, dass man dort, nun ja, Fahrräder ausleihen und sie in ganz Kōbe benutzen kann. Und mit diesem Wissen suchten wir uns am nächsten Morgen eine Ausleihstation, einen so genannten „Port“.

Kobelin funktioniert erstaunlich einfach. Die Schritte sind zudem an jedem Port auf einer großen Tafel auf Japanisch und auch auf Englisch erklärt. Alles, was man braucht: ein Handy, auf dem man Mails empfangen kann und eine Kreditkarte*. Man meldet sich auf der Homepage an, gibt seine Informationen ein, wählt den Port an, an dem man sich gerade befindet und sucht sich – wenn denn vorhanden – ein freies Fahrrad aus. Anschließend bekommt man eine PIN, mit dem man das Fahrrad dann freischalten kann. Man kann entweder 100 Yen für jeweils eine Stunde bezahlen – immer verlängerbar – oder sich das Fahrrad für 500 Yen gleich für den ganzen Tag schnappen.

*Ich glaube, man kann auch mit Pasmo, Suica und Co. bezahlen, aber damit hab ich mich nicht weiter beschäftigt ^^;

Wir brauchten gar nicht erst nachrechnen, um zu wissen, dass wir so günstig mit den Bahnen hier niemals vorankommen würden. Zum Glück gab es am Port auch noch genau zwei Fahrräder, die zum Verleih standen – der Rest war geparkt dort, aber warum das keine gute Idee ist, dazu kommen wir später. Erst mal schnappten wir uns unsere feuerroten Räder und … … … schoben sie durch die Innenstadt. Wer in der Nähe der großen Bahnhöfe bleiben will, dem empfehle ich die Fahrräder nicht, denn dort ist kein Vorankommen auf ihnen. Hat man sich aber erst einmal ein wenig nach draußen gekämpft, kann das Abenteuer beginnen!

Zuerst ging es zum Ikuta-Schrein, 生田神社 ikutajinja, der mir in allen möglichen Broschüren als einer der ältesten Schreine in ganz Japan angepriesen wurde. Seit dem 3. Jahrhundert soll es ihn schon geben, und dafür sah er erstaunlich neu aus. Daran erkennt man dann gleich, welcher Schrein genug Umsatz macht, um seinen Toren, Säulen und Hallen einen regelmäßigen Neuanstrich zu verpassen.


Wir kamen gerade rechtzeitig, um die letzten Sekunden einer Segnung neuer JR-Railways-Mitarbeiter beizuwohnen. Beruhigend zu wissen, dass unsere Zugführer zumindest in Westjapan alle göttlich gesegnet sind 😛

Nachdem ich mir ein shuin geschnappt hatte, ging es auch schon wieder weiter, und zwar Richtung Hafen. Ich wollte Meer und ich bekam es auch!

Die Gegend um den Hafen herum erinnerte mich wahnsinnig an Yokohama.

Was gut ist, denn ich liebe Yokohama :3 Und somit hatte sich Kōbe an dieser Stelle schon einen kleinen Platz in meinem Herzen erobert 😉 Die Gegend nannte sich übrigens Merikan-Park, und ich dachte da irgendwie schon, der Name würde sich von „Amerika“ ableiten. Ich habe aber keinen Hinweis auf irgendeine Verbindung finden können.

Dann hatte ich eine tolle Idee: Vom Hafen aus konnte ich ganz nah Berge sehen. Meer und Berge an einem Tag?! Davon kann man in Deutschland ja nur träumen! Richtung Berge sollte es also gehen – da es sich bei den Kobelin-Fahrrädern um E-Bikes handelt, absolut kein Problem -, und unterwegs wollten wir noch Kōbes China Town mitnehmen. Von China Town sollten wir allerdings nur wenig mitbekommen …

An den Kobelin-Ports konnte man sich die Fahrräder nicht nur ausleihen, sondern, wie ich vorhin schon erwähnte, sein ausgeliehenes Fahrrad auch zwischenzeitlich parken. Das fand ich sehr praktisch, denn Parkplätze für Fahrräder waren rar gesät und zudem auch noch teuer. Allerdings hatte das Kobelin-System einen ganz entscheidenden Fehler: Stand ein Fahrrad am Port, musste man auf seinem Panel zur PIN-Eingabe nur die OK-Taste drücken und das Fahrrad wurde automatisch zurückgegeben. Keine Bestätigung per PIN oder Mail notwendig. Das sollte den Nutzern die Rückgabe einfach machen, man hatte wohl aber nicht mit neugierigen Touristen gerechnet, die auf dem Panel herumdrückten. So saßen Kei und ich in China Town gerade vor einem köstlichen Mahl, als Kei auf seinem Handy plötzlich eine Mail erhielt, dass sein Fahrrad erfolgreich zurückgegeben wurde O_o Was bitte was?! Genau das, was ich gerade beschrieben habe, wird passiert sein: Ein neugieriger Tourist hat auf Keis Fahrrad rumgedrückt und es aus Versehen zurückgegeben. Schwer vorzustellen? Als wir keine 10 Minuten später, nachdem wir unser Essen eiligst heruntergeschlungen hatten, an den Port zurückkehrten, war Keis Fahrrad nicht nur schon weg, da als leihbar im System registriert, sondern irgendein Depp hatte den Sattel meines Fahrrades auf die niedrigste Stufe runtergestellt – wahrscheinlich, um zu gucken, ob selbige Person mit ihren Winzbeinchen auf so ein Fahrrad passt O_o Ey! Tatscht gefälligt keine fremden Fahrräder an!!! Aber wenigstens hatte ich meins noch. Kei stand fürs Erste ohne da, und natürlich gab es am entsprechenden Port kein weiteres Fahrrad zum Ausleihen – die übrigen Fahrräder schienen alle verliehen gewesen zu sein. Nun standen wir schön blöd da, mit nur einem Fahrrad.

Aber was habe ich letztes Jahr auf meinem Ausflug nach Ōme gelernt? Wenn das Gerät nicht so will, wie du, einfach weiter auf die Tasten hämmern. Ich drückte also wie wild auf meinem Handy herum, wechselte auf der Kobelin-Homepage von Port zu Port in der Hoffnung, irgendwo ein Fahrrad für Kei zu ergattern. Anderenfalls würde unsere restlichen Tagesplanung voll ins Wasser fallen T_T Und plötzlich poppte ein zum Verleih stehendes Fahrrad genau an dem Port auf, an dem wir uns gerade befanden. In Lichtgeschwindigkeit klickte ich es an und reservierte es! Wir waren wieder am Start! Wo auch immer das Fahrrad so plötzlich hergekommen ist, denn ich hatte niemanden gesehen, der eins zurückgebracht hat. Vielleicht hat jemand nur für eine Stunde reserviert und nicht verlängert oder so. Ich wollte unser Glück nicht weiter hinterfragen 😉 Also schnell raus mit den Fahrrädern aus den gefährlichen Ports und ab in die Berge! Einen ordentlichen Besuch müssen wir dem China Town wohl ein anderes mal abstatten ^^; Und ab jetzt hieß es: Ports meiden wie die Pest.

Nun aber ab in die Berge! Zeit für eine richtige Wandertour hatten wir nicht mehr – und waren auch gar nicht dafür angezogen -, aber in Japan kann man sich darauf verlassen, dass es an den meisten halbwegs bekannten Bergen eine Seilbahn gibt. Kei wollte sich unbedingt Kōbes Kräutergarten, 布引きハーブ園 nunobiki hābuen, angucken, der auf einem Berg liegt – es ging kaum passender 😉

Zum Herb-Garden lässt man sich am besten mit der schicken Shin-Kōbe-Seilbahn bis ganz nach oben bringen, läuft dann den halben Berg runter und erfreut sich an Blumen, Kräutern und anderem, und nimmt für den restlichen Weg wieder die Seilbahn bis nach unten. Wer etwas Kōbe-typisches sehen will, dem empfehle ich diesen Ausflug vielleicht nicht unbedingt. Wer es aber einfach auf ein wenig Natur abgesehen hat, dem schon eher. Wenn man erst einmal der auf Fachwerkhaus getrimmten Einkaufspassage oben entkommen ist, kann man eigentlich einen ziemlich entspannten Spaziergang in der schönen Gartenanlage erleben 😉



Und wer einen fantastischen Blick AUF Kōbe haben will, dem kann ich diesen Ausflug auch ans Herz legen:

Guckt! Ich bin auf einem Berg, aber ich kann das Meer sehen! Ist das zu fassen? In Deutschland jedenfalls nicht vorstellbar 😉 Meine Begeisterung hierfür hielt lange an XD

Als ich mich später am Tag im Shinkansen auf dem Weg nach Hause – nachdem wir unsere Fahrräder noch bis zur letzten Sekunde genutzt und einfach nur so durch die Gegend gepest sind, bevor wir sie dann endlich freiwillig zurückgaben 😛 – über mein bentō hermachte, kam mir kurz der Gedanke, dass wir ja gar nicht richtig was von Kōbe gesehen haben. Wir waren überhaupt nicht an den Haupttouristenattraktionen. Wir haben uns nicht ein auf europäisches getrimmtes Haus angeguckt, waren in China Town nur zum Essen und haben die Akashi-Kaikyō-Brücke nur im Vorbeifahren gesehen. Aber gut, so haben wir erstens einen Grund, um noch einmal wiederzukommen, und zweitens ist das ja auch egal, solange wir einen tollen Tag hatten. Und den hatten wir 😉

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8 Antworten zu [Unterwegs] Kōbe-Spezial: Ans Meer UND in die Berge

  1. Claudia schreibt:

    Der Herb Garden sieht ja toll aus!
    Als wir da waren lag Schnee, deswegen sind wir leider nicht oben auf den Berg rauf. 😦

  2. Michelle schreibt:

    Die ganzen Sehenswürdigeiten abzuklappern, macht auch nicht unbedingt den besten Urlaub aus. 🙂
    Dein Bento sieht ganz schön lecker aus… hmmm… Hunger… 😀

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, da hast du recht! Bei meinem ersten Kyoto-Urlaub haben wir das gemacht, sind nur von einer Sehenswürdigkeit zur anderen gehetzt, und an den Urlaub erinnere ich mich nur noch ganz verwaschen XD

      Das bento war superlecker 😀

  3. Kitty schreibt:

    alter schwede, ist das ein muskulöser komainu!

    • nagarazoku schreibt:

      Der muss bestimmt ganz besonders muskulös sein, weil es so ein wichtiger Schrein ist! Keine Zeit zum Ausruhen!

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