[Unterwegs] Auf Odaiba

An seinem Geburtstag musste Kei leider arbeiten, dafür hatten wir aber für den nächsten Tag einen Tagesausflug geplant, und zwar nach Odaiba お台場. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie auf Odaiba war – einmal war ich dort auf der Geburtstagsfeier eines Kollegen, aber da habe ich nichts von der Umgebung gesehen, das zählt also nicht.

Odaiba ist eine künstlich angelegte Insel in der Bucht von Tokyo und beliebtes Ausflugsgebiet für alle, denen der Sinn nach Unterhaltung und/oder Shopping steht. Und Attraktionen gibt es wirklich mehr als genug – ich glaube nicht, dass man alles an einem Tag schaffen kann. Spielhallen, Museen, mehrere Einkaufstraßen- und zentren, Parks, ein Strand und vieles mehr.

Zu allererst muss man sich aber mit der yurikamome-Linie ゆりかもめ線 bis ins Standzentrum bringen lassen. Von dort aus kann man dann entweder zu Fuß oder wieder mit der Bahn alle Attraktionen ansteuern.


Blick aus der Bahn von der Rainbow Bridge aus

Quasi zufällig stolperten wir in das Megaweb, einer Ausstellungshalle des Autoherstellers Toyota, die sich in der Palette Town befindet. Persönlich kann ich mit Autos jetzt nicht so viel anfangen, aber es war ja Keis Geburtstag und der war ganz hin und weg 😛
 

Es gab viele Autos zum Angucken und auch einen ganzen Haufen zum Probesitzen. Zudem viele Testfahrten, die man machen kann. In diesem Simulator hier ging es z.B. um Fahrtsicherheit, die alle Fahrer ignoriert und in ihrem Geschwindigkeitsrausch links und rechts alles umfuhren 😛 Wenn man entweder sehr früh kommt oder vorher online bucht, kann sich sogar ein richtiges Toyota-Auto zu einer Probefahrt ausleihen. Allerdings nur auf einer festen Strecke und nicht quer durch Odaibai. Buuuh!

In der Palette Town befindet sich zudem die Venus Fort, ein Einkaufszentrum, das an Venedig erinnern soll. So eine japanische Vorstellung von Venedig. Die Deckenbemalungen fand ich zwar sehr schön, aber damit sie richtig hervortreten, war das ganze Einkaufzentrum ziemlich dunkel gehalten und ich dadurch die ganze Zeit irgendwie müde ^^;


Aber es gab ein paar interessante Läden und das Wichtigste: Kei fand etwas, das ich ihm zum Geburtstag schenken durfte 😛

Im Anschluss setzten wir uns noch ins daikanransha, einem der größten Riesenräder der Welt. Eigentlich wollten wir ja auf den Sonnenuntergang warten, allerdings war es noch so früh, dass es bis dahin noch ein paar Stunden war und wir hatten eigentlich noch ein paar andere Anlaufstellen. Dann eben Sicht von oben auf Odaiba im Tageslicht!



Die Fahrt mit dem Riesenrad muss ich als leicht nervenaufreibend einstufen. Als wir dort waren, war es wahnsinnig windig und unsere Gondel schaukelte bedrohlich hin und her – am höchsten Punkt auf immerhin 115 Metern. Ich war doch recht froh, als wir wieder unten waren.

Wir nahmen dann die Bahn zum Odaiba Seaside Park, um dort einen Spaziergang am Strand zu machen. Das Wetter war toll und es waren viele Leute unterwegs, die Strand und Meer bevölkerten. Trotzdem kam es mir überhaupt nicht überfüllt vor, und das ist für ein beliebtes Ausflugsgebiet in Tokyo nun wirklich was Besonderes.

Im Hintergrund seht ihr die Rainbow Bridge. Für mich ist ja mit einem Trip zum Strand schon jeder Ausflug ein gelungener 😉 Schwimmen ist hier aber wohl verboten, an dem Tag war es allerdings eh viel zu kalt. Es war aber warm genug für ein paar früh blühende Kirschblüten.

Langsam hing uns der Magen in den Kniekehlen, aber wir konnten den Spaziergang natürlich nicht abschließen, ohne wenigstens einen Blick auf die Nachbildung der Freiheitsstatue geworfen zu haben.

Zum Glück befand sich dort gleich hinter uns schon das nächste Einkaufszentrum mit einer ganzen Etage an Restaurants. Ich überließ Kei die Wahl und wir landeten im wohl kitschigsten Themen-Restaurant, in dem ich je war: bei King of the Pirates. Kitschige Deko und Kellner in offensichtlich billigen Kostümen? Das kann nur klasse werden! Und für den Großteil unseres Besuches war es das eigentlich auch.

Das Essen war leicht überteuert, aber das bin ich von Themenrestaurants hier gewohnt. Es war allerdings auch lecker und die Cocktails für Japan ungewohnt stark. Da hatte einer nicht am Alkohol gespart. An warmen Tagen kann man sich auch draußen auf die Terrasse setzen und den Blick über Odaiba genießen, aber dafür war es an dem Tag einfach zu kalt.

Bei Ankunft wies man uns, wie in den meisten Restaurants, darauf hin, dass wir den Tisch nur für 2 Stunden haben könnten. Kein Problem, kennt man ja. Schon begannen wir, fröhlich und ohne große Zurückhaltung die Karte hoch und runter zu bestellen. Für ein Geburtstagsessen kann man das mal machen. Nach einer Stunde, wir hatten gerade aufgegessen und überlegten uns, ob wir uns noch ein Dessert bestellen wollten, kam der Kellner und wies uns darauf hin, dass wir bald unsere letzte Bestellung abgeben müssten. Verdutzt blickte ich auf meine Uhr. Hatte er nicht was von 2 Stunden gesagt? Gut, wahrscheinlich stehen die Leute draußen schon wie wahnsinnig Schlange, eine halbe Stunde werden wir ja wohl noch haben. Ich bat den Kellner daher, uns noch mal die Getränkekarte zu bringen, damit wir Nachtisch und Getränk in einem Abwasch bestellten konnten. Der Kellner sog scharf Luft ein, blickte auf seine Uhr, legte den Kopf zur Seite und meinte „Ich glaube nicht, dass noch Zeit für ein letztes Getränk ist.“ … Ich wusste nicht, was ich dazu sagen sollte. Der Kellner machte auch wirklich absolut keine Anstalten, uns die Karte noch mal zu bringen und warf uns damit allen Ernstes nach nur einer Stunde aus dem Laden! Kei und ich schauten uns baff an, schauten baff den Kellner an, schauten wieder baff uns an. Kei ließ dann die Rechnung kommen – natürlich hätten wir diskutieren und auf unsere 2 Stunden bestehen können, aber wer will an so einem Ort noch mehr Geld ausgeben, als er bereits hat? Wir waren immerhin schon bei einer Rechnung von 10.000 Yen – rund 80 Euro für zwei Personen! Und an dieser Stelle bereute ich jeden Yen, den wir dort ausgegeben hatten. Service ist eben auch in Japan nicht überall bombig. Wenn ihr also in Odaiba seid und nach einem guten Restaurant sucht: das hier gehört nicht dazu. Was für ein enttäuschender Abend für einen so tollen Tag. Aber natürlich ließen wir uns davon nicht die Laune verderben und kauften einfach für den Rückweg von Shinjuku aus leckeren Kuchen, den wir im romance car verspeisten 😛 Tja, lieber „King of Pirates„-Staff, das Geld hätte auch noch in eure Kassen wandern können, aber jetzt bin ich froh, dass es das nicht getan hat!

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7 Antworten zu [Unterwegs] Auf Odaiba

  1. altesweibsbild schreibt:

    Oh, das ist ja sehr schade, also gibt es „Service Wüste Deutschland“ auch auf deinem Breitengrad 😉 aber der Rest klingt wirklich wieder nach einem gelungenem Tagesausflug! Liebe Grüße ❤

    • nagarazoku schreibt:

      Nur an solchen Tagen stört es mich, dass es in Japan kein Trinkgeld gibt, denn so konnte ich nicht mal dem Kellner ganz passiv-agressiv das Trinkgeld streichen *grummel*

      • altesweibsbild schreibt:

        😀 das glaube ich dir 😀 ehrlich gesagt finde ich diesen Kellner sehr befremdlich, als hätte es der Laden wegen Reichtum gar nicht nötig und die Zufriedenheit der Kunden/Gäste noch nicht einmal zweitrangig 😦

  2. viktor643 schreibt:

    Toller Artikel, Danke!

  3. Kitty schreibt:

    zu schade, dass der rent a dog (puppy the world) dort zugemacht hat… am strand mit hund, das war immer super! am strand mit ehemann geht aber natürlich auch gut 😉

    • nagarazoku schreibt:

      Nur leider bringt der nicht so willig das Stöckchen zurück 😛 Eines Tages gehe ich da mit meiner dänischen Bulldogge spazieren – gut, Shiba Inu is realistischer, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen 😛

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