[Restaurant] Ichiran – Für wenn man wirklich niemanden erträgt

Habt ihr auch so Tage, an denen ihr so gar keinen Kontakt zu anderen Menschen ertragt? Nicht mal zu einem Verkäufer im konbini oder einem Kellner im Restaurant? Aber ihr müsst trotzdem das Haus verlassen, um nicht zu verhungern? Ich gebe zu, es geht mir selten so, aber in den letzten Zügen meiner Grippe, da habe ich mich zu einem kleinen Misanthropen entwickelt. Aber was soll ich sagen: Auch hier kann Japan wie immer Abhilfe schaffen. Und zwar mit der Restaurant-Kette 一欄 ichiran.

Das Prinzip ist simpel: Am Eingang zieht man sich an einem Automaten ein Ticket für das gewünschte Menü und – wenn gewollt – ein Getränk. Ichiran ist ein ramen-Restaurant, man hat also die Wahl zwischen ramen in verschiedenen Suppen und unterschiedlichen Toppings. Als Nächstes sucht man sich einen freien Sitzplatz. Wenn nichts frei ist, wird gewartet. Die Geschwindigkeit in dem Restaurant ist hoch, ich kann mir nicht vorstellen, dass man länger als 15 Minuten wartet.

Vorne am Eingang gibt es eine Anzeige mit freien und besetzten Sitzplätzen. Als wir ankamen, war alles frei. Die Holzplatten in der Mitte können nach unten geklappt werden für den Fall, dass man mit jemandem zusammen gekommen ist. Vollmisanthropen lassen sie natürlich oben 😛 Hinten an der Wand hängen in weiser Voraussicht Taschentücher, denn ramen sind schnell mal eine kleckrige Angelegenheit 😉

Auf dem Tisch liegen dann bereit: ein Fragebogen und ein Stift. Auf dem Fragebogen kreuzt man an, wie man seine ramen haben will. Wie viele Nudeln man will, wie kräftig die Suppe sein soll oder wie viele Frühlingszwiebeln man in seiner Schüssel erträgt. Es besteht absolut keine Notwendigkeit, mit jemandem zu reden 😛 Wenn man fertig ist, bedient man die Klingel an seinem Platz und ein Kellner kommt angehuscht und nimmt das Ticket sowie den Fragebogen entgegen.

Ein weit heruntergezogener Bambusvorhang verhindert, dass man den Kellner angucken kann, selbst wenn man will. Von den hinten vorbeihuschenden Herrschaften sieht man wirklich nur Bauch und Hände. Sobald das Essen vor einem steht, wird der Vorhang komplett heruntergezogen. Will man etwas vom Kellner, benutzt man wieder das Klingelknöpfchen und jemand kommt angehuscht.

Wer Nachschlag haben will oder noch Extrawünsche hat, der füllt die Rückseite der Verpackung seiner Stäbchen aus und schiebt sie wieder dem Kellner unter dem Bambusvorhang hindurch. Bezahlt wird sofort bei Lieferung. Daher kann man, wenn man mit dem Essen fertig ist, aufstehen und einfach gehen- sein Menü und eventuelle Getränke hat man ja schon zu Beginn bezahlt.

Mit Extrawünschen wie Nachschlag, extra Topping oder einem Getränk ist ichiran gar nicht mal so billig. Kei war schnell bei fast 2000 Yen (rund 15 Euro), und das für ramen! Aber für die phasenweise Misanthropie, die jeden von uns doch mal befällt, ist das Restaurant wirklich die perfekte Anlaufstelle 😉

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6 Antworten zu [Restaurant] Ichiran – Für wenn man wirklich niemanden erträgt

  1. Bommel schreibt:

    Das ist ja mal ne Marktlücke!
    Ich überlege, für die deutsche Medienlandschaft deinen Text in einen Artikel umzuschreiben. Hier und da ein bisschen „diese verrückten Asiaten“, dort ein bisschen „wir Langnasen“ und das Ding wird ne Clickbait-Goldgrube!

    • nagarazoku schreibt:

      Verbinde es noch mit Sexlosigkeit und den vielen Überstunden hier und es ist perfekt! Ich will aber natürlich Gewinnbeteiligung und zu den Diskussionspaneln mit eingeladen werden!

  2. Tabea schreibt:

    Ich bin normalerweise echt nich so für Ramen zu begeistern (also ich find sie schon lecker, aber nicht so „Ich bin für drei Tage im Ausland, ich brauche unbedingt Ramen!!“-Japanerlecker), aber die Ichiran-Ramen sind echt gut. In Shinjuku muss man aber doch Leute ertragen – da kommen doch echt beim Warten in der Schlange Angestellte rum und drücken einem den Fragebogen in die Hand!

    • nagarazoku schreibt:

      WAS??? Das ist ja schon fast eine Zumutung, wenn man extra zu Ichiran geht, um seine Ruhe zu haben O_o Aber gut, in Shinjuku ist alles eine Zumutung 😛

      Der riesige ramen-Fan bin ich auch nicht. Ich geh wirklich nur, wenn meine Begleitung unbedingt will. Den Satz „Ich könnte jetzt echt ein paar ramen vertragen!“, den wird man wahrscheinlich nie aus meinem Mund hören XD

  3. viktor643 schreibt:

    Sowas gibt es wohl nur in Japan. Und wird von denjenigen benutzt, die sich ihre letzte Mahlzeit gönnen und dann vor den nächsten Zug springen. (Bin absolut gegen Suizid.)
    Also mal im Ernst: Wer braucht denn sowas? Dann kann man sich das Essen doch gleich nach Hause liefern lassen.

    • nagarazoku schreibt:

      Essen liefern lassen ist hier gar nicht mal so weit entwickelt, wie ich es manchmal gerne hätte. In den meisten Fällen kann man nur anrufen, bestellen und es dann selbst abholen. Wenige Restaurants liefern wirklich. Zumindest hier in unserer Gegend. Selbst Domino’s gibt einem eine komplette Pizza umsonst mit, wenn man seine Bestellung selbst abholt. In den meisten Fällen, wenn Kei und ich uns Essen liefern lassen wollen, landen wir doch wieder in einem Restaurant. Und wenn dann vielleicht jemand – aus welchen Gründen auch immer – alleine Essen gehen muss, fühlt derjenige sich vielleicht besser in einem Restaurant, das extra dafür ausgelegt ist, statt alleine an einem Vierertisch 😉 Es gehen aber auch viele Familien zu ichiran! Nur mit unterhalten ist in einer großen Gruppe an diesen Tresenplätzen nicht ganz einfach 😉

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