Gesundheitscheck – Reloaded

Ja, ja, ich hatte damals nach meinem ersten kenkō shindan 健康診断 versprochen, hier noch mal über meinen sich sofort daran anschließenden firmeninternen zu schreiben, aber der war so unspektakulär und auch nach 15 Minuten schon vorbei, dass ich gar nichts zu erzählen hatte.

Doch dieses Jahr bin ich 30 geworden (WAS? Skandal!) und somit hat mein Gesundheitscheck ein Upgrade erhalten. Er ist also länger und damit noch nerviger geworden. Was steht auf der Liste? Wie vorher auch schon:

  • Messung der Körpergröße, des Gewichts und des Bauchumfangs
  • Messung der Sehstärke und des Hörvermögens
  • Blutabnahme und Untersuchung auf alles mögliche
  • Untersuchung einer Urinprobe, auch aus alles mögliche
  • Messung von Puls und Blutdruck
  • Gespräch mit einem Arzt, in dem auch Brustkorb abgehört und Rachenbereich untersucht wird

Was ist neu dazugekommen?

  • Untersuchung einer Stuhlprobe auf alles mögliche. Yay …
  • Röntgenbild des Brustkorbs, dieses Mal mithilfe eines Kontrastmittels (Bariumsulfat)
  • Untersuchung der Bauchregion mit Ultraschall

2018-02-18 20 39 02Zusätzlich bekommt man einen Zettel, auf dem man kostenpflichtig Untersuchungen hinzubuchen kann. Da ich in einem Land lebe, das Horoskope u.a. auf Grundlage von Blutgruppen erstellt, und meine Blutgruppe aber nicht kenne, habe ich das doch glatt mal für 1080 Yen (etwa 8 Euro) hinzugebucht 😛 Der Rest war mir zu teuer oder habe ich als nicht notwendig eingestuft; die Brust- und Gebärmutterkrebsvorsorge mach ich sowieso bei meinem eigenen Frauenarzt. In Japan gibt es spezielle Kliniken für den Gesundheitscheck – die, bei der ich war, bietet nichts anderes an als das. Dort werden täglich so viele Menschen untersucht, dass alles wie am Fließband läuft. Ankommen, nach Männlein und Weiblein unterteilen und auf seine spezifische Etage gehen, anmelden, kurz diskutieren, weil man keinen Bock auf Bariumsulfat hat, rein in die lächerlichen und dennoch wahnsinnig praktischen, PINKEN Untersuchungsklamotten, und schon geht es von Untersuchung zu Untersuchung. Jede von uns erhielt ein Armband, mit dem wir bei jeder Untersuchung einchecken mussten, damit die Werte alle auch ja der richtigen Person zugeordnet werden. Bei so vielen Leuten, die da an einem Tag bearbeitet werden, eine bestimmt absolut notwendige Vorkehrung. Die Untersuchungen selbst sind absolut nicht gründlich genug, um wirklich irgendwelche Krankheiten oder gesundheitliche Probleme feststellen zu können. Ich würde mir z.B. niemals auf Grundlage des Ergebnisses meines Sehtests beim Gesundheitscheck eine neue Brille machen lassen, da ich dafür meine Brille aufbehalte, er in 30 Sekunden vorbei ist und ich für 8 Kreise nur angeben soll, wo sich die Öffnung befindet. Da ist eine Untersuchung bei einem richtigen Augenarzt auf jeden Fall immer sehr viel genauer. Der Gesundheitscheck hat aber, wie ich jedes Jahr aufs Neue bei meinen Kollegen feststellen darf, das große Potential, einen panisch zu machen. Denn einmal bekommt man die Ergebnisse ohne große Erklärung zugeschickt und weiß nun nicht, ob 2 Punkte über dem Normalwert an Cholesterin schon besorgniserregend oder absolut in Ordnung sind. Und zum anderen wird nicht mit eingerechnet, dass wir in Europa ein paar andere Standards für diverse Werte haben. So wurde einer Kollegin von mir gesagt, dass ihre Nieren einen „überaus besorgniserregenden“ Wert aufweisen würden, während ihr eine Ärztin in Frankreich dann erklärte, dass sie damit im Normalbereich läge. Schnieke! Wäre der Gesundheitscheck nicht Pflicht, würde ich ihn mir klemmen. Aber nur, weil er Pflicht ist, heißt das noch lange nicht, dass man alles mitmachen muss. Wer seine Tage hat, darf z.B. keine Urin- und Stuhlprobe abgeben. Mit „Von Bariumsulfat wird mir schlecht“ kann man auch das Kontrastmittel weglassen. „Ich habe Angst, dass mir von dem Zeug schlecht wird und ich habe heute auf Arbeit noch ein sehr wichtiges Meeting, da darf ich auf keinen Fall ausfallen und möchte das Kontrastmittel daher weglassen“ geht als Grund übrigens nicht. „Ich will einfach nicht“, wie es ein Kollege versucht hat, auch nicht. Wahrscheinlich gibt es solche Gründe nicht als Auswahl im  Manual, und wir müssen uns ja immer schön ans Manual halten *augenroll* Hab mich schon gefragt, ob sie uns zu Boden gerungen und uns das Bariumsulfat zwangseingeflößt hätten, wenn wir keinen besseren Grund gefunden hätten 😛

2018-02-18 20 36 37Aber summa summarum war der Gesundheitscheck nicht so schlimm, wie ich ihn mir ausgemalt habe. Die Klinik war ganz in der Nähe meine Arbeit und ich konnte danach also ohne weitere Zeitverschwendung gleich an meinen Schreibtisch zurück (bin gerade sehr beschäftigt in meinem neuen Projekt, deshalb, ja, gilt das als Pluspunkt 😛 ), die Schwestern und Ärzte waren alle sehr freundlich – auch wenn es mich sehr irritiert hat, dass die Schwestern alle wie Stewardessen angezogen waren  – und die Klinik war so cremeweiß und feminin dekoriert, dass ich mir vorkam, wie in einem Beautysalon. Da wir alle von 21 Uhr des Vorabends bis zum Ende des Gesundheitschecks, was bei mir 14 Uhr war, nichts essen durften, gab es danach in einer Lounge noch eine kleine Stärkung für jeden: mit anko (süße Paste aus roten Bohnen) gefülltes Brot, ein Getränk nach Wahl, ein Eis und ganz viele Süßigkeiten :3

Die Ergebnisse bekommt man dann etwa 2 Wochen später an die angegebene Adresse geschickt. Im Prinzip sollte man selbiges im Anschluss in der Personalabteilung seines Arbeitgebers vorlegen. Ein paar Kollegen machen das schon seit Jahren nicht mehr, deshalb werde ich mir das dieses Mal auch klemmen und warten, ob HR selbst bei mir ankommt. Denn eigentlich geht mein Gesundheitszustand niemanden außer mich was an!

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12 Antworten zu Gesundheitscheck – Reloaded

  1. Anika schreibt:

    Von 21-14h nix essen????
    Da koennten die mich gleich auf einer Trage von Untersuchung zu Untersuchung rollen..
    Ohne regelmaessige Mahlzeiten fange ich irgendwann extrem an zu zittern.. nicht nur in den Armen, was immer lustig ist wenn ich Staebchen halten will, sondern auch in den Beinen XD

    • nagarazoku schreibt:

      Jaaa, das ist so krass! Ich war am Ende so mit dem Kreislauf runter! Und wir durften auch ab 3 Stunden vorher nichts mehr trinken, also für mich ab 9.30 Uhr nicht mal mehr einen Schluck Wasser. Und dann rein in die Rush-Hour zu Arbeit, 2.5 Stunden arbeiten und dann zum Arzt. Ich halte dieses nüchterne Magen-Dings auch für Humbug. Ich bin NIE ohne Essen im Magen! Keiner der Werte kann daher meinen wahren Gesundheitszustand wiederspiegeln, ey XD

  2. Bommel schreibt:

    Du hast tapfer gambattet. Wie ein Samurai.
    Ich wäre ja rein theoretisch ein großer Fan der Gesundheitschecks, wenn es wirklich um Früherkennung und gute Behandlungsmöglichkeiten ginge.
    Aber wie du schon sagst – die Werte sind so angegeben, dass du als der Empfänger überhaupt nichts damit anfangen kannst, also auch nicht weißt, worauf du achten musst, und zweitens wissen wir ja alle, warum japanische Unternehmen so gern frühzeitig über Krankheiten ihrer Mitarbeiter informiert sein wollen.
    Nee, nicht mit mir!

    • nagarazoku schreibt:

      Ich weiß, dass viele meiner Kollegen glauben, die Leute hier würden niemals einen Blick auf unsere Untersuchungsergebnisse werfen, aber so naiv bin ich nicht. Das sind wertvolle Informationen, die man spätestens bei Beföderungen und auch Gehaltserhöhungen gewinnbringend verwenden kann. Zwei Kandidaten mit gleicher Qualifikation für den Chefposten, aber der eine hat ein „S“ und der andere ein „C“ beim letzten Gesundheitscheck? Machen wir uns die Entscheidung doch einfacher …

  3. Michelle schreibt:

    Jedes Jahr röntgen würd ich mir ja auch klemmen… das kann nicht gut sein. Und ich hätte bestimmt immer am Tag der Untersuchung meine Regel, so ein Zufall. ^^

    • nagarazoku schreibt:

      Dieses Mal hatte ich wirklich durch Zufall meine Tage, aber ab nächstes Jahr ist es dann vielleicht nicht mehr ganz so zufällig 😛

      Ja, röntgen kann man getrost auch weglassen. So ein Blödsinn, dass so was Pflicht ist, aber man Untersuchungen von Krankheiten, an denen man in meinem Alter statistisch gesehen viel häufiger erkrankt – Brustkrebs und Co. – kostenpflichtig dazubuchen muss. Und nicht gerade billig!

      • Bommel schreibt:

        Ich wette, da hat wieder irgendeine Röntgenlobby die Finger im Spiel, der schön was wegbrechen würde, wenn das jährliche Röntgen nicht mehr anstünde…

      • nagarazoku schreibt:

        Klar! Stell dir mal vor, wie viele Kliniken dicht machen könnten, wenn der 健康診断 abgeschafft werden würde.

    • Julia schreibt:

      Das habe ich auch gesagt: Röntgen ohne mich! Darauf meine Vorgesetzte: „Bist du etwa schwanger?!“ -.-
      Und ja, eure Ergebnisse können durchaus mal im Büro landen, diese Woche erst erlebt. Ich weiß jetzt, wer mit Kondomen verhütet und mehr Kinder will…

      • nagarazoku schreibt:

        Ja, das ist immer das mit dem Verweigern vom Röntgen – wer weiß, was sich der Chef dabei denkt …
        Einige meiner Kollegen haben wirklich kein Problem damit, wenn die Firma ihre Ergebnisse sieht – „Hab ja nichts zu verstecken!“ Aber nee, sorry, das geht mir einfach zu weit!

  4. Kitty schreibt:

    ich freue mich besonders über die kleinen oppositionellen handlungen 🙂

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