[Flaschback] Heute vor 8 Jahren

Heute vor genau 8 Jahren kam ich zum allerersten Mal in meinem Leben nach Japan. Vor mir lag ein Jahr Sprachstudium an der Tōkai-Universität und damit das für mich vielleicht größte Abenteuer meines Lebens bis dahin. Der Tag selbst bestand aus einer viel zu frühen Ankunft in Narita, einer schier endlos lang wirkenden Busfahrt aufs ländliche Hiratsuka, dem ersten Schock als wir unsere spartanisch eingerichteten Wohnheimzimmer betraten, einem Begrüßungsessen, einer kurzen Einkaufstour, an die ich mich kaum noch erinnere, und dann einem fast schon komatösen Schlaf.

Das Jahr in Japan war ein intensives in dem ich viel über mich und vor allem Japan gelernt hab. Es war natürlich kein Stück so, wie ich es mir vorgestellt hatte, stammte mein Bild vom Land doch vornehmlich aus der Populärkultur. Während es mir die Uni das erste halbe Jahr schwer gemacht hat, mich in Japan einzugewöhnen, da sie mich mit einem lächerlich krassem Pensum an Hausaufgaben und Tests den gesamten Tag und meist auch am Wochenende in einer Art Tōkai-Blase, aus der ich kaum etwas vom Land mitbekam, beschäftigt hielt, hatte ich im zweiten Semester sehr viel mehr Zeit, Land und Leute zu entdecken.

Ich habe so viel Sightseeing betrieben, wie ich nur konnte. Mit Kommilitonen, Freunden und natürlich vor allem mit Kei. Trotzdem habe ich wirklich nur einen Bruchteil von Japan gesehen. Ausschließlich für Kyōto und Nara hat es mich aus Kantō rausgetrieben. Nach Hokkaidō und Okinawa habe ich es heute noch nicht geschafft, aber beides steht ganz oben auf meiner Liste.

 

Teezeremonie, sadō 茶道, habe ich auch gemacht. Ich bin ein wenig traurig, dass ich es nicht geschafft habe, das als Hobby beizubehalten, aber ohne eine freundliche ältere Japanerin mit einem weichem Herz für Ausländer, die einem eine Teezeremonielehrerin vorstellt und vermutlich auch noch einen unschlagbar günstigen Preis für uns rausgehauen hat, ist Teezeremonie ein recht teurer Spaß.

Kei hat mein Interesse an Japan noch einmal auf ein völlig neues Level gehoben, und dank ihm hatte ich so viel Sprachübung wie ich mir nur wünschen konnte. Meine Sprachkenntnisse schossen quasi durch die Decke. Ich habe das Gefühl, während meiner Zeit an der Tōkai so viel gelernt zu haben, dass es im Anschluss für mich nicht mehr viel dazuzulernen gab … bis auf ein paar Kanji vielleicht 😛

Ich weiß, dass ich nach dem Jahr ganz schlimm in „In Japan war das soundso“ war. Aber damals war für mich hier auch alles so neu. Alles war für mich quasi das erste Mal, alles war ein Photo und eine Story wert.

Einen Kulturschock hatte ich nicht – ich habe damals einfach erwartet, dass in Japan alles anders sein wird als bei uns Zuhause in Deutschland. Der umgekehrte Kulturschock hingegen war heftiger. So heftig, dass ich nach meinem halben Jahr an der Keiō-Uni 2012 wirklich Angst hatte, nach Deutschland zurückzufliegen. Inzwischen hält sich auch dieser in Grenzen.

Ja, mein Jahr an der Tōkai war eine wahnsinnig intensive Zeit, die sich so nie wiederholen ließ, egal ob an der Keiō-Uni, später in meinem Praktikum oder jetzt als arbeitendes Mitglied der japanischen Gesellschaft. Ich erinnere mich daher mit sehr viel Nostalgie, Melancholie und Wehmut an die Zeit zurück …

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6 Antworten zu [Flaschback] Heute vor 8 Jahren

  1. Bommel schreibt:

    Oh meine 3クラス -Schwester!
    Bei mir sah es ja ähnlich aus – die Monate in dieser Klasse waren furchtbar – die ständigen Hausaufgaben von einem zum nächsten Tag waren mein persönlicher Todfeind. Nie konnte man seine Woche eigenständig planen, nie sein Arbeitspensum einteilen und organisieren, niemals Zeit für eine Abendaktivität freischaufeln. Kein Wunder, dass das Lernen da immer weniger Spaß machte. Und kein Wunder, dass ich nach diesem Semester die restliche Zeit in Japan mit sehr vielen Shoppingtouren und Ausflügen vollpackte, in der ständigen Angst, etwas zu verpassen.
    „Intensiv“ trifft es sehr gut. Und es war eine wertvolle Selbsterkenntnis, dass ich auch Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsbäder ertragen kann. Das hätte ich vorher niemals für möglich gehalten…

    • nagarazoku schreibt:

      In der 3クラス hat man wirklich am meisten mitgenommen, aber echt auch am meisten dafür geopfert. Wie neidvoll habe ich auf meine Kommilitonen in den höheren und auch tieferen Klassen geschaut *seufz* Das zweite Semester voll Spannung, Spiel und Schokolade haben wir uns da mehr als verdient 😛

  2. Tabea schreibt:

    Kann ich alles genauso unterschreiben. 🙂 Man, das war ne Zeit, ey…^^

  3. Michelle schreibt:

    Flaschback! Wie herrlich! 😀

    8 Jahre sind ne lange Zeit. Mein Leben sah auch ganz anders aus. Ich möchte nicht wieder zurück. 🙂
    Hey, es ist noch genug Zeit übrig für den Rest von Japan. Du schaffst das alles noch, nach und nach.

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