[Unterwegs] Kyōto-Spezial: Der Fushimi Inari-Schrein

Kommen wir zum letzten Sightseeing-Spot unserer Kyōto-Reise: dem Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社. Der Name deutet es bereits an: es handelt sich um einen so genannten „Großschrein“, der der Gottheit inari gewidmet ist. Er kann dabei als Hauptschrein aller inari gewidmeten Shinto-Schreine in Japan (mehr als 30.000 heißt es) verstanden werden.

Der inari-Schrein in fushimi besteht zwar bereits seit dem Jahr 711, wurde im Jahr 816 jedoch an seinen heutigen Standport umgesiedelt. Die Hauptstruktur, wie man sie heute sehen kann, wurde sogar „erst“ im Jahr 1499 errichtet. Der Schrein ist einer der beliebtesten Sightseeing-Spots bei ausländischen Touristen und Japanern zugleich und zieht zu Neujahr die meisten Besucher für das Neujahrsgebet, hatsumōde 初詣, an. Am bekanntesten sind sicher die von roten Toren, torii 鳥居 , gesäumten Pfade, die fast den gesamten Weg bis zu Spitze abdecken. Leider hatten wir nicht genug Zeit und haben es nur bis zur Hälfte des Weges geschafft. Wer bis zur Spitze möchte, um das Heiligtum des Schreins, das man ganz unüblich offen betrachten kann, zu bestaunen, sollte genug Zeit mitbringen. Laut Angaben am Schrein selbst braucht man drei bis vier Stunden, um das gesamte Gelände erkunden zu können.

Die inari-Gottheit ist eng mit der Vorstellung von Füchsen, kitsune 狐, verbunden. So eng, dass nicht wenige der Meinung sind, die Gottheit würde selbst ein Fuchs sein. Ursprünglich jedoch ist inari ein Gott, der in verschiedener Gestalt auf der Erde wandeln kann und von Füchsen begleitet wird, sich aber natürlich auch selbst als Fuchs zeigen kann. In einem inari-Schrein haben Füchse daher natürlich auch einen ganz besonderen Stellenwert.

Aber kommen wir doch zu den Wegen mit den tausenden (nicht übertrieben) von Toren: Inari ist die Gottheit der Fruchtbarkeit, für Reis, Tee und sake, sowie florierende Geschäfte in Landwirtschaft und Industrie. Wer sich daher ihr Wohlwollen für sein Geschäft sichern will, kann dies mit der Spende eines solchen torii tun. 10.000 torii sollen den Weg bis zum Heiligtum auf der Bergspitze säumen. Leider geht an einem Wochenenden mit vielen Besuchern, wie wir es hatten, viel von der Atmosphäre verloren. Wir alle wollen doch ein Photo von einem der Gänge, nur die Tore, ohne irgendwelche Touristen im Bild, oder? Mit ganz, ganz viel Geduld klappt es vielleicht:

Aber die meiste Zeit sieht es eher so aus:

Irgendein Hirni sitzt seit einer halben Stunde vorne am Gang und wartet auf DAS perfekte Photo, und obwohl über den torii groß steht, wo links und wo rechts gegangen wird, hält sich kein Schwein dran und überall herrscht Chaos. Es leben die Touri-Spots 😛 Wer epische Photos von einem der Gänge machen will, muss an einem Wochentag kommen.

Die Inschriften auf den torii sind übrigens Name des Spenders – Firmen oder Privatperson – und Datum der Spende. Einige torii sind gar nicht mal so alt. Es gibt torii, die mehrere Meter hoch sind, und solche, durch die ich gerade so durchgepasst habe. Ich habe übrigens keine 100% zuverlässigen Informationen dazu gefunden, ob die Szene aus „Die Geisha“, in der Chiyo durch eine Reihe von Toren läuft, hier gedreht wurde, aber da der fushimi inari-Schrein häufiger auch mal für dorama-Aufnahmen verwendet wird, ist der Gedanke auf keinen Fall abwegig.

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof, wo wir zwei Plätze in einem Teeladen ergatterten und uns bei matcha 抹茶 und wagashi 和菓子, japanischen Süßigkeiten, etwas entspannen konnten, bevor uns der Shinkansen zurück nach Kanagawa und damit in unseren Alltag brachte.

Ich glaube, dieses Wochenende war das japanischste Wochenende, das ich jemals verbracht habe, mit allem was man sich so stereotypisch unter „traditionell japanisch“ vorstellen kann 😄 Jetzt bin ich aber in ordentlichem Zugzwang für Keis runden Geburtstag – zum Glück hab ich da noch ein wenig Zeit 😛

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