[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: In Arashiyama

Wo sind wir denn das letzte Mal stehengeblieben? Ach ja: Wir haben uns einen Schrein- und Tempel-Overload geholt und sind dann erst mal in unser ryokan 旅館 gefahren, über das ich ja schon einen eigenen Eintrag verfasst habe, und haben uns einen ruhigen Abend mit köstlichen Essen, Geburtstagskuchen und onsen gemacht.

Und nein, wir hatten auch am nächsten Tag noch nicht genug von religiösen Einrichtungen 😛 Auf unserem Plan stand die Gegend um Saga Arashiyama 嵯峨嵐山 und dort im Detail der Babmus-Wald zum tenryūji 天龍寺, einem Tempel, und dann der Affenpark Arashiyama hinter der togetsu-Brücke 渡月橋. Damit hatten wir uns die beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Gegend rausgesucht und sollten das an der Menge der Touristen auch gleich zu spüren bekommen.

Eigentlich wollte ich uns am Bahnhof Fahrräder mieten, aber Kei wies mich zurecht darauf hin, dass wir bei den ganzen Touristen zu Fuß wahrscheinlich schneller wären und das Zurückbringen am Ende stressig wird. Er sollte Recht behalten. Die Wege sind auf jeden Fall für Fahrräder ausgelegt, aber wenn selbige mit Touristen zugestopft sind, wird es nervig. Wer aber mal an einem Wochentag in der Gegend ist, kann ruhig mit den Fahrrädern liebäugeln.

Wenn man im Internet etwas über den Bambuswald in Arashiyama liest, dann erzählen die Autoren davon, dass es sich anfühle, als wäre man in einer anderen Welt. Diese Ruhe. Nur das Knarren des Bambusses … Ihr seid alle an einem Dienstag dort gewesen, oder? Denn ich war ganz weit entfernt davon mich in einer anderen Welt zu fühlen mit all den nach einander rufenden, im Weg stehenden und rumrempelnden Touristen. Wie das hier zur Hochsaison im April und im Herbst erst zugehen muss, will ich mir gar nicht erst vorstellen. Ich war etwas gestresst und hab vom Bambuswald nur genau ein Bild gemacht mit dem ich wieder jeder vormachen könnte, wie ruhig und spirituell es in der Gegend doch ist:

Kamerawinkel sind schon was Feines 😛

Hat man sich „durch“ den Bambuswald gekämpft (man läuft auf einem abgezäunten Weg, in den Wald darf man gar nicht rein), erreicht man den tenryūji 天龍寺, den „Tempel des Himmelsdrachens“. Er wurde im Jahr 1339 errichtet und ist, wie der nanzenji 南禅寺 auch, einer der Haupttempel der rinzai-Schule des Buddhismus. Man merkt, wie viel Einfluss der Buddhismus seinerzeit in Kyōto ausgeübt hat. Heute ist er als UNESCO-Weltkulturerbe registriert.

Meine Kamera behauptet, dass mir der zugehörige Garten wieder am meisten zugesagt hat, aber er war auch ein echtes Schmuckstück ^^;

Der Garten bietet eine Art Promenade entlang des sōgen-Sees 曹源池 und schließt ihn sogar, wenn ich mich nicht ganz täusche, auf der anderen Seite ein, aber als Tourist hat man leider nur zu einer Seite Zutritt. Schade. Auf der anderen Seite hätte ich mich so schön vor den Touristen verstecken können 😛

Wir schlugen uns danach zur togetsu-Brücke durch. Der Weg dorthin war wahnsinnig touristisch ausgelegt, mit vielen kleinen Läden, die Essen, Mitbringsel und vielen mehr oder weniger traditionellen Krimskrams verkauften. Auf der Brücke ließen die Touristenmassen plötzlich nach O_o Yay!!!

In kurzer Zeit waren wir am Eingang zum Affenpark in denen mir viele, viele nihonzaru, Japanmakaken, versprochen wurden. Ich hatte mich online informiert, ob das auch ja so ein Park ist, in dem die Affen frei durch die Gegend laufen können, und ja, hieß es, die Affen würde das gesamte Gebiet dort bevölkern und im Prinzip machen, was sie wollen. Dass man, um die Affen sehen zu können, eine Bergtour hinter sich bringen muss, hat mir allerdings niemand gesagt O_o Am Eingang lachte ich noch über das „Wenn sie auf Klo müssen, dann hier! Es gibt erst oben wieder eine Toilette“-Schild, weil ich dachte, wir wären doch eh in 5 – 10 Minuten da. Hahaha, nein. Über eine halbe Stunde dauerte der Anstieg, war steil und an einigen Stellen ordentlich voll mit Modder, und ich wirklich gar nicht passend dafür angezogen. Besonders meine Schuhe litten und ich musste sie danach in die Tonne kloppen – allerdings waren sie auch davor schon sehr durchgelatscht.

Oben angekommen befindet man sich dann auf einer Plattform mit Bänken, einer Fütterstation und vielen, vielen Affen.

Die Fütterstation funktioniert so, dass man Futter kauft, sich dann in einen Käfig begibt und aus diesem Käfig heraus die Affen füttert.

Mir persönlich war das etwas zu affig (haha, Schenkelklopfer 😛 ) und ich hatte sehr viel mehr Spaß daran, die Affen zu beobachten, die in den Bäumen um die Plattform herum nicht einen Affenfurz auf die Touristen gaben und sich einfach ganz natürlich verhielten 😉

Am Eingang, auf dem Weg und oben auch wird man übrigens mehrmals darauf hingewiesen, wie man sich den Affen gegenüber verhalten soll.

Keine Plastiktüten, nicht anstarren, nicht anfassen, nicht außerhalb des Käfigs füttern und am besten einfach in Ruhe lassen. Wie viele Leute sich an so einfache Regeln nicht halten können/wollen, erstaunt mich doch immer wieder. Bei nihonzaru bezahlt man so einen Regelverstoß dann aber schnell mal mit einem zerdeppertem Kameraobjektiv oder einer Apfelhälfte, die man an den Kopf geworfen bekommt. Verdient, würde ich sagen 😛

Man hat von oben aus übrigens eine tolle Sicht auf Kyōto – noch toller, wenn man besseres Wetter hat als wir – und kann etwas erstaunt feststellen, wie unglaublich niedrig all die Gebäude dort besonders im Vergleich zu Tōkyō sind. Auf dem Photo hier sieht man den Kyōto Tower, der sich in der Nähe vom Hauptbahnhof befindet. Schaut, wie schon fast flach alles drumherum ist!

Und damit hatten wir noch ein Ziel auf unserer Sightseeingliste: den Fushumi Inari-Schrein 伏見稲荷大社 in Fushimi. Dazu dann mehr im nächsten Beitrag 😉

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3 Antworten zu [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: In Arashiyama

  1. altesweibsbild schreibt:

    Hach schön, Danke für diesen wunderbaren virtuellen Sonntagsspaziergang♥

  2. Pingback: [Untwergs] Auf Tempel- und Schreintour in Kamakura | Ein Nagarazoku in Japan

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