Wie kommt man in Japan an deutsche Bücher heran?

Auf Blogs und in Artikeln berichten Leute oft davon, wie sie nach einer Weile im Ausland anfingen ihre Muttersprache zu verlernen. Mir ist das Phänomen nicht unbekannt. Mein Mann spricht zwar Deutsch, aber da wir unsere Beziehung damals auf Japanisch begonnen haben, ist das bis heute unsere Sprache untereinander. Nach 8 Jahren kann ich mir nicht vorstellen, diese zu wechseln. Wenn dann noch ein Arbeitsumfeld hinzukommt, in dem die Muttersprache nicht dominant ist, und der Freundeskreis vielleicht auch eher Englisch oder Japanisch geprägt ist, dann, ja dann ist es schwierig die Muttersprache irgendwo im Alltag unterzubringen. So geht es mir derzeit. Da ich aber als Übersetzer arbeite und es mir daher nicht leisten kann, in meiner Muttersprache abzusacken, müssen Gegenmaßnahmen her ^.^; Und Lesen hat mir bisher noch bei jeder Sprache geholfen. Doch wie kommt man in Japan bitte an deutschsprachige Bücher ran?

Bücher aus Deutschland mitbringen
Das ist sicher das offensichtlichste, aber etwas, das wohl nur die wenigstens tun. Mich eingeschlossen. Denn Bücher können verdammt viel wiegen und sind meist das erste, was zugunsten von Klamotten, Mitbringseln, Fresskram und Co. wieder aus dem Gepäck genommen werden. Letztes Jahr in Dezember, als wir meine Familie über Weihnachten besuchten und dank ANA insgesamt vier Gepäckstücke haben durften, da habe ich tatsächlich ein paar Bücher mit zurück nach Japan genommen. Aber auch nicht so viele, wie ich ursprünglich wollte. Zwei Winterjacken, guter Kaffee und ein Glas Nutella standen auf der Prioritätenliste weiter oben ^^;

Sich Bücher aus Deutschland schicken lassen
Euer Geburtstag steht an? Oder Weihnachten? Und jemand will euch ein Geschenk schicken? Perfekt! Allerdings sollte man nicht vergessen, dass der Versand nach Japan recht teuer werden kann …

E-Book-Reader
Ich kenne mich nur mit dem Kindle aus, daher kann ich auch nur diesen als Beispiel nehmen: Mit einem im deutschen Amazon-Store angemeldeten Kindle hat man es am leichtesten an die Bücher, auf die man es abgesehen hat, heranzukommen. Problem: Man braucht dafür zumindest ein deutsches Konto, auf dem sich dann auch etwas Geld befindet, denn von irgendwas müssen die Bücher ja bezahlt werden.* Doch beim derzeitigen Wechselkurs von Yen zu Euro kann es einem, wenn man dafür dann Geld von hier auf sein deutsches Konto schicken muss, schnell mal vergehen. Auf einmal wirkt selbst ein 1 €-Buch doch etwas teuer …

*Danke an Claudia für den Hinweis: Man braucht entweder ein deutsches Konto bzw. eine deutsche Kreditkarte, von welcher der Betrag für die Bücher abgezogen werden kann, oder man koppelt seine japanische Kreditkarte mit dem deutschen Store. Möglich für Visa/Electron, MasterCard/EuroCard und American Express. Bleibt noch das Problem des derzeit nicht sehr günstigen Wechselkurses ^^;

Der japanische Kindle-Store bietet allerdings auch ein paar deutsche Bücher an! Einige wenige … Und meist auch nur die üblichen Verdächtigen – ich finde z.B. fast überall ohne Probleme „Die unendliche Geschichte“, „Die Blechtrommel“ und deutsche Übersetzungen zu „Sherlock Holmes“ – zu nicht unbedingt günstigen. Klassiker wie „Winnetou“ gibt es allerdings umsonst zum Download. Praktisch, falls man die noch nicht gelesen hat 😉

Man muss sich übrigens nicht zwingend zwei Kindle kaufen, um einen im deutschen und den anderen im japanischen Store angemeldet zu haben. Man kann mit einem Kindle zwischen zwei Konten hin- und herwechseln. ALLERDINGS schmeißt das jedes Mal jegliche Ordnung, die man mit Ordnern und Co. auf seinem Kindle fabriziert hat, durcheinander. Nach drei Malen hatte ich wirklich keine Lust mehr. Bei 10 E-Books mag sich der Aufwand nach dem Kontowechsel ja noch in Grenzen halten, aber was mach ich bei 100 E-Books? Ich habe zwischendurch wirklich überlegt, mit einen extra Kindle für den deutschen Store zuzulegen, doch der Geiz (mein Mann nannte es Vernunft 😛 ) hat am Ende gesiegt.

Bücher in Bücherläden erstehen
Ich habe bisher nicht viele Bücherläden gesehen, die deutsche Bücher im Regal hatten. Einen in Tōkyō und, wenn ich mich recht erinnere, einen in Yokohama. Allerdings waren es auch bei den Romanen Bücher für Deutschlernende. Also wieder die üblichen Verdächtigen oder Übersetzungen englischer Werke, was okay ist, aber ich lese Bücher gerne in ihrer Ausgangssprache, wenn ich kann. Außerdem sind diese Bücher meist nicht sehr  günstig und, wie gesagt, sind solche Bücherladen wirklich sehr, sehr rar gesät.

Bücher aus der Bibliothek ausleihen
Ja, es gibt sie: die japanischen Bibliotheken, in denen man sich deutsche Bücher ausleihen kann. Die Bibliothek bei uns in der Gegend hat exakt 20 deutsche Romane, von denen 7 die „Harry Potter“-Reihe ausmachen. Auch der Rest sind erneut die üblichen Werke wie „Die Blechtrommel“ und „Momo“ – gut, dass ich die beiden letzteren bisher noch nicht gelesen habe 😛 Die restlichen deutschen Bücher vor Ort waren Übersetzungen japanischer Werke, deutsche Bücher über Japan oder Bücher zum Deutschlernen. Allerdings hatten sie auch ein paar Zeitschriften dort, wie den Spiegel, sogar mit der allerneusten Ausgabe!

Gleichgesinnte finden und Bücher untereinander austauschen
Bei uns auf Arbeit läuft ein reges „Geschäft“ mit Büchern XD Das ist nicht nur die billigste Variante, sie schont auch Keis Nerven, weil ich nicht ständig Bücher kaufe, für die wir in unserer kleinen Wohnung eigentlich gar keinen Platz haben 😛 Außerdem liest man so auch mal Bücher, denen man sonst keine Beachtung geschenkt hätte. Aber auch eine „Kollegen-Bibliothek“ erschöpft sich irgendwann, und derzeit haben alle nur noch englische oder japanische Bücher für mich, die sie mir leihen könnten … und die ich mir natürlich auch leihen werde 😛

Ihr seht, dass es nicht allzu einfach ist in Japan an deutsche Bücher heranzukommen. Besonders, wenn man nicht unbedingt eine Übersetzung lesen will, sondern Bücher, die auf Deutsch verfasst wurden. Obwohl mir das manchmal, bei einer langen Durststrecke, dann doch oft auch schon wieder egal ist 😛 Aber ansonsten ist es kein Wunder, dass 90% der Bücher, die ich auf dem Weg zur Arbeit auf meinem Kindle lese auf Englisch oder Japanisch sind – an die komm ich innerhalb von wenigen Sekunden über mein Kindle ran.

Habt ihr noch irgendwelche Geheimtipps, wie man in Japan an deutsche Bücher herankommen kann?

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18 Antworten zu Wie kommt man in Japan an deutsche Bücher heran?

  1. Claudia schreibt:

    Man kann seine japanische Kreditkarte mit einem deutschen Amazon-Account koppeln. 🙂

    • nagarazoku schreibt:

      Im ernst? Das funktioniert? Ohoho, das muss ich dann doch gleich mal ausprobieren!

    • nagarazoku schreibt:

      Hat problemlos funktionert! Danke für den Hinweis! Jetzt darf der Euro nur noch ein wenig billiger werden 😛

      • Claudia schreibt:

        Wunderbar! Ich bekam letztes Jahr zu Weihnachten einen 100€-Amazon-Gutschein, das hat mich bis letzten Monat getragen. 😀 Ich lese aber sehr wenig auf Deutsch.

      • nagarazoku schreibt:

        Ich auch ^.^; Wenn es nicht gerade die Klassiker sind, finde ich den deutschen Büchermarkt immer etwas mau und ziehe die englischsprachigen Kollegen vor ^.^; Wenn ich Leute nach Buchempfehlungen frage, werden mir auch wirklich nur ganz selten deutsche Bücher empfohlen O_o

  2. Frau Tonari schreibt:

    Wenn alle in Japan lebenden deutschsprachigen Leser das gleiche Problem haben, wie wäre es dann mit einer Facebook-Gruppe zum Tauschen? Oder einer Blogrubrik, in der der Verleih untereinander angekurbelt wird?

  3. hanna schreibt:

    Wollte ich auch gerade vorschlagen 😉 wie waere es mit einer Buecher-Tauschgruppe fuer in Tokyo lebende Deutsche? (Das schlage ich jetzt mal nicht ganz uneigennuetzig vor XD)

    • nagarazoku schreibt:

      Ich werd mir die nächsten Tage mal Gedanken machen, wie man so was aufziehen könnte! 😀

    • nagarazoku schreibt:

      Ich hab mal eine Gruppe bei FB erstellt unter dem Namen „Büchertausch in Japan“. Ich hab noch keine Ahnung, wie man das aufziehen könnte, aber vielleicht kommen wir ja mit allen Interessierten zusammen auf ein paar gute Ideen 😉

  4. Anika schreibt:

    Bin auch beim Büchertausch dabei!
    Habe aber grade letztens Bücher an die JDG Bibliothek gespendet, jetzt ist mein Regal wieder etwas leerer..
    Meine Mutter schickt mir ab und zu mal 2kg Pakete und legt ein Buch dazu. Bis 500g kann man auch noch als Brief schicken, das kostet dann nur 7€ oder so..
    Ansonsten auch hier… Kindle oder direkt von Amazon schicken lassen. Allerdings habe ich auch noch ein deutsches Konto auf das Geburtstagsgeld und Co. überwiesen wird.

    • nagarazoku schreibt:

      Ich hab eine Gruppe bei FB erstellt und musste aber mindestens einen Kontakt angeben, den ich hinzufügen wollte, also habe ich mal dreist doch genommen ^^; Ich hoffe, das geht in Ordnung 😉 Hab noch keine Ahnung, wie man das aufziehen könnte, aber vielleicht können wir ja mit allen Interessierten zusammen was auskaspern 😉

  5. Frau Tonari schreibt:

    Danke für den Link.
    Den habe ich unserer Freundin in Hiroshima gerade geschickt. Vielleicht mag sie ja mitmachen.

  6. Tabea schreibt:

    Die OAG Tokyo hat eine tolle grosse Bücherkiste, wo man sich immer welche mitnehmen und auch reinlegen kann. Sehr zu empfehlen! 🙂

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