[Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Schrein- und Tempel-Overload?

(Den Philosophenweg entlang Teil 1 und Teil 2)

Am anderen Ende des Philosophenweges erwartet einen der Silber-Pavillon. Eigentlich heißt er jishōji 慈照寺, aber so richtig kennen ihn alle nur als den ginkakuji 銀閣寺. Ist auch viel einfacher auszusprechen 😛

Anders als beim Goldenen Pavillon erschließt sich beim ersten Anblick jedoch nicht unbedingt, wo das „Silber“ im Namen herkommt.

Oder bin ich farbenblind? Aber nein, Wikipedia weiß Rat: Der Goldene Pavillon wurde errichtet vom Großvater des shōgun, der für den Silber-Pavillon verantwortlich ist, und der Name damit eine Hommage an das Andenken seines Großvaters. Beide Tempel wurden damals als Ruhesitz errichtet und gehören heute zur rinzaishū 臨済宗 des Zen-Buddhismus. Das kennen wir doch irgendwo her?

Der ginkakuji steht natürlich auf der Liste beinahe aller Touristen, die nach Kyōto kommen. Dementsprechend voll war es hier dann auch. Nachdem wir den Philosophenpfad fast komplett für uns hatten, gefiel uns das nicht unbedingt ^^; Trotzdem wusste der Garten des Tempels erneut zu beeindrucken. Bekannt ist er einmal für den gishadan 銀沙灘, den „See des Silbersandes“, …

… sowie für die kōgetsudai 向月台, die „Mondschauplattform“ …

… welche beide einen sehr schönen Kontrast zum dunklen Pavillon bilden. Durch den Garten hindurch zieht sich ein Weg, auf dem man einmal das gesamte Gelände abspazieren kann.

Blick auf das Gelände

Hier sogar mal mit Erklärung, wo was auf dem shuin steht

Natürlich gab es auch wieder einen shuin 朱印 für meine stetig wachsende Sammlung ( ̄▽ ̄) Ich bat den Herren im allerhöflichsten Japanisch um den Stempel, beantwortete alle seine auf Japanisch gestellten Fragen auf Japanisch, warf noch ein 「よろしくお願いいたします」 – ein sehr höfliches „pretty please“ – hinterher und bekam dann auf English gesagt „You go now look at temple and come back here, then stamp done!“ Ich … verstehe dieses Volk manchmal nicht.

Hatten wir danach genug von Schreinen und Tempel? Ein wenig schon. Es war auch bereits nach 17 Uhr – die Sonne verabschiedete sich langsam und wir wollten ja ein wenig was von unserem ryokan haben. Also machten wir uns auf den Rückweg.

Unser ryokan lag etwas außerhalb und wir mussten uns mit einem Bummelzug zu einer Station durchschlagen, an der uns dann der Hotelbus aufsammeln konnte. Der Bummelzug fuhr nur einmal die Stunde und wir hatten ihn gerade verpasst. Was machten wir also, um die Zeit bis zum nächsten Zug zu überbrücken? Richtig, noch einen Schrein angucken 😛 Hatten wir wohl doch noch nicht genug XD

Es ging zum kitano tenmangū 北野天満宮. Bei den Bäumen auf dem Gelände handelt es sich zum Großteil um Pflaumenbäume, und wenn deren Blüten Ende Februar in voller Pracht stehen, wird hier ein Pflaumenblütenfest veranstaltet zu dem geiko und maiko den Gästen Tee servieren. Im Juni hingegen war auf dem Gelände kaum etwas los, es selbst aber einen Blick wert – auch wenn ich natürlich lieber geiko und maiko gesehen hätte T^T

Der Schrein soll beliebt bei Studenten sein, die hier für Erfolg in ihren Prüfungen beten, denn die Gottheit, der der Schrein gewidmet ist, soll damals in ihrem menschlichem Leben ein Gelehrter gewesen sein.

Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, was mit den ema passiert, die man an einem Schrein hinterlässt? Logisch erscheint mir, dass sie nach einer Weile von den miko abgenommen und in einer Zeremonie verbrannt werden. Ansonsten hätte man ja irgendwann keinen Platz mehr, welche aufzuhängen. Am tenmangū bot sich uns allerdings folgender Anblick:

Massen, wirklich Massen an ema an verschiedenen Gestellen in mehreren Lagen übereinander gehangen. Hätte ich ein neues anbringen wollen, ich hätte gar nicht gewusst wo. Man könnte nun also sagen, dass der tenmangū die ema gerne einfach ganz besonders lange hängen lässt, oder dass hier so viele verzweifelte Studenten um die Hilfe der Götter bitten, dass der Schrein mit dem Aufräumen nicht hinterherkommt XD In jedem Fall ein faszinierender Anblick!

Danach waren wir aber wirklich durch und fix und fertig und todmüde und überhaupt. Im Bummelzug konnten wir zum Glück sitzen und der Bus zum ryokan ließ uns auch nicht lange warten.

Ach ja, einen shuin gab es am tenmangū auch – den wohl einfachsten shuin, den ich bisher gestempelt bekomme habe XD

Na ja, können ja nicht nur Pinselvirtuosen unter den Mönchen sein 😛

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7 Antworten zu [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Schrein- und Tempel-Overload?

  1. altesweibsbild schreibt:

    Ohhhhh, ich bin so verliebt in deine Photos ❤

  2. Bommel schreibt:

    Pass uff, Uschi, jetzt kannste mal wat lernen:
    Der Ginkakuji wird so genannt, weil die Tempel „durchnumeriert“ sind. 金 ist die Numero Uno, 銀 ist die Nummer Zwei. Nummer Drei ist vermutlich der ゴミ閣寺 oder so.
    Jahahahaaa, sowas lernt man an der BUHÄSTÄN J-Lehrstätte der Hauptstadt! Ich bring dir auch gern was über unseren Freund Möwenfern bei, falls du mal Lust auf Erholungsurlaub am kleinen Eiland Insel Samenkorn hast.
    HAUSTE!

    • nagarazoku schreibt:

      Boah, wow, bist duuu schlau! Wenn man das bei Herrn Potzblitz so lernt, muss das wohl stimmen, auch wenn das Internet was anderes sagt, aber was weiß das Internet schon?

  3. Michelle schreibt:

    Ich versteh den Mann!! Der hat folgendes gedacht: „So, jetzt hast du mir gezeigt, dass du Japanisch kannst und da kann ich nicht zurückstehen! Ich zeige jetzt, dass ich auch Englisch kann! Jahaa!“ 😀 Er wollte halt auch mal…

    So viele ema! O.O

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