Von Eiskaffee und Eiskaffee

An einen meiner allerersten Kulturschocks hier in Japan kann ich mich noch erinnern, als wäre es gestern gewesen. Unsere Dozentin lud uns zum Abschied ihres Aufenthalts in Japan und damit dem Ende der Unterstützung, die sie uns beim Eingewöhnen in den ersten 2 Wochen hat zukommen lassen, auf einen Kaffee ein. Recht angespannt saßen wir in dem kleinen Café in unserer Runde da und suchten die Karte nach etwas Bekanntem ab.

Da sprang mir das Wort 「アイスコーヒー」(aisu kōhī) – „Eiskaffee“ ins Auge. Und auch noch so billig! Keine 300 Yen (damals weniger als 2 €), wenn ich mich recht erinnere. Toll! Denn auch – oder vielleicht sogar ganz besonders – wenn die Dozentin bezahlt, muss man es finanziell ja nicht übertreiben. Was für ein Schnäppchen! Was ich erwartete hatte, war natürlich das, was ihr hier auf dem linken Bild sehen könnt: Einen zumindest mit Vanilleeis und einer fetten Haube Schlagsahne aufgepeppten Kaffee. Gerne noch einen Schuss Rum oder ein wenig Karamellsirup rein!

Was ich jedoch keine 10 Minuten später vorgesetzt bekam, war das, was ihr hier auf dem rechten Bild sehen könnt: Einen normalen Kaffee mit einem Haufen Eiswürfel drin. Mehr Eiswürfel als Kaffee, hatte ich das Gefühl. Und so lecker wie hier auf dem Bild sah der damals auf gar keinem Fall aus. Ich war nicht die einzige am Tisch, die sich von diesem „Eiskaffee“ überrascht zeigte. Unsere Dozentin hingegen war schon ein alter Japanfuchs und ihr schien an dem Getränk nichts merkwürdig vorzukommen. Ich traute mich dann auch nicht, etwas zu sagen, und schlürfte leise meinen „Eiskaffe“ vor mich hin. Ich hasste jeden Schluck.

Später am Abend befragte ich Google und nein, die Bedienung hatte meine Bestellung nicht versaubeutelt. Japanischer Eiskaffee ist tatsächlich wortwörtlich Kaffee mit Eis drin. Allerdings kein Vanilleeis, sondern Eiswürfel. Und Google brachte auch zutage, dass dieser Unsinn ( 😛 ) aus den USA stammt. Allerdings heißt der dort wohl „Iced Coffee“. Verwirrt mich nur weiter -.-‚

Dass es in Japan eine Art Äquivalent zu dem Eiskaffee gibt, den ich aus Deutschland kenne, lernte ich erst später. コーヒーフロート kōhī furōto heißt dieses Getränk, wobei das „furōto“ vom englischen „to float“ kommt. Wortwörtlich also „ein Kaffee mit was Schwimmendem drin“. Das Schwimmende ist eine Kugel Vanilleeis. Der Rest ist japanischer Eiskaffee, also kalter Kaffee mit Eiswürfeln drin. Ich kann mich auch für dieses Getränk nur bedingt begeistern, weshalb ich selbst auch keinerlei Fotos von beiden Getränken habe, denn nach jeweils einem Fehlschlag habe ich keines von beiden jemals wieder bestellt ^^;

Viel lieber als japanischen Eiskaffee, der, wenn man ihn nicht schnell genug trinkt, zu einem eiskalten Kaffee mit viel zu viel Wasser verkommt, oder den Float-Kaffee habe ich den einfach nur gekühlten Kaffee, den man in Japan an allen Getränkeautomaten bekommt, sobald im Juni die heißen Getränkte durch gekühlte ersetzt werden. Diese Art von Kaffee enthält nämlich keine Eiswürfel, sondern ist einfach ein normaler Kaffee, der auf  im Sommer sehr angenehme Temperatur runtergekühlt wird.

Diese Art von gekühltem Kaffee war allerdings auch etwas, an das ich mich erst gewöhnen musste, und Familie und Freunde in Deutschland verziehen oft angewidert das Näschen, wenn ich ihnen von diesem eiskalten Kaffee vorschwärme. Dabei gibt es, gerade wenn man draußen unterwegs ist, kaum etwas Besseres, um sich zu erfrischen UND sich einen Koffeinschub zuzuführen :3

Also, fassen wir zusammen:

アイスコーヒー aisu kōhī: Kalter Kaffee mit Eiswürfeln drin. Kann mit Zucker und Milch aufgepeppt werden. Schnell trinken, sonst kippt das Verhältnis von Wasser und Kaffee ins Eklige.

コーヒーフロート kōhī furōto: Kalter Kaffee mit Eiswürfeln und einer Kugel Vanilleeis. Manchmal mit Schlagsahne getoppt. Muss meist nicht mehr gesüßt werden durch das Eis, aber auch hier schnell trinken, sonst hat man wieder mehr Wasser als Kaffee.

冷たいコーヒー tsumetai kōhī: Gekühlter Kaffee aus dem Getränkeautomaten. Findet man auch in jedem konbini. Enthält keine Eiswürfel, sondern wird einfach runtergekühlt. Oft schon gesüßt und mit Milch versetzt. Verhältnis von Wasser und Kaffee bleibt immer ideal :3

Und damit hätten wir für heute genug First World Problems gelöst 😛

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5 Antworten zu Von Eiskaffee und Eiskaffee

  1. Michelle schreibt:

    Das ist ganz oft so, dass im Ausland ein Lebensmittel GENAUSO heißt und dann komplett anders ist. Sehr enttäuschend. Aber zeigt ja nur wieder, dass andere Leute anders sind. 🙂

    • nagarazoku schreibt:

      Allerdings, und man hat immer was zu erzählen 😂 Meine französischen Kollegen können sich auch ewig darüber auslassen, warum Crêpes hier in Japan keine richtigen Crêpes sind 😏

      • Michelle schreibt:

        Mei, was ist denn an den Crepes anders? Crepes sind superlecker! O.o Sag nicht, dass die in Japan ganz anders sind. Sonst komm ich da nie hin! 😉

      • nagarazoku schreibt:

        Haha, da ich noch keine echten französischen Crêpes hatte, kann ich da so gar nicht vergleichen, aber den Franzosen ist zu viel Schnickschnack auf den japanischen drauf XD Ich persönlich finde die japanischen Crêpes aber superlecker!!! Nomnomnom, mit custard und Erdbeeren und Bananen und Schokolade und … *.*

  2. Pingback: [Restaurant] The Cafe in Machida | Ein Nagarazoku in Japan

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