[Unterwegs] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (1)

Die tetsugaku no michi 哲学の道, der Philosophenweg, ist besonders im Frühling eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Kyōto und erstreckt sich zwischen dem nanzenji 南禅寺 im Süden und dem ginkakuji 銀閣寺 im Norden. Er wird wohl so genannt, weil der Philosoph Nishida Kitarō 西田幾多郎 hier häufig meditative Spaziergänge machte.

Der Weg führt einen kleinen Fluss entlang und ist rechts und links von unzähligen Kirschblüten gesäumt. Wenn diese im April in voller Blüte stehen, kann man sich dort vor Touristen kaum noch retten. Entlang des Weges führen immer mal wieder Abzweigungen nach links und rechts, auf denen man zu diversen Tempeln und Schreinen gelangen kann. Wir haben uns den eikandō zenrinji 永観堂 禅林寺, den taihō jinja 大豊神社, den hōnen-in 法然院 und am Ende natürlich den Silberpavillon, den ginkakuji 銀閣寺 angeguckt.

Der eikandō zenrinji 永観堂 禅林寺

Dieser Tempel befindet sich nur ein kleines Stück vom nanzenji entfernt und hat einen ebenso beeindruckenden Garten wie dieser. Ich habe Fotos der Anlage im Herbst mit dem wunderschön gefärbten Laub an den Bäumen gesehen – was für ein Anblick! Aber auch so im Sommer mit viel Grün war es das zweite Highlight unserer Tour – bestimmt auch, weil hier die Touristen ebenso dünn gesät waren wie am nanzenji 😛

Ohne Frage ist natürlich auch dieser dem Buddhismus geweiht und ist Hauptsitz einer Zweiglehre des jōdoshu 浄土宗 – und mehr weiß ich über Buddhismus leider nicht XD Die Gebäude wurden in privater Ambition im Jahr 853 errichtet, und da man damals noch keine privaten Tempel bauen durfte, erst 10 Jahre später als Tempel anerkannt.

Auf dem Gelände finden sich mehrere Gebäude, die durch Holzkorridore miteinander verbunden sind. Man muss daher beim Betreten seine Schuhe ausziehen, aber da fast alles überdacht ist, macht der Besuch so selbst bei Regen Spaß.

Als ein Highlight wird die garyūrō 臥龍廊, die Drachenpassage, angepriesen – ein Holzkorridor, der sich in die Höhe schlängelt und einem das Gefühl verleihen soll, durch einen Drachen hindurchzulaufen. Das kann ich jetzt nicht ganz bestätigen, aber sich im Gang quer durchs Grün zu schlängeln war trotzdem ein interessantes und irgendwie beruhigendes Erlebnis 😀

Sehr interessant fand ich auch einige Zeichnungen am Tempel, die bunter waren, als ich es von religiösen Einrichtungen wie diesen gewohnt bin.

Ein Großteil der Anlage bestand wieder aus einem traditionellen und sehr schön hergerichteten Garten mit einem großen Teich im Zentrum.

Auf den Fotos lässt sich erahnen, wie beeindruckend der Anblick im goldenen Herbst sein muss.

Zudem gab es ein paar kleine Schreine auf der Tempelanlage, die unterschiedlichen Gottheiten gewidmet waren – in Japan übrigens nichts Seltenes, auch wenn Schreine und Tempel heute zu jeweils anderen Religionen gehören.

Der Tempel ist wohl zudem auch berühmt für seine Amida-Statue, die anders als sonstige Amida-Statuen verstohlen über ihre Schulter blickt – der Rest guckt wohl einfach nur geradeaus. Ich Kulturbanause wusste natürlich nicht, was für ein besonderes Exemplar ich da vor mir stehen habe und habe überhaupt gar kein Foto gemacht 😛 Persönlich finde ich die Gärten spannender!

Natürlich kam ich nicht umhin, mir in mein neues shuinchō 朱印帳, das ich mir hier am eikandō besorgt habe, gleich noch einen shuin stempeln zu lassen. Ich wollte mir erst eins am nanzenji holen, die Designs haben mir jedoch nicht gefallen. Dort gab es die shuin allerdings sowieso nur als Sticker zum Mitnehmen und Einkleben. In mancherlei Hinsicht haben sich einige shuin echt in etwas abstruse Richtungen entwickelt, aber für diesen Tag hat es mir persönlich sehr in den Kram gepasst.

Da frisch gestempelte shuin abfärben, wird einem häufig ein Stück Pergamentpapier zwischen die Seiten gelegt. Normalerweise ist es einfach nur weiß, aber dieses hatte das Bild der Amida, für die der eikandō so bekannt ist, aufgedruckt.

Und damit komme ich für diesen Beitrag mal zum Ende. Teil 2 folgt … demnächst irgendwann 😛

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4 Antworten zu [Unterwegs] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (1)

  1. Kitty schreibt:

    wow, super tolle bilder und sehr umfangreich beschrieben! ich muss dringend nochmal mehr zeit in kyoto verbringen, es ist wirklich soooo schön dort, wie du auch so gut eingefangen hast – und klar, es ist ruhiger und ganz anders als tokyo 😉 könntest du dir vorstellen, länger (zu jeder jahreszeit! ^_^) dort zu wohnen?

    • nagarazoku schreibt:

      Auf jeden Fall! Obwohl ich von Leuten, die dort gewohnt haben, viel abschreckendes gehört habe XD So seien die Winter noch kälter und die Sommer noch viel, viel schwüler als in Kantō, und die ganzen historischen Anlagen und Wege und co. würden es zu einem pain in the ass machen sich in der Stadt voranzubewegen ^.^; Trotzdem reizt mich Kyōto als Wohnort, zumal die Leute dort auch ganz anders sein sollen als in Tōkyō, und diese Erfahrung würde ich schon gerne mal machen. Für meinen 2. Ausstausch nach Japan hatte ich eigentlich Kyōto im Auge, aber es gab keine Uni mit meiner Ausrichtung dort in unserem Programm. Und Arbeit findet man leider fast ausschließlich in Tōkyō, deshalb sehe ich mich hier in naher Zukunft erstmal nicht wegziehen -.-‚

  2. Pingback: [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Den Philosophenweg entlang (2) | Ein Nagarazoku in Japan

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