Ein Besuch im ryokan

Wer nach Japan kommt, sollte unbedingt wenigstens eine Nacht in einem ryokan 旅館, einem traditionell japanisch eingerichtetem Hotel, verbringen. Das ist oft nicht nur eine wunderbare Gelegenheit, ein wenig traditionelle japanische Kultur zu erleben, sondern vor allem wahnsinnig entspannend ( ̄▽ ̄)

Für unser Wochenende in Kyōto hat sich Kei ebenfalls für ein ryokan entscheiden. Und zwar für eines der schicksten, in denen ich bisher übernachtet habe. Es lag etwas außerhalb der Stadt und wir mussten uns daher nach dem Sightseeing zu einem Bahnhof durchschlagen, an dem uns der ryokan-eigene Shuttlebus aufsammeln konnte. Dafür war es aber auch unglaublich ruhig in der Umgebung, denn um uns herum gab es nur Reisfelder und Berge :3

Eingang zu unserem ryokan

Betritt man das ryokan, heißt es raus aus den eigenen Schuhen und rein in die bereitgestellten Hausschuhe. Diese sind zum Glück meistens unisex und ich hatte daher noch nie Probleme mit den Schuhgrößen. Dann wird man in sein Zimmer geführt. Die Zimmer sind geräumig und haben einen großen Tisch im Zentrum, an dem abends oft das Essen gereicht wird. Im Anschluss wird der Tisch zur Seite geräumt und weicht einem Set futon 布団 zum Reinkuscheln. Unser Zimmer hatte dieses Mal auch einen kotatsu, einen beheizten Tisch mit Decke, doch leider waren wir außerhalb der Saison da und wir konnten ihn daher nicht benutzen. Das schreit nach einem erneuten Aufenthalt im Winter!

Im Zimmer kann man dann auch in einen bequemen yukata 浴衣 wechseln. Die kommen ebenfalls meist in unisex und ich hatte daher auch hier noch nie Probleme mit der Größe. Der yukata verleiht dem ganzen noch mal das Ticken extra an Atmosphäre, finde ich. Übrigens: Linke Seite ÜBER der rechten bitte, andersherum tragen es nur Verstorbene. Es lässt sich ganz einfach merken, wenn man daran denkt, dass Japaner früher ihre Wertgegenstände zwischen ihrem kimono und ihrem Untergewand eingeklemmt an ihrer Brust versteckten und es (zumindest für Rechtshänder) einfacher ist, die Wertgegenstände zu verstauen, wenn der kimono links über rechts gefalten ist. In den Ärmeln des yukata lassen sich übrigens auch wunderbar kleine Geldbörsen und Zimmerschlüssel aufbewahren. Das weibliche Hotelpersonal vollführt übrigens fast alle Arbeiten im kimono gekleidet, ohne dass dieser sie behindern würde oder er verrutscht. Faszinierend!

Schon kurz nach unserer Ankunft gab es auch gleich das Abendessen. In den meisten ryokan ist Frühstück und Abendbrot immer inklusive, dafür sind die Preise dann auch etwas höher im Vergleich zu Hotels im westlichen Stil. Wir bekamen das Essen in unserem Zimmer und ruhiger Atmosphäre serviert. Jeder Gang war wunderschön präsentiert, an sich zwar recht klein, da wir aber fast 10 Gänge hatten, war man am Ende trotzdem pappensatt. Die Speisen sind natürlich alle japanische Küche und ändern sich im ryokan oft mit den Jahreszeiten.

  

Eine kleine Auswahl der Speisen, die wir bekamen. Leider ertrage ich den Anblick von ganzen Fischen überhaupt nicht und bin immer froh, wenn Kei dabei ist und kein Problem mit einem Nachschlag Fisch hat ^^;

Und wenn man denn möchte, dann arrangiert das ryokan auch einen Geburtstagskuchen für das Geburtstagskind *.* Mit dem hatte mich Kei echt aus heiterem Himmel überrascht. Ich muss gestrahlt haben wie ein Honigkuchenpferd, als man den Kuchen im Anschluss an das Abendessen in das Zimmer brachte ( ̄▽ ̄) Den halben Kuchen haben wir noch am selben Abend verschlungen, die andere Hälfte gab es nach dem Frühstück am nächsten Morgen – für mich immer eine kleine Rettung, da ich traditionelles japanisches Frühstück vom Magen her nicht allzu gut vertrage und daher immer nur wenig davon esse.

Einen riesengroßen Bereich mit onsen 温泉 hatte unser ryokan selbstverständlich auch.

Das rotenburo – hier hätten locker 10 Leute Platz gehabt! via tremii.com

Wie immer war der onsen-Bereich nach Geschlechtern getrennt – will man als Paar hinein, muss man sich ein Bad reservieren; kashikiri 貸し切り nennt man das. Das taten wir dann auch. Als wir zur uns genannten Zeit an der Rezeption erschienen, um unsere 45 Minuten im onsen zu starten, drückte man uns einen Korb in die Hand, der neben einer Uhr auch eine Taschenlampe und eine Karte enthielt O__o Der Weg bis zum Privat-onsen war etwas weiter und dunkler, als wir erwartet hatten, und abends war er  auch gar nicht so einfach zu finden. Für das rotenburo 露天風呂, wie diese „Außen“-onsen genannte werden, hat es sich aber auch gelohnt. Ich finde, Juni ist genau die richtige Zeit, um diese Art von onsen, die sich inklusive Duschen draußen befindet, zu genießen. Es ist weder zu heiß, um überhaupt ins onsen zu gehen, noch zu kalt, um beim Duschen vorher zu erfrieren. Es schwirren auch noch nicht allzu viele Insekten herum. Zur Zikaden-Zeit im Juli/August stelle ich mir das onsen mit all den Bäumen, die es umgaben, weitaus weniger entspannend vor O___o

Das Wasser im onsen enthält übrigens meist auch gesundheitsfördernde Zusätze. Was auch immer in unserem war, vom Muskelkater, den ich nach der Tour, die wir da am Samstag hingelegt haben, hätte spüren müssen, war nichts übrig. Den gleichen Effekt habe ich mit einem heißen Bad bei uns zu Hause leider nicht erzielen können und am Montag bitterböse unter dem Muskelkater von der Tour am Sonntag gelitten T^T

Nach einem onsen-Besuch kann man dann meistens nichts anderes mehr, als todmüde ins Bett fallen. Das haben wir dann aber auch mit Freuden getan. Die futons waren kuschelweich und von den anderen Gästen hörte man in unserem Zimmer nicht den kleinsten Mucks – gerade in Hotels ist das in Japan durch die typischen dünnen Wände nicht immer gegeben.

Es gab übrigens kein Internet direkt auf den Zimmern, und auch mein Handy wollte sich in der Abgeschiedenheit nicht so richtig mit seinem Internet verbinden. Allerdings gab es kostenloses Internet im Aufenthaltsraum, in den ich mich total gemütlich bei einer Tasse Tee oder Kaffee zurückziehen konnte, um alle Geburtstagsglückwünsche zu beantworten 😉

Einfach an alles gedacht!

Das ryokan war keines der billigen Sorte, und man hat es an allen Enden und Ecken vor allem am Service gemerkt. Ich war von unserem Besuch dort sehr begeistert und würde es in jedem Fall weiterempfehlen. Bei Interesse: すみや亀峰菴. Es gibt auch Zimmer mit eigenem rotenburo, sowie Angebote für Leute, die ausschließlich das onsen nutzen wollen 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Über Japan abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu Ein Besuch im ryokan

  1. Claudia schreibt:

    Oh schöööön ❤ Ich habe bisher nur einmal in einem Ryokan übernachtet und fand es total nett.

    • nagarazoku schreibt:

      Bisher hat mich auch noch kein ryokan enttäuscht – ganz im Gegensatz zu einigen westlichen Hotels! O_o

  2. hanna schreibt:

    Klingt traumhaft ^^ und ab und zu kann man sich das auch mal goennen 😉

  3. altesweibsbild schreibt:

    Genau mein Ding, hab ichs doch gewußt, genau so soll es sein ❤ superschöne
    Bilder und vielen Dank, dass du wieder hemmungslos Essen geknipst hast 😀
    Hach wie schön, ich werde jetzt noch einmal Photos schauen 😉

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!

    • nagarazoku schreibt:

      Freut mich sehr, wenn der Eintrag gefällt – da hab ich gleich immer noch einen Grund mehr, mein Essen zu knipsen XD

      • altesweibsbild schreibt:

        Aber auf jeden Fall, hach das lässt mich doch immer schon etwas schwelgen, selbst wenn die Moneten noch nicht reichen, also immer schön knipsen 😀

        Liebe Grüße ❤

  4. Kitty schreibt:

    das sieht ja wirklich ganz fantastisch aus!! sehr schöne bilder hast du da geschossen! jetzt will ich auch unbedingt wieder in einen ryokan! ^_^

  5. Tabea schreibt:

    Cool, ich glaub jetzt hab ich mir das mit dem Kimono / Yukata tatsächlich gemerkt. ^^

    • nagarazoku schreibt:

      Exzessives Animegucken hat sich in dem Fall mal gelohnt XD Wie oft ich in einem ryokan als Leiche rumgelaufen sein muss, bevor mir das aufgefallen ist O_o

  6. Pingback: [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: Schrein- und Tempel-Overload? | Ein Nagarazoku in Japan

  7. Pingback: [Unterwegs in Japan] Kyōto-Spezial: In Arashiyama | Ein Nagarazoku in Japan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s