[Um uns herum 2.0] Im Sagamihara-Park

Ein Vorurteil, das mir im Bezug auf Japan und besonders Japans Großstädten häufig begegnet, ist, dass es hier keine Grünflächen gäbe. Das geht interessanterweise Hand in Hand mit dem Stereotyp, nach dem alle Japaner unglaublich naturverbunden sein sollen – wie das bitte ohne Natur gehen soll, muss mir doch noch mal einer genauer erklären 😛

Aber es stimmt ja auch nicht: Auch in Japans Großstädten gibt es Natur. Meist in Form von künstlich angelegten Parks. Für wild gewachsene Wälder und sonstiges muss man doch eher raus aufs Land. Dass man bei Parkbesuchen in Japan nicht immer seine deutschen Vorstellungen eines Parks befriedigt bekommt, musste ich inzwischen auch schon etwas enttäuscht feststellen. Aber es gibt ja auch zurück in der Heimat Parks, die mich nicht so aus den Socken hauen.

Nun sind Kei und ich scheinbar endlich aus dem Winterschlaf erwacht und die letzten Wochen richtig unternehmungslustig geworden. Wir sind ja nun inzwischen auch bereits vor exakt einem Jahr hier nach Machida gezogen und haben zu unserer Schande bisher recht wenig von unserer Umgebung erkundet. Das soll sich ändern, und wir nutzten das erste richtig sonnige Wochenende seit WOCHEN, um einen Spaziergang durch den Sagamihara-Park 相模原公園 zu machen. Mit dem Fahrrad haben wir von unserer Wohnung aus etwa 30 Minuten dorthin gebraucht. Eine schöne Radtour hatten wir also auch gleich 😀

Der Park erstreckt sich über ein erstaunlich großes Gelände und ist in verschiedene Regionen unterteilt – es scheint für jeden etwas dabei zu sein. Man kann gut einen ganzen Tag auf dem Gelände verbringen, aber da die Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants doch etwas rar gesät waren, sollte man sich besser Essen mitbringen – Getränkeautomaten gab es, wie nicht anders zu erwarten, in Massen 😉

Je nachdem durch welchen der vielen Eingänge man den Park betritt, variiert der Rundgang natürlich ein wenig. Dieser Anblick hier bot sich uns beim Betreten:

Ein paar Schritte weiter standen wir vor einem riesigen Tropenhaus, das ordentlich was hermachte. Da es aber Eintritt kostete und das Wetter draußen einfach zu schön war, haben wir es dieses Mal ausgelassen. An etwas kälteren Tagen ist es aber bestimmt eine schöne Station zum zwischendurch Aufwärmen 😉

Sehr schön fand ich auch den im europäischen Stil gehaltenen Bereich des Parks. Ich hab ja von so was nicht unbedingt viel Ahnung, aber es erinnerte mich sehr an Bilder, die man vom Park des Schlosses Versailles sieht. Ein langer gerader Weg, an den Seiten von meterhohen, dichten Bäumen gesäumt, und in der Mitte ein Wasserweg mit unzählig vielen Springbrunnen. Sehr schön *.* Am Rand des Weges standen zahlreiche Bänke, und obwohl der Park gut besucht war, fanden Kei und ich ein schönes Plätzchen, an dem wir unsere onigiri verputzen und ein wenig in der Sonne faulenzen konnten.

Ein wenig versteckt im Park gab es auch ein kleines Teehaus … Sagt man dazu immer noch „Haus“, wenn es unter freiem Himmel ist? XD Man konnte sich köstlichen matcha-Tee in schicker Teeschale und dazu eine japanische Süßigkeit im Set kaufen und auf den mit tatami ausgekleideten und Sitzkissen bestückten Bänken wunderbar entspannen. Äh, ja, ich war verfressen und hab vergessen ein Photo von dem schön Arrangement zu machen m・.・m

Überall gab es diese kleinen Oasen der Entspannung, und weil der Park so unglaublich groß ist, waren all die Besucher gut verteilt und man hatte nie das Gefühl, es wäre voll oder man wäre beengt, wie ich es doch manchmal in anderen Parks in Japan habe.

Selbst über den kleinen Tierpark kann ich mich einigermaßen positiv äußern – und das will in Japan schon was heißen! Die meisten Tiere hatten schön große Gehege und konnten sich sogar zwischen einem Außen- und einem Innenbereich hin- und herbewegen.

Und das auf dem Photo hier oben muss der wohl artgerechteste Streifenhörnchenkäfig sein, den ich je in einem Tierpark in Japan gesehen habe! Zwei große Gehege, die durch eine Klettermöglichkeit verbunden sind, und in jedem Käfig ein fetter Baumstamm zum Hochklettern. Dazu ordentlich Platz und Tiefe zum Buddeln und viele Häuschen zum Verstecken. Bei Streifenhörnchen wird ja, wie z.B. bei Hamstern auch, durch ihre kleine Größe oft fälschlicherweise angenommen, sie würden nicht so viel Platz brauchen, aber das ist ein großer Irrtum und ich habe schon viel zu oft den Anblick von bewegungsfreudigen Fellbällchen in erschreckend kleinen Käfigen ertragen müssen T^T

Minipferde gab es auch. Fast alle umstehenden Japaner schienen zu glauben, das wären Fohlen XD Da musste ich sehr lachen, wo doch alle Pferde einen großen Steckzettel mit Altersangabe hatten; das kleine Kerlchen hier ist schon 10 XD

Wir fanden auf einem abgelegenen Weg noch einen gut versteckten, ziemlich alt wirkenden Schrein, an dem echt keine Menschenseele außer uns war.

Der gepflegte Zustand des Schreins und ein paar Gerätschaften zeigten aber, dass zumindest ab und an jemand zum Saubermachen vorbeikommt 😉 Aber hach, es war wunderbar ruhig dort *.*

Von den Photos her mag es gar nicht so wirken, aber wir sind viel, viel gelaufen und haben sehr viel gesehen.

Mein persönliches Highlight:

Hunde überall!!! (Es waren nicht alle angebunden, aber die Hunde, die gerade Action auf dem Hundespielplatz hingelegt haben, waren schwer zu fotografieren 😛 )

Keis Highlight:

Eine Katze, sie sich in aller Ruhe auf dem Fahrrad eines älteren Herren rumkutschieren ließ XD Ach ja, das wird noch mal eine nette Diskussion zwischen der Hundfanatikerin und dem Katzen-Otaku, wenn wir uns mal etwas Größeres zulegen wollen, als einen Hamster 😛

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