Von versteckten Kosten

Es gibt da eine Sache, die ich gestehen muss: Ich arbeite in Shinjuku, ich gehe dort in der Gegend jeden Tag irgendwo zum Lunch mit meinen Kollegen, ich treffe mich ab und zu mit Freunden zum Abendessen dort,  aber wenn mich jemand um eine Restaurantempfehlung bittet, ist mein Kopf absolut blank. Ich kann mich an kein einziges Restaurant erinnern, in dem ich mal gewesen bin, und wenn doch, weiß ich weder Name noch Ort, so dass es auf das Gleiche hinausläuft XD

Will ich mich also mit Freunden zum Abendessen treffen und übernehme die Wahl des Restaurants, dann bleiben mir nur Recherche auf Tabelog und Orientierung per Google Maps. So stolperte ich auch über das LIME in Shinjuku. Die Homepage versprach gehobene Atmosphäre, die Kundenreviews auf Tabelog und Co. waren durchweg positiv, warum also nicht? Und versteht mich nicht falsch, das Restaurant hat was! Die Atmosphäre war wirklich etwas Besonderes und der Service bis auf eine kleine Verwechslung in der Bestellung, die aber schnell behoben war, sehr zuvorkommend. Auch das Essen war lecker. Sehr viel frisches Gemüse, viele Meeresfrüchte und wenig Fett, sehr sapparishita さっぱりした, wie man in Japan so sagt. Alles nicht billig, die Portionen auch nicht riesig, aber damit hatten wir gerechnet. Die Cocktails waren sehr lecker und man hatte eine große Auswahl an interessanten Fruchtcocktails mit z.B. Kiwi, auf die ich total stand. Am Ende waren wir angenehm satt, nicht zum Bersten gefüllt, ein Eis oder so hätte noch gepasst. Vielleicht also genau richtig.

Was uns dann am Ende jedoch ein wenig aufstieß, waren zwei Posten auf unserer Rechnung: チャーム chāmu und アクアリウムチャージ akuarium chāji.

Kommen wir zum ersten Posten: チャーム. Ich weiß, dass es Gang und Gäbe in den beliebten Vierteln Tōkyōs ist, dass man zum Abend hin eine Art Sitzgebühr bezahlt. Sie kommt in Form eines kleinen Salats oder anderen Snacks vor dem bestellten Essen. Ich weiß es, aber ich hasse es! Was soll der Scheiß? Ihr verdient an so einem Abend mehr als genug an mir, muss das da echt noch sein? 540 Yen pro Person in diesem Restaurant. Das sind 4 € pro Person, nur um sich hinsetzen und einen Minisalat essen zu dürfen, den man gar nicht haben will!

Der zweite Posten, アクアリウムチャージ, schmiss mich dann aber fast aus meinen Latschen. Zuerst schauten wir nicht richtig hin und sahen nur das アクア, die japanische Umschrift für Aqua. Mussten wir etwa unser Leitungswasser bezahlen? Davon habe ich ja in Japan noch nie was gehört, und doch schien es gerade für Shinjuku im Bereich des Möglichen zu liegen. Wir schauten genauer hin. Nein, wir mussten nicht für unser Leitungswasser bezahlen. Der Posten war eine Aquariumsgebühr. Ja, ihr lest richtig, eine AQUARIUMSgebühr in einem AQUARIUMSrestaurant. 200 Yen. Das sind umgerechnet zwar nur etwa 1 € pro Person, aber zusammen mit der ersten Gebühr sind wir schon bei 10 € für zwei Personen, nur um das Restaurant betreten und Platz nehmen zu dürfen! O_o Dafür kann ich in anderen Restaurants schon ein ganzes Essen bezahlen! Das finde ich doch dann sehr krass! In einem Aquariumsrestaurant sollten die Aquarien und auch die Sitzplätze keine Extras sein, die ich bezahlen muss. Zumal wir nicht mal neben einem Aquarium saßen! Meine Begleiterin hatte ein Aquarium im Rücken und den ganzen Abend gar nichts davon!

So hatte dieser Besuch einen wirklich faden Nachgeschmack. Und das ist doch so schade! Hätte dieser Hinweis irgendwo auf der Homepage gestanden oder hätte man uns das wenigstens beim Überreichen der Speisekarten mitgeteilt, dann hätten wir uns wahrscheinlich weniger abgezockt gefühlt. Versteckte Kosten machen einem immer irgendwie ein schlechtes Gefühl. Ist man auf diese zusätzlichen Kosten vorbereitet, kann man da mit einer ganz anderen Einstellung rangehen. Man hatte die Chance, sich zu entscheiden, ob man mit diesen Kosten leben kann oder nicht. Doch wir konnten so nur noch diskutieren, mussten am Ende trotzdem zahlen und ein schöner Abend war irgendwie versaut. Wirklich, wirklich schade!

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7 Antworten zu Von versteckten Kosten

  1. Claudia schreibt:

    Moment, du arbeitest in Shinjuku? Dann müssen wir uns wirklich mal zusammensetzen, jobtechnisch… (Irgendwie ging ich davon aus dass du eher in Richtung Yokohama arbeitest)

  2. altesweibsbild schreibt:

    …was es nicht alles gibt…liebe Grüße!

  3. Michelle schreibt:

    In südeuropäischen Ländern kann es einem passieren, dass auf der Rechnung auf einmal der Posten „Besteck“ auftaucht. Man bezahlt für das Besteck extra! Finden die da ganz logisch. Eigenes Besteck darf man aber nicht mitbringen… das soll nun einer verstehen.

    • nagarazoku schreibt:

      Wat, jetzt im ernst??? O_o Obwohl, meine Mutter erzählt mir, dass sie in Paris eine Veranda-Gebühr bezahlen musste, als sie mit Papa einen Kaffee trinken war, und da wurden sie auch nicht vorgewarnt und da tauchte der Posten dann auf einmal auf der Rechnung auf. Und wohl auch nicht gerade wenig!

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