[Feiertage] Setsubun: Heißen wir den Frühling willkommen!

Um den 04. Februar herum – der genaue Tag variiert von Jahr zu Jahr, für 2015 ist es der 03.02. – feiert man in Japan setsubun 節分. Wortwörtlich übersetzt bedeutet setsubun „Trennung der Jahreszeiten“ und bezeichnet den Tag vor dem offiziellen Frühlingsbeginn. Frühling? Im Februar? Ja, nach dem Schneefall letzte Woche bin ich da auch sehr skeptisch.

Ursprünglich jedoch bezeichnete setsubun den Beginn des neuen Jahres nach dem Mondkalender. In China z.B. wird der Jahreswechsel immer noch an einem Neumond zwischen Januar und Februar gefeiert, auch wenn man inzwischen zum gregorianischen Kalender gewechselt hat.

In den meisten Kulturen ist der Jahreswechsel mit Traditionen zur Vertreibung von bösen Geistern verbunden. Der europäische Brauch, zu Silvester Feuerwerk steigen zu lassen, basiert wohl auch auf dem Versuch, mit besonders viel Krach den bösen Geistern Angst einzujagen. Den gleichen Ursprung haben die Traditionen und Bräuche, denen in Japan zu setsubun nachgegangen wird. Natürlich gibt es nicht nur von Region zu Region, sondern auch von Familie zu Familie Unterschiede. Die geläufigsten Bräuche sind ganz wunderbar auf diesem absolut genialen Bild vereint:

Was haben wir da also?

Mame maki 豆まき bezeichnet den Akt der Vertreibung böser Geister und Dämonen aus den eigenen vier Wänden. Und womit vertreibt man diese in Japan zu setsubun? Mit gerösteten Sojabohnen!

Schon im Januar kann man in den Supermärkten Packungen mit Sojabohnen kaufen, von denen einige sogar als Gimmick eine Dämonen-Maske enthalten. Mit der kann sich ein Familienmitglied, meistens der Vater, als oni 鬼, als Dämon verkleiden und wird dann mit den Sojabohnen beworfen. Man kann die Bohnen aber auch einfach so quer durch die Wohnung/durch das Haus oder auch vor den Eingang werfen. Beim Werfen sagt man 「鬼は外!福は内」, 「oni wa soto! fuku wa uchi!」, „Die Dämonen raus, das Glück aber rein!“ – laut Kei gibt es aber auch hier wieder regionale Unterschiede. Setsubun ist kein gesetzlicher Feiertag und fällt er auf einen Wochentag, muss der normale Japaner arbeiten. In dem Fall warten die meisten Familien mit diesem Ritual bis spät abends, damit alle Zuhause und in den Wunsch nach Glück für die Familie mit eingeschlossen sind.

Im Anschluss isst jeder die seines Alters entsprechende Anzahl an Sojabohnen aus den noch in der Wurfschake verbliebenen Sojabohnen. In einigen Regionen/Familien ist es die Anzahl des Alters plus 1, um für Glück im nächsten Lebensjahr zu bitten. Von dieser Tradition bin ich jetzt eher weniger der Fan, denn ich hasse diese getrockneten Bohnen und mit jedem Jahr soll ich eine mehr davon essen O_o

Die Deko, die ihr oben auf dem Katzenbild sehen könnt, wird hiirahi iwashi 柊鰯 genannt und ist der Kopf eine Sardine auf einen Stechpalmenzweig gesteckt. Bestimmt hat das auch was mit Glück oder mit Dämonenvertreibung zu tun, aber das kommt mir ganz sicher nicht in oder vor den Hauseingang! Kei kannte diese Deko übrigens gar nicht, vielleicht ist das hier eine wenig oder nur regional verbreitete Tradition. Wie die Weihnachtsgurke, die wir Deutschen angeblich in unseren Weihnachtsbaum hängen 😛

Als traditionelles Essen zu setsubun hat sich die ehōmaki 恵方巻き etabliert, eine recht große Sushirolle, die mit eher ungewöhnlichen Zutaten wie shiitake gefüllt ist. Die Vermarktung der ehōmaki zu setsubun geht auf eine Werbekampagne von Seven Eleven aus den 90er Jahren zurück, davor war sie wohl nur in Ōsaka bekannt. Man isst sie zu setsubun in die in diesem Jahr Glück bringende Richtung gewandt (= die Richtung des chinesischen Tierkreiszeichens in dem das Jahr steht). Für 2015 ist es wohl Westsüdwest und nein, ich habe absolut keine Ahnung, in welche Richtung das ist und frage mich immer, ob alle Japaner Zuhause einen Kompass für diesen Tag haben. Außerdem soll man sie an einem Stück ohne abzusetzen essen und zwischendurch auch nicht reden. Und man soll wohl an das denken, was man sich für dieses Jahr wünscht.

Auch die Schreine und Tempel in Japan lassen es sich nicht nehmen, zu setsubun Rituale zu veranstalten. Leider fiel der Tag, wenn ich in Japan war, wirklich immer auf einen Wochentag und ich habe es daher noch nie geschafft, an so einem setsubun-Fest mal teilzunehmen T^T Irgendwann mal …

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8 Antworten zu [Feiertage] Setsubun: Heißen wir den Frühling willkommen!

  1. Claudia schreibt:

    Bei uns ist es „鬼は外、福は内!“ 🙂

  2. Claudia schreibt:

    Was mir grad noch einfällt: Im iPhone App Store war tatsächlich eines der meistgesuchten Stichworte gestern 西南西 😀 Hat wohl so einigen Leuten Kopfzerbrechen bereitet.

  3. Michelle schreibt:

    Das Bild ist echt genial! Tolle Katzenfamilie! Jeder hat wen gefunden, mit dem er sein Ding durchziehen kann, feine Sache.
    Ich will jetzt ein ehomaki haben. Mit Shiitake, wie geil is das denn! Nom.

    • nagarazoku schreibt:

      Nee? Ich hab nach setsubun-Bildern gegoogelt und da poppte das auf und ich war ja gleich os begeistert! Ich hätte ja auch gerne einen Haufen Katzen zum setsubun-Feiern hier gehabt XD

      Ehomaki sind echt mein Highlight an diesem Tag! Dieses Jahr hat uns die Kollegin meines Mannes ein paar gemacht, mit total köstlichen Zutaten wie echtem (!) Krebsfleisch! *.*

  4. nagarazoku schreibt:

    Hat dies auf Ein Nagarazoku in Japan rebloggt und kommentierte:

     photo d006c624-292e-4363-b7ae-e95da87997da_zpsnn7n69wx.jpg

    Heute wird in Japan setsubun 節分 gefeiert, und da mein Blogpost von letztem Jahr eigentlich alles, was man über diesen Tag wissen muss, gut zusammenfasst, reposte ich ihn einfach mal 😉

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