Schreinbesuch zum neuen Jahr

Wir halten also fest: Silvestertraditionen brauche ich Deutsch, zum 01.01., zum gantan 元旦, bzw. danach – denn der Zeitraum hierfür ist recht flexibel -, kann es gerne japanisch sein.

In Japan spielt das Erste eines Jahres eine große Rolle. Der erste Schreinbesuch, hatsumōde 初詣, der erste Sonnenaufgang, hatsuhinode 初日の出, den ich immer verpasse, weil ich danoch schlafe, der erste Traum, hatsuyume 初夢, der erste Grabbesuch, das erste Familienessen (haben wir dieses Jahr verpasst, weil wir ja in Deutschland waren) …

Kei hat dieses Jahr den Zama-Schrein 座間神社, für unser hatsumōde rausgesucht, weil er eine Gottheit beherbergt, die Eheglück bringen soll (*^.^*)

Der Schrein liegt übrigens keine 10 Meter von der amerikanischen Base in Zama entfernt O_o Da wir am Wochenende teilweise stundenlang die Kampfflieger über unseren Köpfen ertragen müssen, war ich davon zu Anfang nicht so angetan, aber in Zama selbst waren lustigerweise kaum welche unterwegs.

So konnten wir also in Ruhe beten,

unser ema 絵馬, ein Holztäfelchen, auf das man sein Gebet oder seinen Wunsch schreibt, hinterlassen,

Glücksbringer, omamori お守り, kaufen – ich einen für Genesung nach einer Verletzung – und unsere Weissagungen, omikuji 御神籤, für das neue Jahr ziehen. Wir hatten beide nur „kleines Glück“ und hinterließen die Zettelchen daher am Schrein.

Ich finde diesen ganzen hatsumōde-Prozess, bei dem man sich, wenn man z.B. noch ein Ritual mitmacht, bis zu einer Stunde auf dem Schreingelände aufhalten kann, sehr beruhigend 😀

Was ich mir dieses Jahr auch endlich zugelegt habe:

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Ein shuinchō 朱印帳, ein Stempelbuch, für das mir wadoku u.a. die Übersetzung „Pilgerbuch“ vorschlägt. Und das ist auch gar nicht unpassend, denn ursprünglich ist es ein Buch, in dem die Pilger in Japan die Stempel der von ihnen besuchten Schreine und Tempel sammeln. Seit ich diesen Beitrag hier auf zoomingjapan gelesen habe, wollte ich auch so eins. Ein wenig ärgere ich mich, dass ich erst jetzt davon erfahre, denn ich war in meiner Zeit in Japan besonders zu Anfang an so vielen Schreinen und Tempeln, dass ich bestimmt schon drei Bücher zusammen hätte. Aber gut, was nicht ist, kann ja noch werden und das gibt mir einen Grund, alle Tempel und Schreine noch mal zu besuchen 😛

DSC02026_zpsyhy4vbyvDie Bücher bestehen übrigens aus festem Papier, das sich ohne Probleme beidseitig bestempeln lässt. Sie kosten meist 1000 Yen (rund 7 €), und jeder Schrein und Tempel, der sie verkauft, hat seine eigenen Designs. Ich habe für 200 Yen (rund 1,50 €) noch ein Plastikcover dazugekauft, damit mir ein überraschender Regenguss die Stempel nicht versaut.

Und die Stempel sehen dann so aus:

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(Ich hab leider bisher nur einen)

Sie kosten meist zwischen 200 – 300 Yen (zwischen 1,50 – 2,00 €), aber ich habe bei meiner Recherche auch von Preisen zwischen 500 – 1000 Yen (zwischen 3,50 – 7,00 €) gelesen. Bei z.B. doppelseitigen kann ich einen etwas teureren Preis dann auch nachvollziehen.

Es gibt zudem Tempel und Schreine, die ihre Stempel ausschließlich an Pilger vergeben, die die entsprechende Pilgerkleidung tragen. Sollte man sich also extra nur für einen bestimmten Stempel auf den Weg machen, sollte man sich eventuell vorher erkundigen, ob man diesen auch erhalten kann.

Zusätzlich zu dem roten Stempel fügt der Schrein- bzw. Tempelmitarbeiter (meist, aber nicht immer Mönch oder Priester) mit schwarzer Tusche noch den Namen des Tempels bzw. Schreins und das Datum des Besuchs hinzu.

Zoomingjapan schrieb, dass viele Japaner das Buch am Ende mit in ihr Grab nehmen (wollen). So eine Art Reisepass für das Jenseits? Da Kei bei so was absolut ignorant ist, konnte er mir dazu nichts erzählen 😛 Klingt auf jeden Fall nach einer schönen Tradition. Ich selbst bin zwar nicht religiös, aber wäre ich es, würde meine Wahl wohl auf eine der pragmatischeren Religionen fallen, wie sie Buddhismus und Shintoismus in Japan sind 😉

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15 Antworten zu Schreinbesuch zum neuen Jahr

  1. zoomingjapan schreibt:

    Ich hätte mir auch gewünscht, ich hätte schon früher davon gewusst. ^^
    Mittlerweile hab ich 4 Bücher oder so voll, aber es wäre mehr als doppelt so viel, hätte ich das von Anfang an gewusst. *g*

    Aber besser spät als nie! 😉

    • nagarazoku schreibt:

      Uuuh, 4 Bücher, das ist eine beeindruckende Sammlung 😀 Gibt es denn irgendwelche Tempel, von denen du die Stempel ganz besonders empfehlen kannst? XD

      • zoomingjapan schreibt:

        Nö, eigentlich nicht.
        Persönlich mag ich natürlich die von Tempeln / Schreinen, die etwas weiter weg vom Schlag sind. Das ist dann immer nochmal was besonderes. *g*

      • nagarazoku schreibt:

        Ah ja, das kann ich mir vorstellen 😀 Und du bist ja auch schon so viel rumgekommen in Japan! Mal schauen, welcher mein Stempel aus dem abgelegenstem Schrein oder Tempel wird XD

  2. altesweibsbild schreibt:

    Vielen Dank für die Info, obwohl ich bereits seeehr viele
    Bücher gelesen habe, war noch nie die Rede von diesen
    Büchern. Also ein Punkt mehr auf meiner to-do Liste
    für mein Japan Abenteuer.
    Liebe Grüße!

    • nagarazoku schreibt:

      Danke, es freut mich sehr, dass ich da noch ein wenig Inspiration liefern konnte 😀 Wann soll das Abenteuer denn losgehen?

      • altesweibsbild schreibt:

        Am liebsten SOFORT, aber leider leider gibt der schnöde Mammon wie häufig die Bremse. Da muss ich doch noch eine Weile sparen, für drei Personen mit unseren Wünschen für vier Wochen, oha, das wird nicht billig.
        Aber ich habe, wie mit dem sparen, bereits vor Jahren eine to-do Liste angelegt,
        mit allem was mir wichtig erscheint, gerne auch abseits von Touri-Pfaden, Insidertips etc.pp und da stehst nun auch du drauf mit dem Pilger-Buch 🙂

      • nagarazoku schreibt:

        Oh ja, Urlaub ist schon kostspieglig, aber auf jeden Fall jeden Cent wert 😀 Da freue ich mich doch jetzt aber, dass ich es auf die To-Do-Liste geschafft habe XD

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