[Damals und Heute] Silvesterwirrwarr

Also deutsches Weihnachten gefällt mir doch wesentlich besser als das japanische. Aber zu Silvester wäre ich dann doch gern wieder in Japan. Da war es so schön ruhig 😉 “ ,

schrieb das Nagarazoku da im Dezember 2008 auf ihrem Blog. Das kann ich inzwischen nicht mehr so stehen lassen.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich zu Silvester 2008 nicht viel Spaß hatte. Das lag zum Großteil aber daran, dass ich mich mit Kei in unserem ersten Jahr Fernbeziehung befand, und zu dem Zeitpunkt sah Silvester 2007, das ich zusammen mit ihm verbringen konnte, einfach so viel schöner aus.

Jetzt kann ich sagen: Silvestertraditionen brauche ich Deutsch, zum 01.01., zum 元旦 gantan, kann es gerne japanisch sein. Denn was ich die letzten Male, die ich den Jahreswechsel in Japan verbrachte, gemerkt habe: Er ist mir zu unspektakulär. Am 31.12. passiert quasi nichts. Die Familie kommt abends zusammen, futtert und guckt fern. Na, das ist ja mal originell, das machen wir ja in der Familie sonst nie -.-‚ Man kann zwar auch zu einem Schrein gehen, aber erstens ist es dort schweinekalt und zweitens hatten die Schreine, an denen ich die letzten Male war, nicht mal einen Countdown und ich hätte fast Mitternacht verpasst! Keis Eltern gehen am 31.12. oft sogar vor 12 Uhr ins Bett, so spektakulär ist der Tag für sie O_o

Wenn man Silvester mit Feuerwerk und lauter Rasselbande gewohnt ist, kann einem das dann sehr langweilig vorkommen. Ich weiß noch, dass das Jahr 2011 damals für mich erst richtig angefangen hat, als meine Mutter mich zu Mitternacht deutscher Zeit mit Handy und Skype zum Knallen mit nach draußen nahm (denn in Japan haben wir ja 8 Stunden Vorlauf). Die letzten zwei Silvester war dann Kei auch in Berlin und konnte mit uns feiern, und siehe da, ich stellte fest: bei Silvestertraditionen bevorzuge ich die meiner deutschen Familie. Ich war also mehr als glücklich, dass ich dank home leave auch Silvester 2014 Zuhause verbringen konnte. Denn dort hatte ich alles, was ich zum Jahreswechsel brauche:

Pfannkuchen, …

… Kartoffelsalat und Würstchen, …

… „Der Silvesterpunsch“, „Dinner for One“ und „Die 12 Monate“, …

… Feuerwerk …

… und was zu flauschen!!!

Na ja, bis auf das Feuerwerk also futtern und fernsehen wie in Japan auch 😛 Das Feuerwerk macht den Unterschied! UND dass man mir weder eine dämliche japanische Comedy-Sendung*, noch 紅白歌合戦** und auch kein ジャニーズ***-Silvesterspecial aufdrücken konnte!

* Ich stehe sowieso schon nicht auf japanische Comedy, aber am Silvesterabend wird da an Geschmacklosigkeiten ausgepackt, was man sich einfallen lassen kann. Und ich rede hier nicht nur von unlustig. Ich rede von fahrlässig bis gefährlich und immer bloßstellend für einen der Betroffenen. So viel Ekel, Fremdschämen und Ungläubigkeit empfinde ich selten auf einmal beim Fernsehen.

** kōhaku uta gassen. Wortwörtlich „Rot-weißer Gesangswettstreit“. Dabei treten die beliebtesten Künstler in Pop und Volksmusik (enka 演歌 ) auf zwei Gruppen, rot (die Mädchen) und weiß (die Jungs), verteilt gegeneinander an. Wenn man nun mit japanischer Musik überhaupt nichts am Hut hat, oder zumindest mit dem, was Pop und enka eben so zu bieten haben, ist das schlimmer als Eurovision Song Contest gucken, denn in einer japanischen Familie wird die Sendung ernst genommen und man hat quasi niemanden, mit dem man mal ordentlich ablästern kann. Und dafür gucken wir doch alle den Eurovision Song Contest, nicht?

*** Johnnys. Die Talentschmiede Japans. Zumindest sieht sie sich selbst gerne als genau das. Die Agentur ist ein Sammelbecken für männliche tarento タレント, talents, Männer bzw. Jungs, die erst mal und vor allem gut aussehen. Und da hört es schon auf mit den Talenten, die man für Johnnys unbedingt haben muss. Der Rest ist „nice to have“. Ach ja, seine Würde muss man am Eingang abgeben. Die steht nur im Weg. Denn wenn man erstmal bei Johnnys ist, muss man bereit sein, alles zu tun. Vor allem singen und tanzen, obwohl man es nicht kann (es gibt Boybands, die ausschließlich aus solchen talents bestehen, und ja, die verkaufen ihre CDs hier ganz prächtig). Aber auch in jeder möglichen noch so peinlichen Game Show auftreten. Mit verbundenen Augen und nur in Unterhosen auf einem Seil balancieren und dabei eine Banane essen? In Catsuits alle Folgen von „Cat’s Eye“ gucken und nach Nippelshots suchen? Die Jungs von Johnnys sind dabei. Was das mit ihrer Musik zu tun hat? Nix, aber Hauptsache präsent sein! Ich könnte hier noch ewig weitermachen und wahrscheinlich hat das Thema einen eigenen Eintrag auf meinem Blog verdient, aber vielleicht wird jetzt verständlich, warum ich ein Special der „crème de la crème“ der talents von Johnnys zu Silvester einfach wirklich absolut und überhaupt nicht ertragen kann 😛

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6 Antworten zu [Damals und Heute] Silvesterwirrwarr

  1. Michelle schreibt:

    Hm, mir kann deutsches Silvester mit all seinem Brimborium gestohlen bleiben. Nur die Pfannkuchen sind toll. 🙂 Und Feuerwerk find ich im Sommer irgendwie netter, wenn ich mir draußen nicht so sehr den Arsch abfrieren muss. Obwohl, frieren musste ich dieses Mal auch nicht, der Winter ist ja ausgeblieben.
    Mein Freund hat mich diesmal zu so einer typischen Silvesterveranstaltung geschleppt. Es war ganz nett. Halt wie zu erwarten… langweilige Tanzmusik, viel zu essen, alte Leute, Countdown… meh. Aber es gab Pfannkuchen, die Welt war also in Ordnung. Nochmal will er sowas aber nicht machen. 😀 Manchmal erreicht man ohne jeden Kampf, was man will. 😉

    • nagarazoku schreibt:

      Oh ja, Sommerfeuerwerk ist auch toll! Ich muss auch zugeben, dass ich Silvesterknallerei erst toll finde, seit meine Familie umgezogen ist. Es macht doch einen großen Unterschied ob man zwischen dämlichen Jugendlichen, die sich gegenseitig mit Knaller beschmeißen und zum Spaß vielleicht noch auf den Nachbarshund beim Gassigehen, knallen muss oder in einer Reihenhaussiedlung mit netten Nachbarn feiern kann 😀

      Haha, das nächste Mal darfst du dann den Silvesterabend gestalten, ja? XD

  2. Bommel schreibt:

    Du hast mir richtig Lust auf einen Supertrio-Abend mit Trinkspiel gemacht.
    Das klingt so lustig, dass ich mich gerade wirklich frage, warum in meinem Hinterkopf dieses hartnäckige „das wird nichts, du hast da was vergessen“ umherhämmert…..


    Ach ja. Jetz weiß ich’s wieder. Du bist ja nicht da, um diesen Abend mit mir zu verbringen, und alleine saufen ist, selbst wenn man es nach Regeln tut, unerträglich armselig -_-

    • nagarazoku schreibt:

      Irgendwann, meine Bommel, irgendwann holen wir all das nach!
      Gäbe es nicht diesen dämlichen Zeitunterschied, könnte man das sogar über Line oder Skype machen, aber das wird der einen partei, die sich schon am frühen Morgen oder Nachmittag mit Wodka abfüllen muss, vielleicht weniger Spaß machen ^^;

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