[Unterwegs in Japan] Ans Meer oder in die Berge? Warum nicht beides?

Wir nähern uns langsam der Gegenwart … ganz langsam!

Es ist Mitte September und Kei wird von dem Drang gepackt, das lange Wochenende in den keirō no hi 敬老の日, den Tag der Ehrung der Alten, auf keinen Fall Zuhause verbringen zu wollen. Schnell wurde also nach einem bezahlbaren Zielort gesucht und wir entschieden uns für die Stadt Itō 伊藤 in der Präfektur Shizuoka 静岡県. Spätsommer, Sonne, Strand und Meer, das versprach ein tolles verlängertes Wochenende zu werden. Und bis auf unser Hotelzimmer war es das auch.

Der Strand war vom Bahnhof Itō aus fußläufig zu erreichen. Da wir dieses Jahr noch keinen Strandurlaub hatten, war das unsere erste Anlaufstelle.

Wie üblich schwarzer Sand, für weißen Strand muss man schon nach Okinawa. Was man hier IMMER dabei haben sollte, weil man sich sonst Bürzel und/oder Füße verbrennt: eine Stranddecke mit Aluschicht. Andere Decken können gegen den heißen Sand nichts ausrichten!

Joa, und da saßen und erholten wir uns, und planschten und bräunten uns für eine Weile. Mit unseren Bürojobs bekommen wir ja sonst eher wenig Farbe, aber die Bräune, die ich mir hier in den zwei Stunden geholt habe, die hält heute noch!

Danach wollten wir uns ein wenig die Gegend angucken, aber Itō ist ein Dorf par excellence. Das hier waren die Buszeiten:

Egal, wohin wir wollten, der entsprechende Bus fuhr genau ein Mal die Stunde. Wow. Ja, ihr wisst, was jetzt kommt: Rent-a-car! Aber das war an diesem Wochenende gar nicht mal so einfach, denn offensichtlich hatten auch viele andere die gleiche Idee, sich aber nur schon sehr viel eher darum gekümmert und reserviert. Doch wir hatten Glück: Der 3. Rent-a-car hatte doch tatsächlich noch einen kleinen Flitzer für uns!

Bei der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel und zurück ist uns unterwegs ein schöner, sehr idyllisch wirkender See aufgefallen, der Ippeki See, 一碧湖 ippekiko, also erst mal dorthin!

Wie so oft in Japan konnte man sich Tretboote ausleihen und damit übers Wasser paddeln, aber wie ebenso oft in Japan war das ganz schön teuer. Über 1000 Yen (rund 8 €) für 45 Minuten – da sind wir lieber spazieren gegangen.

Ich genieße es in Japan immer sehr, wenn ich mal einen Ort finde, der nicht voll mit Menschen ist. In Kanagawa und Tōkyō kommt das leider sehr viel seltener vor, als mir lieb ist.

Zum Abschluss wollte ich dann doch noch mal auf ōmuroyama 大室山. Vor genau einem Jahr waren wir schon mal mit Schwiegereltern dort, aber dieses Mal schienen wir eine bessere Aussicht genießen zu können, weil die Luft sehr klar war. Und wo wir schon das Auto hatten, zögerten wir also nicht lange.

Das Bogenschießen habe ich leider auch dieses Mal nicht wieder ausprobieren können, weil wir erst gegen 15.30 Uhr überhaupt am Berg waren und der Lift seinen Betrieb um 17 Uhr einstellt. Für anstellen, hochfahren, rumlaufen, Aussicht genießen und sich die Strumpfhose an einer der Holzbänke aufreißen, reicht die Zeit aber locker 😛

Gegen Ende wird man relativ bestimmt von den anwesenden Mitarbeitern eingesammelt. Schade, ich hätte mir gerne den Sonnenuntergang von der Spitze aus angeguckt. Aber ohne Lift hätten wir den Abstieg nie geschafft, dafür ist der Berg einfach zu steil!

Und dann ging es auch schon wieder zurück ins Hotel des Grauens …

Ja, ja, ich übertreibe vielleicht, aber ich habe mich in dem Hotel wirklich nicht wohlgefühlt. Wir wollten nicht so viel Geld ausgeben für den Urlaub und haben daher nach einem billigerem Hotel mit guten Bewertungen gesucht. Wo auch immer die guten Bewertungen für dieses Hotel herkamen … Das Zimmer hatte den Charme meines Wohnheimzimmers an der Tōkai, aber selbst da hatte ich eine vernünftige Matratze. Hier hatten wir einen Holzkasten als Bett. Als „Matratze“ dienten vier übereinandergelegte Decken. Hm, ja, so bequem! Ich hatte nach einer Nacht krasse, krasse Rückenschmerzen. Der Kühlschrank brummte in einer Frequenz, dass ich nur mit Ohrstöpseln schlafen konnte – Kei ist da weniger empfindlich als ich. Das Ding stand aber natürlich auch exakt nur einen Schritt vom Bett entfernt! Und dann rauschte über Nacht Wasser durch die Wände, auch in einer Lautstärke, das war unglaublich. Während Wasser also genügend vorhanden war, gab es offensichtlich keine Möglichkeit, es warm zu bekommen. Wir hatten kein warmes Wasser zum Duschen. Das meldeten wir gleich am ersten Abend. Als am nächsten Morgen noch keins da war, fragten wir noch mal nach und bekamen gesagt, dass heute wahrscheinlich nix mehr passiert. WTF??? Und als Sahnehäubchen löste irgendwas in dem Zimmer bei Kei Allergie aus. Das Bettzeug ließen wir einmal wechseln, aber die Allergie blieb. Die Nacht war wohl wenig angenehm für ihn. Und als wir also nach unserem tollen Tag wieder im Zimmer standen, der Kühlschrank fröhlich brummte, Keis Nase gleich wieder anfing zu jucken und auch weiterhin kein warmes Wasser aus dem Hahn kam, entschieden wir, nach Hause zu fahren. Es lag nur noch eine Nacht vor uns, den nächsten Morgen wären wir eh recht früh losgefahren. Das Geld bekamen wir zwar nicht wieder, aber wir verbrachten die Nacht in unserem kuschelweichen Bett in unserem ruhigen Schlafzimmer, weit weg vom Kühlschrank und ohne Allergieanfälle 😉

Jetzt ist erst mal für eine Weile Pause mit Wochenendausflügen. Im Dezember geht es über Neujahr nach Deutschland, meine Familie besuchen, und ich will auf einen Urlaub im nächsten Jahr sparen. Keines von beiden verspricht, billig zu werden 😛 Über den Flug nach Deutschland muss ich mir zwar keine Gedanken machen, aber wenn ich so auf meine Liste an Dingen schaue, die ich unbedingt kaufen und mit nach Japan bringen muss, wird das auch ein kostenintensives Unterfangen ^^;

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10 Antworten zu [Unterwegs in Japan] Ans Meer oder in die Berge? Warum nicht beides?

  1. Claudia schreibt:

    Nach Shizuoka müssen wir auch noch einmal, das sieht ja wirklich nett aus. 🙂
    Doof, dass euer Hotel so bescheiden war…

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, das war echt Künstlerpech -.- Aber Shizuoka ist wirklich, wirklich schön, ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! 😀

  2. Michelle schreibt:

    Feiner Urlaub! Die Landschaft sieht so schön aus. 🙂
    Habt ihr versucht Geld vom Hotel erstattet zu bekommen? Ich habe den Eindruck (Traum?), dass es in Japan mehr Service gibt als in D. Hier hab ich mich schon oft irgendwo beschwert und wollte Geld zurück und es kommt meistens nicht mal ne Antwort. Ist das in Japan nicht anders?

    • nagarazoku schreibt:

      Ja, aber das Problem war, dass offiziell der nächste Tag für das Hotel schon angefangen hatte, weil wir nicht vor 11 Uhr ausgecheckt haben. Ein wenig kann ich das Hotel da ja auch verstehen, andererseits ist es ja nicht unsere schuld, dass das Hotel so schlecht war. Aber am Ende bekommt man ein 「しょうがない」 – Da kann man nichts machen, und die Diskussion ist zu Ende :/ Vielleicht wären unsere Chancen besser gewesen, wenn wir gleich am Morgen eingesehen hätten, dass wir es keine weitere Nacht in diesem Zimmer aushalten ^^;

  3. Julia schreibt:

    Mein Freund und ich waren letztes Jahr in Kawazu, da war es auch wunderschön.
    Lustigerweise finde ich, dass die Berglandschaft auf den Fotos teilweise auch in Europa sein könnte. (Für mich sah aber Aomori stellenweise auch wie Brandenburg aus… X’D)

    • nagarazoku schreibt:

      Oh Gott ja, der gleiche Gedanke kam mir bei den Bildern auch! Auch die Gegend um den See, das hat mich an so viele Spaziergänge mit meinen Eltern in Brandenburg erinnert 😄

      Kawazu, ist das da, wo man so schön 花見 machen kann? 😀

  4. hanna schreibt:

    Meine Erwartungen bezüglich Hotels in Japan habe ich nach einigen Reisen hier bereits arg heruntergeschraubt (in Deutschland gibt es meiner Meinung nach für den gleichen Preis deutlich höhere Qualität bei Zimmern und Frühstück), aber so ein Horror-Hotel-Erlebnis hatte ich zum Glück noch nicht ^^;

    • nagarazoku schreibt:

      Ich hatte bisher in Japan eigentlich immer Glück und hab in Deutschland eher die nicht schönen Hotelerlebnisse gehabt 😄 So können sich Erfahrungen unterscheiden!

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