[Unterwegs] Der Vogelpark Kakegawa

Wenn es für Ausflüge mal etwas weiter weg gehen soll als Kanagawa und Umgebung, haben wir zwei Möglichkeiten: lange und meist recht treure Zugfahrten oder ein Ausflug mit Schwiegereltern. Und vor ein paar Wochen unternahmen wir nach langer Zeit mal wieder genau so einen. Es ging in die Präfektur Shizuoka 静岡県 in den dort gelegenen Kakegawa-Vogelpark, kakegawa kachōen 掛川花鳥園.

Wie der Name dem Japanischkundigen verrät, handelt es sich dabei um eine Anlage, bei der sich alles um Vögel und Blumen dreht, wobei die Vögel eindeutig überwogen haben. Die Einrichtung ist so angelegt, dass der Großteil der Vögel sich frei bewegen und man als Besucher mit ihnen interagieren kann, ohne ihnen auf die Pelle rücken zu können. Ich sage „der Großteil“, weil das leider auf die Eulen nicht zutraf. Aber von Anfang an!

Im Hochsommer sollte man, wenn man hitzeempfindlich ist, einen Besuch vielleicht eher vermeiden. Über die Hälfte der Anlage erstreckt sich unter der prallen Sonne und auch der Rest ist nur unwesentlich leicht gekühlt. Ich habe Bäche geschwitzt! Mit 1050¥ (8 €) ist der Eintritt für japanische Verhältnisse aber recht günstig und alle Bereiche sind behindertengerecht! Das ist in Japan keine Selbstverständlichkeit und ist mir daher gleich positiv aufgefallen.

Die eher jedem bekannten Vogelarten sind in den Außengehegen untergebracht und können alle mit im Park für 100 Yen (80 cent) pro Becher erstandenem Futter gefüttert werden. Bei den Emus konnte man sogar ins Gehege rein, aber für die war ich absolut nicht mutig genug! Dschungelprüfungen vergisst man so schnell 😛

Die Enten waren so an das Füttern durch die Besucher gewöhnt, dass sie mit einem mitliefen und an den Schnürsenkeln zogen, bis man ihnen was gab XD Ich frage mich, wie die Pfleger so die Übersicht über die tägliche Futteraufnahme behalten können, aber keines der Tiere sah fett oder unterernährt aus. Was auch immer sie tun, es scheint zu funktionieren.

Die Pelikane konnte man für 500Yen (3,50 €) pro Becher mit Fischen füttern. Das fand ich wieder ein wenig verantwortungslos, denn soweit ich weiß, müssen die Pelikane die Fische auf eine bestimmte Art gereicht bekommen, wenn sie aus der Hand gefüttert werden – Kopf des Fisches zuerst – ansonsten besteht Erstickungsgefahr. Es stand zwar eine detaillierte Anleitung zum Füttern der Pelikane neben der Fischbox, aber hält das die Leute wirklich vom Dummsein ab?

Das ERSTE Mal, dass ich früh genug dran war, um einen Lotos, auf Japanisch ren 蓮, in voller Blüte zu sehen!

Die exotischeren Vögel sind alle innerhalb der Anlage in verschiedenen betretbaren Volieren untergebracht. Auch hier kann man wieder jeweils Futter erstehen, welches die Vögel einem freudestrahlend aus der Hand fressen.

„Armschutz? Brauch ich nicht! Und jetzt her mit dem Fressen!“

Ja, hier versucht gerade jemand eine Pfauenfeder zu stibitzen! XD

In der Halle erstreckte sich in der Mitte eine Art See, in dem man viele Fische beobachten konnte und auf dem sich auch eine Menge Pflanzen wohlfühlten. Ich persönlich fand die Anlage sehr, sehr schön aufgemacht. Kinder konnten sich sogar auf eines der riesigen Seerosenblätter setzen und ein Photo von sich machen lassen.

Über den Tag verteilt gibt es – leider teilweise zur gleichen Zeit – verschiedene Shows und andere Events. Flugshows mit Falken und Eulen, Photos zusammen mit Eulen oder Pinguinen – für letzteres muss man allerdings am Morgen Glück haben und eine der 40 Gruppen sein, die zu ihrem Ticket eine Fotoerlaubnis für das Fotoshooting mit den Pinguinen erhalten. Dank der extrem frühen Abfahrtszeit, die Schwiegereltern mal wieder festgelegt hatten, waren wir eine dieser Gruppen! Allerdings war das Ganze dann doch etwas anders, als ich mir vorgestellt hatte. Die Pinguine waren wenig an Menschen gewöhnt. Man durfte sich nicht bewegen und nicht zu weit runterbeugen, weil sie einen sonst in die Nase beißen, und mein Pinguin hätte mir fast den Zeigefinger abgebissen 😛

Der Eintrag ist schon recht lang, aber ich muss trotzdem auch zu meinem Kritikpunkt kommen: Die Eulen. Ich hatte mich auf die Eulen am meisten gefreut, hätte es aber wissen müssen. Während die anderen Vögel frei durch ihre Volieren fliegen konnten, waren die Eulen entweder in Glasvolieren untergebracht, die nicht gerade viel Platz zum Fliegen boten …

 

… oder waren an verschiedenen Orten in der Anlage festgebunden, damit man einen guten Blick auf sie hatte.

Ich kann ja verstehen, dass man die Eulen nicht einfach so herumfliegen lassen kann, wie die anderen Vögel, weil sie a) wahrscheinlich die anderen Vögel und auch sich untereinander angreifen würden, und b) sich wahrscheinlich so versteckt halten würden, dass der Besucher sie nicht zu Gesicht bekommen würden. Aber gerade im Vergleich zu den anderen frei in den Volieren herumfliegenden Vögeln, haben mir besonders die angebundenen Eulen doch sehr leid getan. Man weiß ja auch nicht, wie lange am Tag die da sitzen müssen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie wenigstens nach ein paar wenigen Stunden ausgetauscht werden und abends, wenn keine Besucher mehr da sind, in getrennten Gruppen doch ein paar Runden durch die weitläufigeren Teile der Volieren drehen dürfen …

Trotz dieses Wermutstropfens hatten wir einen sehr schönen Tag dort und es gibt in der Anlage definitiv noch mehr zu entdecken, als ich auf diesem Blog hier in einem leserfreundlichem Rahmen vorstellen kann!

Name: 掛川花鳥園 (Kakegawa Kachōen)
Adresse: 〒436-0024 静岡県掛川市南西郷1517 (Shizuoka-ken, Kakegawa-shi, Minamisaigō 1517)
Eintritt: 1050 Yen (Erwachsene), 900 Yen (Kinder)
Öffnungszeiten: Wochentags 9:00 – 16:30, Wochenende und Feiertags 9:00 – 17:00
Homepage: http://k-hana-tori.com/

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3 Antworten zu [Unterwegs] Der Vogelpark Kakegawa

  1. Michelle schreibt:

    Woah, klingt total schön! Deine Schwiegereltern haben schöne Ziele!
    Schaaade, ich würde auch gerne so einen Pinguin knuddeln. Aber die mögen das Knuddeln wohl nicht so. :-/ Egaaal, Enten sind auch klasse. 🙂

    • nagarazoku schreibt:

      Jaa, ich hatte sie mir auch ein wenig handzahmer vorgstellt ^^; Ihren Pflegern gegenüber waren sie es aber auch!
      Aber es war auch sonst ein zumindest sehr interessantes Erlebnis 😉

  2. Pingback: [Unterwegs] Kōbe-Spezial: Wagyū und Capybaras | Ein Nagarazoku in Japan

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