[Unterwegs] Ein Kurztrip nach Matsumoto

Letztes Jahr hatten Kei und ich so eine wunderschöne Zeit an unserem Wochenende in Nikkō, dass wir uns auch dieses Jahr wieder einen Kurzurlaub gönnen wollten. Und da wir letztes Jahr so viel Glück mit dem Wetter hatten, haben wir uns auch dieses Mal wieder für mein Geburtstagswochenende entschieden. Ziel: die Stadt Matsumoto 松本市 in der Präfektur Nagano 長野県. Aber zumindest zu Anfang sollte der Trip mal gar nicht so reibungslos ablaufen …

Da ich noch im Probehalbjahr bin und mir nur 3 Urlaubstage zustehen, konnte ich mir dieses Mal leider nicht den Freitag freinehmen. Dabei sind 3-Tages-Trips doch so toll! Aber gut, da gab es nichzs zu rütteln. Wir entschieden, Freitag Abend nach der Arbeit loszufahren. Kei würde ein wenig früher Schluss machen, ich so wie immer, und gegen 20.30 Uhr würden wir im Spätbus Richtung Nagano sitzen. Klasse Plan! Nur leider hatten wir die Rechnung ohne die Odakyū-Linie gemacht. Ich werde hier demnächst wohl mal einen gesonderten Eintrag über meine Hassliebe mit der Odakyū verfassen, daher nur so viel: Mindestens alle 2 Wochen gibt es eine richtig fette Verspätung auf der Linie. Und damit meine ich nicht 30 Minuten oder so was. 3-stündige Verspätungen, die meistens auch noch den gesamten Verkehr am nächsten Tag lahmlegen. Und an meinem Geburtstag in diesem Jahr war es mal wieder so weit. Ich weiß gar nicht mehr, was die Ursache war, aber nichts ging mehr und Kei steckte für Stunden in der Bahn nach Shinjuku fest. Und ich damit auf Arbeit, denn die Odakyū ist ja die Linie, mit der ich normalerweise nach Hause fahre. Während um mich herum alle langsam nach Hause gingen und ich allein über meiner Arbeit hocken blieb, wurde uns langsam klar: Das wird heute nichts mehr mit Nagano. Kei cancelte den Bus. Aber tja, was nun? Kei kam nicht nach Shinjuku, ich aber auch nicht nach Hause. Danke Odakyū, dass ich mich an meinem Geburtstag für ein paar Minuten fühlen durfte, wie die Eiskunstläuferin aus der Yes-Törtchen-Werbung -.-‚

Ich glaube, es war 21 Uhr, als Kei endlich in Shinjuku ankam. Gut, dass er den Bus gecancelt hatte. 3 Stunden hat er für einen sonst 40-minütigen Weg gebraucht O_o Aber wir hatten Glück: Wir fanden eine Bahn, die uns zwar das Doppelte kostete wie der Bus, aber uns auch doppelt so schnell noch an diesem Abend nach Nagano brachte. Sitzplatzgarantie! Fantastisch! Schnell noch ein bentō am Bahnhof gekauft und dann doch noch ab nach Nagano!

Um Mitternacht kamen wir fix und fertig in unserem Hotelzimmer an.

Matsumoto liegt vergleichsweise hoch und war dadurch im Vergleich zu Tōkyō kühler und weniger luftfeucht. Abends hab ich sogar eine Jacke gebraucht! Entschieden hatten wir uns für diese Stadt vor allem für das Sightseeing und weil Kei irgendwo gelesen hat, dass sich hier vergleichsweise wenige Touristen herumtreiben. Und es war in der Tat für ein Wochenende angenehm leer. Aber erst einmal mussten wir uns aus dem Ort, in dem unser Hotel für die erste Nacht lag (Ja, wir haben laut Kei aus Kostengründen ein Mal das Hotel gewechselt 😛 ) ins Stadtzentrum durchschlagen … zu Fuß … und Gott hat das gedauert! Was ich den Abend davor im Taxi nämlich gar nicht bemerkte, war, wie weit draußen und fast schon ländlich unser Hotel lag. Aber das Wetter war angenehm und hielt sich zum Glück auch das ganze Wochenende, obwohl heftiger Regen angesagt war! Wolken hatten wir trotzdem viele, so dass wir keinen einzigen der Berge sehen konnten, die Matsumoto umgeben. Das war ein wenig schade. Aber gut, auf in die Stadt.

Vorbei an Unmengen von Reisfeldern. Ich glaube, zu jedem Haus dort gehörte wenigstens ein Reisfeld. Ach ja, und falls ihr euch je gefragt habt, woran man das Haus einer Yakuza-Familie erkennt:

Traditionell japanische, jedoch sehr verschlossene Bauweise, Familienwappen und ein fetter Mercedes in der halboffenen Garage, damit ihn auch jeder sehen kann, sind ziemlich untrügliche Zeichen für eins 😛

Nachdem wir unser Gepäck im neuen Hotel abgestellt hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel: die Matsumoto-Burg, 松本城 Matsumotojō.

Auf dem Weg dorthin kamen wir durch eine Straße, die eindeutig und absolut auf Touristen ausgelegt war, aber mit ihrem altjapanischem Flair und den vielen kleinen Shops, die alles mögliche verkauften, wirklich was hatte.

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Die Namensstempel, hankō 判子, hier hätten mich ja schon interessiert, die kamen aber nicht nur ab 5000¥ (ganz doll gerundet 50 €) aufwärts, sondern man musste auch rund 10 Tage auf sie warten. Schade!

So, kommen wir zum Matsumoto-jō. Ich habe es vorhin bewusst mit Burg und nicht mit Schloss übersetzt, denn im deutschen Verständnis wäre dieses ausschließlich zur Verteidigung ausgerichtete Gebäude vermutlich eher eine Burg. Für rund 600¥ (vielleicht so 5 €) pro erwachsener Nase darf man die Burg und die umliegende Parkanlage betreten.

Wie eigentlich fast immer war das Innere der Burg eine Ausstellung. In diesem Fall alles rund um die damalige Kriegsführung. Waffen, Rüstungen, Erklärungen … Für mich hatte die Matsumoto-Burg einige der bisher interessantesten Ausstellungsstücke. Zudem durfte man Photos machen! Überall! Das ist selten! Nur die Steinabwurfluken Steine runterwerfen, das durfte man leider nicht 😛

Die Treppen im Gebäude waren übrigens mörderisch! Rutschig und teilweise im 90 Grad-Winkel! Hin und wieder hat meine Beinlänge gerade so ausgereicht, um zur nächsten Stufe zu kommen. Einige Japanerinnen mussten ein paar cm quasi im Flug hinlegen. Das ist besonders faszinierend, wenn man bedenkt, dass hier früher Männer in schweren Samurairüstungen durch die Etagen geflitzt sind. Na, wenn sich da mal nicht ein paar von denen das Genick dabei gebrochen haben …

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Im Dachgeschoss mussten wir erstmal ein wenig zu Atem kommen, bevor wir uns an den Abstieg machen konnten. Der Himmel zog sich langsam bedrohlich zu, aber wie erwähnt hatten wir das ganze Wochenende über wirklich mehr als Glück mit dem Wetter. Der Regen wartete, bis wir zurück im Hotel waren 😀

Wir wollten noch ein wenig was von der Umgebung sehen, und weil wir keinen Bock auf stressige Bus- und Bahnfahrten hatten – immerhin wollten wir uns ja erholen – liehen wir uns wieder ein Auto. Ich habe mir noch nie ein Auto in Deutschland geliehen, deshalb kann ich gar keine Vergleiche anstellen, aber in Japan ist das wunderschön unproblematisch und meistens kann man für rund 7000¥ (schlecht umgerechnet etwa 60 € :P) inklusive Versicherung und vollem Tank das Auto den gesamten Tag lang nutzen.

Erstes Ziel: ein Fußonsen (o^^o) Ja, ihr habt richtig gelesen: ein onsen 温泉, also eine Thermalquelle, nur für Füße! Und Gott, hat die gut getan! Ich wollte gar nicht mehr raus! … Na ja, so lange, bis ein riesiger Mückenbock auf dem Wasser landete, das onsen war nämlich zu den Seiten hin offen 😛

Das war aber übrigens nicht mein erstes Mal Fußonsen, daher war es ein kleines Stück natsukashii, Mädels 😉

In der Nähe vom Fußonsen gab es noch einen Schrein, an dem wir uns extra Mädels- und Jungshoroskope geholt haben. Männer und Frauen sind so anders, da müssen ganz andere Horoskope her 😛 Meins war spitzenmäßig, 大吉 daikichi, Keis musste seins am Schrein lassen 😛

 

Wir besuchten dann noch das „Schweizer Dorf“ in der Gegend, das スイス村, … welches absolut und überhaupt gar nichts mit der Schweiz zu tun hatte! Ganz ehrlich, fetter Reinfall! Haltet euch von dort fern! Außer ihr wollte Mitbringsel kaufen … oder euch im Streichelgehege von einer gierigen Ziege fast den Unterarm auskugeln lassen … aber ansonsten lohnt es sich nicht 😛

Wir fuhren noch ein wenig in der Gegend umher und genossen den Ausblick und die Ruhe, bevor wir dann am Abend das Auto zurückbrachten und uns zum Abendessen begaben. Unser Hotel hatte ein eigenes izakaya 居酒屋 und da ging es dann lecker japanisch essen und saufen :3


Und damit war unser Kurztrip auch sch0n wieder rum. Hier auf dem Blog wirkt es gar nicht so, aber wir haben echt viel an diesem Wochenende gesehen und erlebt, waren aber Sonntag trotzdem nicht zu fertig. So brauche ich meine Wochenendausflüge, wenn ich am Montag schon wieder zur Arbeit muss 😀

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6 Antworten zu [Unterwegs] Ein Kurztrip nach Matsumoto

  1. Michelle schreibt:

    So ein schönes Wochenende! Habt ihr euch so einen übelst schweren Teepott gekauft? 😉

    Aber bei solchen Verspätungen musst du dich ja wie in der alten Heimat fühlen. 😀 Sowas von Deutsche Bahn!

    • nagarazoku schreibt:

      Haha, leider hätte ein Teepott nicht mehr ins Gepäck gepasst XD Aber schick waren die schon!

      Leider neigt die japanische Bahn und gerade die Odakyū auch fett zu Verspätungen, das geht in vielen Berichten von Touristen nur ordentlich unter, weil sie meist eher über den Shinkansen schreiben -.-:

  2. Julia schreibt:

    Alles Gute nachträglich!

    So ein Fußbad ist toll, mein Freund und ich hatten letztes Jahr in Izu eins für uns ganz alleine. An dem Tag war es für Ende August erstaunlich kühl und wir haben sicher eine halbe Stunde dort gesessen und uns entspannt (unter Anderem. 😉 )

    • nagarazoku schreibt:

      Dankeschön 😀

      Jaaa, Fußbäder sind toll! Dieses Mal hat es unseren geschundenen Füßen echt so was von gut getan! Und damals in Hakone, das war im Oktober und wir waren nach diesem seltsamen Kunstmuseum in Freiem ordentlich durchgefroren, da war das echt auch der Himmel auf Erden!

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