Neuer Ausweis, alter Bandwurmname

So, und für diesen Eintrag erinnern wir uns bitte zurück an den Herren, der am Flughafen Narita meinen Ausweis ausstellte. Der, der Blut und Wasser schwitzte, um mir zu erklären, dass er für das Geb-Namensdilemma nichts könne und panisch auf den Ausweis tippte. Hätte er mal lieber seinen Job anständig gemacht. Denn zwar hat es das unsägliche „Geb“ auf meinen Ausweis geschafft, jedoch nicht mein Vorname. Ja, mein VORNAME! Dieser Depp hat meinen VORNAMEN vergessen! Na, vielen Dank auch!

Das ist mir natürlich erst auch mal nicht aufgefallen. Einmal, weil der Typ da mit seinem fetten Wurstfinger auf meinem Ausweis herumgetippt hat und ich nichts erkennen konnte, und dann, weil ich mit meinem Ausweis noch nie Probleme hatte und daher nicht sofort nachkontrolliert habe. Und selbst dann beim Blick auf die Karte ist mir das Dank ewig langem Bandwurmnamen nicht aufgefallen. Wann habe ich es gemerkt? Natürlich erst, als ich im Rathaus war, um meine Adresse registrieren zu lassen. Klasse. Noch besser: Neue Ausweise konnten früher ohne Probleme im Rathaus ausgestellt werden, mit dem neuen System geht das nicht mehr und man muss ins 入国管理局 nyūkoku kanrikyoku, in die Immigrationsbehörde. Aus meinem tollen Plan, am Dienstag in Hiratsuka meine Adresse zu registrieren und danach nach Yokohama weiterzufahren, um mein Konto zu eröffnen und damit alles wichtige an einem Tag abgekaspert zu haben, wurde nichts. Da die Immigrationsbehörde auch wieder ganz fantastische Öffnungszeiten hat, konnte ich am selben Tag erst mal gar nichts mehr machen und musste das ganze auf Donnerstag verschieben, denn Mittwoch waren wir ja im Disneyland.

Für Donnerstag stand also an: nach Yokohama in die Immigrationsbehörde, um den Ausweis korrigieren lassen, dann nach Hiratsuka ins Rathaus, um meine Adresse registrieren lassen, nur um im Anschluss wieder nach Yokohama zu fahren, um ein Konto zu eröffnen. Letzteres war nötig, da ich mein Konto dank guter Erfahrung wieder bei der Shinsei Bank haben wollte und die Filiale, die am besten für mich zu erreichen ist, eben in Yokohama ist.

Die Immigrationsbehörde in Yokohama – klingt zentral, leicht zu erreichen, nicht wahr? FALSCH!!! Die Immigrationsbehörde Yokohama liegt irgendwo im Nirgendwo am ARSCH der Welt!!! Vom schon recht kleinen Bahnhof Shinsugita 新杉田 muss man mit einem speziellen, nur alle 20 Minuten fahrenden Bus noch eine gefühlte Ewigkeit in ein seltsames Industriegebiet fahren. Gegend hässlich, Gebäude hässlich, alles unpraktisch, ich hasste es! Ich war alleine hin 2 Stunden unterwegs. Dass ich mir an dem Tag die Adressregistrierung wahrscheinlich in die Haare schmieren konnte, besserte meine Laune nicht.

Das Beantragen des neuen Ausweises selbst dauerte zum Glück nicht lange. Ich musste einen Zettel ausfüllen mit dem Item auf dem Ausweis, welches nicht stimmt, und dann aufschreiben, wie ich es haben wollte. Also hat sneaky me gleich mal versucht, ihren Nachnamen ohne das „Geb“ durchzudrücken – Pustekuchen -.- Ja, ja, einen Versuch war es Wert 😛 Aber gut, so wartete ich dann ein paar Minuten auf meinen neuen Ausweis mit einem nun noch längerem Namen, wobei die Herrschaften einfach nicht rafften, dass „Diana“ nicht mein Mittelname ist! Die dachten echt ich heiße J. Diana Geb K. ! Deppen! Egal, hat sich nicht auf den Ausweis ausgewirkt. Und dann konnte ich auch schon wieder nach Hause und war sehr froh darüber. An solchen Orten, an dem sich die Ausländer quasi stapeln, kann ich verschiedene Stereotypen und Vorurteile, die viele Japaner so über Ausländer haben, manchmal echt verstehen. So musste ich an dem Tag drei verschiedene Chinesen darauf hinweisen, dass man sich ans ENDE der Schlange stellt und sich nicht einfach reinschiebt! Meine Güte, ey!

Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, ob ich die Anmeldung im Rathaus doch noch am gleichen Tag geschafft habe oder nicht, aber auf jeden Fall war ich dann irgendwann dort, um meine Adresse zu registrieren und meinen neuen Namen bei der Rentenkassen anzugeben. Folgendes Gespräch mit dem Herren der Rentenkassen:

Typ: „Und was machen Sie mit Ihrer Krankenversicherung?“
Ich: „Ich bin über die Firma versichert.“
Typ: „In der Versicherung der Firma Ihres Mannes. In Ordnung, trage ich so ein.“
Ich: „Ähm, nein, ich bin über MEINE Firma versichert!“
Typ: *BAFF* „Sie arbeiten?“
Ich: „Äh, ja …“
Typ: „Heeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee!!!“ *japanischer Ausruf der absoluten Überforderung mit der gerade aufgenommenen Information*

Was arbeitende Frauen meines Alters angeht, so ist Japan echt noch im vorletzten Jahrhundert. Das erinnerte mich an das Gespräch, das ich mit der Personalchefin meines jetzigen Arbeitsplatzes zur Vertragsunterschreibung hatte:

Sie: „Haben Sie Ihrem Mann schon davon erzählt, dass wir Sie gerne einstellen würden?“
Ich: „Ja, er hat sich sehr für mich gefreut.“
Sie: „Wirklich? Oh, gut! Wir hatten und schon Sorgen gemacht, was sein würde, wenn Ihr Mann was dagegen hätte, dass Sie arbeiten …“

Wenn mein Mann WAS?? Ich habe einen verdammten Masterabschluss für den ich verdammte 8 Jahre hart gearbeitet habe! Wie wäre es, wenn ich was dagegen hätte, dass mein Mann was dagegen hat??? Oder auch bei der Kontoeröffnung:

Bankangestellte: „Wir müssen hier noch eintragen, was für einer Tätigkeit Sie derzeit nachgehen. Hausfrau, richtig?“
Ich: „Festangestellte!“

Ha, in your face! Aber die arbeitende, verheiratete Frau scheint hier doch ein seltenes Phänomen zu sein. So erzählten mir auch viele männliche Kollegen, ihre Frauen hätten sofort aufgehört zu arbeiten, nachdem sie geheiratet haben. In den meisten Fällen war da an ein Kind noch nicht mal zu denken. Mal davon abgesehen, dass ja im Prinzip jeder machen kann, was er will: Wie könnt ihr euch das leisten??? Gehälter sind schon lange nicht mehr so bombig wie in der Zeit der bubble economy, aus der der Stereotyp „sich tot arbeitender salaryman und seine liebevolle Hausfrau“ ja stammt. Ich wüsste nicht, wie Kei und ich nach unserem Umzug lange mit nur einem Gehalt klarkommen sollten. Mal ganz davon abgesehen, dass das doch spätestens dann nicht mehr reicht, wenn ein kleiner Hosenscheißer mit einzieht O_o

So, um zum Thema zurückzukommen: So hatte ich also meinen Ausweis, dann auch mit Adresse, fehlte nur noch das Konto. Das verlegte ich aber auf den Montag der Woche darauf, an welchem ich auch die Strecke zu meinem Arbeitsplatz schon einmal testweise abfahren wollte, damit am ersten Arbeitstag auch alles klappt. Fahrtkosten sind hier ja auch nicht zu unterschätzen und für einmal Yokohama hin und zurück blättere ich immerhin fast 15 Euro auf den Tisch!

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9 Antworten zu Neuer Ausweis, alter Bandwurmname

  1. Anika schreibt:

    Oh ja.. Du hattest Spaß… Ich seh schon..
    Ich kann dein „verheiratet und trotzdem arbeiten“ aber noch toppen! „Verheiratet, arbeitend und getrennt wohnend!“ Ha! Während die Leute bei verheirateten arbeitenden Frauen nur nachfragen und komisch gucken, sind getrennt lebende Ehepaare einfach mal nicht vorgesehen! Die gibt es nicht und hat es nicht zu geben! Yeah! Da kommt Freude auf!!
    Ich spaße mir grade einen ab mit Rente und Krankenversicherung… Zum Glück verstehe ich von dem was sie im Rathaus erzählen nur die Hälfte, deshalb bleibt mir der Sinn hinter komischen Sprüchen über mein Leben glücklicherweise verborgen…
    Ich freue mich auch schon darauf mich im Blog noch so richtig auszukotzen^^

  2. Tabea schreibt:

    Ich verstehe dieses Modell der nicht arbeitenden Hausfrau auch einfach nicht. Bin ja sonst ein toleranter Mensch, aber das will einfach nicht in meinen Kopf.
    Gut, dass Hiroki es genauso seltsam finden würde wie ich, wenn ich irgendwann einfach aufhören würde zu arbeiten.

    • nagarazoku schreibt:

      Ich bin ja im Prinzip auch dafür, dass jeder machen soll, was er will, aber einfach nur die Ehe als Grund nicht mehr zu arbeiten? Was machen die den ganzen Tag, gerade wenn noch keine Kinder im Haus sind? Mit Kindern kann man die ersten Jahre ja schon die Hände voll haben, aber dann? Oder davor? Und wie können die sich das finanziell leisen? Wie? Wie? Wie???

  3. Julia schreibt:

    Ich habe eine Freundin, die einen Bachelor von der Keio und extra noch einen Master von der Waseda hat, ein Jahr voll gearbeitet hat und jetzt praktisch Hausfrau ist mit zwei, drei mal ein paar Stunden Arbeit pro Woche. Keine Kinder.
    Mein Freund hat mir auch letztens von seiner Cousine erzählt, die die Law School der Keio besucht hat und jetzt… Hausfrau ist, denn ihr Mann ist ja Arzt. Klar. Und dann fragt mich mein Freund, ob ich auch Hausfrau werden will. Ähm, meine Eltern haben einen Haufen Geld für meine Ausbildung bezahlt und ich bin nicht dümmer als du, Freund, also wird das alles schön geteilt! Aber er meinte auch immer, er wollte nie heiraten, weil er das nicht finanzieren könnte…

    • nagarazoku schreibt:

      Aber ohne Hochzeitsfeier kostet heiraten gar nicht so viel 😛

      Jedem das Seine, was? Aber es ist doch faszinierend, wie viele Leute so ihre Ausbildung ja quasi doch wegwerfen. Und hier dann auch noch in einer Gesellschaft, die doch mehr und mehr auf die Arbeitskraft ihrer Frauen angewiesen ist! Na mal sehen, wann das System endlich in sich zusammen bricht!

      • Julia schreibt:

        Das mag sein, aber ich hätte halt gerne meine Oma dabei und möchte deshalb in ihrem Garten feiern. Falls es jemals so weit kommt, müssten die Eltern meines Freundes dann aber aus Japan einfliegen.

        Ich denke auch, wenn sie damit glücklich sind, ist es ja schön, aber wieso macht man extra einen Master, wenn man von Anfang an nie vorhatte, in dem Beruf zu arbeiten?

      • nagarazoku schreibt:

        Das ist es halt: Du studierst, und das nicht kurz, gerade hier in Japan bezahlen deine Eltern einen fetten Haufen Geld dafür, und dann bleibst du Zuhause. Hm, das hätte man doch dann auch von Anfang an lassen können. Aber für viele ist der Unicampus ja auch Jagdgebiet, da MUSS man dann wohl an die Uni.

        Oooh, Gartenhochzeiten finde ich ganz toll 😀 Wäre ja schön, wenn das eines Tages klappt 😉 Kei und ich haben in angesicht der Problematik mit dem Einfliegen echt schon mehrmals jeglichen Gedanken an eine Feier erstmal auf ganz weit nach sonstirgendwann verschoben. Oder wir heiraten auf der Mitte in Sibirien 😄

      • Julia schreibt:

        Na ja, aber zumindest die Law School hätte sich die Cousine meines Freundes sparen können, wenn man bedenkt, dass sie ihren Mann wohl vorher kennengelernt hat. Komisch…

        Das glaube ich dir. Oder man macht mehrere Feiern, eine in Deutschland, eine in Japan, oder so. Schwierig!

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