Auf Wohnungssuche

Für den Tag nach meiner Ankunft hatte Kei gleich eine Überraschung für mich: morgens um 7 Uhr aufstehen, um eine Wohnung zu besichtigen … … … Ich habe wirklich, wirklich, wirklich hart kämpfen müssen, um an diesem Tag aus dem Bett zu kommen. Aber da meine Arbeit von unserem jetzigen Wohnort lächerlich weit entfernt ist (wie weit wurde mir während der letzten Woche dann noch mal richtig bewusst), hat die Wohnungssuche bei uns derzeit oberste Priorität. Bisher war leider noch nichts dabei. Unpraktisch geschnitten, total verdreckt (Ja, ich weiß, sie putzen bevor wir einziehen, aber es ist schwer mit einer Wohnung warm zu werden, die komplett schmutzig und klebrig ist. Welches Schwein hat da bitte vorher drin gewohnt???) oder mit einem unglaublich aufdringlichen Makler, bei dem einem die Lust verging. Dann kommt noch hinzu, dass März und April durch den Start des neuen Schuljahres, des neuen Semesters und der Arbeitsverträge in fast allen Firmen unglaublich viele Leute umziehen. Dadurch werden zwar auch viele Wohnungen frei, andererseits sind die Makler nicht darauf angewiesen einem entgegen zu kommen, denn sie werden in diesen Monaten eh genug Wohnungen los. So bekommt man dann auch mal Kostenvoranschläge von 5.000 bis 6.000 € einzig und allein für die Schlüsselübergabe. Enthalten immer:

– die erste Monatsmiete (das kann ich nachvollziehen)
– Kaution (auch nachvollziehbar, aber in Japan kriegt man seine Kaution selten zurück, zumindest nie komplett)
– „Dankesgeld“, 礼金 reikin, an den Vermieter – ein Betrag, meist ein bis zwei Monatsmieten, einfach nur als Dank an den Vermieter. Wofür? Ich weiß es nicht. Das Geld sieht man auch nie wieder. In unserem Fall 1.000 bis 2.000 € einfach mal so verschenkt. Und obwohl es „Dankesgeld“ heißt und doch aus einem Gefühl der Dankbarkeit überreicht werden sollte, ist es in jedem Fall zwingend zu bezahlen.
– Gebühr für eine Bürgschaft – in einigen Fällen können z.B. die eigenen Eltern bürgen, in anderen Fällen muss man ein Unternehmen dafür bezahlen.
– Gebühr für den Austausch der Schlösser – Gut, sicher ist sicher, aber warum müssen WIR das zahlen, wenn sich der Vormieter eventuell unerlaubt Kopien des Schlüssels gemacht hat???

Und so zieht sich die Liste scheinbar unendlich in die Länge mit mal mehr und mit auch mal weniger nachvollziehbaren Posten. Am Ende werden wir in den sauren Apfel beißen und einen unverschämt hohen Preis bezahlen müssen, aber ich kann einfach nicht zusätzlich zur Arbeit noch 5 Stunden pro Tag in der Bahn zubringen. Aber wenn ich dann schon 5.000 € nur für die Schlüsselübergabe hinblättere, will ich auch eine schöne Wohnung haben. Morgen schauen wir uns noch mal ein paar Wohnungen an, ich hoffe es ist endlich was dabei, auf das wir mit einem guten Gefühl unsere Namensstempel setzen können.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Über Japan veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Auf Wohnungssuche

  1. Michelle schreibt:

    Oha, das sind mal Kosten! Aber wenn das so üblich ist, wirst du wohl nicht drumrumkommen. So ein Mist!

    • nagarazoku schreibt:

      Inzwischen haben wir eine Wohnung gefunden, wo man kein 礼金 von uns will und bei der wir nur rund 3000 € zu entrichten haben! 😀

  2. Maya schreibt:

    Du könntest auch mal versuchen bei Anbietern zu gucken, die sich eher an Ausländer richten. Dieser hier bietet als Suchoption „No key money“ an. Und sie haben auch ganz reguläre Apartments, nicht nur die typischen, möblierten Kurzzeit-Absteigen für Touristen. http://www.flat-japan.com/

    • nagarazoku schreibt:

      Vielen Dank für den Link!!! Inzwischen haben wir eine Wohnung gefunden und da wollte man auch kein 礼金 von uns, aber für die Wohnungssuche in der Zukungt werde ich den Link auf jeden Fall in meinen bookmarks abspeichern 😀

  3. Claudia schreibt:

    Das schockt mich auch jedes Mal komplett, aber am schlimmsten finde ich ja die Vertragserneuerungsgebühr. Ich muss meinem Vermieter Geld bezahlen, damit ich ihm weiterhin jeden Monat Geld für unsere Miete überweisen darf? Was ist das denn für ein Kack?!?!

    • nagarazoku schreibt:

      Jaaaa, das ist so krass! Wieso muss ich den Vermieter ständig extra zur Miete hinzu noch finanziell dafür entschädigen, dass er mich bei ihm wohnen lässt??? Der kann mir mal 礼金 dafür bezahlen, dass ich mir seine Wohnung ausgesucht habe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s