Wie ich zum rülpsenden Wutbürger wurde

An die Ankunft in Narita schloß sich wie immer der Einreiseprozess an. Unterlagen ausfüllen, Fingerabdrücke abgeben, Foto schießen lassen, Residence Card mit falschem Namen entgegennehmen … Moment! Mit falschem Namen? Allerdings! In zweierlei Hinsicht sogar:

2012 wurde das System der Residence Card auf ein copy-paste-System umgestellt, das einfach alle Daten aus dem Reisepass übernimmt. Das hat zur Folge, dass die Residence Card bereits am Flughafen ausgehändigt werden kann und man nur noch ein Mal ins Rathaus muss, um seine Adresse registrieren zu können. Es hat aber auch zur Folge, dass alle, die durch Eheschließung einen anderen Nachnamen angenommen haben, jetzt mit einem selten dämlichen Bandwurmnamen rumrennen müssen, da im deutschen Reisepass der Geburtsname durch das international ja so bekannte „Geb“ gekennzeichnet ist. Die japanischen Behörden wissen nichts damit anzufangen, müssen sich an die Angaben im Pass halten und so heißt man jetzt hier nun also „Nachname nach der Eheschließung“ + „Geb“ + „Nachname vor der Eheschließung“. Ihr solltet mal meine Bankkarte mit meinem Namen drauf sehen. Und erst mal die von Leuten, die noch einen Zweit- oder Drittnamen haben, die werden nämlich auch ohne Rücksicht auf Verluste mit kopiert. Ach ja, vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass das „Geb“ im Japanischen als „geppu“ gelesen wird, was übersetzt „rülpsen“ bedeutet. Wir hier alle freuen uns wahnsinnig über unsere neuen Namen! So sehr, dass der Herr am Schalter mir gleich ganz panisch erzählte, dass er da leider nichts machen könne, es sei nicht seine Schuld, ich müsse damit leben. Na, Mädels, wer von euch hat dem Herren vor mir schon die Hölle heiß gemacht? 😛

Er war so damit beschäftigt seine Unschuld an der Geb-Problematik zu beteuern, dass er einen entscheidenden anderen Fehler auf der Residence Card machte, den ich aber auch erst später im Rathaus bemerkte, da er ständig mit seinen dicken Wurstfingern auf der Karte herumzeigte und ich dadurch nichts sehen und nichts richtig kontrollieren konnte.

Was die Namensproblematik angeht, so hat sich schon eine kleine Truppe an Betroffenen gefunden, die ich liebevoll „Die rülpsenden Wutbürger“ nenne. Ein Treffen hatten wir schon, einen Schlachtplan auch, falls das hier jemand liest, den es betrifft – ich werde auf diese Thematik in einem späteren Eintrag noch einmal etwas genauer eingehen – und der das auch gerne geändert hätte, bitte melden, wir sammeln Unterschriften und können jede Stimme gebrauchen!

Nach dem Namensdesaster noch schnell das Gepäck gekrallt und ab ins Auto von Schwiegereltern, auf Keis Schoß eingepennt und in gefühlten 5 Minuten (durch Stau waren wir wohl 5 Stunden unterwegs, aber ich habe NICHTS davon mitbekommen) waren wir in unserer Wohnung :3

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2 Antworten zu Wie ich zum rülpsenden Wutbürger wurde

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