Der Supergau

… ereignete sich letzte Woche am Donnerstag, als sich mein gerade einmal 3 Monate alter Laptop beim Arbeiten an meiner Masterarbeit aufhing. Was folgte war ein kompletter Crash aller Programm. Nach kurzer Recherche im Internet blieb mir nichts anderes übrig als den Laptop über den Power-Schalter auszuschalten. Und damit begann ein 30-teiliger Nervenzusammenbruch.

Mein Laptop schaltete sich in den Recovery-Modus, der mir drei Optionen ließ, von denen zwei nicht funktionieren und die andere den kompletten Verlust aller meiner Dateien bedeutete. Ähm … Mein letztes Backup habe ich vor meinem letzten Japanaufenthalt angelegt, dann vor 3 Monaten alle meine Daten von meinem schwächelnden auf meinen neuen Laptop gerettet und wollte nun zurück in Deutschland meine externe Festplatte ein wenig aufräumen und dann ein sortiertes Backup anlegen. Offensichtlich war das sehr blauäugig von mir. Offensichtlich kann man sich selbst auf neueste Technik nicht mehr verlassen und sollte von Tag 1 an regelmäßige Backups anlegen. Hab ich wieder was gelernt. Obwohl selbst der Techniker im Applestore der Meinung was, dass niemand nach gerade einmal 3 Monaten über ein Backup nachdenkt, aber zu dem Herren später.

Lediglich meine Masterarbeit hatte ich regelmäßig in meinen Dropbox-Ordner gezogen, genauso wie die meisten meiner Photos. Wenigstens in dieser Hinsicht war ich also abgesichert.

Nach 2 Stunden herumprobieren ohne Erfolg rief ich nervlich etwas gebeutelt beim Apple Kundenservice an. Dieser konnte mir nicht richtig weiterhelfen. Der erste Herr ließ mich einfach dieselben Schritte, die ich nun seit 2 Stunden immer wieder wiederholte, noch mal ausführen. Oder auch nicht, dank seines sehr starkem türkischen Akzentes habe ich ihn wirklich kaum verstanden. Der zweite Herr meinte, ich solle meinen Laptop mit einem anderen Macbook verbinden und so versuchen an die Daten zu kommen. Das entsprechene Kabel würde ja auch „nur“ ab 30 € kosten und es wäre doch eh meine Schuld, mehr Hilfe könne man von Apple nicht erwarten. Und das trotz scheiß teurem Apple Protection Plan, vielen Dank! Nachdem Martin beim Kundenservice dann noch mal etwas Stunk gemacht hat, wurde mir versprochen, mir im Applestore in meiner Nähe ein entsprechendes Kabel zur Verfügung zu stellen. Geht doch! Aber klar, muss erst wieder ein Kerl anrufen, das Weibsbild war einfach nur zu dumm zwei Tasten korrekt zu drücken.

Ich machte mich also am nächsten Morgen in aller früh mit meinem Laptop, meiner externen Festplatte und wenig Schlaf auf in Richtung Ku’damm. Ich wollte dort das Kabel abholen, dann zu einer Freundin mit Macbook fahren, versuchen die Dateien zu retten, dann wieder in den Applestore zurück und drauf hoffen auch ohne Termin irgendwie die Chance zu haben, das Teil repariert zu bekommen. Den nächsten freien Termin gab es erst eine Woche später, und mit Masterarbeit und Nebenjob, für den ich meinen eigenen Laptop benutzen muss, im Nacken war das absolut keine Option.

Als ich um 10 Uhr am Laden ankam, war dieser bereits proppenvoll. Von dem versprochenen Kabel wollte niemand was wissen, obwohl ich sogar den Namen des Mitarbeiters hatte, der mir das zugesagt hatte. Das hat aber niemanden interessiert. Ich wurde von „Herren mit rotem iPad“ zu anderen „Herren mit rotem iPad“ weiter verwiesen, keiner wollte sich so richtig mit mir beschäftigen. Hatte ja keinen Termin. So ging es aber vielen Leuten. Ein (vorm Akzent her) Brite wurde wohl vom vorherigen Tag auf den nächsten Tag vertröstet, er brauche sich auch keinen Termin holen. Ergebnis: man schickte ihn weg. Ohne Entschuldigung, ohne schlechtes Gewissen. Nein, man hatte sogar den Nerv sich vor den Herren zu stellen und auf Deutsch über ihn zu lästern. Was für ein Service. Und das bei den Preisen, die man hier bezahlt! Wie unglaublich dreist!

Ich hatte zwar keinen Termin, aber eins mitgebracht: meinen sturen Dickkopf. Ich fragte also einen Mitarbeiter mit Terminübersicht, ob es denn ab und an vorkämen würde, dass Kunden zu ihren Terminen nicht erscheinen. Er bejahte. Daraufhin pflanzte ich mich auf einen der Stühle und informierte ihn darüber, dass ich hier warten würde, falls ein Termin frei werden würde, würde ich den gerne haben. Und ich hatte Erfolg damit. Entweder es ist wirklich jemand abgesprungen oder die Aussicht alle 30 Minuten von mir nach dem Stand der Dinge gefragt zu werden, war so erschreckend, dass ich keine Stunde später an der Genius-Bar saß und ein Techniker sich mit meinem Laptop beschäftigte.

Über den Techniker kann ich kein schlechtes Wort verlieren, der Herr hat eine ganze Stunde an meinem Laptop gambattet. Leider war meine Festplatte komplett im Arsch. Nicht physisch, sondern von der Datenstruktur her. Fragt mich nicht, was das bedeutet. Komplett im Arsch. Nach 3 Monaten. 3 MONATEN!!! Ich habe mich für ein Apple-Produkt entscheiden, weil ich meine Masterarbeit zuverlässig und ohne Probleme durchziehen und nicht zwischendurch auf solche Scheiße treffen wollte. 3 MONATE! Meine Daten alle im Arsch. Selbst mit der Methode, über einen zweiten Laptop die Daten zu sichern, hätte man nichts mehr retten können, da man dafür in irgendeiner Form Zugriff auf die Festplatte benötigte, aber diese konnte von keinem System mehr erkannt werden. Der Laptop musste komplett neu aufgesetzt werden. Da die allerwichtigsten Daten im Dropbox-Ordner gesichert waren und die oberste Priorität darauf lag, den Laptop so schnell wie möglich wieder nutzen zu können, stimmte ich dann zu, dass der Techniker einmal Kahlschlag verüben durfte. Ich leidete neben meinem Laptop mit, während sich der Balken der Löschanzeige immer weiter füllte.

Im Anschluss lief er wieder. Ohne Probleme. ABER: nicht einer der drei Techniker konnte sich so richtig erklären, was mit meinem Laptop los war. Ergo könnte das Problem immer wieder auftauchen. Welch fantastische Aussicht! Mein Laptop wird nun also einmal am Tag mit meiner externen Festplatte verbunden, auf der dann über Time Machine ein Backup erstellt wird. Die Masterarbeit wandert jeden Abend aktualisiert in die Dropbox. Trotz Absicherung hoffe ich, dass ich von einem neuen Crash verschont bleibe. Bei der Terminlage und Kundenorientiertheit bei Apple müsste ich sonst jemanden schwer verletzten.

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Eine Antwort zu Der Supergau

  1. Tabea schreibt:

    Was für ein Horror! o__O

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