[Arbeiten in Japan] Sick Leave

In einer japanischen Firma angestellt sein und dann krank werden – nie kann man seine eiserne Reserve an Urlaubstagen schneller aufbrauchen als in solch einem Augenblick. Denn bezahlten Krankheitsurlaub in Japan gibt es nicht, man braucht bitteschön seine Urlaubstage auf. Im Sommer keine Sommerferien, weil im Winter eine Woche lang mit Grippe im Bett gelegen? Willkommen in Japan! Da stülpt man sich dann doch lieber eine dieser nichts bringenden Masken über das Gesicht und schleift sich an den Arbeitsplatz, macht viele Fehler, weil es mit Grippe mal nicht viel mit Konzentration ist, steckt vielleicht noch ein, zwei Kollegen an und verschleppt die Krankheit im besten Falle auch noch. Wunderbar!

Ich bin heute auch auf „sick leave“ weil die Hitze mir wohl irgendwo eine Entzündung verpasst hat (der Arzt war mit seiner Diagnose nicht sehr spezifisch und nur an den Medikamenten konnte ich erkennen, dass er wohl von einer Entzündung ausgeht) und ich seit gestern Morgen starke Schmerzen in der gesamten linken Gesichtshälfte habe. Und da das heute Morgen noch nicht besser war, habe ich mir freigenommen und bin zum Arzt gegangen. Sollte es morgen immer noch nicht besser sein, tja, was werde ich dann tun? Wir sind in Japan, also werde ich zur Arbeit gehen. Denn von meinen 6 Urlaubstagen, die mir als Praktikant zustehen, ist auch gar nicht mehr so viel übrig und den einen oder anderen wollte ich mir dann doch noch für eventuelle Bewerbungsgespräche aufheben (Urlaubstage für Bewerbungsgespräche, wie Japanisch -.-). Und jeder freie Tag, den ich darüber hinaus haben will, muss nicht nur kompliziert beantragt werden, sondern der wird mir auch gnadenlos von meinem Gehalt abgezogen – selbiges reicht jetzt schon gerade einmal so für alles. So kann man seine Mitarbeiter auch zum Erscheinen am Arbeitsplatz „motivieren“…

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5 Antworten zu [Arbeiten in Japan] Sick Leave

  1. Anika schreibt:

    Hey, du hast wenigstens Urlaub!
    Ich nur den Zwangsurlaub wenn die Firma an den 3 typischen Terminen dicht macht.. Ok.. und an Feiertagen.. Ok, ich geb’s zu, ich hab viel frei im Jahr..
    Aber ich freue mich auch schon. Jetzt Obon und im Oktober noch 2 Wochen Abwesenheit. Dann noch den ein oder anderen freien Tag, weil man zur Behörde latschen muß, die ja bekanntlich auch nur während der Arbeitszeiten von einem selber geöffnet haben.. Das wird ins Ersparte gehen..
    Denn Geld gibt’s natürlich nur für die Tage, an denen gearbeitet wurde. Und ein Praktikanten-Gehalt ist, wie du schon geschrieben hast, nicht allzu hoch^^;;
    Ich fühle mit dir!

    • nagarazoku schreibt:

      Na ja, „Urlaub“ ist zu viel gesagt, ich muss immer einen wichtigen Grund angeben, wenn ich einen der Urlaubstage nehmen will, denn in meinem Vertrag steht „In the training period you are requested to work every week day, unless you are sick, injured or have some special reasons.“ Sie nennen es zwar „paid holidays“, aber die Gesichter möchte ich mal sehen, wenn ich als Grund wirklich „ick will Urlaub machen“ angeben würde 😄

      Wir Praktikanten haben es schon nicht leicht -.-

  2. Michelle schreibt:

    Hey, ich mag deinen Blog total!
    Okay, now I’ve said it. ^^

    Könntest du in deinem Beruf nicht auch freiberuflich arbeiten? Hätte den Vorteil, dass du deine freine Tage selbst regeln kannst…

    • nagarazoku schreibt:

      Oooooh, vielen lieben Dank (*^^*)

      Ans freiberufliche Arbeiten habe ich auch schon gedacht, aber das bringt auch wieder seine Risiken und Nachteile mit sich :S Der Mann einer Freundin von mir arbeitet freiberuflich und hat noch weniger Tage frei als der Durchschnittsjapaner sowieso, weil sich jeder freie Tag auf sein Einkommen auswirkt. Im Durchschnitt arbeitet er 7 Tage die Woche und 12 – 14 Stunden am Tag O____o Und den letzten freien Tag hat er sich wohl vor einem Jahr zur Hochzeit „gegönnt“ ^^;

  3. Pingback: [Alltag] Wie man einen japanischen Arztbesuch überlebt | Ein Nagarazoku in Japan

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