[Unterwegs] Ein Kurzurlaub in Nikkō

Ihr habt wahrscheinlich gedacht, der Bericht kommt nicht mehr, was? Tjahahaha, falsch 😛

Die letzten Wochen waren unglaublich kräftezehrend. Auf Arbeit war es sehr anstrengend und der wenige Schlaf, sowie die langen Bahnfahrten taten ihr übriges. Was braucht man dann? Richtig, Urlaub! In unserem Fall „nur“ ein Kurzurlaub, aber der war allemal ausreichend, um die Energiereserveren wieder ein wenig aufzufüllen. Kei und ich nahmen uns beide einen Freitag frei und ab ging es nach Nikkō 日光!

Nikkō liegt in der Präfektur Tochigi 栃木県 und ist vor allem berühmt für drei Affen, zu denen wir gleich noch kommen werden. Auf dem Weg nach Nikkō haben Kei und ich auch noch einen kleinen Abstecher zur deutschen Botschaft gemacht, aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt ein extra Eintrag. Hat hier etwa irgendjemand gedacht, wir wären durch mit dem ganzen Papierkram? orz

Hat man viel Zeit und Energie, kann man für rund 2000 Yen von Tōkyō aus nach Nikkō fahren. Man nutzt dafür ausschliesslich die JR-Linie und steigt mehrmals um, nimmt lange Wartezeiten auf nur selten fahrende Linien in Kauf und riskiert zudem, dass man keinen Sitzplatz bekommt. Okay, letzteres ist an einem Freitag Vormittag auf dem Weg raus aus Tōkyō eher unwahrscheinlich, und daher haben Kei und ich uns zumindest für die Hinfahrt auch für diesen Weg entschieden. Ab Tōkyō waren wir insgesamt 5 Stunden mit aber nur 1x umsteigen unterwegs.

Tochigi kommt sehr ländlich daher und Nikkō für eine Touristenhochburg erst recht! In der Gegend um den Bahnhof herum gab es nicht mal einen konbini O_o Und bis zum nächsten Supermarkt hat man mit Auto auch rund 10 Minuten gebraucht. Wow! Unsere Pension war ebenfalls vom Bahnhof mit dem Auto rund 10 Minuten entfernt, bot aber an, dass man uns auf Anruf abholen würde. Das fand ich wirklich sehr umsichtig, denn eine Taxifahrt hoch zum Hotel kostete rund 1050 Yen (rund 10 €) und das hätte doch dann an den Finanzen gezerrt. So wussten wir, dass unsere Pension etwas abgelegen und damit ruhig liegt, und mussten uns trotzdem kein Bein ausreißen, um hinzukommen.

Unsere Pension nannte sich selbst „One more Time. Country Style Pension“, und ja, alles war mit Rosen verziert und überall standen Keramikfiguren von Hunden und Häschen und Kätzchen und allen möglichen anderen Tieren herum. Irgendwie hatte das alles seinen ganz eigenen Charme ^^; Die beiden Betreiberinnen sahen sich übrigens unglaublich ähnlich – Geschwister, vermute ich – was zu einem großen Moment Verwirrung bei mir geführt hat. Die eine Dame holte uns unten am Bahnhof ab, ließ uns an der Rezeption raus und fuhr das Auto parken, wir kamen an der Rezeption an und … Ich hab echt mehrere Minuten gebraucht, um zu kapieren, dass die Frau hinter der Theke nicht dieselbe Frau war, mit der wir eben noch im Auto gesessen hatten. Für eine kurze Zeit habe ich mich wie in einem Tim Burton-Film gefühlt, so da an der Rezeption zwischen all den Keramikstatuen, Angesicht zu Angesicht mit der Frau, die doch gerade das Auto parken war … oder nicht?

Unser Zimmer war groß (es hatte sogar noch eine Hochetagen mit zweitem Bett und einer Couch, aber da waren wir nie), sehr gemütlich uuuund *trommelwirbel* hatte ein eigenes rotenburo 露天風呂 (eine Art Aussenthermalbad) auf der Veranda! Eine der wenigen Möglichkeiten als Pärchen mal gemeinsam in Ruhe ins onsen zu gehen.

Die Anstrengung der letzten Wochen, das frühe Aufstehen am Abfahrtstag (5 Uhr morgens an meinem freien Tag, eine Stunde früher als an einem Arbeitstag, ey!) und die lange Fahrt forderten vorerst aber ihren Tribut und so schliefen wir von 17 Uhr bis zum Abendessen, huschten danach ganz kurz ins rotenburo und schlummerten dann von 21 Uhr bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr. Ich habe mich in letzter Zeit selten so ausgeschlafen gefühlt !

Den nächsten Tag ging es um 7 Uhr raus, weil Punkt 8 Uhr Frühstück anstand und wir danach gleich los zum Sightseeing wollten. Das Frühstück in der Pension war … gewöhnungsbedürftig. Ich bin ja eh nicht so für herzhaftes Frühstück zu haben, aber im Angesicht von karaage und korokke musste selbst Kei kapitulieren und sich über Weißbrot langsam an die Fettspeisen herantasten. Aber es gab Kaffee, ein wenig Brot, Marmelade und Obst, ich musste also nicht verhungern.

Wir ließen uns nach dem Frühstück von einer der beiden Damen zum Bahnhof herunterkutschieren und wechselten dann in diesen Flitzer:

Normalerweise bestreiten Kei und ich unsere Sightseeing-Touren mit Bussen und auf Schusters Rappen, aber wir wollten dieses Wochenende einfach so viel Entspannung wie möglich haben und abends nicht wieder todmüde ins Bett fallen und uns am Montag erst mal vom Wochenende erholen müssen. Im Hotel sagte man uns auch, dass die Buspreise hier so teuer wären, dass sich ein Auto schon lohnen würde. Gut, 8.000 Yen für das Ausleihen und dann noch die Parkplatzgebühren, die hier und da auch sehr happig waren, hätten wir vielleicht nicht unbedingt gebraucht, aber so haben wir uns ja auch den Luxus dazugekauft, nicht auf Busse mit seltenen Abfahrtszeiten warten zu müssen und immer sitzen zu können. Rein ins Wägelchen und los ging es! Erste Anlaufstelle: der tōshōgū 東照宮, der Schrein, in dem man die berühmten drei weisen Affen, die sanen 三猿 findet.


Die drei Affen heißen 「見ざる、聞かざる、言わざる」, „Mizaru, Kikazaru, Iwazaru„, was häufig übersetzt wird mit „Nichts Böses sehen (der Affe, der sich die Augen zuhält), nichts Böses hören (der Affe, der sich die Ohren zuhält) und nichts Böses sprechen (der Affe, der sich den Mund zuhält)“. Die Darstellung dieses Konzeptes mit Affen geht dabei auf ein einfaches Wortspiel zurück: –zaru ist nicht nur die veraltete grammatikalische Form für „man soll nicht“, sondern auch die Lesung des kanji , Affe, in Kombination mit anderen kanji. Und das hier sind sie:

Sie sind kleiner, als man es sich bei ihrem Bekanntheitsgrad vorstellen könnte. Und unter ihnen wohnt das Schreinpferd. Jupp, das heilige Schreinpferd. Ein sehr schönes Tier, muss ich sagen, hätte aber dann doch erwartet, dass so ein heiliges Pferd ein wenig mehr Auslauf und Platz geboten bekommt. Sein Tagesplan verriet zwar, dass jeden Tag ein paar Stunden Auslauf eingeplant sind, aber trotzdem hat es mir ein wenig leid getan. Die Leute um uns freuten sich, dass das Pferd so bereitwillig zum Fotografieren bereit stand, aber wie soll sich das arme Tier bitte auch wegdrehen, wenn dafür in der Box kein Platz ist? 😦

Wir erreichten den Schrein „glücklicherweise“ zusammen mit einer gesamten SCHULE! Hach, wie … erholsam. So erholsam, dass Kei und ich uns schnell durch den Rest des wirklich eindrucksvollen Schreins schoben, ein paar Fotos machten, …

… schnell noch omamori gekauft (was auch sonst), vorbei an der „schlafenden Katze“, der 眠猫 nemurineko, …

(auch so klein, dass man mit einem Schild auf sie hinweisen musste)

… rauf, rauf, rauf, immer schön die Treppe rauf …

Verdammt, Sackgasse! Zurück, runter, runter, runter nach rechts und aaah, man konnte wieder atmen XD

Warum muss es in Japan immer überall so voll sein?!

Den Rest unserer Tour verbrachten wir in ein wenig unpopuläreren Gebieten, die mit viel Natur begeistern. Und davon hat Nikkō wirklich einiges zu bieten, und da wir mit dem Auto sehr flexibel und vor allem schnell überall vor Ort waren, nahmen wir alles mit, was ging.

  

Wir waren begeistert von der frischen, klaren Luft. Gerade aus Tōkyō und damit aus einer Gegend kommend, in der die Luftfeuchte bereits rund 80% betragen dürfte, tat uns das mehr als gut. Und die Unmengen an wunderschöner Natur haben wir auch mehr als genossen.

 

Der Wasserfall war eines der Highlights, auch wenn er oben ganz schön nach Schwefel gestunken hat.

Die Straßen hin zu einzelnen Sehenswürdigkeiten hätten allerdings ein wenig gerader sein können, zwischendurch war mir von den ganzen Kurven echt ganz kurz ein kleines bisschen schlecht ^.^;

Das Auto musste bis 19 Uhr zurück und bis zur letzten Sekunde haben wir es genutzt. Ein wenig enttäuscht war ich aber schon, dass ich nirgendwo Affen zu sehen bekommen habe >.< Wie oft wurde ich vorgewarnt, ich müsse mich vor den Affen in Acht nehmen. Überall standen Schilder. Der Rucksack voller Süssigkeiten und kein Affe in Sicht??? *grummel* Nikkō ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war 😛

Die viele Bewegung (ja, trotz Auto) und die frische Luft taten ihr Übriges und beim Abendessen wären Kei und ich fast eingeschlafen. Eine Runde im rotenburo zur Vorbeugung etwaiger Wadenschmerzen und ähnlichem haben wir uns aber trotzdem nicht nehmen lassen – immerhin stand ja am nächsten Tag schon die Rückfahrt an und wir brauchten all unsere Kraft. Und wie oft hat man schon ein eigenes rotenburo auf der Veranda? Das muss ausgenutzt werden!

Den Heimweg traten wir mit dem Shinksansen an – 12.000 Yen für beide (rund 120 €) bis nach Hiratsuka, das war zu verkraften, wenn man sich seine angesammelte Entspannung nicht gleich durch die Heimfahrt wieder aufbrauchen will. Zudem stand am nächsten Tag auch wieder Arbeit für uns beide an. Warum sind diese verdammten Wochenenden immer nur so kurz???

So, nach 4 Wochen also der Bericht zu Nikkō. Ich habe noch einiges auf der Liste über das ich schreiben möchte, aber derzeit komme ich wirklich kaum zu was. In der Woche arbeiten und abends noch schnell was runterschlingen, Notwendiges erledigen (wie z.B. sich immer noch mit der Rentenversicherung rumschlagen), duschen, ab ins Bett. Am Wochenende von der Woche erholen … ahahaha, nein, nicht ganz: Wäsche waschen und putzen, immer wieder Notwendiges erledigen (z.B. Unterlagen für Anerkennung unserer Eheschließung in Deutschland ausfüllen), einkaufen und dann ab und an mal wieder Zeit für seinen Partner finden. Das ist also das Arbeitsleben. Ich muss sagen:

 
 
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8 Antworten zu [Unterwegs] Ein Kurzurlaub in Nikkō

  1. Michelle schreibt:

    Oh ja, arbeiten ist kein Zuckerschlecken. Besonders, wenn man weit fahren muss. Zieht echt alle Energie ab. Aber es ist nur ein Praktikum, oder? Kannst du danach Arbeit näher an deiner Wohnung finden?

    • nagarazoku schreibt:

      Die meisten Firmen, die für mich in Frage kommen, befinden sich im besten Fall in Yokohama, meisten aber eher in Tōkyō, aber wenn es nicht mehr nur ein Praktikum, sondern ein fester Job ist, ziehen wir irgendwo auf die Mitte ;D

  2. Tabea schreibt:

    Wollt gerad schreiben – Waaaas, du warst auch gerade in Nikko!? Da war ich doch auch!! Aber ok, es ist 4 Wochen her. DAS wäre ma echt witzig gewesen, wenn wir uns in Nikko übern Weg gelaufen wären. XD

    Und ich weiß genau was du meinst. Ich habe wegen des ständigen Müde seins und zu wenig Zeit habens auch schon so einige Nervenzusammenbrüche gehabt. Ist aber auch ne krasse Umgewöhung vom Studentenleben in Deutschland zum Arbeitsleben in Japan.

    • nagarazoku schreibt:

      Buahaha, in dem Dorf hätte ich mich soo totgelacht, wenn wir uns getroffen hätten XD

      Das Studentenleben hat ja auch so seine anstrengenden Seiten – ewig den Dozenten hinterherlaufen, die ganzen dummen Hausarbeiten und Abgabetermine, eigentlich nie so richtig Feierabend haben und einfach mal total arm sein -.- ABER ich konnte freier über meine Zeiteinteilung bestimmen, das fehlt mir hier unglaublich. ABER ich kriege jeden Monat eine Art „Schadensersatz“ mit dem ich hier ganz gut leben kann, das wird mir wieder in Deutschland sehr fehlen. Und alleine, wenn ich daran denke, dass dank einer gewissen Dozentin mein Abschluss nach Rückkehr noch gut ein halbes Jahr dauern kann, egal wie schnell ich mit der Masterarbeit fertig bin… Bah, okay, Studenten- und Arbeitsleben sind beides doof, ich will wieder in den Kindergarten 😛

      • Tabea schreibt:

        Nee, im Kindergarten musste ich immer Milchreis essen. Das war auch doof.

        Dann doch lieber gleich nach Taka-Tuka-Land!

      • nagarazoku schreibt:

        Halten wir fest: überall ist es ein bisschen doof 😛

        Aber im Taka-Tuka-Land bin ich dabei, vorausgesetzt ich darf Kleiner Onkel reiten!

  3. Tabea schreibt:

    Yay! Und in Taka-Tuka-Land haben wir dann auch gleich jede Menge von den Affen, die Nikko uns vorenthalten hat. 😉

  4. Pingback: Ein Kurztrip nach Matsumoto | Ein Nagarazoku in Japan

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