Regenzeit und ein Umzug steht an

Die Regenzeit, tsuyu 梅雨, ist da – zumindest laut offiziellem Wetterbericht. Der sah sie letzte Woche bereits angekommen, das Wetter selbst ist sich aber noch unschlüssig, ob mit den gerade noch angenehmen Temperaturen schon Schluss sein soll. Mich freut es. Ich schwitze mich auf dem Weg zur Arbeit noch nicht tot und kann ab und zu mit Kollegen im Park mein Lunch schnabulieren ^.^ Aber alles um einen herum ist bereits auf Regenzeit eingestellt: Die Bahndurchsagen erinnern einen auch bei Sonnenschein daran, seinen Regenschirm nicht zu vergessen, und die Regentrocknungsstationen und Plastikkondome, in die man seinen Schirm stecken kann, damit man nicht das ganze Büro vollkleckert, werden abends nicht mehr weggeräumt. In Japan merkt man den Wechsel der Jahreszeiten – und Regenzeit wird hier häufig als eigene Jahreszeit gezählt – an solch kleinen Details immer sehr ausgeprägt, finde ich.

Jetzt am 01.06. hat die Kleidervorschrift bei mir auf Arbeit zu „business casual“ gewechselt, was eigentlich nur bedeutet, dass die Ärmel, Röcke und Hosen für uns Frauen ein wenig kürzer werden und die Männer auf ihre Krawatte verzichten dürfen. Es ist im Büro aber durch die Klimaanlage sehr kalt, das macht also keiner. Besonders bei uns im Büro scheinen es sowieso gerade die Damen mit der Businesskleidung nicht so ernst zu nehmen. Sweater mit Kapuzen, Maxikleider und rote Crocs werden von ihnen genauso zu „business formal“ gezählt wie schwarze Kniestrümpfe zum Minirock. Gut, solange keiner was sagt … Aber selbst die Damen, die recht schick angezogen in die Firma kommen, kann man nach 5 Minuten nicht mehr in die Kleidersparte „business“ stecken. Kaum sitzen sie an ihrem Platz, schwups, geht es von den Highheels in die Hausschuhe, wird der schicke Rock mit einer Kuscheldecke überdeckt und der Blazer gegen einen Poncho ausgetauscht. Und dieser Aufzug ändert sich auch erst wieder, wenn die Damen nach Hause fahren. Zum Glück haben wir eher seltener Kunden vor Ort. Aber ganz ehrlich: Da, wo ich herkomme, ist es genau umgekehrt. Leute, die einen gewissen Dresscode auf Arbeit vorgeschrieben bekommen, fahren teilweise in etwas bequemeren Schuhen oder einer anderen Jacke zur Arbeit, dort wird dann aber in die Arbeitsbekleidung gewechselt und in ihr bis zum Schluss durchgezogen. Vielleicht ist unsere Firma da auch eine Ausnahme und in anderen Unternehmen herrscht Zucht und Ordnung, aber es ist doch immer wieder faszinierend, wie viele Damen sich von „business formal“ zum Erscheinen oder Wechseln in den Schlumperlook animiert fühlen.

Im August wird unser Büro übrigens umgestaltet. Es kann sein, dass ein paar Arbeitsplätze verlegt werden. Ich hätte gar kein Problem damit, denn derzeit sitzen fast alle anderen Praktikanten im Büro gegenüber, und da ich mich mit einigen von ihnen sehr gut verstehe, würde mir ein Umzug einiger Abteilungen unter Umständen ganz gelegen kommen. Der Rest der Belegschaft ist natürlich EMPÖRT darüber, nach der Ankündigung war DAS Thema auf dem Damenklo! (Ja, auf dem Damenklo bekommt man so einiges mit, da sich die Damen durch die im Hintergrund laufenden otohime quasi schalldicht verpackt fühlen, aber ganz ehrlich, die Dinger übertönen kaum was 😛 ) Der Umzug soll in der obonWoche stattfinden. Ich glaube, ich erwähne vorher mal, ich würde in den Urlaub fahren, sonst muss ich nachher noch beim Kistenschleppen helfen. Kein Scherz, es wird gerade echt überlegt ob die Mitarbeiter zum Umzug aus ihrem Urlaub geholt werden! O_o

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