Sie dürfen die Braut jetzt küssen!

Am Samstag letzter Woche waren wir geladen zur deutsch-japanischen Hochzeit einer Freundin. Geheiratet haben die Beiden zwar schon letztes Jahr, die große Feier wurde aber jetzt nachgeholt. Und wenn ich sage groß, dann meine ich groß. Von morgens 10.30 Uhr bis abends 21.00 wurde geheiratet und gefeiert, was das Zeug hält.
(Nora, Tabea, in meinem Ordner sind alle Photos durcheinander geworfen worden, wenn ich hier also ein Photo hochlade, das ihr gemacht habt und es hier lieber nicht hättet oder einen Credit dafür haben wollt, sagt bitte Bescheid 😉 )

Der erste Teil der Hochzeit fand im traditionellen japanischen Hochzeitsgewand im tsuruoka hachimangû 鶴岡八幡宮 in Kamakura 鎌倉 statt. Als wir vor rund 6 Jahren zusammen mit Frau B. im Zuge unseres Austauschjahres an der Tōkai diesen Schrein im heißen Sommer besuchten, konnten wir eine solche Hochzeit bestaunen und waren alle total aus dem Häuschen. Wenig wussten wir damals darüber, dass diese Hochzeiten dort am Wochenende im 30-Minuten-Takt abgehalten werden und die Hochzeit, die wir bei der Ankunft, und die, die wir beim Verlassen des Schreins sahen, wahrscheinlich zwei unterschiedliche waren 😄

 

An der Zeremonie selbst nehmen nur Familienmitglieder und die engsten Freunde teil. Im Anschluss an die meisten japanischen Hochzeiten werden dann aber noch eine westliche Zeremonie und eine große Feier angeschlossen, an dem dann auch der „Rest“ teilnehmen darf.

Die Braut zog als Ausländerin eine unglaubliche Masse an begeisterten Schaulustigen an, die alle nur die tollsten Komplimente für sie übrig hatten. Unter anderem wurde ihr kleines Gesicht gelobt (Ja, ein kleines Gesicht haben, ist in Japan etwas Tolles, weil Japaner selbst der Meinung sind, sie hätten im Vergleich zu Europäern unglaublich große Gesichter) und wohlwollend bemerkt, dass sie kleiner ist als ihr Mann. Die Braut hatte sich sogar eine blonde Perücke für die traditionelle japanische Hochzeitsfrisur besorgt und hätte damit gar nicht japanischer und gleichzeitig ausländischer aussehen können als sowieso schon 😄

Dann ging es in ein Hotel direkt am Meer zur westlichen Zeremonie. Die zum Hotel dazugehörige Kapelle war so gelegen, dass man von allen Seiten einen ganz tollen Blick auf das Wasser. Leider wollte das Wetter nicht so richtig mitspielen. So war zum Beispiel der Effekt, als alle Rolläden auf einmal geöffnet wurden, als die Braut ihrem Bräutigam „übergeben“ wurde, und der Raum auf einmal hell erstrahle, schon beeindruckend genug, aber mit richtig strahlendem Sonnenschein wäre das bestimmt nochmal umwerfender gewesen! Man weiß in Japan schon, wie man das Publikum beeindruckt 😀

Den Brautstrauß habe ich im Anschluss leider nicht fangen können. Kei, sorry, wir müssen wohl doch noch etwas warten 😛

Die Feier ging in einem Saal des Hotels mit köstlichstem Essen und lustigen bis tränenreichen Einlagen des Brautpaares weiter. So wurde sich zum Beispiel gegenseitig von der Hochzeitstorte mit typischen Gegenständen aus den jeweiligen Geburtsorten der Beiden gereicht. Die Braut bekam ihr Stück rosarote Torte mit einem Spätzlehobel, der Bräutigam mit einer Schneeschaufel 😄

Braut und Bräutigam zogen sich an dem Tag übrigens insgesamt vier Mal um! Auf das  schneeweiße Brautkleid für sie und den schneeweißen Anzug für ihn folgte eine rosarote Kombi, die Braut mit an Prinzessin Peach angelehnten Regenschirm. Leider ist mir kein gutes Photo von den beiden in diesem Outfit gelungen >.<

Im letzten Ensemble gaben die beiden dann auch eine kleine Tanzeinlage, was wohl eher ungewöhnlich für eine japanische Hochzeit ist, aber gerade beim Bräutigam reden wir nicht nur von einer absoluten Rampensau, sondern auch von jemandem, der lange Zeit Tanzunterricht genommen hat 😉

Man beachte bitte auch die lustig gekleideten Herren im Hintergrund – Freunde des Bräutigams 😄

Die Feier nach der Feier (die nijikai 二次会) ging bis 21 Uhr, und wir waren danach alle pappesatt, zufrieden, aber auch todmüde. Vom Hotel aus fuhr ein kostenloser Shuttlebus, der uns zum Bahnhof brachte, von dem aus wir in rund 40 Minuten Zuhause waren. Das ist eine Sache, die ich an Japan wirklich schätze: Eine Party wird veranstaltet? Mitten in der Pampa? Keine Sorge, es ist IMMER dafür gesorgt, dass ihr alle ohne Probleme nach Hause kommt. OHNE PROBLEME! Das kann ich auch von der Erfahrung vieler anderer her von vielen Feiern in Deutschland nicht unbedingt behaupten.

Auf jeden Fall an dieser Stelle nochmal an das Brautpaar: Euch alles erdenklich Gute für die Zukunft und danke für die schöne Feier! Wir hatten unglaublich viel Spaß!

Als Hochzeitsgeschenk an uns gab es ein Photoalbum, das mit Katalogphotos aufgefüllt ist. Aus diesen können wir uns frei etwas auswählen, wobei die Auswahl dabei von Schmuck über Deko bis hin zu Pfannen reicht. Wir konnten uns bisher immer noch nicht entscheiden 😄 Wenn wir das irgendwann mal geschafft haben, können wir die Photos aus dem wunderschönen Album nehmen und es selbst weiterverwenden (*^.^*) Sehr schöne Idee! Einige Gäste erhielten auch recht persönliche Geschenke – man merkte, dass Braut und Bräutigam wirklich viel Sorgfalt in die Auswahl gelegt hatten!

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